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Full text of "Stenographisches protokoll der verhandlungen des .."

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I. Verhandlungstag. 

29. August 1897. 



Vormitlags-Sitzung. 

.1 1 er y |i 1-Ü9 i <i n t l)r, Karl Lippe (Jassy,: Tnr inigcföhr 
sicbzchu JuIirt'O erliioll ich von riiu^rii hebriiiscboii Litornten, XamniH 
Lkiwd rii ad c ii m a ], ein Schrcibi'ü, wnrin er mir anzeigte, tlasfl 
bin gewisser LnzHr Rnkeach aus StitVd in Pah'lstina nach Ru- 
jATiieii gekommen sei, um für die Uildang von jüdischen Colonlon 
Palä»lnia zu agitieren. Bald darauf wurde ich in einem bt.sohei- 
^iifn Ziniiiier in einer .fassyer Vorstadt beauftragt, für diese Sacb** 
IM Wort und Schrifr Stimmung zu machen. Es ensianden hnld 
27 Coniüi'9 in 2T Sriidten des Landes und ein OentralcomitL' in 
«taUta. zu deren Mitgliedern Herr Samuel I' i n e I e s und ich ge- 
'|örtcn. Vas Resultat dieser JVipagundft waren die erf-tcn zi^-ei 
Kolonien nut^ RnmÜnion in Palästina, Siebron Jacob und Rutich 
^ioah. Ala diene Colnnicn in bessere Hände übergingen, hiirte unser 
»mite zu bestehen auf. Aber Herr Pineles und ich hiirteii 
kii'ht auf, in dipHer Saeh« thüti^ zu sein. Ich war ho\ der Conferenz 
fr( Kuttowitz, Ton deren Thcihiobnii-rn .sirh «uwer mir noch die 
lerren .1 a n i n o w x k i und .M »»Heu hier belinden. 

AVidd ist dicpi' Vi'rsiuniiduna; für die zioniHtist-hen Beiitrelningen 
ndtegend j;<iwehen, alloin sie re^ira^entierlo blos einen Bruchtheil 
li'fl Judenthuma. Dieiier Cangrest) roprjifientiert hingegen das tiesammt- 
iidenthum. 

Welcher gewaltige Sprung von jenem beBcheidcncn Stübehen 
der .Ja9»\er Vnr-ttadt bin zu diesem Saal in Basel, welcher un- 
rwurti'ie i'^ortschrltt v<ui Cliaaehmal und Rokeaoh bis zu 
e rz I und M o r d a u ! 

Diese Versamnilung von Genandten jüdisidier Vereine und bc- 
-•Uterter iludcn ist die erste ihrer Art seit ar.htxehnbundcrt Jahrea 
|<'H dritten Kxita. Sie ist der Au^'druck einer internationalen Be- 
reguiif^, die alle Stände IsraelH tuf-riflen, um einen nutionalen Oe- 
iken zn verwirklichen, welciicr wiihrend der langen Dauer dieiiie'i 
(il«, des Gotu.s ICdom, im Scluisae der Judeuheit gebannt lag und 
^HgebeuB nach Verwirk liehung rang. 0, ein schöner, ^russer Tag« 
lir heutige, in der Ueschiehte hrael«, fQrwahr! 

1 



— 2 — 

Der Gegonataiid, der una heute zur Beratiiuoj» rorliegt, ist kein 
geringerer, als dio Rückkehr der Juden ins Land ihrer Väter, in 
das lieilige Land, das uneer Gott, der einig-einzige, unserem Krz- 
Tflter Abraham uns, seinen Nachkommen, verheissen hat, 

rlfthrhuriderto lang warten wir vergebeus auf eine Krlösung 
aus dem harten Golus mittelst göttlicher, übernatürlicher Wunder, 
und nun, des langen Wartens müde, von allen Seiten von Feinden 
bedrängt, wollen wir unsere Erlösung auf dem natürlichen Wege ver- 
suchen, um in un»Rr altes Vaterland zurückzukehren, gleich unseren 

I Vorfahren in Mizraim und Mpiiter in Babel. Auch sie gelangten in 
den HcBJtz de« Vaterlandes zurück auf dem natürlichen Woge der 
genchic htliclien Entwickelung. Nach dem Auszüge aus Aegypten er- 
kämpfton sich unsere Väter das band der Erzväter auf dem natür- 
liche» Wege dor Krittgführung unter Mosche, Jehoschua, den Richtern 
und Kt'nigpn. Die Exulanten In Jiabylon kehrten auf Gmnd diplo- 
matiHchcr Unterhandlungen mit dem l'erserkönige Cyrus und eines 
intornationalcn Tractatei» zurück, der in unseren heiligen Schriften 

1 wörtlich aufbewahrt ist. Wohl verhiess ihnen der Prophet Socharja 
eiur übernatürliche Erlösung, indem er sie tröstete mit den Worten: 
„Dein König (der Messio«) wird zu Dir kommen, bescheiden 
auf einem Esel reitend." Aber unsere Vorfahren warteten die Er- 
füllung dieser Verheiasung nicht ab und benutzten die erste, sich 
dtirbietcude Gelegenheit und kehrten heim. Der Prophet Jcschajaiiu 

I nimmt keinen Anstand, dem PerserkSnig, dem Heiden, den Mesaios- 

' titel zu verleihen. 

Auch wir wollen gleich Jenen unseren Vorfahren vor 
2Ö0I* Jahren, den Kselreiter von Üabel, den Messias, niciit mehr 
erwarten und wollen ebenfalls auf Grund eines internationalen 
Tractatos nach Erez Israel zurückkehren. 

Unsere Frommen, welche noch immer den cselreitenden König 
erwarten, mögen auch fernerhin in Golus bleiben und auf seine 
Ankunft warten; aber wenn sie Bettlern, Müasiggängem und Greisen 
i^cKtatten, sich im heiligen Lande anzusiedeln, und sie mit einem 
JJettclpfenig unterstützi^n, so darf auch uns nicht verboten sein, 
lebenskräftige, arbeitslustige junge Leute hinzubefördern, welche 
durch Arbeit und Fleiss das verwüstete Land in ein Eden verwan- 
deln worden. Und sollte endlich der bescheidene König wirklich 
erHcheinen, dann werden ihm unsere Arbeiter einen würdigeren Em- 
pfang bereiten, als jene Schnorrer. 

Aber wir verhchlfm uns durchaus nicht, dnss unsere Position weit 
Mchwicrig(T ist, als jene der Ertulunten Babels. Zur Zeit des babyloni- 
Hcbeu Exils waren sowohl Babel als auch Palästina Provhizen des 
ueraiachen Reiches. Serubabel, Ewra und Nochemia hatten blos bei der 
persischen Regierung die Erlaubnis für die .luden zu erwirken, aus 
einer Provinz ihres Staates in die andere zu übersiedeln, i^chwiorigor 
Ist die Aufgabe für unsere Einwanderer. Diese kommen als Angc- 



ri^ 



■^ 



I ' ' : Staaten und vcrliuigcn ICinlona in eine* Provinz des 

I ritoriunia. 

Allein in der woblbekaontcn Onado des rogierondcn Sultan«,] 
m «einer Ucberzeugung von der Treue seiner jüdiacberUntertlianen, 
in seiner Ueberztiugimg, dass .luden üborftllhin Segen bringen, wo 
•ii' «icb nirdi^rlimson, wird 8oiiK' MajestJit der Sultan nicht verfehlen, 
vini- ^Ö9»erc Zahl solcher emsiger civilisatorischer Kiemente seinem 
Reiche einzuverleiben. 

l'uBeren Äasimilanten, die mit uns nicht mitgehen wollen, die 
in übel angebrachter Selbstverleugnung ihrem Ehrentitel , Nation* 
■ n und in der zionifitiRehen Bewegung eine Gefahr für ihro 
iiche Stellung erblicken, und die ihr Heil einzig und allein 
im völligen Aufgehen in anderen Xatirmen erblicken, rufen wir dio 
Worte KU, die der jüdische Feldherr an seine Soldaten vor der 
Schlacht zu richten pflegte : „Jeder Zaghafte und Weichheraige 
^bleibe zu jlause." 

Eine Nation wie Israel, die seit .'MXlO Jahren, auch ohne allen 
Sehulzwnng, keinen Analphabeten in m*inem Schoosse duldet, eine 
Xatiou^ der Belbst alle Mächte der Hölle im Verlaufe von Jahr- 
tausenden ihr nationales Bewuästsein nicht haben rauben können, 
nooh Lebenskraft genug, um ein solhständigos nationalea 
/.u führen und kann sich nicht selbst aufgeben. 
Als Xtttion haben wir unsere tfanten- und einfluHRrciche Oe- 
ochichte mid der erste Freiheitskampf, den die WeltgeRchichte auf- 
xuweisen bat, ist der Auszug unserer Väter aus Egypten, mit dem 
t t-<t die Ge?cliiehtc der Vi51ker anfllngt. Aber die Geaehichte laraoJa 
! die geschieht*? dca weltcrobcrnden Gedankens. Die erste geord- 
nete humane Oewetzgebung ist die jüdische. 

Unsere uralte clasaische Littcratur ist unter dem Namen Bibel 
in alle ciTÜisierten und halbcinlisierten Sprachen übersetzt, sie dient 
Hundertpn, Millionen von Familien als Haun- und Krbauungsbuch. 
Unserer Gesäuge (Fsaimcn) bedienen sich die I'rieator aller C'on- 
fc«wionen. 

Der jüdischen Nation fehlt zur Vollatändigkeit bloa ihr Vater- 
id. Darüber wollen wir eben berathen. — Uns ist die Furcht 
der ÄBsimilanten vor der Besiedelung Palästinas mit Juden nicht 
einleuchtend. Wieso können diese der» unter den Völkern znrück- 
Miebenen Stammesf^i'nossen ach.'idlich wcnlenV Bis jvtzt bestehen 
Mts 32 Judencdonien im heiligen Lttnde und wir fühlen uns 
durch sie gar niclit beeinträchtigt; ebensowenig hat die PnlUstina- 
Aasittolhing in Berlin, Köln und Breslau irgend welchen Narhtheil 
vrnjr«acht. Ebensowenig schaden uns dio sonstigen zahlreichen jüdi- 
i»chen, ' 'igen. unternehmnn(;shi.'<ti^en Einwanderer nach Jeru- 

salem i. .'Ten Stiidten dos* heiligen Ijandes. 

Aber der <^'ongr<'S8, ja der Congress! Dieser Congress iBt, 
abgeaehen tou dem auf demselben zu behandelnden Gegenstände, 
nichts anderes, als eine ötTentliche Volksversammlung, um gegen 

i* 



_ ^ _ 

die li?OOjälirige Verfolgung. Bedrückung und Vergewaltigung zu 
protestirren, gleich joder anderen in ihrem Rechte gekränkten und 
beeinträchtigten ilinorität. Während unsere Mtnscbenreohte von 
ttllen Seiten geschmälert Verden, tmllen wir uns des einzigen, da» 
ans übrig bleibt, des Hechtes der Kluge selbst begebend Wir Juden 
haben, trotz unsäglichen nie ondenwollendcn Unrechte», das wir zu 
erleiden haben, an der Menschheit nicht verzweifelt, und in der 
Hoffnung, dass weder der Antiaemitismus, noch die misaveratandend 
und vorkehrt ausgeübte christliche Liehe das öffentliche Gewissen 
in Europa ausgelöscht haben, beabsichtigen wir, an dieses Oowisaea 
zu appellieren. Wir habeu uns zu beschweren gegen Regierungen^ 
Völker und Priesterthum. 

Kine Zeit hing haben wir in der uns lieb gewonnenen arificheit 
GiTiUsation unser JJeil zu finden geglaubt. Aber sie hat uns ver- 
rathen. Schon Jeromias klagt: »Ich rief meine lieben Freunde und 
diese haben mich verrathen." 

Als unsere Vorfahren aus Kg>'pren zogen, schlössen sich ihnen 
Tiele Assimilanten an. Aber sie butten nicht deu Muth, gegen ein 
widriges Schickaal zu kSnipfen und riefen bei der ersten Wider- 
wärtigkeit, die sich ihnen darbot: „Setzen wir uns ein Oberhaupt 
und kehren wir nach Mtzraim zurück.* Wir aber rufen: «Selzoa 
wir uns ein Oberhaupt und kehren wir nach Jeniüaloni zurück". 
Wir nȆ8sen der brutalen rebermaehi ausweichen und in unsere 
alte Ili'iniat zurückkehren, und wenn unsere Mission unter den 
Nationen wirklich noch nicht erlBllr wäre, so wollen wir das Vcr- 
Kiiuuito von dort nachholen. 

„Denn von Ziun allein geht die Lehre aus Und Gottes 
Wort blüs von JeruBcbolaini* (Lebhafter UeifalLj 

Der Antrajer Pr. Lippe 'b auf Abscndnn;; einer Ereebenbeits- 
nud Dnuk barkei ts-.\ drcssR an deu Siillaii wtrd ohne Debatte 
durch Acclaicutiua aug'enonuiieu. 

Alter»prftAUIent: Ich eithefle Herrn Dr. Theodor Herzl da* Wort 
xor ßeprüs.siiMß'sit'ik'. 

Dr. Theodnr Herzl (Wien): Geehrte Congressmitglieder! 
AI« einem der Eiubetufer dieses Congresses ist mir die Elire zu- 
gefallen, Sie zu begrüsaen. Ich will es mit wenigen Worten thua, 
denn Jeder von uns dient der Sache gut, wenn er mit den kost- 
baren Minuten d»;« Congcesse:« spart. In drei Tagen haben wir viel 
Wichtiges zu besorgen. Wir wollen den (Tniniistein legen zu dem 
Haus, das dereinst die jüdische Natiou beherbergen wird. Die 
Sache iat so gross, dass wir nur in dou einfachsten Worten vun 
ihr sprechen sollen. Soweit es sich jetzt schon beurtheilen lässt, 
wird in diesen drei Tagen eine Uebersicht über den gegenwiirtigen 
Stund der Judeutrage geliefert werden. Der gewaltige Stoff 
gliedert sich unter der Hand UDseier Referenteu. 

Wir wollen Berichte hftreu Über die Lage der Juden io dea 
einzelnen Ländern. Sie alle wisden, weuu auch vielleicht nur in 



^ 



— o — 



«ioei* anbestimmten Weise, dass diese Lage mit wenigen Ausiialimen 
I eine niclit erfreuliche ist. Wir fändeu uns wohl kaum zusammen, 
'•wenn es anders wäre. Die Gemeinsamkeit unserer Geschicke hat 
eine lange Unterbrechuni^ erlitten, obwohl die versprengten Theile 
a«* jüdischen Volkes allenthalben Äelinliches erdulden mu^steö. 
Erst in unserer Zeit ist durcli die neuen Wunder des Verkehres 
die Möglichkeit einer Versläudigung und Verbiudung der Getrennten 
gegeben. Und in dieser Zeit, die sonst so hoch int, sehen, lUblea 
viir uns überall vom alten Hass umgeben. Antisemitismus ist der 
Ihnen nur zu wohlbekannte moderne Name der Bewegung. Der 
*n*te Eindurck, den die Juden von heute davon hatten, war lieber- 
raschung, die in Schmerz und Zorn flbergieng. Unsere Gegner 
wisäeu vielleicht gar nicht, wie lief im Inner-vten sie gerade die- 
jenigen unter uns verletzt haben, die sie möglicher Weise nicht iu 
erster Linie treffen wollten. Das moderne, gebildete, dem Ghetto 
entwachsene, des Scbacherns entwöhnte Jndenthum bekam einen 
Stich mitten in's Herz. Wir können das hentp ruliig sagen, ohne 
ans verdÄclitig zu machen, dass wir an die Thrfineinlrllsen unserer 
Gegner appellieren wollen. Wir sind mit uns im Keinen. 

Man war in der Welt von jeher schlecht Ober uns autei'- 
richtet. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, welches man uaa 
90 häufig und grinirai? vurwaif, es war in voller Auflösung be- 
griffen, als uns der .Antisemiti-^mus anfiel. Dieser hat e.s wieder 
1 gestärkt. Wir sind sozuitagen nach Hau^e gegangen. DerZionismuB 
ist die Heimkehr zum Judentbum noch vor der Rückkehr 
ins Judenland. Wir hRimgekehrteu Söhne fluden im viUerlicben 
Häu^i« manches, was der Besseiuog bedarf: wir haben naraeBtUch 
P.Mider auf tiefen Stufen des Klends. Man helsst nns aber In dem 
alten Hause willkommen, weil es wohl bekannt ist, dass wir nicht 
dm vermessenen Gedanken hegen, an Ehrwürdigem zu rütteln. 
Da? wird sich bei der Entwipkelung des zionistischen Programme» 
igen. 

Schon hat der Ziunismus etwas Uerkwllrdlges, ehedem I9r 
noraöglich Gehaltenes zu Wege gebracht : die enge Verbindung der 
modernsten Elemente des Judenthums mit den conservativsten. Dass 
sich die« ereignet bat, ohne dass von der einen oder der anderen 
Sf'itM unwürdige Concessioneu gemacht, Opfer des Intellectes gebracht 
u T-ipr» wären, ist ein Beweis mehr, wenn es noch eines 
[1 ■ bedürfte, für das Volksthum der Juden. Ein solcher Za- 

»«^ j.ichluss ist nur möglich auf der Grundlage der Nation. 

Es werden auch Debatten stattfinden über eine Organisation, 
derei) Xotliwemligkeit Jeder einsieht. Die Organii^ation ist der Be- 
weaadeä Vernünftigen in einer Bewegung. Hier ist aber ein Punkt, 
dar nicht deutlich «ud energisch genug heransgearbreitet werden 
kann. Wir Zw.nisten wünschen zur Lösuug der Judenfrage nicht 
'. einen interuationalen Verein, sondern nur die internationale 
/i>LU«ioD. Der Uoterschieil ist für uns von der höchsten Wich- 



— 6 — 



tigkeit, wift ic)i Ihnen nJclit er^t auseioandei-zosetzen biauclie. Dieser 
I Umstand legitimierte auch die Eioberufung unseres Congresses. 
Es kann sich bei uns nicht um Bündeleieu, geheime Interventionen 
und Schleichwege handeln, sondern nur um eine freiwillige Erör- 
terung unter der beständigen und ven^tändigen Controle der öÖ'ent- 
, liehen Meinung. Es wird einer der nächsten, schon jetzt in grossen 
' Umrissen wahrnehmbaren Erfolge unserer Bewegung sein, dass wir 
\die Judenfra^e in die Zionsfrage umwandeln werden. 

Eine so grosse Volksbewegung niu^^s von allen Seiten ange- 
packt werden. Der Coiigi*'S8 wird sicli daher auch mit den geisti- 
gen Mitteln zur Wiederbelebung und Pflege des judischen Natiooal- 
bewu.<)siäeiD9 beschäftigen. Auch auf diesem Punkt haben wü' mit 
Miss Verständnissen zu kämpfen. Wir denken nicht daran, auch nur 
1 eines Fusses Breite von erworbener Cultui- aufzugeben, sondern denken 
\ an ein weiteres Vertiefen der Cnltur, wie es jedes Wijisen bedeutet. 
Uebrigeus Hess das geistige Leben der Juden von jeher 
bekanntlich weniger zu wUn.sclien übrig, als das ihrer körperlicbeu 
Bethätigtuig. Dies haben die practi^chen Vorläufer dea jetzigen 
Zionismus eingesehen, als sie anfingen einen jüdischen Ackerbau her- 
vorzurufen. Von diesen Colonii^aiionsversuchen in Palästina und 
Argentinien können und werden wir alle nie anilers als mit auf- 
richtiger Dankbarkeit sprechen. Aber sie waren onr das ei*ste, 
sie sind nicht das letzte Wort der zionistischen Bewegung. Diese 
] muss giösser sein, wenn sIte überhaupt sein soU. Ein Volk kann 
sich nur selbs t hellen; kann es das nicht, so ist ihm eben nicht zu 
' helfen. Wir Ziiuiiwlen wollen ahej- das Volk zur Selbsthilfe an- 
regen. Dabei sollen keine verfrühten, nngesnnden Hoffnungen an- 
geregt werden. Auch aus diesem Grtmde ist eine Oeffentlichkelt 
' der Verhandlung, wie sie unser Congresa bezweckt, von hohem 
Wert. Wer die Saclie ru^ig bedenkt, wird sich doch sagen müssen, 
das-s der Zionismus auf andere Weise, als durch eine rücklialtlose 
) Auseinandersetzung mit den betbeiligteu politischen Faktoren sein 
' Ziel niclit erreichen kann. Die Scliwierigkeiten der Colonisations- 
befugniss wurden bekanntlich nicht erst dnrchden Zionismus in seiner 
gegenwärtigen Ge^dalt gescliaffen. Man muss sich fragen, welchem 
Interesse die Erzähler solcher Märchen denn eiKenilicIi haben. 
Das Veruauen der Kegierung, mit der man über eine Änsiedlung 
jüdisclier Volksmassen im gros^eu Massstabe verhandeln will, lässt 
sich durch offene Sprache, durch ein loyales Vorgehen erreichen. 
Die Vortheile, die ein Volk als Gegenleistung zu bieten vermag, 
sind so bedeutend, dass die Unterhandlungen von vorneherein mit 
genügendem Ernst anssestatlet sind. In welcher rechtUcheu Form 
die Einigung sctüiesslich stattfinden soll, darüber heule viel zu 
, reden, wäre ein müssiges Beginnen. Nur das eine i.st unverbrüchlich 
festzuhalten : Die Ba.sis kann nur ein Zustand des Rechtes und 
1 nicht der Duldung sein. Mit der Toleranz und dem Schutzjuden- 
thnm haben wir nachgerade genng Erfahrmigeu gemacht. 



- 7 - 



Unsere Beweguiiff hat fulglich nnr dann einen veniünfÜgHn 
Ztigf wenn sie üttentUdi-iecIttUchf: BiiigscliHtien anstrebt. Die bis- 
herige Colonisation )iat das erreicht, ffas eie nach ihrer Anlage 
erreichen konnte. Sie hat die vielbestrittene Tanglichkeit dar 
Jaden zur Landarbeit erhärtet, Sie bat diesen Beweis, wie es iu 
der Rechtsspraohe heisst, zum ewigen Gedächtniss erbi-acht. Aber 
die Lf)sung der Jüdenfrage ist sie nicht und kann sie in der bis- 
herigen Fonn niclit seiü. Sie hat auch, gestehen wir es uns offen, 
eioen bedeutenden Anklang nicht gefunden. Waiam? W^eil die 
Joden rechnen können, es wird ja sogar behauptet, dass sie es zu 
eut können. Wenn wir nun auDehnien, dass es neun Millionen 
Juden gibt und dass &i der Coloni^aiion gelänge, jährlich zehu- 
lausend Personen in Pahlritina anzusiedeln, so würde die Lösung 
der Jüdenfrage neunhundert Jahre in Anspruch nehmen. Das sieht 
ODpraktiscli aas. 

Knn wissen Sie aber, dass die Ziffer von zehntausend Ansied- 
lern jälirücb geradezu pbantasliscb ist, anter den ietztigen Ver- 
h4ltnis:ien nämlich. Die türkische Regierung würde bei einer 
BOlcbeu Ziffer sut'ori die alten Einwanderuogsverbote auöi'ischen — 
Dod das wäre uns gerade recht. Denn wer da glaubt, dass die 
Joden sich in das Land der Väter gleichsam einschmuggeln könnten, 
der täuscht sich oder tÄUi^cht andere. Nirgends wird das Auftauchen 
von Juden so schnell sigimiisierf, wie iu der historischen Heimat des 
Volke.-«, ebpn weil es dit historische Heimat ist. Und es wäre auch 
gar niclit in unserem Interesse gelegen, verfrüht dahin zu gehen. 
Die Einwandernng der Jaden bedeutet einen Kräftezndnss von 
onverhoflter Fülle für das jetzt arme Land, ja für das ganze oä- 
manisobe Reich. Seine Maje»täi der Sultan hat übrigens mit seinen 
jüdischen ünlerthanen nur die besten Erfahrungen gemacht, gleich- 
wie auch er ihnen ein gütiger Souverän ist. Es liegen al^o Bedin- 
gungen vor, die bei einer klugeu un<l glückliclieu Behandlung der 
gauzen Sache zum Ziele führen können. Die tinanzielte Hilfe^ 
welche die Juden der Türkei bieten können, ist nicht unbeträchtlich 
und würde zur Beseitigung manches innern Hebels dienen, an dem 
dieses Land jetzt leidet. Wenn ein Stück Orientfiage zugleicli mit 
, der Judenfrage gelöst wird, so ist dies gewiss im Interesse aller 
\CnUörvÖ!ker. Die Ansiedluiig der. luden wäre wohl auch 
(eine Besserung der Lage der Christen im Orient 

Aber nicht nur von dieser Seile her darf der Zionismus auf 
die Sympathien der Völker rechnen. Sie wissen, dass der Judeu- 
streit in manchen Ländern zur Kalamität der Regierung gewurdea 
ist. Ergreift man für die Juden Partei, so hat man die aufge- 
wühlten Ma.ssen gegen sich. Ergreift mau gegen die Juden Partei, 
so hat dies beim eigenthünilichen Einflass der Juden au^ 
den Weltverkehr oft schwere wirtschaftliche Folgen. Es gibt 
dafSr Beispiele in Russlaud. Verhält sich endlich die RegiiM'Uiig 
neuu-al, so sehen sich die Juden ohne Schutz in der bestehenden 



'-Oi'dnuu^ uml flüchten sich in den Umstui^. Der Ziouismas, dia 
Selhathilfe der Juden, eröffnet nun den Ausweg ans diesen sonder- 
V baren Schwieng:keiien. Der Zionismus ist einfach der Friedens- 
I Stifter. Es gehl ihm dabei wie Friedensstiftern gewülmlicl» : er 
1QUSS sieb am meiäten herumschlagen. Nur weim unter den melir 
odei' minder ehrlicben Argumeateu gegen unsere Bewi^guug auch 
das vorkommt, daas man uns des Mangels des Patriotismus zeilit 
80 richtet sich dieser verdächtige Einwurf von yelbst. Welclien 
bessern Dienst krtnn einer seinem Land leisten, als wenn er 
den innern Friede» der Bürger hei-stellen hiltl. Von einem voll- 
ständigen Auszug der Juden kann wohl nirgends die Rede sein. 
Die sich as>imilieren können oder wollen, bleiben zurück and werden 
resorbiert. Wenn nach einem gehörigen Abkommen rait den be- 
theiliglen politischen Factoreu die Judeuwanderung in aller Ord- 
nung beginnt, so wird sie für jedes Land doch nur solange dauern, 
als dieses Juden abgeben will. Wie der Abduss /um Stillstand 
kommen soll? Einfach durch das allmälige Abscbwelteu uod eud- 
licbe Anfhören des Antisemitismus. So verstehen, so erwarten wir 
die Lösung der Judenfrage. 

Das alles haben meine Freunde und ich gesagt Wir wollen 
uns die Mühe nicht verdriessen lassen, es immer und immer wieder 
zu sagen, bis man uns versteht. Bei dieser feierlichen Gelegen- 
lieit, wo sich Juden aus so vielen Ländern zusammengefunden haben, 
auf einen Ruf, auf den alten Ruf der Nation, heute sei unser B*i' 
kenntiiiss feierlich wiederlmll. Muss un» nicht eine Ahnung grossen 
Geschehens überfliegen, wenn wir denken, dass in diesen Augen- 
blicken die Hofl'nungen und Erwartungen von vielen Hunderttausendtiu 
unseres Volkes auf unserer Versammlung rubenV Nach fernen 
Ländern, ja über das Weltmeer wird in der nächsten Stunde die 
Nachi'icht von unseren Berat hnngen und Beschlüssen eilen. Darum 
soll Aufkhirung und Beruhigung von diesem Cuugress ausgehen. 
Ueberall soll man erfahren, was der Zionismus, den man für eine 
Art von chiliastischem Schrecken ausgab, in Wirklichkeit ist : eint) 
gesittete, gesetzliche, menschenfrfundliche ßewegiing nach dem alten 
Ziel der Sehnsucht unseres Volkes. Was die Einzelneu unter uua 
schrieben odei" sagten, konnte und duifie man achtlos übergehen — 
niiiht mehr das. was der Congress hervorbringt. Möge daium der 
Cougress, der fortab der Heir seiner Debatten ist, als ein wtiiser 
Herr wirtschaften. 

Und endlich wird der Congress filr seine eigeue Dauer sorgen. 
damit wir nicht wieder auseinander laufen, spuilos und ohne Wirkung. 
In diei^em Cougress schaffen wir dem jüdischen Volk ein Organ, das es 
bisher nicht hatte, das es aber dringend, zum Leben dringen«! braucht. 
Unsere Sache ist zu gross für den Ehrgeiz und die Willkür ein- 
Keiner Personen. Sie muss ins Unpersönliche hinaufgehobeu werden, 
wenn sie gelingen soll. Und unser Ootigress soll ewig leben, nicht 
imr bis zur Eilösung aus der alten Notb, sondern nachher erst 



— — 



recbl. Hc-nlft ^ind wir liier auf dem gastltcliea Bodeu dieser freien 
Stadt — wo werden wir über's Jahr sein ? 

Aber wo wir auch s^ien und wie lange anaer Wtjrk bis lur 

Voiiendnng dauere, unser Congress sei erusc und hoch, den Un- 

glücklicbeii zum Wohle. Niemandem zu Trutz uud alieu Juden zur 

Elire und würdig einer Ver^aiigHiilieit, deren Rubra wolil sclion fem, 

'ftber unvt^rgttnglidi ist! (Stürmischer Beitall.) 

Im Aüftra^^e dnr Voifonfereiiz macht HciT yam. I'inelcs folf^euden 
Vvrsclilap för die Wahl des ßorcans: 
rrilsident: Dr. Theodor llerzl. 

1. Vire- Präsident: Dr. Max Xordaii. 

2. Vice-Prftsident: Dr. Abrah.im Salz, 
a. Vice-PrfUsident: Samuel I'iuelea. 
Schriftfnhrer: Für hcbriiisch Inffeniptu' AI. l'sBischkin, für 

dcDtsoh Dr. Schauer, für ni&8isc)i W. T e ni k i u , (Ur 
eiigliHch J. de Haas. 
Beisitzer: \i»hh. Dr. M. Ehrenpreis. Dr. Alexander Uints, 

Dr. M. T. Schnlrer. David Wolfaohn. 
FMe Vprffe*clila?enen werden biemuf durch Acclamation eewHhlt. 
Dr. Heral ilbcmimmt den Vorsitz. 

Prisldcnt; Der Einlniif von Kand^ebno^n ans der ^'-iii/eii Welt 
Sai ein eu uiaatteiihat'ter. dasa das Htirean bisher eine Ordnung iiirht her- 
*uV : tp. Wir wollen daber (lieseti l'unkl der Tapesordnußg vorUntiR 

Vfi bi» aniiüheriid Ordnung liergestL-Ut ist und gehen xiiuädist 

7.ua iuuUiu: .Die all^erueirie Lage der Juden** über: ich gebe dem Kefe- 
rem«» Herrn l>r. lla\ Nordan das Wurt. 

I>r. AInx Nordan (Paris): Die Sonderlieriohterstatter für dio 
einzelnen Länder werden Ihnen die Loge unserer Brüdor in den ver- 
flchiedpripn Stswiten eingelirnd ndiildorn. Kinige ihrer Hcrivbtc haben 
mir Torgelegen. andere nicht. Abfr auch von den Ländern, über 
die ich von mcintMi Mitarbeitorn nicbta erfuhr, habe ich thcils aus 
eigener Anschauung, theüs aus aaderein Quellen einige Kenntniss, 
»o Au^ei ich es vielleicht ohne SolbstübcrhebuiiF^ untcniebmen darf,, 
ein Geaaninitbild von der Verfassung der Judenhcit nni Ausgongo ' 
de» neunzehnten Jahrhunderts zu entwerfen. 

Diesra Bild kann ungefähr aus einem einzigen Farbenton 
gemalt werden. Vebernll, wo Juden in einigenmisaen grösserer Zahl 
nnter ilen Villkeru siedeln, lierracht Judennoth. Ea ist nicht die 
DurchschnittNUoih, ilic das wahrt^cheinlich unabünderlicho Krdeu- 
gpwcbii.'lc uii«<'rer (iuttung ist. Es ist eine besondere Noth. die dio 
Juden nicht aU Menschen, sondern als Juden erleiden uud von der 
no fmi sein würden, wenn sie keine Juden waren. 

Die Judennoth hat zwui Formen, eine siichliebe und eine sitt- 
liche. In Uotouropa, in Nordafrika, in Wustasien, gerade in den 
fTpbietpn, die Hio ungehpuro Mehrheit, wahrscheinlich neun Zehntel, 
aller Juden beherbnrgen, ist die Judennoth buebstilblich zu ver- 
«tehcn. Krt ist ein tägliches Drangsal des Leibes ; ein Bangen 
Tor jedem folgenden Tage; ein qualvolles Ringen um dio Krhaltung 



- lo — 



kern üw^iji^it mtk 



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«idMksr «vi, Hh A«m «adi t. 
rn»«* «a4 flUbdbfrvfp», die Fn«e 4«^r 
nMTtwt «e ««a%fT. Hier iiC dir 
ia tiicIidMa Krtiriunsea Jm Be'^ 
n der makm t^at«fMilnB(ifet 
iMdi dtmtn t» aMMB 

la RoMlftAd, deMra jAducfae BerTfllkennip iber ftif ] 
h.-^r'./r ... ^ ^^ jj^ HcinMt von »ehr aU d^ Hilfte aBv J«dcD 
"r» ßrüd«r iiMiicIlcn ||«artzlirb«) BcachriaksBgtB mtter- 
••»M* »**^»ig ««hlr' iUcfce Seete, di*- drr K>nttfii, 

<f||H'n llflCbt« V christlicbea rDtcrthanm dt« 

/<r>Ti. l>ri ührigf-n Judpn int der Aofriithmlt in etBrm gnmiu. 
IImiI" 'I' ^' ff.« untcrNaf(t* f^or Freizügigkeit erfreaen skli nur 
^ithi**" 1 «n von Juden, z. B. Kaufleme der ersten Gilde, 

( ' r Titel u. B. w. Aber am zur enten Eaof- 

I- :' t), muDfl man reich nein, und daa sind nur 

w<'i))t((* ruMiHclic Juden, und nkndemiHche Titi^I k^nne^ auch nicht 
vi'l<< .luden in Uumtlund f^rwrrhen, denn dio slaatücben Mitt«1* imd 
llorhtohulf^ri Uukmi jndischo SehQlcr nur in sehr beschmnkter Zahl 
Rii, iiiiitliiniliNehc l>i|>Iomc nh> "ircn keine gesetzlicluMi Rechte. 

K* i*t tliMi Juden nntermif^t, rnm, ^orbe zu betreiben. deren Hftrieb 

HJleii fbriMlliehen KuHMen fmiotehi. iJie«ie uni^lfickliehcn Menttehen sind 
in fini^en <i(>iiVi*nii'nu-ntM zunumnieti^Rpferi'bl. wo e» für aie keine (u— 
|e^l>llll<-1t fcibt, ihre KäbiKkeiten und ihren guten Willen zu bethätigvn. 
])ie Hililiiii^'Hi|ue|Iei) den Staates fliessen spärlich für sie, eigeno 
kr»nriiii tt\*' hi<h niiht crHchliesscn. weil m- zu nrm sind. Wer irgend 
kiinn, der wnndert iius, um in der Fremde Luft und I.tcht zu 
linden, «lie ihm in der Heimat versagt sind. Wer dazu nicht jung 
iider mutliiß Keiiug ist. der bleibt in »eineui Elend und verkommt 
darin ^^iHtif;, sittlich, leiblich. 

Von Uumünien mit seiner Tiertelmillion Juden hüren wir, 
dasH urmere Hrüdor auch dort rechtlos i»ind. Sie dürfen nur in den 
Studien Widmen, sind jeder Willkür der Behörden und selbst der 
nioderdn Beamten preisgegeben, Ton Znit zu Zeit den blutigen Gewult- 
Ihalen den INibcIs ausgesetzt und in »len schlechtesten wirthachaft- 
lichrn Verhilltnisseii. I ^nser rumiUiisrhi^r Sonderberiehterstatter schfltzt 
dio Zahl drr Völlig mitteljntten auf die Hült'te aller nimiinischen Judon. 

Uraiienhnft sind dio /^ii»tilnde, die unser galiziscber Burieht- 
eratattor uns enthftllt. Von den 77:;?.1KK» Juden Oaliziens sind nach 
den Angaben des Horni Ur. Salz Tt> Procent buchstäblich Bettler, 
Ik-nifsarme, die Almonen verhuigen, freilich meist ohne es zw 
empfangen. I)ir ülirigeri Kin/ellieiien seines Berichtes will ich nicht 
vorwegnehmen. Sie sollen ntchl zweimnl das Cirauen empHnden, daa 
er in Ihnen rrregen wird. 



- 11 — 



Für die VerhÄltniflse Westöstvrreichs niifc scinon rund 4(W.CKO 
Jad«ii ist die Angiibe des Herrn Br. Min(z konnzoichnend. dasst 
in Wien von L*ri.(X)*» jüdischen HauBlialtungen 1;*j1Xm» wegen ArniUth 
■ur CuUuBsteuer gur nicht heraugt-zogiMi werden können. Von den 
lO.OÜl ► Besteuerten sind 'JÜ Procent K»ni niedri^ten Steuerflat/ ver- 
anlagt. Aber auch von dieser Kntogorio der Niedrigstbi'steuerteti 
sind drei Yiertcl nicht imstande, ihre SteuerpHicht zu erfüllen. Das 
geBcliriebrnö ücsetz kennt in Ueateni'ich, tindpni jiIh in Riisshind 
und Rumänien, keinen Unteiijchlcd j^wischen Juden und Christen. 
Aber die öffentlichen Gewalten behandeln da« Gesetz kühl aln 
todtea Buchstöben und die 8itto richtet den Judenbann wieder auf, 
den der Gesetzgeber niedergelegt hat. Die geBellschattliche Aechtun^ 
erschwert den Juden di-n Broterwerb und wird ihn in naher Zu* 
kunft vielfach ganz unmöglich machen. 

Aus Bulgarien tönt uns derselbe Klageschrei entgegen: ein 
heachlerisches OeeetB, das keinen Unterschied tle« Itechtes wegen 
Yerschiedenheit des Glaubens kennt, über das die Behörden sich 
jedoch hinwegnetxen; eine Feindseligkeit in allen Kreisen, die den 
Juden ülterull zurückscheucht; Nolh und Elend ohne HufTnung auf 
Becftcmng bei der weitaus überwiegenden Mehrheit der Juden. 

In Ungarn klagen die Juden nicht. Sie sind im Vollbesitze 
aller Bürgerrechte; sie dürfen arbeiten und erwerben und ihre 
wirtschaftliche Lnpe wiril günstiger. Freilich dauert dieser glückliche 
Zustand noch nicht lauge genug, um der Mehrheit der Juden 
ermöglicht zu haben, sich aus der tiefsten Armut herauszuarbeiten, 
und 80 sind die meisten Juden auch in Ungarn noch nicht selbst 
XU einem Anfnng von Wohlstand gelangt. Ueberdies versiohoi'n 
Kenner der Vcrbiiltnisse, dass auch in Ungarn der Judenhass unter 
der Decke fortglimmt und bei erster Gelegenheit verheerend aus- 
brechen wird. 

Die löO.UiX» Juden von Marokko, die Juden von Persien, deren 
Zahl mir nicht bekannt ist, muas ich vernachlÜHsigcn. Die Aormsten 
haben nicht einmal mehr die Kraft, sich gegen ihr Elend auf- 
xulehnen. Sic tragen es in stumpfer Ergebung, klagen nicht und 
rufen unsere .^utmerkaamkeii nur an, wenn der Pöbel in Ihr Ghetto 
einbricht und unter ihnen plündert, schaudet und mordet. 

Die Länder, die ich angeführt habe, bestimmen die Geschicke 
Ton weit Über sieben Millionen •luden. Sie alle, mit Ausnahme von 
Ungarn, drücken durch Hechtsbeschrünkung und amtliche oder 
gosellsi-'huniiche Ungunst die Juden zum Stunde der Proletarier und 
BerufiiBrmeu hinab, ohne ihnen auch nur die Hoffnung zu laasen, 
darch noch so grosse Flinzel- oder Gesammt-AnatrcDgung eich über 
di<ss4) wirt«chaftliclie Stufe zu erheben. 

Die gewissen , praktischen" Leute, die sich jede „unfaichtbare 
Tri' ''n und ihr Streben auf Näehfitliegendes, I'>reieh- 

bar- 1 der Meinung, dass die Aufhebung der gesetz- 

Hcbeo ÜcchtsbeschriLnkungcD dem Elend der Juden in Osteuropa] 



iililtelfen würtJe. Galizien übernimmt es, die Kritik dit'aer Meinung 
zw liei'orn. Vnd nicht Galizien allein. Das ITciimittel der geaetz- 
Iioht?n Kmancipntion ist in allen Staaten der obersten Gesittungs- 
stufe versui'ht worden. Sehen wir, was das Experiment lehrt. 

Die .luden Westeuropa« sind keiner KceUtsbesohränkung unter- 
worfen. Sie dürfen sieb frei liewogcn und entwickeln, genau wie 
ihre fbrietliehen Landgeuossen. Die wirtschaftlichen Folgen dieser 
Be\vej?ung8 frei hei t waren denn auch unzweifelhaft die günstigsten. 
Die jüdischen Ra68eneigens(?haftcn des Fleisses, der Ausdauer, 
<Ier Niichtemheit, der Sparsamkeit bewirkten die rasche Abnahme 
des jüdischen Proletiiriatt*, das in manchen Landern vollständig ver- 
schwuntlen wäre, wenn r's nicht durch Jüdische Ktnw^andeniDg aus 
dem Osten genährt wäi*de. Die emancipirten Juden des Wofitena 
gelangen verhiUcnismassig rasch 7.u massigem Wohlstand. Jedenfalls 
nimmt daä Hingen um das tägliche Hrot bei ihnen nicht die schauer- 
lichen Formen an, die in Russland, Humünicn und Galizien be- 
schrieben werden. Aber unter diesen Juden wacbst die andere 
Judennoth empor: die sittliche. 

Der Jude des Westens hat Brot, aber man lebt nicht von 
Brot allein. Der Jude des Westens sieht Leib und Leben kaum 
mehr vom Pöhelhass gofiihrdet, aber ilio Wunden des Fleisches 
sind nicht die einzigen, die schmerzen und an denen man sich ver- 
blutet. Der Jude des Westens hat die Emancipation als wirkliche 
Befreiung gedeutet und sich beeilt, aus ilu die letzten Folgerungen 
zu zielien. Die Völker bedeuten ihm, dass er Unrecht habe, so 
unbefangen logisch zu sein, Das Gesetz richtet grossmurhig die 
Theorie der Üleichberechtigung auf. Regierung und (jesellachaft 
üben eine Praxis der Gleichberechtigung, die aus dieser einen Huhu 
machen wie die Krnetuiung Sancho Panzas zum glänzeuden Porten 
eines Vicekönige der Insel Barataria. Der Jude sagt naiv: „Ich bin 
rin Mensrh und nichts MenBchliches erachte ich als mir fremd." 
ihm tont die Antwort entgegen: ,(ieniach; dein Mcnschonthum ist 
mit Yorsicht zu gebn»uchen; dir fehlen der richtige Ehrbegriff, dus 
Pflichtgefühl, die Sittlichkeit, die Yaterlandslielte, der Idealismus, 
und wir müssen dich deshalb von allen Verrichtungen fernhalten, 
die diese Kigcnwchafien voraussetzen." 

Durch That^achen hat mnn diese furchtbaren Beschuldigungen 
niemals zu begründen versucht. Höchstens wird ab und zu das 
Beis[iiel eines einzelnen Juden, eines Auswurfes seines Stammes 
und der Menschheit, triumphirend angeführt und allen Gesetzen 
des richtigen Denkens und Schliessens entgegen kühn verallgemeinert. 
Aber das ist psychologisch wohlbcgründct, Es ist die Gewohnheit 
des menschlichen Bewusstseins, für die Vorartheilc, die das Gefühl 
in ihm wachruft, nachträglich vernünftig scheinende Begründungen 
hinzu zu crtinden. Die Volksweisheit hat dieses psychologische 
(»OHet« länget erkannt und in ihrer anschaulichen Weise in ausdrucks- 
follo Formeln geftisst. „Wenn raau einen Hund ersilufen will,* sagt 



- tt\ - 



dAs Sprichwort, ,so behauptet man, er sei toll." Man dichtet den 
Jail^n alle Laster an, wpil man sich sellmt beweisen will, datis niiiii 
Recht hat. eie zu Tcrftbscheuen. Aber das Vorbeatehendc ist eben, 
du9 man die Juden verabscheut. 

Ich inuss das fjchmerzliche Wort aussprcciiPii: die Yülker. die 
die Juden emiincipirten. haben sich einer Sfliisttuiiscliung über ihre 
Oefühli« binpe^ben. Um ihre volle Wirkung zu üben, ntusste die 
Kniaucipation im Gefühl Totizogen sein, ehe sie im QeseU aus- 
gesprochen wurde. Das wftr aber nicht der Kall. Das Gegonthcil 
war der l*'all. Die Geschichte der Judt'nnmancipation ist eins der 
merkwürdigsten Huuptätückc der fli'M-hii'litr des europäischen 
Denken». Die Judeneiiiauci|iation ist nicht die Folge der Einsicht, 
dass man sich an ein*>nj Stiimmc schwer vergangen^ dass mau 
ihm Ent«etzlicheä zugefügt habe und dass es Ii^eit sei, tausend- 
;r' ('urecht z« sühnen: aie ist einzig die Folge der geradlinig 

: -i'h(!n DcnkwiMHe des friinznt»i«chen Kutionnlismna ira 

I^. Jahrhundert. DicHcr liatiunalisnius con.struirte sich mit di^r 
blossen Logik, ohne Rücksicht auf da» lebendige Gefühl, Orundsütze 
ron der itestiuinithcit eines mathcniatiaeheu Axioms und bestund 
dnriiuf, dii'^e Oebilde der reinen Vernunft in der Welt der AVirk- 
lirhki'iten zur Geltung zu iM'ingi'n. ,Khcr sallun die Colonion um- 
kommen als ein OninJautz!" laun't der bekannte Ausruf, der die 
Aüwcnduug der rationalistischen Methode auf die Politik zeigt. Oio 
JadenemaneipatioD stellt eine andere gleichsam automatische An- 
TTP'^i lung der rationalisfischen Methode dar. Die Philosophie 
'; .-'■^Gau» und der Kncvklopädlsten hatte zur Erklärung der 
3Ieai*riie(iri*chte geführt. Aus dttr Erklärung der Mnuschenrechte 
leitete die starre Logik der Männer der gmssi^u IfmwÜlxung die 
JadiMieinancipalion ab. Sie stellten eine regelrechto Gleichung auf: 
joder Meaach Hat ron Natur bestimmte Hechte: die Juden sind 
Mcncchen: folglich haben die Juden von Xntur die Menschenrechte. 
Ifnd in wurde in Fnmkrcich d'iPi Gleichboreehiigung der Juden 
Terküudet, nicht aus brudf^rlichem Gefühle für die Juden, sondern 
weil die Lngik es erforderte. Dos Volksgefühl sträubte sieh sogar 
dagegen, aber die Philosophie der Umwülzuug gehot^, die Grund- 
eiUv über die Gefühle zu stellen. Man verzeihe mir den Ausdruck, 
'!' '" rndiinkbiirkeit in sich schlicsst: die Männer von l'S^'J! 

« rti'u uns aus rrincipienruiteroi. 

Daa übrige Westeuropa ahmte das Beispiel Frankreichs nach^ 
^wieder nicht unter dem Drange des Gefühls, sotidcrn w eil die 
litteten Völker eine Art sittlicher Nölliigung empfunden, sich die 
i^chuften der grogaen Lniwiilzung anzueignen. Wie das 
I li der Re\olution der Welt das inetnsehe System der 

Miiniie und Gewichte gab. «o schuf es eine Art geistigen 
T'iiMoters, deu die übrigen Länder widerstrebend oder bereit- 
: als Normnlmass ihres Geailtimgsstandps annahmen. Kin Land, 
üas den Anspruch erhob, auf der Höhe der Gesittung zu stehen» 



- 1«; - 



"mit ciiUT Goiiioinsclmft gewührleiston, oline den das Individuum 
pich auf die Daupi- sittlich, seelisch, zult^lzt auch stotTlich uioht zu 
i^ehauptPii vi'iinag, 

Das war die Psychologie des CJhettojuden Nun kam die 
Emuncipation. Pns Gesetz versicherte die Juden, dass sie Toll- 
bürgt'r ihres Oeburtelfliideä seien. Ea ilbto auch eine gewisse 
Suggestion auf diejenigen, die ea gaVien, und veranht&ste in seinen 
Klitterwochen auf christlicher Seite Oemüthsausserungen, die das 
IJesetz herzei'wünncnd erläuterten. Der Jude heeilto sich in einer 
Art Riiuscb, alle Brücken sofort hinter sich abzubrechen. Er hatte 
nun eine andere Heimat, er bedurfte des Ghettos nicht mehr; 
fr hatte einen andern AnschUias, er brauchte eich nicht mehr an die 
Uliiubensgenossen zu tipsteln. Sein Trieb der Selbstorhaltung passto 
sich siifort und volUtäudig ilen neuen PaseinsbfMlin^uHgiMi an, Früher 
war dieser Trieb auf schroffste Absonderung gerichtet gewesen, jetzt 
strebte er nach üusserator Annäherung und Anähnlichung. An die 
Stelle der rettemlen (iegensiitzlichkeit trat fiirderliche Mimicry. Ein 
oder zwei Mcnsrhcn:tlter lang, je micli dem Lande, mit überraschend 
gutem Erfolg. J)er Jude durfte ghiuhen, er sei nur noch lleuti^cher, 
Franzose, Italiener n. s. w., wie jeder andere seiner Luudsleute, 
und schöpfe aus derselben Volksquelle wie sie das Jfass von (Jemein- 
loben, das zur vollen Entwicklung des Individuums unentbehrlich ist. 

Du bnich nach einem Schlummer von *iO bis (>0 .Jahren, vnr 
etwa zwei Jahrzehnten, der Antisemitismus in Westeuropa von 
neuem uus den Tiefen der Volksseele hervor und enthüllte vor dem 
Auge des entsetzten Juden seine wirkliche Lage, die er nicht mehr 
gesehen hatte. Er durfte noch immer bei der Wolil der Volksvertreter 
mitNtimnien, aber er sah sich au« den Voreinen und Versammlungen 
seiner clu-istli'-hen Landsh-ute sanft oder bar.tfh ausgofichlossen. Er 
hatte noch immer das Tieeht di'r Freizügigkeit, aber uUerorten stioss 
er auf Aufschriften, die ilini bedeuteten: „Juden ist der Eintritt 
verboten*. Er hat)» noch immer das Recht, alle Pflichten des 
Stnat^bfirgPrs zu erfüllen, aber die Rechte, die über das allgemeine 
Stimmrecht hin.TUHgehon, die edleren Rechte, die der Begabung und 
Tüchtigkeit zugestanden werden, diese Rechte wurden ihm scliiofl' 
verweigert. 

Das hi die heutige Lage des einnncipirtcn Juden in West- 
europa. Seine jüdische Sonderart hat er aufgogobon, die Volker 
crklilren ihm, dass er ihre Sonderart nicht gewonnen hat. Sehie 
Stnmmgenoflscn tlieht er, weil der Antiflemitisnnis sie ihm selbst 
verekelt hat. seine Landsicute stn^sen ihn zurück, wenn er sich 
zu ihnen haiton muchto. Die Heimat des Ghettos hat er verloren. 

sich ihm als Heimat. Er hat keinen 
und er hat keinen Änschluss an eine 
sich 'ils willkoinnieneK, vollberechtigtes 
Bei den cliristlichen Landsleuten haben 



das Geburtsland versagt 
Boden unter den Füssen 
Oesanimtheii. in die er 
Mitglied einfügen künnt«;. 



weder sein Wesen noch seine Leistungen auf Gerechtigkeit. 



Ri-itrltwcigo ilenn auf TVolilwollen zu reolinen, mit dow jüdiaclirn 
I.AnüsIcuteu hut er tU*n Z«»Animenhftng verloren; er hat 6as 
<^etuhl. dafts die Welt ihm grnm ist, und er sieht keine Stelle, an 
*\t T VT Gemüthswftmie tiiidru kann, wenn er sie sucht und sWh nach 
thr sehnt. 

Diu ist die fnttlicht.' Judemioth, die* bitterer ist als die li>ih- 
lirhe, weil sie hoher differencirte, »tolzere, feiner füblende MentM^hen 
Kiimäuelit. Der emanoipirte Jude ist haltlos, nnaieher in seinen Bc- 
•♦in zu den Nebenminschen, üngstlich in der Berflhning mit 
unten, iniRsrrauiHch y:»'geii die geheimen Cü'fnhlc selbst der 
i ri-unde. Heine besten Kriü'te verbraucht er in ilt-r Unterdrückung 
und Au5rottung oder mindestens in der mühsamen Verhüllung noinett 
( ji;onsten W'eßens, denn er besorgt, dass dieses Wesen aU jüdiacli 
erkannt werden möchte, nnd er hat nie das Lustgefühl, sieh ganz 
?ii u^hon, wie er ist, er selbst zu sein, wie in jedem Gedankeq und 
bo in jedoui Ton dt'p Stimme, in jedem Au^'onlidpchlag, 
^ m Fingerspiel. Innertich wird er verkrüp|ielt. auBHerÜcli wird 
er onvcht und dadurch immer lüchcrlieh und für den h^her ge- 
stimmten, Jtsthe tischen Menurhen iihstnaaend win alles Unwahre». 

Alle beweren Juden Westeuropas Btöhiien unter dieser Koth 
I ben Rettung und Linderung. Sie haben nicht mehr den 
■n. der die UeduM gibt, jedes Leid zu ertrugen, well er darin 
eine Öchickung des »trafenden, über dennoch liebenden Oottea er- 
kennt. Sjp haben nicht mehr die Hoffnung, dass der MeeAJaft kommen 
und an einem Tage des Wunden* sie zur Herrlichkeit erhöhen 
' '* suchen sich durch Flucht aus dem .ludenthume zu 
I läsfiit der Hassenantiüomilismus. der die Iinwiindlungs- 
krafk der Taute leuguet, diesen Reitungsplan wenig nussichtaToU or- 
«eheiaen. Bs ii^t ja auch nicht gerade eine P^nipfehlung l^ür die Be- 
treffenden, die doch mei«t ungläubig sind — von der Jlinderbeit der 
'■" ' ^'-'en spreche ich natürlich nicht — dass sie mit einer 
. n Lüge in die christliche tiemeinschaft eintreten. 
Üs ent&teht auf diese Weise ein neues Marranenthum, das un- 
.. ,. ihtimmerist ahdad alte. Dieses hatte einen idealistischen Zug 
-..in ^fli«iiiier Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit, ton herzbrechender 
> nsnoth und Reue und es suchte oll genug seine «-igene 
und Reinigung in w<»H erwogener, gewollter Blutzeugensrhafi. 
]';.• neuen Marranen Scheiden aus dem .ludenthum mit t.irimm und 
- Htfirnt.tr. ftber im innoraten Herzen, wenngleich vor ihnen selbst 
den, tragen sie ihre eigene Erniedrigung, ihre eigene 
i j onni. iiivcit. den Hass, der sie zu ihrer T^üge gezwungen, auch 
• i- r.i UhriHtentlium nach. Mir graut vor der zukünftigen Entwicklung 
I ' der neuen Marranen, das sittlich nicht gebalten 

i , r l'oberliefernng, dessen (üemüth vet^iftet ist durch 

! i; Uli t''it gegen das eigene wie das fremde Blut, dessen Selbataohtnng 
- i?<t durch da» immer gegenwärtige Bewusstsein einer funda- 
ti Lüge. Andere erhoffen das Heil vom Zionismus^ der \Vvsveu 



nicht die ErtUllung einer mytlutjobcii Vt'rlicissunjf der Sichrift iat, 
sondcni der Wej; au einem Duaein. iii ■\velchriii iler .Fudf» endlich 
joiiü allereinfach&ten, tillerursprünglicltstcn ],otieDitbodiii^ung:en vnr- 
findet, dip für jeden NichtJuden beider Welten das Selbatverständ- 
liche sind; nämlich einen sichern geaelt^chat't liehen Hall, eine 
wohlwollende OemciiiHchuft, die Müg;lichkeit, alle scino organischen 
Kriifte zur Eucwicklung seines wirklichen Wesens zu verwenden, 
statt sie zu dessen l'nlerdrflekuiij;. FiUachung oder Vcrki^Mdung 
selbatzers^tOrend zu misabrauchen. Noch andere endlicli. die sich 
gegen die Lüge des Marraneuthums empören und die mit ihrem 
Yflterlande au innig Tcrwachsen sind, um den Veraicht, den der 
Zionismur« in letstter Folge in sich scblieast, nicht ul^ zu hart und 
grausam zu empfinden, werfen sich dem wildesten llniHiurz in die 
Arme, mit dem unbestimmten Hintergedanken, dass bei der Ver- 
nichtung alles iiestehenden und dt-m Auflmu einer neuen Welt der 
•lud^nhass vielleicht doch nicht eines der Werthstüoke sein mÖchti% 
die man aus den Trümmern der alten Yerhältnisse in die neuen 
hinüberretten würde. 

Das ißt das Gesiebt, das Israel am Aufgang dea neunzelinten 
Jahrhunderts zeigt. Im es mit einem Worte zu sagen: die Juden 
«ind in ihrer Mehrheit ein Stamm von geächteten Bettlern. Flcissi- 
ger und anscblägiger als der ßurclischnitt der europäischen 
Menschen, von trägen Asiaten und Afrikanern nicht zu sprechen, 
ist der Jude zum äussersten i'roletarierelend verurtbeilt, weil ihm 
nicht gestattet wird, seine ICräfte frei zu gebrauchen. A'im einem 
nicht zu biindigenden Bildungshunger. Bildungshciäshungor durch- 
fiebert, sieht er sich von den Statten, wo "W^iaseu gereicht wird, 
Kurückgeatossen, ein w irklicher BildungstantAlus unserer uumythischcn 
Zeit. Mit einem Ungeheuern Auftrieb Vieuabt. dessen Kraft ihn immer 
wieder aus den schlammigen Tiefen emporschnellt, in die man ihn 
hinabdrückt und zu begraben sucht, zerschellt er sieh den Schiidel 
an der dicken Kisdeoke von Haas und Verachtung, die über seinem 
Haupte uusgeapaniit ist. Gin Gesellschaft swesen wie kaum ein 
anderes, ein GesellscbansweBen, «lern sogar sein 01rt\ibe als ver- 
dienstliclie und gottgefällige Handlung empfiehlt, zu dreien zu essen 
tmd in üemeinschaft von zi'hu' zu beten, ist er von der nor- 
malen Qesellst-haft, der landsniaunischeu, ausgeschlossen und zu 
tragischer Vereinsamimg verurtheilt. Man Jtlagt ihn der Vordring- 
lichkeit an und er strebt doch nach Ueberlegenheit nur. weil man 
ihm die Gleichheit versagt. Man wirft ihm Zusammengehörigkeits- 
gefühl mit allen Juden der Knie vor und sein I iiglück ist doch, dass 
er beim ersten Liebeswort der Eniaucipation alle jüdische Solidarität 
bis Auf die letzte Spur aus seinem Herzen gerissen hat, um fär die 
Alleinherrschaft der Liebe zu seinen Landgenosaen Raum zu ge- 
winnen. Betäubt von dem Hagel anriseniitischer Beschuldigungen 
wird er an sich selbst irre und ist oft nahe daran, sii'h thnt- 
sucblich für da» leibliche und geistige Srheusal zu halten, als das 



rii 



ihn seine Tudfcindr^ üarBtellen. 3Iaii liürt ihn uiolit »eltoii mnrnieln. 
■fT mfiiHe vom Feinde lernen und aicb von drn Gebn-chen zu ht-ülim 
«uch*-!!, die man iliin vorhälr» und er bedenkt nif iit, dnsa die anti- 
-8«mitifti.-hon Anklagen für ihn gtlnztifh unfruchtbar uml werthlo^ 
nind. weil sie nicht eine Kritik wirklich beobachteter Fehler, sondern 
^\q Wirkung jenes psvehologischen Goaetxes sind, narh welohcni 
KindtT, Wilde und boshafte Thnren für ihn- L<'id('n Weiten «der 
Dintre vtrantwortlich tnnohen, gegen die sie Widerwillen empfindm. 
Zur Zeit des BchwnnEcn Tode« be8<.'huldigte ninn die Juden der 
ÖrunnenTcr^iftung; heute beaehuldigen dii- Agrarier sie, den Oetreidp- 
prete xu drücken; ilie Handwerker be8chuldigon sie, das Kleingewerbe 
zu vernichleu ; die Conaervativen beflchuldigen sie. grundaätKliche 
Regieningsgegiier zu wein. Wo 08 keine Juden gibt, da bezeiebnet 
»nan hIb tVlu-ber deri^Hbon rebolatiiude andere Bevölkerungsgruppen, 
lue mau hiisst, meiscens Fremde, manchmal einheimische Minder- 
heiten, Seeten oder OeitellBchaf^en. Dieser Anthropomorphisnius der 
Cnlustgcfühle beweist nichts gegen die Beschuldigten, er bi-weist 
nur. itass ihre Ankläger sie schon hassten. als sie zu leiden be- 
gannen und eich nach einem Sündenbock umsuhon. 

Das itihl wäre nicht vollständig, wenn ich nicht noch einen 
Zug hinzufügte. Rine Sage, an die selbst ernste und gebildete Men* 
«eben glauben, die nicht einmal Antisemiten zu »ein brauchen, be- 
hauptet, das» die .luden alle Macht und Horrschafi haben, dass die 
Juden alle Reiehthnmer der Krde besitzen. Sie die unheimlichen 
Handhaber der Gewalt, diese Juden, die nicht einmal iui Stande 
«ind, ihre Stanimgenoosen gegen dio Mordinst elenden arabischen, 
Tuarokkauischen und persischen OcsindeU m schützen! Sie die Ver- 
|iorj>erung de» Mammons, diese Juden, von denen reichlich die Hälfte 
Stein besitzt, wo sie ihr Haupt hinlege, und keinen I"\'tzen. 
I (fie die Hlüsse ihres Leibes bedecke I Pas ist der Hohn, der 
titn^.utrilt umi Cüft einträufelt, nachdem der llasa die Wunde geschlagen 
ihiit. Oeniss, es gibt einige hundert überreiche Juden, deren lär- 
nende Millionen weithin bemerkt werden. Aber was hat Israel 
lit dii*8eo Leuten gemein ? Die meisten Ton ihnen — ein« 
(inderiieit nehme ic)i gern aus — gehören zu den niedrigsten 
itUnren der Judenheit. die eine initürliche Auslese zu den Hc- 
t bestimmt hat, in denen man rasch Millionen und niunchioal 
iUi&rden gewinnt ^ fragt mich nur nicht wie! In einer nomialen 
I TollständigLMi judiBchenOosellsehnft würden diese Menschen infolge 
rer organiscln/n Kigenschaften in der Volksachtung die alli-runierste 
lufc einnehmen und jedenfalls niemals die AdeUtitel und hohen 
)rdfln erhalten, mit denen die christliche Qcscllschaft sie auszeichnet. 
l>li« Jndenthum der Propheten und Tanaim, das Judenthum Hillels, 
_Philo8, Ibn Gabirols, Jehuda ben Halewys, Ben 31aimons, Spinozas, 
JI«»ine« kennt diese Geldprotzen nicht, dio alles gerin gschützon, was 
verehren, und die hochhalten, was wir verachten. Diese Leute 
.:.;a der llauptvorwand des neuen Judenhasses, der mehr wirth- 

8» 



dchaflliehL' als roligiüse Gründe hiic. Für das Judonthuni, das um 
Ihretwillen leidet, haben »ie nie eiwas gr-tban. als dnas sie Almosen 
hinwarfen, die für sie fci-ine * >pfer sind, und diisst Me einen specifisi'h 
jüdisrheii Krebssclmdou uiiterliatten. das Solinorrertbiiin. Für ideale 
Zwecke ist ihre Uille nio in haben gewesen und wird sie wohl nie 
zu haben sein. Viele veHaBSPn denn auch das •ludenthiim und wir 
wünflchen ihnen Glück anf die Ueise und beklagen nur, daag sie denn 
doch aus jüdJRcheni lilute sind, wenn aueh aus dessen Bodensätze. 

Die Judennoth darf niemand gleichgiltig lassen, die christ- 
lichen Völker ebensowenig wie uns Juden. Es ist eine grosse Sunde, 
einen Stamm in geistiger und leiblieher Noth verkommen zu lassen^ 
dem selbst »eine sehlimmsten Feinde Begabung niehr abgesprochen 
haben ; es ist eine Sünde un ihm und es ist eine Münde .in dem 
Werke der Gesittung, an dem der jüdische Stamm ein nicht gloich- 
giltiger Mitarbeiter sein möchte und sein könnte. Und es kann zu 
einer gTf*^''''n Öefnhr für die Völker werden, Willensstärke Älenschen, 
deren Mass im Outen ftie im Schlechten über den l^urehwcbnitt 
himiusreiiht, durtli unwürdige Rebandlinig zu verbittern und durch 
Verbitterung zu Feinden der bestehenden (Ordnung zu machen. ]Jie 
Mikrobiologie lehrt uns, da&s kleine Lebewesen, die hamdos sind. 
Bo lange sie in der freien I.uft leben, zu furchtbaren Krankheit- 
erregeni werden, wenn man ihnen den Sauerstoff entzieht, wenn 
man aie. wie der Fuchausdruck lautet, in anuerobiscbe Wesen vor- 
wandelt. Die Ke^crungen und Völker sollten Bedenken tragen^ aus 
dem Juden ein anaerobischea Wesen zu machen ! Sie könnten et* 
schwer mitzubüsseu haben, waa immer sie dann auch unternehmen 
würden, um den durch ihre Schuld zum Schädling gewordenen 
Juden auszurotten. 

Dft*«s die Judennoth nai h Abhilfe schreit, haben wir gesehen. 
Die Abhilfe zu finden, wird ilie groB&o Aufgabe des i.'ongresses 
sein. Ich trete nun das Wort an meine Mi t her ichter statter ab, 
die da« von mir in grtmsen Umriasen entworfene Bild ausfuhren 
und vervollstiimligen und bei deren Vorträgen Sie meist die Empfiu- 
dnng haben werden, ,,Kinnoth*' anzuhören. (Stürmische, begeisterte- 
Znatimmung ) 

rriUlilcöt: Das Wort hat Herr Architekt Oscar Marmorek; 

IKrar 3Urniorek: Oeliebip Brüder: Ein Wuridt^rtag ist der heutige, 
ein Wnniler fitr ein \'olk, dait achtzehn Jahrhunderte nicht gespruciien 
und ihiB tum \'i'rtriMor der gaiizeu Welt hieher gcsaudl. um über sich selbst 
XU beiiitlii'it, lUtitv di-r CongrcKs aas nichts anderem t»esianden, als aus 
dlenn beiden Reden, die mit so grossem Beilall antgcnonimen wurden, ao 
Wttn es Bt'hon wnri trewcsen, ilui zu veraustnlteu. 

liflielite hrhderl I'ie Worte, die wir hier gehört haben, werden 
nicht Alis der KnltiirAfrsrhichle der Menschheit, nicht aus der Oeschichte 
d(tH Judenthunm vcrMh\\inden, Was wir gehört haben, wir werden es nie 
liu I^nbon verKe<i!«en kiinnen. und »ollen es auch nicht. Aber nicht nur 
wir »olkn eN tcli'^rt haben. K« mll auch gelesen werden. Alle sollen 
wnn wir «ind und wn» wir wollen nnd wa« wir thuu wollen. Wir 



- 21 - 



irerJen noch andere Referate lifireii, als daii dt^s Herrn T>r. Nordaa, die- 
~ die tninrit*'» I-aKo der Juden jnIiiMerii werden. Aber icli ginube im 
9liuie Aller äu epreibeu, wenn ich heautrape, daas di«- beiden bisher ge- 
hiiften Reden bebunders Kedmckt werden. Bevor wir aber in unseren Ver- 
bandlnngtT» weitei-gelien. ertlillen wir eine wicbtiKe l'HicUt. wenn wir Heri'n 
Dr. Herz] und Herrn I'r. Nordan imsern innigsten l>aiik muHpreehen 
fnr das. was sie uiu bisher geboten hnben. rn|{elienrer heifall. 

Trisldent; Es ist heschlosaen worden, das gnnze stenographische 
rrojwkoil zu Vfr.iflentlichen, Ich halte eim- bfnoudere Ihin-kh'irnng der 
Ixei'len Hed-^n ir.'ui;^ tind crar nicht für anpezei»t. da wir daniir die übrigen 
Kednor. den.-n Keferate wir noch nirht iUicehnrt haben, unriicksetzen 
würden: immerhin werde ich den Antrag Mnruini-ek r.nr Ahsliinuiong 
bringen. Kine weitere rMscnseion c^luube irfa nicht üulassen zu aoUea. 
[H>>^ienigeti Herren, welche fiir die beiintragte Drucklegung dieser beiden 
Kedeu sind, wollen di« Hand erbeben. T^r Antrag wird einftTinimig an- 
^euümaien. 

Pause, 

Priüident: Es sind einige Znsatzautrfige znm Antrag Slannorek 
angemeldet: da es sich aber nm die rein technUdie AoBtUhiiing eines 
B'^ftcblȊ>ieit handelt, so glaube iL-h. dnss Sie es der Cungrees-Coinmission 
i. ' M. die Angelegenheit endgillig zu erledigen: daßegen uiücbie ich 

■'. von nou an alle Ainrllge. die gestPÜi werdej», .schrifllidi nur 
fulit eiiit-ra Mitgllede des HiireaUA zu iibergebon. 

Ich erlheile dem Kefereulon über die Lage der Juden in Gali- 
zieu. Herrn Hr. Salz, das Wort: 

Ih'. A. Salz rParnow ) : Der erste Theil hipIups Referates 
wird Hirh mit der Lage der Joden Galixiens ia g;ei8liger, moralischer 
Iii4 politiscber Bexiehnog be.^rhtirtigeu : 

Oaiixien. das in seineiu Westen von Polen tind in seinem 
OBten von Rutheneii bewohnt wird und desaen Einwohner aus ver- 
schiedenen hm nicbt zu eröj-ternden historiücben Ursachen in cul- 
tnrellHr und wirlschafilirher Beziehung hinter den westlichen 
Ländern Europas zurfickgeblieben sind, hat Ähnlich den anderen 
Ländern Onteuropas, in denen die Juden seit Jahrhunderten ihren 
Aufenthalt genommen haben, »einen specifisrh jüdisi.'h -galizischen 
Typop, einen Typus» der schon vieles von sicli reden machte, aber 
Anch gar ?.u oft zum Ohject« der Ärgsten Angriffe panz ungerecht- 
feriigterweise benutzt wurde. Seine abweif^hende Traclil, seine aus 
dem Aufenthalte in Süddeutschland niitgebrai^lite und ans miss- 
verstÄwJenem Oonservativisinos zäh beibehaltene jüdisch-deutsche 
Mundart, haben zwi:?cheu ihm und seinen westländischen Slammes- 
brfldern eine Scheidewand aufgerichtet, die das gegenseitige Sich- 
V' " ' n bedeutend erschwerte. Doch unter diesen Aeusserlich- 
3, ii haben die galiziüchen Juden ein warmes jüdisches Herz 

beibehalten, welches der kleinsten Anregung bedarf, um wieder in 
belleD Flammen fUr das W'olil des Judentbums jinfzulodern. Ich 
>agte: „Wieder", denn nicht seit Langem betiiiden sich die gali- 
zi^cben Jnden ant der bemigen Stufe der Cultnr und in dem heutigen 




SUod« der Ajiaihi«. Nodi n der ersten Hilfle oaser» JahrliiBitet» 
war GalizMD d^r Sitz jöä iccbm Wissens irod jfidMcfcea Ocniäa- 
w w eaa . In Gallsieii $diri«bcii md wirkten danab rä Oertv. 

KrotJkBu) nod IU|ipftport. 

Die AssimilatiocBpenode ab«r, die in der zweites Bälft« 
ans«re» JUirband^rU ihreo Unfti|: za treiben begaao, bewirkte 
leidf^r eioeA Wandel io dieser Bicbtang, da infolgedeaaea ein Tbeil 
der ^aiizückeD Joden dem Jnifawlfcinii eotfivaidet md keiner besse- 
ren Caltnr zagsAlirt wurde, wäbrad der andere ftberwiegend 
giilMle Tbeil derselben, der ortodoxckasaidtBcbe, sidi «trenne ab- 
gcnosdert and in eJoem froomieliiden F^nnafianns verkaMert bat. 

ffisber standen skb die«e zwd La^er, die Ässimilaaten mit 
ihren Indiffereniismis för alles Jftdisdke md die Cbasaidim aii 
ihrer ExclnsiTiiit liemlich M-hroff geigcnäbcr — der naer Bcbr 
aawadMOide AatiMviitiaMis einerseits and das r w e inige n d e Band 
,dea ZknfgedankeDS aDder«n«tä begbnen jedoch allaildicb die 
btSToüeo Männer aoa beiden lü^em einander n&ber zn bring» 
die scbrofftfD Gegensiue abznsrhn-äcbeo. 

Der aUgeAeine Btldangastaiid der galizk^cbeo Jaden vater- 
sieb nicht viel von demjeni^eii der tbri^en Jnden Ost- 
wena ancb zncec^ben werden no^ dafs hä der.jc9Ktlkb 
freibeitlicben StcUna^, die die Jodoi Oeatinnlebä 
B, die galiziacbcn Jaden Tietes zu tbna antolnffaen baben. 
ije m Beta; aaT die Heban^ ihres Bildna«8aireaas bättea tbaa 
kAnoea and »oUea. 

Bei alled^ai abttvcisea die gaUxircbiea Joden im Vrriu u 
zsr aatocbtboaai^eTSikeritDs eine bedeutend geriagere Zail 
Aaalpkabeten auf und wcdd wir erwägen, da^ jetxt jeder Cett- 
Ctene Jode in Galizien aetn Kad in die üffeotlicke Scknle 
PcttdcC and jeder Confenratire setae Kinder un CheÖer (d. h. in 
iir behriMebcn Scbale) die Lese- und ScbitOtkana der bebrtncfcc« 
^ flieh ane«eacnIfeit,»fcaaaBaa ctstottieb Toa «irkficbea An- 
bei der ga&zäscben jädisc&ea Jagcod gar ai^t sprachen* 
werde ana bei dieser Gelegeabeit einige «titirtiiwhe Dat«« Mcr 
Freqaenz der galizigcben Jadea ia den Sfiatfeehea Schalen aa* 
Uatea ftber die ZaU der jüdischea Eiader ia da Taft»- 
bcaitzea wir kider niehL 

Ia den ga^irisfbea Gjanaüea bctragca die jüiurhea Schtier 

ia Jahre l$77 . . . !&'/■% dar GeaaMKa^Ueciah!, 

, , IÖ90 . . . U'/»7« , 

In den Bcabcbalca betrage« »e: 

Is Jubrc »77 . . . 15*. der G«aaBts<hä2erzibl 
, !«•» , , . UV 



In deo Lei) rerbil(tung»anst alten betragen sie 
im Jahre 1875 . . «i-24";n (1 Jude) 
^ « IÖ8Ü , . 6% männliche (58 8t-liUler) nml 
137(, weibliche (94 Schülejmneu) 
1890 . . . 3% männliche (27 Schüler) nml 
Ö7o weibliche (45 Schülerinnen). 
Die Abnahme ist «lamit zu erklären, dass die Juden jetzt zu 
V^ffentlichen Lehrerstellen mit Ausnahme des jödischen Religion^- 
nnierrjchtes gar nicht zugelassen werden. 

In den Gewerbeschulen studierten 

im Jahre 1682 . . 39 Jaden unter 13S5 Christen 

„ „ 18H6 294 „ „ 2015 

Au der Lemberger Univeri^ität ?itiidieiten 

im Jahre 1871 . . 7-27w der Gesammtstudenten 
„ „ 1880 . . . 9-4V , 
„ „ 1890 . , aoo/o „ 
An der technischen Hochschule in Leinberg studierten 



. 25 Juden unter 254 Christen 
21 „ „ 248 „ 

der viel verschrienen Moral der gali- 
es ihre Gegner wohlweislich, in die 



im Jahre 18Ö4 . . 
„ H 1895 . . 
n n 1896 . 

Bei der Heuriheilung 
itechen J udeu unterlassen 
Sache rechtes Licht zu bringen. 

Ich will nicht verhehlen, d&sn die KiiminaUtatistik bei den 
Jaden Galizienf* eine bf^Jeutendere Hetheili^ung derselben an den aus 
Gewinnsucht entsiiriugenden Delikten &U bei der eiulieimischen Be- 
llkerang aufweist. K-\ niuss aber mit Nachdruck liervoro:ehobeu 
lerden, dass infolge der vei'schwiudend geringen Betheiligung d^ 
Jaden an den anderen Arten der Delicte jenes Plus, ganz neutral 
lisiert wird und dass ihre ausschliessliche Beschüttigung mit dem 
Handfl diese Art der Delicte züchtet. 

In politischer Beziehung spielen die Juden Galiziens ein^ 
zieralich klägliche Rolle, indem sie der — die anderen Stäuiie 
uQterdtnckenden — polnischen SchJachta politische Handlang«tr 
dieu»(e lei^^ten und dafür das Recht erlangen, von den aufgehetzten 
masuri'^i'hen Balin- und Bergarbeitern tüchtig geplündert zu werdf^. 

Choditiow» Schodnica und die Militärexcesse in Tarnow warßji 
der wohlverdiente Lohn für die Gefolgsdiaft, welche die Jurfeu 
Galiziens der Regieiung und der polnischen Schlachta bei ^^\\ 
letzten Wahlen mit auftauender Rücksichtlosigkeit tür ihre, iify- 
eigensien Interessen geleistet haben. , ,(i, 

Doch die abscheiilidiste (Jürniptioii und der schlimmste De»^|^* 
lismns wird in den Jüdischen Cultn^gemeiuden Galiziens gezüchtet 
und 8oll politischer Sinn und politische Charakterfestigkeit unter 
den Jaden Galiziens geweckt werden, wozu hie und dort hoftnungs- 



volle Anzeichen zaUge irelen, no miiss iltr Säubfrungskampf in 
tler CuUu!«s:emeiude, in diest^m Sclilüsäel za Ann galiziselieii all- 
gemeinen Wablen begonnen werden. 

Ich komme nun zum zweiten Tlieile meines R'-fHtar.^s, znr 
B«!«itrechmis: der virtichaftUcheu La^e der JadeD Gäliiieos. loli 
stütze niioli hiebej aal (olgende Quellen. A. Koikis: Statistische 
Daten (Mauoscriptej; Hutowski: .Talirbücber fdr die SLatistik 
Galiziens, Lembeig 18S7^ 1B03, 1894: Rundfrage an die ßezirks- 
ansschüsse. israelitischen Cultas2:emeindevorstÄüde und Privatpersonen 
über die wivi-ii'hai'ilii'he La?e der Juden Gaüziena von Seiten de.* 
Hilfsromilt'sfür die uuthleidende galizisohe JndenscUat'i ( Voraitzender 
D\\ Arnold de Porada Rappaport; SchiifUBhrer He^maan Feld- 
stein, 1896); Pilat: Statistische Mitibeilangen des statistischen 
Landesbureaus, 1895; Jahresberichte der k. k. Lembercer Uni- 
versität; Jahresberichte der technischen Hochschnle in Lemberg; 
E. Kietz: Statistische Monatsschrift, 1893: Dr. Alt red Xossig: 
^Socialhygiene der Juden- (Seite 134), femer ».Materialien zur 
StAtistik des jfldischen Stammes" und «Versuch eioer Lrisung der 
jüdischen Frage. ^ 

Galizien gehört za denjenigen LAndern Ostenropas, in denen 
die Juden am dicbie^teo vertheill sind. 

Auf einem FlÄcheninhalte v<'n 78 497 Qnadi-atkilometer und 
unter einer allgemeinen Hevölkerungszahl von 6,589.(196 Seeleu — 
Nluch zum grris>teD Theile in den Städten und kleinen Städtchen 
Kasammengepl'ei'cht — leben iu tializiea nach der \'olksztihlang vom 
Jahr« 1890 77SS13 Juden. Wir besitzen zwar in iTalizieo keinen 
Ansiedlungsrayün, wie in Knssland. and es ist den Juden in Gali- 
z(en PÄch den risterieichischen i:5eseueu gestaltet, überall sich an- 
:i, die fakttschen Verhältoisse Laben .<ich aber derart 
[j; _._.:, dass die Juden auf den Aufeulhalt in den StAdten und 
!^li(dtchen angewiesen sind. 

We^en 71"» der ganzen ja lischen Bevölkerung Oaliideas 

woUueu m den Stadtan «ad StAdichen Galiziens und erreichen sogar 

lIu mehreren Städten »50" o und mehr der gesamrateu Bevßlkerungs- 

r«*hl der betreffenden Stadt, während sie im Parciischnitte 3Q-A^\, 

der «titdtischeu Gesainmtbevt^lkeruDg Galizieos txilden. 

Der rtbriKe Theil der jQdischen Bevr.lkerung ist zu einzelnen 
Otler einigen Familien auf dem fl»rh-n Laude zerstreut und bildet 
kaum aaS" s, der jresammteu L-i \enidg. 

Unlrr dieser jüdischen La;i.... eniBR gibt es «30 jftdische 

Hltilflichi» Gruddbe>itrer. eines sehr kle-inen Brucbtheil ackerbau- 
6i\ ' V 'httci. Gmadpftehtcr und Mühlenhesitzer, die 

Ibf], ladb^wohner aber sind ungeachtet ihres Land- 

AufenttaaU«« Kiv-mkr»««^, Schwkwirle, Be^iiensieie und Arbeiter. 
'. V *er jtdiscben BerMkerutig Galizteas beßndet 

HU. 



Dittse? Fernhalten def jüdischen Bevölknung vom Landbesitze 
tjii nngeachtet der seit dem Jahre ia67 in i^ei^terreich gesetzlich 
heri-schfndpti Freizügigkeit eine nnthwendige B'olge der raktischen 
Verh- 

A eiuei-seits die Juden selbst, durch viele Jahrhuoderte 
himlurcti vom Grundltftsilze dun-li gesetzliche ReHchrHiikungen ab- 
gehalten, eiue gewiitse Sehen gegen die Beschäftigung mit dem 
Ackeriwn und einen Hang für Handel und Kramerei sich angeeignet 
haben, werden sie jetzt nacli Aufhebunsc der getieizlichen Beschrän- 
fcniigeii in der Medertas.iung auf dem Laude noch durch die Gt^liäs- 
«igkett der autochtoncn Landbevülkerung und durch die Chicanen 
der autonomen Gemeinde und Bezirkävenvaltung^n behindert. 

Die cousequente Niclitaufnahme jüdischer Zöglinge in die be- 
s' ■ ' zwei galizischen Ackerbauschulen und In die gallzischen 
Kt imleu, die doch vom jüdi:*chen Steuergelde erhalten werden, 

ist charakteristisch. 

Die Polen und Ruibenen geizen um jeden Fuss Erde und ein 
Stnrm der EatrQsiung geht durch die Preise, so oft sie gewahr 
wird, dass ein Jude ein grösseres Stück Buden an sich gebiacht hat. 
Als das Gut Podhaice vor JahrHi durch einen Lemberger 
JndeD erstanden worden ist, bemächtigte sich der Landesprej'Äe 
und breiter Bevölkerungitkreise eine solche Aufregung, dass der 
Jude den Kauf schleunigst rückgängig gemacht hat. 

Das Gros der galizischen Juden muss daher unter solchen 
Vwhiiltnisuen noi'igedningen in den Städten and Marktflecken 
»einen Aufenthalt nehmen. Die To'Vi. »Her Juden Galiziens. die ni 
den :>iadien zusammengedrüngl ihr kümmerliches Diisein fristen, 
find aber hier gezwungen, hu.h Mangel an anderen zugänglichen 
Erwerbszweigen, ausschliesslich dem Handwerke und Handel ob- 
zuliegen. 

Da in Oesterr^ich keine Berufsstatistik geführt wird, leiden 
zwar genaue Daten über die Veriheilnug der städtischen Bßinte 
unter den Juden nnd das Verhältnisi' dei-selben zu den Christen, die 
m demselben Berufe beschäftigt $ind ; folgender Zusammenstellung 
wird e» aber vielleicht gelingen, über die Lage dieses Haupt- 
l'e^^^.n.l^I|»•i|.'B; der galizisch-jüdischen Bevölkerung ein annähenide» 
i'ilii /.u >oliatfen. 

Von den sogenannten freien Berufen sind den Juden Galiziens 
nur der Advokaten- und der Aeizteberiif zugänglich, während die 
amleren treien Berufe und vor Allem der Beamtenstand ihnen jetzt 
beinahe gänzlich unerreichbar wurden. Denn bis vor einigen Jahren, 
als es b<!i den Kisenbahn-, Post- und Telegraphenämtern an der 
ent.<if.rechenden Zahl chnstlicher Candidaten mangelte, fanden die 
-^üAkü wenigstens in diesem Zweige der staatlichen Verwaltung 
Aufnahme nnd Beförderung in die wenigstens niedrigsten Rang- 
clas.sfn. seitdem aber seit einer geraumen Zeit dies-r Mangel an 
•'iiii.'iiiiilipn (.'ontpeteoten auch für diese Otfentlichen Dienstposten zu 



jtwjr «flf Hi- 
ll'* 



4m ^ rtl i f»— Fl—if tf muh mi 4iewCTiiHli sUrfc k«awAUr. 
Dtei ftliC 0» «eil, tei 4ai PM«m M ihrer BevcrboBg 
^n/ßiA «<>• Mtcb M «ucfCCMdMl» Sirlle bd 4« Staats- oml 

F^^«.t».K.i./.r^^ 4C^ ^fl ,j4Pa b«4eMcl «irl, daa Are Gemehe nor 

^üitflias^s* abfeviMea wtfdea. 

';(ew«rb«lMfnefa loWlaügf, so sscbev dt« Jmleo 

iMp- Utitis SB Mio, 4a aber m dicMm capit&U- 

'^iMnuiplvtiges Laode di« Gro^iodostrie 

.. ^_.:. nielkt «atwidi«4( bai isd erst in den Ad- 

\n%ti\ Rieb Wandtet, »o ist aadi der AaUeü der jSdisdi^ii Ca|ii- 

■UliitÄO auf ilie»tm (h-iii^- ?enag. 

I'iin <»rot( (It jädi> .Ub^wohder (heilt sich daher in 

Undw*-rk»-r. Kanitat**» Kteinkram«-, WnnittW, Makler. Schank- 
rtalo, P«;tiionpn mit vorübergehender Bescbäfli^opf nnd BetUer. 

A(if Qniod ttiner seitenm des vor einiK«Q Jahren duich den 
R«)ohiii'Ath»Abgt>or(ln*'rtfn \iv. Haiipflport ins L^^ben gerufenen ^Hilfä- 
(•i.mii'*4 Cur di« irotlileidfU'le .Iudeii?cljAt'i Galiziens" veraustalleteu 
I -(• über di« Mk'»n<iini3ch« Lage iler Juden können wir ein 

,t[ ! :inl*frt Bild über die Lage and VertUeüung dieser einzelnen 
BeTurriütaHsen fcewiunen. 

Diese Rundfrage erhielte statislUche Daten dul* aas 126 (trt- 
flcbaflHn. 

Auf ilicjiiein Gebiete von kauut 12B ^Vtscliaften leben 4n.u0i> 
jüdische KauÜeuie. Kleinkramer und Makler. 1 40.000 Handwerker, 
12.(mi) judiiiclie Schankwirte, 36.01)0 Juden mit vorubergeliender, 
gelegentliclier Beschiiftiguui? untl 38.000 Juden, die von der ößeat- 
liehen MildiliMtiKkeil mcii ernäbrea. 

Da iHÄH nun die SU.ihki Juden mit voröbt?rgehender Besdiätti- 
gun^ nichts weniger \\U in irgend einen Bernt eiureiiien kann und 
:ii« vielmehr unter die Be-^cbtlfuguiigslo^en /.u zälilen jtiud, so ergibt 
sich das uaurige Bild, liass unter 145 ooo Juden 74.000 ßeschälti- 
gungslose üder rictitiger Bettler sieb befinden. 

Und wenn man Wüitei-s erwäjit. Juss die Antworten auf die 
oben angeführte KuuilfraKe alle die U.nOii Hiindwerkt^r, IS.oOO 
Schankwirte und 45.000 Kaufleute nur e^p)temtstt^ch mit dieäeu Be- 
BCUDungeQ belegten, wahrend duch ein Jeder, der sich in einer gaii- 
ziacben kleineu Stadi autgehalteu bat. schun nach kotzer Beob- 
achtung mit Gewisäheit feststellen kann. dAst« beinahe die Hälfte 
dieser sogenannten Handwerker atmsriige Klicker. die HUfte der 
Schankwirte allerarmsie Lente und beinahe die H&lfte dfr »Dge- 
atiuteD Eaatleute trigentlicb Dothleideade Hausierer and rerkcm- 
aWM Piak*'ljadea sind, so kann mau. ohne fdüiaschbfva. die 
N^rfindete B«haaptrag antsXaUea, da^s von diesen I4&.000 Jndetti, 
die in d«D 126 g^aanstea smliaisclMn Orts**hAfteB $kli «nfnalteo^ 
ksm 35.ö*.)0— 40.000 ia sehr oder venifer franlneteA Baieriellrn 
■Itaifiäea siek %«iB4«D nad den gaUnscben Standard of Ufd 



en^chen oder Überschreiten können^ wälirmid die Ubrigren circa 
100.000 tÄlilenden Juden entweder sclion Bettler sind odei* aul 
dem sicbertiten Wee;e zoni Bettlet Stabe sich betindem. 

Und wie die Lage der Juden in den 136 Ort^cballen sich 
gfestAltet hatf ist sie aucli iti allen anderen übrigen Ortscfaafteii 
Galiziens. 

Dies ist die mateiiellc Lage, richtiger die materielle Nothlage 
der jüdischen Stadtbewohner Ga]i/.ieni>. 

üod eine An^sicht auf Besserung: ist derzeit und für die 
ti?te Zukunft nirlit vorhanden, im GrgenMieil berechtigen melireie 
rliegende Anzeichen zur Auriahme. dass die Juden Galizlens einem 
sehr schweren und hartnäckigen Ooncunenzkampfe entgegengelien. 
ednem Kampfe, in dem die Juden als die Schwächeren uubedingt 
unierliegen müsäen. 

Die einheimische Bevölkemiig. die bis nonzu dem Handel ferne 
filand and nur mii dem Gebiete dt's Handweike^ mit duu Juden welt- 
eiferte, hat in den letzten Jahrzehnten nicht nur den Widerwillen 
gegen den Haiidelsberut gebrochen, sondern auch einen orgaiisiertea 
Te^d^ällgung^kampf gegen den jüdischen Handelästand begonnen. 

Diene Bewegung wird von der Lande^^iegieiung und von den 
oanibafletiiten LandeMCreditinstilulen in materieller und durch dif 
antijüdiHche Agitation der Geistlichkeit in moralischer Beziehung 
aaf das Tbat kralligste unter. *lützt. 

llit Hilfe der jüdiwlieu Slenergclilei* werden aUeiorts Vereine, 
die »ogenannten „Kolka rolnicze" gegiündet, deren Zwerk es ist. 
in den Städten und Dörfern Galizienä ^christliche Kautliiden" 
(«klepiki chrzesciansükie) zu eiHrtnen und den jüdischen Kaufleuten 
die Kunden zu eutreisseu und sie selbst an den Bettel- oder Au.s- 
wandeierstab zu bringen. 

Bis nun wurden auf diese Welse ge^en 2600 clirisiliche Kauf- 
lüden enichlet, deivn Zahl nocli immer im steten Wachsen begrittVa 
mV DDd die tauseiide von jüdisdien Kxistenzen vernichtet iiaben. 
Auch die Buthenen haben diese Bahn beschritten, wenn sir 
»Qcl von den LandesbebJirden nicht unterstützt werden und bU>.s 
auf die Btlfe ihrer nationalen Vereine angewiesen ^iud. 

Dieser systematisch geleitete Verdiängungskampf gegen d^n 
lödischen Handelssiaud findet den mHclitigstt-n Hnckhalt in der jetzt 
vorhen>chenden Tendenz der üsterieiohischeii Ueichsgesetzgebnng. 
Diese Ge^tzgebang mit ihrer 8oDUiagsrulie, Hausiei-, Raten- 
nnd vielen audeien Gesetzen — trügt den unleugbaitn Stempel 
clitifiilichsocialer Reformen und richten ihre Spitze direct oder in- 
direct, hewtts-tt oder unbewusat gegen den jüdischen Kleinhändler 
luid Kleinkriimer. 

Am meisten aber leiden unter diesen Gesetzen die jüdischen 
Zwüchenhändlei' Galiziens, die von den Beschränkungen dieser 
ckltitJtch-sut-ialen Reformen am meisten betruü'en werden und langsam 
aber stetig dem materiellen Ruine entgegengehe]). 




Also anch iler HamlelsUeirf. den bis vnr einigen .lahrzehnten 
die Judeu Galizien<i fast ausschlieäslick iiiitehalteu und dem sie, 
wenn auch nicht reichlicbeä. so doch halbwegs ertriigliches Ein- 
kommen zu entnehmen wussten, wird ihnen jetzt entzogen. 

Es darf daher Niemanden Wunder nehmen, das< unter solchen 
Cmständeu, wo ihnen At^keihan zu treiben unmftjjlirh, jiearate zu 
werden, verboten und dem Handel zu obliegen, erschwert wird, die 
Proietarisiernng nnd Veikümmeiung der jüdischen Massen Galiziens 
in rajuder Piogression fortschreitet und die Kmigration der Juden 
immer grössere Dimensionen annimmt. 

lieber die Intensität der jüdischen Auswanderung aus Gali- 
zien besitzen wir keine p;enauen statistischen iMten^ es wurde jedoch 
auf Grund auuähernder Berechnung festgestellt, dasj im Decennium 
1880— I89ü circa 44.000 Juden Galizien dtn Rücken gewendet 
haben. 

Dieser Auswanderungs-^tritni ergiesst sich liaupt^äclilieh nach 
Xiederösterreicii (Wien). Eugland, Am^'rika, l>euisi;hlanrt, Hiigain 
n. s. w-, wo er die ohnehin geschwächte wirtschaftliche Lage der 
dortigen Juden gefährdet und dem daselbst bestehenden oder im 
Entstehen begrilfeuen Antisemitismus reichliche Nahrung zufuhrt. 

Diese grosse und akute JudentVage Galiziens mit ihrem uti- 
ergrflndlii'hen Massenelende, mit ihrer ganzt-n Trost- und llutTiiungs- 
losigkeit — sie hat daher nicht nur für die galiziscben Juden allein, 
sondern auch für die Gesammtbeit der Juden im Westen eine an- 
nnteischätzhare Bedeutung. 

Die prekäre und nach i^chleuniger Abhilfe rufende Lag« der 
773.000 Juden Galiziens steht daher in iuuiger, derzeit uuverröck- 
barer Wechselwirkung zur Lage der Juden in den wefitlichen 
Ländern nnd wenn die letzteren, ohne Rücksicht auf ihre momentane 
bessere nnd giacklicliere Stellang zur gedeihlichen und radicalea 
Lösung der JudentVage im allgemeinen und der particulrtren gnli- 
zisclien Judenfrage im besonderen hilfreiche Hand reichen, so 
handeln sie nicht nur im Interesse der gesammteu jüdischen Nation, 
sondern auch zu einem nicht geringen Theile im ureigensten 
Interesse. (Lebhafter Beifall.) 

Pri^idrnt: Da.» Wort hat Il^rr Redacleur J. de H a .i s zwut 
Referate übfr die Luge der Juden in England. 

Jacob de Haas (London, spricht engli.'<ch}: Verschiedene 
Factoren vereinigen sich, um eine durchaus genaue Uebersicht ober 
die 'Lage der Juden in Grossbiitannien und Irland unmöglich zu 
machen. Ei*stens findet keine confessionelle Zählung statt, was in 
numerischer Hinsicht nur Muthmassungen zulässl, zweitens bt^itzt 
die jüdische Gemeinschaft kein Ceutralbureau. durch welches die 
Zahlen gesammelt und verglichen werden könnten. Drittens ver- 
Jiffentlicht die Mehrzahl der jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten keine 
Berichte oder statistische Tabellen, auf Grund deren man eine 
Uebersicht aufstellen könnte. Der grüsste Tlieil der in diesem Aus- 



I 
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— 'J'J — 



zage «nget;eb*^iieD Zahl«u lau^gtiiiommea Hinweise auf Handels- 
geftell8cbAf\en und engenaonte wechseUeitige GewinnvereiulgangeD) 
siD<l tlfiii Jalirbnche für 1896/7 von Josef .TAcob entnommen und 
yerbeüsert »der bereicheit durcli meine peiAöHliche Kenntnis der 
«Dglisch-jüdiächen Geineindeverhitllnisse. 

Die eiigliKi:h-jüdisclie Gemf-inde wurde in London wäbrend 
di% den sei>hardiscliAn Juden gewährten WiedereinlasAes gregründet. 
An ihrer Spitze standen damals Menasse ben Israel und Autonia 
Caivpial. ein Ansiedler uns der früheren Croniwell-Periode. Dasj 
w-i he Klemenl wui^hs jedoch nicht an Zalil. Vielmehr warea 

es .ie und hollündische Handelsleute, die im 17. Jahrhundert 

die jQdisf.he Gemeinde versiärkten. Aber erst die politischen Un- 
ruhen auf dem Continent, die am Ende des 16. Jahrhunderts be- 
' ganneu und bis in die erste Hälfte nnseres Jahrhunderts fortdauwten, 
brachten eine grrts)^ere Menge Juden an din Hngli^chH Küste; die- 
eelben lie:$sen »ich allmählich in den HttndeUmittelpunkten der 
eoglischen Provinzen und den Hauptstädten Sehottland» und Irlands 
nieder. Zuletzt hatten die russischen Verfolguni^en des Jahres 1860 
ein« Einwandeinng zur Folge, die in einem Jahrzehnt die jüdische 
Bernikeiung der briti<;chen Inseln ^weitetlos verdoppelte. 

lodern der Verfasser des erwähnten Jahrbuches seine Zittern 
ao< der Theorie basiert, dass jüdische Hochzeilen 10 jtro mille, da- 
gegen TodesfAlle 25 pro mille aufmachen, scbliesst er. wie folgt: 

Es leben in London H4-28(i Juden 

„ Wales und Provinzen 33.070 „ 

„ Schoiüaiid . . . 2.0H0 

„ Irland 1.779 ^ 

zu.«ammen 101.189 Juden. 

Die auf Grund der Miigliederscbaft der Synagogei», verschie^ 
deoer Gesellschaften, Handelsvereinigungen etc. zusammengestellten 
Tabellen errorigllcheu eine gewisse Bericbtif^ung dieser Ziß'erji . ich 
n ' '^ jeducTi will alle Theorie vermeiden und sage einfach» 

1 lurfle eine zutretfende Schätzuug sein. 

Nach dem Lande der Herkunft gibt es folgende Classen von 
Juden in Grossbritaunien: 



a) Eingeborene 

b) Deutsche . . 

c) Holländer . . 

d) Russisch-Polen 

e) andere Ausländer 



wahrscheinlich 30 Percenl 



zusammen MO Percent. 



Religionsverh&Itnisse 
neio^chaft zerteilt in drei TheiJe: 
^j Sepbardiro, c) Reformierte. 



Die ecgUsch-jüdische Ge- 
a) orthodoxe Aschkenazim, 



— 3() - 

a) Es existiert ein Unterschied zwisdieu der Orthodoxie der Ein- 
geborenen und der Ausländer. Theoretisch stehen sowohl alle jüdischen 
^.Temeiiiden der „Vfcieinigten Königreiche" (h und c ausgenomraen), 
als auch jene in jedem Thelle des britischen Reiches unter der 
geistiicbeo öbhui des Oberrabbinei-s der vereinigten Gemeinden. 

Ein Cünsiäiorium oder RabbinAts-Comitt' «xisiiert nicht, obzwar 
tjine CoDferenz der Reli^ionsbeaaiteu vom Oberrabbiner einberufen 
wenlen kann, uui rituell« Fragen, deren Knischddung jedoch nur 
wieder dt'Ui Oberrabbiner, welcher orthodox »ein mus», vorbehalten 
ist, ZU besprechen. 

Durch die Einrichtong der ^Seelsorge-Städie" wird die Einig- 
keit innerhalb Grossbiitunniens erhalten, dagegen rouss hervor- 
gehoben werden: I. dnss der Gehalt iW^ Oberrabbiners beinahe 
gänzlich von der „vereinigten Synagoge" btisliitten wird: 2. dasa so- 
wohl in London als auch in den Provinzen einzelne Gemeinden sieb 
der Jurisdiction der Rabbiner fügen. 

Die religiöse Leitung wird grösstentheils durch flnanzieJId 
Oberanf^iicht ersetzt. In Londou bilden die 13 grdssten Synagogen 
aqa finanziellen Gesichtspunkten die „Vereinigte Synagoge". Die 
kleineren Synagogen haben sich ebenfalls wegen gegenseitiger Vor- 
theile zu einer „Verbiaduag der kleineren Synagogen" zusammen- 
gethan. In den Provinzen existiert keine solche Organisation und 
hat jede Gemeinde allein für sich zu sorgen. 

Die englischspreohenden Retigion^beamten der Gemeinden (nur 
wenige sind liabboniui i wurden in jüiiischen nnd arischen Kollegien 
ausgebildet. Die Vorbeter und Schächter sind Ausländer. Nicht 
iede Gemeinde kann so viele Beamten anstellen, und daher werden 
nicht selten alle diese Aemter von ein und derselben Person ver- 
sehen. Angelegenheiten, wie Schechita, werden von einem aus Laien 
bestehenden Kiiianzi'omite verwallet, während die religüise Frage in 
den Händen der Henen Dr. Adler, Dajan Spiei*s und Dr. Gaater ruht. 

Die sephardische Gemeinde hat drei Synagogen in London und 
«ine in Manchester und erhält ihre unabhängigen Gemeinde-Institu- 
tionen aus eigenen Mitteln. 

Es gibt drei Rt-forni-Synagogen in England, und zwar in 
London, Manchester und ßradford, die nui' durch ilie Gemeinsam- 
keit ihrer Ideen zusammenhängen. 

Die Regierung subventioniert weder die Synagogen, noch die 
Beamten. ^m 

Die religiöse Erziehung der Kinder wird aaf sechs Arten^l 
besorgt: ]. dnich freiwillige Schulen; 2. Religionsclassen in Ver- 
^m bindung mit Verptlegungsschnlen; 3. Räligionscla^sen iu Verbindung 
^B mit Synagogen; 4. Talmud-Tbora-Schulen, gegründet nnd erhalten 
^^ von jiusländischeu Jud-n: 5. Chedorira oder Privatscfaalen in den 
I dichter bevölkerten Bezirken; 6. Privatunterricht. 

I Erziehung: Einige Daten hierüber sind eben gegeben 

^^ woiden, aber zu diesen mnss noch folgendes lünzugetügt werden i 



XacU englUeliem Gesetze mass jeies Kiud seioe Erziehung 
cnentgeltliob erhaU*^ii und eiue neue Vorlage will sogar den frei- 1 
willigen Schulen eine Uiitersiiitzung nngedeilien lassen. 

Freiwilfit^e Schulen sind Anstalten, die, obwohl aoter der 
Au&ichi der BegieruQg und im Besitze einer Subvention seitens 
derselben, dennoch keine öttentlrchen Schulen sind und deren eveu- 

Deticite durch Collecten, Geschenke etc. gutgemacht werden 

Die Mehrzalil jüdischer Kinder wird in Verpflegungsschulen 
ttmerrichtet. und zwar nur in profanen Lehrgegenstäuden. doch 
i^orgt die jüdische Gemeinde für Extra-Keligionsunterricht nach 
idea Sclinlstnnden und am Sabbath oder Sonntag. Die Krziehungs- 
'initiel sind sehr mangelhafte: in vielen der kleinsten Gemeinden 
«itfaeUt der Beamte den Kindeni Priratnntemcbt, ein Brauch, der^ 
auch in London noch hie und da üblich ist. 

Rs gibt allerdings jüdische Privat- Verpflegungsschulen, aber 
es gibt an den beiden grossen Universitäten kein sogenanntes i 
^Jüdisches Bans') wie sich ein solches an einer der höheren Otfent-j 
' liehen Schulen befindet. 

Die Londoner Universität ist ein grosses Centrum für jüdische 
Studenten, allein es kann im grossen Ganzen nicht gesagt werden, 
dass in England ein ähnliches Streben nach akademischen Bernfen 
, -wÄi-e, wie unter den Juden des Continent^. 

Es gibt kein Seminarium für Juden, obwohl im theologischen 
Colleginm »Jews' College" die höhere Jüdische Literatur gelehrt j 
Wti*d ; die Studenten gehören zumeist nm* den ärmeren Ständen an. 

Zo den folgenden Zifleiii. die von Erziehnag handein, muss j 
bemerkt werden, dass infolge der Vorliebe für hochküngeude Namen, 
es oft schwierig war, zwischen einer Schule und einer einfachen [ 
Clause zn iiDterscbeiden. 

Die meisten der Provinzial-Körperschaften verOtfentlichen keine 
Berichte und so muss die Bilanz oft das Würtchen circa enthalten, 
wird aber trotzdem nicht gar sehr von dem tliatsAchliclien Budget 
abweichen. 

Zahl : Efn^onuaen : 1 

Collegien 25 5.478 

Londoner Schulen ... 7.90fi 31.452 

„ Religionsciassen 9.000 ä.50O 

B Thalmnd Thoraschulen L200 2.000 

. Chedorim .... - ... 6.000 fi.25D 

Allgemeine Erziehung in der Provinz . . . 5.601 9.075 

29.7:ta 56.755 

*> jQdiiches Bitu iat ein Gebäude, welkes d^D religiösen Bedürfniasen 
4er Scbulen gewi'lmet in. 



•;-> 



W b 1 1 b ä t i g k e i t : Aus den TabeUen über Wohltliätig- 
keit ist za entuehmen, dass grosse Summen diesem Zwecke ge- 
widmet werden. Mit Stolz sagen die englischen .ludeDf ^dass ein 
Jude nicht aut' die Rationpn oder Anthcile augewiesen sei*^ iu 
anderen Worten, das? kein Jade von der sTÄdtischen A]*men|trtege 
Gebranch mache, zu der tVeilich auch Juden b^iüagen. 

Dies ist zwar im AUgeraeiuen wahr, jedoch eiuptängt ein 
grosser Percenisatz d^tr OÄt-L.üudoa-Jnden ärztliche Hilfe in den 
städtischen Arnieukrankenhäuäern. 

Wie anderswo, so hält man auch in England an dem Grund* 
salze lest, dass die Kehilla ihre Armen erhallen müsse. Die Idee 
von Kachmanutb, dem bedingung^iosen Almoseogeben, hat sich fast 
schon (iberlebt und sogar die synagogaien ArmennnterstütznngeiL 
werden vermittelst süenger Eiurichiuugen g«lianJhabi. Eine Haupt- 
f^inrichtung: dieser Äit ist das „Londoner .Jüdische (.^omite der 
Wächter iguardiausi zur Hilfe Jüdischer Armen."' Dasselbe gilt 
als Muster jiir alle Provinzial-Unierstlltzuogs-Coraite's und hat sicli 
durch seine geschickte ÄrraenpÜege einen Euhm erworben. 

Die Mittel setzen sich zn^iammen aus angelegtem Capital, 
aas Collecten und hauptsächlich Spenden. 

Die leitende Idee all' dieser wohltbätigen Kiniicbtnugen ist^ 
das» diese uicht zur Betielfi verlocken, und darum werden Dai*- 
leben gewiihrt. Ei iät erireulicli, sagen zu kOnueOp das$ die Ebr- 
Uebkeil der armen Juden so groits ist, dass die Verloste iofolge 
fanler Si-halden, obwohl die Darlehen ohne jede irai-aDÜe gewährt 
werden, sehr geringe sind. 

Die Armeiiprtege zertallt in folgende Classen: 
a) Unterstützung in Form von Lebensmitteln oder Geld hiezu. 
bj „ „ .,, ., Daileheu. 

c) „ , Arbeitsbesorgnng. 

d) j, in der Weise, dass mau Knaben und Madche;^ 
irgend ein Meliei- lernen lässi. 

•e) Durch Weiterbefiuderung. 
Durch Besorgung ritueller Bedürfnisse, wie Mazzoth und Be- 
stattung. 

g) Lebenslängliche' oder jahrelange Pension, 
h) Beherbergung alter Leute. 

1) Beistf^ueiung an Hospitalei; wo jüdische Kraukensäle sind! 
j) B«herbergung und Eiziehuog der Waisen, der Taabstuuimen 
und unheilbar Leidenden. 

ad &) Hilii-Coraited und audei'e Wohlthätigkeits-Organi- 
satiouen geben Geld oder Anweisungen für Lebensmittel und Kleider, 
ad b) Erfordert Riesensnmmen; die Darlehen betragen voa 
1 bis S5 Pfund Sterling. 

ad c) Das Hilfscomilt' in Loudon (board of Guardians) be- 
schäftigt Näherinnen, und das Bmeau des rassisch-jüdischen, 
Comiie's verschatft Arbeit and lässt Handwerke leinen. 



ad d) Winl mit Ktfolg ausgeübt. Die betreffenden ÄnstAlten 
ItiUen Knaben und Mftdülifn in Handwerken aus, indem sie die 
PiÄmien oder das Lehihonorar, die dann die Lehiiinee ziuück- 
luzaiilen haben, vorstrecken. Audi weidt^n Darlehen für Weikx.f uge 
gegeben und die Lehrlinge erhalten besonderen technischen Unter- 
richt in biem bestimmten technischen Claasen. Alle Kinder sind an 
Sabbatb- und Feiertagen frei. 

ad e) Die Ueförderung verschlingt grosse Summen, von denen 
ein pronser TheJl in der ProvinZf dadurch aufgeht, dass die Hilfs- 
fomit^V Fahrten von einer Stadt zur anderen au durelireise-nde 
Arme zahlen nnd auf difse Weise aus dem Schnorrer ein Vaga- 
bund wird. 

»d {) Mazzoth werden von den GemeindHU verabreicht und 
diese. !«owie andere Local-Wohlthatigkeitsanstalten bestreiten die 
Begl•äbni^ko^tpn jüdisiche.r Armen. 

ad g) Wilwen, Leidende, Bünde erhaUen lebensIUngiicbe oder 
rpgelmibsige, von verschiedenen Organii^ationen nöcheutliche Unter- 
stützungen. 

ad U) Altersschwache werden in «sogenannten „liomes" aus 
den Mitteln freiwülister Geineindebeitiäge beherbergt. In einigen 
AnnenhÄusern wenien den Inwohnern Alimente gewährt. 

ad i) In Örossbritannien existiert kein jüdisches Hospital, 
jedoch ist eine Ärmenapotheke in London im Entstehen begriSeo. 
Die englischen Juden unterstiitzen die öffentlichen freiwilligen 
Hospitäler, in deren manchen jüdische Krankensäle erhalten werden. 

ad j) In Gro^-sbiilannieu exi-^tiert nur ein jüdisches Wnisen- 
boHs, ein TÄubstummeninstilut und ein „Heim"* für Unheilbare. 
Ausser zwei bereite besiehenden Reconvalescenten-Häusern soll 
auch durch die Güte der Baronin Hirsch ein Hospital für Schwind- 
süchtige erbaut werden. 

Nodi müsiien drei Hauptinst itutioiien erwähnt werden: Das 
Depn tirteu-Comit« zur Walirnelimung jüdi.scber Interessen 
mit Bezug auf parlamentarisclie Verfügungen, erhalt solche Privi- 
legien, die den Juden die Beobachtung der Sabbathe nnd Feier- 
tage ermöglichen. 

Das Comite der Vertreter aller giösserer Londoner 
ond auch mehrerer Provinzial- Gemeinden hat zusammen ein jähr- 
liebes Einkommen vou 300 Pfund Sterling. .Vehulidi wie die 
AngIo-.Iewi>h-Association hat da.«selbe auch ein ausländisches ComitC% 
das die Interessen auswärtiger Juden beim Britischen Auswaitigen 
Amte vertritt. 

Die „Anglo-Jewish-Ässociation** wirkt in Ver- 
bindnng mit der ^Allinnce I^raelite Universelle*', indem sie Schulen 
im Otif^nt unterstützt. Ihr Einkommen beläuft sich anf 2000 Ptund 
Sterling jährlich. Diese Vereinigung besitzt Actien der jüdischen 
ColoniKation^ge^ellschaft und hat im Jahre 1880 die russisch- 
jQdibchen Angelegenheiten au das russisch-jüdische C'omilO ab- 

8 



getreten, welcli* letzteres alleä in Allem SOn.oOO Ptupd Sterling 
auftrieb, wovon 35 000 Pfund Sterling uocb vorhanden sind. 

Das rassisch-jüdisclifl Comito steuert bei zu den Londoner und 
Proviuzial „Board of Guardians" oder Hilfs^comitös für rossisdie 
.htleii; es erhält ferner Abendschulen auf eigene Kosten und zahlt 
fQr die An^biMung ru*>ät*;ch jüdischer Studenten an Schweizer 
Universitäten. 

Politische Lace. In politischer Beziehana: sind die 
engli?>chen Juden voUäländig * emancipiert und können jedes 
Regiernngsanit bekleiden, ausgeuommen das eine's Lüiil-Kanzlei-», 
der, gleichzeitig der Beiclitvater der Königin^ der englischen Slaata- 
kirche angehiiren mu$8. 

Zittern und Tlmlsachnn, die von der Peer- oder Baronswfii'de 
der Juden zeueen, sowie Zahlen Jüdischer Parlamentsmitglieder sind 
von persf'^nlichem, nicht von politischem Belange, da man nicht 
ftagen kann, dass irgend welcher Hang von Religionsgt ünden 
bedingt werde und nur ein Jude Jüdische Rechte vertreten könne 
Ks ist auch sehr zweifellmft, ob die Juden eine Uebermacht au 
Stimmen haben und in politischen Dingen gleichgesinnt sind. 

Ehenmls wurde daratif gedrungen, dass, da die Libei-alen fßr 
die Eraaucipaliou der Juden verantwortlich waien, diese zur 
liberalen Parle» gehören mü^sten, aber die judischen ParUraentarier 
sind mit einer Ausnahme alle ConseHative oder Unionistep. 

Juden bekleiden Aeniter und Stellungen in allen behördlichen 
AdministratioQszweigen: de^tsenungeachtet wäre es uniichtig, zu t>e- 
baupteu, dass die antisemiusche Stiümung gar nicht herrsche, Lord 
Salisbury's Autraa: auf Einschränkunff derEinwandeninc war nänzlicU 
gegen den jüdischen Zutlu>s gericliiet, und obwohl die Frage fallen ge- 
laasen wurde, bleibt sie dennoch ein Theil desRegierungsprogrArames. 

B^ne gewisse nervöse Ang^t hai sich seit Kurzem der in 
verantwortlicher Stellang befindlichen englischen Juden Leoiftcbtigt 
und 90 gross anch der Anlass sein mag, so wird es doch immer aufs 
sorgf&Iligste Teimi^den, eine besondere legislative Vergünstigung 
für Juden in Vorschlag zu bringen. 

Sociales. Ueber die socialen Verhältnisse der Juden in 
England kann keinerlei directe Statistik geboten werden: aber aus 
einem Vei-gleiche aller in diesen AusffibruttgeB vorbandeaeo An-, 
gaben durlten sich interessante Ideen ergeben. 

Die socialen Unterschiede fallen selb.^tredeod mit den politischen 
und ökononii^cheD Schicbtungea zusammen, nur eine kleine Ab-; 
weichong t:^t au constatit-ren. 

Das gn>ss« Centrnm Jüdischen Lebens ist der O^en Londons i 
nnd hier fahren di-ei ver^ctiiedene jftdiscbe K5rpersclMfken ein yg^j 
schiedenes l>b^ : 

der in England geborene Jude, 

der russiscb-pt^lniscUe Jade, 

d«r iMllftodUdi« Jttd«. 



- 36 — 



Die Amipathie zwischen den beiden let^.teren ist in tler Regel 
erOsser iU ziviscbfii den beiden ersteren : jede Sectioii füliit das 
Leben ibieif Geburtslandes. 

Die fols^euden wenigen TliaUaohen kennzeichnen die Situation : 

a) Das hjiu<tliche Leben der Juden ist nicht, /.erstörf, obschon der 
Einfluss de.« „Clublebens" sich fühlbar macht. 

b) Die Franen bewahren noch immer die alte Sittlicbkeir, der 
die Juden soviel veidaiilcen : von den Männern kann dies nicht 
gesagt werden. 

C) Die vun Religiosität niid litiifllem <'eremoniell beeioflusste 

Lebensweise wird Vun der pecuniären Frage bedingt. 
A) Der ftro48e Hang zur Literatur seitens der conttnentalen 

Juden gibt sich bei dn* enE):liscbeii Jndenheit niciit kuiul. 
e) Die Jnden sind gross*' Gönner der Oper, Munik und der 
üoncerthalle un<l das hat sich sogar bewährt, als eine reisende 
„Ja:gon Uperetten-Tt uppe** aich ftli- einige Zeil iu Loudon 
nicdeiliess. 
fl Das Leben In den Provinzen i^t wohlfeiler, als iu London nnd 
haben dort die Juden eewülmlicli nifbr Idfencemtinschaft, die 
Ireilicb unter den Miingeln kleiner fcStÄdte leidet, 
g) liDter den eiiglii^cheii Juden hertscht die Vorliebe für Pferde- 
rennen-Wetten, während die fremden Juden <lem Kaiten- and 
\Vürfhl-;piele huldigen. 

In Kngland werden Hehr wenig uneheliche Judisclip Kinder 
geboren, was gewiss den religiftsen und niorjili.^clien Principien zu- 
znM^hreibeo isi. Ein anderer darauf bezughabender Umstand ist 
aoch der Wunsch nach Ehe. 

KiO sehr lunger und interessanter Bericht könnte Aber dieses 
Tbuna geschrieben werden; da j-dncli die jüdischen Ideen in dieser 
HiDsiobl nur wenig vnriieien, ist es(H)e^flltS(*lL^ mehr als die (blgeiid'en 
Aufzeichnungen zu bringen: Unter den Armen sind die Heiraieu 
häuligt*r als unter den Heichen oder irgeinl einer anderen Classe. 
Verschiedene Fonds unterstützen junge Paare, damit sich diese 
^nen eigenen Herd eründen können, wählend die GebQreii Tiir das 
tiCaelle Trauuugsreremoiiiell heileuteud hetabgesetzL und in vielen 
Kallen gkti/.Lci» naehgesehen werd-u. um „siille Chaznoth" oder 
nach jüdischem, jedoch nicht nacli eiiglixi-heni Gesetze gestaltete 
Elien zu verbüteii. Eben zwischen sehr jungen und älteren Leuten 
kommen vertiültnismässig unter Aimeii Öfter vor, als unter den 
anderen Clas^en. Dhh auslnndische Bleuient ist entschieden gegen 
JttQfgesellen und alte .lunulVm und spielt der Schndciten, wenn 
Auch nicht in dem Masse wie trflh-r, noch immer eine Rolle. 

Die Mitte]cla.sseu haben am wenigsten Snin fitr die Ehen nnd 
därften die folgenden AutzeiulniUKgen mit Rücksicht auf diesen 
Punkt von Ituerej'se sein: 

Die Durchochnitts^alil jüilischer Ueirat«n, die jährlicb in 
England geschlos5en werden^ ist ungefähr ISoO, hievon: 




25 ^ in der niederen MittelcUs^te, 

10 ^ iu der Mittelclajise, 

15 ,, unter den Reiciien. 

Männer sowohl, als Weiber linlten ihre Elicsehwfire du. Fäll 
von Scheidung:en sind selten und das „Imstichlassen'* unter 
Armen ist in Wirklichkeit uiclii.s andere?, als dass die Männer im 
ICiuverstiinilnisse mit ihren Ehehftiften in anderen Ländern ihi> HeU 
versuch*'!! wollen. 

Der Verdienst der arbeitenden Chussen beträgt 1 Pfand 
B Shilling bis 2 Pfund wöchentlich nnd die Tabellen iibiir die so- 
ernannten Vereine lür „Wechselseitigen Nutzen" zeij^en, das.s die 
Juden strebsam sind. Hiezu kommt noch die Thatsache, daäs viele 
Jaden von den Kegierungssparcassen Gebranch machen. 

Da die Wuclierfrage das sociale Leben berührt, so mag noch. 
gesagt werden, dass. obwohl es zweifellos Juden ßibt, die tiel 
leihen, die Zahl derer, die entleihen, doch grösser ist. 

Es ist bekannt, dass die Juden nüi'litprn nud flei.<«ig sind' 
und die Darlehen, die sie in Anspinch nehmen, dienen gevvisser- 
niassen einem religiös-socialen Zwecke. Es ist Brauch, da^ts 
l'^esttage besondere Voikehruugen im Haushalte getroffen, 
Kinder und Weiber neu bekleidet werden und fürwahr, da sind die 
Jnden etwas verscliwenderisoh. 

ÜDgeratheue jüdische Kinder werden in einer Cenlral-Ve; 
besseningsauätatt nntergebrachC; ihre Durchschniiiszahl beziffert 
»-ich auf circa 15 jährlich, das Maximum auf 50. 

Jüdische Häftlinge gibt es wcnii?. Ihre Verbrechen besteh^ 
zmneist in kleineren Uelicten, Diebstählen und nur selten Gewalt- 
acten. Die Durchschnittszahl in allen englischen Geföngoissen 
l>eIäDft sich auf circa 400, mehr als circa 130 sind nie zu einer 
SSeit in Haft. 

Das gute Einveniebmeu, welches ehemals zwischen den 
judischen Herren und Dienern bestand, ist in den letzten Jahren 
geschwunden. Der Kampf, den die Arbeiter führen, hat beide Theile 
Hütfremdet; der Arbeiter ist agiessiv geworden und dies hat eine I 
Spaltung veiiu'sacht, die nicht ohne Einiluss auf das sociale Leben 
geblieben ist 

Wirtschaftliches. Infolge des Mangels an unbedingt 
ÄBverlässigen Daten, gestaltet sich dieser Theil meines Berichtes 
am schwierigsten. 

Es kommen hier vier Classen in Betracht : 

1. Die Armen. 2. Die Mittelclasse. 3. Die Wohlhabende 
4. Die Reichen. 

Diese können aelbstverstÄndlich wiederum in ünterclaase 
getheilt werden und treten mit Bezug darauf die fulgeuden Ge- 
denken hervor: 



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- 37 - 

1. Die Armen bestellen aiH dem „Sclinorrer," der „gelegeni- 
lieh~ arbeitenden Clause und der arbeitenden Cla^e» die durch deo 
Niedergang des Gewerbes derart lierabgeküinmen ist, dass sie auf 
feinere Art die Wohlthätigkeit in Ans|)rucli nehoien muss. 3. Die 
Äittelclasüe Ui der rührigate Körper, welclier beständig neu**n 
Zowacbs vun den unteren Ckssen erfahrt. 3. Die Wohlhabendfii 
bilden einen ^rliunen Percentsatz und bedeuten die obere M^ittel- 
blasse. 4. Die Keiciieii recrutieren sicii aus Leoten, die ein Jahres- 
einkommen von lOOO Pfund Sterling habed und aufwärts zu den 
miÜoDären. 

Eine andere Abiheilung derjüdiächen Bevölkerung kann etwas 
geoaaer feMgestellt werd»*», und zwar: 

1. die Arbeilerclas-Hen, 

2. die Arbeitgeber^ 

3. die Bernfsclassen, 
4 die Handelsclasse. 

ad 1. Männer und Wdber, Knaben und Madchen arbeiten. 
Drei Viertel der jüdischen Brvülkeiun? befaiaen pich mit Hand- 
werken al:>: Schneiderei, Panlotl'el-, Stiefel- und Scliuhmacherei, 
llaotelerKeugung und hanptauclilicb Cigareiteu- und Cigarreuarbeit. 
— Die zweite Olasse der von Juden betriebeneu Gewerbe ist: Bach- 
drnck, Pelzarbeit und Tischlerei. — Die dritte Classe: Friseure, 
Uirmacher^ Gold- und Siiberarbeiier, Juweliere. — Die vierte 
Qäfsti: Decorationen, Zinngiesser, öasinstallateure, Schmiede, 
Wagenbauer und Spengler. 

Die Durchschnittslöhne sind angemessen. Unter Männern und 
Fraoen bestehen Tiade-ruions, die aber beständig ab- und xuneliraen. 

Gegenwärtig wird um den acbtstflndigen Arbeitstag gestritten, 
jedoch wird dies nicht su ernst genommen, vielmehr handelt es sich 
nm die Hrzieliing höherer Löhn« und gesunder Werkstätten. 

Die Statistik der Trade-Unions ist Insofern iuterefsant, als 
- 1 ichweiät. (irtss die Juden im weitesten Sinne Arbeiter sind. 

Die Schwäche des Arbeiters bestand bis nua davin. dass «r 
zü blind ijrewissen Fnlirern folgte, wodurch zu seinem Nachtheile 
ein Gegensatz entstanden ist Im Schneidergewerbe jedoch ist dies 
«n überwundener Standpunkt, denn Meister und Gesellen sind /u 
gegenseitigem Besten vereinigt; die Gesellen mtisaen wohl ^schwitzen", 
mber nicht so wie in nichijiidischen Kreisen. 

ad 3. In manchen Gtf werben find die Meisler vereint, w.is 
den Zweck hat, sich gegen <iie Gehilfen, wie auch durch geg-u- 
«i^ilige Stütze gegen die strenge Veifoignng seitens der Regierungs- 
btfamten zu schlitzeu, welche eine stricte Beobachtung der Kabriks- 
geselze erzwing«*!! wollen. Man kann mit Sicherheit sagen, dass die 
strenge ijellendmiuihnnB- ilie>ser obrigkeilticheu Gesetze den kleinen 
Fabrikanten zugrunde licliten wird, da die Hauküfsten der gesetz- 
lich vorgaschriebenen .<tanit^1ren Werkstätten in einem MissverhilU- 
oiftse TW dem investierten Capital stehen. 



1 




sft^vD, daes 

Gkovewe 

W Entrlrereine 

SkUftft« bttrageo 

Zeit «ficielleraeits nicht 

tiB ■■ BitiHi ■><} infolgedessen 

«1 4er OiiiMMrtaag- Arbfit, womit 

drf Mikgtieder ein» 

■ Irilif hl» GcfceiHtsinig: des eben 
ficm de Haas wird ja 

«bd ejeieoel eicb we^n 

aLAiiifcfci ^ Bfetft sa cla^ AMUee. l^u Wurt hatd 
ibt Las« d«r Ji^en I» Algerien: 




*)ac<|Ues ilabar (Paria): Hochgeehrte VcrMiumluugl Vor 
ttigpn Stunden erst mit der unerwnrttitfii Aufgabe betniut, ühor 
[•re nlgerisi^hen BrüdiT zu berichten, habe icli nicht geglaubt, 
mich dteaer PHtcht entziehen xu dürfen, umso weniger, ab ich nahe- 
zu dio letzten fünf Jahre unter ihnen gelebt, mit ihnen gelitten und 
gekämpft habe. Zugleii-b niun» ich um Ihre Nachsicht binäiehtlich der 
unvollkommenen Documentierung dieses Berichtes und wegen meines 
pftmiflcbten, unlitpniriar.beii Deutsch bitten, denn wenngleich ich das 
DeutAch wie meine zweite Muttersprache beherrsche, so ist Oft doch 
nur eine angi-lemto Zunj^e. 

Wie wir wissen, stammen unsere algerischen Juden meistens 
Ton den yon den Spaniern an die algerischen Baye als Sdaven Ter- 
kauften Juden, welche nach der Vertreibung durch die katholische 
Uubella nacli der Türkei verschifft werden sollten. Was für freie 
Männer man aus früheren Sclaven machen kiinn, wiesen wir leider 
nor zu wohl und so kam es auch, dass die nach JHTtJ erfolgte 
Kmancipiernng, die Freiheit und die Gleichheit, auf viele unvor- 
bereitete, durch Jahrhunderte lange Knechtschaft und Verachtung 
tief gebeugte Hchultern fiel. 

Doch, ist diese Constatierung eine aufrichtige Anerkennung 
der Wahrheit, so dient sie auch dazu, den riesenhaften Fortschritt 
zu kennzeichen, den die heutige Generation bezüglich Handelns und 
Wandeina verwirklicht hat. 

Die Geschichte dieser Kmancipiernng. die als Vorwand zu der 
gräsilichsten Verfolgung ausgebeutet wird, mag hier eine kurxe 
Erörterung unisoniehr crhcuschen, als sie selbst in Frankicich wenig 
bekannt ist. 

Als mitten im 1870er Kriege die nationale Veraammlung 
erwählt wurde, schalteten und walteten Gambetta und Cremienx 
als Mitglieder der Regierung der Xutionalwehr. Uambetia fürchtete 
mit Recht die Ankunft einer feindlichen monarchischen Majoritiit 
and theilte Uremieux seine Sorgen mit. Dieser fand nur einen 
Aasweg, nämlich manche Wahlbezirke an Wählcrzahl zu erhöhen, 
eine Vennehrung des Abgeordnetcnquantums laut des Wahl- 
_ ifttzes nach sich ziehen niusste. Er schlug ihm also vor, aus allen 
algerischen Juden Franzosen zu machen und richtete es so ein, was 
jn cm leichtes war, dass sie wie ein Mann für ihre republikanischen 
Befreier stimmten. Dio Araber hatten nichts dagegen und hatten 
ar bei einer Torherigen Befragimg entschieden dafür aus- 
heo. — Dio unterschriebenen Documente hierüber exi- 
itieren noch. 

Die Cliriston, respective die dort ansässigen Franzosen waren 
flOgar darüber entzückt, denn der l'ntergang des Kaiserreichs hatte 
sie zugleich dcH vcrhasaten sogenannten S.'ibelrrginicntKdormilitarischen 
St*t(tinlu-r entledigt und sie fanden in der unverhofften republikanischen 




aicherung gegen die Wiederkclir der 
kaisorlk-hoii Macht. 

So gieiigen auch Imiije Jahre Juden und Christen Hand in 
Hand, was leider in allen Lündcrn nnd tu nUftn Zeiten als der uu- 
trilglichi^te Vorbote des Haders angcsehon werden kann. Denn 
die im Anfang opponierende republikanische Partei kam schliofislich 
ans Huder und die treuen Juden folgten hamnielmussig nach. 

Die Christen aber waren unterwegs gebheben und hatten sich 
der inzwischou entstandenen radicalcn Oppositionspartei angereiht. 
Nun dürfen wir nicht vergessen, dass alle französischen ausser- 
europäiifchen Besitzungen wi-iter nichts als Beamten-Colonien sind nnd, 
da doch nur derjenige zum Beamten ernannt wird und als «olchrr 
ATanceinent bekommt, der mit der Regierung auf gutem Fusso 
!*teht und dit- Juden ja durch die von ihnen gewählten Deputierten 
die Lieblingskinder der Kegicrung geworden waren, so kam es 
schliesslich, diws sie über die Aemter, folglich über die ein- 
gewanderten und eingeborenen Franzoaen seibat za herrachen kamen. 

Wer Eur Afiidit ohne Tugend emporgestiegen, kann sie ja 
misBbrauc-ben und schliesi^lich einbüssen. 

Krsi wurden die Juden geneckt und dann verhasst. Man 
warf ihnen Ueldgier vor. Die jüngere Generation fühlte sich gc- 
doniüthigt und wendete dem Handel den Rücken zu: Wollen wir 
von den Christen geachtet werden, so müssen wir ihnen ähnlich 
werden. Und da die Christen doch nur Beamten sind, was thaton 
unnere unpolitischen Brüder? Sie benützten ihren Giutliias, um Beamten 
XU %\ erden. Sie ^o:isen Ool in» Feuer, das umäo hoher aufloderte, 
als ja die Christen die Concurren» nicht mehr bestehen kannten. Der 
Araber, di'r von allen Beamten bis auf die letzten Pfennige aua- 
gepressi wird, lief schnursiraks zum Juden, der seine Sprache 
wunderbar bchorrschte und mit dem er doch wenigstens handeln UDd 
bei dem ur doch zuweilen Recht bekommen konnte. 

Bin IS'.H» lagen die Statthalter Algeriens in den Händen der 
Deputierten, die selbst auf die Juden nngewie.ien waren. Allein um 
die«ie /rit kam der heutige Statthalter, Gamboo, der die AUein- 
horrKnhaft anittrobto. Er mus>ite zuerst diu Deputierten beseitigen und 
»ie durch «eine Leute ersetzen, obwohl die nunmehr von ihm An- 
gntVindotiMi dii» Ungiernng, welcher Oambon sein Amt verdankte, 
nnlerfilÜi/.tiMi. Kr kunnte «ir also mit politiMchen Waffen doch un- 
ihitglti'h anlasten, idme die Uegicrung und sich suUwt bluszustelteu. 
Kr umNclirloh die Schwierigkeit, indem er einen Feldzug der nieder- 
IrilelitlgHteii Verlennubingcn nicht gegen sie, sondern gegen ihre 
mllchliK4k<n Anhäuj;er eri'itfnete. dazu noch ohne Ursache. Durch 
ppubvenfiniiiorre falsche Beschuldigungen liess er sie verhaften und 
Verurlheihui. Zu^deich gieng es auf die Juden ios nnd, da inxwischin 
die Waiden kamen, so eroberte Canibon die ersehnte Alleinherr- 
...,i,.,fi iiif, ,,(. honte ftoch besitzt. 



I 



- 41 — 



I 



Dioselbo ist die noch ungeflchriebeiiG ))oliti8che Geschichte der 
MilchRähno der algerischen Juden. 

Jetzt kommen neue Wahlen, und sind die letzten Krawalle in 
AJgeriGa auf die für UftrnhoD nothwendi^e Demoralisicning der Juden 
lün geplant. 

Die Lage bat bieh aber seil vier Jahren sehr verschlimmert, 
iapoTern als der Fanatismua der flpnnischen Christen und der PriestiT 
«ich dazu gnitcJlt bat und da ist auf i-ine Müderun«; kaum mehr zu 
rechnen. Die Feindseligkeiten der Araber sind nicht ernst aur^u* 
fftuen. Der Araber ist auf den Juden nicht eifcrsüchtij;, denn er 
will kein Franzose worden und verachtet seine eigenen Brüder, 
die sieb haben neutralisieren lassen. l)u:i» wird jedem einleuchten, 
der da weiss, das» bei den Mohamedanern die Uelipion, Civil- und 
Strafgesetze ein (inn/es bilden und daaa der Verzicht auf einen 
Theil einer villligen Bekehrung jfh'ichkommt. 8ie glauben, dasnelbv 
»ei bei \ii\i auch der Fall und deshalb achten sie den Juden nur 
wenig. Sind aber die Araber leicht gegen Juden aufzuhetzen, hu 
koiiinil es nur dajicr, weil sie das als einen Anfang der long er- 
sehnten Cbristenermordimg anseilen. Diesem jungst anerkannten 
Umätond haben wir die pU'itzliche Niederwerfung der letzten Kra- 
valle zu verdanken. 

Algerien besit3tt4r».(KK) Juden, wovon mehr aU 30.(K)0 im tiefsten 
Eleod leben. 

Die Ka.>«iie ist ungemein intelligent, höchst culturfabig, bietet 
anmuthige Frauen von bliiliendater Frische und Schönheit. Die 
Müniicr siud von kräftigem Bau und malerischer Statur. Im Volk 
besundur« nborwäUigt ein Jude spielend drei kräftige Christen. Diese 
wissen das auch und hetzen Heber, wie sie e.? in Tlemaii ver- 
sucht, :i(XH) Araber auf l"<> Juden. Grosse Ueichthümer sind in 
Uänden von Juden. Wie anderswo, zahlen sie gerne und viel, mitten 
in der Gefahr aber, vor- oder nachher, ist ihnen keine Vertheidi- 
gongsmetbodc beizubringen. Die alte Generation muss verschwinden. 
Oiv jQiii;ere ist srhon zuweilen recht edlen Sinnes und politischen 
Geistes {"ühig. 

Knaben- und Slädehen-Matidwerwerkcrschulen sind gegründet 
wordeü, helfeu aber dem furclitbareu Elend sehr wenig, t^eberdies 
HAiidtTn von Marokko her beständig Banden von armen Leuten. 

Ich glaube, dass eine zionistische Bewegung dort einen sehr 
Freudigen Anklnnj; finden und für ilie von mir geliebten Brüder eine 
KrItJsuug bedeulou wird. Bis jetzt haben sie nicht die geringRte 
Aitmiiig davon. (Lebhafter Beifall, i 

Priäldent: Htrr •Siiniuel Piiibles wiid uns ubi-r die I-age der 
-Tttilttn [ii Knmaaiun Heilcht ei^^tatten : 

Sain. Piiieles fGalalzi: Sehr verehrte Anwest^iide ! Ich öber- 

tirins'p dem Cougiesse warme Gtüste von 25O.0OO Juden, von 

I an 20"/«, also nber 50.000 Personen, in melir als 900O 

--;. neu ansuchen, der Congress mögii Schritte bei Sr. Älnjeslftt 



-'^r'- 



dem SnltsD Dotemehiiien and die öffeDtlicfae Meioong Earopaa fär 
dieSctiaffao^ einer gt^^i^lif^^ten Heimstätte in Palästina interessieren.' 
Sie wollen je eber^ Je Liebet das Land verla&aen, in dem man sie mit 
scbeden Angeo^ gleichsam ala Eiodringlioge, aosieht and ihaen 
vorwiHi, da« sie der indigenea Bevölkeniog das Brod Tora Monde 
nehmen. 

Die Lage der Jaden in Romänien Ui ganz vervcbieden von 
der in den andertn LÄndem. Se:t JahrkanderteD in der Moldau 
und der Walachei etabliert, hatten die Joden ebenso ihre Geneinde- 
Vorsteher, Kabbiner. WohltbätigkeitsaDstaiten, Taxen etc. ron dea 
Aatoritateo aoerkanni ood erfreateu ^icb eines relativ gnten Furt- 
kommena. 

Im zweiten Viertel dieses Jabrbandert« trat Kaiser Nicolaos T, 
anf den Plan. Da wnide manches andei-s. Weil der Kaiser be- 
sorgte, dasa sich die Joden in Hosslaod dem Militärdienste ent- 
zieben würden, eotriss er Jodenkmder im zarten Alter ihr^n Eltern 
HDd schickte »\e zu den douiscben Kosakt-n, «o ^e zam Kanonec- 
fatter für die Kriege mit den Tüiken erzogen wurden. Diese 
Massregel veianlasste nnsere jüdischen Glaabrns^enosgen. iu hellen 
Hänfen den Fratli zn öberscbteiteu. nm auf moldauisctem Boden^ 
meist notei verändertem Namen, ein neues Leben zu beginnen. Da 
es eben nicht Angeliürige be^seier Kamilien waren^ kamen sie, bei- 
nahe alter Mittel uud Keiintoisse baar. in dit^st; dazumal nnwirt- 
lichen Gegenden — auf den Gott Israels vertrauend. 

Manchmal gelang es dem Vater, mit dem Kinde zusammen 
herüberzukommen: oft kam nar der eine oder der andere in der 
ersten besten .Station diesseits des Pruth an, «o ber^itj« Lffidens* 
genossen vorbandm waren, die »ich der Fläcbilinge annahmen. 
Die Jangen kamtn vom Hegen in die Traofe! Doch sie konnten 
Juden bleiben, sie brauchten nicht den Sabbaih zu entweihen, nicht 
unkoschere Speisen zu geniessen — und das war der eigentliche 
Zweck, den ihre Eltern vorhatten!! 

Diese Kinder kamen je nach ihrem Alter in Verwendung, die 
kleinsten ins Oheder, wo sie hebräisch lesen und beten lernten; 
itie älteren und erwachsenen, Je nach ihren physischen nud geistigen 
Fähigkeiten, zn den Dorfjudea als Aashilfe b»m Ausschank etc., 
in den Städten in die ver.^chiedensten Dienstesbranchen ats Hatts- 
diener, Ladeucommis und Handwerker (meistens Schoster, Schneider, 
Tischler, Spengler. Auslreichfr, Goldarbtfiter, Uhrmacher; weniger 
Schlosser, Schmiede, Drechsltr). 

Auch ans Galizieu und der Bukowina kanien viele aime Juden 
und solche bt-sserrn Standes, Lehrer der hebräi>chen und deutschen 
Sprache, die überall gern gesehen und gesucht, sogar geachtet 
waren. Beinahe alle itlteven Leutf, die keine öflFentliche Schule 
besuchten, haben ihr bischen Wi^en diesen Männern zu vei^aokeo. 
Auch Buchhaltei' uud Correspondenten fanden in den grösseten 
Gescbäftshftusern gute Posten. 



- 43 - 



I 



Der Fried« vod Paris brachte den Donaufürsteiithumern einen 
groftsen AaläCliwnni? im Handel und Verkehr. Es kamnn nun aui'li 
beeaere Familien aus fiali/ien. und zwar zuer.si die Mäuuer mit 
rfgelrecliten Pässen, dann in einigen Jahren deren Frauen und 
Kinder ; die fi Qhei- erwähnten warea meist ohne Päst-e angelangt 
und hatten unter Aenderung ihrer Namen Sc h u tz pa t e n t i^ 
verschiedener Consulate erlaucht, vorzüglich österreichiselitf, preus- 
sische, hoiländijiche, fianzösische, tilrki«clie, ja sogar griechische! 

Unter Fürst C n z a brachten es die Juden sowohl in den 
Dörfern als auch in den Städten durch Handel zu einem gewissen 
Wolilstaude. ohne indes Keichthftmer zu erwerben, wie mau oft 
glauben machen will. 

Wahrend die Juden nach Süden auswanderten, drangen die 
Griechen und Bulgaren von der entgegengesetzten Richtung Tor. 
indem sie zueist die StÄdte und Ortj^chaften an der Donau und 
dann die ganze Walachei occopierten. Es dart' also unseren Glaubens- 
genossen in dieser Hinsicht kein Vorwuit" gemacht werden, Üni- 
^ekebil, während die Juden im Lande siteis ein Elemeüt des 
Friedens und des Gehorsams gegen die Beliördeo bildeten, gerierleu 
sieb die Griechen als die Herren im Lande und sahen ungern die 
Fortschritte der Juden im Handel und Wandel. 1859 eröffneten ^ie 
anch den Reigen mit der giossen Judenheize in (.lalatz, nach dem 
beliebten Recepie vom Blutmäicht-n vor Ostei-n. Die Rumürien. 
die t^onst im besten Kinveruehmen mit den Juden lebten, wurden 
Mdilieisslich auch gläubige Jünger der Griechen und es bedm'fte nur 
einiger Hetzer, um aus einem nichtigen Vorwande in kurzer Zeit 
SebU^ereien hervorzurufen, die in Plünderung und Schändung aus- 
arteten, viele Familien ruinierten und den anderen das Leben sauer 
machten, wie es die bekannten wüsten Öcenen in Berlad. Baeau, 
ßncarest, Darabani, Galatz (zum zweiten Male), Cahul und Ismail 
(dazumal rumänischj bewiesen. 

Seitdem fanden einige Rumauen Gefallen an diesen Heizen 
QDd man gewöhnte sich bald, die Juden als Sündenbock zu be> 
trachten. Es bewährte sich auch hier der alte talmudi^che Satz: 
kol haroezor le-Isroel naasse rosch, „wer Israel bedrängt, wiid 
Paileiführer!^ und sü mancher rumänische Staatsmann ist dadurch 
ZQ Amt und Ehren gekommen; aber auch die Judenfrage kam recht 
10 Flass, und einmal in diesem Fahrwasser, begann die Leidens- 
periode. Gesetze und Restriclionen wurden und werden .«seitdem 
geschmiedel, um uns den Aufenthalt im Laude xu verleiden. Ob 
die Runiäuen Recht haben, gehOrt nicht hierher. 
Herr in seinem Hause! Es ist überhaupt seit 
Vertrage nicht mehr von Juden, sondern immer von 
Rede. 

Die Rumänen fürchten, es könnte im Laufe einiger Genera- 
tiooen ihre Nationalität geftiludet werden, falls sie en masse die 
Joden, die »ie alle aU Fremde betrachten, mit den anderen Bürgern 



and wieweit 
Jeder Ist 
dem Berliner 
Fremden die 




gleichstellen wurden, tinil zwai aus ö k o ii omi sc li e n Giiinden! 
Sie la^f^en daher den Juden freie Ausübung ihrer R i) 1 i- 
K i 11 11 n d ihres C u 1 1 u s, hindern sie aber, sich ihre 
Exläietiz naeli ihren Fähigkeiten verschaft'en zn kiinnen. Die 
Ruintinen wollen den B-rliuer Vertrag anf sich nicht angewendet 
wissen, wie z. R. Serbien und Bulgarien es Miaten — weil eben 
Ramänien behauptet, die Juden hierzulande wären Fremde! Und 
nach diesen Äu^einandersetznngen hatte Minister Sturdza von Sfinero 
Standpunkte reciit, da-^s der „Jadeost^af die einzige richtig« 
Lö:4iU)g der Judenfiage sei, hesouders ffir Kunmaien. 

Das Volk ist im grossen und ganzen nicht ge^en die Juden, 
weder die hohe und niedere Geistlichkeit, noch der Biuer (Aus- 
nahmen abgerechnet) — aber die oberen Zelintansend fürchten, 
dass die Juden durch ihre Tntelligf^nz, ihren Handel, ihre Industrie, 
Alles an sich reissen würden. Auch die studierende Jugend ist 
gegen die Gleichberechtigung, und die Heaintenwell, aus leicht zu 
errathenden Gründen. 

Die Armenier und die Zigenner, die en mafse emancipiert 
wurden, sind «Up in der rumänischen Nation aufgegangen, iudeni 
sie sich vollstaudig assimilierten, was bei den Juden nie der Fall 
sein wild! 

Rechneu wir, hochgescli&tzt, die HHlfte der Juden, die gut 
gestellt sind und ihre Existenz haben. Was geschieht mit der 
anderen Hälfte, deren Existenz nicht gesichert oder in Gefahr von 
heut' auf morgen ist, und die wahrhaftig nicht weiss, wie ihren 
Familien das tägliche Brod zn versohatfen ? E-t sind darunter all« 
Berufsclftssen vertreten, Arbeiter, Ivaulleule, Handwerker, GJelehrte. 

In den letzten Decennien sind viele Familien, die sieb redlich 
ernährten, an den BclleUtab gebracht; viele, die in den Dörfer» 
wohnten, von Havih und Hof vertrieben wonlen. Bitterste Arrauth 
zog dort ein, wo früher Wohlslaiid herrschte. 

Air dieses geschieht im Namen des Gesetzes, wie es in der 
talmudischen Legende so schön heisst, dass die Frommen nicht 
sterben, sondern der Todesengel ihnen die Seele küssend entfuhrt! 

So darf kein Jude Hausierer sei«, er darf weder T^tbak noch 
Züudhölzclien verkaufen, er darf weder Advocat noch Apotheker 
oder OlftiVier sein, kein öflentliches Amt ausüben, d. h. der Jude 
daif weder Richter noch Geraeindebeamter, weder Polizei- noch 
Zollbeamter, weder Post-, Telegraphen- oier Telephonbeamter, 
noch Eisenbahn- oder Bankbeamter, weder Staats-, noch Stadt- 
ingenieur, wedi*i' Pnifessor, noch Lehrer an irgend einer öffentlichen 
Staate- odw Geineinde.<chule, weder Arzt in einem öffentlichen 
Spitale. noch Getreide- oder Schiffsmakler, etc. sein — ja, nicht 
einmal Suassenkelu-er! 

Die {öffentlichen Spitjller sind dem jüdischi^ii Kranken ver- 
RChliii'jien (ausser wenn er eine Empfehlung hat), die Primarschulen 
den jüdischen Kindern, sogar gegen Taxe (au^^er „wenn Platz ist*), 



I 



— 4;"i - 



in die Handwerker- und Militärsoliulen werden überliaupt keine 
Jaden aufgenommen, ein Stipendium wird nie einem jüdischen 
Kiode verliehen etc. 

Was sollen nan all' die hundert^e. ja tausende von Familien 
Ihuü? Was sollen unsere jungen Leute timn, die ihre Studien — 
mit gutem Erfolge — beendigten, und weder Advocalen, nocli In- 
geoieure, weder Apotheker, noch Lehrer, weder Beamte, noch Offi- 
dere wenien kOnnen? Wa^» soll aus den gewesenen Dorft)ewohnern 
werden, die von Ort zu Ort wandern — den jüdischen Gemeinden 
Qud sich selb:^t 'im Last! 

Es gibt nur Eine Antwort: Fort müssen die Juden au^ Bu- 
mäuien ! 

Natürlich nicht alle und nicht mit einemmale. aber lani^sam. 
stetig, nacli und nach! und ebenso, wie es an 70 Jahre gedauert, 
bis das (iros der Juden aus Galizien und Ruasland das Land oi'cu- 
pierte, wird es einige Jahrzehnte dauern, bis sie das Ltmd wieder 
verlassen haben. 

Man m\i3» nur den Abzusi^canal anlegen; die Fluthen, einmal 
in Bewegung, werden schon ihren Weg tinden. 

Die Illusianeu, die sich einige Bevorzugte nutcheu, uui die 
Gleichberet'htigung zu erlangen, werd«^n wie Seifenblasen platzen; 
ebenso wird es der jüngeren Generation ergehen, die ihrer MilitÄr- 
^iflicht Genüge geleistet und sich demselben Waline hingibt! 

Unsere Lage ist daher bemitleidenswerter als anderswo; 
dennoch werden »ie von dtn Stanmesgenor^st-M in anderen Liindern 
vernachlässigt. Nie ist ihnen bisnun irgend eine Untersttitzimg oder 
Anshilfe wie den Jaden anderer Länder, die von ihren Reaierungea 
nicht ab Fremde betrachiet werden, zutijeil geworden. Und doch 
ttind die rumänischen Juden besser als ihr Ruf und verdienen ein 
besseres IjOS. (T^ebhafter Beifall.) 

Prftftiileat: Das Wort lial llr-rr Rabinsteiu: 
Rubiufit«iu ^London, spiiclit englisck). 

Präsident: Herr Eubinsteiii meint, dass die Rtleiate nicht mehr 
In ulcheut Ututange vorgvleaen werden sollten. d»mit man mehr auf di« 
cttssiun der eiiizelaen Paukte eiusehea könnte. Ich glanhp ab<^r. es 
_ »are eine Verkfirzring der nndpi-n Herren, wenn wir dies lest! li Hessen 
wfirden. Es winl sicli ein Aiiwwpg rinden lassen, wenn wir die Herren 
bitten. Rieh moglichKl knrz über die wichtigsten Punkte auszusiii-echea. 
"Wir werden hoffentlich beute noch ein grosses Stück Arbeit zurücklegen 
IcSanen. I^ie Heferenlcn werden die lUtlagszeit zu einer Kürzung; ilirer 
Referate benutzen. Ich nnterbreche die V'erhandlnngen bis 8 Uhr. 



— 41*. — 



Nachmittags-Sitzung. 

Präsident: Das Wort hat Herr Dr. Miutz zur BerichtersUUang 
über die Lage diM- .Imlen in (*est errpirh: 

Dr. Alexander Niatz (Wien): Hocbgeelirte Versammlung! 
Mir ist die Aufgabe zugefallen, über die Lage der Judeu in Oestei^ 
reich zu referieren — oino Aufgabe, die an sich betrübsara, die 
aber doppelt schmerzlidi ist für einen Oesterreicher. denn daa 
Thema, (ins ich zu behandeln habe, unifasst den ganzen Jammer 
uieines Vaterlandes. 

Ich fltehe hier auf fremder Erde und so wird es meine Sorge 
sein, mich jeder Aeusserung zu enthaltet), die als eine Anklage 
wider mein Vaterland mir gedeutet werden konnte. 

Ja KOL'h mehr, ich werde schweigen, wo ich zu sprechen in 
der Lage wäre, eingedenk der Üibclwnrte: „Du sollst die Blosse 
deines Vaters nicht enthüllen!* 

Was ich aber nicht verschweigen kann., noch will, daa ist die 
Unbill und die Schmach, die wir Juden (Jeaterreichs zu erdulden haben. 

Her Haas wird auch in Oesterreich nicht müde, uns zu geiaseln 
und seit Jahren schlagt er ulis die tiefsten Wunden. Die Uedrängnis 
aber wächsi: — di-nn der Antisemitismus hat gehegt. Der Triumph 
des Anti»emitisnui.H, er verleiht unserer Lage, Ja der Lage meines 
"S'tttcrlandes die ganze Signatur. 

Und so will ich aucli von diesem Sieg ziifnrderst sprechen Er 
bedeutet zweifellos einen Sieg des Volkes über die Hegiefung. 

Sie alle, meine srlir Verehrten, kennen die Ereignisse, die 
mich zu diesem Aussprudle berechtigen; Die- Auflösung des Wiener 
Gemeinderatlies im November \X\K\ das Ergebnias der Neuwahlen 
im Februar und Mär/ H^K!, der unglückliche Ausfall der nioder- 
rtsterreieliischt'ii Landtugswahlen im August lHi»i'», die Nichtbestäti- 
gung Dr. Lueger's und endlich seine gegenwärtige unangefochtene 
Herrschaft. 

Diener Triumph des Äntiscmitismaa war ein Sieg der Masse 
ftber die Stautstgewalt, ja über die Omnipotenz der Krone. An der 
Stärke der Machtmittel, die zu seiner rnrerdröckung aufgewendet 
wurden, lasst sich seine eigene Starke messen, er hat sich uaübor- 
windlich gezeigt in der conscitutionellen M'ahlschlacht. 

Und damit ist zugleich die Eigenart der österreichischen Judcn- 
noth bezeichnet: Man erdrosselt unser Recht auf dem Wege des 
Gesetzes. 

Aber nun lassen Sie mich fragen: Worin besteht un.ser Recht? 

Die Antwort auf diese Frage führt zu einer selbstverständlichen. 
Vm litt die allgemeine Hechtssphäre der Judenschaft, als einer 
gesetzlich anerkannten ReligiouHgesellschiift, und die individuelle. 
Uoi-htftttphlire der ein/clnen jüdischen Ueligiousgenosseu begrifflich 
anaeinundorzuhalten. 



— 47 — 



AU gesetzlich ancrkaniito RplifrionsgoflelUehaft sind die Juden 
jiui Tergleii'he mit iindert'ii nirlit iiiiorkiinnti'n ('onfesainnt'n — durch 
[Torret'ht'> iiiis^i'zeichiiot: im wescntliolicn durch dus Privileg der 
' gemeiiiaamen »■.üeiir liehen Ht'lit^ionsühung und durch das Privileg der 
I autonomen Culiasvcrwaltung. i*ro persona aber hat jeder einzelne 
von ihnen den sttiatflgrundgesctzlich gurantiurten Anspruch auf Gleich- 
I «tt^Uung mit den linderen liürgern. 

Eis hcdarf nicht erst heannderer Erwähnung, daes wir dorn 
f<3e»etzc na«h nichts anderoa als eine ConfeBsion sind: Das üesets 
ignoriert unsere nationRle Kigemirt. 

So licsrhaiTcn iet die liechsstollung, die uns Juden Oestcrroicha 
in Paraj^phen und A-i'tikeln zugowi(\sen wurde. 

Der AntisemitiitmuH nun, der nach unserer Entrechtung lechiEt, 
Hat damit hegonnen, dos Fundunu>nt des uns eui^cräumten 
Rechte« 7,u erschüttern, eben jene im Gesetz festgehaltene Tlieso, 
d*a» wir letliglich eine Confessiou sind. Schönerer und sein Anhang 
gaben die von Deutachland her fiberkonimone und seither die 
giinze Richtung des Antii^entitismus bcstimmondc Pjirolc nus: Der 
Glaube di-T Juden sei heliingUis, relevant »ei einzig und allein ihre 
Stammesart und um dieser willen verdienten sie, ihrer Rechte bc- 
ranbt zu werden. 

Es ist bekannt, dass der Antisemitismus Ocsterrcichs im Laufe 
der .lahre ehristkatholiach wurde und so nahmen die iVntiseraiten 
in ihr Het^jtrogramm auch die Verunglimpfung unseres Glaubens 
auf; allein diese Schmüliungen sind und waren nur eine Waffo 
mehr, um unsere UOrgerrochie zu vernichten und in letzter Linie 
unsere ganze Existenz. 

Daraus erklärt sich aber z\ip Genüge, warum der Antisemitis- 
mos gerade jene Hechte >ehont, die wir aU ConfcsHion geniessen, 
was er so ehrlich hasst. wogegen er so leiilenschafilich kämpft, das 
i«t nicht uni-iT Gott, das sind wir selbst I l'nd wahrend er auf 
uiui're Ghtubcnsbüchcr, auf die religinaen Schriften unserer Väter 
XQ zielen scheint, ziele er in Wahrheit auf dits Ilcrz der Juden und 
ihrer Kinder! Denn ea ist dies die Doctrin auch des österreichischen 
Antisemitismus. Das Judenthum i»t eine miuderwenige, eine gemein- 
gefTdirliche, eine vemitlitungswiirdigo Riiasc und deshalb überträgt 
or aeinen Hasa von Geseiilecht zu Geschlecht, in der l'eherzcugung, 
daas selbst das Taufwusser nicht geeignet sei, die „Bosheit unseres 
GemÜths' zu tilgen. Es ignoriert der Antisemitismus ( )esterreich8 
mitlüu nicht nur das Gesetz, kraft dessen der Jude als ein Deutucher, 
Slave oder Ungar anzusehen ist, er niisHaehtet auch die christlicht* 
Lehre von der reinigenden Kraft der Taufe und verachtet sie trotz 
aeines unbezweifelharcn GlaubcnseiferB — so stark, so nouTcräa ist 
dieser Judenhass. 

In dem Hauptpunkte seiner Theorie, der Deelarirung des 
Judenthums als einer fremden, unverbesserlich bösartigen Ktiaae, 
««tzt aich der Antisemitismus über die Normen des Staates und der 



^ 



Kirche hinweg und er h:it sich nicht gesdioiit, diese Selbstilmliglteit 
seiner Auffassung gegenüber den höchsU-n Autoritäten aufrecht z« 
erhalten. 

Dessen ungeachtet ist er siegreich gehlieben: allein indem ich 
neuerlich dieses seltenen Triumphes gedenke, will ieh zugleich jene» 
[onicntcs Erwähnung thun, durch das sieh die Regierung Oestcr- 
Bicha Kur (.'apitulation bew,ogon fand. 

Der Antisemitisuiua meines A'^aterlrtudes ist nicht nur national, 
^sondern auch Hociti listisch. 

Er war nicht nur darauf bedacht, die Juden durch ihre ge- 
bässige Kennzeichnung ihrer IStaniinusnrt zu isoliren, er bemülite 
'«ich auch dai*zuthnn, dass sie die Ausbeuter kat'exuclien und der 
Inbegriff aller Corruption und die Quelle allea Elends seien. 

Damit war eine taugliche Leitung geschaffen, um den drohen- 
Icn Iflitz des uiarxiätisclien Sncialisniua von den herrschenden 
lewaltcn auf die Haupter der Juden abzulenken. 

Die Kirche hatte über diese und all' die sonstige A'erwend- 
barkeil des Antisemitismus sich schon bei Zeiten ihr L'rthcil ge- 
bildet, sie stand mit ihm bereits im Bunde, als Graf Rndeni gegen 
ihn zu Felde zog. Aber auch lur Sc. Excellenz kam die Stunde der 
"Srleuchtung. Doctor Luegcr bestieg den Uüi^emieisterstuhl und 
^eine Leit<lung war des Lohnes wert: bei der letzten Reii-hsraths- 
(vahl warf er die socialdemokratischc Partei iu "Wien zu Boden. 
Auf diesem Wege hat der Antisemitifmius den nfficiellen Zu- 
itt zuju Hof gefunden Durch Schönerer mirh obenhin compromiiiierl, 
Bt er durch Lueger luichstenorts zu Gnaden und Ehren gelangt. 

Doch hiedurch hat sich die Lage der Juden bedenklich ver- 
«chlimmert. 

Denn von der Snnctionicrung des Antisemitismus zur 
Sanctionicrung judenfeindlicher Gesetze ist am Ende nur ein Schritt. 
Allein um von diesem so peniblen Punkte zu schweigen — 
■icher ist, dass die Geneigtheit zu judenfeiudiichen Motionen sich 
von Jttlir zu Jahr verstärkt hat. Es sind meiatentheils Gesetzentwürfe^ 
die den Gewerbeschutz betreffen, Gewerbcfrcundlichkcit ist mitunter 
nur die parlamentarische Bezeichnung für Judenfcindlichkeit. 

Ich sagte der Antisemitismus ist eine Volksbewegung, ich 
zeigte, wie vr die Kirche und den Staat für sich gewaun. 

Ich schlieasc diesen Thoil meines Referates ah, indem ich 
eoiuitatierc: Der Antisemitismus ist im Augenblick bereits Gemein- 
■jgut sämmtliehor Nationen Oestorreichs. Mag der Kampf zwischen 
ihnen noch so heftig toben, mag sich ein noch so tiefer Gegensatz 
«wischen Deuuchen, ( 'zechen und Polen geltend machen, in dem 
einen Punkt, in dem Judenpunkte begegnen sie sich alle. 

Tiid »io alle haben bis zum heutigen Tage ihren Antiaemitis- 
mn« Hui-h praktisch auf das gründlichste bethätigt. Gestatten sie 
lir Kiitigwt. den Judenhass liir eine Weile bei seiner Arbeit auf- 
ftutuchen. 



« 



{ 



4 



- J{»' - 



In einrr Hiusicht nind ttnr in Bfiiiirattichen Provinzen Oenter- 
P'ichftpanz tfleieh bchaiuU'lt Würden; man hat: uns ühemll gottchmillit. 
Terböhntf W&ndelt, man hnt un« niri;<'n<i8 einen Suhinipf erdpart. 

Kein Tag vei^eht, ja koiiie Stunde, dnss man uns nioht "m 
unserer I-Hire krünkt. 

In ilen Sitzungen dos ParlaniGnt» und in Volkavertfammlndgcn, 
TOD der Kanzel und vom Öcliulkatheder huriib, in Geschäfulocalen 
und uaf offener Stragse, an jedem Orte und bei jedem Änlnss fallt 
uns der Has.s unserttr Feinde an. 

Die Juden sind keine Mensohen. fto opricht der Abgeordnete 
Oregurig .... Sie sind ein goitverHuditcH Oesindt'I. daa ausgerottet 
werden mtiss, so spricht fter Abfrooninete Schneider .... „Es ist 
alles eins, oh man sie hängt odor kupff*. bo spricht der Bürgfr- 
mebiier Ür. l^ueger .... Sie gebranchen Christenblut, so spricht 
der Pfarrer Deckort .... So sprechen die Führer, «nd da* Volk 
«pricbt diese Perfidien nach. 

iJie Juden sind sanimt und sonders "Wuchoror und Betrüger, 
"Wüstlinge und Mädchenhiindler, der Ausbund aller ISchleehligkeit. 
Dies ist der «clin<"de Kohrrrira, der sich unaufhörlich wiederholt; 
diea ist die herrschonde Auß'assung über uni-, wie sie in den 
Schänkoii und Salons, in der Armee, ja sogar bei su manchem 
QericKlshüf ihren Ausdruck findet. Dieser blinde Haas, er gehl so 
veit, daas ein armer Jude nur deshalb, weil er eines Tages mit 
ffneni blonden Kinde von nicht ari*jchem Typus durch die Strassen 
Wiens se.inou Vi'eg oalmi, von einer Srhuar funatisrh ern'gttr 
Wiüber überfallen tmd icstgehalten wurde unter der Beschuldigung, 
er habe dief^es Ktnd geraubt, um es zu rituellen Zwecken abzit- 
«ohlachten. Dieser Hass bewirkt, dnss, wie sich dies vor Kurzem 
in Baden bei Wien zugetragen, ein unmündiges Kind simuliert, 
eine vemieintiicb jüdische Familie habe an ihm r.u rituellen /werken 
ein Attentat verüben wollen und dass in einem zweiten Falle — 
auch aus jiingstiT Zeit — ein l.Ijähriger Knabe unter dem Rufe: 
,Jud! Jud!" einen Altersgenossen mittelst eines Stoinwnrfes nieder- 
»chlägt und lebensgenihrlieh verletzt 

Und so kannte ich Exempel auf Exempel häufen; doch was 
bedarf es der Beispiele angesichts der Thatsache, dass die Aeusse- 
rnngen dieses wilden Hasses die Spalten unserer Presse ffdlen und 
die flcbmerzlichsto ^'otorietät erlangten. 

Und fürwahr, der Landmarschall von Niederösterreic.h, Ban)n 
Gudenus, hatte Uecht, als er von der Kraft des Antisemitismus 
epmch: Diese Kraft bezeugt das Blut und bekundet die Thränen 
•einer Opfer! 

Will man sie zTdden? l/ässt sich hier mit Ziffern operieren? 
MAti weiss genug, wenn man erHihrt. wit? der Judenhass in Oester- 
reieh zu Werke geht und welche Angriffspunkte er sich wählt. 



Es ist anserc Persönlichkeit, die er in die Gosse schleift 
id es ist unsere innerste, angeborene Natur, die er mit Füssen tritt. 
Er verdächtigt unsere Gefühle, er niissdcutut unsere Worte, er 
dichtet uny Verbrechen «n und entkleidet uns unserer Verdienste, er -j 
mordet unseren guten Namen und untergnlht den Huf unserer Frauen! 
Dies ist seine Taktik und ihre Furchtbarkeit Usst auf den 
hetrübend grossen rmfanj; des Verderben» schUessen, in das der 
AntiFiemitisnius uus gestürzt hat. 

Ich spreche von dem uneinbringlichen Verlust an Lebensfreude 
und an Wagemuth und an lebendiger Kraft. Doch nicht genug an 
dieser einen Wirkung: Die Leistungsfähigkeit des Antisemitismus 
ist nooh weitaus gnisser, er macht uns einsam im Ufwühle der 
Parteien, er führt auf offenem Markte Mauern um uns auf, er bannt 
una in ein geistigem Ghetto! 

Isolierung der .Tudenschaft, das ist sein nächstes Ziel und er 
hat es fast erreicht : Isolierung auf politischem, socialem und tiko- 
nomischcm Gebiete. 

In politiseher Be/.tehung hat der Antisemilisinus gerade- 
zu zersetzend gewirkt. Das Taufwasser ward zum Scheid ewasser, 
das die grosse Deutschliberale Partei in ihre Elemente auflöste und 
<lie DeutschnatioDiilen, die Deutsche Volkspartei, die Deutsch-Fort- 
schrittlichen, die Social-Politiker u, s w., eutstehen lies», das aus 
der Jungtst'hechischen Partei eine unti semitische Gnip|ie auszulösen 
vermochte, das seihst die mächtige Organisation des klossenhcwusst^^n 
Proletariats 7.n zerfresFten begann. 

Der Judenpiinki ward sum Cristiillisationspunkt. um den herum 
«ich immer neue Kructioni'u und Fnict in neben bildeten. I>ie .luden 
selbst aber blieben von allen Combinationen ausges<- blossen. 

Dies gilt lur AVest-Ocsterreich. das ich vorzugsweine zu be- 
sprechen habe: in Galizien. dessen Verhältnisse in einem Special- 
referate die eingehendste Hehandlung fanden und dalier von mir tiuch 
in der Folge kaum angedeutet werden sollen — in Galizien, sage 
ich, kann von einer Coaliorung mit den Juden überhaupt nicht die 
Rede sein, denn von den Polen wird der Jude auch im öfTentUohea 
Leben mir als ein Factor angesehen, im landesüblich rerachtungs- 
Tollon Sinne des Wortes, 

In West-Oeslerreich haben uns die Parteien theila ror die 
Thöre gexelzt, theils geben sie uns — und dies gilt auch von den 
Soeialdemnkraten zu verstehen, dass sie auf unsere Mitwirkung 
füglich vcrzichti'ti knnnfen. Manchmal wird uns allerdings gestattet, 
bis auf weiteres mn'h mitzuthun, so machte uns beispielsweise der 
deutschaiitionaln Abgi'onlnete Hoffmann von Wellenhof darauf Auf- 
merksam, dass wir dermalen und su hmge der Sprarhonvcrordnungs- 
kanipf n()ch tobe, die Deutschen unterstützen dclrften und erst nach 
Entscheidung dieses Kampf)"« würde unsere Schonzeit ablaufen und 
erst dauii hutton wir weitere Verfolgungen zu gewärtigen. 



- r,i - 



Mit unserer politischen Vereiusnmung hängt nAtQrlich auch 
^cr Rückgimg uoBcrea Einfluaaes in den VerCrctungakorporn zu- 
sammen. Der Prot^entaatz der jüdischen Abgeordneten und sonstigen 
Jüdischen Fiinctionäre bat auch früher nicht der nummerisohen 
Stärke der .ludenschaft entsprochen; gegenwärtig aber tritt diesoR 
MiflsveHmltnia norh deutlicher herror. Aach die Traditionen, krafl 
deren wir im höheren Justiz- und Verwaltungsdienste nichts äu 
schaffen haben, stehen in vollster Geltung. Allein noch mehr, die 
Traxi». dass auch /um Eintritt in den ufTentlichen Dienst und zur 
Erlangung auch nur subalterner Tosten ein Tuufaehoin beigebracht 
werden muss, wird nicht nur geübt, aondern unumwiindeu ein- 
bek&nnt. 

So erkhlrtc ein Referent im österreichischen Landesausschusse 
gelegentlich der Besetzung einer Uemcindearztensstelle, dass hiefTir 
<in Jude nicht in. Vorschlag gebracht werden könne: so wird für 
<iw Aufnahme in Militürhildungsanfitalten nudis verbis die Bei- 
bringung des TautÄcheinea gefordert, so trat erst in jüngster Zeit 
mit aller Deutlichkeit die Ersuhcinnng zu Tage, das» jüdische Rechts- 
Praktikanten bei der Bewerbung um eine Auscultantenstollo von der 
hohen Behörde übersehen wurden. Es hat den Anschein, als ob die 
K»';^ierung auch in dieser Hinsieht mit dem Antisemitismus rechnen 
wolle. Und m kann es sicherlich nicht Wunder nehmen, dasa sie 
ihn. so weit er sich in autonomen Körperschaften bethStigt, trot« 
ihres obersten Aafsiehtsreehtea unstandslo.s gewähren lasat, und wer 
Wollte unter diesen ITuiatänden das Factum besonderj* vermerken, 
dastf die Stadt Wien jedem jüdischen Petenten ausnahiiirtlos das 
Heimatsrecht verweigert? 

Die Isolierung der Juden kommt aber weiters nicht minder 
stark auf socialem Gebiete zum Ausdruck, und aueh hierin weisen 
sämmtüohe Provinzen ungefähr das uündicbe Gepräge auf. Ks gibt 
TieüfMcht in West-Oesterrcich mehr Hassj in Galizien mehr die 
Verachtung den Ton im Verkehr mit den Juden an; aber hier wie 
dort kann man uns geradezu als social geächtet bezeichnen. Intimere 
Beziehungen zwischen christlichen und jüdinehen Familien gehören 
tu den Seltenheiten, schon in den Volks- und Gewerbeschulen 
stehen sich die Christen- und .ludenk^nder feindhch gegenüber; in 
den deutschen Studentenkreisen hat der Antisemitismus durch Er- 
weckung der brutalsten Instinkte eine beispiellose Verrohung her- 
vorgerufen. Und man muss bedauerlicherweise constatieren: es ist 
die Lehrersehaft, die den Keim des Judenhasses zur Entwicklung 
bringt, und was die Eltern in dieser Hinsicht etwa unterlassen, das 
holen die Herren Piidagogen eifrigst nach. Ja. auch in die Blüte 
der Lehrerschaft ist iler Antisemitismus eingedrungen; die Professoren 
der deutschen Hochschulen Böhmens bctheiligen sich demonstrativ 
l»aa den Veranstaltungen der antisemitischen \ ereine. 

Unter diesen Urastitnden ist ea nur natürlich, duss uns der Anti- 
utieniuB atu Vereinen, Clubs und sonstigen Verbänden hinausdriingt. 



ITebcrull und »llenthalbcii orgmiiBiort »ich die OoBelligkeit, (Kt 
iSport uitf rmtiimuler. will tsagen judutireiiior Rtieis. 

Die Tum-, die KÄtiluhr-. dio Gosuugskuuai christiHnisiort sieb 
mit pedantischer GrÜndlichkoit. Der zwAiiglos-geinütbliehe inter- 
o^nfeasionoHc Yercioavorkchr, wie et* zumal in Wien, Ucicheuberg, 
Troppau, Qruz geberraolit, hat wohl für immer aufgehört, t'nd wie 
rapid die jiidenfeindticbc Exclusivität an ßodcn ge\vinut. dafür 
liiftct otwft der ^Bund dor Deutiichun in Bülimon" ein Heispiel. In 
kouni zwei.Iitlni'ii ist es dieser antisemitischen Verbindung gelungen, 
über ir»(j Ortsgnippeo ins Leben zu rufeu, welche Tauaende rnn 
Mitgliedeni zählen. 

Da» Geld für derlei nationale Schöpfungen vird — beDäutig 
bemerkt — nicht aelten bei Juden aufgebraclit ; so ge»chali es iid 
cxoraplum bei der Gründung des Deutschen UtiusoA in l*rag. Die 
Uut)ien, mit di'ucn man uns zUi'htigt, j« in der Thur, wir dürfen 
Bie beziihlen! l'nd übemll und allenthalben peitscht man uns hinaus 
und zu den Merkmalen, die uns von den anderen unterse beiden, 
Kahlen auch liie Striemen, welche wir emidaiigen. 

Aber die Antisemiten spreoheu Ja von unserem Ucichthum, 
der una für den Kntgang von Aemteru und an Ehren sehad- 
loB halte. 

Nun, umii weiss ja. dasa die Erxähtungen \uii dt-r Vortreff- 
lichkeit unserer wirt«ch altlichen Lage eine einzige grosse Lüge sind. 
Auch hier kommt es ja auf den rroeentöatz an und Sie haben 
heute gt'h'*irt, in welchem namenlosen Klimd da» Gros der jüdisoheii. 
Dcvülkenuig duhinsiecht, die .luden in GaÜzien. 

Und 8«'lhyt in Niederöstern-ieh, Böhmen, Mähren, wo <Uo 
Juden kapitalokräftiger dast«hen, als in den anderen IVorinzen, 
sind sie etwa zu zwei Ilrittel |)roietari8iert. 

So laborieren beispielaweiae von den :i<t.(KX) llaushaltnngen 
15.0(X) — icli spreche natürlioh nur in runden Ziffern — an einem 
derartigen Noth!«tand, dass sie zur Steuerleiatuug in der Ciürua- 
gemeinde gar nicht herangezogen werden können. Von den lo.<Mj*) 
uestouerten find nämlich !HJ Proi'cnt mit Kucksicht auf ihre preküro 
Lage mit der niedersten Steuerquote eingeschätzt und diese sind 
kaoin zum vierten Theile im ätando^ den vorgeschriebenen Beitrag 
KU entrichten. 

Der Niedergang des Zwischenhandels, der ja auch in West- 
Oesterreieh zum grossen Theile in den Händen der Juden liegt, 
macht eich unter ihnen geradezu erschretklich tuhlbar, sie liefern 
ein eiuizes lloer bLiufluaer Kxisten/.en. l'nd die berufmäaaige Miper© 
der Kautleute, Aonte, Advocateu ist unter ihnen im Durchschnitt 
gröeBcr, als unter ihren uhristlichen Standesgenos»eii. 

Allein trotx alledem und alhMlem weiss sich der Antiseraitis- 
roua vor wöthendt^r Krbiuerung über unseren Reichthuui nicht zu 
fassen; von * ^rt zu Ort, von Haus zu Haus wird agitiert, um unser© 
Tomieinttiche lubennucht zu bn-chen und als das wirksamste Mittel 






rir<! der Uoyeott uTiompfohlen: , Kauft nichts boi Juden!** Bioser 
lul hiit sich von AVion aus übi-r ganz ORstcrrcicli fortgppHanzt und 
von seiner Wirkung wissrn tiuirtenile der ärmsten jüdisthrn Geschäfts- 
leuf(? zu berichten. Und hier ist es namentlich Galizien, das dio 
»iriscbafdiche Isolieruns^ der Judenechan; mit Bystematiscfaer Be- 
rechnung anstrebr. 

Wio man durch Errichtung sogenannter nhristlicher Handlungen, 
durch Orändung bÜucHioher Conffumgeso.hät'te. durch Itildung ex- 
clusiver Croditvereint* — wie man dun.'h alle diese l'nternehmungen, 
(ilr welchp der galizischo Jmndtag jithrlich taufende von Gulden 
idmet, die pbuimässig ihrer Subsisrenzniittel beraubt, ^vi(■ man mit 
llom Vorliediidit ihr furchthart-a Klend noch ftPigert, die» su 
^hildern, ist mir in dem ^^n/en Itabmen mrincs Reb-ratR nicht 
'^ngüob. Ich beächränko mich auf dio Hi-merkung. dass Ualiziea 
übi^r ein ganzes Arsenal judenfeindlicher Praktiken verfugt. 

Der GoMfhiifts-Anlisemitisnius charakterisiert den .Tudenhaaa 
Gnltiien.') wold am Ijcstc^n, der Rassen-Antisemitismus wuchert hin- 
gegen vorÄUgsweisp in NicdiTösrerreicli, in Höhmifu, in Mähren und 
den AIpenbLudem. Uüben und drüben abor schwingt bei den 
Aenaäcrungen dieses angeborr<nea und grosagezogenen Haftseu aueh 
dit' religiöse Saite mit. 

Ich betonti', dasä sich uusore Kntrcchtung auf geaetzlichem 
ArVi'ire vollzieht; mau bedient sich im Kaiiipte gegen uns haupt- 
siichlich den Stinim^etteU uml der Presse,' — wir unterliegen zweifeU- 
«hue den legalsten, den conatitutionvilsteii 'Watfea. ' 

Allein zuweilen wi-rden alle Schranken des Gesetzes dureb die 
maf^lns gereizten lubtinku* durchbrochen. Der Ru-ssiCiihuss und di« 
' ir gehen von der ['rupiiyanda des Wortes zur l'ropagamfft 

•-- it. von l'etiiionen und Hesolucionen zu l'liii^derung und 

Todtachlag über. V*nd wer wollte leugnen — ich apreclie von 
Galizien — dass sich in jüngster Zeit die Excesse bäuften'r* Und 
wen konnte die^ befremden'- l>ie Spannimg ist zu gros.*», dio Blx- 
pb^sion iiit nur nütürlich. ßie könnte nur durch ein Ventil verhilt«!; 
wenlen. Ja wohl: Durch dna Ventil der Colonisation. 

Die drohenden Gi'iahren, denen unsere Stammesbrüder la 
Galizien ausgesetzt sind, sie wiärden schon an sich allein für die 
Berecbtiffunu; des Zioniaiiius eprechen. Doch, obzwar ich durcTi die 
' meines 'l'hetnfis genntbigt biu, mich nn die Schildci-ung 

1 f Verhältnisse zu halten und Dcductionen möglichst 

aus dem Wege zu gehen, obzwar ich alwo des Versuches, den 
Zionismus in Oesterreieh speciell durch unsere Lage in (>esier(^ich 
zu motivieren, mich enthalten muss. so will ich dennoch zur Ver- 
mfidnng einps Mis<'verständni8seB betonen, dass der Zinnismus keiuea- 
■vT'-z* TU den blutigen Manjrestationen des Juilenhasses Peine aus- 
lebe Ite^n'ündung findet. Diese sind ja nur der augenscheiu- 
I > i^i'wei» dafür, dass die Assimilation sich auch in Oesterreiub 
^ ' i'T mit unwereu be«!*eren, noch ilass sie sich mit düu acWßtVV^tc^L 



— 54 ^ 



Offüblen der Andpren verträgt. Die Unbill, die mau uas im Ifamei» 
des Ot'selzes zufügt, elvi ist nicht weniger, ja sie ist vielleicht noch 
nu'hr geeignet, den zionistischen Gedunkon wftchziimfen, ale die anti- 
semitischen Gewaltibarigkuitcn, üU die Judeuächlachtcn in Tamow. 
Srhodniea oder C'hodorow. 

ThatsAche ist^ dasa die Berechtigung des Zionismus auch in 
Oesterrcicii Ton Tausenden und Abertausenden- erkannt wird. 

Die Massen, zumal die Jiidcnproletnrier Gnüziens, sind der 
Boorgeisie vopauBgeeilt. Die Noth hat ihren Blick geschärft. Vnd- 
ihnen gesellt sich die Jugend bei: die Schwungkraft <1cb GctuhU 
hat sie empoi^ehobcn über die Alltäglichkeit. Unsere Studenten- 
schaft hat sich um die Zionsfahne zu hunderten geschaart. In Wien 
allein ist auf die Idci* den Zionismus ein halbes 'IViKund eingeschworen. 
Aber auch die Bürger unter uns beginn*»n die ilcdeutung der Colo- 
nisation in Palästina, den hoben Wert der zionistischen Bestrebungen 
zu ahnen. Sie achlieasen sich den Ajmen, sie schliessen sicli der 
Jugend an. 

Der Zionismus wächst auch in meinem YaterUnde. 

Es ist ein verheissuugsvolles Knnsjien und Spricssen und die 
erstaunliche Entfaltung seiner Kraft eriiillt uns mit ilen stolzesten 
Erinnerungen und lässt uns von den Wiintlern einer grossen Zu- 
kunft trtiumen. 

Schon bis zur Stunde aber bat er segensreich gewirkt, denn 
er hat uns aufgerichtet und wir haben die verlogene Freundschaft 
abgeschüttelt ; vv hat uns stark gemacht und wir haben uns 
gefunden. 

W^ie hingebungsToll, wie entsagungssi'tchtig haben sich die- 
Juden Oesterrrichs all' die Zeit hindurch bemüht, die nationalen 
Güter anderer zu bergen und zu hüten. 

Sie war^n seit dem Jahre 1K4H die Stützen des Gemiauen- 
thuma in Böhmen, Mähren, in der Bukowina. Sie brachten für die 
Grösse Polens ihr Hab und Gut und ihre Freiheit und ihr Juden- 
thnm zum Opfer. Sie entjuden sich auch jetzt noch für die Grosse 
l'ngams. 

Und immer wieder berauschen sie sich an fremden Xatianalideen, 
trotzdem die imausbleichliche Ernüchterung so Turchtbar ist. 

Wie wurde ihnen ihre Opferwilligkeit gelohnt; wer unter ihren 
^christlichen Brüdern** erinnert sich auch nur ihrer nationalen 
LiebcBwerkei' In Galizien zumal — wie ehrt man dort das Amienken 
jener Männer, die ihre jüdischen Connationalen mit einer Selbst- 
verleugnung sondergleichen für das Polenthum cntHammten, zu r-incr 
Zeit, da man diesen Enthusiasmus unter einem Leichenberg begrub ? 
Diese jungen aufgeklärten imd diese alten orthodoxen FcuerkÖpfe 
— wer gedenkt ihrer heute!' wer rühmt etwa heute noch den 
GroBsrabbiner Meisel», der an der Spitze der Bewegung stand und 
dunii in den Kasematten Warschaus srhmachteto^ 



— ih> — 



Nun. die Juden Oesterroich» bedürfßn keiiiee Dankes, um siob 
zu opfern und dies gereicht üinen nur zur Kliro. 

Allein sie drtiQgru ihre Dienste auf, sie buhlen um die Gunst 
ihrer Peiniger, sie werfen sich an ibre ärgsten Feinde weg — unil 
dtt, ja, da beginnt ihre SL-bnmch. 

Daa8 die Juden Wt'st-Oebterreiebs nach alledem im Augen* 
^lilicke mit den noMtsthnfttionalen äugeln — dns ist ein Bchauspielf 
de»cu wir uns echämon müssen! 

Allein es soll politische B(>reehnunf^ sein; nun gut diinn ent' 

jbehrt die Suche nicht d<'r Komik. Kin Schaf, das mit de^i Wölfen 

lieDlen will — ein Schuf im Wolfspelz — so präsentiert sich Üester- 

richs mosuiseher Germnne und dieser drollige Mummenschanz ist 

'«einer Weisheit letzter ÜcbluHsI Doch-genug damit. Ich frage: Kann 

man eifriger bestrebt sein, sich »einer angeborenen Persönlichkeit 

Gunsten fremder Völker zu cntäussem, als die Juden meines 

ralerlandes? 

Aber die GoiäHelliielie dti^ Antt»enntiamu»mui4 hüben in uns 
den Stolz geweckt und das Selbstgefülil und die Sehnsucht nach dem 
Ötficko eines Ileims. 

V'nser Blut empörte sich und wir entdeckten, dass ea das 
JUut unserer Vater sei. unser Herz schrie auf und wir erkannten, 
es die Sprache unserer Ahnen spreche. 

Ks gibt über auch, abgesehen von den Deutsch nationalen, noch 
KrcisG in unserer Judenschaflt, die sich dieser Krkenntnis Ter* 
schliessen wollen, sie leugnen unsere Sonderart, sie ersehnen und 
erhoffen noch immer die Beseitigung aller Schranken und ihr 
Lieblings-Argument ist l'ngurn, das rransleitlianische Paradies. 

Xun, ich habe die VerhÄltnisee in l_"ngarn bisher kaum berührt 
imd ich glaube, dass es wenig frommen würde, sie unter Bei- 
bringung Tieler und bezeichnender Daten in die richtige Beleuchtung 
itu setzen. 

Denn wmn ich von der grossen Annuth der jüdischen Massen 
l'ngams sprechen wollte — die ja unbestreitbar ist — wenn ich 
von den wieder und immer wieder auftauchenden Blutbeschuldi- 
gungen sprechen wollte — man würde im Gegensätze hiezu Ton 
den kirchenpoli tischen Gesetzen, Ton der Reception des jüdischen 
Glaubens, von den liberalen Acusserungen versebiedentlicher Kirchen- 
fursten, von der Carri^re jüdischer Richter, von den Vcrbruderungs- 
banquetten der Presse, man wurde von dem Wohlstande einzelner 
ad dem Behagen vieler und der patriotischen Begeisterung 
I J I e r Juden schwärmen. 

Tnd dann wäre es hinwieder wohl meine Sache, darzutliun, dass 
gleichwohl etwas faul ist, im Lande Ingam und von der Sumpfluft 
zu CTzAhlcn, die durch die scheinbar so gesunden Pnssten zieht, 

Ob ich dies zu thun vermöchte, ob ich von den Opfern 
sprechen künnte, die eines Tages der Pesthauch, oder die «"» Knde 
gar ein wilder Stum» hin wegrafft? 



— 3ä — 



Ws 



ick ni bfJfafciifh. ein 



Ja «tf äeit«m derer. 



8« vai ich 4era aw 
wfcte: aiMe sber ■$«■ 

» der LoO* di» ft** »« *^« 
ne voUcB adboa dea OUia de» 
awÜMa, ftttch die Joden Uagazae 



Um tm ZaU te Sdwaiz- 

, da« aKh danfc das Pan^M 

dM üaiiiiMr—ai MUäekt aad 

rbameaaBsvcvte* faf< aan na 

«rifdea vaa dea Baoae der Er- 



kcuab caMa — d« Wiiiaarab, weldtt 2&ob WiML 

l*m mnä Baftitkiaafa, jedtah voa enlahtr Art> daai aie «na 
Holbwag ia ädi «ddienea, imflhaiiail aot dar Notii des Teiges, 
■ amr bebrea Ordwe — di« Hoffnoi^ vdebe Zioa 



Üad eo ackwebc äk«r dem GtannrnthiVt aaiaer tatgc^ «ie ich 
I wäi weaicca haeripa ZAgta havaiC eine trtb«, däBaetdankte 
ätinaaBM: Uifr fMbcaaageae Soaoe der Verbrädenug ist a«eh ia 

Aber dott -ran Ctatea bar ftanait « aaf and es iet eia Olaaz, 
der saa den Weg veärt dorcb 5ada oad ^VtUte zu einer SOtte, 
^ wir liebea. Be b e n mü der ^Dzen GUi imierer geqaäl&eo Urnea 
~ tiir Saa^ wekbe Zioo bebKt ^I^ebbafter BeiCüL) 

Fl leMial i leb ertbrti« Hvira r>r. KAjer Ebner Am» Wart n 
«efabE« V«rtrac* 6Wr dif- Luk« der Juden in der Bakt'wimi: 

Dr. Xajer Ebner (Czeraowitz): Han Denol dj« Bakonina 
ffewöbatieta nv m enen Atbenzage mit Oalizieo. Lani^ Zeit mit 
dieses L«ide politi«eb xmaomeagaMbweiast, war die Bokowioa in 
Wahrheit niclit mehr aU eine Peiiinenz zu ChUixien nikd wurde von 
Beicb aod Be^i^roag aach aar &U «olcbe bebaadelt. GaUzten und 
die Bukowina sind ffir dl« gebildeten Westenropier ~ Halbasien. 
Dort itafre die Coltor ^ate NarJit, dort webe ber^iu asiatische 
SteppenJnft. Von d^ Bukowina jiagt man. dass doit dir LeatT* im 
Hemde auf de- —n faeraniUttf«3 und mit brummieen Büren 

ihr Lebealan^ ^ _ imbalgen. 

Soriel weiss man im Westen fiber die Bokowina. Das, was sie 
in oUtareller oad etboographisciier Hiu^idit wirklich interessant 
aacbt, Ü4 den Xieatrn in Westen gar nicht bekannt. Daä kleiur 
Ldadebet, das öOO/»o<) Menschen fas^t. wird von einer Reihe \on 
VoUtstlAnaeo bewobni. Die BukovriDa bietet ein ßil<l Oesierreiclid 
im kleioeo. Die Haopt^tämme des L&Ddäs sind die Kanuiueu uuil 
FCntbeneo. Aber wir finden in niciit unan^ebnÜcher Zahl auch Polen, 
Dentscb«, Armenier, l'nE^arn, Lipiiowaner und Juden. 

Die j^ahl dei* Jaden in der Bukoirina b- ' b auf aber 

60.001), at»o mehr aU Im Procent der Gesai: keruag dt^s 

Land». Die Bukowina beherbergt sovi"! Joden, als vieUeicht niclit 
saus Frankrticb. Sie gehött, wie Galizieii. zu den - so ü^agen 
■oaere Feinde — mit Juden gesättigten Laudeni der Erde, äie 
ufaul in der Bukowina nach den Buthenen dei- au Kopfzahl stärkste 



I 
I 




- 5T - 

VolkAstamm. Als solche sind sie iu der glücklichen oder anglUofc- 
liehen I'Bg«*, [Ktlitisch mtie Holte spielea zu mfisüen. 

Man hat einmal die Bukowina das EMoiAdo der Juden ffe- 
iuni. Aber die Zeiten, wo die Bezeicbnnng; ihre iheilweise Richtig- 
kc^i htiittf. sind vorbei. Gerade die ieidjü^e Politik ti&l g rosse ntheili« 
dieäen Ulnsdl\^nlüg bervorgeruCeo. Die Juden bilden in der Haupt- 
stadt des Lander; nnd iu den anderen gros^eriMi und kleineren 
Städten eine compacte Masite, die durch Kopfzahl und Intelligenz, 
ioitU'^oudfre bei dem alten und überlebten ("mienayslem Oeslerreicb» 
bei Wahlen in die nnterechiedlichen Vertretungskurper. oft sogar 
«iiftsclilag'gäbeod ist. Die .liiden in den StAdteu stellen das Haupt- 
coriT für die gebildeten Stände. Als Inhaber der grüs^ten 

Ci- iite wirken sie bestimmend auf die politische Ueber- 

{«ui^tttig der eigenen Leute. 

Die Juden iu der Bukowina liabeu etwa» Merkwürdige:) zn- 
sUDde gebracht. Sie haben das rumänische und mthenisclie Land 
germanisiert. Die Sprache ist in alten Aeiutern deutsch, der Laad- 

Iia? vvrhamlelt deutsch, der Landesschultath ist deutsch, auf Koch- 
Qnd Mittelscbuteii ist deutsch die Unten tcbt9si>rache, in den 
Gemeindevertretungen wild zumeist deatscii gesprochen, die deutschen 
^itangen sind die gelegensten, dieStrassentafWn nnd Ankündigungen 
sind deutsch, selbst in den Volksschulen aaf dem Lande wird 
demscb gettihn. Anf den er^iten Anschein hält man die Bukowina 
für eine deut-sche Provinz. 
Mau ist sich darüber klar, dass die Juden in den Städten die 
dealschen Pionniertt im Landewaren und sind. Die Juden haben — ich 
ust: ansdiürklich haben — sich als Deutsche gefuldl. haben treu za 
tlex) Deutschen geh.nlien und waren das ausgezeichnetste Stimmvieh 
fär die deuiüchliberale Partei. In den Städten des Laiidt?s wurden 
L «tcntsche Vertreter gewählt. Selbst zn einer Üeit, als die Gnind- 
H fejiirn der deulschliberulen Partei in Oesterreicli bfldenklich er- 
H fichfitJert waren, harrten die JuJen in meiner Heimat ans nnd 
H delegirten einen Deul^chliberalen ins Parlament. 
H Diu Juden in der Bukowina machten Erfahrungen, die dem- 

B Migen, der di«? jüdische Geschichte kennt, nicht neu sind. Als die 
^ liberale Partei zDsammenbrach, kam e« wie eine Htkenolnis anf 
die Vi..nrw,.],Hn der Hnkuwina. Es landen sich AposteJ für den 
B xlpuukl Schönerers. Im Nu war er entstanden, der neue 

Veicui „(.hnstlicher Demschen in der Bukowina." Das war der 
Fosstrttt, das war der Lohn für die .Jabizehiile lange DeiiUsch- 
dlUamt^lei der Juden. Da habt ibi'ä, sagten die Kumünen, hohn- 
lairiileA die Kutheuen. Ein Fusstritl! sagten sich tietoeschämC die 
Jadui. DsLA WAV der Dank dafih-, weil wir den deaiscli&u Gedanken 
luK^lihielten, weil wir Pionniere des Deatschthums in Gegenden 
waren, wohin die beruhrate deutsche Zeuge nicht gedrungen ist, 
u, die von den Knochen eines pommev'schen Mu:tkeiiers 
gedüngt waren. 



- r.s — 



Die Juden iu der Bukowina sind nnn im Regriff einen zweit« 
Fehler zu maclien. Sie werden vom Regen in die Tranfe kommen. 
Sie suchen Anschluss an die ItumAneo. m 

Der Jude winüm Lande furchtbar geUasst. Es ist ein latentel 
Judenhasa. man rückt bei uns zierahch selten mit der Sprache her- 
aus. Vor einigen Jahren hat man hier eine ziemlich tebbafie Be- 
wegung vei-siiiiit, die von emig<*n „Poroks^^ d. h. Scliaapspropheten, 
gegen die Jndeu auf dem flaclien Lande ins'eniert war. Die Landes- 
chronik erzählt von Kxcesseo gegen die Juden, Plücderuiigen, 
Ueberfällt-ii n. dgl. M 

Der Jude wird in der Bukowina gehasst, erstens weil er Jud^ 
ist, zweitens weil er anscheinend — ich komme später darauf 
zurück — wohlhabender ist, drittens weil er ansinnigerweise 
Deutschliberale Politik gemacht tiat, meistens ans jedem anderen 
Grande, Der Jode ist der Tii-fputikt der Verachtung. Der Arier 
zischt das „Zyd** so zwischen denZfthneu durch, als wulUe er dabcL 
ausspucken. Im Uebrigeu thut er es nicht einmal dem Juden iHm 
(Besicht. ■ 

Vergeblich berauben sich die jüdischen Grossen and dit-jenigeu 
Juden, die sich ^Gejiellschaft" nennen, den Aiiern anzuschmiegen. 
Sie bekommen dtutitche Refus. Die socialen Gheltomauern be- 
stehen fort. M 

In diesem Kampfe am Anerkennung der gesellschaftlich^ 
Gleichberechtigung haben wir uns entwürdigt. Der Jade bat viel- 
fach das gerade Käckgmt des Mannes, der sich vor dem Höchsten 
nicht beugt, verloren. Er ist krit^cherisch und speichelleckerisch. 
Einen Christen bei Tische zu haben, gilt als hohe Ehre, bei einem 
Christen zu Tische gelassen zu werdeu, gilt als irdische Oi&cki 
Seligkeit. 

Da.« wirtschaftliche Leben der Juden in der Bukowina ist eii 
sehr trauriges. Man kann sagen, die Lebenshaltung der Juden in 
der Bukowina wird von Tag zu Tag schlechter. Freilich gibt es 
auch hier Leute, die sehr reich sind. Der Reicbthum macht sich 
sogar breit, er baut d*e Städte aus, „die Häuser in der Stadt 
gehören den Juden", sagt der Arier. Ks ist wahr : vermügen aber 
1000 Reiche die Tbatsache aus der Welt zu schaffen, dass 50.(iitO 
ein jämmerliches Dasein fristen? 

Die jüdische Bevölkerung im Lande lebt tlieila vom Handel, 
fcheils vom Schankgewerbe, theils vom Handwerk und nur gauE 
sporadisch voni Ackerbau. 

Handel und Handwerk aber haben keinen goldenen Boden 
mehr. Man erlebt es, dass sogar alte elnliche Kaufleule am Rnde 
ihrer Tage in Concurs gehen, um dann als arme Leute wohl- 
thätigen Vereinen zur Last zu fallen. Man verengt deu Juden auf 
allen Seiten die Eiistenzmöglichkeit. Die Bauern auf dem Lande 
thuu sich zusammen, der Pfarrer belehrt sie, wie sie es zu machen 
Laben, sie richten sich eine Kramerei ein and der jüdische KHtroer 



? 



M 



— 50 - 



sn Weib und Kind auf den Bnckfl nelimen und betteln geben. 
Sin grosser Theil der Juden lebt vom Scbankgewerbe^ da werden 
^CoscesioDen eingezogen und dar Jude ist brotlos. 

Ich sage aofricbtig, es ist oft nicht Antisemitismas, vra& die 

ideo Kreise zn ähnlichen Massregeln v^r&nla!<«t, es ist oft die 

_ icht auf den Wolilstand des Landvolkei*, weiches vielfach dem 

ike ergeben ist. Aber fiii unB bedeaten diese ^assregeln^ dass 

so und soviele Bettler melir haben. 

Geradezu beschämend wirkt der Anblick dieser endlosen 

Ek'baaren von Berufsbettlern. Sie ziehen von Stadt zu Stadt, von 

[Land zu Land. Hier werden sie mit Hunden fortgehetzt, dort mit 

Of-ndarineu über die Grenze gesetzt, hier wirtt mau ihnen einen 

Pfennig in die Hand. Was soll ans diesen Lenten werden? 

Wenn man in die unteren Stadttheile von Czernowitz sich 
begibt, erschrickt man gewaltig über die UnMimme des Elends, das 
hier aufgehäuft ist. Ganze Familien, bestehend aus ]0 und mehr 
Eöpfm, hocken in einem Kellerloch. Es gibt Familien, die buch- 
I rtiblich den langsamen Hungertod sterben. Glücklich, wer sich 
einen Verdienst von 12 bis l.'i fl monatlich verschafft hat. Ich habe 
«3 nicht nöthig, hier Schilderungen dt-s Elends zu entwerfen. Ea 
genögt, wenn ich sage, 6ha» die .Juden in der Bukowina in ihrer 
öberwie^enden Mehrheit bettelarm sind. 

Der jüdische Haudwerkerf^tand leidet durch das Vorurtheil 

■ dtr Arier und der Juden. Es ist der in ige Glaube verbreitet, dass 

■ der Christ der bessere Arbeiter sei. Der jüdische Schuster, Tischler, 
W Schneider, int sehr oft einem stillen Boycott seitens seiner Stammes* 

genuäsen preisgegeben. 

Wir sehen eine neue Gefahr auftauchen. Das ßildungsbeilürfuis 

»der Juden hierzulande ist sehr gross. Obwohl sie nur lü Procent 
der Qesaromtbevölkeinng ausmachen, frequentieren sie die Schulen, 
■atwsoodere die Mittel- nnd Hochschulen mit 40 Ptocent. Die 
Gjnniaaien sind zur HRltXe jüdisch, ebenso die R»-alscbulen und 
nicht minder die ÜniversiLät, wo das Gros der Juristen aus Juden 
bestebtw Jahr für Jahr absolvieren so und soviele ihre Studien uDd 
itftnen sich heist^hungrig in die Aeroter. Da wird ihnen ein 
eQ«rgtaches Halt zugerufen. Die Finanzdirection verschtiesst ihre 
Thore, die Regierung nimmt pHncipiell keinen Juden auf, die anderen 
< Aeaier halten es ebenso. Selbst in der Justiz wird das gleiche 
Pnncip eingehalten. Mögen die jüdischen Praktikanten noch so 
tncätig sein, ihr Fleiss rührt niemaud, ihre Kenntnisse ^ind uaao- 
genehm, weil sie zum Yergliiche herausfordern. Hit der Einführung 
der DftDen Civilproces-sordnung in Oestfrreich ist ein fiihlbai'er 
tl au Jnstizheamten eingetreten. Material, aus dem man 
und gerechte Richter machen könnte, ist in Hülle und 
'Falle vorhanden, aber es hat einen Fehler, es ist — jüdisch. J«der 
Arier praet«rierl schon nach sechswöchentlicher Praxis CoUegen, 



— sagen sie. nicht vod Jaden 
aber Dicht so viele Joden zu, 

— eine beliebte Wendnnjar — 



ilie zwanzigmal so lang aaf die Ernennnng warten und al^ hoffaniigs- 
freodlge Thoren noch lange i^-aiien werden. 

Die {}. t. Behörden niacbeh kein H^hl darans. Sie wollen die 
Jaden nicht, sie wollen ibre Aemter 
überschwemmen laa^en. Sie lassen 
aJK dem „Procenbwtz der Juden" 
«ntspiäcbe. Man will uns halt nicht. 

Da stehlen nun die Lerne mit dem Doctordiplom in der Hand. 
Was anfangen? 

Der climtliche Staat aber gibt ihnen za verstehen, dasa sie 
nur eine Kleinigkeit thun müssen, am aller Noth ein Ende zu 
inacbeo. Si« sollen »ich tanfeu lasnen. Wir haben Beispiele, dass 
Aspiranten sofort nach der Taule enianut wurden. 

Die emennende Behörde be:<orgt das Missionswerk der 
katholifichen Kirche. Man stellt die jangen Leute vor die Wahl: 
Hunger oder Taufe und es finden sich ihrer, immer mehr, die sich 
Tom Jadenthum lossagen, um zu einem Brot zu kommen. Es wird 
«ine Zeit kommen, dn din ganxe Intelligenz tlieiU gedrängt, theils 
mlhlt^ des langen Drucke« und empöudlicheji; Hasses in den Schoss 
der Kirche eingehen wird. 

Dieser Gedanke ist für den, der 
thums will, recht tiauiig und betrübend. 

Die UeberproiUiPlion an mittleren 
Herzl nie treffend bezeichnet — erzeugt 

wenu unsere überschüssige Intelligenz sich in ein radicalea, um- 
stflrzlerisches Lagpr flüchtet, dann heisst es. die Juden untergraben 
da« St^atsgebRnde, die Juden sind das Unglück n. s, w. 

THUsend Ursachen — eine Wirkung. Warum wir gehasst 
werden? Thatsache ist, dass wir gehasst werden, dass man uns 
die Lebensbedingungen einsdniinkt. Wir sind ein unglückliches 
Volk 

K» erübrigt mir nur iiocli etwas über die zioiiislische Bewe- 
gung in der Bukowina zu sagen. Ich denke, da&s wir am besten 
berallien sind, wenn wir uns vor Uebertieibungeu hiiteu. wenn wir 
ans die Wshrheit sagen. 

Kitnf Jahre hindurch hat die jüdisch-nationale akademische 
Veibindung „HasniDuaea** mit gelr-Bn«m Feuereifer fiir die gute 
Sache des Zionismus gestritten, abei- die Jnden waren taub für die 
begeisterten Heden, sie haben hier noch keine rechte Judnischlacbt 
lyenehen. Von allen Seiten angefeindet, hat die „Hasraonaea" fünf 
lange ilahre ausKelialten, bis kein Nachwuchs meür war. 

Aber die alten Herren der llasmouaea wirken fort. Sie haben 
«inen Zionsverein in Uzernowitz ins Leben gerufen, der in kurzer 
Zeit eine seltene Auadehnuiifir erreicht bar. In Radanz und Suczawa, 
In Krumns^i und Seret sind Zionsgemeinden entstanden. Es ist wahr, 
da.Ms die Bewetrong weitere Kreise ergreift, aber sie ist noch lange 
l5«ine Vulksbeweguiig. Ks fehlt die Zuversicht, die Menge will Er- 



die Erhaltoug des Juden- 
Intelligenzen — ^ie Dr. 

ein Geistesproletai'rat und 



— Ol — 



blge seheiu Wird es uns geliii8;t'n, deu Ztonismus in grüssereiu 
[asstabe iu die Praxis uiuzusetKeii, üauii winl aus il»s Volk 
Qjabeln. 

Icli gebe namcDä den voa luir veitrettiiieD Vtireio^ derHotfumi? 

Auadnick. lUit.s wir, ein iKätes Ziel vor Aufren, muthi^ iiiul nner- 

jichrockeil jenet» Weg bülreten werden, der zum Siege tiilirt, zur 

EiltxsQng uu^eies Vülkes aus Sclimacli und KuechtscbatV (Lel>- 

llaiEer Beifall.) 

PrA<»ideot: Herr Dr.Srhauer hat das Wort zur Berlclitf^rstattmiff 
ilier Aiv I.A^c lier Jiulen in r)etitächlaii d . 

Dr. SchAuer Usingen); AI« Ücrichtcrstattcr über die J<ag& 
er Jndcn in Deuts^-Iiliind hübe ich die Krklnrung abzufärben, dass 
Gemälde seelisL-her Leiden des we&teiirüpüigchcn Juden, da« 
Deo Dr. Nurdau enthüllt hat^ da» Bild der Leiden des deuUcliea 
luden ist. Die nicIujüdiHchc Bevidkerung und dip inasagebenden 
tfwc — mit AuBiiahmo einea gniiz kleiuen 'J'heils geistig und 
licli hochstehender Miinner — stehen «um .luden dnrchuus in 
VerhiilUiisse, das Dr. Norduu in so beredter Weine durgostetlt 
aL leb gluube den muehtvollen Eindruck seiner Rede abzuschwib-hen 
"wenn ich irgend etwas andere» hinzufügte. 

Nur niif einen I'unkt möchte ich noch hinweisen, den 
|>r. >'ordau nirlit berührt lijit. 1'^ ist einer der (i runde für das 
^«hioii deH judischen äelbbtbewusstseins, und das ist der mangel- 
Ike Vnterricht in jüdischer Geschichte uud jüdiacheui Wissen in 
fct^ ' ' - So haben Nachforschungen de« proussischen Unter- 
riums 4'rgel»en, duss in Berlin mehr aU I l'K) jüdische 
Jer üUnc Keligionsuiiterricht ftufwnchsrn. Das ist eint- orschrei-kend 
awe Znhl, um su erschreckender, wenn wir bedenken, duss diese 
nemtion, die ohne wahre Kenntnis des .liidenthums autgowachaea 
und Duch aufwächst, ala Quelle ihrer Kenntnisse nur die Infor- 
itionen der («egncr benutzt. 

DaM dies anders werden soll, dafür wnllen wir deutsche Zio- 

bifteD sorgen. Wir wollen dafür sorgen, dass der deutsche Jude 

glorreiche Vergangenheit kennen lerne und bogreife, dass er 

ilifl«er glorreichen Vergan|^nheit würdige Zukunft haben müsse 

«ich des NVortes erinnere, da» einst der sterbende Maociibäer- 

i«inen Ilcidensöhnen zurief: „Gedenket der Tlmten, die eure 

vollbrachten in ihren Geschlechtern, dann werdet ihr grossen 

und ewigen Namen erlangen.** (Lebhafter Beifall.) 

Pri«tlilent: ]ln» Wmt hat Herr Prolessur Belkuvsky zum itcferate 

pl«r die Lafce der ifudcn in Bulgarien: 

Prof. Gregor BelkOVSky (Sofia) : Hochverehrte Versamnilungl 

rien — der jüngste Staat Europas niid Kind des Berliner 

sea — hat aoa wohlbekannten Gründen wührend seines 

if^n Daseins das Interesse dos curopüischen Publikums in 

nlieni MaJit^«« in Ansprucli genommen. Es hat auch sehen einen 

»riker gefunden. Und ungeachtet dessen darf mau doch dio^ 



Ikfaauptung ftufutcllen, dass man in Europa Ton diesem Staat keine 
genaue Voretellun^ hat. Warum dies der Kall iet, geht uns hier 
nicht» an. Es gilt aber noch wnit mehr in Bezug auf die jüdische 
Bevölkerung diesos Staates, dnron Ucscbicke, Lebensweise und 
gegonwärtigQ Lage Niemandens Darstellungskraft in Anspruch gu- 
nonimon htibfin. Mit l.'nreeht, denn, wenn auch die Zalil unserer 
Stammesgonossen in Bulgarien eine si^hr geringe ist, Vf-nn auch die 
Tvage des Gesamintjudcntiuima nicht vom \Vch und Wohl dor 
hutgnrischttn Judnn hcntimmt ^vird, so vcnlicnt doch auch die Loge 
der jüdischen Bevölkerung in diesem Lande an und für sich keinea- 
fiilU eine geringere Aufmerksamkeit, als diejenige unserer Brüder 
in anderen Lfmdem. 

Wir halten es in Bulgarien mit einer Bevölkerung zu thun, 
die, auR de^i politischen Organismus dor Türkei ausgeschieden^ einen 
Organismus gHliildet hat, der die Hegemonie auf der Balkanhalb- 
insel zu führen die Prätension hat. Wir haben mit der Bevölkerung 
eines Staates zu thun. der den Freiheiteideen unseres auf seine 
grossen Ideen pochenden Jahrhunderts seine Entstehung verdankt. 

Von dem oben angegebenen Standpunkte ausgehend und die 
Wichtigkeit der Aufgabe erkennend, haben wir es als nothwendig 
eraehtot, eine Enqußte, insbesondera auf wirtschaftlichem Gebiete, 
zu Teraustalten, um auf diesem Wege das entsprechende Matenal 
zu vcrschatfcn. Wie zu erwarten war, konnte eine solche Enquöte, 
die ganz, auf privRter Initiative beruhte, und mit den für eine solche 
Unternehmung nötbipen Mitteln nicht ausgerüstet war, ru einem 
bcfriedigenfleu Resultate nicht führen. Üeberdiea musste dieaca 
A' orgeben als res novo in gewisser Kreisen auf Misstrauen stossen, 
ja sogar einer (iegenwirkung ausgesetzt sein. 

Und wenn wir noch in SoGa, die betreffenden Viertel besucbend, 
die nölhigon Angaben als Augenzeuge registrieren, konnten, so 
wutwten sich die von uns Beauftragten und mit spcciotlcn In- 
structionen und Fragebögen versehenen Vorsteher der zionistisclien 
Ortscomiti^ in der Provinz nicht immer Ratb zu schaffen. 

So kann sich dieses Referat nicht rühmen, doss es auf dem 
ganzen Material, da.s nöthig wäre, ruht, so dass es volles Licht auf 
^io Lage der .luden in Itulgarien zu werfen vermochte. Und trotzdem 
will ich hoffen, dass die geehrten Mitglieder des Congreases aaoh 
dem, was da Platz gefunden bat, ihre Aufmerksamkeit schenken 
werden. 

Die politische Lage, Man hat, inshe^tondere während 
einiger Decennien dieses Jahrhundert?., als Axiom die Behauptung 
aufstellen lu dürfen geglaubt, dass die politische Lage der Juden 
vim der Uegierungsform des Staates abbüngig sei. Dieses 
Dogma bildete bei einer enormen Zahl unserer StammesgenOBaen 
den Eckstein ihrer Weltiniffussung und diente für eine grosse Zahl 
derselben als Grundprinoip ihrer WeltTorbesscrxingapläDO. 



- i\;\ — 



yun gehört einem kleinen Staate die grosse Ehre, zu 
eigen, dMs man in einem ganz modernen, mit liberalen Institutionen 
efacuen A'erfaaHunf(83taat mit den Juden so umgehen kann, daea 
dem unvorlusHerlichen Uptiuiisteu wenijjstens ein bedeutonder 
Rüril eeines Fundamentes einftiüreen muß«. Nachdem aber andere, 
chon ganz alte Staiiton, liumünion das primortUale Recht auf 
Systematische Yerfolj^in^ der Juden im V.K Jahrhundert streitig zu 
■-'}-.T suchten^ ho soll es nicht Wunder nehmen, dass auch ia 
11 diese Strömung i^ruBsen Anklang gefunden hat, und — 
icvheu wir noch ein HiäHchen weiter — finden muB»te. In aller- 
Ufer Linie vordient hervorgehoben zu werden, dass eine groaee 
»ht bulgarischer Staatalenkcr vor der M'iederaufrichtang ihres 
i^taates in K u m ü n i i; n uinc ZuHuchtB»tiitte gefunden hatten, wo 
\neh itincn reichliche Gelegenheit bot, die Juden hassseuche in einem 
Dbergenügenden Quantum herunterzuschlucken. Nun war den Bul- 
gare West- Europa noch ziemlich unbekannt, und Ton seinen 
[ctdtiindlen Strömungen machten sie sieh einen liegriff nach dem in 
^Itamäaicn Ocächenen, das sich ob mit Hecht oder ITnrecht, mag 
it«hiD gestellt bleiben — „Sa'ur cadette de la France* nennen läsat. 
fWoUen wir aber deu Kumänen kein Unrecht thun. Wer, wie wir, 
F«lie Gelegenheit gehabe hat, die bulgarischen Vorhältnisse als Augen- 
■xeugezu kennon. der wird wohl eingestehen müssen, dass .die Jtul- 
^foren gar nicht erat der rumänischen Schule bedurften, um als 
durch greifen des Priucip ihres Lebens in allen seinen Momenten 
.Bulgarien für ilie Bulgaren** nicht nur aufstellen, sondern mit 
i^lLcbd^lek durchführen zu können. 

Man ütellt sich die Bulgaren als intellectuell zurückgebliebenes, 
unfähiges Volk vor, das aber einen moralisch guten Kern hat, 
llem ist aber nidtt so. Egoistisch, rachsüchtige geld* und habgierig, 
und schlau, ist der Bulgare strebsam, fähig zur intellectuellen 
Dt, mannhaft, ztelbewusHt, ernergisch, Heissig und darauf bedacht, 
Jer Situation Capital zu schlagen. Dank allen dtei^en Kigen- 
\en kann der Bulgare nicht kalten Blutes zusehen, wie ein 
f'n-mder — und als Fremdester der Fremden gilt auch der ein- 
Jude immer — Existenzmittel in seinem Lande gefunden 
_ der Jude auch leisten mag und so rechtschaffen er auch 
ititge« der Jtulgare bleibt immer der Ansicht, dass der Jude 
Brod esse («jade bulgarsky Gab"). 
E« ist hier nicht der Platz, das des Näheren auseinanderxu- 
Wollen wir aber den Schlüssel zur Lösung der Frage 
wie sich überhaupt die politische Lage der Juden in Bul- 
gestalten kann und was sie dort erwartet, ist wenigstens ein 
Ueberblick über die Stellungnahme der verschieden poUtischon 
Parteien den .luilen gegenüber unentbehrlich. 

Freilich hat auch Bulgarien seine liberalen und conservativen 
Parteien, die auch verschiedene Fractiunon und Schattierungen auf- 
VOMO kuanen. 3ran begeht aber einen Fehler, wenn man glaubt, 



6äm z«üeb«i den P&rtden ein prindpieller rater»ch>fr(] bezüsr- 
hA ihm C'Atechismas den Joden gcfcsfiber «xitticre. It«r .T- < - 
iot kein Bulgare, und da» |^n3|et ichoii für du klein^c {- i - 
ti«ch<' Iii^lmduttm, um »in Betragen gegraöber den Juden in 
aU«ii Momenten m be«tiniiDen. M'eno man in die«er Hinstellt doch 
▼oo einem l'nterachiede rwiwhen den Parteien fiprechen will, eo 
wird er wohl nicht darin bestehen, was für Credo lie den Jaden 
gef enül»er hatten, sondern in der Art und Weise, wie aifr 
lA ttini Attadrucke brin^n. Vpn diesem Standfiunkte aii^'lK-'nil, 
läset eich natQrlich ein Unterschied zwischen den Kara\^clL8ten. 
Tsankowisten und Unioniiften eineraeita, und den eon^erratiren. 
fitunbaliatüefaeii und radoslawistiscbea Parteien andererseits auf- 
stellen. 

Die Anhänger Karaweloff"» . «U echte Demoknitc 

gehen zu dürfen, wenn «ic keine ■ __ uieit veqtw«sen. in ihre»! 
Parteihlatte «Znamej* über die Joden loszuziehen* Hie««« Üetm^n 
hat AüA fiute. da«« die Joden klar sehen und wiaaeD. «oraur die^ 
Karawetisten aU Regierungspartei lo8«teaetu d&rften. 

Hat ja schon Karawoloff als Minister zur Zeit aU es auf d<n 
KriegeigeAliien nocli niieh jüdi>iohem Itlute gerochen hat. den prnk- 
Itsehen AntisemitiÄmufl inaiigruriert. Er war e^, der die Wochen- 
mfirkte nuf ih*n Snmstag reriegt hiit, er war es, der noch im Jahrn 
iH>^'2 in der Kammer die Juden der Ausbeutung der bulgarischen 
Bif^ölkeruDK ge^ichtn hat, er war es. der den kleinen jüdiuihen 
Händlern daa Stück alte Brot entreissen wollte, er war es, Her die 
Juden wegen der Importation silberner, zu jener Zeit conn- und 
c.irculationsiuhiger Kabel, auis Rumänien olfen als moraliscrh vcr- 
kummenc Indivjdm'o gcbnimimarkt hat. 

Nicht 80 frtQckliob sind die Juden mit den jind^rcn Parteien. 
Zwar ist schwer zu Migcn. ob die Ksirawelisten grössere Antisemiten 
als die Zankowisten sind. >'iir eines steht fest: Das jetzige t»rgan 
der letzteren „Swetlina", »ie du» frühen* ..Seplasoije', sind nicht 
»o heftig in ihren. Angriffen. Sie machten nicht weniger als die 
Karawelii^ten dein Judon alles enireiasen, wollen das aber mit 
Worten erreichen. Die InJonisten, die ihren Namen der nnji' 
Vereinigung Bulgariens mit Ost-Rumclicn verdanken, waren zwnr 
als Opposition in ihrem Urgan ^PregoBo"* sehr nidiral, freis|niiii^ 
und liir höbe Ideale schwärmend. Eine fmppnnte CbHrakterluei);- 
keit stellt sich aber heraua, wenn man einon Vergleich rieht 
zwischen dem, was der „Pregoeo* früher gepredigt hat, und was 
er jetzt, nachdem »eine Patrone ans Ruder gekommen sind, vertritt. 
Ea verdient hervoi^^ehoben zu werden, dass die Anhänger der unio- 
niatischen Partei fast jede Gelegenheit auanützen, um ihre QeRU)le 
unseren Stitnimesgenossen gegenüber in Thaten umxuseizen. 

Einen Reweis hiefür haben wir auch aus der oUrrjüngstoR 
Vergangenheit. Zum Resten der bulgarischen landwirtsohafllichen 
Cred^tcaesen wurde die Regierung beauftragt^ eine Anleihe von zehn 



C5 - 



I 



ijüionf-n Ouldfn aufzunehmen. Boi lUcser (»«Icgenhcit hatte die 
:pgii'-ninf7 in Erfalirmif* ^ebra<'ht, dass dio BtülinguiigOQ der Anleihe 
\i^l jjiinatigcr sein können, wenn dio letzte mindestenn 'Mi Millionen 
ausmache. Da dio bulgarische Uevülkerung privaten Leuten, und 
iwar gegen sehr schwere Bedingungen, mindesteoB 1<J(J MÜlionen 
Francs schuldet', so hat die Regierung der Kammer einen Gosetz- 
CBtwurf über die Aufnahme einer Anleihe mit der Banque de Paria 
«t des Paya Bas, Ban<|ue internationale de Paria und Banque J. 
«t R. Privili^guee des Pays Autrichiens vorgelegt. Man könnte 
lilanhen, dass Abgeordnete in eolchen Fällen ihre Aufgabe und 
l*fficht darin erblicken mfiftsen, die Interessen des Volkes zu 
wahren und de-thalb nur solche .Momente zu berücksichtigen 
, die der Fnifj;e entHjiringcn. Das wäre Tielleich auch hier 
'all. wenn sich an dem Bank-Consurtium nicht die hünderbank 
Itdheiligt hÄtte. Aus mohrereu Ursachen, die lüer nicht des 
Weiteren auseinanderzusetzen sind, hasst der Bulgare Oesterreich 
mif allen Fasern seiner Seele, und nennt ea .Judenland", oder, wie 
«r lagt, „Tschifoutflka Awstrija*. Und da hörte man bei der Debatte 
(lieser Frage in der Kammer folgendes: „Wir wollen mit der Länder- 
baok nichts zu thun haben. Sie eull für immer bei uns den Boden 
»erliercn. Wir vrollen die Ehre haben, Geld von solchen Banken 
ru nehmen, wo jüdische (!!) Kapitalien und judische Speciüationen 
am Allerwenigsten interessiert sind, und das ist der Cr<5dit Lyonnais." 
Wir wissen leider nicht, ob die Napoleons, die in den Cassen der 
I^derbank aufbewahrt sind, Tun denjenigen des Credit Lyonnais 
dilFcnercn, und wir sind noch jetzt in dem Irrthume befangen, dass 
jüdische Napoleons, wenn sie auch in der I^änderbank sich finden, 
aicht minderwertiger als diejenigen des Credit Lyonnais sind. AVie 
dem auch sein mag, That^ache ist es, dass die Herren Deputierten 
d^m Abschlnss einer Anleihe mit einem Consortium, an dem die 
L4nderbank theitnimmt, aus dem Grunde sich widersetzt haben, weil 
mancher jüdische Actionär bei diesem Geschäft einige Francs ver- 
dienen könnte. Es muss aber auch lüer besonders hen'oi^ehoben 
Verden, dass noch nie die Bedingungen einer bulgarischen Anleihe 
»0 günstig waren, als diejenigen der in Betracht kommenden. (Gegen 
eine kleine Verminderung den Emmiscionscurses, und zwar um 2 1-Vancs, 
hatte das Consortium eine Herabsetzung des Zinses auf einen ganzen 
Pfocent bewilligt.) Diese Vortheile musste auch der Präses der 
Kammer anerkennen. „Obwohl die Regierung", sagte er, „nicht mit 
dem Cr(5dit Lyonnaia, sondern mit Leuten, die uns unangenehm aind, 
die Anleihe abgeschlossen hat, so muas man doch eingo.siehen, dos« 
die Conditionen fQr uns günstige sind." (ProtoooU der >'ationa]Ter- 
wunmtang, IX. Legislatur, Band 4,0 ll.j 

deder, der das politische Leben der Baikaustaaten verfolgt, 
weist wohl, doaa die jetzige Regieruag nicht nur aus Uuionisten, 
sondern auch au^ Conservativen besteht. Und es sind eben die lelz- 
(er«D, die die Pläne der ersteren, auf einem oder einem anderen Gebielft 
HusTvgoin gegen die .luden zu treffen, vereiteln. . 



i 



- G6 - 



AVenn es eineo bulgarUchen Maun gegeben hat^ def vielleicht 
lyjpanz von verschiedenen Vororttieilen den Juden gegenüber frei 
war. 30 ist es Stamboloff gewesen. Die Fäbigkeitea and die 
intellectaellen Ki-ftfte der Juden erkennend, suchte dieser Staats- 
mann sie zum Besten seines Vaterlandes zu verwenden. Während 
der zwei Decennien des Bestandes des bulgarischen Staates haben 
die Juden es nie so gut wie zu seiner Zeit gehabt Es ist in der 
Hauptstadt Jedem bekannt, dass die stambaliälische Kegierung 
sogar geneigt war, von den Staatsdomänen ein entsprechendes Aus- 
mass von Grund und Boden zur Gründung einiger Colonien einge- 
wanderter Juden zur Verfügung zu steilen. Wir wissen nicht genau, 
auf welche Momente es zurückzuführen ist, dass die bulgaritiche 
Regierang von diesem Plan Abstand genommen hat. Die communis 
opinio will das auf die Schultern unserer eigenen Stammesgenosseo 
abwälzen. Aber Stambniolfs Anhänger, die gerade den Juden gegen- 
über ganz anderer .Ansicht als ihr Chef waren, suchten mehrfach 
factisch das zu vereiteln, was Stambulotf den Juden geleistet hat. 

Um die Frage über die Stellununahme verschiedener Pai'teien 
den Juden gegenüber zu Ende zu führen, soll noch der radosla- 
wistiächeu Partei Erwähnung geschehen, und zwar muss von ihr 
gesagt werden, dass ihre Anhänger in dieser Bezieliung im Grossen 
und Ganzen die Ansichten der atambulistischeu Partei theilen. 

Im engen Zusammenhange mit der Frage über die Stellung- 
nahme der Parteien den Juden gegenüber, kann auch di^euige 
fiber die Theilnahme der Juden im politischen Leben des jungen 
Staates in Betracht gezogen werden. 

Im allgemeinen kann man die ßehanplang anfstellen, dass die 
bulgarischen Juden sehr wenig in das politische Leben eingreifen. 
als leitendes Prlncip in dieser Beziehung gilt, immer mit der Bd- 
gieroug zu gehen. Wenn irgend eine Regierung bei einer oder der 
anderen Gelegenheit die Juden, das heisst ihre Stimmen, braucht, 
80 wird mit ihnen geliebäugelt, und werden ihnen sogar manche 
Verspi'echuögt n gemacht Und wer die Taktik der bulgarischen 
KUnister kennt, wird sich die Frage ersparen, ob irgend einer von 
ihnen jemals seinen Versprechungen aacngekommen ist. Vielleicht 
kann es auch nicht anders sein. Wer für alle ist, der ist ja für 
niemanden. 

Ks wäre aber Unrecht, wenn wir zu dem soeben Gesagten nicht 
hinzufdgen würden, dass sich in Bulgarien auch eine Anzahl Juden 
findet, die sich oiTen einer Partei auscblie.sät, nur mit dieser Partei 
kämpft, sich verschiedenen Verfolgungen seitens der Regierungs- 
pArtoi auanetit» und so oft die unterstüue Partei siegt, sogar ein 
paar abgouagt« Knochen einheimst. Solche jüdische I'arteigänger 
änden sich ttowohl im slambulistischen als radoslawisiiscben Lager. 

Da diu .ludfu weder allgem*^ine noch specielle Politik treiben, 
so wird es kein Wunder nehmen, dass, obwohl in Bulgarien mehr als 
V Taosen<l Juden leben, wovon aaf Sofia allein mehr aU 6 '/« Tausend 



— 07 - 



entfaII«'D, unsere Stamme^Kcnossen ktfinen einzigen Abgeordneten 
in der Kammer liabeu. Allerdings gescliah vor drei Jahren elw&s 
Aasäerord(;iiillch€8. Im WaUlkreiae Dobritsch» der eine sehr schwache 
jQdiäche BevQlkeruug hat, wurde ein Jude als Deputierter gewählt. 
Als Dämlich im Jobre 1894 die Deputiertenwahlen ausgeschrieben 
wurden, hatte man in der kleinen iisilichen Stadt B.-Dobiit«ch 
neben der Candidatur des Ministerpräsidenten Stoiloff auch diejenige 
UDitereü STnromesgenossen Peter Uabe autgesielU. Er bekam die 
ll«jont,U der Wähler und wurde vou dem Wahlbureau gesetzmässig 
als Abgeordneter prociamierl. Aber seine Wahl wurde von den 
EammerooUegen caäsiert. Und wer ist dieser Mann, der, mit dem 
Ministerpräsidenleu rivalisierend, ihu mit 20« SliiniOeu besiegte, 
dann aber zurückgestossen wurde? Peter Gubo i?t ein russischer 
Juds, der in der Umgebung vou Elisabethgrad wählend der Jahre 
1875 — 1H82 Land pachtete, um es rat eigenen Händen zu bebauen. 
,1© Jahre 1881**, erzahlt Gabe, „habe ich mit meinen Äugen 

■ gnitfben, wie Volksmai^sen die Häuse.r friedlicher Einwohner dem 
HKtdbodeu gleicligemacht und die Juden malträtiert haben. Nuu kam 
HKi Gesetz von 18S2, das den Juden die Möglichkeit Land za 
^"^hteu genommeu hat. Dieser Umstand veraula^&te mich, Kussland 

tu verlassen." (Protokoll der Sitzung der VIII. Volkov, I.S., 1. B., 
K p. -187 — 503). Im Jahre I8s4 liess .«ich Gabe in Bulgarien nieder 
I noiJ widmete sich wieder dem Ackerbau, aber nicht bloss diesem. 

■ £r entfaltet eine solide literarische und gemeinnützige Thätigkeit. 
I E)' treibt Studien auf nationalökonomischem und änanzlellem Gebiete. 
I Um deu bulgarischen Staat erwarb er sich dadurch grosse Ver- 
" dleuste, dass, dank seiner literarischen und agitatorischen Thätig- 

kfcü, ein siiecielles Gesetz für zwei Arrondissenienls, das dem Wucher 
»teutrrt, von der Kammer angenommen wuide. Der Wucher war ein 
KrebsKchadeD, der sich im Organi^-mus des östlichen Bulgarien tief 
angewurzelt hat. Gabe hatte den Muth, diese compHcierle Fra^e 
uifzarolien, und die Nothwendigkcit einer radicaleu Operation zu 

»benviäeu. Dadurch liat er die Sympathien der Bewucherten ge- 
vouuen, aber auch natürlich sich den Hass der Wucherer zugezogen. 
Die Tliätigkeit auf dem (3konpmisehen Gebiete hat auch die 
Folg'e gehabt, das,«, als nach dem Sturze SiambulofTs eine Steuer- 
commisäion zur Regelung veiscliiedeuer financieller Fragen eingesetzt 
vrurde, Gabe zum Mitglied derselben ernannt wurde, was viel zu 
»»•ioer Popularität beitrug. Und dt^nnoch die Cassierung seiner 
Wahl!') In der Wahlprüfungscommission war vom nationalen Mangel 
i Oabes die Rede. Das theüt uns ein Mitglied der Commission mit *) 
iiud ea stimmt mit den Motiven der eingereichten Contestation 
l&bereio. ') 

*) FroiokoU det NatfoDaWersaniuilimg, Till. Let^islatur, p. 403. 
*) ibidem. 

*) «Wciui wir aueti seblieulich sclioa zngebeii, wa% wir oicbt als riclitig 
üUa. daaa dieae Wahl gcsetsrnJUsig sai, and dass der gewählte Reprää«i)ümt 



- 138 — ■ 



Damit künftighin solche FfiHe nicht mehr vorkommen, hat 
man in derselben Session der Kammer, auf Initiative des jetzizttu 
Bflrgernieisteia Sofias, ein Geseiz acceptiert, wonach „ein naturali- 
sierter Bulgare das passive Abgeordneten Wahlrecht erst nach Ab- 
lauf von 15 Jahren erwerben kann". 

Hand in Haud mit diesem officiüsen und officiellen Äntisenii- 
liamua geht auch in Bulgarien der von der Presse cultivierte. 
Wir haben in Bulgarien bis vor kurzem ein Blatt „Bulgaiieu ohne 
Juden" (Boulgaria bez Ewr^'ji) gehabt, das von einem gewissen 
Mitakoft' herausgegeben ^>'urde. Das Ijulgarische Wörterbuch hat 
keine Schimpf Worte, das Strafgesetzbuch keine Verbrechen, die den 
Juden in diesem Blatte nicht entgegengeschleudftrt, respeciive 
angedichtet worden wären. In allererster Linie paradiert natürlich 
das Steckenpferd auch der westeuropftiachen Antisemiten — die 
Blutbescbuldigung. Es gibt keine Kechter die Herr Mitakoff den 
Judeu nicht entziehen wollte. 

Ausser dem Blatte bat Herr Uitakoff auch mehrere Brochüren 
desselben Inhaltes herausgegeben, bei deren Verfassung ihm offen- 
bar Hohl ing's Werke vorlagen. Nachdem Mitakoff wegen Beleidigung 
des Fürsten mit dem Gefängnis ßekanntschafl machen und sein 
Blatt einstellen musste, wird seine Arbeit von dem famosen Major 
Osman-Bey, so nennt er sich, fortgesetzt. Es verdient auch hervor- 
gehoben zu werden, dass die bulgarische Monatsohrift „Wera i 
Razoun^ („Glaube und Vernunft"), die von einem Pfarrer Mioa 
Q. Minkoff redigiert wird, sehr heftige antisemitische Artikel, und 
zwar zum Beweise des Gebrauchs von Cluistenblut durch die Juden» 
verOtVentlicht. Man bekämpft den Antisemitismus in Bulgarien darcU 
verschiedene Biochüren. Es braucht nicht besonders hervorgehoben 
zu werden, dass man damit den Aberglauben nicht ausgerottet hat. 
Es gehen die Osterfeiertage selten vorüber, ohne dass sich der 
Juden Angst bemächtigte, wenn irgendwo einem Christen ein Kind 
verloren geht. 

So gilt auch bezüglich Bulgariens, dass die Gesellschafcski-eise 
darauthin arbeiten, die Gleichberechtiguiig der Juden factisch zu 
annullieren, sie nach europäischem Mu.sier zu einer papierenen zu 
machen, die politischen Rechte der Juden nur insofern gelten zu 
lassen, als eine oder die aiideie Regierungspartei davon Capiial 
schlagen könnte. 

Die w i r t .< c h a f 1 1 i c h e Lage. Die politische Ki-aft jedes 
Staates ist von seinem wirtschaftlichen Zustande abhängig; doch. 



für Baliljik Peter Oalje ue'i^ dtttugt sieb die Frago aaf, trau für «ioe Pason er sei, 
Denn ilittA« PerMin, die aU Ptter (iahe anerkanot za wuilen wÜnBcht, Diid dte 
du Wabllinreaa ollieieU als tiewählter proclamiert bat, ist uicbt Peter Gabe, 
solidem du ans anter dem Namen ELio-pr bekannter nusiscber .)ud<!, ein Ntbiliat 
^e ! l) atu Huasland, der sich mit eiaem fremden Voab ÖUcbtete, Bich das Pseadonjna 
Pet«r Gab« anei^etc and unter diesem Nameu als bulgariscber Untertfaaa 
aceeptiert warde. Ubidem p. 487— 486j. 



- «ft - 



sst sieb auch ein anderer Zn.sftmiiiftnhang zwi&clien diesen zwei 

Momenten denlceji. E:^ kann nämlich auch die politische Wieder- 

Kei'Urt eines Volkes ein mücbtiges Mittel züv Sanierung seiner 

irirtschaftlichen Verbältaisse und zur Scliaffaog einer neuen Aera 

wirtschaftlichen Leben sein. Dies hat sieb in dem wirtfichafl- 

lictien Katwicklun^jigansre d^s zu neuem politischen Leben erwachten 

irien glän/,eii<l bewKlivheilel. Wenn auch noch jeUt die Scbiltze 

Natur meisieus erst geboben werden müssen, und auch die 

r'genwäriige wirtschaftlicbe Cultur noch eine sebr primitive ist, 

icann der W'irtscliaftsbietonker dennoch bepeitA grosse Fortschritte 

Ivcrzdchneu. 

Rulgaiien. da« ntich bis jetzt mm wesleuropäischen Standpunkte 
[ein capitalarmes Land genannt werden mnss, hat doch seine natio- 
Daien R-fichthiirai^r vervielfacht. Im Jahre 1884 hatte die Xationat- 
Ibank nur 2*4 Millionen Kr;uics als Depositen im modernen bank- 
Ilecbnii^chen Sinne nnd jetzt bat sie mehr als 47 Millionen. Auch 
[die Iftud Wirtschaft liehen Cassen, bei denen früher dieser Posten 
liior mit einigen Huudei'ttauseuden tiguriert bat, beträgt mehr als 
\h Millionen. 

Die jährliche Ersparniss muss aber viel höher angeschlagen 

liveideo. da eben das letzte Quinquenoium des bulgarischen Wirt- 

Uch ■ •\< damit charakterisiert werden muss, dass es allerlei 

Aci i^cbafteii zu ver.^chiedenen ProJuctiüuszwecken, die für Bul- 

Igarien enorme Capitalien in Anspruch genommen haben, gi'ScbafFen 

iüat. Die ausländischen Capitaheu kommen da sebr wenig in Betracht, 

da von dem Staate aufgenommene Anleiliea zum Bau der K sen- 

btbueu und der Knuipierung der Armee verwendet wurden. Uud 

IMf privatem Wege konnten ausländic^cbe Capilalisten meistentheils 
weder Concenmonen erlangen, noch mit dem Bulgaren gemeinsame 
Sache, machen. Manche bulgarische Hocbst^bulprofessoreu haben 
tdion dafür Sorge getragen, in der Monatsschrift ^Organ der buN 
gariachen ökonomischen Gesellscbaft** die Schftdlicbkeit des aus- 
liodischen Capitals, das ja d(jch total den Jaden gehörte, zu be- 
wnsen. 
Bei der Bestimmung des Wachsthams des Nationalreichthums 
,, wird schwer ins Gewicht fallen, dass die Steaerkratt der Bevölkerung 
selir gewachsen isL Im Anfange der achtziger Jahre arbeitete 

I Bulgarien mit einem Äusgabeetat von circa 20 Millioueu Francs, 
nach einem Decenniam schon mit 100 Millionen. Es ist auch zu 
befdcksichtigeo, dass nicht nur der mobile, sondern auch der im- 
mobile Besitz der bulgarischen Bevölkerung sich stark vergrössert 
haL Die ländliche Bevölkerung Bulgariens, die doch '/(^ derGe.sammtbe- 
völkerung repräsentiert, bat dank der Auswanderung der Tüi'ken 
sehr stark ihren Bixienbeyitz vergrössert. Von dem Waclistbum des 
Reichthums wird auch die Thalsacbe der Unternehmung zahlreicher 
Bauten, ja sogHr totaler Verändeiung ganzer Städte Zeugniss ab- 
JrgHD. Äoch die Bevölkemugszabl bat verhäUnissmänsig stark zu- 



;o 



genoramen. Im Jabre 1871 hatte NordbuIgAi'ieD 2»007.919 Seilen, 
Sndbulgarien (1385) 975.030; im Jabre 1688 hatte das vereinigle 
Bulgarien schon 3,154.375, im Jahre 1893 3,310,713 und jetzt 
3'/a Millionen Einwohner. 

Bevor wir diese allgemeinen Bpnierknng*^n schliessen, wollen 
wir noch binzutUgen, da^s llulgiuien kein agraiiscbes Proletariat 
und überhaupt keine Arninth im westeuropäischen Sinne kennt. 
Es mangelt an menschlichen Kräften, aber nicht an Beschäftigung 
und Arbeiten, die die Existenzmittel in Hfille and Falle verschaffen 
können. Es ist ein reicli gesegnetes Land und es harrt der mensch- 
lichen Hände, um ihnen st-ine Schätze zur Verfügung zu stellen. 

Nun kunuen wir zur Frage, die die Vorau-'scbickung dieser 
allgemeinen Bemerkungen nothwendig macht, übergeben, inwieferne 
nämlich auch die Juden an diesem Wachstlinm des Natiunalreich- 
thums theilnebmen, und womit sie sich überhaupt besch&ftifren ? 

Es wird vielleicht nlchr. überflüssig sein, hier explicite her- 
vorzuheben, dass man unter den einheimlsclien ppagnoUscbeu Juden 
keineu einzigen Ackerbauer Artden kann. Es sind uns wobl die 
Ursachen, auf welche zurückzuführen ist, dass unsere StAwmesge- 
nossen in den verschiedenen Ländern sich nicht dem Ackerbau 
widmen konnten, bekannt. Aber die Umwälzung in tien Boden< 
besitzverhältnissen in Bulgarien, dank der Änswandt-rung der 
Türken, dt-r spottbillige Preis des Badens, die unentgeltliche Ces- 
sieintig verschiedener Ländfreien seitens des Staaten .togar an An^- 
länder (z. B. in der letzen Zeit an die Slawonier) haben nns doch 
die Frage aufgedrängt, warum nicht auch unter den einheimischen 
Tuden sich solche finden, die in dem Hebauen des Hodfus eine 
c^uelle für die (Gewinnung ihres Lebensunteibaltes sui-hen. 

Von Juden, die in den Döifern als Kuu6eute leben, haben 
wir auf Grund der Aussage von Personen, die die Verhältnisse 
kenneu, feststellen kOnnen. dass die bulgarische Bevölkerung all« 
Mittt^l in Anwendung bringt, um die Juden an dem Kaufe von 
Land zu hindern. Meine Gewährsleute tbeiltn mir mit, dass sie 
Frauen und Kinder nicht in die Uürfer mitzunehmen wagen, ja 
dass sie sich zeitweise selbst von dem Dorfe fernhalleu müs^seo, 
und dass sie überhaupt der Anfenthalt auf dem Lande verschiedenen 
(Jehäs-sigkeiten und Verfolgungen seitens der bulgaiischen Bevöl- 
kerung aussetzt. 

Und 60 sehen wir in Bulgarien unstre Stammesgenossen als 
Krämer, Handwerker und Lastenträger. 

Im Handel bat der Spagnole einen giossen Concurrenten, ios- 
besondere in der Petson des macedoniscben Bulgaren. Der letztere, 
oft mit einigen Francs seinen Handel beginnend und seine Waren 
anf df'n Strassen anbielend, weiss sich binnen Kurzem so empor- 
zuHCbwingen, dass er nach eiuigen Jahren Umsatz^ zu mehreren 
Tausenden macht. Der Macedonier verdrängt den Spagnolen, da er 

Heilige Energie, eine grosse Schlauheit und weitgehenden Blick, 



- 71 - 



I 
) 



grosse Deberlcgenheit, kalten Math nud ragche Entschiedenheit be- 
ritzt. Darnm kommt es nicht selten vor, dass der Absatz von vei- 
lefaiedenen Gegenständen die früher, zur türkischen Zeil, ausnahms- 
los von Juden verkauft wurden, jetzt in den Händen des Macedo- 
niers ruht. So wohnen wir dem Process bei, dsss der Grosabandel 
mehr und mehr in diesen Händen concentriert wird. 

Cm der Wahrheit treu zu bleiben, wollen wir noirh hinzu- 
fügen, dass es auch Juden gibt, die seit der Wiedereirichtang des 
bulgaris»hen Staates sich Capitalien verschafft haben, aber ihre 
Zahl ist eine so kleine, dass die Bulgaren selbst fast nie die Be- 
liauptung aufstellen, datis die Spagnolen Capitalisten atien. 

Die andere sociale jüdische ('lasse wird von vei-schiedenen 
Handwetkem repräsentiert. (Schuhmacher, Schneider, Klempner, 
Glaser, Anstreicher, Schreiner, Drechsler, Hutmacher, Goldavbeiter, 
Tapezierer, Schinnmacher, Uhrmacher etc. etc.) Eine stattliche Zahl 
unserer Stamme.sgenosüen sind Lastenträger und sehr viele befassen 
sich mit ftogenannten „Ijüketoja**, d. h. sie haben keine bestimmte 
Beschäftigung, sie leben, wie es im Volksmund hei.^st, von der Luft, 
davon, was ihnen in die Hände fällt. Heute profitiert ein Lokelojer 
b*im Verkauf von Hühnern, morgen mietet er für jemanden einen 
Wagen zum Tiansport verschiedener Prodacte uud übermorgen 
sii2t er den ganzen Tag auf der Strasse, erwartend, was ihm an- 
deres der lieba Herrgott zuführen wird. 

Gestützt daiauf, was wir mit uni^errn eigenen Augen mehr- 
fach gesehen haben, and auf die freundschaftlichen Zuschriften, die 
wir uns von der Provinz zukommen lie?sen, dürfen wir behaupten, 
dass schon jetzt in Bulgarien ein judisches Massenelend existiat. 

Wer sich davon überzeugen will, möge nach der Hauptstadt 
Bulgariens gehen, wo die Juden specielle Viertel, — Outsch- und 
Dor-Bonar — bewohnen. In Staditheilen, die sehr niedrig 
liegen, die voll von Sümpfen, diesen Herdeu der Sofianer Epidemien, 
Bud von verschiedenen anderen stinkenden Wässern umringt sind, 
leben acht Zehntel unserer Glaubensgenossen in Sofia in einer so 
DDSJlglichen Armutli and Misi-re, dass en einem förmlich schaaert, 
wenn man die von ihnen bewohnten Häuser besucht. 

Ans Backstein oder Lehm oder gestampfter Erde gebaut, sind 
die Häuser so niedrig, dass man oft gebückten Kückens ins Zimmer 
hineinschleichen muss. Wir haben selbst gesehen, da:^s einige wie 
die Eskimos gekrochen sind. Alles starrt von Schmutz : die Alten, 
die Kinder, die Wohnung. Ueberall ein fürchterlicher Gestank. 
Wenn nicht draussen ein offenes Loch ist, das den Abort darstellt, 
80 bildet er meistentheils eine Abtheitung der Küche selbst und 
kommt in Contact mit der Wand, wo man das Brod backt- Die 
lehmigen Fusshoden,' mit nichts bedeckt, mnd furapllg und nicht 
selten sogar mit Waiser überfüllt. Die Atmosphäre i>t eine abscheu- 
ücbe, eine erstickende. Wir haben fast in 100 Wohnungen Messungen 
vollzogen und es bat sich erwiesen, dass das Durchschnittszimmer 



jj 



einen Fläciieiiiubalt von 16—20 Quadi atmeter hat Wenn wir in 
Betracht ziehen, dass die HüIie lier Zimmer selten 1*8 Meter flbei- 
schreitet und dass in einem Ziininer sicli mehrere ludividuen be- 
finden, werden wii- den Schiu:>3 zielien dürfen, dds» ilu-e Einwohner 
nicht einmal genug verpesteter Lnft bekommen. Es ist fast ^ar 
kein Mobilar iu den Ziramein. Rund um die Wände stehen lüi-- 
kische Biinke (MiudiTluuks genannt) und wir müssen auf den Knien 
unser Notizbuch halten. Alles schläft immer auf dem Fussboden, 
und zü diesem Zwecke werden Polster von einer Rumpelkammer 
li erausgeholt. Kein Wunder, dass bei diesen Umständen der liäns- 
liche Herd die Brutstätte des Lasters wird. 

Wir beeilen uns iiber miUutheilen, dass die Bewohner dieser 
Häuser fast ausschliefislich ihie Kigenthüiner sind. Es wurde also 
Jemand, der ohne Weiter*»a den puropilischeu Maßstab anlegen will, 
sagen müssen, dass von einem jüdischen Proletariat in Bulgarien 
gar nicht die Rede sein kann. 

Nun geben wir uns noch die Höhe, zu sehen, wie diese Leute 
leben Die jährlichen Kinnahmen schwaukeu zwischen öOO—lOOO 
Francs, und davon verzehren die Leute monatlich 18 — 25 Francs 
für Brod, 8—12 Francs für Gemüse, 8 — 12 Francs für Fleisch 
und 5—10 Francs für Getrilnke. Am meisten sind die Leute 
Scbnapstrinker 

Schon dieser Umstand allein, dass der Hauptposten der Aus- 
gaben auf das Brod fällt, dass das Fleisch, obwohl es billig ist, in 
einem sehr geringen Quantum consumiert wird, liefert den Beweis 
hiefür, dass die jüdischen Hauseigeuthümer ein Dasein fristen, am 
das sie der besitzlose westeuropäische Ai-beiter, wenigstens in vielen 
Landein, gewiss uicht beneiden wird. 

So gestaltet sich iu allgemeinen Zügen die wirtschafUich« i 
Lage der jütlischen Bevölkerung in Bulgarien, deren jammervolles 
Dasein nur darum nicht die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, weil 
sie verhältnis.'tmässig gering an Zahl ist. Es kommt öfters vor, 
dass die Eltern ihre ganz kleinen Kinder, 6— 7jähripe Mädchen, 
dienen lassen, um sich durch den Wochenlohn von 10 Cts., sage 
zehn Centimes, ihre ökonomische Lage zu verbessern. Kein Wunder, 
dass bei sotcheu Verhältnissen die Haupipfeiler der Moral stürzen, 
und ist e^, bei Mangel an entsprechender Ausbildung der geistigen 
und moralischen Kräfte — wie wir das noch später sehen werden 
— hanptsächlich auf die bittere ukonomische Lage zurückzuführen, 
wenn auch unter den Spagnoien. die sogar an den Traditionen des 
Jttdenthums so starr festhalten, Fälle vorkommen, dass »ich manche 
Mädchen taufen lassen, um durch das Matrimonium mit einem Bul- 
garen in den sicheren Geuu^'s seiner Schläge und eines Stückchen 
Brodes gelangen zu können. 

Indem wir über die wirt:$Ghatltliche Lage berichten, können 
wir nns von dem Eindrucke, den die jüdischen Vieitel in Sofia nacli 
einem Kegengu^s auf uns gemacht haben, uicht befreien. 



- 73 - 



> 
f 



Wir haben die Wolmungen in OuUch- und Dor-Bunar an einem 
I Frahlingstag nach einem starken Regen besucht. Was für jammer- 
volle und tiiniuielscbteiende UebilUe ! L'iu von einem Haus in das 
andere kommen zu können, mnssleu die Leute baarfuss bis ans Knie 
lim Wasser spHzieioo. Cnd das Innere der Zimmer! Die Minder- 
htnks, da£ Haus^erätb, oder wenn irgendwo ein Tisch oder gar eine 
iKinderwiege steht — das alles im Wasser schwimmend, und diese 
herzzerreissenden Erzahlungea ihrei* Einwobner. Wenn ein starker 
Regien während der Nacht beginnt, müssen die Lente ihre Ruhe- 
stätte - den Fnssboden - verlassen and wach auf dem Posten 
KtebeD, erwarten, ob sich der Keind — das Wasser — zeigt. 
Ut dies der Fall, verlassen sie die Wohnungen, überlassen das 
Uansgeräth seinem Seliicksaie, bis die Feuerlüschoiannscbatt oder 
eine SoIdatencompagDie das Wasser von den Strassen in irgend 
welchen Canal geleitet, re^p. ans den Zimmern ausgepumpt hat. 
Das ist das Kldorado der Juden im Jüngsten Staat Eaiopas. 

Die intellectiielle Entwickeluu?. Wie gross die 
Bedeutung de» wirtachaflHcben Faütors in der heutigen Gewellscliafts- 
ordnung und ;»ein Eiuflusa auf die sociale Lagrt i\e.A einzelnen Indivi- 
iluums sein mag, so wird man docb andererseits nicht leugnen 
können, dass Vieles aacb von der intellectuellen Entwickelung ab- 
biogig int, und wollen wir jetzt deshalb der Frage über den Cultur- 
zQStand der Jaden in Bulgarien nähertreten. 

Wir müssen damitVei wunderiing constatiereu, dass die Bulgaren 
välirend des 19jährigen Bestandes ihre:* Staatt's colossale Schritte 
•af dem Wege ihrer intellectuellen Entwickelang gemacht haben. 
Mit einer nnerhöiten Energie sachten sie während eines kurzen 
Zetüannis djts einzuholen, was sie während der fünf Jahrhunderte 
lÄDgen KnecbtschaCt versäumt Imben. Ganz Bulgarien ist mit einem 
pORsen Schulennetz bedeckt, eine Menge junger Bulgaren geht auf 
Sl&alskost^a ins Ausland, nm sich dort in allen möglichen Special- 
Pichem auszubilden. Leider kann der Bulgare, dank der ßeacttoo, 
die jetzt überall lierrschl, dank den gegenwÄrligen, ethisch unge- 
soaden 2nsi&nden Bulgariens, auch wenn er die Universität absol- 
riert hat, während seines Aufenthaltes sogar in Cuttnriändern nicht 
um das Geringste die Eigenschaften seines Charakters mildern. 
Wenn aber bei den Balgaren die moralische Entwickelung ganz und 
?ar nicht Schritt mit der intellectuellen halt, so sind die Juden nicht 
ünmal in letzter Beziehung vorwiirts gekommen. Es sind da ver- 
»ehiedene Momente im Spiele, wie wir das später sehen werden. 
Jedtnfalls ist es Tliatsache, das die einheimische jüdische Bevülke- 
nmg noch bis jetzt sehr wenige Ri^prSsentanten moderner euro* 
piischer Bildung zählt. Die Zahl der Analphabeten ist übrigens nicht 
gröaaer als bei den anderen Nationalitäten, die in Bulgarien leben. 

Nach den dürftigen statistischen Angaben von 1B63, die bei 
I d«n Eheschi iessnn gen festgestellt wurden, gibt es unter den Miinnera 




AoalpliÄbeten 23.24%, unter den Flauen 40*3 1"/»- Von dea 
aÄsentiei'ten Juden waren Analpbabeten 1888 29*22*/«; 1889 39-6l7o; 
1890 5406Vo; 1891 25 687o; 1892 22-35%; 1893 Bl-49%. (Revue 
der Schüler, Nr. 1.) Aber eü darf nicht übersehen werden, daaa 
uoter den jüdisclien des Lesens Kundigen schon solche eingetragen 
werden, die nur ein Gebetbuch lesen. Natürlich sind solche Leute 
weder mit den nötbigen Mitteln, um den heutigen Existenzkampf 
fuhren z\i küniien, ausgerüstet, noch im Stande zu beurlheilen, was 
für Stellung sie einer oder der anderen Frage gegenüber einnehmen 
müssen oder dütfen. 

Die existierenden jüdischen Schulen künnen kaum den An- 
spruch erheben, dass sie ihren wichtigen Aafgabeu gewachsen sind. 
In allererster Linie wolle man berücksichtigen, dass in die Allianz- 
Fcbulen fast ausschliesslich sephardische Kinder aufgenommen werden 
können. In diesen Schulen wird entweder französisch oder spa- 
gnolisch gesprochen. Da unsere aschkenasischen Biüder weder der 
einen noch der andt^ren Sprache mächtig sind, so ist es ihren 
Kindern in der Regel unmöglich, spagnotische Schulen zu besuchen. 
Da die Aschkena^im sich in jeder Stadt in zu geringer Zahl befinden, 
um aus eigenen Mitteln die Unkosten einer Schule bestreiten zu 
können, so hütlen ihre Kinder in einem sehr verwahrlosten Zustande 
bleiben müssen, wenn nicht überall Schulen verschieilener Missionen 
vorhanden wären. Dass in diesen Schulen unsere Kinder, wenn 

lauch nicht immer formell, so doch dem Wesen nach dem Judentham 
entrissen werden, das braucht man nicht noch besonders hervorzu- 
heben. Aber selbst in den speciellen Jüdischen Schulen wird die 
Kenntnis des Judenihums und seiner Geschichte nicht gepflegt. 
Absolventen dieser Schulen blieben uns die Antwort über die 
wichtigsten Momente onsererer Geschichte schuldig. Wer war E^ra, 
Neliemia und was haben sie geleistet ; von wem und wann ist Judäa 
in eine Provinz verwandelt worden V Auf alle diese Fragen er- 
hielten wir keine Antwort, 

Um unserem Versprechen nachzukommen, wollen wir ans auch 
flüchtig die l'rsachen, auf welche dieser intellectuelle Tiefstand 
der bulgarischen Juden zurückzuführen ist. ansehen. 

I Wir müssen eingestehen, dass der Durst nach Wissen bei den 

Hpagnolischen Juden nicht von besonderer Stäike ist. Natürlich 
npielt ilabei ihre grüsaliche wirtschaftliche Lage mit. Es existieren 
aber auch objective Momente, die ihnen als Hindernisse im Weg;e 
atehen. Die bulgarische Regierung, die vor keinem materiellen 
Opfer zurücksehen!, um jeden Bulgaren bei seinem Sueben nach 
liiMung zu uiitertftützen, hat die Schulen speclell der orthodoxen 
Hev<tlkt?ruiig Ang*'i)a».st, als ob es unter den bulgarigchen Bürgern 
gar keine, die einem anderen Glauben angehören^ gäbe. Der Besuch 
dor Schulen am Sabbath fkWt der spagnoliscben Bevülkerung, die 
Ihn noch zu feiern weiss, sehi* schwer. Man sollte doch glauben, 

lIImh hl dieaem jnngen Staate, welcher so oft auf seine religiöse 



I 




— 70 — 



Toleranz pocht, den Juden «loch weuigstens so viel zagestanden 
wird, dass sie am Sabbatb nicht schreiben mQssen, wie man das 
seiaei-zeit anch in Ra3^land gestattet bat. 

Auch für den religiftscn Untemcbt dtr jüdischen Bevölkerung 
darch specielle jüdisclie Lehrer will die bulprarische Regieraug keine 
Sorge tragen Sie findet darin keinen Widerspruch mit dem von 
d*r Constitution anerkannten Princip der Gleicliberechtigung, dass 
sie die orthodoxen G>inna3talschiiler in ihrer Rebgton nnterrichtea 
IftSBt, die Jaden aber nicht. Auch nicht einmal im Progi-amm für 
Geschichte will die Regiernng die Möglichkeit bieten, wenigstens 
die hauptsächlichBten Momente unserer Vergangenheil den Schölem 
bekannt in machen. Ei*st unlängst hat sie ein Piogramm för ille 
Schulen veröffentlicht, wo wir folgenden Passus finden: Orientalische 
Völker. Ein historischer und caltureller Ueberblick der Kgypter» 
Assyrier, Babylonier, Perser, Phönizier, Cart hagin ienser und der 
Inder. Also die Juden schweigt das historische Programm todt. 
IhreGe-schicht«» bietet kein Interesse, oder vielleicht sind da andere 
Momente im Spiele. 

Und was das historische Programm versftumt hat, das suchen 
die Lehrer bei anderen Gelegenheiten einzuholen. So bat voriges 
Jahr ein Gymnasiallehrer, der Geographie vottritgt, in der Gegen- 
wart von jüdischen Schülern, beim Vortrag über Griechenland 
folgende ßemerkuug fallen lassen : „Es ist zwar schwer zu sagen, 
ob die Juden grÖ.»sere Schurken als die Griechen sind, aber was 
Lng und Trug anbelangt, so scheinen sie doch den ersten Rang 
beanspruchen zu dinfen.'* Solche Aui^lassungen der Lehrer und 
eine entsprechende Vorbereltuns zu Hau^e, bringen es mit sich, dass 
die jüdischen Schiller verschiedenen VerhiWinungen und Beschimpf- 
angen als „Tschifouti'* seitens ihrer bulgarischen Schnlgenosaen aus- 
gesetzt sind. 

Die sociale Lage der Juden. Han ist gewöhnt, bei 
der Feststellung der socialen Lage der Juden ein einem Lande, 
ein besonderes Interesse darauf zu legen, wieviel von ihnen im 
Staatsdienste sich befinden. Die BeamtenzÄhliuig. die voriges Jahr 
in Bulgarien stattgehabt hat, setzt auch uns in den Stand, mit der 
Anlegung dieses Masstabes zu beginnen. Von 20.5U9 Beamten 
pnd mosaischer Confe.ision 47 und unter ihnen Juden 33, d. h. 
Diche flie den Muth halten zu sagen, dass sie der Nationalität 
nach Juden sind. Die übrigen haben sich anderen Nalionalitäten 
angeschlossen. Wenn man berücksichtigt, dass die Bevölkerung 
ßolgariens 3,300.000 ausmacht, dass die Juden den 132ten Theil 
der Bevölkerung bilden, sollten sie eigentlich im Beamtenstande 
mit 154 vertreten sein. 

Es ist leider im Berichte des statistischen Bureaus nicht an- 
gegeben, wie sich die Beamten in ihrem Range nach Religion re$p. 
Nationalität vertheilen. Wir werden aber hoffentlich nicht fehl- 
gehen, wenn wir hier berichten, dass den Juden die niedrigsten 



Puäten zufallen, und daäs i^i« keine Äuissiclit liaben. zu avancieren. 
Die grüsäte Zahl der jüdischen ßeftmteii ist im Knegsminiäterioni. 
Unter den 15 angegebenen Beamten sind unserem Wissens nicht 
mehr als 3 im Ofllciei siauge, die übiigeu Subalterne. Dann folgt 
der Keihe oacli das jMiiiistei'iiiui des Innern, wo wir einige Aerzte 
haben« die man allrnnhlig durch verseliiedeDe Cbicaneii ans dem 
Ditinsie verdrängt uod durch Ral^aren ersetzt. Diesem Ministeriam 
gehören auch einige unserer Stanimesgenossen als Wiichleute an. 
Dieselbe Zahl von jüdischen Beamten hat das Cümmutiications- 
filiuisterium, wo sie jetzt als Ingenieure und Aichitekten für die 
erüssen bulgarischen Bauten engagiert sind. In den anderen 
Ministerien sind sehr wenige jüdische Beamte. Zwei fiJini.slerieii, 
und zwar das der Finanzen und des Handel», siud judenrein oder 
besser, judenrein geworden. Und ;iucb a'idere Miniäierien wett- 
eifern ihrem Beispiele Fulge üu leisten. 

Ein Licht auf die socialen Verhältnisse zwischen Juden und 
Bulgare» vermag ein erst unlängst stattgehabter Vorfall zu werfen. 

Da eine Kirche die auf ihr lastenden Schulden nicht tilgen 
konnte oder wollte, so haben ihre Creditoren, die gottlob keine 
Juden waien, die Execution auf ihr nicht zum Gottesflienst be- 
stimmtes Vermögen gefülirL Dieser Kirche gehört auch ein Platz, 
der gar keinen Zu-ammenUang mit dem Kircbenhof hat und iu 
einer anderen Strasse sich befindet. Da ein Jude bei der Licitation 
mehr als die anderen geboten hat. so mosste er von Rechlawegen 
als Eigenthünier anerkannt werden. Als man nun erfuhr, dass ein 
Jude diesen Platz erworben hat, schriebeu die Organe von Zankow 
und Karawtbw sehr heftige Artikel, der Kirchenvoratand legte bei 
der Kegieritne Protest ein, die Eingepfarrten veranstalteten ein 
Meeting iiu Kirchenhuf, wobei sie erklärten, dass sie auf keinen 
Fall zugeben jiönnten. dass ein Jude in Basitz des Kirchenguies 
gelange. Manche drohten dem Käufer, wenn er nicht Verzicht 
leisten werde. Da der neue KigenthÜmer sehr gut den bulgarischen 
, Charakter kennt, der rasch von Worten zu Thaten schreitet, wenn 
ein Interesse im Spiele ist, so konnte er facüsch von seinem guten 
Rechte keinen Gebrauch machen. Er suchte anfangs die Gemütber 
durch eine grosse Spende für die Kirche zu bescliwicbtigen, ver- 
anlasste manche Blätter für ihn ein paar günstige Zeilen zu schreiben 
und sein Recht als Staatsbürger, sich an einer Licitation wie. jeder 
ander« vollblütige Bulgare zu betheiligen, in Schatz zu nehmeu. 
Um sich eiu wenig sicherer zu fühlen, verliess er Sofia, und wartete 
an einem anderen Orte den endailiigen Be.schluss des Kirchen- 
vorstandt>ä ab. AU dieser und die Pfarrkinder auf ihrem Beschlnsse 
beharrten, so sah sich unser Staatsbürger in die Nothwendigkeit 
versetzt^ auf sein gutes Recht zu verzichten und den Kauf rflck- 
gäugig zu machen. 

So illustriert sich die Gleichberechtigung auch in Bulgarien. 
Kücli iDteiessauter ist vielleicht die Verlegenheit, in welche die 



Sofiaaer Cnltnfigemeinde im vorigen Jahre g:ei&tben ist. Bis vor 
einem Jabro konnie m»n in Sofia in einer an der Verkelirslianptafler 
liegenden Straifse eine im maurischen Stile gebaute Synagoge neben 
einer Kirche sehen. Nun fasste daä Synagogal-Comitö den ßeschluss, 
am den vergrösserten Bedürfnissen uacbzakumnien, einen Er- 
weiterungsbau auf einem der Synagoge gehörigen PJatze aufzurühren. 
Man begann den Bau. Mittlerweile erfuhr man, dass der Kirdien- 
vorstand durcli den Bischof bei der Regierung Schritte gemacht 
iiabe, um gegen den von der ('uUusgemeinde ins Werk gesetzten 
Bau Protest einzulegen. Ks ist eben dem Kirchenvorstande über- 
haupt nidit recht, dass in der Nachbai*scliaft eine Synagoge existiere, 
and zweitens, dass der freie Platz nicht der Kirche, sondern der 
Synagoge gehöre. Mit Documenteji in der Hand haben sich die 
Mitglieder des Synagogal-Comites auf den ersten Ruf zum Minister 
begeben. Die Kegipruog hat eine specielle Commisson eingesetzt, 
die beauftragt wurde, die Frage zu entscheiden, wer nach den 
Documenten und den Plänen, Kigenihüraer des streitig gewordenen 
Platzes sei? Auch diese Commis-sion muttste das gute Recht der 
jüdischen Gemeinde anerkennen l'nd was ge*-chah? Die Zeitungen 
haben über die Jaden lo:^zuziehen begonnen. Diese gehässige Stimme 
der Öffentlichen Meinung, die natürlich aucli künstlich angefacht 
vorde. hat der Regierung die Möglichkeit verschafft, dem S}'uagoga]- 
Comit6 „fi-eundschaftiicbe" Vorstellungen zu machen, dass es im 
Interesse der Juden selbst liege, Verzicht auf den streitigen 
PUtz zn leisten und den Bau der Synagoge irgendwo anders herbei- 
• znföliren. Bauen ja doch ihre westeuropäisclieu Brüder die Syna- 
gogen, meinte der Minister, nicht in den Hauptstrassen. sondern in 
verschiedenen, abgelegenen, vom Hanptverkebr entfernten (jässchen. 
So musBte die Cultusgemeinde nicht nur der Kirche einen freien 
Platz schenken, sondern den Bau der Synagoge einstellen. Und es 
ist tief schmerzlich, jeizi statt des Neubaues Läden für alte Waren 
zo sehen, die den Synagogalhof in einen Tiödlerraaikt verwandelt 
haben. Es ist aber nicht nur der Besitz materieller Güter, der 
nicht sicher ist. Nicht selten sind auch höhere Güter anderer Natur 
dem guten Willen der Bulgaren preisgegeben, lind insbesondere in 
der letzten Zeit sind verschiedene richterliehe Ürtheile geeignet, 
das Sichei'heitsgefühl der Juden zu schwächten. Man bewirft sie 
and ihre Wohnangen mit Steinen. Frauen und M&dchen dürfen 
schon beim Anbruche der Dämmerung sich nicht weit von ihren 
Wohnungen entfernen. Wenn der Bulgaie seinen Kameraden zur 
«Haide na kojna" einladet, so heisst da», dass sie auf die Jagd 
gehen, um em jüdisches Mädchen zu nothzüchtigen. Ks ist charakte- 
ristiflcb^ dass einer von diesen Bulgaren, zur Verantwortung 
gelogen, behauptete, so etwas wie ein jus primae noctis zu besitzen. 
Es existiert Überhaupt eine Kluft zwischen den Juden und 
Balgsren. Von tieberrauth und Misstrauen ei füllt, meiden die letzteren 
deo Verkehr mit den ei-steren nnd suchen Geselligkeit io der 



HaapUtadt in eiDem au-scMiessIich för Herren gescbaffeneii Club 
(.SUvojanskaje Besäeda"), wo nur solche Jaden ausnahmeweise zu 
BälieD eiogeladeo weiden, die im Besitze von häbscbeo Töclilern 
sind. Uud wie es in Sofia ist, so ist es auch in der Provinz. Einer 
unserer VenranensmäiiDer aus Süd-Bulgarien schreibt nu5 : 

«Wenn man rou aaseren StammesgeooB!>en spricht, niu^^s man 
wissen, da&s wir uns derselben Rechte, wie unsere Mitbürger, nicht 
erfreuen. Der t^rösste TUeil der Juden besteht au^ Eaufleuten und 
Handwerkern und die Mud es. die in allererster Linie den Schlägen 
seitens ihrer andersglAubigeo Fat^li genossen attsgeseut sind. Kinen 
Bc^weis hiefür können wir in dem Umstände finden, dass die Zahl 
der Handwerker und EauHeute von Tag zn Tag sich vermindert, 
und dasj die Juden in die grossen Städte zn geben gezwungen 
sind, um ihr bitteres Brod zu finden. In unserer Gegend, wo factiscb 
keine Behörde existiert, kann der Jude frei nicht geben, ohne 
malträtiert zu werden und ohne Epitheta, die wolil auch Ihnen 

bekannt sind Der Jude darf überhaupt seine Stimme nicht 

erheben, denn die Umgebung, die die Gleichstellung der Juden nicht 
duldtft, zwingt ihn sofort zum Schweigen. Wenn ein Jude einen 
Proce.^s bat. so kommt er erst nach sehr langer Zeit auf die 
Tagesordnung, und das Motiv biefur ist, dass das Gericht mit an- 
deieq Processen beschäftigt sei. 

„Unsere Kinder können wir, mit kleinen Ausnahmen, nicht in 
die bnlsavi^'bea Schule ftchicken, da sie Bescbimpfongen seitens 
ihrej' SchnU'olIegen, die unbestraft bleiben, an:$gesetzt sind." 

So erklAreu alle hier heiTor geh ebene Momente genügend, ^ 
«Arum auch der bulgarische Jude nach einer neuen Erlösung in 
niuierer trauten histori«cben Heimat lechzt, warum Jedes jüdische 
Ohr in Bulgarien, wo die Idee des Cougresses so grossen Anklang 
geAiaden bat, Allem, was in dieser Versammlong gesprochen wird, 
lausL-bt, waium aufb das bolgirische Judentbnm mit so gi'osser 
SpauQUog die Uesultatt* der Congressarbeiten abwartet. Mögen sie 
witklich vom Erfolge gekrOut sein und zur Erreichung unseres 
erhabeaeu Zielea f&hreu! (Lebhafter Beifall.) 

Piitlilent: Das Wort bat HeiT Pr. Uonay znm Berichte Über 
die Lage d«r Jndon in l'ngarn: 

pr. Jiaoü Röimy (ßHluzsfaka): Uochgcehric Versammlung! 
Das über mein Yaterlaud vernommene Urtheil versetzte mir einen 
Stich ia» Her«. Aber leider nmas ich gestehen, dass davon doch 
Hauches sutri6ft. i>hno vorberoitoc zu sein, will ich kurz sagen, 
«M noch erf(.»rilorHoh ist- In l'iigurn, das ein selbständiger, kräftiger 
Staat ijt, «teben Freiheit und Gtirechiigkeit wie ein Fels im Meer. 
Wur aber historisch denkt, der musd sich sagen : lat denn die 
ll^liohkeit Ausgeschlossen, dass frOlier oder später die Fluthen der 
R«4icUoa und dor Yorwilderung so buch springen, dass sie den 
Fttiwa ülH'rduthen und ^'rouäo iStücke abbrückclnP Ungarn hat 

VXt ciflo freie Vorfuaduiig, sondern auch eine aufrtohtage, 



liberale, wohlwollende und encrgiBchc Rogieruitg. Aber die übrigen 
Elemente des SUiatca aind nicht alle von diesem edlen Geiste 
beaeelt. I'ngam besteht, um mich populationiatUch auszudrücken, 
&as xwci Hälften: Das reine Ungarn, m dem die Juden schon mit 
zugezählt sind, betragt weniger als die Hälfte ; die andere Hälfte 
bilden die sogenannten ^'fttionali täten. Die Angehörigen derselben 
•ind als Priratc ganz ehrenwerte Leute: aber ganz anders ist der 
Prirato. und ganz ander« wird der Mensch, wenn irgend eine polidsohc 
Leidonschiift über ihn kommt. ]^[it den Nationalitäten, welche mehr 
als die IlAlfCc des Staates ausmachen, smd wir leidlich ausgekommen. 
Jetit aber wurde von Seite der l.'ngarn und der Antiaeniiten die 
Legende erfunden, dass ohne die Juden das rngamthum bankerott 
•ein müftstc. Es ist nicht wahr, aber es wird geglaubt. Solche 
UänDer,, welche auf einen Particularismus lioff'en, glauben, daas der 
Jade im Wege stehe. So hat sicli bei der gro^iaeren Hälfte des 
Staat«» der Haas gegen lUe Juden entwickelt. Aber auch von Seite 
der äTiigvarcn gehen die Clericalen lieber mit den Feinden des 

^l:>laatea, um nicht dem Liberalismus Conceasionen machen zu müssen. 
Die aogenanntc Volkspartei, welche eigentlich eine christlich-sooiale 
ttaannt werden könnte, hat vor einigen Wochen im Reichstag mit 
Uispielung auf den JudenprocesH von TiH/.a-K.Hzliir offen erklärt, in 
Ungarn gebe es noch keinen Antisomitismua. er werde erst kommen)! 
Aber nicht nur diesen abgebröckelten Tbeil der Ungarn, sondern 
auch die Ucbrigen kränkt die Zumuthung, dasa sie ohne die Juden 
nicht bestehen können. Die Folge davon ist, dass, während eine 
Gruppe von Chauvinisten schreit, dass wir noch immer nicht genug 
magrarisicrt sind, die übrigen Ungarn tuis i*>0 Kreuzer- Magyaren 
nennen, weil iiünitich das tietjuch um Xamensändesung nur einen 
■ 50 Kreuzer-Stempel erfordert. Kin oonfessionellcs ungarisches Blatt, 
" das über den Zionismus gewettert hat, rausstc neuerdings gestehen, 
daas es in Ungarn dunkelt. Trotzdem haben vsnr die Huti'nung, 
dass der Liberalismus siegen wird. 

Der actire Zionismus findet noch keinen Boden in Ungarn ; 
trotedem ist es nöthig, dass aufklärende Schriften in Ungarn ver- 

t breitet werden. Juden und Christen fürchten sich immer vor der 
Einwanderung der uns Russland vertriebenen polnischen Jndcn. 
Schon uuj diese armen Leute von T^ngarn abzuwenden, sollten die 
Ungarn den Zionismus unterstützen. Ferner ist Aufkläriuig noth- 
weodig in der Richtung, dass der Zionismus mit dem Patriotismus 
nicht coIUdiert. Ich erkläre im Namen aller Ungarn, dass, so lange 
wir nicht in PaJästinn einrücken, wir gute ungarische Patrioten 
bleiben. Wenn wir in Palästina einrücken, ao worden wir dort 
ebeniio gute Patrioten werdeti, als wir heute ungarische Patrioten 
sind. Meine Herren ! 3Ieiu Ideal nämlich ist das, dass ich glaube, 
^ dass, wenn der ungarische Judo nach Palästina auswandert, dass 
H an dorthin ein Oankgefähl gegen sein einstiges Vaterland ziehen 
V vird. Ich wünsche allen Juden aller Länder, dass sie solche 



Gefühle hegen Hir ihr A'atcrlaud, -me ich für das meinige. Dann 
wird verwirklicht sein, dass in einem Völkchen der concen trierteste 
und condenaiertoste Patriotismus mit dem wirklich innigen Mitgefühl 
für ftllo Völker der Erde sich entwickelt. Dann wird das Judeii- 
thiim das Herz aller Völker werden. (Lebhafler Beifall.) 

I*rft!«ident: Ich ertlieile das Wort Herrn Büchtsanwalt Adam 
Roseuberg zar Erstattang des Berichtes nber die Lage der Juden 
in Amerika: 

Adam Rosenberg (Ncw-York) : Meine Iferron ! Ich hatte 
keine Zeit, ein Referat über Amerika vorzubereiten ; ich mitaste 
mich beschränken, einige Notizen zu machen. Ich werde mich kun 
fassen. In Amerika ist das Judentbum zu seiner letzten Consequenz 
gelangt. Das Itcsultat ist, dass jetzt von einer Trillion Juden, die 
jetzt in Amerika wohnen, es wenigstens 25 % sind, deren Sehnsucht, 
deren Europa-Müdigkeit, die sie nach Amerika getrieben hat, nach 
dem neuen gelobten Lande, sich umgewandelt hat in die alte Sehn- 
sucht nach dem alten gelobten Heimatlundo, Und wenn wir so 
weiter arbeiten, werden zu den 2r> "/o noch weitere Tfi % in allen 
Landestheilen hinzokomroen. 

Die inneren politischen Verhältnisse in Amerika, insoweit als 
sie die Behandlung der Juden von Seite der amerikanischen Autori- 
täten betrif!>, sind so ziemlich dieselben wie in England. Wird ja 
Amerika, wie Jedermann wpiss, als Tocbterland Englands betrachtet 
und hat seine Traditionen dem Mutterlande zu verdanken. In dieser 
Beziehung bat sich also der amerikanische Jude nicht zu beklagen, 
aber in anderer. Amerika ist der grosse ZuSnchtsort verfolgter 
Judeu aus den grossen europäischen Ländern, und dieser Umstand 
hat in Amerika Verhältnisse geschaft'en, die von denen, die in 
England herrschen, verschieden sind. Wir haben ungoRlhr fiO*/» 
osteuropäische Juden, davon sind die Mehrzahl russische und pol- 
nische. Amerika ist das am meisten capitiiHstisch ontwickolto Land. 
Der Druck, der auf den Massen tastet, drückt sich dort mehr aus 
als anderswo, und da wir alle wissen, dass die verfolgten Juden 
aus Osteuropa nicht eine Vergnügungsreise nach Amerika gemacht 
haben, so wirkt natürlich dieser Druck schlimmer auf sie als auf ^ 
andere. ^H 

Wir können bezüglich der Einwanderung in Amerika zwei " 
Epochen ontcracheiden. Anfangs, vor zwanzig Jahren, gicng man 
nach Amerika, um sein Ghlck zu machen, und viele, welche 
dort ihr OlÜck gesucht, haben es auch gefnndcn. Später sind solche ^J 
eingewandert, die dort wenigstens eine Heimstätte gesucht haben, ^M 
welche sich dort wirtschaftlich beaserstellun wollten, und welchen ^H 
68 nicht gelungen ist und welchen es auch nicht gelingen wird. Es 
ist 80 weit gekommen, dass das Arbeiterproletariat, wie es im euro- 
päiscben Volksleben hervortritt, immer mehr angeschwollen ist. 
Die öffentliche Meinung erhob sich nun gegen eine weit«re Ein- 
wanderang, die solche Elemente importiert, welcho den öffentlichen 



- A\ — 



fj\nstaU«n zur Lftat fallon. Man war gonölhist. dieser Öfl'entlii-hen 
Meinung Rcclmunp zu trn^en und neue EinwondorunKsgoeotze xu 
rlassen. Alte dit'äo Kinwati(icriint,'ä[:e3et'i£0 sind nicht untiseniitiacli, 
amiem eine politiach-ökonomisch« Selhatverthcidigung. 

"Wir haben unter den aniprikanischen. luden «ino auf tiOBondores 

gegenseitiges Wohlwollen sich stützende Solidaritfit, das bekannte 

nd in Europa auerkannto Urdensweaeii. Durfiber horrschten. wie 

'ich lu bcniürkon Gelegenheit hatte, grosae MissveratÜndnisse. Uaa 

» »rd^nswcsen ruht auf materieller Grundlage* indem es eine Art 

I^benaversicbening, eine Art äterheeasse oder dergleichen hihlrt. 

In ^Vmerika gibt ea allerdings auch eine Art AntisemitianiuB. 
Doch ißt er nur eine von eingewanderton fremden Elementen im- 
portierre Mode. Hin jetzt ist er nicht zum Ausbrach gekommen, 
aber er konnte sich doch weiter ausbreiten. 

Im VüFtlieilo sind wir amerikanisohen Jtiden ullerdingH dadurch, 
das« i!s in Amerika keine Nationen gibt,, sondern nur ein Con- 
glomorat vemchiedener Hassen. 

Man hat versucht, in Amerika Colonisationspolilik zu treiben ; 
lelbft m den Vereinii^ten Staaten haben sie!» jüdische Colonien ge- 
I Mldpt. Diese haben sich bis jetzt nicht als sehr erfolgreich erwiesen. 
Anstatt JusB die (.'olonisten Agricultur hotn-iben, haben sie eine 
gemischte Beschüftigung ; sie sind in einer Sai»on Bauern, in einer 
Fabriksarbpiter. Die Culüaisation Ut ausjfegimgon von industriellen 
und jüdiHrhen rrfschäftsleuten, welche die ^acho in ihrem Interesse 
bennti&t und ausgenutzt haben. Dann und wann hahon sie auch 
Quteubau treiben lassen. 

Es iat noch eine interessante KrHcbeinuug zu erwühneu, eiij 

tr Drang der früher assimilatorischen Juden, ein OcfühK das 

Qcktreibt zum alten .ludentluim. Das drückt sich am besten 

vu in der t.iründung eines eugeuannten nationalen Yereinea von 

jödiBChen Frauen, der sich, mehr unbewusst, auf nationaler Banitt 

aulbaut. "Wir haben eine jüdisch); Krauenbewegmig. Ich kann ihnen 

die Thfttsnche mittheilen, dass ein russischer juuger Rabbiner von 

reicJien jüdischen Dämon den Auftrag erhielt, in wohlhabenden 

Krpisen einen Cyctus von Vorträgen über jüdische 0*'schichte und 

L jüdl**rhe Literatur in verschiedenen Städten zu lialten. Das deutet 

jf hin, das« die Frauen sich vielleicht eher als die Vorkämpfer 

Zionieinus enveisen werden, als die Männer. Im Allgemeinen 

ist der /Zionismus in Amerika heutzutage nur verbreitet unter den 

liiMiiMihi II Eingewanderten, welche dort ihr Gluck gesucht und nicht 

Igelnaden hüben. 

Indem ich üchliesfle, will ich nur noch den Wunsch ausaprechen, 

duN die Arbeit unseres Congrcssos Erfolg haben möge. Der nächste 

Congreae möge stattünden in Jerusalem. I Lobhafte Zustimmung.) 

PrAKident: l^^^^ W.irt hat, Herr I>r. Max Nordan: 

Dr. Max Jordan: Notliweiidig ist das lieispiel der Kürze nnd der 

1 8«elili<ckkeiL leh werde also die geehrte Versammlung ersncheo, einfa£.l\ 



— «2 -- 

diu gehörten ßericlite zurKmuilnU za nehmen, und vielleiclit aacU fo1gendt>n 

Anti-as der Herren S. R. Landau und Dr. S. Werner, welcher lautet: 

„Da zur VerwJrkUcliitnff der zionistischen Idee eine genaue 

Kenntnis der socialen Difleren Vierung nnd der wirtschaftlichen Lage 

nuthwendig ist, beschliesst der CoQgress die Verfassung einer Berufs- 

statiHtik der Juden. 

Zu diesem Zwecke ist fnr jedes Land eine Arbeitscommis- 
sion. l)estehei)d aus miudesteus drei Mit^liedei-u uüt dem Recliie der 
Cooptation eingesetzt. 

Die Arbeitscommissioneu haben innerliftlb des uliclisten Jahres 
ihre .\rheiien zn vollenden und dem nUrhsten Congrcfiii Tonralegen."* 

Ich kann Ihnen diesen Antrag: lediglicii zur Annahme empfehlen. 

Präsident: Ich erthcile Herrn Dr. Kaminka das AVort ; 

Dr. A. Kaminka i' Pra^^ : Ich wollte bemerken, dass dieser Antrag 
zum Pnnkt ,.0rgani8Atiuu'' gehört. Es wird sich also empfehlen, ihn lünaus- 
znschiebon, bis wir die Drganisationsftage behandeln. 

Prfiaident: Herr Marmorek hat da.s Wort: 

Oscar Itlarmorek : Ich schliesse mich dem Antrage des nemi 
f'r. Kaminkn iiu. da idi einige Zusaticantnige bnngen möchte. 

PriHldeot: Das Wort hat Herr Dr. Bodenheimer: 

Dr. Bodenheimer iKölni; Fcli müehte mich dem Antrag Kamlaka an* 
sehüessen. Vor Erledigung der Organisationsfrage kann nicht über einen 
solchen Antrag abgestimmt werden. Ich bin also noch dafür, daaa man den 
.\iiti-ag zurückHtetll. 

PrftHideDt: Ich ertheile Herni Dr, Landau das Won: 

Dr. H. R. Landau (^Vien : Ich habe den Antrag nicht begründet, 
weil dieser Antrag selbst für sich spricht und weil vom Referenten dim 
auch nicht gethan ivurde. Ich glaube, dass der Antrag seine beste Be- 
gründung in dem hat. wbs heute vorgebracht wnrde. Dasjenige, was heate 
vorRebracbt wurde, ist zumeist nicht genügend statistisch belegt worden, 
weil wir diese Belege nicht haben. Wir kt^uuen nur im AII»enininen die 
Lage der Juden skizzieren. Der Antrag hat mit der Organisati onsfi-age 
nichts za ihnu. Die Organisation soll lediglich das Organ zur Durchftih- 
mng der Beschlüsse des Congressea sein. Der Antrag bezweckt, uns 
zu ermöglichen^ misere Reihen durchzublicken, unsere Armee kennen zu 
lernen. Mit dem Beschlusü über die Organisationsfrage hat dies meines 
ErachteuB nichts zu iltuu. Siud die Herren damit einverstanden, so bitte 
ich, den Autiap anzunehmen, wenn nicht, so bilie ich, ihn abznlehnen. 

Präsident: Ich bringe den Antrag Kaminka auf Verschiebung 
hiemit znr .Abstimmung. 

Der Autiiig Kaminka wird angenommen. 

P a n B e. 



Prüsidrnt: Ich ertheile Herrrn Dr. Nathan Birnbaara das Wort : 
Dr. Nathan Birnbaum (Berlin): Hochgeehrte Versainmluogl 
KiDe Bewegung bof^ründeu heiast sie als geschichtlich nothwendig 
nachweisen. Beim Zionismus stützt sich dieser Nachweis auf zwei 
ifautsüchlichc Voraussetzungen : Das oigenthüiuliche jfidische Wirt- 
schaftslcbeu und dos eigenthümliohe jüdische Nationallebun. l'ebcr 



- «3 - 



jüdische Wirtaehuftsleben aU Grundlage des Zionismus wird 
'tliDpn mein geehrter Correfcrent, Herr Dr. Furbstcin, Vortrag bftiten, 
während mir die Aufgabe zugefallen ist, den Zionismus vom Stand- 
punkte des jüdischen Xationallebens zu begründen. Allerdings wird 
sich wegen der inneren Kinheit des Stoffes die Arbeitstbeilimg nicht 
immer streng durehführen lassen. 

Ich habe von der Kigenthümlicbkeit des jüdischen Nütionnl- 
lebens als einer ThatsHchc gesprudien. Ich muss nttcbtragen. dass 
sie eine oft weggeleugnete Thatsaohe ist. Die Leugner gehören allen 
[ nationMlpoIitisehen Bekenntnissen an und sind in iibenxicgenffer An- 
zahl Juden. V.S werden ihrer zwar von Tag zu Tag weniger, und 
»uch der rmattind. daas nie zumeifit nicht vnn der Absieht, die Wahr- 
heit zu erfurschen, sondern von Tendenzen geleitet werden:, vermin- 
dert das Gewicht ihrer Leugnung. Hie and da gibt ea wohl auch 
emat zu nehmende Männer unter ihnen. Aber dieselben sind aus 
einem Missverständnissß heraus zu rrklfiren. Weil sie — theils mit 
Recht, theils mit Unrecht — in sieh selbst die jüdisebi* Nationalität 
Dieht mehr entdecken, Bchtiessen sie leicht begreifiicher aber ganz 
unberechtigter Weise, dass auch die jüdische Allgemeinheit ihrer 
Bi. Könnten sie etwas mehr aua sich heraus, sie wdrden die 

Nationalität mit Händen greifen, 
)io Präge, ol> irgend eine Nation ist oder nicht, ist in dem 
Aagenhlicke bejahend entschieden, wo auch nur ein Hensch die 
fragliche Xntion — er mag sich zu ihr zählen oder niobt — an- 
erkennt. Din jüdische Nation aber wird als solche nicht von Einem, 
wndpm von Hunderttausenden anerkannt, «larunter von fast allen 
Ninhtjiiden, und i<'h glaube, dass je<ler Unbefangene, nicht von Ab- 
wehrtendenzen BeeinHusste gerade die Stimmen der Letzteren zu- 
nundest voll zählen wird. 

Zweifel wären höchstens darüber denkbar, ob der Gebrauch 
der Wörter Nation und Nationalitiit genau zutrifft, ob bei ihrer 
Wiihl die feinen unterschiede beriii'ksichtigt wurden, die die Wiasen- 
£cha(it zwischen Nation, Stamm und Volk macht und macheu muas. 
Solchen Zweifeln N^ird am besten durch die Erklärung begegnet, 
dass V» sicli dem Ziurusmus im Grunde ziemlich gleich bleibt, welche 
der genannten UeKoiclmungen die wissenschaftlichste ist. Er behauptet 
«eine Giltigkelt für alle diese Fälle. Ist er sieh ja auch bewusst, 
dus die heutige jüdischi' Nutiotuilitilt — um bei dem Ausdruck zu 
bleiben — keine aus dem Schematismus ist, dass sie vielmehr eine 
caiD« Menge von Anomalien bietet. Und gesteht er doch noch oben- 
oiciii KO, sein Leben eben diesen Unregelmässigkeiten zu verdanken. 

Die jüdische Nation von heute zerf&llt in zwei culturell sehr 
angleiche Theilo, den kleineren in der abendländischen Civilisation 
lobenden und den grösseren uneuropäisohen Theil, der wieder aus 
den Jargonjuden des europäischen Ostens und den eigentlichen orien- 
taÜKchcn Juden besteht Je«ler der beiden Haupttheile weist nationale 
Anomalien auf. Üie östlichen Juden — namentlich die tien jüdisch- 



4^^Mt<<>hen Jargon tprecbeadeD. die drei Viertiieile de« jndischcn 

•.'•9 auemacben — bab«n eine nstÜMnle Indmdaalität, die sich 
m I räche und Spnuh«, i° Litenunr and Kunst, io Sitte und Brauch« 
im religi'iseo, socialen uod Hechtsleben ftondräckt, dm hetsst sie be- 
ntzcn eine eifj^ene CuUur. Aber dicM ihre Oütar ist aas l'roAcheD, 
auf dit* ich noch zurüekkommpo v«rd«. k«ui« (brtadireife^ndü. Sie 
liat keine Eotwicklong; miti^emacht. ^t ist sich gleich geblieben 
seit /,wei Jahrtausenden. Wohl bab«i sich auch im Ghetto Bewe- 
gun<;eii gezL'igt, die man auf den entea Blick ala normale Cultur- 
fortschritto d^^uten könnte — das ganze Mittelalter hindun-b ebenso 
^jie in der Gegenwart. Und in dieser besonder«. Man denke nur 
^ftn den grossen Äufi^chwung der Jargoo-I^teratur und an das Jargon- 
^T'heater. Uoch sieht muu uäiier zu. so findet mnn. da«ts hierin gar 
nicht von innen stamniende und im Innern Tcrlaufende Fortschriite 
der ostjüdlBchen Cultur gele<rfü seien, sondern da^s man es hier bloss 
mit einer uiifj*teigi'nden Civilisaiionsbewegung, die übrigens bis zu 
einem gewissen Grade mit der aufsteigenden C'lassenbeweguug inner- 
halb der Judenhcit zusammenfallt, zu thun hat. Es findet kein 
cultureller Fortachritt, >;oaderu ein Fortschreiten aus der Caltur und 
ein Hineiiisi^hreiten in die eurupriische Civilisation statt. Selbst die 
tieuhcltruiöt'hc Literatur trug vor dem Auftreten dea Ziunifimus den 
Charakter einer blost^en Veberleitung zum Kuropathum an sich. Diesem 
streben immer neue Scharen too Eigenculturjuden zu, die Zahl derer 
vermehrend, die schon längst bei ihm angekommen sind. 

»Nun aber zeigt sich das Wunderbare, duss auch mit diestrm 
Vebertritte die nfttionnl-cultureüe Anomalie der Juden keineswegs 
beseitigt ist, sie wird nur anderer Art. 

Um uns davon zu überzcugi^n, wollen wir zunächst das Wesen 
dessen lesatellen, was man europäische Civilisation nennt. Gewöhn- 
lich spricht man von eurnpjÜBoher Cultur. Dieser Sprachgebrauch 
fuhrt zu mancherlei Illusionen Er gewöhnt uns, an eine gemi-in- 
sanie IniliviilualitÜt aller modernen abendländischen Nationen zu 
glauben, dus hcisst, uns ein Welt bürgert hum zurechtzuzimmern oder 
von einer neuen gesammtcuropäi sehen Nation, die in Bildung be- 
griffen sei, zu sprechen, licidea ist grundfalsch. Die europäische 
Civilisation besteht aus zwei Ktemcnton, aus den Niederschlägen 
vergangener Cultnnpochcn verucbiedener A^'ilker und nus den Wir- 
kungen der gcinoinsamen ökonomischen Verhältnisse der civiliaierten 
Nationen. Dos zweite Element ist das hervorstecheodere, aber jeden- 
falls heben beide die Nationalität als solche nicht auf Im Oegen- 
theil, die europäische Civilisation kann ihrer gar nicht entrathen. 
Der Europäismus ist ein grandiuses Riiderwerk, in das jede« Volk 
erst den Lebenehauch seiner nationalen ludividualität, seiner 
nationalen Cultur cinblasen muss, damit es sich für seine (des 
Volkes) Zwoke in Bewegung setze. 

Und nun wiHsen wir, warum auch die europäisch gewordenen 
lldun eine Anomalie im Culturleben der Völker darstellen. Durch 



I 



I 



- «5 - 



ihren AuRtritt aus dt>r Gbettociiltiir hegobcn sie- sich ihres imtinnnlon 
CVI' .i;o9- Sie nehmen aber auch nicht NatiomilitiU und r'ultiir 

eil! -on Volke» an. So führen gie nun eine scharf iih^j^renzto 

, Sonderftxistcnz, doch ohm- eigenen CharRkter Ihr leiblicher und 
I geistiger Habitus ist ein anderer, nla der der Völker, unter denen 
l sie wohnen, aber er ist nicht, wie bei diesen, in ein Lcbonsaystem 
I gebrflchT. Ks ist das etwa so, wie hei Leuten, die wohl zu irgfcnd 
einer Iteschüfti^un}; eine beBondcre Hefiihigung mithringcn und sich 
; dadurch von ihren Mitbürgern unterscheiden, aber es nicht zu einem 
festen berufsmasaigen Ketriebe, zu einer Concentration ihrer Fähig- 
keiten gehnicht haben -.y 

Die Sachinge ist also die. dasa die europäischen Juden ni«tita 
besitzen, womit sie der europiüsdien rivilisation ein ihnen ange- 
pasates individuelle« Ijeben geben könnten. S« lernen sie wohl 
manch' civilioatorisch Wertvolle« von ihr, aber sie schaffen nicht 
mii eigener Seele neue oulturelle Werte aus ihr. Im Oegentheil. 
M'eil sie sie iindci-R als die Anderen, weil sie eio a!» AbBtraotum 
iehen, werden sie zu schweren Täuschungen und Missgriffe« verleitet. 
Zunächst halten die meisten, wie dies sr'hon Menselienart, ihm 
Tliiregelmäaalgkeit für die Regel. Daher kinnint es dann so häuKg, 
diuw sie aich den Kuropäisroue als nationonloses WeltbQrgorthum 
forstellen, wilhrend er in WirkÜehkoit nur in ihnen ohne Nationa- 
iitit tet. Dadurch trngen sie in die «m-ialc llewegung. an der ihr 
wböpferisohe« Gefühl sonst öo segensreichen Antheil liat, ein un- 
gesundes Ivleuient. Starker national fühlende Menßchen werden da- 
durch unDöthigerwoisc ahgoftt<js.^cn und geradezu dem Chauvinismus 
in die Arme getrieben. Selbst diejenigen aber, mit welchen die 
weUbüpj*erliche Propaganda leichteres Spiel hatte, wenden sich bald 
wieder uubelriedigt von den Jüdischen Agitatoren ab. Dann ist die 
tandeme Erseheinungi^fomi des alten JudenhaeaeB da. der aua- 
£e«prochene oder Terschänitc Antisemitismus, der inatinctive Wider- 
wille Aller, der Gesättigten sowohl, als der Knterbten, gegen die 
Tolksloaen, die nnbe.stiminbarcnj die Verdachtigen. 

Mofh schlimmer ist es, wr*nn »ich die europäisierten Juden 
»iureh ihr ubsrractcs Europficrtbum zwiir nicht zu welibürgerlicbon 
Th an tastereien verleiten hissen, aber es dafür mit reinen Yeratandes- 
angcn ansehen. Dann wird es ihnen zu der auf einigen Cultur- 
tDumien mhpnden nnkt«n, modernen Wirtschaftlichkeit. Ks entstehen 
j*n<* armen und reichen Jndnn, deren Gott das Geld ist. Solcher 
Mammoniädiener gibt e» freilich auch genug, vielleicht «benso viele 
bei anderen Völkern. Aber sie können dort nieht so corriioi- 
picreod wirken, weil ihr plumper Nützlichkeitsstandpunkt im Volke 
tn&ehttge culturelle Gegengewichte findet. IJnd ausserdem, den 
anderen werden sie höch.stens nachgerechnet, bei uns thut man (lies 
ni<ht, weil man uns wehrlosen Fremden nachsaß, wir seien alle 
IQ kalte, gemüthlose Bechenmenschen. Also wieder Stoff für den 
Aotiaeinitiatnus. 



Eine dritte verhängnisvolle Wirkung des abstrnctpn Earopäer- 
thuniA — iibcr, zum l'nteracbieilc von don zwei vorigen, schon aus 
der Ahnung seiner L^nzulänglichkeit hervorgegangen — ist jene Ke- 
wegung, die einen verkehrten Weg einschlug, um sich das Europäei^ 
tlium zu beseelen, die Assimilation. Nicht d i c Assimilation ist 
gemeint, die den Muth völligen Abfnlls durch Taufe oder Mischehe 
l hat. Die Verluste, die diese hervorrufi. sind mehr, mörbte man 
w^cn, arithmetische, wie sie Jedes Volk erleidet, und bilden daher 
— mögen sie auch bei den Juden häutiger und bedenklicher sein — 
keine wesentliche Gefahr. Nein, nicht von der rndicalen, wirklichen 
Assimilation ist hier die Kede. vielmehr von jenem feigen Aus- 
kunftsmittci einer SK^enauuien Assimilation unter Beibehaltung einer 
sogeounnten mosaischen L'oofessiou. So au-ssichtslns auch von vorn- 
herein infolge ihres inneren Widerspruchs die Lehre ist, ihre Schäd- 
lichkeit darf keineswegs unterscbätzi werden. Sie hat innerhalb der 
westlichen Judenheit eine Zerrissenheit de« (.'hjtrsktors gezeitigt, die 
noch srhlimnier Uu iils die Excesse welthürgt-rlicher PhantAsie und 
manimontstischer Berev'hnuii<c. Sie hiit hervürragendc Geister um 
die positive Volksindividuiilil&t^ der sie rostrebten. betrogen; sie hat 
ehrliche Menacbea sa lebensl anglich er Maskerade geprcsst und sie 
dadsrch moralisdi terE«tzt: sie hat niedriue Elemente zu einem 
Wettrennen um den Preis der höchsten Assimilation, diis heisst des 
grÖ<iisten AfTentalentt^, aufgestaebelt. Dieses widerliche Schauspiel 
thcilt sich dann mit dem nebelhaften Weltbürgerthum nnd aem 
df«isteo Mammoas^Uendieost in dieSchuld des riesigen Anwachsens 
^des Antis«mitünius. 

So sehen nch im civilisierlen .Tudenthum. das 

vielen naiven S , . ,\rt Rettung aus der Starrheit des 

Qheito er^eheinr, culturcUe Kräfte gebunden oder gur in cultur- 
x<tH»türende Kräfte umgesetzt .werden. Wir sehen den alten, fast 
hitto ich gesagt altfhr würdigen, .Indenhii^ zum Antisemitismus 

zu einer durcliMus an ticivitisatori sehen und unticulturulten 
11^. Denn daa isl er. Er führt die Völker bezüglich der 
«irhtig-sieii Kragen d«*s Menschengeschlechtes irre, er fälscht die 
natiunalen, politischen, socialen und religiönen Bewegungen und 
koinnit nicht einm«] seinem speciellen Lebenszweck, der I^ösung 
der .lu.' um einen Schritt nSher. Er weiss kein Mittel, um 

die duti' lern puropiti^ihen VCdkerloben zu eliminieren und 

wQ«to er es. für die Völker wäre damit im Grunde nicht allzuviel 
erriMchl, Für sie ist die Judenfrage am Endo doch nur ein — wenn 
tivioh mitunter recht störende« — Detail. Hauptsache, Daseinsfragc 
iBt dir Judetifnige jn nur für die eigentlich und unmittelbar Bc' 
troffcnon, für un» selbst, für uns, welchen sie eben an Leih und 
ävele gfiit — im ttalCD urtil im Westen. Wir müssen denn auch 
an ihr\^ Lüsuug denken, l' n s e r e Sorge muss es sein, die öst- 
UcUeii .Imlen dem rortsehritte xurückzugelven, den westlichen ihr 

iiropathnni lu beseelen. Das ist aber nur auf zionistischem 



4 
4 



4 
I 



niDglich, durch die Wieclerfirhebiin^ dftr jüdischen Kation zu 
«(nem ätautsTolkc. 

M»n hört sehr oft mit grossem Oelehrten-Applomb behaupten, 
dflflB der ZioQirinius nur durch den ÄntiseraitismuB als Rückschlag 
gegen denaelhen honrorgerufcn sei. 

Nun ist ja nicht zu h;ugnon, ilnus liiw Anwaohacn der zio- 
nistiflchen Bewegung zusamnientalU mit dem Anwachsen des Ann* 
•emitismuSf und der Sehluss liegt nahe, das» der Zionismus ntir 
Ton der Oofidu desselben lebe. Und doch wäre das ein arger Fehl- 
schlusfl. Man niuss si<'h nümlich nur daran erinnern, dass jede 
Bewegung Ursachen und Anlässe hat, mittelst der erstercn ihre 
Pionnicre, mittelst der letzteren ihre Truppen heranziehend. 

Der Zionismus aber kann stolz tod sich behaupten, dass alle^ 
die an seiner Spitze standen und stehen, entweder bereits langst 
über die HUtisemitischeu Anlüsse hinausgewachsen oder von allem 
Anfange an von der Anomalie der jüdischen Volksexistenz aus- 
ge^fingen. da« heisst von der Sehnsucht nach einem normal fortschrei- 
tenden, nationalen Cutturlelien üriullt sind. Insoferne sind sie die 
Nachfoljrer einer grossen Reihe von Männern vei^angener Jahr- 
hunderte, die dieselbe Sehnsucht hutten. Nur. dass sie unter glück- 
licheren Sternen geboren t^ind, als ihre Vorgiinger, nicht etwa, weil 
ihnen der AntisomitisniUB zu Hilfe kommt., sondern, weil sie ein 
durch die europäische Civili«ation für ihre Zwecke reii gemachtes 
Volk zur Verfügung haben., was jene nicht hatten. 

Sulange nämlich die aufsteigende Civil isatii.msbewegung ans 
dem Ghetto in» Lager Europas bloss eine sehr geringe war, konnte 
eine »onistische Strömung keine Aussicht auf Qelingen hüben. Denn 
es fehlte ihr ein Volk, das stark wollen konnte. Das lernt man 
im Ghetto nicht. Dieses kennt bloss das Sehnen. Erst als durch 
den Massenaufstieg zum Kuropnismus im Westen, wie im (.>8ten 
pine Generation erstand, die von der abendlämlischen C'ivilisation 
mit ihren grossen thatkräftigen Nationen das M" ollen erlernt hatte, 
war die Bahn für den Zionismus geebnet. Jet/t gab es keinen 
inderen Weg mehr. Rs war nur mehr eine Frage der Zeit, wann 
dtr Zionismus sich durrh.sctzen und die kurzlebig zur Welt gekom- 
naene Assimilationsviirirruug niederringen musste. Zugleich war 
biedurch die Zukunftsentwi^-klung des jüdischen Vulkea untrennbar 
Büt der europäischen Civilisation verknüpft. In ihr war ja die 
Torhter Israels erst mannbar geworden, in ihr erst dem Bräutigam 
entge gengereift. Der Bräutigam aber, der künftige Gatte, der sie 
einem neuen, fruchtbaren, lebengebärenden Leben erwecken soll, 
das eigene Land. 

Der Mangel des eigenen Landes ist es, der die Anomalie der 
bisherigen Volksexistenz der Juden Terschuldet hat. Ohne eigenes 
lAnd ist der Europäismus der westlichen Juden unfruchtbar, ohntr 
eigenes Jjand ist (Üe nationale Cultur der ostlichen Juden im StiU- 
«timd verblieben. Das eigene Land her und aus den Juden des 



Ostens wird ein fortsrhrittliches fulhirplftmont, aus den Jndon de» 
"Weateim worden national-tliarÄctftristiaohc KuropÜor, aus beiden ein 
pinboitliches Volk mit iibendliindieclier Civilisation und innerlich 
fortscb reitender nationaler Cultur. 

Beginnen wir den Kacliweis dieser Behauptung mit den .luden 
da» Ostens ! 

Weshalb ist ihre Eigencultnr Iceine fortscli reitende ? 

Zunächst deshalb, weil ihnen eine wirti^chaj'tliche Stütze fehlt, 
die anderen Kiitinnaltiulturen nicht versagt ist. Sie besitzen keine 
nationale Wirtschaft, lebe» vielmehr inncrhall) einer (rcmden National- 
wirtschafr. und nicht auf gleichem Fxiase mit deren Angehörigen. 
Bas hat der alte JudenhasR so eingerichtet. Die productirsten Be- 
schäftigungen sind ihnen gans verschlossen^ die speeulativen zum 
Theile. nur die verhrechorisehen sind ihnen so freigegeben wie jedem 
andern. Dieser wirtschaftliche Ausuahniszustand erzeugt auf der 
einen Seite einen ungeheuren, still ergebenen l^iuperismue, auf der 
anderen einen rücksichtÄlo.Hen Mammonismus. Die einen, die Ver- 
elendeten, haben überhaupt nichts, die anderen, die Geldjäger, 
sofeme sie zu Geld kommen, nieht.H für die jüdische C'ultur, die 
sie ja gewöhnlich mit der Armut verwerfen, l))i9 muss aber gan» 
anders werden, sobald ein eigen Land da ist und die dazu gehilrige 
mehr oder weniger politische Organisation. Diese — gleiehgiltig, 
oh eine solche in der gegenwärtigen Form oder irgend eine sociale 
der Zukunft — hat nämlich eine, ich möchte sogar sagen, die 
Hauptfunction, seine Bevölkerung wirtschaftlich zu organisieren. 
(-Tibt es eine solche Organisation — und mag sie auch die mise- 
rabelste Wirtschaftsordnung darstellen -~ dann schafft sie auch 
inatcriello Mittel zur Unterstützung der nationalen Cultur. Dann 
können nie so ausgedehnte Yolksschichten für die Culturstener 
lahmgelegt, nie ganze Volksdassen für dieselbe verloren werden, 
wie dies bei den Juden des Ostens der Fall ist. 

Aber nicht bloss als politische Organisation vorbürgt da« 
eigene Land den östlichen Juden die Fortschrittsttibigkeit ; auch 
immittelhar durch sich seihst thut es das. Es gibt nämlich noch 
einen zweiten Grund für das Stehengebliebonsein der ostjüdischen 
Kigencullur. Ein fester Bau, wie sie ist, muas sie irgend eine Basi« 
haben, worauf sie ruht. Diese Basis ist das Gesetz, also etwas 
Geistiges. Nur Geistiges aber vermag den Geist zu binden. Soll ein 
Fortschritt möglich sein, so darf ein Gesetz nicht bloss UnteHage 
der Cultur sein, sondern muss mehr, weit mehr sein, musfl eich 
nämlich mit und innerhalb der gesammten geistigen Entwicklung 
4es Volkes fortbewegen. Die Unterlage aber für diese kann nur 
der irdische Heimataboden sein. Denn er hat nicht die Macht 
die Volksseele zu fassen und zu fesseln. Er erfüllt sie bloss — 
namentlich durch Vermittlung des Bauern Standes, der die näch- 
sten und innigsten Beziehungen zu ihm unterhält — mit seinem 
Oerucho. 



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Dieses Erdgoiuches, der die VolkscuUur auf allen Uircn Wegen, 

»nf ihrem Wachstlium in die Tiefe und Ureite begleitet, bedürfen 

aicht bloss die Juden des Dstens, um ihre Gliotto-Cultur in eine 

naiionale Fortäcbritts-rultnr zu Tcrwnndcln. Auch die Juden den 

Westens haben ihn und nur ihn nüthig, iim ihr abatroctos Europiicr- 

tbum zu überwinden. Hei ihnen ^cht der GesnndungsproceRs anders 

titr ä\c\\ als bei ihren ui^tlichun Ürüilern. Während diese durdi die 

sionifitiächc Lösung dirccl gesunden würden, bei ihnen nUü der 

VorgftDff sich in einem Acte abspiolen würde, brauchen jene zwei 

Acte. Den einen haben sie schon liingst hinter aieji. Er bestund 

in der Tödtung ihrer jüdischen Ührtto-t'ultur durcli den Europiiis- 

nitt». So sind sie don ätilistiind, dio pormauent erklurte Verguni^en- 

fafiit bis geworden. Sie leben die Oegenwart mit, aber es ist nicht 

ihr Lebon^ das sie loben, t'nd darum muss der zweite Act kommen, 

der ihnen das fremde in ei;:enps Leben umtauscht. Darum müssen 

ihre natürlichen, nationalen Kigenschuften dir territoriale L'nterlage 

erhallen, tlJe ihnen ein culturclles Gepräge zugleich mit cuUiirelter 

Fortxchritti^nthigkeit vt^rleiben sollen. * 

Ist das geschehen, dann liegt nichts mehr Kwischon den beiden 
erlöston Elementen des jüdischen Volkes. Oder vielleicht dochi' 
Sollte da« nicht sturen, das» die Einen in europäischer Civilisation 
leben, die Ämleren nicht? Nein, denn schon in der Kruge liegt 
liiT fehler. Man darf niclit vergessen, dnss hier nicht von den- 
jenigen die Rede ist, die in ihren Gulus-Talerländern zurückbleiben^ 
— die Wirkung der fernen neuen Heimath auf diese wird noch 
bürflfart werden — sondern von jenen, die in dem einen Lande, 
du rtie 7.U ihn*r gemeinsnmen Volksheiniat bestimmten, zti-'^amnien- 
gekomuien »ind, um zusammen zu leben. Da ist aber gar nichts 
anderes uiögticfa, als dns.^ die iiühero Civilisationsstufe, das hetsst in 
der HjLupt^aohe die höhere Wirthschaftsstufo über die tiefere siegt, 
Daran kann kein Zweifel sein Und ist das sicher, dann ist eine 
Ausgleichung der Lebensgewoimheiten — als das einzige, um uas 
es sich noch handeln kann — nur eine Frage rerliültnismäasig 
kvrzor Zeit. Die einheitliche jüdische Nation mit fortschreitender 
BationaUtr Cultur und europäischer Civilisation ist gegeben, gegeben 
durch das Land. 

Doch man glaube nicht, dass der Cultiirgewinn einer etwoigen 
jüdischen Landnahme bloss auf jüdischer Seite lüge. Wir wollen 
gewiss keine Culturmiasionare mehr sein, aber es darf uns freuen 
und sollte Tun anderen nicht unvermerkt bleiben, dass mit der von 
uns erstrebten Erlösung unseres Volkes ein allgemeiner Cultumutzcn 
»erhunden würe, und zwar ein doppelter. Zunächst bedeutet die 
Wietlerberstellung eines jüdischen Oulturcentrums die allmiilige, 
»l>er gewisse Losung der jedenfalls culturwidrigon Judenfrage auch 
L für die Völker. Sie ist nämlich gelöst, sobald diese ihre besonderen 
■ gesetzlichen oder gesellschaftlichen Massregeln gegen die Juden 
I entbehren xu k()nQen glauben. Das kann jedoch — der Hauptsache 



nach nnd von politischen Emtugeconstellationen abgesehen — nur 
dann eintrotcn, wenn die Juden nirgends mehr durch Zahl oder 

Iionopolisierto Berufe aufiaUen. und wenn sie auf völkerrechtliche 
ichhing Anspnich mnohen dürfen. Beide YorauaBetKungen aber 
rerdcn erat durch die jüdiHchelleimHtätrfi möglieh. Je mehr dieselb© 
wtarkt, je grrosser und borufsmanui;^ftltiger ihr juiliacher Zufluss 
aus allen Ländern wird, desto unxweifelhaftei- und würdiger wird 
die nationale, sociale und culturclle Stellung der Kxilsjuden werden 
und auch den Juden erscheinen. 

Weit über diesen indirecten Gewinn geht jedoch der dirente 
Nutzen, drn die Mouschlu-it aus der völkerrechtlichen Rehabilitierung 
des jüdiaclien Volkes ziehen wird. Durch dieses geschichtliche 
Ereignis wird die europäische Civiliaationskarte um eine neue 
Culturrarbc bereichert, wird dem conereten, dem lebenden Euro- 
päismus ein neuen Volk zugeführt werden — ein neues und doch 
altes, erprobte.*! Volk. Es ist das ein Volk, das zu den nationalen 
IJpstandtheilen der allgemeinen abendländischen Civilisanon so viele« 
boigetrngen hat, und das kraft seiner Anlagen und seiner eigen- 
thümlichen Entwicklung noch befähigt scheint, an einem gewaltigen 
Civilisationswerk wesentlichen Antheil zu nehmen. Da» Europfier- 
thum ist nämlich weniger deswegen, was es gerade heute ist, zu 
schätzen, als wegen der grossen Möglichkeiten, die in ihm ruhen, 
wegen der Früchte, die sich aus seinen Keimen entwickeln müssen. 
Wenn einmal seine grnssnrtigo Wirtschaftsmuschine nicht weniger 
_Ton social-etfaischcn als von politisoh-ästhctischcn Culturelcmentcn 
Hilurchseolt sein wird, oder richtiger, wenn einstmals diese beiden 
Elemente eine unlösliche Verbindung eingegangen sein werden, 
dann wird der sn veredelte Europäismus <ler höchste S^gen der 
Menschheit geworden sein. VTer aber sollte rähiger sein, dieee 
Civilisationsstufo der Zukunft allen Völkern voran zu crklimmeo, 
als jenes Volk, das durch den Lauf seiner Geschicke zu dieser 
Ffihigkeit gerade/u gczflchtet wurde. — als Israel, das sich in vier 
•liihrtausenden ein unerrtMchtcs Gefühl fiir sociale Gorechlij-keit und 
von der mnderiicn europäi.-ichen ('ivilisation, dieser rasch und grund- 
lieh unterrichtenden Lchrmeistcrin, den Sinn für staatliche Macht 
und ächönhejt des Lel>ens erworben hat. itit dieser glücklichen 
Mischung seiner Scclenerningenschaftea hat es wahrlich nicht nöthig, 
ein heimloses, zigeunerndes Dnflcin zu führen — sich selbst zur 

rst und Niemundeni ;.ur Freude 
•la, kann man denn aber willkürlich in die Geschichte ein- 
greifen y wendet goängstigte Gelehrsamkeit ein. Willkürlich Y Spielt 
^«Ich denn Geschichte, für unsere Augen wahrnehmbar, je anders 
^Abi als doss Menschen sich Ziele setzen, verfolgen, erreichen oder 
nicht erreichen? l'nd gibt oder gnb es denn Je ein anderes Mittel, 
um sich ilcr Gcschic-htsgemiissheit einer ergriffenen .Massregel zu 
yersichorn, nU eine Pröfunß: ihrer geschichtlichen Folgerichtigkeit? 
'. diese Prüfimg ein zufriedenstellendes Ergebnis, so kann man 



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wohl hoiren^ mit seinen Iinpu]i>cn und WüoHchen anf der richtigen 

FShrte zu sein. Soloir imürecter Beweis ist bei politischen Be- 
I wegnogen berechtigt und einzig möglich. Directe Beweiae pro 
H futiiro sind einfach ausgenchlnssen. Dns wÄro goscliichtliche Karten- 
^ anrscblägt^rei. Die botreiben wir nicht. Diigcgen hat die zionistiscIiQ 

wi«* jede grosse Bewegung etwas rrophetistdies un «ich. Man niiiss 
K nnr Organe hfiben, es zu merken. 
H Doch sind wir noch koinesweg-s am Ende unserer Bewria- 

fTihrunjr angcUngt. Denn was bislier über die geschicbfliclic Folge- 

^riohtigkt■it de« Zionismus gesagt wurde, bezog sich bU)8« auf die 
Kothwendigkeit einer r.andnahme. Die Juden brauchen ein Liiiid^ 
^ müssen es nach dem G:iiige ihrer Kniwicklung haben und werden 
P zweifelsohne besitzen. Das war das Ergebnis, An dieses kann 
nun jeder, der nicht justament eine Öchwarz-auf-Weiss-BÖrgschaft 
verhingt. den sicheren Glauben knüpfen, dass sich schon irgend ein 
passendes Erdenwinkelehen werde finden lusscn. Der Ziiuiismiis 
geht «her weiter. Kr verlangt f^erade Palästind. Darum müs.sen 

Iwir auch noch diese Forderuui;, niinicnthoh nacli der culturgoachieht- 
lichen Seite hin^ begründen. 
Man kann dieselbe natürlich vom Standpunkte reinsten Ge- 
föhJes erheben, und es besteht kein Zweifel, dnss sich ein grosser 
Theil der Zionisten hiebei wirklich nur von Gefühlen leiten lässt. 
tEs wäre nun lächerlich, bloss deshalb, weil man vielleicht selbst 
reiner VerstandesTnensch ist oder niirh anderen Richtungen gehende 
Oeftiblc hat, die romantischen und Pietiitsgcfühlc Anderer zu ver- 
böbnon. Allerdings aber müssen Gefühle, die in den Dienst <lcr 
Oesammtheit gestellt wcnlen sollen, zuvor auf ihre Nützlichkeit für 
diese geprüft werden. Ind so konnten die YorkUnipfer eines jüdischen 
' öenieinwesfns mit Ke»'ht gegen Palnstin.i sein, wenn sich trotz der 

Iför dieses Land im jüdischen Volke, vielleicht sngar in ihnen selbst 
Torhandenen Gefühle mit denselben schlechterdings nichts aufungon 
Jiesse. Nnn lüsst sich aber mit diesen Gelühlen «ehr vieles anfangen, 
Henn das Land, das die Juden haben müssen, braucht wohl nieht 
unbedingt eine besondere Anziehungskraft zu besitzen, — die Au«- 
ijchr, sich Xoth in Iteh:igliclikeir zu wandeln, macht dem Aus- 
wanderer am Kndo jedes l_,and recht — aber es musa unbedingt 
Über eine andere Kralt verfügen — eine Kesthsiltungskraft. Das 
Land muss die jüdischen Zuzügler so lange festhiilten können, bis 
der lauire Procesfl seiner rtnwandlung aus einem unstät wandernden 
IHandeUvolkc in ein sessballes Volk aller Berufe, besonders aber 
such des Ackerbaues, das heisst aus einer culturlosen in eine Onltnr- 
nitioD zu Ende gekommen ist. 
Und diese Kraft hat eben nur Palästina, durch die Gefühle, 
die es der ^fas.>^e des jüdischen Volkes einHösst. Diese Gefühle sind 
die einzigen erfolgversprechenden, durch verschiedene Colonisations- 
»crsucho schon erprobten Werkzeuge, um die Ketten des (Jnlus 
md des Ghetto, die sich Israel in die Freiheit nachschleppen und 



es ziirückzuzorren vftrauchen werden, zu zerreisson. Oder, um die 
Snelie durch ein ftUerdings sehr ni odernisiertes und modificiertea 
bildiachea Dild nach dcuttliber zu machen — die Zionsgofüblc 
allein können verhüten, das» sich die Neunnf^esiedelton aus den 
ilerliheiten junger Freiheit und Cultur zurücliBehnen nucli den nfter 
leeren nis vollen Fleischtöpfen der Golusländer und dasa sie diesem 
Sehnen nachgeben. 

T)ie8e Onrancieleidtung Piilästinaa ist ein so grosser Vorzug, 
dusn es schon durch Um allein 7.11m einzig in Betracht kommenden 
Lande wird. 

Aber CS spricht noch etwas für Palästina. Auch bezüglich 
seiner läuft, wie beim Zionismus überhaupt, ne)>en dem Nutzen für 
die .Fudcn selbst ein solcher für die Menschheit. Auch hier sei es 
nochnial» betont : Wir wollen keine Cultur- oder Civilisations- 
misslonäre sein, nirgends, weder im Westen, noch im **8tpn. Aber 
es darf uns doppelt freuen, dass wir gerade durch die Wahl Palä- 
stina» wieder (relegenbeit eriialten, an einem Menschheitäwerkc, 
und wieder in hervorragendster Weise, milzuarbeiten. Ein jüdisches 
Ötaulpvolk, daK sich in Palästina etabliert, wird nämlich nicht bloss 
im Inneren der Mittler zwiscben den social-etbischen und den 
politiBcli-iiathetififben Klenienten «les Europäismus, sondt'rn auch nach 
aussen der langgesucbte Mitiler zwischen Morgen- und Abendland 
sein. Denn weim irgend ein Volk dazu befähigt ist, so das jüdisobo, 
mit seiner anererhten, orientaliscben Eigenart und seiner europiiischen 
Erziehung; und wenn irgend ein Land geeignet ist, diesem Mittler- 
thum einen territorietlen Stutzpunkt zu bieten, so Palästina mit 
seiner Europanähe, seiner Lage am Suezcanal und als unausweich- 
liche Station für den Eisenbahnweg nach Indien, 

Man sieht : Die Wahl Palästinas — weit entfernt, eine Will- 
kürlicbkeit zu sein — verstärkt ganz im Gcgentheil die Bürgschaft 
dafür, dass eine Landnahme durch Israel geschichtsgcmäss ist. 

Dennoch werden Einwunde auch speciell gegen Pablstina 
gemacht. Entsprechend dem concreteren Gegenstand des Angriffes, 
wird hier aus der geschichtsphilosophischen Willkürtichkeit die 
praktische Vnmüglichkeit. 

rnmoglich I Das ist ein recht getalirliches Wort, mit dem sich 
im Grunde jedes neue l'ntemehmen, jede neue politische Aetion 
lahmlegen liUat. Dieses Wort ist der Tod jeder That, wenn man 
es über die Grenzen des notorisch XaturunmiVglichen oder Geschichta- 
mimöglichen zu einem unbestinimten Schreckbegriff werden läast, 
Wüim sich die Zionisten etwa voniehmen würden, ein jüdisches 
Gemeinwesen im Monde oder auch nur am Nordpol zu errichten — 
das wäre unmöglich. Oder, um nicht so weit zu schweifen, wenn 
sie es bloss in China oder mit der lliiuptstadt Berlin, Paris, London 
oder Rom gründen wollten^ auch das wäre unmöglich, und scwar 
ftus goBchichtlicben Gründen. Denn es ist einfach ausgeschlossen, 

eine neue, noch schwache Cultur eine alte, noch starke Cultur 



4 



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dichtbevölkerten Sttidten verdränge. Dagegen ist es sehr 

Dhl niäglieh. iIil^k in piu Brhwnrhbnvfilkprtea Lnml, in dnni eine 

•her verfallondc Cultiir wohnt, eine junge aufstrebende uml 
stärkere einzieht. 

Ist das einmal festgestellt, dann kann nicht mehr von L'nmögHeh- 
keiten, höchstens von Schwierigkeiten und Hindernissen gesprochen 
werden. Vor solchen aber weicht nicht zurück, wer kühn und 
geduldig ist. 

Von diesem GeHirbtspiinkte aus ist gegenüber solchen blossen 
Schwierigkeiten meine Bcgründungsaufguho erledigt. Schon Über 
dieselbe geht es also hinaus, weim ich so kurz als möglich auf die 
hanptsachli<:hsten Schwierigkeiten einjjnhe. 

Dahin gebort zum lieispici da« Bedenken, <\as^ wir die (.'on- 
etirren?: mit oulturälteren und eulturstiu'keren Anwärtern ituf Paläslina, 
nicht bestellen könnten. Die Sache ist so schlimm nicht. Wfire sie 
es, so wären In den letzten .lahrzclmtcn nicht die vielen kleinen 
Nationalstaaten entstanden. Die gegenseitige Kifersucht der Mächte 
auf der einen Seite, auf der anderen Seite die IMiatanche, da^s trotz 
Klier mutcrialiatiscbcn Theorien auch ideaÜRtische Motive bei Gründung 
neut-rSttiiUen «ich geltend maebea, «ind geeignete Momente, um 
derlei Befürchtungen lu zerstreuen. Andere, nicht zu uutHrsrhätxende 
Schwierigkeiten sind, duss die Juden gegenwärtig einen so geringen 
Procentaatz der paläfltiniscben Bevülkerung bilden oder dnsa sie in 
Europa nicht so beliebt sind, wie etwa am Anfange dieses Jahr- 
hunderts die Griechen wiiren, aber diese Nachthoile werden wieder 
von besonderen Vortheilen aufgewogen, so von der hervurmgendcn 
Intelligenz dea jüdischen Volkes, seiner sprichwörtlichen Hartnäcki-;- 
keit und Zähigkeit, endlich von der zu erwurteuden Hilfe der ebr- 
licben und gemässigten Antisemiten. Neben diese-n wird es übrigens 
aoch direct Philozionisten geben — darum, weil der Zionismus 
vielen CivilisationAhutfnungcn europäischer .Mcnsohenkategorien Er- 
fälluiigen verspricht. Mun hört oft nach Bedenken wegen des 
heiligen Orabes. Durch eine Exterritoriuliüierung der christlichen 
heiligen Stiltten kann ja allen diesbezüglichen Verwicktungen ein Hiegcl 
Torgeaohoben werden. 

Doch genug! Ich habe die Empfindung, als hätte ich mich schon 
fiel zu Tiel in diese nicht mehr zur Begründung des Zionismus gehören- 
-i eingelassen. M*ir sehen dieSchwierif^keiton ganz gut, die wir 
Schritte zu überwinden haben werden. Wir haben ja auch 
ifen (Jongreaa einberufen in dem Bewusstsein, dasa wir erst am Anfange 
cinm Peidzuges stehen, in dessen wechselvollem Verlaufe wir noch 
mancher uneinnehmbar scheinenden Position begegnen, noch manche 
Nie*ierl»i;r erleiden werden, zugleich aber mit dem Vorsätze, uns 
durch tiieil weise Enttäuschungen und vorübergehende Misserfolge 
nicht äbachrccken zu lassen und in der innigen Ueberzeugung^ dasa 



una der endgilti^e Sieg sicher iat. Thun wir nur unaere Pflicht, 
formulieren wir imset Wollen^ erheben wii- unsere Forderungen» 
'appellieren wir an das Innresse und den Idealismus unserer 
europäischen Mitmenschen, alles Andere wird eich finden — unser 
Ziun wird wieder erstehen, dem gepeinigten und gedeniüthjgten 
Israel die Stätte der Krlöeuog und Aufnchtoog, der veredeUten 
enropsischen Oesittung ein neues, fruchtbares Heim. (Lebhafter 
Beifall.) 

PrÄfiicient: I»a8 Wort hat Herr Dr. Uavid Farbsteio. 

Dr. David Farbstein iZüricb): Verehrte Anwesende! Wir 
haben uns hier versamnieli, um über den Weg, den die Zionisten 
einschlagen sollen, za discuiieren. Wir müssen zuerst darüber im 
Klaren seiti; was wollen die Zionisteu und weswegen wollen sie es? 
Die Ziüni^ten wollen vermitteist einer planmässigen Emigration der 
Juden nach Palästina uielit nor eine jüdische Ge^ellscliafi ins Leben 
rufen, sondern auch die Veränderung der okonoraiycben Lebeusweish 
dei- Juden lierbeifübren, aus dem jüdischen UandelskrKmer- und 
Kieinbandwerkervolk ein landwirtschatllich und industriell arbeitendes 
Volk machen. Die Zionisten wollen dies, weil sie die Anschauung 
vei treten, dass eine Emancipation der Juden von ihrer bisherigen 
(»konomlsclien Lebensweise, wie eine Emancipation der Judt^n in 
allgemeiner nationaler, religiöser und culiurelter Hinsicht nur nod 
erst in einem eigenen jüdischen Lande erfolgen kann. *J 

Wir hruten was die Zionisten wollen und weswegen sie es 
wollen. Es entsteht Jetzt die '/weite Frage: wer sind die Zionisten. 
^Die Zionislen bilden keine Partei, man kann zu ihnen von allen 
Parteien kommen. Der Zionismus umfasst alle Parteien des jüdischen 
Volkes. Der Zionismus ist das jüdische Volk unterwegs. ^) Der 
Zionismus ist keine Partei und trotzdem wird er mit der Sicher- 
heit und Kraft eines mechanisch wirkenden Naturgesetzes eine 
Gruppierung der Juden in Klassen herbeiführen, ^) denn die Zionisten 
sind die Armen und Unterdrückten in Israel, die Anlizionisteu, die 
Juden, die dem Zionisnms feindlich gegenüberstehen, sind die Satten 
und Vergnügten, die sich als Verachtete und üeschimpfle wohl- 
fühlen und den Unzufriedenen und Ungeduldigen nicht verzeihen, 
dass sie eine Anstrengung wagen wollen, ohne auf das ruhige Be- 
hagen der Selbstlinge Rücksicht zu nehmen, die für sich irgend eine 
entfernte üble Kolee der zionistischen Bewegung fürchten. ') Wir 
denken hier selbstredend nicht an diejenigen Juden, die dem Zioois- 
muä nicht feindlich entgegen-, aber auch nicht für denselben ein- 
treten, weil sie an der Durchfülubarkeil der ziouisüscheuPiäue zweifeln. 




- 9S - 



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Das Ziel und Streben der Zionisteii ist also klar, and trotz- 
dem wird es immer entstellt und mifsversbinden. Die eiuen 
betmcliifu uns als reactiouäre Kleiikale, die anderen als anti- 
reli^öä« Umstfirzler. Wir sollen, wird ans von unseren Gegnern 
gesagt, nur eine satte Partei der Intelligenz sein, unser ganzes 
Streben sei darauf gerichtet, dass die Rabbiner aus unserer Mitte 
im Jadenstrt&te Judenbiscliöfe, die Aerzte Oberstabsärzte, die 
Advocaten Staatsanwälte u. s. w. werden. 

Wir müsseu zugeben, dass an dieser Missdeulnng des Cbaraktera 
nd der Ziele des Zionismus ein Theil der Zionisten selbst schuld 
ist. Eine jede der modernen Bewegungen war in ihrem Anfange 
eine Bewegung der Intelligenz, dei- StuilentenscliHft. Diese Ent- 
wicklung hat auch der Zionismus dutchgemaclit. Die zioiiislischen 
StudeinieD, Rabbiner, Aerzte und Advocaten haben aber viel zu 
wenig die Seite des Zionismus betont, die sie stark unterstreichen 
»(jllten. Sie babeu den socialpolitischen Charakter des Zionismus, 
wenn nicht gän/Jirh verbannt, so doch viel zu wenig hervor- 
gehoben. Streng gennmmeji, kann den alten Zionisten dfswegeu 
kein Vorwurf gemacht werden. Sie als Zi«nisten wossten, dasa der 
Zionismus nicht nur eine nationale, sondern auch eine social politische, 
öue wirtschafllicb reformatorisdift Bewegung ist. Die ersten Zionisten, 
wte Rabbi Hirscti Kalit»cher und Mo?ies Hess, haben dies ausdrück- 
Kcb betont. ') Lewanda bezeichnete die ganze zionisiiscüe Bewe- 
gung, als „ein Streben nach ijhi.-iischer Arbeit, nach Ackerbau und 
liandwirtsctiaft, nachHervorbiingung von Br»t mit eigenen Händeu." ^) 
Die Colonisationsvei-suche in PalättiuM wai-eu und sind nur eine 
Bestälizung der theoretischen Ansfühiungen der Zionisien. Die alten 
Zicnisieii ttiaien nur diesen Kebler, dass sie za oft den Zionismus 
Als Abwelumittel gegen den Antisemiti^imus angefühlt und nicht so 
oft auf die autonome, wirUchattlich-refurmatorische Bedeutung des 
Zionismus hingewiesen haben. 

In meinem gegenwärtigen Referate zni- Begründung des Zionis- 
mus mochte ich in erster Linie das Gewicht auf die socialpolitiscbe 
Seite des Zionismus legen. Die nationale und caltureile Seite hat 
ichon Dv. Binibamn betont. Beim Mangel von cullur-, respective 
wirlscfaaftsgeschichtiicheu und socialpoliiischen Arbeiten über die 
Juden kann mein gegenwärtiges Referat niciit das letzte Wort 
Jtt»er die Judenfrage," es i^oll eher ein Versuch, ein Beitrag zur 
Eiklftrnng der Jndenfrage sein. Wir sollen die gegenwärtige Jadeu- 
frage auf Grund der Geschichte der Juden im Exil zu begreifen 
Tersacheu und hiei- müssen wir an die sclton einst von Spinoza 
gevaglen Worte erinnern, dass man über Geschichte weder lachen 
noch weinen soll, sondern das man sie begreifen müsse. 

Die Juden sind das geborene Uandelsvolk, sie müssen es 
bleiben und können überhaupt nictits etwas anderes werden. Diese 



') Vergl. Uo»w HeM : Born and Jerusalem. 

'i Lemuidft im Samnielbacb .PalKstina" (rassisch) 



IBM, Seite IS. 



- 'tin - 



Weisheit hören wir von i-echts and links. Wir glauben, diese Be- 
banptung ist uniicliti^ und nnhis'oriscli. Das uns vorliegende lat- 
mudi^che Reclit beweist, dass die Jndvu sogar in Babylon noch ein 
landwiitschaftliches Volk gewesen sind. Der Talmud ist das Recht 
einps Agrarvolkes. ''i Die Juden sind eist infolge bestimmter 
Verhältnisse gezwungen worden, unter den Völkern zerstreut und 
als Händler zu leben, nnd lieute zwingen die Jnden andere Ver- 
baltuis.se. ein eigenes Heim zu suchen uud auch tlie bisherige Lebeuä- 
weise autzugeben. 

Die Juden, können wir kurz sagen, waren in ihrer Heimat 
und noch später in Babylon ein rein landwirtschaftliches Volk, 
erst als sie von ihrer Schwelle vertrieben worden sind, mussten sie 
zam Hanfjel übergehen. Die üü^achen dieses Ueberganges können 
wir uns leicht erklären. Die Bevölkerung der Stfldte in unseier 
Zeit, wissen wir, vergrössert sich auf Kosten der Landbevölkerung. 
Dei' verarmte Gutsbesitzer, der besitzlos gewordene Bauer kann, 
wönn er in unserer kaiiitHlistisclien Periode der Arbeitstheilung in 
die vStadt wandert, als Beamter, kaufmännisch Angestellter od^r 
Arbeiter Stellung linden. Im Miitelatter, in der mittelalterlichen 
„Periode des Austausches", tiel es dem expropriieren Junker oder 
Bauer viel schwieriger, in der Stadt eine Beschäftigung zu finden. 
Wir holen auch im Mittelalter unaufhöilich von den armen Land- 
streichern, von dit-sen besitz- und aibeitslosen armen Teufeln, die 
als Vagabunden mit den grausamsten Strafen belegt worden sind. 
Wie war es erst im Altertlmnt. 

Die wirtschaftlitheu Verhältnisse im Judenthura waren der- 
artige, dass im Judenstaate fast keine jüdischen Sclaven gewesen 
sind. 'J Die jütlische Gesellschafi bestand aus Bauern, Guisbesit/ern, 
freien Landarbeitern, wenigen Handarbeitern und Krämern. Die 
jüdische Oesellschair. wird gesprengt, der Jude wird von seiner 
Scholle, von seiner Heimat vertrieben, sogar aus Babylon, in dem 
er seine zweite Heimat öudet. Der Jude ergreift den Wandetstab, 
er kommt in eine Gesellschaft, wo es neben Sclaven nur Reiche 
und Arme gibt, wo „der besitzlose Freie absolut erwerbsunfähig 
ist**. ') Der Jude kommt in ein Land, wo es keine productiven 
ßerutssiäiide, keine Bauern, keine Handwerker gibt, wo keine In- 
dustrie Husseihalb des ge,seh1os8enen Hauses existiert, wo „omnia 
domi nasciintnr'*. Der Jude will auch leben. Der reiche Jude wird, 
wenn er civis romanus ist, vielleicht auch Grossgiuudhesilzer werden, 
der auch „den Armen aus dem Besitze des Grund und Bodens 
drAngt.** Beiche Juden gibt es aber wenig nnd in der Kegel wird 



*) Vergl. S. B., Talmad Bebli. Tractat B'raoliot &a tiiid aacb BUeber : Kot- 
«tehang der VoIkBvrirlBch&ft 6. 16, Üf. 39. «N'nkim" d. i. DelicUobligation iat 
im l&lmutl übli^atoriDuh. 

'I Vergt. b. Farlietteio: Das Recht der nnfrelen and der freien Arbdter 
aacb jBditwli-taliiiudiHctiem Heclit. KrajikfVin a. U. 18W>. 

») Vergl. Bdcher Ä Ä. ü., S. 34. 



t 



nan den Jnd»'n, den „Fremden**, nicht zur römischen Oivität und 
tain Grundbpsilz zala^ispn, dt'nn die «inheimisclien Hernscher werden 
nicht einen Thpil ihrer Herrsdiafr weggeben wollen. — 

Dem Juden bleibt übrig entt\'eder Proletarier oder Sklave 

zu Verden. Proletai'ier bedeutet in der damaligen Zeil ein „auf 

Kosten der Gesfllschat'f* lebender Btfttler und wer wird sich denn 

des armen „fremden" Juden annehmen, welcher Gracchus wird 

sich tindt^D. der für brotvertlieiluntf an die jüdiäctien Froletatier 

sorge» wird? Dei' Jude kann höch:iien.s Sklave werden. Viele 

Joden sind gewiäA in die Sklaverei verfallen und auch mit der 

!^eit als Juden ciinKÜch unier^egangen. Die grosse Masse wird sieb 

vor dt!m Vei sinken in die Skbiverei gewehrt haben, sie hat sich 

einen Krwerb gesnoht, um „frei" und doch „erwerbstUhig-* zu 

sein Die grosse Masse m u a s t e sich /.eistreuen und, dass die 

Melirzahl dieser zetstreaten Juden vom Handel leben muttste, „ist 

ffir den Nationalftkonoraen wohl unzweifelhaft. ') Der Jude, sei es 

noch zur Zeit der Sclieinexi.-tenz oder nach Untergang des Juden- 

]ttaatei<, vom Römer und Syrier verdrängt, muss Händler werden. 

Der Jude wii-d ein Städter, er bildet den Anfang eines freien Hur- 

gertliuiDs — und diewr Anfang bedeutet zugleich den Anfang der 

ttwäeinen Juden frage. 

Da kommt dns Mittelalter. Die Geschichte der Juden des 
Mittelalter«« ift ein Elienbild der Geschieht« der Juden der Gegen- 
wart — und dt-r Zukuut'r, wenn die Jnden immer weiter al^ 
Fremde, als Gäste in fremden Ländern leben sollen. Mau begün- 
stigt die Juden, so lange man sie braucht, man verfolgt, man ver- 
teiltet sie. wenn sie unuiHhig sind. 

Der Jude kann im Mittelalter kein hwd erwerben, '■) er 
klon auch kein miles sein, keinen Heeresdienst leisten, damit er 
dem Nichtjnden, des&eu Hauptgeschät^ das Raubritterthum ist,^) 
keine Cuticunens mache. Der Jude^ der Leibeigner nicht sein will 
fldei- kann, legt »irh auf den Handel. Die Juden waren in der 
ereten Hälfie des Mittelalters die Kantteule, *) ^denn die Juden 
konnten nur durch Handel ihr Leben fristen." ^) Der fremde 
jQdische Stamm war gezwungen „sich zur Befriedigung der Bedilrf- 
II ' üiäjkeren Stammes benützen zu lassen." ' ) ,.Die Juden 
I. ^11 d:imaU ein grosses Bedürfnis, das Bedürfnis des 

gewer hm assigeu Handelsbetriebs'' ') und „ilu'e ErwerbsÜiäiigkeit 



■) VergL RoäclK^r : Di« St«lliii]g der Juden im Uittelalter in der Tdbinger 
Zatadjnft fttr «lie g«»Aiuiiil'f Staat äwisseiwchaft 1^7.^. S. 509. 

't NiiblmiT: |)ie Juileug^mRiudeD des Uittelalters X\X1\ ad 69, Ajblej: 
£tu;UKii« \Vixt«tlMfT:«i;eächiclite 1. 906. 

•) Snliljiii; A. li. O. XXVI. Vergl. Laai|irecbt A. a. O. 4öl. 

*/ Vergl. Lampreclit A. a. O. :*. 14ö2. 

*) Venjl. Nulihns A. n. »J. jj. 173. 

*] Vetgt. tiuiBptow-icx : Dfr Rasseakaoipt'. 8. 164. 

■) Roicher A. a. 0. 3. M)6. 



- m _ 



brachte es mit sich, dass sie uirgends in grosser Anzahl, dafür aber 
au möglichst vielen Punkten sieb ansässig zn machen <;uditen.^ ') 

Der Jude ist aber ein Fremder, der Jude, der Fremde soll 
„ausgerottet und verniclitet werden, wenn er nicht mehr als dienen 
kann.*") Der Jude ist eine fremde Ware, die man nur sn lauge 
ins Land importieren )A^:st, so lange die eigene ]ndn:<trie nicht 
entwickelt ist. Dem Juden ist auch im Mittelaltei- nur so lange zu 
handeln gestattet worden, so lange kein eigener nationaler Handels- 
stand anfgeblllhl hatte.'') Zuerst beginnen die Judenverfolgungen i» 
Byzauz, an „dem ersten Handelsplatz der Christenh#*it während des 
ganzen früheren Mittelalters,"') dann tolgen sie in Italien, in „dem 
zuerst reifenden Volke des Mittelalters." darauf in Südfcankreich, 
Deutscblaud. Knglaud n, s. w. ^) Man beschuldigt die Juden, dass sie 
die Arbeiter ausser Land führen/) mau wendet sich gegen sie, das« 
sie durcli Einfuhr fremder Waren die Preise der inhlndischen 
drücken,') mau klagt endlich über die „bftsen liellenhnnde, die d^^r 
Christenmenschen Geld uszer land mit ihren ufsetzigen listen senden."*) 
Mau verbot darauf den Juden den Wajenhaudel. Die Juden, wurde ge- 
sagt, sind „Fi'emde,*" „Abenteurer" und daher sei ihnen der Handel 
mit Handels- und Wohnungsgüteru verboten, und nur der mit „Aben- 
teuenigütern," „mit Wechseln und fremden Münzen gestatteL*") 

Dei' Jude rauss also Geldwechsler werden, er darf auch kein 
Handwerker sein, denn die Juden und die Ehrlosen sind unzünftig. '^') 
Dei' Jude muss Wucherer werde», nicht nur, weil er auch leben 
will, sondern hauptsächlich deswegen, weil er dazu gezwungen 
wird. Dev Jude i.st im Mittelalter eine Sache, ein Ausbeutemittel 
in den Händen der verschiedenen herrschenden Classen, ein Aus- 
beutemittel, vermittelst dessen das übrige Volk ausgebeutet und 
die Taschen der Herrscher gefüllt werden sollen. Ein mittelalter- 
licher jüdischer Glossator des Maimonides schildert am charakte- 
ristischsten die Judenfrage im Mittelalter. Maimonides führt in seiner 
Coditication des talmudischen Rechts die talmudisohe Anscüaunng 
über den Wucher an. die auch die der Canonisten wai*, dass der Zins 
vom Fi'emden zwar gestattet, der Wucher dagegen verboten sei. 
Ein mittelalterlicher Judischer Glossator bemerkt hiezu: ,,hente 
dürfen wir auch wuchern, denn das Wnchergeld bleibt nicht bei 
uns; es Üiesst in die Taschen der Herren und der Grossen." 



') BQcher: Die Bevölkeroog von Frankfiirt am Main. S. 637. 
') Vergl. üumplovricz A. a. 0. S. 177, 

\> Vergl. BoBcUer A. a. 0. und aach Sait£cbik: Beitr&ge sor reehtUcLeu 
Stellmig der Juden, S. 7 uod 8 

*) Boäclier A. a. O. 8. 513 f. 
■) NUbliug A. a. <>. 8. 117. 
■) Vergl. A. a. O. 3. 46. 
»» Vergi. Bacher A. o. 8. 64. 

*) OwriDg : Hnndel und Indastrie der Stadl Basel, S. ä74. 
•) Vercl. NttbliDg A. a. O. 8. 7&. 
") Vergl. Geeriug A. a. O. 8. 46. 



— Di) — 

Zuerst waren t^n dW. Landf^tberren, die „die Juden legal 
brandütcbatzten und die Brandschatzung wohl gar zum iategri- 
vendnii Beslandtbeil ihrer Finanzpolitik machten/ ') Mao zwang 
<Un Juden Wucherer zu sein, man machte ihn dadurch bei allen 
verhasst und dann ^konnl* man den Juden abwechselnd be^- 
sligen und plündern, denn dei* Jude galt doch als Privatfeind 
aller Schuldner."'^) Die Juden „bildeten eine Art Domäne, man 
gab ihnen Gelegenheit sich zu bereichern, um hieraas Nutzen zu 
ziehen"^) und »,die Juden waren um ihrer e»i;^enen S'cherheit 
willen genöthigt, sich selbst zum Werkzeuge zu machen, durch 
welche;* man die Nation beraubte." *) Bald kamen die Städte. Die 
Judenschaft wird in Deatschland seitens des Reichs an die Städte 
verplandet. ^) Das banansi-=clie Zunflmeistertlium sorgte schon dafiir, 
dass der Jude kein Handwerk und der „aus« dem Stande der 
städtischen Gnmdeijrenthümer eut^tandene Handebstand" — dass 
der Jude keinen Wareuhandel treibe. Der Jude wird gezwungen 
Pfandleiher und Wucherer zu sein, er muss' Wucherer sein, denn es Hegt 
im Interesse der Stiidte. dass die Juden die EdHÜeutH ausbeuten und die 
Swdie die Beute in der Form von Steueni an sich bringen."') Und 
noch erst die kleinen Heniein, die die „Zinsen" und die Renten beim 
^Tadeo verpfäDdeten. Die Juden hatten allein das Recht, aber auch zu- 
i;leich „die FHicbtdas Geidbedurfniss der Landesherrschaft und ihrer 
Hintersassen gegen genügende Pfandsicherheit ausreichend zu beirie- 
4i;^eri.*' die Juden waren gezwungen „öffentliche Wucherer" znsein.") 
Der Jude sinkt in dar zweiten Hiilfte des Mittelalters zum Wucher- 
juden hinunter, er verkommt nicht nur physisch und ükonomisch, 
ttondeiii auch geistig.^) Dem Juden beginnt es besser zu geben 
erst seit dem 17. Jahrhundert, als man, durch die Entwicklung der 
modernen Grossindustrie gezwungen, den Juden wieder brauchen 
konnte, dass er , Handel, Commerce, Manufacturen u. dgl. be- 

Die gesegnete Emancipationiiaera kam. Die Emaucipation 
folgte tfaeiiweise anch au.< idealistischen Motiven, hauptsächlich 
Iber nur deswegen, weil die Emancipation der Jaden im Interesse 
der BeÄ'eier lag. Man braucht die .Juden in der Neuzeit und des- 



*) Lunpreeht A. & O 1456. 

*> BoftTt' Geficbioht« der eaglischeu Arbeit, S. 6. 

') VkIco : Guchicbi« tier Steaem dea brittgchen Beiebes. 8. UI f. 

*3 Aaliley: Eagliscbe Wu-tscbaftsgeschiclit« I. S 206, 

*) GwrinK A. fl. O. S. 214, BücUer: Die Itevölkeraag a. s. w. S. 6S7, 
«uuchilt A. a. O. S. 85. Lamprechi A. n. 0. S. 1465. 

*) Vergi Nübling S. 174 f ood LXXV f, "•) Ä. a. O. S. SI7 f. 

^) Lampreeht 1. S49, 144» und 145d. 

*) Vergl. ChwoUoa: Reüubitb Uansai Uadfa« b' lavnel (hebr), B. 33 
nd 46. 

') Vergl. Bftcber : HevSlkerang a. s. w. 579, 587 f GeenDg A.. a. O. 
^m. 464 f. NUbling 541 f. Uehring: Lessing-Legenie 262 t 



— \00 — 



wegen begünstigt man »le. Die Gesclilcbte der Juden der Neuzeit 
ist nur eine Wiederspiegeluug der JudeDgeäcliicbie des Mittelalters. 

Der eiile Josel von Oesteireicb war einer der Ei'sten. der die 
Lage der Jnden verbessern wollte. Aus dem von üim erlassenen 
Tnleranzedikt ist doch zu ersehen, dass ilim zne;)eich sehr darauf 
ankam, dass die Juden das Gewerbe und den Handel fürderit. Der 
Philosoph Friedrich der Grosse ertheilte dem Philosophen Moses 
Mendelsohn noch im Jahre 1779 nicht das Privileg ^ordentlicher 
Srhutjjuile zn sein." während die Bankiers Abraham Marcus Veitel 
Ephraim nnd Daniel Itzing schon 1761 „die Freiheit eioes christ- 
lii.'hen Bankiers vur- und ausser Gericht*' erhielten, denn „den Juden 
war der Schutz hauptsächlich gestaltet, damit sie Handel. Commerce, 
Manufactuven, Kabiiken n. dgl. beireiben.'' Die Emancipation der 
Juden hatte in ihieni Keime schon die Bedingung, dass der Jnde 
Händler bleibe. 

Der Grund der Jadenemancipation ira 19. Jahrhundert ist in 
unserer wirtschafllich-capitalisiischen Enlwicklnug zu suche». Die 
Neue Zeit brauchte den Juden als Handle:-. I)ie Freiheit des 
Handels brachte mit sich die Befreiung der Juden, der Händler. 
In Deutsrliland, Üesteneich, in der Schweiz u. s. w. erfolgte die 
endliche Judenemancipation in den Jahren 1860 — 1867, d. i, in der 
Periode des Begintes der Cobdenschen Kreihandelsaera in Europa. 

Die Juden waren als büi gerliche Befreite nicht besser und 
nicht scliJimmei' als die Übrige bürgerliche Bevölkening. Sie haben 
„fast auf allen Gebieten der Geiste.-^ihatigkeit, in der Wis-senschaft, 
in der Dichlung u. s. vv. Hervorragendes gf leistet" In wirtschatt- 
licher Hinsicht ^wäre vielleiclit Deutschland gegenüber der älteren 
wirtschaftliclien Cnltui- Englands und Frankreichs nicht so schnell 
auf die Höhe gekommen^ wenn nicht die Eigenthfnulichkeiten de^ 
jüdischen Stammes ihm um Mitte unseres Jahrhunderts Hilfe ge- 
leistet hätten." '_i 

Die Juden erfreuten sich in der Neuzeit der sogeuannlen 
Freiheil so lange man sie haben musste, so lange kein „uattuualer'* 
geuügend tüchtiger Kaufuiannsstaud vorhanden war. Man begün- 
stigte die Juden in Deutschland und Uesteireich, Bulgarien und 
Serbien.') Der heute so stark antisemitische Wiener Gemeiude- 
rath schenkte noch im Jahre 1882 — 5000 Gulden zu Gunsten der 
armen lussisclieu Jmlen.^) .TetzT., wo man die Juden nicht mehr 
braucht, werden sie überall geha-sst und alle Uebel, die ihren 
Grund und Boden in der modernen Wirtschaftsentwicklung haben, 
werden ihuen zur Last gelegt. 

Dies zur Lage der Juden im Allgemeinen. Jetzt noch Einiges 
üher die Lage der .luden in Osteuropa, Wir werden die Lage der 

') FOrster W. Piuf. : Die fitliik des Nationalismiui uud der Jadeufmge, S. lü, 
*) Alliatice Israt^lit« rniverselle, Bericht ,nir die Periode 1660—1669^ 
8. 17-28. 

*) A. a. 0. Bericht Rlr 1882 I, S. 31. 



• 



Joden in Oütearopa erst dann begieil'en. wenn wir Über die Ge- 
schiclue der Judtn in Polen im Mittelalter im Klaren sein werden. 
Die oateuropäisietien Juden sind ducli die polnischen Jnden. 

Die Geschictite der Juden in Polen war im ganzen und 
grossen der in Wnstenropa ähnlich. Wir wollen nur auf zwei 
besondere Eigenthtimlichkeiten hinweisen. In Polen gab es grosse, 
sogenannte ..königliche^ und kleine dem Adel untertbänige Studie. 
In den „königlichen'* Städten lebten deutsche Colonisten, die allein 
hn Bfäiize des Bürgen-ecbtä waren. Leibeigne^ Ehrlose und Juden 
konnten keine Stadtbflrger werden ') und durften daher in den 
Grosstädt^u kein Handwerk betreiben') und Warenhan<lel nur 
insofern ihnen die Krlaubni$ dazu seitens des Stadtbürgerthmns 
▼enragsmässig eingeräumt worden ist. ^) In den kleinen dem Adel 
ooierth&nigen Städten konnten Hie dagegen ihr Leben sJs Klein- 
kr&mer nud Handwerker fristen-*) Sie waren aber dort eine vom 
Adel rechtlich nnd ökonomisch abhängige „plebn ultimae classis.**^) 
Der Adelige war der Herr der Juden mit einem ins vitae ac 
fiecis/) der Adelige war sein hauptsächlicher Kunde und konnte 
den Juden als »ein Werkzeug, als Wucher- oder Schankwirtjuden 
zur Ausbeutung der Haut-rn brauchen. — Diese kurze Schildei-ung 
kann nns genügend erklären, weswegen jetzt noch in den kleinen 
Städten der ehemaligen Republik Polen eine au-^ Kleinhandwerkern, 
Eteirikrämern u. dgl. besiehende Jüdische Bevülkeruug lebt. 

Wir können nun zur Schilderung der gegenwärtigen Dage der 
Joden in Osteuropa übergehen. Wir werden uns hanptsächlich auf 
I-itliauen und Südwe:iitru.ssland beschränken. Für dies« Länder haben 
wir ganz genaue statistische Zahlen in der vortrefflichen Schrift de* 
Petersburger Professors Subotliu, der wir auch folgen werden. 
Die Verbältnisse in den übiigeu Ländern sind jedenfalls keine 
besseren. Die traurige I*age der Juden in Galizien nnd Rumänien 
haben wir soeben von den Heiren Dr. Salz und Pineles gehöi t. 
Vor allem aber noch ein kurzes Wort. 

Als Voltaire sein Pamphlet gegen die Juden verölFentlichte, 
da kamen einige reiche portugiesische Juden nnd behaupteten : 
Voltaire hätte in seinen Ansftihrungen Recht, insofern er über die 
deutschen Juden miheilt. Dieses feige ßenebmen der grossen 
Herren aus dem v(»rigen Jahrhundert hat System gemacht. Mancher 
ntte westeuropäische .Tude glaubt noch heute das Recht zu haben, 
auf seine armen polnisdien und nissischen Brüder mit Steinen zu 
werfen. Herr Alfred Naquet „will sogar glauben, dass die Juden 
in Ru9slaud und Rumänien eine jämmerliche und gemeine Rasse 




*) BasdUie: Prawo prjwitne polikte, S. 116. 

*) A. a. Ü. 3. 1S9. 

*) A. a. 0. ISS ttnd Kraushaar: Histoija zvilüw w Polsc«: S. 88. 

*) Kran»baar A. a. O. S. 21 aml Baodkie Ä a. o. S. 139. 

Bandlkie : Uiatojra prawa polskiego. S. &41> 

Kranibaar A. a. 0. 8. 16, und BandUcie A. n. i). 8. 990 und 637. 



wären, wie man das so oft hört." ') Gegen dieses System muss 
eianial mit aller Eutschiedenheit protestiert werden. Die o^teoio- 
päischen Juden »ind arme aber ehrliche Leute, vou deneu ein 
grossH* Theil im vSehweisse seiues Angesicht sich sein Brot erwirbt 
und sogar der oBteuropäische Wucherjude steht unter l-roständen 
BOcJi höher als ein westeuropäischer llerr Artou. 

Ein grosser Theil der Juden Osteuropas beschäftigt sich mit 
Handel.') Ea gibt aber in Russland eine grosse Zahl jüdischer 
Handwerker. In einer im Jahre 1891 veröffentlicliten Schrift lesen 
wir, dass nach der oMciellen Statistik 127u der im Niederlassungs- 
gebiet wohnenden Jaden Handwerker sein sollen. ') Wir können 
jedoch mit Sicherheit behaupten, dass in Lithauen der Procentsal» 
ein viel höherer ist. Die Judenschaft macht da aus den griissteu 
Procentsalz der Handwerker, so z. B. in Wilno 62V«>. ') in Komio 
73%,^) in Odessa 52 7o aller Handweiker '') u. s. w. Die jü- 
dischen Handwerker bilden in vielen Stlidteu 7«—'/» ^^r jüdischen 
Bevölkeroug. 'j Ausserdem gibt es noch viele ungelernte und 
Fabrikarbeiter. In dei" industriellen Stadt Bialystok bestellen fast 
SO^/o der Juden aus einer physisch arbeilenden Bevülkening. ^) 

Die Frage spitzt sich also beim ersten Anblick auf eine rein 
sociale zu und man könnte bereits zum trügerischen Schlüsse 
kommen, dass die Juden Osteuropas mit der Zeit ein Fabrikprole- 
tariat bilden werden, dass es also keine Juden-, sondern nur eine 
sociale Frage gäbe. Dieser Scbjuss wäre grundfalsch. 

Die Bedingungen sind weder in Galizien, noch im Ansied- 
lungsgebiete SüJ-Westrusslands solche, dass dort eine Gross- oder 
wenigstens Mittelindustrie im eigentlichen Sinne des Wortes auf- 
kommen könnte. Die jüdischen Handwerker sind entweder AUein- 
nieister odej Kleinmeisler, die höchstens einen Gesellen und einen 
Lehrling beschäitigen. Im Gouvernement Wolhynien befinden sich 
z. B. im Ganzen 47.800 Handwerker, wovon 32.100 Meister und 
15.700 Gesellen und Lehrlinge, ^) im Gouvernement Kiefl' 23.000 
jüdische Handwerker, die 7"/„ der jüdischen Gesamnitbeviilkfiung 
ausmachen, davnnter 11.000 Meister und 12.000 Gesellen und 
Lehrlinge. '*'j In Minsk, das eine grosse jüdische Bevölkerung auf- 



•) HermaDu Ualir: Per Äntlstmitifmas S. 106. 

*) Verf^l. Uoecliilracb (hebrSUchi I, d, S.177 f and Sabbütin : W. T^chertie 
ossiedfoMi iru&aUcht I. S. 10. 18, ti6, TS. 74, Ilti, V^, U. 2, 16. 33, 45. 143, 
171. 212, au. 215. 217. äl8. 

'i Die VerfoJgaug der Juden, herausgegeben von der ^Jtldiichen Presse", 
fierlio lä»]. ä. 'Jl 

•) Sobotiin I, S. 72. 

») Ä. a. «t. S. 127. 

*) Ä. a. 0. n. S. äs?. 

') A. «. U. I. 14». 59 (.. n. 225 i. 

') A. tt. ü. I. S. ö3. 

') Siibbotin n, S. 150. 
") A. a <). S. 179. 



— hn\ — 

ät, Icommeu Auf 3615 jüdiäclie Meiäter ]31ä GeätiUeo. ') Dabei 
1*1 die Zahl fier Hftiulwerker eine viel grössere als iiotli wendig. 
MeisUr und Gesell« sind bt-ide Bettler. 'O Im Kreise Minsk lallt 
z. B. 1 Meister auf jeden siebenten stAdtischen Einwohner. *) 

Die jödiacben Fabrikarbeiter sind fast ausschliesslich in den 
an Sonoabendeu geschloi'senen jQdischen Fabriken bescbät^igt. ') 
Der tistemopäiäcbe Jude wird noch lange nicht den Sabbath eni- 
weibei). Da? hl audi eine der Haupturfachen, weswegen von eint^r 
Kutwicklung der Judenschaft Osteuropas zu einem Fabrikpro- 
lelariat nicht die ReJe sein kann. Die Zahl der an Sonnabend 
geschlosäeaen Fabrikeu ist sehr klelu, weil es dort wenige reiche 
Juden gibt. ") 

Die Stadt Schitotnir z. B. mit einer 23.00(>köpfigen jüdischen 
Bevölkerung ") hat im ganzen „4 Juden, die ein Vermögen über 
lOQ.OOO Rubeln besitxeii, dann einige hundert mit einer verhaltnis- 
iiiä»gig gef^icherten Existenz und die übrige Mass^e besteht au:« 
Bettleni." 'j Der Grossjude, der reiche Fabrikant, kann wieder 
Iceine jfidischen Arbeiter beschüt'tigen, denn seine Fabrik, umsomehr 
iioi'h wenn gie in eine Actiengesellschaft umgewandelt wird, muss 
■^g arbeiten. In des* Grosstadt TKlessa, wo schon mehr 
'i , II leben, beträgt daher die Zahl der von physischer 
Arbeit lebenden Juden kaum '/:i dei* gesammien jüdischen Bevöl- 
Ici»rinig, obwohl es dort viele Dock- und uDgelernle jiidi.sche 
.\tbfiler gibr.^) 

Man wird vielleicht einwenden, es sti nicht die Huft'nung ausge- 
KlUossen. daas mit der Zeit „die kün:illichen Grenzen des Nieder- 
li^sungsgebieWa für die Juden in Rns.«land abgeschafft werden" ^) 
D&d ^wenn die intelligente jüdisch« Bevölkerung sich in dem 
ungeheuren russischen Reiche ausbreiten könnte, so wörde sie sich 
otrtrt erholen und am Gedeihen der Industrie, des Handels and 
fles Ackerbaues im Laude fördernden Antheil neiimen." '"j Diese 
Einwendung wird von denjenigen gemacht weiden, die t*8 nicht 
l>egieifeu können, dass nicht Antisemitische oder judophobische 
Umtriebe die Hauplursache des Elends der Juden Osteuropas sind, 
ondem nur die Teberbevölkprung in den kleinen Städten und 
lecken. Der Antisemitismus tritft in erster Linie die jüdische 



Sw 103. 



') Vtrs:\. Bericht der Atlinuce lAMf-lito Universelle fiir .\tigiut 18i<G, 

Soblwt D A. a. L>. 

A. K. i>. r, S. 31. 
I Snbbotin 1. 8. 5. IS». 132. II. Ö9, W$. !7ft. SSa «. ö, 

Subboün A. a. 0. I, «1, 88. l\, 6, 7, 55, 99. 103. 106, 151, 909. 905. 

A. I. U, IL 141. 

A. tt. O. 161. 

A. n. O. JI. 9S9. Vergl. AlliAuce Tara^Ut« Univorselle, Bericht fOr 
143. 

AIÜRDce IttnäUte a a. 0. 1683. S. 10. 

A. d. 0. 1681. S. 43 44. 



Intelligenz. Die JnileiiiVage ist aber nicht die Fiage der kleinen 
Classe der judischen Intelligenz, t»ondei'a der Masse des j&disclieu 
Volkes. 

Wir mu.ssen offen sagen, „die Abschatfuiig der künstlichen 
GrenzH) des Niederlasfinng^gebietes^ wäre ein PAlliaiivniiiti*! und 
iinr für eine bestimmte Classe dci- Juden. In das Innere Kusslands 
wird nur der wohlhabende Jude auswandern können. Angenommen, 
dass alle auswandern konnten, so wiiiden sie zweifelsohne weiter 
Haudel treiben. Einerseits werden s\e auch dort die Sonnabend- 
arbeit als Hindernis haben ') und andererseiLs entschließest sich 
Niemand Arbeiter zu werden, wenn er eine leichlere Erwerbsart 
finden kann. In dem „ungeheuren russischen Reiche" weiden sie 
doch genügend Gelegenheit haben als Kautteute Brot zu finden. 
Dank den Jutlen würde sich dann zweifelsohne „bald in der «kn- 
nomischeii Lage der Provinzen des Innern von Kasslaud ein sieht- 
baier Fortachritt vollziehen." ') Die Reaction in der Form des 
Antisemitismus wird aber auch kommen, sobald ein eigenei' , natio- 
naler" Kaufmannsstand autlcommen wird. 

Das Klend unter den Juden OsteuropHS ist daher unter den 
herrsclienden Umsiäuden eiu abschreckendes. Wir hörten, dass in 
Galizien 70'Vo der Juden aut Bettlern bestehen. In Rusaland besteht 
auch die Hälfte der Juden aus Paupers, die sozusagen „von der 
Luft** leben. In Wüno leben fast 95% der Juden im Elend, •*) 
in Berdyozew bestehen 7&7ü aus solchen, die keinen bestimmten 
Erwerbsberuf haben, *) und ebenso ist es in Warschau, Minsk, 
Kischinifff, Lublin, Lodz u. s. w. ') lu den kleinen Städten und 
Flecken gebt es den Juden noch schlimmer. Mau kann sich leicht 
die Lage dieser armen Juden vorstellen, die in den kleinen Orten 
60—80% der Gesammtbevölkerung ausmachen.*^) In Congretts- 
polen beträgt die Jüdisclie Bevölkerung iu den kleiuen Städten 
mit einer Eitnvuhnerscliaft bis 10.000 Personen 40-70"/o der Ge- 
sammlbevölkeruug. ") Das noch so stark hinter Frankreich in 
wirtschaftlicher Hinsicht stehende Polen hat eine relativ fast so 
gj'osse (meist jtidischej städtische Bevölkerung wie Frankreich. **) 
Welches Klend muss nun unter diesem wiitschafdich so rflekstän- 
digen Volke berrsclienl 



') Vergl. N. Sokolow in iter „HaaeHrali" 1897 Nr. 47 

•) AUiauce Isr. Univ. Bericht lllr IS81, S. 44. 

") Subbotm ft. a. 4'. i*H. 

') A. a. O. II, 121. 

') VetKl. „WoU" Nr. H, S. 10. Bericht der Alliaace Israelite llmver- 
seile Uars 1897 p 34 f und SnbboliD J. 60, m. S8, 11. 79, li>0, 121, 1S4, 180. 
181 0. li. 

•) Sabbocin 1, 4, 49, 50, bd, 110 II, 9. 73, 78, 94, lOS, 131, 157, 181, 
182, 1b5. 187. 

') Dt. 7.. Posiynska : Ze staijstyki IndnDSciwfj Kröle-sitra Polsldego im 
Ateiieniii 1893. S. 888. 

•) A. a. 0. 886. 



Wir haben bis jetzt nur die wirtschaftliche Seite der Jaden- 
fi^e berQbit. Die Judenfiage ist aber auch eine natioriale Frage. 
Der Niditjiide snh and sieht im Jiuieii stets den -FfeiiiilHii,'' Die 
wirtschaftli(:li»i Lage (Ur Jnden war und ist nur die Folge, dasa 
die Jadeit als „Fremde," als Augehüri^e einer ireradeu Kation 
aogeselien worden sind. Die JudentVage ist za einer wirtschatt- 
liL'ben geworden, weil die Juden eine fremde Nation gebildet haben 
Dod bilden. Die Zionisten erk^^nnen den Üoppelcharacter der Juden- 
frage, sie wissen, dass ^bei den Juden weit mehr als bei Nationen, 
die aaf ihrem eigenen Boden unterdrückt sind, die nationale Selb- 
etiUidigkeit jedem i^oUtiecheu Fortschritte voran gehen mnss. Ein 
Dt^iottamer lieimatUcber Boden ist für sie die ei*ste B-fdingnog 
euaderer Arbeitsverhältnisse." ') 

Die JudeniVage ist auch eine ethische Frage. Wir wollen 
liier keine Vogelstrauss-Abwehrpolitik treiben. Wir wissen, das» die 
gegenwärtigen Verhäliutsfle unter den Jaden dazu führen, dass 
mincbe Bervölkerungsschichten auoh in geistiger und moialischer 
Hinsieht verkommen. Im Juden, im Parias werden doch alle 
edleren menschlichen Gefühle mit Gewalt unterdrückt. Die ganze 
Enancipation des Juden, dieganzedem Juden gewährte Freiheit ist nur 
di« Freiheit des Handels, die BYeiheit des Schachers, Die Gefahr liegt 
Tor,dass die Juden in der zweiten Hälfte der Neuzeit ebenso in geis- 
tiger Hinsiebt verkümmern, nie dies in der zweiten Hälfte des 
MifieJalters unter dem Drucke der Judophobie der Fall war. Wo 
d«r Pauperismus, wie im Often Europas henxcht, i^t auch kein 
Waoder, dass viele in wirtscbafiJicber Kinsicht moralisch zu Grande 
gehen. „Der gesellige Mensch bedarf, wie die geselligen Pflanzen 
Qüd Tbieie, zu seineju Gedeihen und Forlkommen eines weiten, 
freien Bodens, ohne welchen er zum Schmarotzer herabsinkt, der 
sich nur auf Kosten fremder Production ernähren kann." '■') ».Wir 
wissen, dass im Judentbum das Bedürfnis gesunder Arbeit^ver- 
liiltnisse, welche die Au^bentung der Katar durch den Menschen 
zar Basis haben, tief gefühlt wird. Wir kennen die grossen An* 
«reogUBgen, welche unter uns gemacht werden, um unsere jüngere 
jadiscbe Generalion zu nützlichen Arbeitern zu erziehen. Wir 
Witten aber auch, dass die Jaden im Exil sich solchen Arbeiten, 
voügsteos der Mehrzahl nach, niemals widmen können, weil ihnen 
die erste Bedingung zu denselben, der vaterländische Boden fehlt, 
ond weil sie sich nicht mit den Völkern, unter welchen sie zer- 
streut lebeu, veimischen können, ohne ihrem NalionalcuUus untreu 
XU werden.** ') 

Wir können uns die Aufzählung der Sünden ei-spareu. die ans 
Torgeworfen werden, oder die wir selbst anerkennen. Wir wollen 



*) Moses Heu: Koni uud JeruAalem. S. 110. 
'1 Uo»<« He*« a. r. 0. S. 110. 
') A. a 0. H. III. 



die Ursache aller unserer Sünden ans der Weit schaffen. Wir 
wollen die Art ooserer Lebensweise ändein. Hier moss eine Aeu- 
deranj? eintreten. Wir werden zwar nicbt ein jt'des Wort, das 
SchäftJe über die Juden sagt unterschreiben. ') Wir müssen aber 
Schäflle zugeben, üass die caui^a causaruni aller GesamnitQbel ist^ 
dass ^der jüdischen Nationalität die Terrilorialeinheit und da» 
Vaterland fehlen." ''} 

Wir sind unu am Schlüsse und können aaf Grund uuserer 
bisherigen Ausführungen folgende zwei Postulate aufstellen : 

1. Ea waren historische Ursachen, die den Juden, besonders 
in Westeuropa zum Händler gemacht haben. Die Jnden sind zu 
einer städiisoh-biirgerlichen Bevülkeruug mit ihrer und ohne ihre 
Schuld gewoiden, ohue dass es ihnen ermöglicht itt, ihre Fähig- 
keiten in geistiger, onltureller Hinsicht frei zu entwickeln. Der 
bessere Theil des jüdischen Bfirgerthums Westeurnpas wuriie von 
der Macht der Thatsachen gezwnngen. zum Zi^)ni^nms überzu- 
gehen. Der Zionismus ist für ihn die Auflehnung gegen das Leben 
im Kxil, in dem er zum Handels- und Scliacheijutlen degradiert 
wird. Der Zionismus ist für ihn ein Act der Selbsthilfe, ein Streben 
nach einer nationalen, wirtschafi liehen und geistigen Wiedergeburt 
des jüdischen Volkes. 

2. Die Juden Osteuropas sind Infolge historischer Ursachen 
zu Kleinhändlern, Kleinkri.mern nnd Kleiuhandweikeru gemacht 
wordeji. Die Juden Westeuropas können sich in ihrem Änsiedluiigs- 
orte weder wirtschaftlich noch geistig frei entwickeln. Alle Au- 
strengungeu für gesundere Arbeilsierbältnisse niiler dwi Juden 
bleiben dort erfolg- nnd fruchtlos, sei es, weil sie indirect anf die 
Zerstörung des jüdischen Coltns hinauslaufen oder weil am An- 
siedlnngsorie die. Ökonomischen Bedingungen fehlen. Die Juden Ost- 
europas finden daher den einzigen Kettungsweg im Zionismus, d. i- 
dem Streben vermittelst einer planniässigeu Kmigralion nach 
Palästina nicht nur eine jüdische Ge.'*ellscliaft ins Leben zu rufen, 
sondern auidi die Ökonomische Lebensweise der Juden zu üudern 
and zu verbessern. 

Wir sahen bis jetzt, was die Zionisten wollen und x\'eswegen 
sie es wollen. Hören wir noch die Gegner der Zionisten. Die 
Gegner der Zionisten sind die Assirailationsjuden und die soge- 
nannten philantruphisciien „Praktiker". 

Die Assimilatinnsjuden sind die i'onsequeuteu Schulzjuden. Si« 
sagen sich, der Urahn war der tSchuizjade des .Junkers, der Enkel 
der der Städte, und daher soll der Urenkel der Schutzjude des 
überalen Bürgerthunis oder irgend einer anderen Partei sein. Die 
Assimilationsjaden sind auch die anarchistischesten laissez-aller und 



■) Scli&fde: Bau mid Leben des »ocialen Körpers, 1. S. 40S, Tl. 74 und 
90, IV, 460 t 

') A. a. U. Ul. S. 90. 



- 107 — 



I 



lu-issez-faire-Politiker in der Jndetil'rage. Für sie existiert über- 
haupt keiue JodeufVage. D&ä ÄssimilatJoufijudeiitbutD ist aber de 
facto todt. Wollen wir die Todten in Kube lassen und übergehen 
wir zu den sogenannten pliÜantrophisohen ^Praktikern"*. 

Die Praktiki^r nennen sicli die „^virküdien'*, die ^ wahren 
Ziouisten**. Sie zeriallen in zwei Gruiipen. Zur ersten üruppe ge- 
hören diejenigen, die keine Politik, keinen politischen Zionismus 
wünschen, sondern nur kleine C'olonisationsversuche. Die Praktiker 
sprechen so viel von ihren bisherigen praktischen Erfolgen. Das ist 
bia jetzt wenigstens unwalir. Die zionistische Colonisationsbewegnng 
ist tÄi*t 17 Jahre praktiM:!» thJitig. 

Kaum 7000 jüdische Bauern sind während dieser Zeit in 
Palästina angesiedelt worden, während innerhalb derselben Frist 
TonRnssland über 1,000.000 Juden auswanderten') und nach New- 
Vork allein alljährlich 30.000 russische Juden einwanderten. M Die 
bisherigen kleinen Erfolge sind auch nii'ht ein Werk der ^Praktiker", 
sondern baupl.-^ächlich des bekannten Protectors und Ilieilweise auch 
der Paiästina'Colonisationsgesell&chatt in Russland. 

Die Praktiker haben datier kein Recht von ihren ^praktischen** 
Erfolgen zu sprechen. Sie konnten auch nichts mehr erreichen. Eine 
R»nernansledluug in Paliistina ist iiberhaupt thörichter als edel 
awenn sie ohne völkerrechtliche Garantie geschieht".') Die ..poli- 
tischen dastände" sind die Haupl^^chwierigkeii für die Colonisation 
PftJ&stJDaä*) nnd der Mangel an Sicherheit ist das Hindernis, sich 
ttter intensiven Bodencnltur In diesem so reichen nnd von Natur 
b«günj*tigten Lande zu widmen*'.") Irgend ein h^rlaüs genüge, „um 
der ganzen CoIonii^aliDn und Emigration ein Ende zu machen**.'^) 

Die zweite Gruppe be.slehl aus den Einerseits- und Anderer- 
aeils-Jnden. „In Versen haben wir sie entzückt, doch ihnen gefiel 
Dicht nnsre Prosa/ So lange die Zionisten eine utopistische Partei 
gfebildel haben, warßn diese Praktiker ,.auch Zionisten". Die Zio- 
nisten wollen aber jetzt einen Jndeustaat, das können die „KinerseitÄ- 
undAndei-erseits- Juden" nicht ertragen. WirZionisten verschniäheii 
vi»ere Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Wir erklären 
offen, „die Erreichung eines genieinschalt liehen vaterländischen 
Bodens, das Hinarbeiten auf gesetzliche Zustände, unter deren 
Schatz die Arbeit gedeihen kann"* — das sind die Grundlagen, 
auf welchen das Judenthum sich wieder erheben, durch welche das 
XKQze Judenthum neu belebt werden wird.') Wir kennen auch rlie 
GrOsse und die Schwierigkeit der uns gestellten Aufgabe. Wir wissen 



') .Welt-, Nr. ly, s. ä. 

*) Vgl. ..Allffeueioe /eitiiug des Jadentimms", 1897, Nr. 3. 

•) Tb. Heral, in der „Weif Nr. 7. 

*) Alli&Qce IsrAL'lite raireraelle, Bericht f&r 1668, TT, S. ä5. 

•) Ä. a. 0. 18ti4, 1, oy, 

*) Ä. a. 0. S. 30. 

') Uoses Hess : Boui ood Jerusalein. 



— 10R — 



aber, dass wir uasei* Ziel erat dann erreichen werden, weuu der 
Wnnsch nach Freilieit die Masse des lüdisclien Volkes durchdrungen 
haben wird. „Wenu unsere vereinigten Wünsche nach Freiheit so 
s.laik sein werden, dasa wir sie in einen mächtigen Hammer um- 
schmieden künnten ~ erat dann werden wir die KeM^n des Elen- 
des und der Erniedrigung, in denen wir stecken^ sprengen können". 
(Lebliafiei- Beifall) 

Präsident: Bas Programm verspricht Miltbeilang; des Ejnlaafs. 
Der Eiiilnui' war 80 gewaltig-, das» er mcht initg^etheüt werden kauo, detiu 
66 siitd über TtfiO Teleg^ramme, Znstimiiinuf^sbriete, VorächlÜge ii. dgl. Die 
eiugeg^angenen Petitionen vertugeii «bei- etwa 50.000 üuitTschiifteu. Jeder 
Angenblif^k brlng^t immer noch nene Depeschen ans allen Theilen Iwidpr 
Welten, woran sowolil Nord- als Südamerika Antheil baben. T>ie wenigsten 
Depeschen tragen individuelle rnterscbriflen, die meisten gehen vouVer- 
»ajiuiilnngeii. \'ereinen u. s. w. aus. Dieser ganze Einlaiif wird bis morgen, 
wenn möglieh, geordnet, und soll über ihn ansführlich llittheiluug ge- 
macht weixlen. 

Die Sitzung wird geschlossen. 



II. Verhandlungstag. 

30. August 1897. 



Vormittags - Sitzung. 



Priftident: .Auch jetzt ist- es n'H-li uictiL miiglicli, eine vollständige 
l'cbenklit der Einläiile za geben, nur eine aunäberude, Üeim es gehen 
fnnwälirend nene ein. Ans dem ung^etahreu lulialt derselben ist ersichtlich, 
düie man auf den verschiedensten Pnnkteu der Erde dem Congress zn- 
ininmt Eine Hüchtipie Statistik hat ergeben, dass nnter den UitO Tele- 
^ainit]«!!) nnd Zngtiinmnngsktindgebnngen aller Art GOX) ruterscbriften 
lind, lieuit'i kenswert iat, dass anf Welcn ZiiBtiumiDngsknndgehnngen sicli 
VereiuKiinterschriften, sowie solche von orthodoxen llabbincni und ans 
Rnsslaud auch via sofireuannten Staat^rabbiuern sich betiuden. Ans den 
loilereri I-flndem sind verschiedene hervorragende Mitglieder der jndischcu 
Vfreinigunßreu in den Adressen vertreten Viele Zntitimuiungeu kuraoien 
iTio VülksverBammlnngen nnd Vereinen. lüezn kommen die Petitionen, 
JerftB ["nlersohrifleuzahl eine geradezu grossariige ist. Ks woi-do gestern 
iZiüer von tllnt'zlgtani^end angegeben; die ist aber weit, iibeivrhrittm. 
'üLrd in diei^en drei Tagen ili>ei-hauii( nicht möglich sein, das alles 
^fzaarbfiteu. Es wird in einer .siJJiteren Publicalion mitgetheilt werden, 
wie vM rntprschrifien Rieh anf tWn T'eliiinnen gtffnnden habfn nnd werden 
ancb tMtisf genanpre Blittheilnngen goinaclit werden. IMese Mitthf^ilnngen 
««xden auch da.s Material (Wr die statitttLsclie Comuiiasinn bilden. Va wird 
Yi«Ueicht intere^^tant sein, wenn ich den Text der speciell vom gallzi' 
tdiea ^'ereiue für Colunisation geaammeiteu Petitionen zur \'erleBnng 
I briage. 

.An die geehrten Herren Pele^erten des Vereines ..Vhawath Zi<fn" 

Iftrden ZionifiteneongreBs zn Basel. Wir innen Gefertigten ermichen sie 

Bit. einem hohen Cengresse in unserem Namen die ergebene KrkUirung 

> ttnlerbreilen. daf>s wir. unter vom Congresse zu acJiaifendeu ätuats- 

hllichcn und materiellen Cnirantien. insbesondere im Falle einer völker- 

ncJitllch geschützten Coloniüattou Palästinas bereit wären, uns im Lande 

niuerer VKter anznsiedeln. 

Hlebei wollen ^jie giitigat zur Kenutuig nehmen trnd am Orte ihrer 
I Butimmiuig feststelleD, ilass wir durch diese Erklärung weder uns seihat 
iln ii^end welcher Weise für gebunden erachten, noch Ihnen oder einem 
[iioheD Cungiease irgend welche V'erpHlchlnngen auferlegen nnd unsere 
' l^>kULrung lediglich zu lu/ormatiunszwecken abgegeben sehen möchten. 



— 110 - 



Die nÄUeren Daten bexüglicb unaerer iiiaterieHen imd FamOien- 
veihältniaBe sind g-ewisseiiliaft in den betreffenden Rnbriken eingetragen. 

ScIiliesAlicIi crsncliea wir Sie, in nnserem Namen einen hoben Zio- 
ni«1encongi'«>s zn Basel nnserer würnistcn Sympathien zu vei-sicbeni ; 
mögen seine Tlcticblnsse xuni Besten unseres armen Volkes atütfalleu ; 
uv'Re es iUai et'ijüiint sein, den Grundstein zur Wiederaufricbtiine der 
jüdischen Nation zn lefienl" 

Es wurde von jedem Kinzelneii. der die Petition nnterscbriflb, ein 
kleiner B<'ilrftg erhoben. Also wnr die rnterscbriftenaanimlnng nicht am- 
sonst. Das Comlte wird dieselben Tür die benannten t'olunisaliouszwecke 
benüt/en. 

Von den eingelaufenen Zuschriften will ich zuultcbst das hebräische 
Bentriissunf^'sschreiben des Eal»biiicrs Sainnel Mohilewer in Blalystok ver- 
lesen lassen. 

Dl'. Armand Kamiuka .Prag) verliest dns Schreiben des Rabbiners 
Mohilewer und fügt die deutsche Uebersetzung hinzu: ^Mein üesundlieits- 
zustand gestattet mir nicht, Ihrer Einladuue- peraünlich Folge zu leisten. 
Ich entsende daher meinen Enkel als Zeugen dafür, dass mein Herz bei 
Euch ist. Ans der Tiefe meiner Seele bete ich zum Himmel, er mö^e mit 
den Gesandten des jüdischen Volkes sein, sie beleliren, was sie zn sprechen 
haben, damit sie im Ct'ejste der heiligen Thora und im Sinne der ataal- 
liehen Gesetze verhandeln. Kr mi>g« sie unterstützen, dass sie ihre l'läne 
ftustuitren und ihnen die tiuust der Reg^ierungen etc. verschalTeu. denen 
sie die Liisung der .Indenfrage vorlegen wollen. Inseren Brüdern selbst 
mi'ce er den Geist der Liebe zn unsereu ODglücklichen Volke and seinem 
Lande einfliisscn ! Amen. 

Xun will ich mir erlauben, einige Vorschläge zu machen. 

1. Belrefts der Ziele des C'ong'resses begnüge ich mich, aus dem Auf- 
rote des Comit^s folgendes anznfUliren : .Der CoDgre«s erstrebt nur mög- 
liches und eiTeichbares, Was Ibm sonst angeschrieben wird ist eintach 
unwahr. Was der Congress tiinn wird, soll üffentlich geschehen, alle Ver- 
handlungen werden sowohl den Gesetzen der einzelnen Länder als auch 
unseren Bürgerpflichten entsprechen. Besonders bürgen wir datür, dass 
der Congress den rnsRischen Ziimisten und deren politischen Verhliltnisaen 
Kechuung tragen wird.' Ich hofte, dass dieses 'N'eraprecben eingehalten 
werden wird und wenn auch manche dagegen »ein sollten, so werden sie 
in der TtlinoritJit bleiben. Ich hoffe es nnd f&ge noch hinzn, das« der 
Hauptzweck des Congressea das Bestreben sein soll, bei der türkischen 
Kegieriing die Erlanbnis der Ansiedinng zu erwirken. Wir müsöen mit 
allen Kräften danach streben, denn davon hSLugt das ganze Colon isatioos- 
werk ab. 

2. Auf dem Congresse wird wohl eine Centralleitung ausserhalb 
Rnsslands gewShlt werden: Wir müi^sen dafür sorgen, dass sie ans Miinnem 
betttehe, die unserem Ziele mit Leib und Seele ergeben sind. 

:i. Der Congress mnss die Ueberzeugung zum Ausdrnck bringen, 
dass alle guten Zionisten iu brüderlicher Kinheit und Liebe zusammen- 
halten müssen, wenn auch ihre religiüsen Anschauungen auseinandergehen, 
wenn ancli die Einen die Anderen für irreligiös halten. Die Frommen 
u5gen sich doch vorstellen, dass sie, wenn ihr Haus brennt, auch einen 
nichtfrommeu Ketter mit Freuden begrnssen würden. So steht es nämlich 
mit unserer Sache. Ein grosses Feuer ist um uns ausgebrochen nnd droht 



— III - 



uttft zu v^nitchteit. l'n«ere Fein<Ie veiiiiehren »ich von Tag zn Tag iitid 
clhl^n beiTits nacU Millionen imd wean sie niclii die (Tesetze tiircbleu 
w^iileii, verBcliUii^n sie mis lebendig: Xan sind un» ßiüder crsianden, 
di<t uns in der Notii liiirreich die llilnde reichen und alles anfbiRten 
V'fllen, om niiser Volk aiu d«r Xoth za befreien. Dürfen wh* diese Hilfe 
aQASiJilagen ? Man nclitc darAuC. dßS8 dieser Brnderbund ulcht zerstört 
wtrde I 

4. Ferner tnugen alle Zionisten erkennen und die vollkomineue 
r^WrzfotnnK ffewinnen. dass .Iscbub Krez Israel-', d. Ii. der Ankanf von 
Btt-ipii. das Hauen v<tn Häusern. Bebauen vun Felder« und Uiirien t-inea 
der tiedenNAu>&len (.rebote unserer Tliora ist, von ilein niauclter unserer 
allen Uei^eu bebauptei. dass es die ganze Tiiora aufwiege. Ks erklärt 
n(h die« dadorcl), dhsis davon die Kr haltnng umtert^r Natiun abliiiugt. Wer 
iin glaubt und weiss, ist ein wahrer Iiiiunist, uhae diese l'eberzengung 
pU jeder« der sich uns anschliessl, nur ein Almosen wie zu irgend eineui 

5. Die Gmiidlage Rir die „Liebe zu Zion" ist, das Anfi-ecliterhalten 
(Irr Tina Bberknmnienen jii'liRrlicn Tjehre. Ich will damit keiner I^erson 
nahetineten. denn schon unsere Weisen sagten: ^Icb wundere mich, wenn 
>ciiuuil in dies*?ni Geaclileehte Moral zn predigen «eiss^. Ich behaupte e« 
^nt .lUgeinetu, daKS die Thora das Fundament sein sult zu unserer 
WWergebart im Lande unserer Nüter. 

»i. l.'nsere Aufgabe besieht nur darin, autzubanen und zu pflanzen, 
kHlit XU veruiehten und zu zerstiiren. Wir dürfen nicht die C'lmlaka- 
fauiitntjon schädigen, \üü der das Leben Tausender abhängt, so lange 
dh!»e nicht eine andere UnterbHltungscjuelle gefunden haben. 

7. Zum Zwecke iler Pr<»pa;rarida ilir unsere Idee uiüasen wir tüchtige 
Krdner in alle Ulnder, wo .luden wohnen, entsenden. Die Nothwendiglceit 
u)'] den Nutzen Holclier Pi'ediger haben wir hei uns kennen gelernt. Auch 
uiöaen Agitationsschriften in hebrüischer Sprache, im Jargon und in allen 
aoderen tjpraclien durch den Druck verbreitet werden. Sehr notliwendig 
ist f-S, eine gute, in Form uud Inhalt gediegene Brochure abzu{as.sen und 
in russischer, deutscher, franzri»isclier, englischer, italienischer Sprache 
ale Manifestation de^; zionistischen Ctedankens den massgebenden Person- 
Hrlikeiten aller Länder zu unterbreiten, damit diese über unsere Ziele 
ekliirt werden. Der ^fangel solcher Schriften ist beBunder» tlihlhar. 
>i. Beti-etT^ des Nationalfonde.^ müssen wir uns bestreben, dass die 
Je A. in Paris einen Theil ihres Fonds der Colonlsatiou Palästinas za- 
«oid«. Wir müssen auch nor.h andere reiehe Juden ttir uns gewinnen. 
Auch wilre gnt. es so einzurichten, dass immer ein Tbeil der lur Colonl- 
ntlou gesammelten Geld<±r als Nutionalfund aufgebracht werde. 

Nach meiner .Ansicht sollte der Congress ein DankHcbreiben an 
BUroD Eduard Rothschild abaeuden in Anbetracht seiner Leistungen ttir 
Ale Colonisation. Ist er doch seit der Vernichtung unseres Staates der 
*r*te Jode, der sich zu einer so grossen That entschlossen, viele Millionen 
to ihren Dienst gestellt hat tind noch weitere Opfer zn bringen geneigt 
i*t. Elinem solchen Manne soll die ente zionistische Versammlnng der 
JudtQ aller LUnder Dank und Anerkennnng zollen. 

Zum iSchlusse will ich meinen Brüdern noch folgendes xti GemÜtbe 
fiihrea: 



112 



Seit :!0OÖ Jaliräu lioffeii wir unf <]«ii tlrlöser, der tin$ an« ilet» 
bitteren (Jolus befreie nnd nnsere Zeraireiueu aus allen Einlcn der \Ve!r 
in unser Land führe, wo wir ein rnbigfes Heim liüden snlien. Dieser ülnubf 
lebt iiiücljtip in uns und ist unspr einziger Troat in Bchlechten Zeiten 
gewesen, lad irützdeni im letzten Jalirhunderi Lente aus unserer Mitio 
erstanden, die diesen (üaiibeu Yerleug:nen nnd unsere Hoßnaiigen aus ihrem 
Herzen und sugar ans den iiebeieii bannten, hsir das ganze übrigr Volk 
fest an dieser llolluuuir: sie bildet sein tfigllches Ifebet und richtet es nnf 
in seiner nt;iliJlngiii«. In letzterer Zeil erhoben sich sogar einige von den 
sogenniinten (»rthodoxen Kubbineiii im Westen daßegun. Einer dorselbeji 
lueinle, iill die TroslW'.rre und Veiheissnnffen unserer Propheten seien nur 
Allegürieii. I)er Krb'iser werde iiieiit zu dem Zweck erscbeiiien. damit 
Israel in ^eiJi Land znrürkkehre und nein üoluh beende, sondern der Er- 
liiaer werde dor eranzen Well oiscliciuen, um die Herrschaft liottes xm 
Uelinng zn bringi'u Israel dagegen werde als Leuchte nnter den Völkern 
weiter herumwiuidern, wie es dies bis jetzt that. Die l'ebriKeu crklkrten 
kurzweg, il*?r nationale liedaiike Verstösse gegen die messiauische Mte 
unserer Keligion. Ich muss nun offen erkUren. da^s das alles nicht wnhr 
isi. Lnser iijauhcn nnd Hotten war von jeher, diiss der ile:i.sias erscheinen 
und die Verstossenen Israels sammeln und wieder in das Land dei- N'äler 
tiihren werde. .\nbt«tt wie bisher in fremden Ländern liernmzuirren. 
würden wir dann wieder ein Volk sein in der vollsten Bedeutung diese-» 
Wortes. Anstatt wie bisher dem .^pott der Nationen preisgegeben /u seil, 
würden wir -lanu von allen geehrt nnd geaeliTet werden. Das ist das 
iTlanben nnd Horten, das allrn SVorlen unstMer Pjoplieten nnd Lehrer ent* 
(luillt unil daran liJilt nnser Volk fcstl Wir sind Ucherltch nicht eng- 
herzig gegen die andL-run \ijlker nnd glanbi'U nicht weniger als diese 
an die allgemein nieii3chlichen Verheissnngen unsei-er l'ruphet«'n. Wir belt'u 
am Nenjahi's- und Vei-sühnnugstage: ^Lass. o Uoti. wallen deine Furcht 
tiber all deinen Werken nnd deinen Srhreek über all deinen Geschftpfien, 
auf dnss dich alle Werke fiirchten und dich vei-ebren alle (TeBchupfe, daw 
sie sich zn Kinem Bunde vereinen, dtiuen Willon mit ganzem Herzen zn 
eiiUllen . . .■* Aber auf dieses Gebet folgt ein andtrrea: „Verleih* o Gott 
Ehre deinem Volke. Lob deinen Wrelireni. gute Hoffnung denen. dJe nach 
dir verlangen. Zutritt denen, die auf dich vertrauen, Freude deinem Lande 
nnd Wonne deiner Stadt nud Aurldühen der Macht deinem Dienet David ~ 
L"nd wahrlich, die Ehre unsei-es Volkes, sein Lob und seine gute Hofl- 
nung bilugen unr von unserem Lande ab. von der Freude nnd Wonne 
unserer Siadt. Nur dann wird das rnreehl verslnmmeii. alle Hoslieit wie 
Hauch verschwinden und die Hi^rrschaft des Frevels wird vom Erdboden 
abgcsehnfft sein! 

(iotr. der liesRhilizcr Israels ojid sein Erliiser. niilge «ein Wort in 
Erfüllung gehen lassen: ,^m spricht tJolt, ich helfe inoinem Volke ;in« 
i'stcu und AVt'steii und werde sie bringen, dass sie in Jerusalem wohnen, 
nnr ein Volk seien und ich ihnen ein Gott, in Wahrheit nnd Gerechtigkeit' 
Sachnria fi .*" 

Prjtsidout: Das Präsidium glaubt in Sinne des Coogre^ses gehnudelt 
zo haben, wenn es den Rabbinern Samuel Moliilewer und Dr Rnelf. die 
dem ('<»ngrü»a ihre .Sympathie aosgedriicki haben, Knudgebangen des 
DMikes zugesandt hat. Jubelnde Zustimninng-: Inbetreii des Hnefes von 
Dr Kneif glanbc ich, von dessen Mltthellung absehen zu sollen, da sich 
Gelegenheit finden wird, ihn zn pnbllcieren. 



- Ufi - 




Dr. 8. illaudelkeni i I^ipzig]: Ich möchte nur kors etwas erwäboen. 
[OB ^fttern tit-l mir anf, dass nichts geredet wnrde von den grrossen 
n&tto, dit^ Edmund von Rothschild durch Roine (.'o Ionisation gi^leistet 
hat. Irdi f*lanbe, nar durch die Erfolge desselben ist das Jadonlhuui in 
der Ofsamintheit das t'ürlzuset7.eu ermuulerl worden, vavn p.t h\» einzelne 
Penoh gelhiiTi hat. Ich glaabe. es wäre schön ^ewe»en. dass scliou beim 
Beffintie der .Sitzung diese That erwähnt worden wäre und ich balle nan 
dmfBr, dass es &:ut wfire, das»« man auf ihn ein Hoch anshringe. 

Frftaldeot: Ich mnss darauf nufmerksani machen, dass wir mit 
diesem Antrabe eiue wichtige Frage prltjudicieren : wir bringen den Con- 
gress damit in eine schiefe SiinaUon. Wir haben zu wählen entweder 
Kwiscbeu dem Scheine der Tudaiikbiirkeit oder dem Aufgeben von Prin- 
cipien, welche von uns erst noch zn discntieren »jud. Ich glaube daher, 
daas wir uns mit dt'm Anhören dieser Hede begnügen wollen und über diesen 
Antrag zur Tagesordnung übergehen. ; lebhafte Zustimmung, i 

Prifildent; leb müchte noch eine Kundgebung verlesen, welche 
sehr inlereii!»ant ist. Ka hl zwar in dem Itriefe nicht ausdrücklich be- 
merkt, dass er znr Publikation bestimmt ist. doch da ihm der \>nnerk 
ier Vertranlichkeit nicht heigefiigt ist. glanbe ich nicht nurecht zn 
handeln, wenn Ich den Brief des Urand-rabbin Zadok Kahn verlej«. (Ver- 
l«nuip des Üriefes. 

Dr. Sopdmu: Oeehi-te Versammlung! Sie haben Sonnabrnd in 
Ihrer Vorver^nmmlnng einen KUnfer-Ansschuss bejiiellr, der einen zioni- 
Ktischen I'nigrauim-Entwnrf ansarboiicn und Ihnen vorlegen sollte. Der 
AtnwchnKB nahm als sellratverstündlicb an, dass ihm ausser den gewählten 
ftinf MJtgliedcni die Herren Prof. Schapira und Dr. Hi>denheimer als 
Verfasser bnrt'irs vnHiegeuder Prograuim-Kiii würfe obenralls angebüren 
uiQS«ten. Her iiie>>engHe'lr)ge .Ausschtiss har drei sehr lange und mUbselige 
Sftzuagfn gehalten. Das Ergebnis der vlelstlindigen Ansti-engung ist der 
Kntwarf. iler Ihnen nunmehr mitgetlieilt werden soll. Itei lliiclitigeiii Lesen 
werden "^ie kaum erkennen, welch« Menge von Arbeit iu diesen wenigen 
Keilen einer gewollt kurzathmigen Prosa steckt. In dem Ausschuss sassen 
ausser Herrn Prof. ^^chapira, der zu dem W^rke seinen mathemalisch ge- 
itcUnlten klaren Kopf und seio von echt jüdischem Idealismus erfülltes 
Herz mitbrachte, ond oilr, der Ich keine andere t^nalificarlon aufzuweisen 
U«br als meinen guten Willen, lediglich kinge nnd gelehrte Juristen, die 
jede« Wort der scharfsinnigsten, zersetzendsten Kritik nnterzogen nnd 
kein» durchgehen Hessen, das diese vernichtende Kritik nicht siegreich 
Hffstand. Und vvir hatten schliesslich dennoch die Frende, dass die Arbeit. 
die aus diesem titaulschen Poch hanun er werk hervorging: vom Ansschnss 
ti nngenoramen wnrde. Wer die Denkgewobnheiten der Herren 

.' nnt, vnn denen behauptet wird, dass jeder richtige Jnrist Über 

je^ie rni*inkli'.he Frage mindestens zwei ^'ersehiedenc Meinungen hat; wer 
da weiss, dans zwei .luristen. die über ii^end einen Pnnkt der gleichen 
Meinung sind, in der wpit'-n Welt erst noch gefunden werden solh-^n ; wer 
lerncr rrwfvgt. dass in •ii';.--eni Fall zn den berufliehen Denkgewidinheiten 
.luristen nf»ch die jtid rechen Stannneseiarenheiten traten — Sie wissen, dass 
n uns beschuldigt, das rochtbaberischsle, halsstarrigste, uunachgiebigste, 
au der eigenen Meinung am ütlheaten festhaltende, gegen die fremde Mei- 
niifwr m..iiildsamBte Volk zu sein — der wird die ans Wunderbare grenzende 
K tkeit dieser fabelhaften Thatsache der Einstimmigkeit zu wflr- 

dtK^i' »f^n. Ich lege Ihnen nan dtin^nd ans Herz: ahmen Sie das 

8 



I 



Beispit^l Ihres AnsBcIinases nach! Der Kntwnrf reclinet mit Jeder berecli- 
Ligteii Kiuptiiidliclikeil. l-r wird den Feiirigeu wie dcu Bedkchiiseii. den 
VoraneiHrmenden w'w den Zaghaften pcreelit. Nehmen Sie ihn ohne Er* 
örterung, nhne Ahstimiuuug^, durch Znrnf an! Lausen Sie seine Annahme 
eine Knudgeburig der He^pistemng &ein! Itire l^^inätiminig^keit wird Uun 
die Bodemuug einer nenen Baunerinschrift Ismeis gehen, die dem Wollen 
und Thun untteres Stammes anTGescliIechter hinan» die bestimmte ßalm weist. 

Der Entwnil" lantct: 

^Der Zionismtis erstreht für das jüdiiiehe Volk Schaffoug einer rechtlich 
gesioherteD IleiinatUtte in I'alästina. 

Ztir Erreichoiifr dieses Zieles nimmt der Con^'ess folgende Mittel 
in Anssicht : 

1. Die zweckdienliche Fördemog der Besiedlnng T'alftsÜnas mit 
jüdischen Ackerbaneni, Uandwerkeru nud Ciewerheli-eibenden, 

'2. Die Uliedemng und ZusamnienlUssuug der ^'^osammtcn Judenschaft 
durch geeignete örtliche und allgemeine Verauataltungeu nach den Lan- 
desgeseiaien. 

3. Die Stilrkung des jüdischen Volksgeriihles und VolkshewuHstaeins, 

4. Vorbereitende SchriUe zur Erlangung der l^gierungszusliniman- 
gen, die nüthig sind, um das Ziel des Ziouisuius zu erreichen. 

Samuel Ptnrleti: Ic)i bin auch dafür, dasd der Eutwurf mit Ac^^la- 
mation angenommen wird. 

Fabtuti SeliAcik ^Köln): i Grosser l>Srm, als er zn sprechen beginnt, i 
Wenn \uu ^rechiliüh" hier gesprochen wird, dann beanspruche ich zuerst 
das gute Hecht, dass man mich anhört. Meine Herren l Ich bin kein 
Jnrist und ich bedaurc es jiicht, die Welt ohne die blaue Brille des 
Corpus jnris zn betrachten. V^s gibt Leute, die klarer nud natürlicher 
denken, als die Juristen und mancher Laie begreift mit seiner gesunden 
Vemmifl besser, was rechtlich ist, als ein Jurist. Meine Heiren'. Wir 
wollen hier die gruud legenden Gedanken des Zionismus zum Ansdrncke 
brlageii. und da ist es absolut notliwendig, dass wir Im Programme deutlich 
sagen, was wir erstreben. Eine nationale jl\di8che Ueiuial, das ist das 
Ziel, das wir erstreben, keine Zndacht aus Gnaden. Wir wollen das Land 
unserer Vater znm Lande unserer Zukunft machen. Selbstredend wallen 
wir es nicht mit dem Schwert erkämpfen, sondern durch friedliche Ver- 
handlungen mit dem Sultan durch die Venuittlcuig der Staaten Europas. 
Ohne vÜlkerrechtUche Garantien aber kanu unsere nationale Heimat 
niemala Sicherheit erlangen. Man darf keine Conccssionen machen, die 
das Gnindprincip unserer Restrebnngcn erschüttern. Das Wort, das hier 
im Programme fehlt, ist die Säule des Zionismus, wir können unmöglich 
daranf verzichten. Es ist dac> unschnldige Wort „völkerrechtlich". Ich 
gehöre zu den Stünuem und nicht zn den Zaghaften. Mit der weisen 
Vorsicht uud deu gelehrten Bedenken hat man noch nie eine gesunde 
Volksbewe^ug ins Leben gerufen. Warnm aollen wir nicht offen Farbe 
bekennen V Warum sollen wir nicht bekennen; wir woD^n nicht mehr 
gednldet sein, wir wollen ein eigenes Bürgerrecht auf heimatlichem Boden 
haben? Ohne nalionaJeu Kernpunkt, ohne völkerrechtliche Garantien Ist 
djo dauernde Existenz eines kleinen Volkes niemals gesichert. Unser 
Streben muss dahin gerichtet sein, den Sultan und die europjiischen Staaten 
fllr nnsero Hache zu gewinnen, ihnen zn «zeigen, dass wir ein friedliches 
Cnltnroloment sind uud dass wir uns seihst und der Welt nützen werden, 
wenn man uns zn eiuer nationalen, sicheren Ueimstätte verbilft. Aber 



- 115 - 

völkerrechtlich aaBg^stattei mo&s dieser Sainnielpunkt des anfer- 
suntlen^n jfiilischen Volkes sein! Verzichten \^ir tlarant', daim haben wtr 
aiLser Hanpuiel verlenfniet, dann haben wir 4ie Itahn dejt ronseqnenten 
Zionismns verlassen. \ Unruhe.) 

Prftsident. [>ieiie kleine Pause wird vielleiclil dazu beigetiagen 
haben, eine gewisfla Rahe filr die T>ebatto herznstellen. Ich glanhe, Heir 
Schach ans KOln befindet sich in einem gewlsnen Irrtlmme. Für den 
Kiitwurf int die conriliante.sle und eine g'eutigend deutliche Form geoncht 
worden. Ich bin nicht der Interpret der Conimission. Ich selbst habe in 
meiner g^e^tri^t^n Hede t;ia Wurt Kebrauclit. daa sicli vielleicht zur Auf- 
nahme empfehlen liesse, nünilicii das Wurt .iitteiiilichrecbtlfcb'*, A\'hb wir 
branchen, witisen wir alle, nnd es ist nicht notliwendig, dasH wir eine 
Debatte iibfr .SrlhütverKtUndlii'ltett eKiffiieu, nm spilter einzusehen, Anns ea 
onr eine VVuriätreitigkeit war. l'er Unterschied in un.seren ttestrehungcn 
gc^'en triiher befiehl darin, dass wir der DuldnnK dc-uUich das Kecht 
vor/iehi'n. Wollen Sie dfi Executive nicht ihre Anlg:afie erschweren, durch 
einen \1e)leicli[ allznitrüc.iM^n Ansdinck dc6.sen, waa Sie sich denken. Eh 
ist noch nicht gesag^t, dass man ein Anerbieten auch annehmen werde, 
das nicht mehr wert ist, ahi das. was unsere Staniniesgenussen dort, wo 
sie sich jetzt beAnden, jetzt schon haben. Es ist die schweifende Voraus- 
setzung, daas nur aulche Bedingungen acceptiert werden ktinoen, welche 
vollkommen das gedachte nnd uns alle beseelende Prugrumm erfüllen. Ich 
milchte Ihnen neuerlich empfehlen, die Debatte nicht zu umfangreich 
werden 20 lassen. Wrlieren wir uns nicht in Weitschweifigkeiten! 

Oskar Jtlarmorek: Verehrte VerAaromlnng! Nachdem sich über 
diesen Progranim-Entwnrf eine Pebarte ent.splnnt, mf>chte ich beantragen, 
dass zuerst das Referat von Dr. B d e n b e i in e r angehört werde, well 
sich dasselbe an diesen Piinkt auschüessT; sonst bekuutmeu wir spUter 
noch einmal diese Debatte. Ich beantrage, zuerst das Referat von 
Ur. Boden heim er anzubSren. 

Dr. Landau: Der Programm-Kntwurf wurde von mehreren Juristen 
Ausgearbeitet. Ich selbst habe die Khre gehabt, dieser Cummission anra- 
geli'iren Um nicht viel Zeit zu verlieren, beanii-atte ich die Wahl von 
Ocncralredncn» und eihe Panse von tUnf Minuten, damit Pro- nud Conlra- 
redoer sich anf den Oeneralredner einigen kiKnnen. 

Der Antrag Uarmorek auf Verschiebung der Debatte bis nach dem 
Beferat Dodenbelmer wird abgelehnt. 

Der Antrag Landan ant Wahl von *TenernIrednern wird aogenommen. 

Prtfiident: Es werden also Generalrcdner gewählt. Damit die 
lleiTen sich verst^digen kennen, unterbreche ich die Sitzung für fünf 
Minuten. .SelbstverstÄodlich betheiligen sich an der Wahl der (ienenl- 
redner nur diejenigen Herren, die sicl» znm Wort gemeldet haben. 

Pause. 



Dr. Korablilb: Ich möchte nur frageo, ob die Damen atimmbsrechtigt 
ifnd oder nit-hi, — 

PrVident: Die Damen sind selbstverständlich sehr verehrte Oäste, 
nebuien aber an der Abstimmung nicht tbeil. — Herr Hotzkin hat 
das Wort. 



- IIÖ — 



niotsfclu (Kiew): In Bezu^ anf den ereten Tankt des Prognnmmee 

liahe ich soeben die ebrenvtille Aari;abe erliallen, eiu \\ ui-t zum AasdiQck 
^zn brin^p». Wenn en mir anch sehr schwer tilllt, angenblicklidi mein 

jrtlicil hinsichtlich des erörterten I'imktes mir vollständiger Klarlieft 
becrilndon, \\a\te: irli es doch für meiue I'llicbt, dies 7M thnn. Wir 
erireteii den Stnndpnnkt. Aslus dva* Wort ^rölkerrechtlich" im l'rogainm 

liehen muss und iiwar gmz in dem Sinne, vr'w es Dr. Herzl in seiner 

)roBehnre ^esclirieben hat. Als vur t£> .InbreD die ^ehrit^ ^Anto-Kmftnci- 
[pfttion~ enichieii. wnrde 7.ttm ersten Male der Uedanke lant in die Welt 
[hinauitgenifeii. d.x3s das .Indenthuni eine ^YDlkerieclitlirl) Kesicherie Heim- 

itülle'* erwiinsclie und nur dnrcb Schritte in diesem Sinne der üffent- 
lUclien ThUtlgkeit eine solche Xü erlmflen habe. Mit der Zeit wnrde die 
edenmng der prophetlsciien Mahmio^ si> ab^eschwiiclit. dass liierst nichts 

netir llbrig^ blieb nis die Colouisatioii ['itlJl>itiiiaa. dann die Scliatfnn^ von 
[ein paar Cntonien nnd Kcblie^^Klinh nur nocit die Sammlnng- von Wohl- 
Ithltijgkeitsfreldern. Es war ein (C>o.«ses hiütorisches Jdeal, aber nar kleln- 
lliche 'I'haten sind peblieben. Was wnrde vun dem wirklichen, reinen 
[liedanken ins Volk hintiii«if;etra^en? her Hauptpunkt, das» wir durch 
naere Idee die Libang^ der .Iiidenfrage erstreben, wurde fast verge-nsen. 
(irotm war dämm die Ue^reisternnK. mit der wir den ersten Schritt 

Kur V«rwirklichun; junes hisfirisolieii Uet^iunes. dieüeu Cougres«, autge- 
f^nommen, milchtif; der Wiederhall. den sclion der t-rsle Anfruf Herzls in 
jnnKeren Seelen ^et'undeu. Ks tiaiideli h'iti]\ Tür uns ni*:hl um ein Wort, 
[Bonderti um unsere ß^anze kÜnMige Titktik; das \\'ort ist Mos ein Symbol 
bderselbeu. E« ist n.icli nnserer Ansiiüt von allcrerater Wichtigkeit, das» 
jder C'(tuf;resii seine Ii<b6nni? der .Indentia^re •■t'l'ent lieh aussjirjchi. Die 
lAVeli beschnttiq;t sielt mit der .ludenlra^«^. die Juden aber haben dazn 
leine Stellung eih^enomuien. welclie nur demüiliigt. Anders ist nnsere 
[.Stellnng^nalime, unser I'rotest, wenn wir es ansspreclien: Wir wollen ein 

eigenes Heim nnd «wnr ein Heim offen vor aller Welt, \V'ii' wollen nicht, 
Idüi miin uns Auklag^t. dass wir unitere Ziele bemi'nlehi. Alle verstehen, 
[dasH ein Volk ein Hein) ha)>en muss, und hu können wir aucli an die 
[M'elt herantreten mit der Forderung, dass uns dieses Heim gowilhrl 
Iwerdc. tfewiHs ist mit dieser Kordernn^ allein uuser Ziel nielil erreicht. 
FAarh wir Rlnubeu ni<^ht, dass sich sofort diplomatische Vertreter tinden 
fwprdcii, um niiser« Wünsclie y.n erlullen, Aber wenn wir die (Tesellsclinft 
Elmmer mehr mit dem üedauken erfTillen. dass die LiUuug der Jndeiifrage 
[nnr in dirHrm Sinne nnliEutassen ist: wenn wir in dei*selben Hichtung 
Jnnch nuHiTi' Taktik nnter den Jnden einrichten, wenn wir im Käuzen 
Ijlldlsrhcn Volke für dieselbe agitipren. wenn wir ««. ich miichte fast 
MiKi'U, im i'dkn Sinne, durchwühlen werden, so ki'nncn wir anf Erfolg 
[uaeU liiiirn und narli »unhimi rcrlinen. iMnn werden wir hoffentlich In 
fdle I.iiKo konunim, unseie Taktik im Namen der Rnu/t>n jlkdiseheii Nation zu 

tauti'rnehmen. und uns für wichtige pesohiehtUclie Momente vorzn bereiten. 
Viel« glnaben, d:inH wir dnrtdi nnseren Jngendlichen Telwi-eiter, 
fdliroh nnni-m „Ihibesonnenheit" der tolonisationslbfitigkcit grossen Schaden 
llirliiuKn kUnnen. Wohl ist es ni<">(rlich, dass wir mit einem offenen Auf- 
rlritlim mumontan einige ilindemisse Hu* die praktische Arbeit erwecken. 
lAlier, midn» MorixMi! i)ie Colouisationstliäiigkeit der letzten Jahre, im 

jlHi>n Sllh* welivrKeltlhrt, wird l^berhanpt zu uichTs HUiren. In 15 Jahren 

Jiulren vslr idnljii' Tansende Jlldisclipr Itauem any:c.Hiedelt, nnd es ist kein 
1«« Inttirense erweckt worden nnter den Juden. Es ist eine traurige 



-- 117 — 



TliHlsaclie, dass die zi'onistmclie Bcwef^un^ dorch die sof^enannte ^prak* 
tisdie" TüHtigkeit aus dem Volko, ans iinsfirpri Herzen tienuisfrerissen 
worden iat; wir. die Jnt;end. sind krank geworden an jener kleinlicbeo 
Arbeit nntt-r der Maske der WülilUilitie^keit. ohne Plan, ohne (Jrgnniu- 
tloo, aaf Scbmaggt'lwegeD nnd oltne liutlunn^-en. Im Anf^ni? der aclitziger 
Jalire janclizte die rtis^i^icli-jridiscbo Siud^-nteiiscliun dem ziunistischen Ideale 
Ztt'f Als das (froste iles ZionifiiniiM ^efu-li wunden, Hch wand an<:li die Üei^ei-slerUDg. 

Welcitp iftirantien Imben wir nnninebr. wenn wir niclit von vorn- 
herein ein fMteH Prograinni annebiuen, in welcliem «t«ht, daas wir eino 
^vMkern'clitlicIi Resicherte Heimstätte" in Palästina zu grtinden §uchen, 
dam sicU aneere Taktik niclit ändert? Vor denen branclien wir ans nicht 
za scheuen, welche deswegen zurücktreten, weil sie r.u feig sind und 
Dicht den Mnth haben, nn» za folgen, denn diese haben nna bJA jetzt 
keinen grossen Xntzen gebracht. Für die rolnnisationsthittigkeit hat die 
jüdische Nation jUbrtich nur Zehntau-sende von Franken und Tnustuide 
von Mitgliedern anr/.abringeu vermuchl; können wir glauben, das» sie 
damit bewnssl gehandelt hat. dass in derselben ein so geringer (irad von 
Idaaliflinns »ich offenbarr, wenn es die Lebensfrage betriÄt? Abnr den 
f jüdischen Vulksmaasen wnrde dertiedanke, daas es sich nm ihr Hell, ihre 
' Keitnng, nm die Li^nntr der grossen nationalen Frage linndelt, welch« 
nicht ab^eleognet werden kann, — dieser (iedanke mtrde ilinen gar 
nlelii mehr nalie^Iefirt, and tür Colouiaien im fernen Palästina opt'ertea 
ti« hinreichende Snninieu. 

Wtdlen Sie ans, der jttngeren Generation Arbeit geben! Wollen 
Sie bewirken, daas wir mit dem Heimatsideal vor das ganz« jüdische 
Volk hiutreten, für nnser festes Programm X'erstflndnis zu erwecken 
anchen und dasselbe für ein politisches Streben mit nenen Wegen 
und neuen Methoden organisieren. I'le Verbeimljehnng hat zu nichts 
geföhrt: wenn wir nicht durch ein i>flenes Wort die gesamnite Presse. 
die Ocrfentlichkeit in Hewegnng setzen werden, werden nnserc Ertnlge 
auch hei den .Inden minimale sein. I>aher »age ich: Alle diese Verheim- 
licfauneen sind nur iSelbsttänschnog derer, welche glanben, die tilrklRihe Re- 
gierung wisKe nicbl, das« wir uns in Palästina ansiedeln und ein iiolitjscbes 
]<Iaijonalleben beginnen wollen. Sie muss e« wissen ; denn gerade mit ihr soll 
der grosse zionistische Bund in ßeziehangen und Verhandlungen treten. 

Und zuletzt noch eines: Wie ist es möglich, dass wir trotz der 
verschiedensten Weltanschauungen einen einheitliclißn Hund stiften können? 
Ebeö jenes Ideal einer ^völkerrechtlich geslcherlen Heimstätte'* hat alle 
Spaltungen unter uns iu Bezug auf sonstige Fragen. Spaltnngen religiSaer 
Natur oder in unserer Auffassung des nationalen Gedanken», die sonst 
auch bei uns so natürlich wUren, vollständig verdrüngl. Es ist also fttr 
imsere Solidarität, für die Solidarjtttt des ganzen jüdischen Volkes wichtig. 
4aa8 nnser Ideal klar ausgesprocheii werde. 

I)r. Mintz spricht als (ieaernliedner fllr die ForiniiHemng, die dl* 
Commtasion dsm Programme gegeben. 

Dr. Hordau: Ich würde mir vorwerfen, den Eindnick, den die 
ausgezeichneirn Ansnihrnngen des Vorredners siclitlich l»ei Ihnen ber- 
Torgerufen haben^ durch weillitatige Uinzufüguugen abzoschwüchen. 
Nichts, was iu der allerdings kurzen Erürterung vorgebracht wnrde, habe 
leb als einen Grnnd erkennen können, von meine») ersten Vorschlag ab* 
zugehen. Im Gegenthcll, die Gefühle, die sich zum Tbeil in verworrener 
Weise IjUft gemacht haben, bestitrken mich in dem Wnnscb, diese Debatte 



— llf=! — 



esdilosaen zn sehen, nud zwar durch eine Kundgebnng der Itegeisteiung. 
TiT wolle» Alles hervorkehren, was unseiui^t, nnd Alles in ilon Hintergrmnd 
[teilen, was uns trennt. Parteinngen werden unter uns später nicht aus- 
ilejben, iCerklUt'tiwigen werden nicht t'ciilen. Lassen Sie nns aber mindestens 
Aimgangspnnkt nnserer Ttoweg^nng das Beispiel einei* imposanten Kinig- 
iteit geben durch einstimmige Annahme des Programmes mittels ZarufesI 
gbhafte Kufe: Abstimmang!) 

Or. Blumenfeld iznr Abstimmung): Ich werde mich kurz fassen. 
Tch glaube niclit tebl gehen zu dürfen, wenn ich verlange, das« nament- 
lir.li abgestiuiuit werde, damit nicht die Starke der Lungen und das Klaisrhen 
Hände den Ausschlag gebe, damit das Kosukat ein klares und nnzwei- 
lliges werde: ich beantrage desbalb. dass über diesen I'uukt, ob ,,vÖl- 
kerrechtlicli"* oder ,,rechtlicli*', namentlich abgestimmt wird. — 

Prft»ident: Es liegen eigentlich drei Antrüge vor: Der Antrag 
Jer Commission, dann der Antrag des Herrn Motzkin und drittens der 
Vutrag „Öffentlich-rechtlich. " Nun handelt es sicL bei vielen Anwesenden 
^ence vielleicht um ein MiasverstAndnis. Die Herren von der Commission, 
jpom Wnnscli getragen, eine einheitliche Knndgebn'ng des ersten Con- 
esses hervorzurufen, haben sich auf den weitesten logischen Kreis 
geeinigt, der ja auch den kleiuern einscliliessl: sie haben dadurch durcliam 
Ikiebt zu crkeDucu gegeben, wie weit sie auf dem innersten Kreis, wenn 
|cb das 80 detinieren kann, auf dem vidkerrechtlichen Standpunkt stehen; 
Üe haben es sieb Vürbehaltcn, aber niclit anfgegeben. \Veun wir mög- 
icherweise der Verwirklichung unserer Ideale uHher stehen als man 
flaabt, so k<Juneu gewisse tJründe der Opportunität, iu denen jedoch 
Dooh keineswegs eine Aufgabe des -Standpunktes geluiiden werden muse, 
vorsichtigere Formulierung rechtfertigen. Ich glaube, dass der der 
be dient, der eine schnellere Losung lierbeiTüUrt. Das Stimmeuver- 
Ettnis ist bereits klar. Kb wllre aber doch unser aller Wunsch, dasa 
vir einmiithig den Autrag des Prugrammes annehmen und iu diesem 
Sinne mache ich darauf anhnerksum, das« vielleicht der Wahl des Wortes 
„Sflrcntlich-rechtlicli*' von jedem Juristeu zitgeMimint werden wird. Ich 
nnchte mir erlauben, der Commission vorzuschlagen, diesen Zusatz, der 
Qser Programm nicht entstellt, zu berathen nud, wenn sie mit ihm ein- 
verstanden ist, die .Abstimmung vorznnelimeu. 

Dr. ßnilfnheimrr: leb stelle den Antrag, dass fiir den Fall, diUB 
dennoch eine Heraibnng staltHndet, zwölf oder vierzehn Herren gewählt 
werden, welche das iVogranun noch einmal berathen. i Allgemeiner Wi- 
iersprtich.i Ich merke wie die Stimmung ist, und ziehe daher meinen 
^.uirag zurück. - 

FabluH Schach: Meine Herren.' Ich habe eine dringende Bitte: 
|*Wir »prechen nicht im Saal, sondern in der öftentlichen Welt. Jedes 
pVort hat üffentlichf Hcdeutnng. Waa .wird mau iu der Welt sageUf 
wenn man spUter hört, dass tUier tinen solchen .Antrag die Debatte ge- 
schlossen wurde? Ich stelle Hen Antntg zur Geachüfi^ordnung, dass die 
"^ebaiic wieder aufgenommen werde. (Unter allgemeinem Tumult verlässt 
[der Kedner den Saal.) 

rrflüident : Die Debatte ist darch die AVabl von Generalrednorn 
jreschlo^seu, ich habe den .Antrag gestellt, dass die Cnmmii^ston sich 
Enrttckziehen müge, um eine Kevisloa vorzunehmen und diese dem Con- 
ess mitzutheilcn. 

Pause 



— U9 — 



I 



Präsident: Das Wort bat Herr Dr. Nordaa als Vorsitzender 
de« AnMctiDSfies. 

Dr. Nordau: Per Programm -Aussohuss Imt sich zu nochmaliger Be- 
nthnhg zurückgezogen; er hat sich überzengt, dass or einen Grund, seinen 
Standpunkt zu ändern, eigentlich nicht erkennen kann nnd dasRdioHinzn- 
(ügvag von^iiffenilich" za „rechtlich^ tbatHÜrhlich nichts ansdriiekt. was nicht 
schon im nr3pnin(rllch*>n Text entlinlten wSre. Uinjedoeh das notliwenilige 
Beispiel der flchwieHßen Selbstüberwindung im Interesse der wünscheus- 
werten Kini^kfii zu bieten, hat der Aussehnss besclilossen, dem Anirag aof 
Einfügung 'üeseä Wortes statt zn geben. Der erste Abfwitz wird also lauten : 
,l>er Zionisums erstrebt ftir das jüdische Volk die ächnffnng einer 
nflenttich-rechtlich getiicberten Helntütütte in PalKKtiua." 

Diese Fassung t'niptlehU der .AusBchn&a nunmelir zn einstimmiger 
Annahme. ^Heg^^istertes Zurofen.'i 

Der Antrag erscheint durch Acelamation angenommen. 

Dr. Blumvnfeld zieht angesichts der grossen Begeistemng seinen 
AütrHg zurüfk. 

Motzkiu: Diejt^nigen Herren, welche das Wort ^völkerrechtlich" 
verlangt haben, erklären sich mit der rmwandlun? in „öfienllich-recht- 
Uch" zufrieden Reatelll und sprechen es aus, dass damit ihre l'eber- 
zengnne oäen luid ehrlich vur aller Welt an»gesproehen lai. ^(irosser Beifall. i 

Dr. HerzI: Das Wort hat Herr Dr. Boden beimer zu seinem 
Referat über die zionit^t ische Organisation. 

Dr. M. J. Budeiilieinier rK5tD): Wertp Congress-Miiglieder! 
Der Gedanke, ans, dit? wir von einer gemeinsamen Ueberzeugung 
beseelt sind, die der eine VViile erfüllt, unserem Volk« eine teste 
Basis zu geben, auf der sich seinH Zukunft aufbauen kann, hieber zu 
rofeD^ uns zn geroeiaachaft lieber B-rathung zu veraammeln, das war 
fchon der Beginn einer zionistisclien Oiganisation. Die einfache 
Tbatsaohe de» fJongres-ses hat uiisprt'i- Sache uuscbät/bare Dienste 
geleistet und bedeutenden Nutzen gestiftet, selbst wenn unsere Ver- 
handlangen ohne jede:» unmittelbare praktische t^rgebnis bleiben 
sollten. Wie eine Idee oft, Geiat und Körper gewallig erregt, uns 
ZD Ihatkrüf tigern Handeln anspornt, während wir vorher unsere 
Kräfte in niti<<.><iger Lethargie erschlatlVn )ie!*sen, ho lial der Con- 
grrs^gedanke Überall die Judenheit aus tausendjährigem Schlummer 
aufj^eiiiitelt und zur Erkenntnis iliies Daseins gebracht. Wie dei' 
Stnimwind befi'uclitende Keime über weite Länder ausstreut, so 
hat dieser Gedanke überall, wo die zionistische Bewegung Eingang 
gefnnden hatte, neues Leben erweckt und unsere Freunde gezwun- 
gen, sich zu organisieren, um den von allen Seiten unter uu>eren 
Stamine^genosseu uns erwachsenden Gegnern Stand zu halten 
und ihre Begeisterung für die erste jüdische Nationalversamnilnng 
zu bekunden. Unsere Aufgabe wird es nun sein, den Hotfoungen 
gerecht zu werden, die unseie öfsinnungsgenoi:seu an die Ent- 
wickelnng dieses Keime» einer Organisation duicU unsere Versamm- 
lung knüpfen. 

Die Krag«, ob und warum wir überhaupt einer Organisation 
bedürfen, wird wohl kaum ein Gesinnungsgenosse aufwerten; dennoch 




wollen wir sie einer kurzen Betrachtung uDt«rziehen. Jedes Lebe- 
wesen bringt ceine Organe, wodurch es sich erhält und fortpflanzt, 
bei der Geburt mit auf (He Welt und entwickelt dieselben zu 
zweckmässiger Tlmtigkeit. Anders verhält es sich bei den soge- 
nannten socialen oder politischen Körpern. Das unterscheidende 
Merkmal eines solchen Körpers, einer geistigen Gemein^haft meh- 
rerer Menschen, ist, dass sie /um Ausdruck ihrer gemeinschaftlichen 
üeberzeugung zur Eireichung ihrer Ideale besondere Organe schaffen 
müssen. Auch das Volk ist ein solcher socialer und politischer 
Körper; wenn sich derselbe organisiert, Werkzf-uge zn seiner Ei- 
haltung und Gntwickelung schafft, so wird dersäbe zum organi- 
sierten Volkskörper, das ist zur Nation. Der höchste Ausdruck nnd 
das Ziel *iiner derartigen Organisaliun ist die völkerrechtliche An- 
erkennung derselben als Staat. In der Rechtsphilosophie bezeichnet 
man daher den Staat als den rechtlich orgauisierten Machtwillen 
des Volkes. Nicht jede Nation besitzt die Fähigkeit, die höchste 
Stufe der Eotwickeluog zu erklimmen. Nur Völker von hervor- 
ragender geistiger Kraft and Kigenart haben dieses Ziel erreicht; 
aber jeder Nation wohnt der Trieb inne, ihre Eigenart und Kraft 
durch die Staaisbildung zu erweisen. Wo mehrere Nationen inner- 
halb eines grosseren Staatsverbande« zusammenleben, hat demnactt 
jede das Bestreben, entweder, wo sie sich dazu stark genog fdhlt, 
die anderen Nationen ihrer Eigenart zu unterwerfen, dieselben zu 
unterdrücken, oder sich im anderen Falle von dem ätaat«ganzen 
io9zuirenrieu und einen selbständigen Staat zu gestalten. Wie also 
auch die Organisation eines Volkes beschaöen sein mag, so mosü 
sie die Möglichkeit bieten, sich zur staatlichen weiter za bilden, 
sie muss im Keine den Keim zni' Staatsbildang in sich tragen. Dax 
ganze Elend des jüdischen Volkes seit dem Verluste dar natio- 
nalen Selbstälndigkeit besteht darin, dass es in keinem Staat« ge- 
nügende Macht besass, als geringfügige MinoritM auch nicht besitzen 
konnte, nm eine staatliche Heirscbaft zu erlangen, dass es aber 
auch nirgends eine Organisation schuf oder schaffeu konnte, om bei 
einer Loslösnng von den Staaten in denen es zerstreut lebte, ein 
selbständige» Gemeinwesen bilden zu köniien. 

Fehlte es aber wirklich dem jüilischen Volke an einer solchen 
Organisation ? War dasselbe denn nicht immer in Gemeinden 
organisiert? Gewiss! Die Zersplitterung dieser Einzelgemeinden, die 
anter sich in keinem einheitlichen Zusammenhang standen, Liess 
aber durchaus keine nationale Entwicklung zu. Ein Zusammengehen 
des ganzen Volkes zu gemeinsamen Zwecken war bei die.^en Zweig- 
bitdungen ohne nationales Centrnni vollstündig ausgeschtosseu. Man 
könnte nun sagen, es existietten doch immerhin Vereinigungen, 
welche die ganze Jndenheit ohne Unterschied der bt&atszugehörigkeit 
umfaesen, man denke nur an die „Alliance Israt^lite Universelle" 
oder fto die amerikanischen „B'nei B'nth''. Allein diese Vereinigungen 
können schon darum keine nationale Organisation genannt werden, 



^ 



4 



i 



- 121 — 



sie grundsätzlich den politischen Charakter von sich absest reift 
l\ieu und lediglich aus dem Ge-^icüupunkte der Meosclieiiliebe 
ibre StÄmmesgerossen tördem wollen. 

Diese Veieinigiingen stehen überdies zum Theil auf dem 
Standpunkt der Assimilation ; giengen also dieselben dazu über, sich 
mit poHi lachen OiegenstÜnden ?.n befassen, so würden sie keine 
nationale, sondern eine internationale Oi^aniaation darsU;)len. Dash 
die^e VereiniguDgen nur aus Juden itesteh^n, betrachten dieselben 
nicht als Zweck, sondern als einen zufälligen iiusseren Umstand, 
der nach der Meinung ihrer Gründer und Leiter aufliuren wird, 
sobald die Grundsätze der Meniichenüebe dui ch die Beseitigung 

I religiöser Vorurtheile znr allgemeinen Anerkennung gelangt sind. 
Selbstverständlich erwarien diese Leute einen solchen idyllischen 
Znstand schon in allern« chster Zeit, wobei der Wunsch Vater des 
Gedankens sein dürfte. Ein im übrigen kluger und gebildeter Herr, 
gtosskanfmaon, stellte mir die<tes paradiesische Zeilalter filr die 
^häteu 5, spätestens 20 Jalire in sicheie Aussicht. Und da spricht 
Buui uns gegenüber von Uiopien. 

AUfl diese OrganisKtioneu bieten daher in keiner Weise die 
Möglichkeit der Wciteientwicklung zum Staatsgedanken, zur Rechta- 
^ aawprftgang des nationalen Machtwillens. 

B Wenn wir also der Meinung sind, dass das jüdische Volk zu 

" seiner Selbaterhaliung und culturellen Entwicklung ein besonderes 
Gemeinwesen nuthig hat, und dieser Ueberzeugung ist Au-sdruck 
gegeben worden — wenn uns eine Heimstätte Noth thut, auf der 
sieb die jüdische Sondeiart frei entwickeln, jüdische Begabung und 
Fibigkeit ungehemmt von dem Druck und der Beschiänkung, 
denen jede Minderheit unterliegt, auf allen Lebensgebieten eine 
Tolle Probe ihres Wertes ablegen künnen, so mii^sen wir zu diesem 
Zweck besondere Organe und eine neue nationale Organisation 
schaffen. Demnach ist aber unsere Organi:4ation nicht nur eine zio- 
nstiscbe, sondern ihren Gegenstand und ihre Grundlage bildet das 

I ganze Jüdische Volk. 
Wir sind der Ueberzeugung, dass in den b'ishertgen asstmiJa- 
toni^rhen Organisationen nit^hi das jüdische Volk und dessen Maclit- 
wille zum Ausdruck gekommen ist, sondern lediglich eine kleine 
IQiqM von Geldmännern, die überhaupt international sind, und ihre 
materiellen mammonistischen Tendenzen gerne mit dem Mäntelchen 
eines erheuchelten Patriotismus verhüllen möchten. In dem Munde 
•olcber Leute ist das Wort Patriotismus ein Mifisbrauch, und ihr 
ganzes Gebahren eine Farce. 
Zar Schalfung einer nationalen jüdischen Organisation brauchen 
m kein Mandat, wie die Frotesti'abbiner wollen. Die Männer, 
welche von dem Wuosche beseelt, ihrem Volke zur Freiheit von 
Dmck und Unrecht zu verhelfen, zu iigeud einer Zeit, in irgend 
einem Laud ihre Brüder zum Werke nationaler Einigung aufgerufen, 
und ihre Person für di^'se heilige Sache eingesetzt haben, haben sie 




- 1?? — 







HckUit «kenntet? ' 
«t«rt«r MiMcr 4>*r Vi 

KAf HaaAef« kevefia tef. 

Di «fr ab» mr ZA ftfln 4m 
M ktWa vir ab Mite 

d i ijw l yf fSariditaDfea Torzabervitcs, welche ma» m buiM 
nfMito Saae id« die VorbediagaqfB «filRr^fr "Avicmmm 
bttnalAel, 4m irt 

i> 4U OrguÜMtiov da iuti*;iul-jadiich Mpiiiaie« V*lkvi. 

b) doMen caltarelie V«r«taiguK out emen bttliauBtei l^ad. 

Ob ^cb dAin mler dicMO Vorbediogiiacea cim Suua woM« 
irirfclfeb enlwlekelo wird, ob die*er Gipfelpsakt lutiooaW Cdtor 
Mr du jfldiscbe Volk wieder eneicbbar ist, die hUsaag dicsar 
Fra^r könoeii wir getrost der Zakaoft, ni&flieo wir der gfittlicbea 
Voriebong ttbcrliMen, 

NAcbdefa wir m erbittert hab«iif dass nod wamm wir einer 
OrRiOiuUoo bedürfni, wolles wir uunmehr outersBcbeo, wie die 
OrganiMiion benebaifeR aeiü miua, um aas«rer Sache za dienea. 

Die Orondlife (Uetier Ort;ani<<Ation mnsa ein klares, ksnei 
Prograom »«in, die Anf-itfllanj; utr iinvu\z\i^t^, welche aas ali 
PiTUH einigen aod von atitleren (c^i^iigeii HichiuiLgea ionerbalb der 
.TuilfinlifH treiiiif^u. 8o wie die Stiele, der Oeiat eines Henscbea 
dfHuün Ifandlongfn ItfHtimmt, mam» auch da» ProgTamin stets die 
KielilKrhiHir nniwrei' }*ar(*'il^klik bilden. Natur^emftss raasis dieses 
iVt^gnimni »-in nlliftfnipinM »»fin, welcbes Zionisten aller Länder 
durch firi ^^«imHiiHHint!:« Hand umxrlilifHst und ein besonderes in 
Jedem Lattd*^, in wflr.liRni i>ich t*int* gesonderte zionistischH Gruppe 
buflnilef,. Dan allgfimeinR I'ro(frftmm darf nur das enthalten, was uns 
alh* einijjct, ich darf wohl hier ui»*iner perjtön lieben Meiauug freien 
AnKdnick flehen, die (4rUndun^ einer völkerrechtlich ge- 
üicIiertHn HeiniHitiite für die unterdrückten Siammes- 
genoHSen und dit« Andeutung der hierzu erforderÜRben Mittel. 

I)it*»ttH Zi**! Itfinnen wir verfolgen, ohne uns mit den inneren 
politischen ZnwiMnden der bestehenden Staaten zu besrhÄftigeu. 
keiner d'-rxelben kann sich durch dieses Programm beunruhigt 
fühlen. Wir greifen keine Nation oder Confes8ion an, oder beein- 
trilrhligen ihren ßmit/sland. Wir wollen im 6egentbeil einen Keim 
de» Unfriedens und de» Zwiespaltes hinwegräumen, indem wir für 
dl^lenlRen Sliunine.sf(onositen, welche sich durch na:ionale oder con- 
fewlonelle Ueibunßen belustigt fühlen, ein Asyl schatfcn, wo sie 
ibrw KiKPn«i't entwifkeln können, ohne hiedurch mit anderen Nationen 
oder Confe^sionen xnsaromenzustoitsen. 



^ 



- 1?» — 



lach die tflrkische Regierung wird durch unsere Beatrebuugfen 
'bedroht. Das jüdi^cbe Volle erkennt dankbar die Toleranz, 
che die türkischen Öultane den Juden gegenüber stets geübt 
ben, an und wird nie vergessen, Ums dieselben ihnen zur Z»*!! 
r «piuiischen Vertreibung ga-tlicli ihr Reich geöffnet haben Wir 
b»n auch den ernstlicheu Willen, durch unsere Organisation pine 
Ikerrecht iche Vereinigung auf dem Boden gemeinschaftlicher 
keresven zu treffen, ohne die Suuveranitiit d(M Sultans irgendwie 

Rrtetzen. 
Cnser Programm bildet ebenso gut ein Sichei heitsventil gegen- 
em ÄntisentitismuSf wie gegenüber dem immer mebr~wachsendeii 
jdenelend, bfö^ond^rs im Osten Europa:^. Kann es eine menschen- 
j;»*re, edltre Aufgabe geben, als dem hungernden, nach Brod 
enden Volke der russisch-polnischeh, galizir^then und rumänischen 
■«Im Arbeit und fi'iedlichen Krwerb durch den Fieiss ihrer HAnde 
schafften ? 

Während das allseraeine Programm uus von der Beschäftigung 
ien'Ziiatänden der jüdische» Bevölkerung in den ein/.t-lneu 
eni und deren polilisrheu, beziehungsweise socialen Slnllung 
Nütionen. unter denen sie wohnen, grundsätzlich ausftchlieaat, 
■51 Sache der Einzelorganisationen sein, diese Zustände je nach 
■ Verhältnissen in den einzelnen Ländern programmatisch zu regeln. 
k ' ' -sichtspunkie, welche hier in Betracht kommen, sind 
K - die folgenden : 

in Galixien heri-scht ein furchtbarer wirtschaftlicher und 
Üaler Kothstand der jüdischen Bevölkerung. äoU diese unserer 
rbe pQtzen können, sei e^ durch materielle Unterstützung dea 
ilonii-ailongwerkeä, sei es durch Abgabe des geeigneten Menschen- 
Uffial» für dieselbe, so mus:« zunilchst dieser Nothstand beseitigt 
ter wenigsten^ gemildert werd-n. Auch genügt es nicht dem 
fiK^p, der heute infolge einer judeiifeiudlichen Gesetzgebung dem 
»hungern nabe i^t, lediglich die Hoffnung auf eine schönere 
ükfltift zu erweckeri ; die Gegenwart erheischt hier dringend ihr 
rtbt An-i dem nationalen Solidaritäisg-fühl erwächst hier vor Allem 
n it^n Gesinnungsgf-nosaen die Pflicht, hilfreich für unsere 

Irti _ _^atreten und auf die Beseitigung der Miss4ände hiiizu- 
n«ii«n, welche jenes Klend herbeigeführt haben. Die Quelle dieser 
btktag- zu erforschen und die letztere selbst zu bekämpfen, ist 
fcfctr ein Hnupt^egensiand der galizi>chen Organisaüon. 

Ei! iilich andere Aufgabe wird sich für de Zionisten 

b ^urn; II Westens ergeben. Hier ist duich den Schein 

ÄT^eflidier Gleichstellung das Gelühl nationaler Zusammenge- 
M^keit unter den Juden fast vülüg geschwunden. Ja, der Jude 
•plüdet die ihm durch die Gehurt aufgezwungene Gemeinschaft 
t» lein Juden nicht nur, wie Heinrich Heine sa^t, als 

fi j . sondern geradezu als eine Schande, die er, veranlasst 
feindselige Strömungen, möglichst zu verbergen sucht. 



- 124 - 



Dadurch entsteht eine Halbheit und Zeifahrenheit i\e» Wesens, 
Mannesstolz, Selbstbewusstsein und ein reines Glüekenipfinden 
vülltj^ au-^scliliesst, Aber es den Juden auch unmöglich macht, il( 
g»-meinscbaft!icben Interessen zielbewusst zu vertreten. Hier m^ 
durch die Pflege unserer Geschichte die Erkenntnis geweckt werd 
dass wir trotz der Zerstreuung unter den Vülkern immer als 
nationale Kinlieit betrachtet worden sind uud dass hieran auch 
sogenannte Emancipation nichts geändert hat Während dich a| 
diese Znsammengebörigkeit bis heute leider fast nur in der 
meinschafi der Leiden und der Ünteidrückung gezeigt hat^ w| 
jetzt duich den Zionismus ein gemeinsames Streben nach eü 
befseren Zukunft als Oegeustand und die^ie selbst als errei^ 
bares Ziel aufgestellt. Wer kann die Gemeinsamkeit solcher In 
ressen leugnen, wo eine mit Blut und Tliränen geschiiebene 
schichte, wo die laute Stimme der gemt-insamen N<)th beredter 
der leei e Schall des Wortes zu unserem mitfühlenden Herzen spric 

Für die Zionisten des Westens ergibt sich also als III 
gegenständ ihrer Thätigkeit die Ptlege der jüdischen GesehichleJ 

Die Hauptaufgabe der Kinzelorganitsationen in allen Läudf 
wird ts aber sein, unsere Ideen in der Masse des judischen VoH 
zu verbreiteu, neue Anhänger um unsere Fahne /.n schaaren, 
hierdurch die Möglichkeit zur Ansftihiung unserei- Pläne zu schafi 

Unter Berücksiclitiguog dieser Gesicht^ipunkte ist der Congr 
als Hanptorgan der Zionisten in der ganzen Welt zu betracbt 
Jeder Zionit>t rouss berechtigt sein, an dieser jedes Jahr au ein 
andern Oit stattfindenden Versammlung theilzunehmeo und 
Stimmrecht auszuüben. Zweckmässig dürfte es sein, den Zionts^ 
des Ortes, an dem der Oongress stattfindet, nur in der Per 
ihrer Delegirten Stimmrecht zu gewähren, um denselben nicht 
nnverhältnissmässige.9 Uebergewicht in der Versammlung zu 
möglichen. 

Mein Vorschlag geht ferner dahin : 

Der Congress wählt jedesmal ein Central-Comitö znr Vor 
reitaog des nächsten Welt-Congresses, sowie zur Ei'ledignug 
laufenden Geschäfte. 

Dieses Ceuiral-Oomite wählt aus seiner Mitte drei besond 
Commissi oneu: 

aj für die Agitation, 

b) für die diplomatiscli-financielle Action, 

c) für die coionisatorisclj-praktiache Thätigkeit. 
Die Zahl der Mitglieder des Cential-Cumit^, sowie der 

desselben bestimmt der jedesmalige Welt-Congreas. Äussei'd^ 
bfstimrat derselbe, durch wt-lehe Anzahl von Personen sich 
Central -Comite auf dem Wege der Cooptittion ergänzen kann. 

Das Central-Comite eirichtet au seinem Sitze ein Cent 
bnreau mit drei Abtlieilungen, die den drei Commissionen 
irprechen. 



— V2b — 



Von (l«n Mitglieilern dea Central Coinites müssen miadestens 
tna ihi-en Wolmsilz am Sitz desselben haben. 

In der g;leicben Weise wie das Ceritial-ComitH w«*iden die 

tidea-Coinit<^3 von den Landes-Ver^amuilnngen der Zionislen ge- 

iLU, ilie sicli im übrigen se)b»Uudig jtt nach den beTiDuderen 

^ftitnissen organisieren. Auch die LandAS-Comileü erricliten ßu- 

welche unter iltrer Leiinog die regelmässige CoirespondenB 

feigen and die Agitation betreiben. 

Die Landes-Comites bestimaien aas ihrer Mitte di** Verlaoena- 
Etner, welche mit dem Central-Cümiie correäpondieien. 

unter der diplomali-^ch-financiellen Actio« ist diejenige Thä- 

gkeit zu verstehen, welche die Verhandtangen mit der türkischea 

<i«rung 3sum Zwecke der Sicherung unserer Oolonisation und die 

HttUffODg Staats- oder völkerrechtlicher Garantien für dieselba 

Gegenstände haben, ferner aber auch die Leitung der Ver- 

adlnngen mit den MHciit*'U, mit der „haute tinance" zum Zwecke 

ßrtaogung der nüthigen Geldmittel fdr die colonisatorisch* 

iktiflcbe Tbätigkett. 

Diese letztere ist zu ausgedehnt und hängt zu sehr von deo 

^ebenen Verhältnissen dea Augenblicks ab. um hier des wei- 

en erörtert zu werden. Angedeutet mag werden, dass hierunter 

cht nur die Grfindung von Ack^rbancolonien fällt, sond-rn auch 

Schaffung und Unterstützung gewerblicher Etablissemfnts, der 

an von Risenh^^hnpii nnd sonstigen Verkehrswegen, Anlage von 

Hen und Einrichtungen einer colonialen Selbstverwaltung. 

Damit diese Organisation irgend etwas leisten kann, bedarf 

eines Fonds, braucht sie Öeld. Wiis man bekanntlich nicht nur 

Kriegfuhren n6thig h»t. Die Frage, wie dieser nationale Fond 

bescbatfT'n ist, hat die führenden Geister unserer Bewegung in 

rorragendem Masse beschäftigt, was schou daraus hervorgehen 

irfle, dass mir eine grosse Auzalil ins Einzeln« gehender Vor- 

bJÄge gerade zu diesem Punkt gesandt worden ist. Ich will 

^& dieselben nur ganz kurz berichten, da die betreffenden Herren 

iichüich bestimmte Anträge stellen und dieselben begründen 

Gemeinsam ist allen diesen Voi schlagen, dass sie gleich ins 
Hse gehen und ungeheure Capttalien als nothwendig für den 
»od Toraussetzen. 

Hen" Professor Dr. ^chapira will einen Fond durch einmalig© 

periodische Sammlungen gründen, der jedoch nicht angetastet 

Jen darf, bis er die Höiie von 10 Mill. Pfund Sterling erreicht 

Zu zwei Dritteln darf dieser Fond nur zur Erwerbung von 

rritorien verwendet werden, die jedoch Diciit weiter veräussert, 

Bdem nur anf je 49 Jahre verpachtet werden sollen. Die Veraus- 

ing einer grosseren Summe aU die jährlichen Zinsen sollen nur 

Grund eines Plebiscitea des jüdischen Volkes erfolgen können. 



— I-Hl — 



I 



Unper verdienstvoller Vorkämpfer in Scblesieu, Herr M< 
BUS Kaltowitz, will den Foud duru'h Gründnn^ von Geno« 
Schafte« aufbringen. Jedes Mirglied soll 10 — 15 Kronen Ei«sc*.!»rel 
gell und jährlich 100—150 Kronen zu zahlen haben. Für m 
Betlieiligung erliält der Geuossenscliafier Ländereieri und Acl 
geriitlie, derni Wert er mit vier bis fünf Percent zu verzSi* 
hat, bis 50(iO Kronen von denselben voll eingezahlt sind, fi 
Moses hofft auf diese Att die Vr-rfügung über circa eine Mi^ 
Genosäenschaft<capiial zu erlangen. 

Auch einer der Aeltesten unserer jnngen Bewegung, 
Dr. Biei-er aus Sotiii, hat sich mit dieser Frage beschäftigt. IM) 
und der Delfgierte dn* rumäniscben Grossloge des Ordens Bi 
Berith, welche eine rühmliche Ausnahme von dem a±<simllaloriMS 
Kessellreiben ahnlielier Veieine in anderen Ländfm macht, du 
sage ich und Herr Btociner stimmen mit ihrem Vorschlag über 
jÄhrlich von sömmtlichen jüdischen Familienvätern eine re) 
massige Beisteuer zu d^m Zionislisehen Fond /u erheben. 

bäminthche Vorüchläge bieten intHrt-ssaht« Ge-sichtapun 
und erhalten zweifellos einen guten Kern, auch dürfte der 1 
eclilag Biever und Bronciner für Ost-Europa vielleicht durchfl 
bat sein, worüber ich kein Urtheil habe. Zu gewichtigen Beden 
gibt die Idee drs Herrn Prof. Scimpira nach zwei Swten Vei 
lastiung. Derselbe will die Bodenbesiiziefuim von Dr. Hertzka 
FlÜrscheim in Vertündung mit den altUblischen Vorschriften t 
das Jubeljahr zur wirtschaftlichen Grundlage des zu schaßVii 
GenieihWfsens machen, und gleichzeitig für Fragen der Ver 
■ tung das Plebiscit einführen. Es erschfinl mir ü*-\\r gewagt. In 
^schon di»* nationalökonomi>chen In.siitutioHen in dem erst zu 
denden Gemeinwesen fesizuleeeu. instiesondere aber ohue vor 
gehende Versuche bindende Bf-schlüsse zu faa^n und eiu Sy* 
aiizunehmeo, de^iseo Durc führung in den srtgenannten Fi>ili 
coloiiieen unternommen wuide, ohne dass bis jetzt eine em 
^■die^er Colonieeu zm- gedeihlichen Ent Wickelung gelangt ist. 
Plebiscit, wie Professor Schapira voi-sieht, scheint mir prakt 
Dicht ausführbar zu sein. 

Durch die von Hetrn Moses p'ojectierten Geuossensclia 
dürften, meine Herren, S'-hwerlich gi osse Geldmittel zu erlangen j 
da dius zur Colonisatiou brauchbare Menschenmat^rial die ei 
derlichett ßoOO Kronen zum weitaus grössien Theil nicht bea 
und diejenigen, welche das nöthige Capnal besiizen, zumeist w< 
kdle Ln:«t noch die Fähigkeit zur Aikerbau toloni&ation haben. 
dem Ackerbau als der Grundlage j~der nationalen Wirtsc 
mttMHeu aber auch wir die Colouiaation b**ginuen. 

Ich glauhe jedoch vetsichein zu können, dass die LO» 
dieser Frage viel einfacher i.-t, als man denkt Ich brauche \ 
kaum zu kelonen, dass ich mich an bereits Vorgedachles, in 
■ondere an die Schrift meines Freundes Dr. Herzl anlehne. 



I 

A 



— 127 - 



Das Capital gltidit, wenn ich ein etwas gewagtes Bild ge- 
sehen darf, einem wohlerzogenen Mäilchen, das sich schüchteto 
Jirgt, wenn ein leichi^innigt-i-, gfck^'nhufter Liebhaber ihio 
nachstelU; so scheint das Capital zu verschwinden, wenn neue 
UoietnehmungeD von zweifelhatter Sicherheit duf d^ni Maikt nach 
Geld gai^hen. Sobald ein leKÜes Uuteinehmen, ein rentableä Froject 
auftaachi, ii»t Capital in Hülle und Fülle da, wirft e:i :iich uns auf- 
dringlich au den Hals. 

Du'cli freiwillige Beisteuer aufgebrachte Summen werden vor- 
läufig aui^reiuhen, um die AusgaOeD für die Agitation und Propa- 
ganda unseier Idee zu decken. 

Die erste Aufgabe für lÜe einztisetzende Finanz-Cominission 
vird nun, da wir aul andere Hankinsiitute nicht lechuen dürfen, 
daiin bestellen, eine Special Hank für unseie Zwecke, mit einem 
Worte eine jddiHche Hank zu giünden. 

Zweck der Bank wird die törderung agrarischer, industri- 
'en«r und Handels-Cnternehmuugeu der jikdischen Col^nisten in 
Sjrrieo uud Palästina sein. So lange keine Verwendung der Capi- 
talien iu die>eni Sinne möglich ist, kann die Bank wie jedeu andere 
FiDaDzIusiiiut dl** disponibUn Capitalien lüi beliebige indusirielle 
oder H«nd< Iszwecke verwenden. Bietet jedoch die Anlage für die 
voieiwahnteu Zwecke hinreichende Sicherheit, sei es durch die 
I'eison der Colonisten oder Corporationen, oder aber durch dte 
iltiu Untetneliuiungen, so muss die Bank mindestens bis zur 

ihr»-« Betiieha Capitals d>eseu Zweekeu znwenien. 
Di« Batik soll &(atu'ai*t*ch veipdirhiet Bein, die ihr zu Aula- 
fEfZverken od^r im Ge>cjiäf(sbetrieb von Privaten, einerlei ob 
Joden oder NichljudfU, überwiesenen Gelder lediglich zu wirt- 
, sehaftiicb productiven Unternehmungen zu verwenden. 

Der abgesondert von dicc^er Bank zu verwaltende National- 

, Fonds, welcher' durch Sammlung«- n oder Schenkungt'n erworben 

LvinJ, kann zui Gründung von Alu8terColonleen oder zu den von 

[^911 Stiftern vorgeschriebenen Zwecken verwendet werden. Auch 

ineo die Kosten dei- von der Bank unteiuommeu>-u Versuche 

Schaffut'g einer luduT^trie in den Colunieen hieivon bestritten 

werden Sind nie Verhältnisse in den jüdi-chr-n Coloideen gesichert, 

i§t^ kann die Bank als jüdische National*Bank ihren Sitz dorthin 

[terlegen. 

Diese Bank in Verbindung mit dem Central-Comite in Wien 
Jiftt dann auch dur^ gceiguet>te Organ, um mit der tüikischen Be- 
[gieruDg in Verhandlung bezüglich Landkanf-Concessionen etc. ein- 
kstireten. 

Die Einrichtung dieser Bank im Einzelnen frstzustellfu, oder 
\ieu Beieicii ibi*er Fäidi^keit /.u begrenzen, kann nicht die Aufgabe 
l'dficses Rffi-rata oder Gegenstand Ihrer Beschlüsse sein. 

Dr-D dritten Punkt meines Kef-rais „die Agitation" kann 
ich wohl kui-z beliauiUlu, da wir hiefür in den politischen Par- 



teien die besten Vorbilder besitzen, Auf eine Merkwürdigkeit, die 
nach meiner Ansiebt bervortreten wird, möchte ich jedoch be- 
sonders auimerksam macli'^n. 

In Uussland und Knmänien bedarf fs dem Anschein nach 
kanm einer besonderen Ai^italiun für unsere Saclie. Die Massen 
fliod dort heute sclion dafür f^ewonnen. Die dort aafgeb: achten 
Gehler dürften höchstens zur Förderun? der hebiÄischen ünter- 
haltungslitei-alur durch (iründun? von Volksbiliotheken, Heraus- 
gabe billig^er hebräischer Classiker, wie da-t Unternehmen nnseres 
Genossen Herrn Dr. Ehrenpreis, und zur Subvention'rung der he- 
bräischen Tagespresse nölhig sein. Die Übrigen Gelder müssen 
dazu dienen, in West-Europa die jüdische Masse für die Kionistische 
Idee zu gewinnen. 

Die Agitation wird liauptsäclilicb bestehen müssen in der 
Thäligkeit von Wander rednern, welche in Deutschland, Frankreich, 
England und Amerika die jödische wie auch niclitjüdische Bevöl- 
keruat? äi»er die Bedeutung und die Ziele unserer Bewegung auf- 
zuklären haben. Diese Wandr-rrediier kfinnlt-n ja anch zugleich die 
ßnivauleiter in den betretfeuden Länilern sein. An geeigneten 
Krätteu dörfte es uns schwerlich mangeln. 

Sodann wird in jedem Land eine Tagespresse oder wenigstens 
eine Zeitschrift zu schaffen sein, welche alle einschlä^gen Fragen 
unserer Beweaung theiU wissensclialllich, theils polemisch be- 
handelt nnd gleichzeitig die jüdische Bevölkerung über alles sonst 
VVissenswerthe auf dem Laufenden unterhält. Wo dies angeht, wird 
die bereits bestehende Presse hietür zu gewinnen sein. Ein be- 
merkeoswerther Vorschlag wird tod dem (genossen Herrn Bader 
aus Lemberg gemacht, der die Gründung eines zioniMiischen Tagje- 
blatts im Jargon tdr Qalizien als notliwendig halt. Wenn ein 
solches Blatt zustande kommt. mHchte ich die Bitte aussprechen, 
in denisetbeo, so weit dies möglich ist, durch Aufnahme besserer 
belteti istischer Werke auch die hebräische Sprache zu fördern. 

Id dritter Linie hiitte sodann das Bureau der Laudesurgani- 
sationen Bruchuren und Flugblätter /.u Agitalionszwecken heraut;- 
geben nnd zu verbreiten, in der gleichen Weise, wie die ,,National- 
jiidisclie Vereinigung füi' Deutschland" einen gedeihlichen Anfang 
gemacht bat. 

Anch durch Gründung jüdischer Tarnvereine, welche ein 
Prager Genosse in einem S<;hreiben an mich vorschlägt, dürfte 
ebenso wie dnrch diejenige akademischer Vereinigungen die Agi* 
tation weseoUich geföideit werden. Ganz abgesehen von der social- 
poliiischen Bedeutung unserer Bewegung wird es auch sonst för 
die sittliche Entwicklung unserer jüdischen Jugend von hervor- 
ragendem Wert sein, wenn sie von den Heiv, und Verstand ver- 
ödenden Vergnügungen des modernen Grüssstadilebens abgelenkt 
nnd zu gemeinsamem, höherem geistigen Streben und kräftigenden 
Leibesübungen hingelenkt wird. 



- 129 - 



Zur Verbreituufi: unserer Idee wird aber die Hanptsache immer 
die persöniiclie Agitation s**in. Wer vou der Wahrheit unserer 
Orondsälze erfüllt \&t, wird in seinem Kreise der beste Vorkämpfer 
tür dieselben dmvh das lebendige Wort sein. Er wird mit leichter 
Mühe die Voiurtheile, die gegen unsere Bewegung^ bestehen, zer- 
fltreaen und die erhobenen Verdächtizuugen in ihr wahres Licht 
Btellea können. Dann wird die Agitation in Wahrheit ihren Woilsinn 
erföUen, wenn wir so Herz und Sinn derjenigen bewegen^ die uns 
persönlich nabestehen und in deren Mitte wir uns gesellig und 
freandschuftlicb bewegen. Die Bande der Freundschaft, welche der 
Parteihader zu zerreissen drohte, werden fester geknüpft und diese 
selbst durch das gemeinsame Streben nach einem achimen, eihahenen 
Ziel mit neuem Inhalt erfüllt werden. 

leb komme zum Schlnsse. Im Eingang meiner Rede habe ich 
das organisierte Volk mit einem lebendigen Körper verglichen. Das 
jödische Volk ist leider zur Zeit ein Lebewesen, dessen Organe in- 
folge jahrhundertelanger ünthätigkeit erschlafft und gelahmt sind. 

ÜDS^e Aufgabe ist es, diese Organe wieder neu zu belebeo, 
den Qeist frischen Strebens und froher Zuversicht dem Volks- 
kQrper wiedt^r einzufl5ssen, damit da.^ dahinsiechende Volk gesund 
and kräftig werden und der Menschheit wieder reiche Gaben seioes 
freien (ieigte.s daihieten könne. 

Dass wir aas tausend Wunden bUiteu, brauchen wir nicht zu 
beweisen, jeder Tag schlägt uns neue. Aber, dass wir fast zu Tode 
krank sind, erkennen wir daran, dass wir sogar zum grossen Theil 
die natürliche Fähigkeit vtrioien haben, die Hiebe, die auf uns 
Diederfallt-n, zu empfinden, denselben auszuweichen oder zu entgegnen; 
M wenig wirkt mehi* der Selbsterhaltungstrieb in unserem Volke. 

Nur so ist es zu erkliüen, dass es einzelne Stammesgenosseu 
gibt, die ROmlinge und Vollchristen unserer Tage, die selbst das 
•Tadenelend leugnen, welches vom Osten her verzweifelnd an unsere 
ThfireD pocbt. Lassen wir uns aber in keinen Kampf mit diesen 
jödischen Spi'^ttern ein, wozu uns leicht die Krre-gung des Augeu- 
Micks verleiten könnte. Die Geschichte wird über die höhnenden 
Worte jener Herreu richtend binwegschreiten, wie sie die Volks- 
verrlLiher der alten Zeit, den hellenistischen Hohenpriester Mene- 
laos Dod den Rümling Flavius Josephus als solche auf ewig ge- 
hrandmarkt hat. 

Das Schiff des jüdischen Volkes irrt ziellos auf dem wild 
bewegten Meer umher und da ist kein Capit&n und kein Steuer- 
mann, der es zum rettenden Port lenke. Jahrhunderte schon dauert 
das Verhängnis. Geben Sie dem Volk seine Führer und das wohl- 
geieitete Schifi' wird gar bald unter dem frohen Jauchzen seiner 
ilannschail den grünenden Strand en eichen, ein Land, das uns die 
die Palme des Friedens und die Sonne der Freiheit verbeisst. 

Wir stehen auf dem Boden der Eidgenossen, welche vor Jahr- 
liouderten unter viel schwierigeren Umständen sich ihre Fielbevt 



- 130 — 

«rronffen hAben, als diej»fDigen siDc), die sieb nnserer Sache in 
Whj; Htfileii. Erfüllen wir uDt» doch mit dem GcUte dieser M&ooer, 
leK«n wir unsere Herz*'n in unstre Hände, werden wir die mathigen 
Vorkämpfer ant^eter Ufbenceugaug, und der Si^ knan anserer 
Sache nicht fohleiu 

l)av Gp-ial aber, der jene Männer durclidrang, ist ein anderer 
altt derjenige der Zwietraclil und der Zprspliiteruog, welcher dem 
jQdi(ücli<fn Volke oft so unbeilvoll geworden \aU 

äu iu6ge denn ein Gt^ist der Kiniekeit, der Geist des Rötli 
uudi über uoHerer Versammlang neuer Eidgenossen wehen. (Leb- 
hafter HeifaUO 



Nachmittags-Sitzung. 

PpÄhtU#*nt: KiiR Wort hat Herr Ur. Rlomenfeld. , 

I>i'. IIlumenr«l(l : Ich habe mir erlaubt, «-inen "kurzen Antrag ku 
uuterbreilc», wt'rdo niir orlauheu, dieseu Antrag mit einigon Worten 
zu bi-lvuchteit, mid «rwarte gÜntitigGS Eutgegeukoiumeu. Es bat uns 
heute Mr. Nordaii dwii Entwurf des Cougress-Programraes vorgelesen 
lUhl dli' Milto (larAii gt-kuii|irt, derselbe mochte en bloc angenommen 
Hprdt*n iintor N'ermciiiinijf jeder weiteren Discaasiou. Nachdem einige 
AnfVa^un zum lOniwurfc K'RHiellt »orden waren, hat Dr. Xordan erklärt, 
dau uImo AnfraK^^ii bcreitH in dem Kniwnrre ihi« Autwort finden. Ich 
bcantratfu nun die Drucklegung dcH Entwurfes und zugleich der Motive. 

Prialdenti Ich crthttile da« Wort Herrn Dr Schat'ler 

l»r Srhaffer iHnItiniore): rntter Programm ist sehr fanapp gebalten; 
aber dir t'i-Nar-hr datVir, daiu tu ko kurz get'asst ist, iutt die, dass es die 
vorseh tedonon Anitchiiuungeu einschUessen wollte. Wenn man eine Er* 
kllLnmK gcbüu wollte, «o niü&ste mau verachiedene KrkUrnngen gebeo» 
und xwnr jo nach iler AnffaMiung des Kinen oder des Anderen. Ich bitte 
Sie, den Streit, den wir glücklich beigelegt haben, nicht noch einmal 
berAMfKubeBchwJiren. Vienicbr soll es jedem einzelnen Delegierton anbeim- 
gcHttrllt B«in, das Programm za Uauso so za erkläi'en, wie es ihm am 
beuten iMiiwt. 

rrftMldml: Ich ertheile Herrn Or. Nenmark das Wort. 

l>r NiMiniark: Wir babea beute die Kinigkeit bergesiellt. Etwas 
»eliwer int m gegangen. Alan hjltte sie vielleicht auch uüt weniger 
äohDoidlgkoit in der llandhahnng der (.tegchüfisordaung herstellen können, 
aber mau bat »lo wenigstens hergosteUt, nud wenn wir nochmals eine 
Erklttrnug geben über diu Motive, so sind wir gezwungen, ant die ein- 
ivlnen AuHdiiicke einzugehen. 

PrAHtdenl: Ich crtheile Herrn Dr. Blumeafeld das Wort. 

Dr. Blunirnfcltl; Es v\urdo von mir nicht verlangt, daea Irgend 
welche Krage riiiber bezeichnet werden müfise, sondern es soll nar 
oomiut'nlierl wrrden. was der Auascbiiss und der Congress anter jedem 
etnaelnou Schlagwort vorsteht. Ea ist das von sehr grossem Nutzen, 
damit wir das grosso I^ublioum fUr unsere Zwecke gewinacB. 



— i:ii — 

rri8id«at: Ich mischte Heim Dr. Hinuienfeld dnraaf aufnierk- 
ma mach):iü. da8s es an ülcb eine aiulieDtiscbe InterpretulioQ iiiclit geben 
kariQ- ick glautiti aber, dass iu gewissem Sinne eiue «olcbe in der De- 
baue des Congress«^ li^^, die Jedt^ Ici^eti kann nnd die int dtenogra- 
phincbcn Hericlit sich finden lässl. Ks liegt der Antrag vor: Drock- 
^]*ping des I'rogramraes, sowie MinzufügUDg der Motive. — 

Bei der Abstiuiniune wird die Drucklegnng angrenommea, die An- 
ffibe der MotivR dag'egtjn mit grosser Mehrheit abgelehnt. - 

Prftsiilent : Wir geben Über zor Piscnsslon des Punktes H der 
iTigesordnnng 

Blarmorek- Wir sind heim Kernpunkte unserer Berftthnng angc- 
lluifL Wir wiesen alle, dftss Jadenuodi bi'stebt; wir sind einige darin, 
fdus wir abhelfen wollen : aber, um ideale Zwecke zu eiTcIcben, ist 
I r^aniitation in erster Linie erforderlich. Was eine gute Organitation 
JiBsuacbe, kann nns. obwohl wir im Priucip gegen diese Partei sind, die 
iSocialdemokratte lehren. Wa» sie erreicht hat, bat sie nur dnrch Orga- 
liiulion erreicht. IMc (Organisation darf niclit anf den .Scliultej-n weniger 
IciDe Last vnn Arbeit Hamuieln. der diese mit dem besten \A'illen absolut 
itiebt nachkommen kÖTineu. Irb beantrage: 

Es mOge der Ziüitisten - l'ongi-(>.%s eine Organisation mit Orts*, 
IjodfS- und iStaats-Cuniilüs, die imk h den her reffenden Staatsgesetzen 
I «inzorirbten sind, btsohlifssen. Ausserdem müssen aber davon getrennt. 
I CQnmi&5i4>nen mit »jictieller Aufgabe treiert werden, und zwar: 

I. Kine Comniission für das \"i>lksstndinni und fiir i^ ruf« -Statistik. 
Kine Commission tilr Landesstudium nnd die Colonisation Pa- 



3^ Eine Commissiuu fiir Organisation nnd Propaganda. 
4. Eine Commission für Presse, insbesoudeie Partciprcsso , and 
coUtr derselben besondere AufuiMrksamkeit gesL'henki werden. Dieselbe 
[kitte rieh nuter auderm auch mit den CuUnri^ngelegenheiten des jüdischen 
, Vblkea xn betasiflen. 

h. Eine Fiuanzcommislon. 

6. Eine Commisainn zur \'orbereitang des nächsten Congresscs. — 

Ifemi der heutige C'oiigrest« ist gut iu .Scene gesetzt worden ; doch fühlen 

' wir, dnos man nitch weiter schreiten sollte. Ks soll deshalb ein .Separat- 

k Conitii für den oarhsten Congre.ss eingesetzt werden. 

■ Pr. Kajniuka: tue Anträge, die hier gestellt wnrden. sind in 

r flirer Gesnuimtheit etwas verfrüht. Wir haben noch keine üebersicht. 

b «oUiu d«'r Antrag gestellt werden, dass ein Coniitt' znr Fürdemng 

• irr jiraktisrheu lolnniaation eingesetzt werde. Die Nothweodigkeit wird 

lirh Tun selbst ei^'ebeii. nachilem Sie den Derlcht Hher die Culunisation 

tnrebürc haben werden Ebenso werden .Sie. naclidem Sie die Verhand- 

iDugen ober die hebräische Liicratnr angehört haben werden, sehen, in 

wipwpjt die Einsetzung einer Commissinn fhr bebrilische oder jttdisclie 

O'ifimutliceratnr erfor*ierlich Hein wird. Wir wollen die Antrftge desltalb 

vii^nndiieben. b]>* dl»« Verbaudi nngi^n so weit erledigt sind. — 

Dftvld Wolir-4ohn Koln : Ich miVbte bemerken, dass dieser Punkt 
<Ur Tugiwtirdninig woiil der wichtigste nnd schwierigste ist; ich mochte 
dnbalb den Antrag stellen, eine Commissinn von 7 Mitgliedern zu 
«AtUra. an din ttäuimtlicbe auf die Organ ii^ation bexüglicbe Anträge der 
I CoDgressmit^Iieder m richten sind. Dieselbe wird dann heate die An- 




- 132 — 

trüge vorbei-«^] teil uud murgeii zu uus komiueii, wodoivli die gauze Sache 
daun liedeuteod ei-leiditcii wird. Ich schlage vor^ in diese Commission zu 
wählen die Herren Dr. llerzl, Dr. Nordau, Dr. Bodeuheiiuer. Dr. Schnirer^ 
I>r. Hemat^in, Director Steiner und Mr. de Haas ans London. Diese 
Cnmmipsiori krönte sich cventnell anch noch coopticrcn. Ich glaube, aaf 
diese Weise werden wir am hcRttn vorwärts k<ininiett. 

Heinrich RIrkenNteln rPraakrurt a. M.; ; Von allen Punkten und 
den Referateu hat midi am meisten interessiert das Eingelieu auf die 
vAlkswirtschafiliche Lage. Ich wollte «Sic darauf fturmerksam machen, 
das» dieser Funkt keinesfalls aus den Augen verloren werden sollte nnd 
EUm mindesten gleichgestelll werden sollte mit allen den Punkten, die 
bis jet7t genannt worden sind. In Deutschland z. B. hat die Volkswirtschaft 
einen sehr schmalen Kaum in jeder politischen Discoseion. Im iteichstag 
sowohl als in Vei-sanimltingeu macht tiicb ein Mangel an volkswirtschaft- 
lichen Kenntnissen nugfhencr fiihlbar. Ich erinnere an das Problem der 
Silber- and (yoldwUhrung. Wie violc haben wir in Deutschland, die sich 
darüber klar werden? In Deutschland fehlt eben das Studium der Volks- 
wirtschatt. Ich glaube aher, dass die Volkswirtschaft in unserem Volke 
einmal guten Boden finden wird. Ganz besonders wichtig ist es. das» die 
Herren eine CommissEon ernennen, die diese Bestrebungen verfolgt. 

Dr. Scbaffer: Ich luuss von getrennten Commissionen entschieden 
abrathen. Die Krhaltung von Comniisaiuneu kostet Geld. Uan müsste du 
Geld autbringen, denn bi» jetzt hat man die Mittel dazu norJi nicht anf- 
gebracht. Ich stelle mir die Sache anders vor. ^Vi^ brauchen nar eine 
Organisation mit 5 oder Personen, nnd zwar so, dass diesi^lben dt« 
Arbeiten unter sich vertheilen. Jeder wird ein bestimmtes Fach über* 
nehmen, damit nicht verscitiedeue getrennte Commissioneu erforderli&h. 
sind, wodui-ch Verwirrung hervorgerufen werden konnte. 

Schach: Heine Herren 1 Man macht uns Jnden gewohnlich den 
Vorwurf, wir seien zu praktisch. Ich wünschte, dem wilre so lliitten 
wir CS verstanden, praktisch für unser \'olk zu arbeiten, wir h<ttt%n 
heute nicht den ersten Zionisten - Congrcss nnd wir wILreu nn einem an- 
dern Platze als in Basel versammelt. Dasselbe Bild -der unpraklischea 
Anflassang zeigt sich anch hier Wir haben hier grosse. herrlicJie Keden 
gehört, aber alle beweisen nns nur, was wir wollen nnd nicht, was wir 
Bollen Dass wir ein Viilk sind, dasK wir ein Volk sein uiiisüen, wenn 
wir nicht zu Grimde gehen wollen, das wissen wir wohl, aber mau soll 
nns nun den Weg zeigeu, den wir wandeln sollen, — das ist die Auf- 
gabe des rougresses. Ks wird hier der Schwerpunkt auf die Vorträge^ 
and nicht auf die Discnssionen, anf die Klärnng der Meinungen, gelegt^ 
nnd das ist ein Feliler. Man kommt uns immer mit der Znmnthnng der 
60 bloc - Annahme, bevor die verschiedeuen Richtungen zu Wort ge- 
kommen sind. Wenn Jemand ein Referat über Agitation ankündigt, so 
litttte ich erwartet, daas er uns vorher einen gedruckten Agitationsplan 
vorlegt. Statt dessen h<Men wir wiederum den Beweis, dass die Jaden 
eine Nution bilden. Hier ist der Platz, wo wir nns über Vorschlüge aus- 
sprechen, wo wir nlitzliche Anregungen nehmen nnd geben sollen. Für 
gelehrte theoretische Ausführuugen haben wir hier keine Zeit! Meine 
Herreu! Wir vertreten hier foimell eiue halbe Million Stammesgettossen.,- 
faciisch aber sind wir hier die legitmeu \'ertreter von sieben Millionen 
^Bden, denn der jüdische Volksgeist gab ans da^ Mandat dazn. Ja, dat^ 



▼ir 



JDdiscbe Volk rklitct in diesem Mnment seine Blicke iinf nna und 
erwartet vou ims Tiufct und praktisclicn RatU. leb will Ilire Aiifmerk- 
■auikeit nur aal' eloen wicbtigen Pnnkt leuken, au( die lebendige Agi- 
toCioo dnrch die Belletristik Meiue Iterreii! Wir siud keine Partei iu 
•dem Sinne der modernen puUliscbeu Parteien. Was uas eluigi, daa sind 
nirbt poliTische Dn^cn, sondern T.ßbensinreressen. Mit F'Ieiscli nnd 
Blat, mit Leib und Seele nnd iu Verg'.ine^enlieit nnd Znkunt't geboren 
T xn einander. Daber kiinnen wir ancb niclit wie andere Parteien agi- 
1»reu. Nicbl durcli FJoeblätter und Programme, aticb nicbt durcb ge< 
lehrte \\'erke, sondern dnrch gute \'olk98<:lirifien wollen wir aaf oiisere 
Brüder und Scbwestcrn einwirken. Wollen wir das Volk gewinnen, daiio 
■lü^eti wir eine V'olksliteratnr scliaften. Wir hranrben g-nte Krzüblnngen 
ii ;talem CJeißte. nni die jiidlscben Franen tiir unsere Ideale r-u be- 

f ii»'tiri diese Kranen überwachen die KinderKeete nnd sie sollen 

kUi< vratiun nationaljüdiseb ürzielien. Wir Imben dann jQ- 

^4iKbe J<i- nil'ten uutbiK wie das (üg^licbe Brot, um auf das zarte 

Gestäth df?a ivindes einwiikcn zu können. Man wundert slcii, da^s die 
t^tc deut.scbe (.rbettoüieratur der letzten Decennlen so seicht, su 
Unfwf-iti^r, saft- und kraftlos ist und man befrreift nicht, dass nur der 
üiiH'Alt: Geist eine nationale Literatur st'baJfTen kann. Hau will nicht 
lioual B«iu nnd vermag daber nur bestellte Arbeiten nach der >>cbablone 
iefi^rn. Nun aber das jüdische Volk erwacht ist, wollen wir die 
ele in allen ibren Nuancen schildern nnd ihre Kigenart neabe- 
In diesem Sinne wollen wir Schriften für die ilngrend und das 
'oUt, schreiben, und die ganze Judenheit wird uns dafür dankbar sein, 
u! Ich will keinen fonualeu Autrag stellen, sondern nur die 
g«ben, dass das Couiite dieäeui Punkte sein Augenmerk zu- 
wwtdp. "Es wflre gnt. wenn aicli eine speclellc ("ommission ans erfahrenen 
Männern zn diesem Zwecke bilden würde. In der Schaffung einer gnten 
Volksliti-ratur Hegt unsere geistige Zukunft! 

Ilr, Bodenheimer: Die Anregungen, die gegeben worden «ind, 

lind äberans nützlich und belehrend. Aber ich bin der Meinnng, dass 

^.. ^.^i!,.n in eine General- Discussion über die Organisa tionsfrnge ge- 

iid. Ich meine, dass die silmnifliclien Anträge einer Commission 

ü.-nM.v!.«;n werden sollen, die sie prüft. Da mir bekannt ist, dass circa 

100 Anträge der verscbiedenaten Art über die Organisation vorliegen, 

w bin icli der .Ansiebt, dass dieselben einer Commission zur Prufnug nnd 

Btgutachtnng unterbreitet werden sollen; sonst werden wir in ^ nnd 10 

Tagen noch niclit fertig, wenn es so fortgebt. Wir müssen zn einer ver- 

^ altoft igm Organisation kommen. Kein einziger Redner hat seine Meinnng 

Hl^Kden .Antrag anf Kinseteiitig einer Commission ausgesprochen. Ks ist 

^H^FTf''merkuug gentaclil wurden, dass die Antrüge, betreffend Organi- 

^T- ■ lieht gedruckt niligetheili wni-den sind. lUese Bemerkung Ist 

m .^t, denn jedes Mitglied mtiss etwas davon wissen. .Aber es ist 

Bklii xo vergessen, dass der Congrcss eine blosse Luprovisaiion ist! Um 

aber den Fehler einigermnsscn zu reparieren, ist der Organ i sali onsplan 

sofort in Druck gegeben worden, und soll derselbe in einer Stunde hier 

vorliegen. 

PrAflident: Ich verstehe die OeschäfU^ordnung dahin, dass zunHcbst 
Iber den Antrag Wolffsohn abgestimmt wird, die weiteren Anregungen 
krauDeu er«t nachher; ich kann mir nicbt yoi-stellen. dass die Antrüge 
der Commission schlechter behandelt werden, als diejenigen, die ans dem 



— 134 — 



Congresa lieraua kommen. Biesiual sollte mun der. Kürze halber den An- 
trag nicht der Commißsion übergeben, sondern sich zuerst über die prin- 
cipielle Fraffft aussprechen tind dann in die Tagesordnung" eintreten. — 
Zwischeuruf- Mun sollte die HämnitJichen Antrag zur Siditnng: *>iner 
Commissiüu iiburweiseu, damit die Reihenfolge feslgestellt werden kann. 

President: Wir kfinncn nicht mit parlamentarischer rmstHndlichkeit 
vorgehen, weil wir nnr '.\ Tngr zur Verfügung haben, \rcnn ein Antrag 
vorliegt, der gegen die Statuten des Kongresses ist, so wird er selbst- 
verstJlndlich zurückgelegt. Die Antnige welche sich decken, liegen ja 
den Kefereuteu vor. Ich glaube nicht, dass wir viel kürzer verhandelo 
werden, wenn wir das Friucip der Einsetzung einer Commis^tou ztmäcbat 
snir Abstimninng bringen, welche rdmntission dann die vcrschiedeneD 
Anträge geeigneten Personen im Plenum vorlegen würde. 

Dr. SeUnirer : Was wird geschehen ? l>ie Comniission wird ein© 
Anzahl von diesen Anträgen und Anregungen auswählen: einige wird aio 
beachtenswert linden, andere KUfück^iellen Glanbon Sie, dasa es sich 
einer nehmen laasen wird, seine Yorschlllge vorzubringen? I>a rechnen 
Sie schlecht mit der Eitelkeit der Menacheu. Deshalb wollen wir keine 
ConimissioD wählen, t^ondcrn die Anträge der ßeihe nach vornehmen. — 

Wolfflsohn. Irh miklile iloch bitten, über uieinen Antrag zuerst 
abzustimmen. U Jr werden damit eine grosse Erleichterung haben, dasa 
sj&mmtliohe Antrüge einer Commission überwieseji werden, welche sümmt- 
liche Antrüge behandelt; sonst künnen wir noch .1 und t> Tage hier 
sitzen bleiben, oIikö zu einem Ziel zu gelangen. Die ('ommission soll die 
Antrüge prüfen. Ich bitte, darüber abstimmen zu lassen; dauu wird man 
selten, wie der Congress denkt I 

Dr. Laudau: (.icchrle ^ei-simimlnng! Ich finde es sehr bedauerlich 
und wirklich uit-ht gerade begreiflich, dass wir sowohl zn Punkt '2 als 
aa Punkt 'i gar keine teste Kntwürle vor uns haben, 7.n denen wir 
•Stellung nehmeu sollen. £s ist vielleicht zur Frage des Programmes 
nicht leicht möglich, aber anders verhlilt es sich mit der Organisation. 
Wir haben heute t'rUli eine sehr interessante Rede und Anregungen 
gehurt des Dr. Bodeuhe 1 nier; allein wir haben keine pi'äciae klare 
Organisationsproposition. Aber gerade das ist nothwendig. Die Organisa- 
tion mnaa sich nach den Lnndesverhilltnisseu richten. Wenn wir lioate 
einen prliclsen Entwurf hütten. so Wtiren wir viel besser daran. 80 sehr 
ich suust dagegen bin, so glaube ich, bleibt nus Jetzt nichts audcroa 
Übrig, als eine Commission einznsetEen, und zwar zu dem Zwecke, zn 
welchem die Programm -Comraission eingesetzt w^^rde. Die würde dann 
gewisse Kutwnrfe, die discntierbar wRren, ausarbeiten. Es ist selbstver- 
ständlich, dass die Programmfrnge eine andere ist, als die Org&nisaliona- 
fk^gc, und daas erst auf tlruud des Entwuifes eine eingehende Organi- 
satiun beschlossen wird. Es ist von Wichtigkeit, was vom Herrn Presi- 
denten angedeutet wurde; es handelt sich darum, ob eine Pradusion statt- 
rinden soll Hir diejenigen, welche den Antrag uicht au die Commission 
richten. Halten wir einen Entwurf, so köuaten wir sagen das liegt uns 
vor nach parlamentarischer Sitte, dann hatten wir zu diesem Stellung zn 
nehmen. Ich will äie bitten, noch eines in Helracht zu ziehen, nftmlicb 
die Frage der /naaramensetznng dieser Commission. Wir sind sonst da- 
gegen, daMs hier die Laudeaaugehürigkeit der einzelnen Mitglieder in 
. J^traclit komme, denn wir sind alle Zionisten. Icli glaube aber, bei 



— 135 — 



diesem Punkte gnrade mnHS die Frnge der LandcsangehÖrig'keit doch in 
Betracht liommeu, deuii jedes I.>aiid liat andere VerhältiiisKe ; dariun ihuks 
ich Sie ernrichea, in der von mir angedeuteteu Kichtnng liire Entschei- 
dung; tn treffen. 

Dr. Farbuteln: Pie Frage der Organii^ation ist zweifellos eine 
der wichti^ten. Ich glüobe, wir werden sie hlei niclit vollstilndig be- 
bandeln Itonnen. Ra ist absolut nöthifi-, dass die Frage der Organisation 
einer Cnnrnii^sion vong^elegt werde. Es ist von Dr. Landau bemerkt 
worden, dass wir mit den verschieileneu Landeelheilen rechneu mUssec. 
Pie Organisation hat so gut ciiltnrelle als volkswirtschaftliche Fragen. 
E« müssen daher in die Commiasion Vertreter der verschiedenen Bemfe 
gewühlt werden Eine Couimission von 7 Mitgliedern, wie Herr W'olffsohn 
Torvchlägl, wAre ein Mittelding, fch schlngc eine Elt'er-C'omiuii«sinn vor, 
die ani Dienstag einen Entwarf fnr die Organisation vorlegt. Wenn der 
Comtniasions-Entwnrf vorliegt, dann bleibt e« dem Plennm übrig, ihn ent- 
weder anznnehnien oder abzuweisen. Es sollte anoh ein Mlnderheits- 
Entwurf eingereicht werden, sofern ein Drittel der Mitglieder dafUr ist. 

W, Temktn Elisabethgradi spricht riissiiich. Er macht d&faaf auf* 
tBerk»am, dass in Russland bereits eine eigene zioni-itische Oi^anisation 
besteht, die unter strenester Conlrole der Landesgesetze wirkt. Die 
ntBäivchen Delegierten nutzsten vorerst in einer eigenen Herathnng sich 
Bber ihre Stellnngnalnue klar werden. Er bittet am eine Verschiehnng 
der Debatte. 

9I&rmorek: Wir sind mit keinem fertigen Organisations- Ent- 
warf vor den Coiigres» getreten. Der Zweck der Coniraissiun ist, 
Vonüchliige zu machen, wie das Stndinm der Organisationsfrage in 
oachster Zeil erfolgen soll. Wir haben ja nnsere Presse, wir haben un- 
sere Verbindungen: wir können nichts voruelimen. als jene bestimmen, 
welche arbeiten sollen. Ich glaube, dass der Vorschlag des Herrn Wolff- 
lohn Aebr ^wt^^kdiRnlich ist; ebenso möchte ich die Anregnng begrÜssen, 
en solle eine Jüdische VulksziUiluiisT vorgenommen werden durch die 
jfidischen (i einfinden selbst. Dadurch werden wir endlich wissen, wer 
«od was wir «iud. Ich bitte, den Autrag Wolffsohn .inzunehmen . ich 
anerkenne vollständig die Itedenlten der russischen Delegierten ; ich bitte, 
des Antrag anznncbmen, damit wir endlich weiter kommen. 

Dr. Bodenhelmer : Es ist durchaus unmöglich, dass wir heute über 
die Organisation einen bindenden Beschlnss fassen: es wäre auch nicht 
mCglich, wenn der Entworf gedruckt vorlietreu würde, weil die VerhÄlt- 
nisiw iu den einzelnen Ländern zu verschieden sind, um ohne Weiteres 
anter p-inen Hut gebracht weiden zu kennen. Es ist dämm nicht anders 
möglich, eine Organisation flir die Zukunft zu schallen, als dass wir uns 
damit begnöpen. den nllchstrn ('nngress zu bestimmen und ein Central- 
Comiti5 zur Vorbereitung zu wUhlen. Dieses würde die Pflicht haben und 
es würde in dessen Möglichkeit liegen, die VorachlÄge betreffeud Orga- 
nisation entge^cenzunehmeu und crrnndlich zu prüfen, und dann könnte 
nfiehste (.'ongress endgiltig bpschtles.ien. Es werden zu dieser Frage 
risten aller LUnder zn vemehmeu sein. Dieses Organisationsstatnt ist 
die Verfassung onserer Partei, und sollte sie nicht ohne Vorbereitung 
gegeben werden in einer so grossen Versammlung wie hente: sie mnss 
ganz gründlich vorbereitet werden. Es wird mir vorgeworlen. ich hätte 
mich persJinlich nicht dazu bereit, gefunden. I>as ist ein schwerer Vor- 
wurf, Wir sehen uns hente zum ersienmale, und ich als Privatperson, 



- tSR - 



habe mich dieser grosüeii Anf^alw nicJit unterziehen künaen; ich habe 
lediglicii eiue Anre{<:nng, ein Gerippe geben woUen und ich hoffe, daaa 
die Coniiui&sion einlj^e von meinen AnrejEningeu benutzen kann. UeaHhalb 
hüfle und wünM;he ich. daS9 wir nur ülier diese beiden Paukte zu einer 
l!liDig-UDg gelangen! Der Congress ist das llanptorffan der Zionisten der 
gofl^cen \\>it und ea snll ein Ceiitrnlcoroitä g:ewahlt wei'de.Q, welchem die 
Urganisationsfrage üh»irlaB&cn wild. Ks soll ein (teneralsecrelär der zio* 
nistiscUen Partei ernauut werden; das wird das T-ont rat conti tä von selbst 
tliun. ich bin der Meinaug, wenn darüber entschieden wird, so wird 
heute einfach im Priucip beschlossen: Der Congress ist da» Hanptorgan 
der zionistischen Partei oder Urganisation. Kbenso ist ein Centralcomitä , 
KU wtlhlcn. Wenn diese Frage erledigt ist, handelt ea sicli morgen nur 
nm die Bestimmung des nächsten Congresses und die ^Vahl des Central* 
coniil^s. Wir sind so über die Urgauibaiiuaairage weg und wir haben 
heute Zeit, zu den beiden anderen Capitetu des Punktes ^i zu sprechen. 

Präsident ; Punkt 3 der TugeMorduuiig besteht aus H Capiteln. 
DaH wirhtigKtn ist dasjenige iibt<r die CentraÜsalinn der zionistischen 
Thatigkeit. Dieser l'unkt a« betrifft eine Frage von juristischer Delica- 
tesse, während die beiden andern Dinge betretten, die nicht von so com- 
plicierter •Schwierigkeit »iad. Es wird sich also vielleicht die Nothweu- 
digkoit ergebeu. diesen Pnnkt vorliiutig zurtickzosteüeu bis morgen und 
ihn dann au die Spit/e der Tagesordnung zu setzen. Die beiden Anträge 
waren aber jetzt sclitm zn discuiiereo. 

Dr. Neiunark: GeehrteVcrsamralungl Wir tagen schon nahezu zwei 
Tage. ^Va8 wir liia jetzt geleistet haben, wai eine vorbereitende Thä- 
ligkeit: 7.nr eigentlichen Thatigkeit »ind wir nicht gelangt. Nun scbeiat 
es, dass wir vor einetu unlösbaren Probleiti stehen Man schlägt uns vor, 
wir möülitcn zur i^erathung dieses wiclitigeu I'uuktes eine Ctimmission 
wEhlen. Die Commission soll uns Vorechlilgc inachen und wir sollen sie 
' en blüc anuehmon. Ks tat wahr, dnss wir vielleicht nicht mehr Zeit 
genug haben, um alle eingelanfencn Auträge behandeln zu können und 
es scheint, dass wir doch diese Antrüge einer Commission übergeben 
mUssen, damit sie dieselben auf Huterabtheilungeu vertheilt und neue 
Gesichtspunkte hervorhebt. Ich niöirhte vorschlagen, dieser Commission 
eine Directive zu geben und möchte Sie bitten, auf diese Directive ein- 
zugehen. Wir sind hieher gekommen ku hören und zn bcrathen. Da» 
\N'ichtig6te, was wir beruthcu, ist: was müssen wir piun, was ist tinsere 
Aufgabe? Manche haben schon jahrelang gearbeitet, und jetzt kommen 
wir hieher und wissen noch nicht, was wir ihun wollen. Was ist denn 
eigentHch der neue Oesichtäpunkt, den dieaer Congi-esa gegeben hatV 
Bis hieher bewegten wir uns auf dem Gebiet der inneren Politik. Die 
Agtta.tiun ist eben eine innere und eine änssere: wir müssen uns dei^halb 
auch mit der gussern Politik beschäftigen. WoUeu wir die Agitation im 
Innern ins Auge faasen, so müs^ien wir bedenken, dass wir hier nor 
einen verschwindend kleinen Theil des Judenthums vertreten; wir müssen 
also dies berücksichtigen nnd dies ist daa eine Gebiet unserer Thiltigkeit. 
Das zweite Gebiet wäre das nach aussen. Wenn wir nun der Commiasion 
eine Directive geben wollen, so müssen wir Ihr diese zwei verschiedenen 
Richtnngcn angeben. 

Dr Hosenbeck: Ich milchte nur an das Gesagte anknüpfen, mich 
aber aller weiteren Anregungen euthalten. Im Priucip bin ich fbr den 
Antrag, nach welchem eine Commiasion gewählt werden soll. Was den 



zweiten Tbeil aubelaiigt. ob 7 oder 11 Mitglieder ^ewlihlt werden sollen, 
so fflAnlie ich, sollten alle I-Hnder berUcli«icliiigt werden. Nach der even- 
tnellen Annahme dos Anlrag-es niüelitc ich Sie ersuchen, die Sitzung' za 
nnt erb rech en , damit »ich die llitglicder der einzelnen Länder dnrübsr 
einigen können. Mau sollte uicbt im voians eine bestimmte Zahl von 
Personen beBtimmen. sondern die Zahl richten nach der Zahl der Länder. 
Wir setzen voraos, daus wir es mit einsten, g:ereit'tcu Miinnem zu thnn 
haben, die nicht bieher gekommen sind, nm die Zeit za vertrödeln; ^vir 
künnen uns anf die anwesenden Herren verlassen. Was den Znsatzantrag 
von Dr. Nenmark anbeilanst, so mnss ich diesen zuriickweisRn Wenn 
wir nus auf das Directivegelien einlassen, stf kommen wir wieder anf 
das Alte und wieder nicht zum Ziel. Deshalb wftre es besser, wenn jede 
einzelne (irnppe die Pirective geben und beralheu würde. 

Dircctor Steiner (Wien): Hochgeehrte Versammlung! Ich will 
roith knrz tassen nnd zeigen, wie mau vorgehen soll. Man soll die Be- 
handlung dieser ganzen Frage von der Tagesordnung absetzen nnd eine 
Conunission wählen, welche aus siimmtlicheu vorliegenden Orgauisations- 
Entwfirfen einen Entwurf vorlegt, der morgen zur Verlesung kommt 
nnd von jedem Land<^theilc gepriU't wird. L>ie Antragsteller und Lands- 
Dannscbal'ten werden von der Commission voj-gernfen, um ihre Meinung 
aOBziuprechen und zu begründen. Das angenommene Klaborat soll dann nur 
probeweise ein .fahr lang, bis zum nilchsten Congresse in Wirksamkeit sein. 

PfJUident: Ks ist Schluss der Debatte l>eautragt otine Anhörung 
weiterer Iledner 

Pr Si'hUpüScluilkow iCbarkowi: Die rnssischen Vertreter sind 
mit sich selbst noch nicht einig, wie sie sich an der Organisation bc- 
theüigen konnten. Ks wHre gut, wenn die Sitzung unterbruclien würde, 

Prisidrnt: Damit die Herren aus Uussland sich korz orientieren 
Den. nnterhreche ich die Sitzung auf eine Viertelstunde. 

P a n B e. 

notzkin (för die russischen Mitglieder': Als eines der Hauptziel« 
Congi-esses betrachten wir die Wahl einesCentral'Bnrean's, an welcher 
ganze Cungrees tlieiluimuit. Was die weitere Organisation anbetrifft, 
I hKsgt sie dagegen von der Organisation eines jeden Landes ab. 

Pristdeat mach Vornahme der Abstimmung : Der Antrag auf Ein- 
Mtzuog einer Commission znr L'nterbn^itnng eines Organisatiunsentwurfes 
hl angenommen. Bis morgen triih setzen wir mit der Hesprechung der 
Orgntiaationsfrflge aus. Zunächst wollen wir an die Wahl der Cora- 
aüiiion scfareiten. Ks liegen über Zalil und Zosammeusetzung verschiedene 
Aatrftge vor. 

Wulfftiubn: Ich habe nichts dagegen, daaa die Zahl der Mitglieder 
»«0 "i anf 11 erhöht wii-d. 

PrAsident fordert znr Nominiemng von Candidaten auf, was utm 
Miten« de« Herrn Wolftsobn und der anderen Congressuiitglieder geschieht, 

President: Es geht iiicbt an. daas die Namen der Candidaten nur 
SB hktgeworfen werden. Ich halle es fftr angezeigt, dass die Abstimmnog 
^reh StimmKettel vorgenommen wird: die Abstimmung wird nicht zu 
Uiige daiii'm. 

Dr. Kaminka: Vielleicht wäre es znl^sig, wenn die Kominierton 
selbst eir aosacheiden wiirdeo, das w!lre leichter und einfaclier als eine 
Z«ttelwahl. 



— 138 



Dr. Kornblüh: Icli bin einverstanden mit dem Antrabe de 
Dr. Landau, dass elf Mitglieder gewählt werden; ich glanbe aber, das« 
alle elf f^ewäiilt werden aolleii vom versammelten Cong're»«, denn es ist 
keine Wahl, wenn gesagt wird, diese Mitglieder sind vorgeschlagen nnd 
gewählt. Jedes Mitglied soll einen Stimiuzettel erhallen and Bchi-eibe 
soviel Namen, als Mitglieder zn wählen sind. 

PrSsldeut: Ich balle die Wahl aacb nur im Wege der geheimen 
Abatiuuuuiig für durchführbar. 

Goltein (Frankfurt a. M.j: Ich mache den Vorschlag, dass jede» 
Land seine Vertreter wUhlt, z. B. F^usRland drei Vertreter, (Jeslerreich 
drei Vertreter, Ameiika einen Verli-etcr etc. 

Präsident: Ich glaube, daiiB es in dienern Falte ein Äaseinander- 
gehen in Lnudsmannschaften wäre, wenn wir den Antrag Goitein an- 
nehmen würden. 

Dr. Rosenheck; Ich mnss bemerken, das« der Vorredner meinen 
Antrag wiederholt hat. Es liegt von mir ein Antrag vor, dass jedes Land 
einen oder xwei dieser Delegierten in die Comniission wählen soll. 

WolfTtfohn: Ich musa zaerat Herrn Dr. Korublnh berichtigen. 
Ich habe nicht meinen \or8chlag aufdrängen wollen, sondern als Vor- 
schlag ansgesprochen ; ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, es sind 
mehr Herrn vorgeschlagen als elf. Wenn nun jeder elf Herreu zu wählen 
hat nnd es schreibt jeder einen anderen Namen auf, so ist es niiiglich, 
daas eine zweite \Vahl nötliig ist, weil keine Majorität erzielt wird, und 
BO können wir unsere Zeit bis abends 11 Uhr damit verbringen. Diese 
Commtssion kann ja nichts andere« beschliessen als der Congrcss. Ich bitte 
elf Uitglieder zu unsej-er Arbeit zu wählen, damit- wir vorwärts kommen. 

Präsident; Ks ist niemand mehr zur tJeschäftsoidnung gemeldet. 
lob lasse zuerst den Antrag Rosenheck nnd Goitein zur Abstimmtmg 
bringen. — Der Antrag ist angenommen. 

Präsident: Nun handelt es sich darum, wieviel von den einzelnen 
Ländern ; es ist folgender \'or8clilag gemacht : 2 Reichsdeatsche, 3 Oesier* 
reicher. 2 Küssen, 1 Rumäne, 1 Hiilgare, 1 Amerikaner, 1 Enj^länder 

Der Antrag wird angennmmen. 

Präsident : Es steht den HeiTen frei, zn vählen, wen sie wollen; 
es kann z. H. für Bulgarien ein EugUlndor gewählt werden oder anders; 
es handelt sich lediglich darum, dasa für eine genügeude Verlretuug der 
einzelnen Länder bei dieser CommiRsionsznsammensetznng gesoi^ wird. 

Fänf Minuten Pause. 

Präsident: Es fehlt ein Cummis-sionsmitglicd fiir England. Die 
Herren aus Kngland wollen an dieser Abstimmung nicht theilnehmen ans 
principiellen Gründen, weil sie nämlich eine Vertheilung nach Ländern nicht 
fiir richtig halten. Diese Comniission besteht aus folgenden Herren: Ffir 
Deutschland Dr. Birnbaum und Dr. Bodenheinier; iur Oesterreich 
Dr. Herzt, Dr. Salz, Director Steiner; fSr KnssJand Dr. Bern- 
stein «K o h a n , Profej«sör M a n d e I s t a m ni ; für Rnmänicn P i n e 1 e» ; für 
Bnlgarieu Profes.sur Helkowsky; tür .\racrika Rosenberg. Fiir 
England schlage ich vor, wolle der Congress selbst Mr. de Haas wählen. 

Mr. de Haas wird per .Acciamation gewählt. 

Präfiideni: Ich ertheUe Herrn Dr. Jacob Be rnstein - Kohan 
das Won zu einem Refei-ate, das er über Auftrag des Zionistenvereinea 
in Kiscliinew dem Congrcsse erstatten soll. 



139 - 



Dr. Jacob Bemstein-Kohan (Kischincw) : Wnlirond seines 
fast 2()()i) Jahre dauernden (iuluslebeiw, voll der schrecklichsten Ver- 
fol^ni^n und Unterdrückungen seitens fast aller Völker, mit doneji 
dos ewig wandernde und gehetiti* jüdische Volk in Berührung kam, 
hat sich dasselbe an Zahl niclit nur nieht vermindert, sondern, wenn 
auch langsam, immer mehr und mehr vermehrt. Uulturell aber und 
geistig steht es zuDicist huher als die Völker, unter denen es sein 
elendes Dasein dahinschleppen muss. Das jüdische Volk (;eht also nicht 
nur seiner Auflösung entgegen, hat seine Nationalität nicht nur nicht 
verloren, sondern e« birgt in sich vielmehr eine mächtige, lebendige 
nationale Kraft, mit der es imstande ist auch seine höchsten natio- 
nalen Ideale zu erreichen. In der Erreichung dieser nationalen 
Ideale, die im grauen Alt^rthunie vom gesetzgebenden Genius des 
groitsen Mosia voi^exei ebnet, von den späteren jüdischen Philosophen 
und Profeton bearbeitet und ergänzt, von den gelehrten Humanisten 
der letzten Jahrhunderte, aueli des neunzehnten, als Grun<i]age aller 
mcnsehliehen Ideale anerkannt und vorgetragen wurden, besteht die 
nationale Wiedergeburt des jüditichen Volkes. Der Verfall der 
nationalen Ideale des jüdischen Volkes ist ein/ig und allein auf das 
unglückselige *i<MX)jährige jüdische Golus zurückzuführen. Denn 
durch dieses sind die materiell und sittlich godröckte T*age des 
Volkes, sowie die Aufbrauchung sämmtlichcr Volkskräfte für den 
angleichen Kiiinpf mit den Völkern zu erklären. Dem (lolns ein Ende 
lu machen ist das einzige Mittel, um diesen unaufliörliehen ewigen 
ungleichen Kampf, der das jüdische Volk in der Entfaltung seiner 
geistigen und sittlichen Schätze hindert und es hemmt, seine 
h5c-bHten nationalen Ideale zu erreichen, zu beenden. Das jüdische 
Volk m u s s die politische Selbständigkeit, es m u s a seine politische 
Wiedergeburt erstreben. 

In den ersten Jaln-liundcrten nach dem Untergänge des 
jQdischcn Reiches war das Streben nach der politischen Wieder- 
geburt bei den .luden, die schon damals zerstreut und der heiligen 
Heimat fern waren, ein sehr starkes. Die KC^cbichtlichen Ereignisse 
waren aber immer derartige, dass die politische initiative einzelner 
jüdischer Verbindungen, die, entsprechend dem Geiste der Zeit, 
eine bewaffnete war, schon in ihren Anfangen ertödtet wnrde. Da» 
Judentum verlor nach und nach den Glauben an seine politische 
Zukunft und schien im täglichen Kampfe für seine F^xistenz unter 
anderen Völkern, deren politische Macht damals im Faustrecht 
wurzelte, erstarrt zu sein. Erst im letzten Viertel dieses Jahrhunderts, 
in welchem das politische Leben der Völker ihren natürlichen natio- 
nalen Eigenthümlichkeiten sieh anzupassen beginnt, und das Paustrc^uht 
nach und nach der Macht der Cultur untergeordnet wird, sind auch 
einzelne Gruppen unter den Juden aus dem lethargischen Zustande 
politischer Hoffnungslosigkeit erwacht und haben die Idee, dem 
jüdischen Golu« durch die Rückkehr der Juden zu national-politischer 
Selbständigkeit im Kande ihrer Ahnen ein Ende zu macbew^ ^^vi- 



140 



clamicrt. Diese grosse Idee fand sogleich in den Herzen derjeDigea 
Juden Anklang, Itei denen die Liebe zu iliren gokneehteton und 
gedrückten Hrüdorn, znr getretenen jüdiachen Khre fltark war. Sie 
reichten einander die Rande, um einen weit ausgebreiteten statuten- 
freion Verband der „Ohowewe Zion" zu bilden. Bis in die letzte 
Zeit aber fiind die Ideen und das Programm der «Cbowewe Zion**, 
deren Zahl von Tag zu Tag riesig wächst und sich hauptsächlich 
aus dem intelligenteren Theile des Judenthunis recruticrt, noch viel 
7U wenig in unsere A'olksniaanen eingfdruii';en. Drnn infolge dos 
luiigea Oulus haben die MuȊeu gar keiuu politische Erziehung und 
besitzen deshalb auch kein Vertrauen in ihre poliiipchen Kriifte und 
keine Hoffnung auf eine politische Zukunft. Die politische Krziehung 
der jüdischen Volksmasson, rlie Entwicklung und Pflege eines festen 
Glaubens nn Israels politische Zukunft im wiedergewonnenen alten 
Hcimatsland«-' ist die erste und grundsStzIiehste Aufgabe der Zionistcn. 
Zu diesem Zwecke müssen die Zi(mit<len das allgemeine Niveau 
des jüdischen Wisaens in den Volksmaäsen heben. In jeder Stadt, 
wo ein zionistisclicr Verein sich betindct, muss eine miisterhaftQ 
jüdische 8chuli* zur Bildung der heranwachsenden jüdischen Jugend 
gegriinde; und sollen populäre Vortrüge und Disrussionen veranstaltet 
werden. In diesen soll das Vulk sowohl die jüdische Geschichte, ala 
auch den jetzigen Zustand der jüdiachen Nation keunen lernen, sowie 
von Allem unterrichtet werden, was zur Wiedergewinnung des heiligen 
Bodcni* und zur politischen Kinridiriuig daselbst geschieht. Der inter- 
nationale Zionistencongros.s liat ans seiner Mitte ein ^Uildungacomite" 
zu wählen, bestehend aus Personen, die in Angelegenheiten der 
jüdischen Volksbildung am meisten competent sind. Dieses Comit4, 
dem die besten wissenschaftlichen UiJfs(|uellen in stets wachsender 
Anzahl, sowie auch grosse Geldsummen zur Verfügung stehen müssen^ 
hat den einzelnen Ortsgnipen mit competenten Rathschlägen und 
Fingerzeigen, sowie auch mit wissenschaftlichen Küchern, und wenn 
nothwendig. durch Entsendung von Lehrkräften und Qeld zu Hilfe 
zu konmien. Ausser den allgemeinen Schulen haben die Ortsgruppen 
für eine genügende Anzahl von Ackerbau- und Gewerbeschulen zu 
sorgen, deren Zöglinge, im paläatinensischcn fJei.sto erzogen, im 
Stande wären, in der nächsten Zukunft riauii Palästina auäzuwandcm, 
um daselbst musterhafte Ackerbaucolonien, wie auch Gewerbe- und 
Fabriksanlagen zu gründen. Jn all diesen Schulen soll das Programm, 
welches für jeden Schultypus besonders ausgearbeitet wird, zwei 
IJnterriclitsgegenstände unbeilingt enthalten und zwar a) die hebräische 
Sprache als l'mgangsaprache und />) J'alästinakunde. Letzterer Gegen- 
stand Boll die Summe aammtlichen bis jetzt erworbenen und noch zu 
erwerbenden Wissens über Palästina umfassen. Das genaue und 
eingehende Studium diese» Gegenstandes wird nicht nur für diejenigen 
nützlich sein, die nach Palästina auszuwandern gedenken, sondern 
wird auch zum besten Agitationsmittel der zionistischen Idee für die 
heranwachsende Jugend und für die derselben nahestehenden Personen 



— 141 - 



worden und wird zur Hebung ihres nationttlen SelbstbewusatBcina 
and 3!ur politischen Erziehung viel beitragen. Für diese Generation 
wird Palästina oufhörcn ein leernr Schall zu sein, der weder zur 
Beele noch zur Vernunft spricht, ein leeres, nichtssagendes Wort de-s 
alltägltcfaen tiewohnheit.'*gebetes. Es wird für sie vielmehr du» Knd/icl 
der heisBesten Sehnsucht, das theuerate Ideal werdt-n, für desaou 
Erreichung atc alle ihre physischen und geistigen Kräfte anopannea 
wird. Schon im Streben allein nach diesem Ideale, im eifrigen Auf- 
treten für die Palästinaidee wird die jüdische Jugend eine Oonug- 
tfauuitg für sich Hndon, sie vnvd geistig sich erheben, sie wird 
anfangen, sich als Volk unter den Völkern, denselben gleich und 
gleichberechtigt zu fühlen. 

Ais zweiter und mächtiger Hebel zur Wiedergeburt dos jücUsehon 
Volkes musa die Gewinnung Paläritinas für din Juden betrachtet 
werden und sollte diese mit einem Schhigü nicht möglich sein, so 
mosa sie allinälig, aber möglichst rasch erfolgen. Je schneller, 
umso leichter. Er^teQB deshalb, weil das Schicksal Palästinas unsicher 
ist und das Land leichter von der Türkei dürfte erworben werden 
können, als ron einer anderen Macht. Zweitens können jeden Augen- 
blick auch andere Nationen das Land colonisicren wollen (was »um 
Theil auch jetzt schon geschieht). Endlich tragt die Thatsache der 
£äakäiife von Pulüstinaboden bedeutend dazu bei, das Vertrauen 
der Juden in die Zukunft der zionistischen Idee zu stärken. Die 
Gründung der ersten Colouicn in Palä.'^tina hat eine bedeutend 
grössere Bewegung und Giihrung in allen Schichten des jüdischen 
Volkes hervor^erufeo, als sämmtliche noch so flammenden Zeittmgs- 
artikel und Reden, und keine Predigt der Antizionisten bat die Sache 
Bo discreditiert als das Sistieren der Colonisatiun. Auch Jetzt, ohne 
genügenden Glauben an die Pithiätinaidec, ohne noch die Uoffhung 
auf seine politische Zukunft zu bcait^sn, interessiert aich das jüdische 
Volk sehr lobhaft für die palästinensischen Colonien; nur fühlt es 
■iob von ihrer Unselbständigkeit peiulich berührt, den Absichten der 
maohthabenden Barone miastrauend. 

Die Frage, wie Palästina fär ims zu bekommen wäre, inter- 
Mnert sämmtHche Zionistcn auf das Lebhafteste. Die einen glauben 
mu an die allmälige, langsame Colonisation, die Infiltration des 
Ijondea Die andere Partei, ohne eich als Gegnerin der Colonisation 
«a erklären, ist der Meinung, daas die Colonisation sistiert werden 
und doss die ganze Thätigkeit dahin gerichtet sein müsse, Palästina 
von der hohen Pforte zu bekommen, um daselbst einen jüdischen 
autonomen, von der Türkei abhängigen Stjvat zu gründen und 
Bämmtlicho Mächte Europas für diesen Plan zu gewinnen. Diese 
xweitc Partei schlägt deshalb vor, darauf hinzuarbeiten, dass die 
noniatische Frage einem europäischen Congreaa vorliege. Beide 
Bestrebungen sind in heissem Streite befangen und drohen eine 
Bpaltimg im Lager der Zionisten hervorzurufen. 



- 142 — 



Hoftentlirh winl der Congress, besucht auch von den seine 
Wiclitijxkeit erkennenden und von dem Ideale der polifiech-natio- 
nalcn Wiedergeburt des jüdischen Volkes bceeeilen Palästina- 
freunden, imstande sein, beide Woge zu prüfen und den geeigneteren 
KU wählen. Mir scheint es, als ob nur die Vereinigung beider Vor- 
schlage, indem nämlich sowohl auf dem einen wie auch auf dem 
anderen Wege (gearbeitet wird, zum Ziele führen könnte. Es unter- 
liegt keinem Zweifel, daes Palästina für die Juden ohne die Ein- 
willigung der Türkei und die bestätigung des europäierhen Con- 
certes nicht zu erwerben ist, und das» die politische Palästina frage 
früher oder später vor das Forum dur europäischen und türkischen 
Diplomaten kommen muss. Das kann aber erst in einer ziemlich 
entfernten Zukunft, nach Ueberwindung der grössten Schwierigkeiten 
der Fall sein. Wir dürfen uns nicht täuHohen Der Kampf, den z. B. 
einige Völker der Balkanhalbinscl ausgekämpft haben, war viel 
leichter, als der unsrige, da die betreffenden Völker auf ihrem 
eigenen Boden lebten, während es in Palästina wenig Juden und 
wenig jüdiHches Leben gibt. Ferner sind die Mächte und die ihnen 
untertbänigen Völker ganz anders die jüdische Frage za lösen 
gewöhnt und es dürfte uns ziemlich schwer sein, ihre Gedanken 
auf andere als die gewohnten Bahnen zu lenken und sie für eine 
Suche zu intereitsiercn, für die sich das Gros des Judenthums selbst 
norh viel zu wenig interessiprt. Die Frage der politischen Selb^ 
ständigkeit in Palästina scheint also nicht die Frage der aller- 
nächsten Zukunft zu sein. Es ist vielh icht auch besserso. Wir haben 
schon oben erwähnt, dass unserem Volke eine jüdische politische 
Krziehung abgeht. Würde ttns Palästina so^ieich überlassen, so 
würdt^ walirm'ht'inlirh ein am wenigsten wünschenswerte» Rlenient 
des jüdischen Volkes dahin gelangen. Dank ihrer geistigen Begabung 
würden sieh die Juden dennoch einrichten, sie würden aber auch 
einen Staat darstellen, wie viele andere moderne Staaten, mit deren 
allen und wahrscheinlich noch grösseren socialen Mangeln und mit 
einem labilen staatlichen Fundamente. Die wichtigste Htaatskrsft, 
nämlich der politische Patriotismus des Volkes, würde ihm abgehen. 
Nur dann kann der Patriotismus einen hohen Entwickeluugsgrad 
im zukünfltigen Judenstaate erreichen, wenn dieser aus den besten 
oder best vorbereiteten Elementen des jüdischen Volke« entsteht. 
Da« achtzöhnhundertjährige Golus hat leider viel mehr Unglück 
gestiftet als man auf den ersten Blick glauben würde. Wohl glimmt 
noch in den Tiefen der jüdischen Seele der Funke des jüdisch- 
nationalen und zionistischen Feuers ; allein ein sehr grosser Theil 
der jetzigen jüdischen Generation hat alle Fähigkeit zu einem 
jüdisch-selbständigen und volksthümlich-sitilichen Leben verloren. 
Ke kann deshuth ein selbständiges .ludenihum nur aus dem kleineren 
Theile seiner besten Elemente und der zukünftigen Generationen 
entstehen. Daher ist Geduld nothwendig. Da darf man nicht mit 
dem Koj>f durch die Wand rennen. Mit dein Princip der nJUl- 



— 143 - 



mäligkeit", das uian la den ersten IT) Jahren der Palästtnabewegung 
verfolgt hat, reüssierte man nicht deshalb so wenige weil es falsch 
var, sondern weil es durch seine Träger viel zu schwach, ohne 
genügende Kncrgie und Opferwilligkcit durchgeführt wurde. Die 
Falfiatinafrcunde und die zahlreichen palüstinischen Vereine arbeiteten 
ohne System, jeder für sie)', planlos, ohne hinter sich die Kraft 
einer Partei zu fühlen. Sie fühlten vielmehr die Schwäche imd 
Hilflosigkeit der Einsamkeit, sie bildeten weder unter den Juden 
noch unter den anderen Völkern eine feste Partei Die Colon L'^ations- 
vereine warben ihre Mitglietler nur in sehr dürftigem Maasse und 
unter einer wenig zuhlreii-lien Claasc des jüdischen Volkes, und 
«war unter derjenigen Volksachichie, die «ra wenigsten geeignet ist, 
palästinisch zu werden. Das Volk selbst wurde zu diesen Vereinen 
gar nicht herangezogen. Es fehlte eine Palästinapropaganda unter 
dem Volke, wßa äohon dadurch bewiesen wird, daas es kein 
paläjitinensisehes Jargonblatt gibt. Die Colonisation selbst war 
schlecht und mangelhaft organisiert, weshalb bis ntm noch so 
wenige Colonien gegründet wurden und auch diese beiweitem noch 
nicht sichergestellt sind. Die palästinensischen Juden wurden fast 
gar nicht zur Üetheiligung an der Colonisation herangezogen uud 
nichts ist geschehen, um den jüdischen Bewohnern der Stüdte lutd 
Dörfer ('nlästinaa eine entsprechende politische Richtung zu geben. 
Der internationale Zionistencongress wird sümmtliche Palästinafreunde 
ni einem organischen Qiuizen vereinigen, wird sich als Partei unter 
den Juden und anderen Völkern erklären uud wird mit geeinigten 
orgauisierten Kräften rasch die Sache vorwärts schieben. Das oben 
erwähnte geistige Centrum wird durch seine energische, geistige und 
moralische Propaganda bedeutend die Zahl der Zjonisten vermehren^ 
liaaptsächlich innerhalb der heranwachsenden Jugend umi desVolkes. 
Die grossen geistigen Fähigkeiten des jüdischen Volkes berück- 
nofatigend, kaun man erwarten, dasa schon ein grosser Theil der 
nidiBten Generation so beschaff'Mi sein wird, daas er nicht bloss 
uäa Scherflein zur allgemeinen tSache der Auferstehung des Juden- 
tbums beitragen, sondern diese Auferstehung als ihr Lebensziel 
betrachten wird. Diese unsere Nachkommen werden alle ihre 
Kräfte dazu verwenden, um sich selbst in Palästina anzusiedeln. So 
DOS« denn der C'ougress ausser dem „geistigen Centrum " auch 
noch «in Comitt^ für die Colonisation Palästinas wählen, dem nach 
tasgearbeiteten Statuten sämmtlicho Colonisationsvcreine aller Länder 
lubordiniert sein sollen. Dieses Comit«^ hat dos Land Palästina 
genau und im Detail xu studieren, mii liilfe der Colonisationsvereine 
gr&ssere, für den Ackerbau taugliche Landstrecken anzukaufen und 
daselbst zuerst eine Anzahl von Colonien mit den jetzt in Europa 
und Palästina tauglichen Juden zu gründen. Je grösser die Zahl 
der colonisationsföhigen Leute wird, desto mehr und mehr Colonien 
werden gegründet werden können Die Colonien sind derart ein- 
rarichten, dasa eine jede Kigenthum der Colonisten werde, und nicht 



- 144 - 

einzelner reicher, venn auch sehr wohlthatiger Personen ; das8 sie 
femer keine Noth leiden, da die materielle IJefriedigung das Volk 
an seinen Boden knüpft und ihm ermöglicht, sich geistig und 
physiflch zu entwickeln und zu blühen. Qloichzeitig mit den Colonien 
hat das Cuniit<$ jüdischr Fabriken, wenn auch anfänglich in kloi- 
nereni Maasstabo, in verschiedenen Orten Palästinas zu griinden, in 
den Städten den Bau und den Erwerb von Häusern und anderen 
Eigenthuros zu fördern, wie auch Terschiedenc Industriezweige zu 
cultivieren. 

Ferner bat der Congress aas seiner Mitte oder aus abwesenden 
Personen ein „politiacbes Comitf^" zu wählen. Die erste Aufgabe 
desselben wird sein, auf irgend ebera Wege bei der türkischen 
Begierung die Erlaubnis, in Palästina Colonien zu gründen, xu 
erwirken und für diese Colonien derartige Privilegien zu er- 
halten^ welche sie unabhängig von der Willkür der dortigen 
türkischen Administration maclieti. Ferner wird dieses Comit6 sich 
mit der Propaganda der xionistiachen Idee unter allen Völkern, wo 
die Juden wohnen, und bei allen Regierungen zu befassen und die 
Frage der national-politischen jüdischen Selbständigkeit für einen 
nftohsten Congress der Grossniächte reif zu machen haben. £a ist 
zu erwarten, dasa nach einer gewissen Anzahl von Jahren, im 
sohl im nisten Falle nach Jahrzehnten, wenn auf diese Weise die 
jüdische Bevölkerung Palästinas sich bedeutend vorgrüssert haben 
wird, wenn in Palästina zahlreiche, vielleicht hunderte jüdische 
Colonien, jüdische Fabriken und Werkstätten, Industrie und Handel 
in den Händen einer kräftigen, national-politisch erzogenen jüdischen 
Bevölkerung vorbanden sein und auch der grösste Theil der Juden 
anderer Länder eine mächtige^ nach ihrem Centrum Palästina 
strebende Partei bilden wird, — dass dann das politische Comitä 
im Stande sein wird, die Palästinafrage einem Congresse der Gross- 
mächte in ganz anderem Lichte darzustellen und sich den günstigen 
Ausgang seiner Bestrebungen vollständig zu sichern. 

Zur Ausführung aller angedeuteten Ziele sind natürlich sehr 
grosse Geldmittel uothwendig, und es entsteht die schwierige Frage, 
woher diese Mittel zu bekommen sind. Natürlich müssen sie von 
den Juden selbst hergegeben werden. Das jüdische Volk, welches 
kein ßodeneigonthum besitzt, ist aber ein im höchsten Grade nrmcs 
Volk. Die grösseren Ocldanhäufungen, die in den Händen einer 
kleinen Anzahl von Juden sich behnden, die ihre Capitalien fort- 
wälu-end im Umsätze haben, erscheinen der ganzen Welt als grosse 
Volksreicbthümer und haben die Juden in den Ruf, ein reiches 
Volk zu sein, gebracht. In der That sind sie es weniger als andere 
Völker. Aber die Juden sind arbeitsam und tieissig, in der Arbeit 
liegt ihr Reichthum und dieser Rcichthum der jüdischen Arbeit 
wird ausreichen müssen, um die nothwendigon Mittel zu beschaffen. 
VHr Überlassen es den in Finanzsachen competenteren Leuten, den 
financiellen Theil der Palästinafrage nicht nur in den Details, 



i^ta^M^ 



— 145 — 



» 



I 

I 



I 
■ 



sondern auch in den Hauptzügen xu bearbeiten, sovohl die Frage, 
wie diese groaseii CupituÜcn zu bekommt^n sind, wif auch wie dic- 
eelben am zwcckmuBsigaton zu verwenden sind, und wollen nur 
einige principiellc Punkte berühren, die in der Theorie schon vielen 
ZioDistcn AnlasB zum diametralen Äuseinandei^ehen gaben. Bis nun 
w&hlte man hauptsächlich zwei Wege, um Land zu kaufen und 
Colonien zu gründen. Der eine bestand in Colon iegrün düng auf 
Kosten einer einzelnen Person (Rothschild 'sehe Colonien). der 
andere auf Koston von ColtinisationsgcsellHchaften (das Odottsaer 
Comitt', Verein „Esra" in Berlin, ^Zion" in 'lesterreich u. s. w.). 
6^0D beide Wegarten erheben sich viele Zioniäten. Gegen den 
ersten, weil er zur Verknechtung der Colonisten durch einzelne 
kpitalisten fnhrnn kann. Rs könnte eine kleine Olasse reicher 
_initftlisten-Bodeneigenthümer ontatehen und eine grosso Menge 
booenloscr Ackerbauer, armer Arbeiter, die durch nichts stchorgesteltt 
nnd. Gegen den zweiten Weg wird eingewendet, dass er bloss 
eine WohUbfitigkeitasache, aber keine Yolkssache sei. Das Volk 
werde von der Wohlthätigkeit der Reichen abhängig. Wollen wir 
einen jeden dieser zwei Wege näher betrachten. Vs unterliegt 
wohl keinem Zweifel, dass Baron v. Rothschild als CapitaHst der 
Jetzigen Colonisation Palästinas sehr nützlich war, indem er meh- 
rere jüdische Colonien unter sein Protectorat genommen hat und 
lie fortwährend mit Geld versorgt. Und doch ist es ein Irrthum, 
»n glauben, dass der wohlthätige jüdische Baroii dadurch die Cnlo- 
luaation Palfiatinas gerettet hat. Er hat ganz bestimmt einige 
jüdische Colonien und hiermit einige hundert jüdische Familien 
gerettet, aber die Colonisation Palästinas wäre auch ohne den Baron 
and seine grossen Capitalien nicht zu Grunde gegangen, sie wäre 
nur eine gewisse Anzahl von Jahren aufgeschoben gehlieben. Die 
Pionniere der Colonisation rechneten nicht auf v. Kothflfhild, als 
m zuerst ihre blutigen Nagel in den heimatlichen Boden senkten, 
und ihr Muth und ihre Begeisterung hätten noch für genügende 
Zeit aasgereicht, um mit eigenem Kchweisse und Blute den heiligen 
Boden von der grossen Sünde der Verlassenheit und Unfruchtbarkeit 
iij reinigen. Hätten wir nicht einen, sondern viele wohlthätige, 
fÖr Palästina empfindende, sehr reiche Jjcutc, wie es j^arnn von 
Roths*! hild ist, wir könnten Tielleicht nicht nur auf 10 — :i(>. sondern 
»öf hunderte blühender Colonien in Palästina mit Stolz hinweisen. 
Wir hätten aber auch dann in Palästina einige Dutzend reicher 
OroMtgrundheaitzer und gar kein Ackerbauvolk. Es wäre nicht 
anders wie jetzt, wo die Colonisten des Baron» m'obt wissen, was 
ihnen gehört und was ihrem Wohlthäter, von dessen Willen sie 
alle snisammen und joder Einzelne ganz und gar abhängig sind. 
Deshalb warnen aiirh einige Zionittten vor jeder Fühlungnahme mit 
den jüdischen Capitnlisten, die nur unheilbringend für das Volk 
werden künnen. Wir unsererseits zweifeln nioht, dass unter den 
jüdischen Reichen sich ebenso wie unter dem Volke echte Patrioten 



finden^ die gerae, ohne Erwerbs- uiid Herrachaflsabsicht^ ihre Capi- 
talien für die grosse Volkaeache hergeben werden. Nur mit solchen 
Capitalisteii können die Zionintvn in Beziehungen treten, kann der 
Oongress nnd seine Exccutivcomitt'ia verhandeln, nur derartige Reiche 
sind imstande, die Baohc der Gewinnung Palästinas und Wieder- 
helcbung des jüdischen Volkes zu beschleunigen. 

Was die wohlthätigen Colonisationsvereine betrifft, ao zeichnen 
eich dieselben dadurch aus, dass ilire Gelder und die durch dieselben 
erworbenen LSndereien nicht einer einzigen Person, sondern dem 
ganzen Volke geboren. Sie sind unentbehrlich. Die Oesehichte 
und die Erfahrung zeigen, doss es unter den Juden eine grosse 
Menge gibt, die infolge ihrer Armuth nicht imstande sein wird, 
an irgendwelchen Unternehmungen oder ÄsBociationen theilzunehmen, 
während sie ausgezeichnete Arbeiter mit einer gesicherten Zukunft 
werden könnten. Für diese Menge ist erste Hilfe in Form eines 
Nationalfondes nothwendig. Ferner kann die ganze zionistische 
Propaganda, dieses ganze grosse Werk der Erziehung und Um- 
bildung unseres Volkes, ihre Mittel nur aus solchen QesellschafU* 
casseo schöpfen. Viele stossen sich an der «Wohlthätigkeit", da 
man gewohnt ist, mit diesem Worte einen Begriff zu verbinden, 
der der Menschheit nicht zur Ehre, sondern zur Schande gereicht 
Die Wohltiiiitigkeit der Zionavercine ist aber nicht identisch mit 
derjenigen eines Heichen, der seinem bettelnden Mitmenschen mit 
Verachtung eiuen Knochen zuwirft, nicht die Wohlthat eines herz- 
losen Aristokraten, auf elender Ehrsucht, frecher Lüge und Falsch- 
heit gegründet, sondern eine Wohlthätigkeit, die vom Volke selbst 
ausgeht, wekhcA weder Danksagungen noch Ehrungen sucht, sie ist 
die volksthümliche Selbsthilfe. Wahr ist, dass die Sache bis nun 
etwas anders ausgesehen hat, wenigstens hei uns im Odessaer 
Comite. Der grösste Theil der in die Casse eingelaufenen Summen 
ist nicht immer gutwillig gegeben worden, sondern vielmehr unter 
dem Drucke dea einen oder des anderen Comit^mitgUedea. Gott 
sei ihnen gnädig, diesen Wohlthätem, denen man ihre Spenden 
entreissen mus«, welche glauben, daas der Zionismus nur auf ihre 
Taschen loszielt, denen die Dimensionen ihrer Geldsäcke das ganze 
Lehensinteresse, den geistigen und moralischen Horizont ausmachen. 
Das aind die Hlüthen und Früchte des jüdischen Golus. Von nun 
an sollen Mitglieder der Colonisationsvereine nur freie Männer sein, 
die das Ihrige freiwillig und gerne zur Sache des jüdischen Volke«, 
ihrer eigenen Sache, beitragen. Derartige Mitglieder werden wir 
zumeist unter dem Volke finden ; nur muss diesem der Beitritt er- 
leichtert werden. Der Volksmann gibt seine durch elende Arbeit 
eraportcn Groschen leichter her, als die Reichen ihr« elenden 
Hunderte. Wir wollen aufhören, Zehntaupende in Groschen zu 
vertheiten, wir wollen aus den Groschen Millionen bilden., um das 
Oolus zu brechen und die iüdischo Volksehre au retten. (Lebhafter 
Beifall.) 



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M. Mose* iKattowItz): Ueehne Versammlnng ! ^Hilf Dir selbst, so 
wird (_iott Dir halfen, •* sagt das Sfiricliwort. T'nter allen Fragen fiber die 
^Mtionnle \Viederjrelinrt unseres jüdtsolien Volkes ist wohl« die wichtigste, 
lie die Cirlunisiitioii Palflstio^B betrifft. Die bislier gegründeten Cülonien 
uiceu ilir l!JutHtelien der Tbätigkeit der verscbleJeuen ColoniBations- 
Nfftiiie und der Tliätigkeit einzelner AVohltbäter. Die im grossen ganzen 
wobigelangeneu Colonisationsversoclie fn Pnlüsiina spornen nns an. diese 
iTkätigkeit im grossen zn betreiben. Hiezn aber reichen die Kittel der 
verschiedenen ('olonisationsvereine nnd nncb die Mittel der einzelnen sehr 
'Rieben AVoblibäier nicht uns. - Die Besiedelaug PaliUtinus dnrch Jaden 
eine Geldfrage im wabrsten Sinne des Wortes; dazu gehören viele 
erle Ton Millionen Krnnrs. Zur Anfbringnng solcber Stiinnien gibt es 
^Veierlei Mittel: 1, entweder die Gründung einer grossen Bank, welch« 
; Attien ansgibt, oder 2. die (?rfindnng von Genossenschaften 
zar Erwerbang von ländlichen nesitzungen in Palft- 
ftina. lieide Mittel sind hiezu voi-ziiglich geeignet, weil der za er- 
»erbpiide Budenbesitz durch (ortschreilende Hrtragsföhigkeit nnd 
llebannngsfäliigkeit mit seiner forlsclireit enden Heviilkemng. »einem Ver- 
[ kehr etc. im Wert fortlaufend sieigt. derart, dass eine liefabr, die an- 
gelegten ("apitalien zn verlitren, aii^igRschlossen ist. Der Umstand jedoch, 
nnsere jüdisch-nationalen Bestrebnngen bei vielen reichen Jaden aal 
nerschai"t stoi^sen. legt ans den Gedanken nahe, dass nnsere Gegner diese 
l^i^rlien atifkanfen, nm damit nnser Werk "zn stftren nnd zn vernichten. Diese 
[(fe/alir ist nicht einmal ausgeschlossen, wenn die einzelnen Actien in kleine 
* Aotbt^ilsclLeinc von 10 bis 25 F'rancs zerlegt würden. Auch würde sich in diesem 
^Falle die Ansamminng grösserer Capitalien ; Millionen^ sehr erschweren. 

CoRlcich sicherer und jeder Störnug vorbeugend ist das andere 

Mittel ; die GroudiioR von Genossenschaften zur Erwerbnnfi von ländlichen 

Beailzougeu in rulii-stina. i^Dle Anlegung von Fabriken und die Errlch* 

tnj^ von Handlangshiinsem etc. mass lediglich der Thfltigkeit von Privat- 

leiteD überlassen bleiben.) Der ländliche Itesitz eines Colonisten unsa 

naEaueii : 1 Wohnbans, .Stallong, Schoppen etc. and soviel Acker und 

.Gartenland, dass eine FaniUle, besieheud ans fdnf Küpren, bei bescheidenen 

I Ansprüchen ilir genügendes Ausk'juimen findet. Dasselbe musa anch das 

^cotbwendjge lebende und todte Inventar nmfassen. Dieses alles dörite 

etwa 5- bis fiOiK) Francs kosten. So gross mnss die Haftsnmme sein, fBr 

Teiche jedes Mitglied dieser Genossenschaft mit bescbrttnkter Haftpflicht 

kaftei. In Betracht koninien in erster Reihe die Juden in Kuinänien, 

, OiÜzien und Biissland. In diesen Ländern vereinigen sich etwa MJ bis 

^lOu und 200 und niehr Mitglieder zu einer Genossenschaft. Mehrere 

er Genossensrhaflen In einem Lande bilden eine Gnippe und diese 

ta in der Hauptstadt oder in der grüssten Gemeinde ihres Landes 

'QmC>ntralvpr\valtniig. Jede (icDOSsenschaft bildet fQr sich eine Genossen- 
MkafUbanlt. Die Einsahmen derselben bilden: 1. das Eiuschreibegeld. 
t. die Einzahlaneen der Mitglieder, Guthaben etc. Die Spar- Einlagen 
Atser lelziereii werden zn einem mJi.«igen Zinsfusse verzinst. Die Mlt- 
^der erhalten i^r ihre eingezahlten Heirttgo eine Jahresdividende, 
, vtlirvad die Elnschrf-ibegelder, die pro Mitglied nicht anter 10 Francs 
[Vtngen dürfen, znr Bildung eines Keservefondfe und zur Begleichung der 
iVerwaltungsk Osten verwendet werden. 

IHe Landes-Centralverwaliungen (Banken) dieser Grenossenschafts- 
stehen mit den anderen solchen Landes-Ceatralbanken in engster 

W 



— HS — 



F&bluDg lind di«8e nnieratubeu einem Executivcoiiiite — gegeowärtig deu 
Con^resa-Hnreau in \Vi«ii. — Dies warcQ die ürnndzüge dieser Oicrauisation. 

Naclidem diese geschaffen, leg'inDt in den einzelnen Genossenschaften 
der verscliiftdensten Länder eine eifrige Propaganda, Das Anfuehnien der 
Mitglieder und das Hinhebfiii der Einschreibeffpldpr nnd der JUigüeder- 
gnthabeii wird fortj^eseizt und die vereinnahmten Beträge an die Landes- 
bank . Landes-Central-Oenüssenscharisbank^ bis auf ein Zehntel abgeführt 

Nuu werden wohl in .iedeni Lande Alitnner nein, welche sich in 
Palästina ausledeln wollen und auch finanziell so gestellt sind, dass sie 
das zu erwerbende ländliche Aiiweiien mit allem, was dnzn gehört, bald 
mit •>• bis nOOO Francs befahlen können. Diese Betrtlge werden sofort 
verzinsbar angelegt nnd erhält diese Classe I der AnsiedJer bis zur 
vollzogenen Besitznahme ihres Anweseno eine Dividende. An diese Classe 
hat die Verwaltung keinerlei AnsprUclie mehr wegen Zahlung und 
Zinsen etc. Die« Classe von Ansiediern bleibt aber, nm die Creditfähig- 
keit der Oesammtnnternehuier 2U fördein. noch innf Jahre in Haftptlieht. 
Ka wird ferner (ienoshMnschal'lsmitglJeder geben, welche nur 40CK), :tOOO 
und nur 200*t bezw. nur lOüO Francs einzahlen können. Diese Cla^sp 11 
erhält diisselbe lilndliche Anwesen iu demselben Umfange und der l^aaliUt 
wit Clas&e l. cmpfiingt auch fiir ileji eingezahlten Betrag bis zur erfolgten 
Besitznahme eine enrsprechendc Dividende, stellt aber der Verwaltung 
in Höhe des Fehlbetrages bis zu ölKXi oder «lOÜO Franc« einen Hypothek&r- 
brief vm llXIU. .'iOüO bezw. 2(XK> Francs aus. Diese Hypothekarschulden 
werden allerdings zu einem noch fest/uAiellendeu massigen Zinsfiuae 
quartaliter verzinst. Dlose \'crzinsnng muss pünktlich erfolgen. Es werden 
aber sehr viele sein, welche ausser dem Einschreibegelde von 10 Franc« 
nur jährlich etwa 10 bis öü, bis 100, 500 und HOO Francs zahlen können. 
Diese alle bilden die Claese 111. Auch diese erhalten von den eingezahlt«n 
Betrllgeu abzüglich dem Kinschreibegelde eine Dividende. Dieses letztere 
inass unbedingt geschehen, damit der kleine Uann sich überzeuge, dnss 
alles mit rechten Dingen zugeht, und znr Sache Vertrauen hat. Dieses 
Sammeln der verschiedene» Beträge, als: Einschreibegelder, MitgUeder- 
Gnthaben, Spar-Einlagen, ans .Schenkungen, Vermilcht nisseu etc., wie ich 
gpiiter «nsfnhren werde, wird solange fortgesetzt, bis sich entweder in 
einer LandesCentralbank oder in den gesammten Central-Landcsbauken 
1 Million Franca uder deren sichere (Gegenwerte befinden. Classe I und U 
der Ansiedler erhalten ihre Erwerbungen. Letztere geben ihre ITypoihekar- 
brieie, welche bei eventueller Geldknappheit bei befrenndeten, unserer .Sache 
gewogenen Bankinstituten gegen Bargeld verpRtudet werden können. 
Von dem Reat der 1 lUiUion Fi-ancs nnd fiir die lYandbeträge werden 
Ifindliche Anwesen erworben und dieselben durch das Los an Mitglieder 
der Classe III abgegeben. Diese letztere schuldet der Verwaltung den 
ganzen Wcrlbetrag abzüglich des eingezahlten Mitglieder-Guthabens und 
stellen einen dieser Höhe entsprechenden Hypothekarbrief aus. Diese 
ItypoLhekarschuldner k<"mnea ihre Schuld in Katen von lOO Francs ab- 
tragen. Dies inues alsdann pünktlich in dem Hypothekar-Schnidhrief ver- 
merkt werden. Verkäufe dieser lUndlichcn Besitzungen anXichtjuden 
Rind ansgoBc blossen. Jeder Ansiedler bleibt noch fnnfJahi'e nach 
erfolgter gänzlicher Abznhlnng seines von der \'erwaltung erworbenen 
Anwesens in der HaftpHicht. Solange ein Ansiedler in der Haftpflicht ist, 
kann er nur mit lienebmigiing der Verwaltung das ganze oder einen 
Theil seines Anwesens an Juden verkaufen. Rückständige Zinsen werden 



J 



— 140 - 



ZB Lasten der ' Hypotbekarschnidner eiiigötragen. Wer seiu Iftiidliches 

ÄuwcwH al>8ichtlich vernacbnissigt. dnrcli MiBswirtscliaft im Werte 

hemnlrrbringi, «er länger als drei Jalire mit den Xinsen hu Rückstand 

Meibt, dem wird von der VerwRltnng sein Anwesen dnrth RückzahlunK 

des eingezahllei) lietrages abgenommen und in wirtschaftllcb bessere 

Hände gegeben. 

I Nimmt man nan die Oesammtzaltl der Jaden der ganzen Welt am 

bo MilUoDün an and recbuet man etwa davon ein Fünftel als Hansväter, 

^ «i^bt dieses eine Zahl von 2 Millionen ; durch eine nacbbaltige, nicht 

«rlohmende Agitivtion wird sich in abi^ehbarcr Zeit, sngen wir iu 10 bis 

15 Jahren von diesen -' Jüllionen HansvJitt<m ein Zeliniol, also ltX>.(X)0 

telbetändige MAuner zum Kintrilt in solche (Ttjiossenschaften mit be- 

Dkter Haftung gewinneu lassen — daa gibt eine Zahl von 

KX> X WJOO Fmüca = 1 ÄllUiarde Haftpflicht, 

Ein nicht zu nnterscbätzender Punkt ist die Ptllndnng von Schul- 

■ «par-(Pfeanig-Spar- iCaasen an allen jüdischen St^bulen der Welt. iMeKe 

^ft£j>arzeit erstreckt sieb nicht nur über die iTesammtachnlzcit, sondern 

^Vaocb über die l/ehrzeit bis binaus über das Jünglings- nnd Jungfrauen- 

alter. Werden diese kleinen Ersparnisse in die UeuossouscliafLsbauken 

veninsbar angelegt, so »ammelu sich iui I>anfe der Zeit einige Millionen 

Francs an. Abgesehen von dem lieMpunkt, ist aber für jeden Zionisien das 

Komeut wichtig, dass das jUdiaclie Kind, Jüngling nnd Jnngfran früh- 

Kitig für onsere nationale Sache sparen und wirken leint, nm dann im 

reiferen Alter weiter für dieselbe zu apbaflen und zn wirken. Wir schaffen 

US dadurcli eine grosse K es er v e - A r me e, wübreud wir beatige 

SäoDiflten mit allerhand übelwulleodem Gesindel uns herniupläukeln müssen. 

Nicht minder wichtig ist die Tbötigkeit der freien Zinnisteuvereine. 

Dieselben dürfen nicht rnlicn, von Stadt zn Stadt haben nie ilire Wirk- 

lamkeit zn verlegen. Pie Verein s bei tri« ge kommen nach Abzug des 

Agitationsfouds unter einer besonderen Rubrik in die Cass« der Genossen- 

ichaftsban keu . Alljährlich zwei- bis dreimal am Feste der Gesetzes- 

frtude, Chanuka oder Pnrim oder ditch mindestens einmal im Jahre, 

IBdge io grösseren Gemeinden von ihnen eine Festliclikeit veranstaltet 
mrden. Geschieht dieses in richtiger Welse, so wacbsen sich diese 
Vereiasfestlichkeiten sehr leicht zn wirklichen jüdischen Volksfestlich- 
kdtrn ans, welche der Verelnscasse nicht nur sehr betrUchtlicbe Ueber- 
Kk&s«e einbringen, sondern auch den Vereinen erfahnuigsmässig stets eine 
Au&hl neuer Mitglieder zufiUircu. Durch die vielfachen Beziehungen in 
d«s Volke und mit dem Volke werden unsere Itestrebungen stets volks- 
tib&mlicher. Die Vereine, beziiglich die L^fno3senscliaften erhalten Spenden, 
Schenkungen, Vermächtnisse, Hinterlassenschaften etc., welche denjenigen 

»ADBiedlem zugn^te kommen, welche wenig oder nichts einzahlen können. 
Diener Betrag künnte auch au den verschiedensten Cultusauffiraben, z. B. 
Schalen, Krankcnhiiaseru, Altersversorgungs- Anstalten etc. verwendet 
werden. Mit den Jahren werden diese f^triige sich vergrOsfiem und nicht 
IQ noterscliätzcn sein. 

Da die Gelegenheit, sich In PnlUstiua als freier Mann in würdiger 
Weise anzusiedeln, von den ärmeren Juden mit Freuden begrlisst werden 
«nd in grosser Zahl auch benutzt werden wird, so wird diese« den Armeii- 
SDterstaiznngs-Etflt einer jeden Gemeinde in hohem Grade entlasten. Ks 
ist daher nur billig, wenn an die einzelnen Gemeinden zur Leistung 
etwisser Beitrflge von Seite unserer Verwaltung herangegangen wurde. 



— 150 — 



Solclieu billigen nnd f^erecblfertigten Leisfnnßren kauii sich ans gewissea 
Gründen keine Genieinde cntzielieu. Gesetzt, es gÄhe in der ganzen Welt 
circa fiO.fXM.) .S>'uuif:ogea-Geuieinden und jede gilbe für diesea 
Zweck alljUlirlich den uiiiiiinalen lletrag von 100 Francs, so scliaßen sie 
eine Jahre sei nn ahme von 5 ilillionen Kranes. 

I>orch diese Geuainmtoitraiiisation schafTen sie einen bestJtndigen 
ZaflnsH iu nnunterbrocheaer Weise von grossen (leldmitteln: 

1. durch Kin»«:lireihegebüren vuu 200.000 Mitgliedern k 10 Fr. = 2 MilL 

2. dnrch jährliche Kinzahlnng voti Mitglieder-Gnthaben in etwa 
IftJTahren von JÜO.CHXiMilgÜedem ji nnr vurlünflg 2i'.00 Free. = 500 „ 

•3. rückzahlbare Spar-Einlagen durch !.'> Jahre SO „ 

4. einlanfende Zinsen durch 15 Jahre zn -1 Percent ... 20 „ 
b. Beträge ans den Schulsparcasseii durch ITi Jahre ... 1^ n 

6. Keträge von den \'ereiMen 2 ^ 

7. Schenkungen, VemiKchttiisse ete 1 ^ 

8. ouft den Geineindeu iu den ersten 15 Jahren .... 5 _ 



Frc«. &84 Mill. 
r»etn gegenüber stehen zur Anszahlnng S|>ar-Kin- 

lagen Frt». 55,000.000 

nnd dafilr Zinsen an die Sparer (siehe 3, 4, 5) 

zu 2Vi rei-cent „ 1,37'>.000 

Dividenden von MX) Millionen h 2'/» Percent „ 12.50o.000 
GehHIter. Verwaltong etc. . . . . ■ « 6,000.000 
Insgemein • • • « 125.000= 74 MHl. 



Rest . . 510 MUl. 

Nach einer Wahrschetnlichkeits-Berechnung würden sich die Netto- 
Einuahnien in den ersten 15 J:ihren anf 510 Millionen Francs belaufen. 
Berueksichligl lunn. dass die zn erworbenden I.Hnder-eien mit der zu- 
nehmenden Hevölkt'rnng und Tnltur nnd Verkehr lortwilbi-ciid im Werte 
sleigt'ii. beiücksichtigt man ferner die Ausielligkeit, Fleias, Nüchleniheit 
und (.'reditnihi^fkeit unseres jüdischen Volkes und erwttgt man feiner, daas 
eine Gesellschaft, welche in unverhültnisuillssig kurzer Z«it mehr als 
50t) Millionen Francs Netto-Einnahinen hat — bezw. für diesen Betrag 
Lftndcieicu besitzt — ohne die Gi-enzen ihrer LeistungsfKhigkeit über- 
schritten zu hHl)en, nnd erwitgt man zum Ä-hluss. daas eine solche GespU- 
schaft n\r I Milliarde Francs Haftung tr^gt, ohne an der Grenze ihrer 
LeistungsHlhigkcit angelaugt zn sein, so werden derselben Air ihre Zwecke 
noch sehr leicht 2 bis H Milliarden creditiert, und das ist ein solcher 
immens grosser Betrag, dass er filr eine vorläntig zn schalende Nationalität 
von 'J';> bis 4 Millionen mehr als hinreichend ist, ja genüge, um ftir die- 
selbe nahezu ide»le Verhältnisse herbeizuführen. Pieäes alles kann nnd 
mau erreicht werden, wenn wir nnr richtig anfangen nnd in richtiger 
Weise beharrlich fortsetzen. Hiezu ist ein jeder Israelit bernfen. Wir 
werden es erreichen, wenn joder au seiuem< Poeten gewissenhaft bemüht 
sein wird, ^eiue PllicUt und Schuldigkeit xit thun und stets nach dem 
Wahlsprnrho handeln werde; „Einer für alle, nnd alle iTir einen.*" Hieza 
gebe uns der .Allglilige »einen Segen! Amen. (Lebhafter Beifall.» 

rrftsident: Herr Wolffsuhu wird nnn die Präsenzliste bekannt- 
geben. iPie Uesammtzahl der anwesenden Pelegierten betrSgt 204.) 

T>ie Sitzung wird gesclüüsseu. 



III. Verhandlungstag. 

31. August t897. 



Vormiltags-Sitzung. 

iPrSeideut: Ich luuss daran/ verzichten, die Kundgcbnngen hier zu 
und werde ich danut die Cong^reasmitglieder nichl hinhultea. Wir 
■ werden die einzelnen Kundgebung^eu in einem der VorsHJe auflegen, wo 
Sie dann (-Telegenbeit haben werden, die grossen Massen des elngegan- 
fmtn Malerial» eiuznsehen. Von den Knudgebnngen, die gekommen sind, 
erwliine ich anr noch diejenige von Reverend Glaser, Chiefrabbincr der 
«ynagogischen Gemeinden in England, der in den wärmsten Ansdräcken 
aüt den Zielen des Congresses sympathisiert. 

Zur Präaenxliste, welche gestern verlesen wurden ist, bemerke ich 
nnr. dass ilif^jenigen Herren, welche in der gedruckten Liste nicht zu 
ßgnrieren oder eine Reclilication anzubringen wänschen, sicli in dieser 
Aiehe an Herrn Wolffsohn wenden mögen. 

Das Wort hat Herr Steiner. Obmann der Commission fi\r das Or- 
gtafsationsstatut. 

Dir. Stelner: Ganz erfttlll von dem Ernste ihrer Aof<gabe. hat die 
Commissicn die Berathnng der Organisation vorgenommen. Da«, was wir 
jetzt zu be^chliessen. haben Ist gewissermassen das Bückgrat der zionisti- 
Khea Bewegung. Wir haben fast zahllose Antritge vorliegen gehabt und 
bftben wir aus sehr vielen einiges benutzt, wf^nn auch nur so traßiueiitarisr.h, 
daas es kaum bemerkt werden wird. Das meiste haben wir der Lnndes- 
organisation überla.ssen miisäen. Das, was wir im Entwürfe niedergelegt 
haben, ist sehr knapp und jedes einzelne \Vorl abgewogen. Wir haben 
die rechtlichen VerhiUtnisse der einzelnen Lllnder dabei in Betracht ziehen 
nÜKMn nnd auch das jurifitische Denken unserer Comitemitglieder in Be- 
tracht gf-zogen. namentlich aber bewithrt« Organisationen, welche über die 
ganze Welt verbreitet sind und seit Jahrhunderten fmictiuuieren, zum 
Husier genommen. Wir bitten Sie. zu glauben, dass es das beste ist, was 
vorlünüg an 1!>rganisation zu erreichen war. Ich werde Hiuen den Entwurf 
b seiner (^ei^ammtheit vorleg:cn nnd kurz commentieren und jede.n einzelnen 
Paragraphi^n zur Abstimiiiiin^ noth einmal unterbreiten, wenn der HtdT 
Prftndent damit einvenstanden ist. 

J.I. Das Hanptore:an der Zionisten ittt der Congress." 

„2. AI. 1. Jeder Zionist, der bei-echtlgt sein will. Delegierte zum Con- 
grett sojtzuwählen, zahlt jährlich freiwillig für zionistische Zwecke mindeateu« 
daen Schekel im Betrage von I Krane ^ '2 Shilling = '/■ Dollar — 



— 152 - 

'/• Gulden ^ 40 Kopeken = L Mark." — Diese Saume iat nur ftlr di« 
uUertlrmsUa Üiiider befttiniml, und ist jeder verpflichtet, mehr ko beütthlea, 
wenn seine Verhfiltnisse os eiTiiöglichen. 

„AI.Ü. Je l<X)C'tintribiienten wtUiIen einen Delegierten, jeder Delegierlö 
kann für mehrere Gruppen die Vertretong annehmen, jedocii nicht mehr als 
xobn Stimmen abgeben/ — Wir haben die Zalil 10 beim Stimmeniuaximum 
aogenouimeu, damit nicht Einzelne ganze Landestheile vertreten und sich 
eine grosse Stlmmenzahl aneignen, um den Congre&s zu tyrannisieren. 

p3. Der Congress wühlt dnrch Abgabe von Stimmzetteln ein zionisti- 
sches Aclioaacomitü zur Ausführuiuig der Beschlüsse, FUlirung der An« 
Gelegenheiten und Bestimmung des uiichsteu Congressurtes." 

„4. Das Actionscomite hat seinen Sitz in Wien und besteht ans 
IT) Mitgliedern, wovon r> ihr ständiges Domicll in Wien haben niüssea, 
während sich die übrigen anf die landsniannscha fr liehen zionistischen 
ümppen auf folgende Weise vertheilcn : 

Ocsterreich, i-Jalizien und Bukowina 2, Deutschland 1, Russland 2, 
KumUnien l, Knglsnd, Frankreich, Nordamerika je l Veitreter, Serbien 
und Bulgarien 1. I>ie ausserhalb Wiens betindlichen Mitglieder des Actions- 
comit^s werden vom Congre^s, aber nach Nomination der landsmann- 
8cbaf(lichen zionistischen ürnppeu, gewühlt. Die fünf sttindigen Mitglieder 
in Wien werden vom Congress in seiner Gesammtheit nnminiert und gewählt.'* 

„ö. Jedes nicht in ^Vien domic liieren de Mitglied des Comites hat daa 
Recht, nach vorheriger Einvemalime mit dem Wiener Actionscomitt.' einen 
zionistischen Vertrauensmann in das Actionscomite zu delegieren."* — Dies, 
geehrte Versammlung, ist uothwendig, nm in der Leitung der Geschüft« 
keine Störung eintreten zu lassen. -Tedes einzelne Mitglied muss seinen 
Vertrauensmann in Wien haben, der ihn im Actionscomite vertritt, der 
den Hf^rarhungen beiwobnt und der auch daa Votnm seines Mandanten im 
Ansiand üinhull. 

„H. l>ie Mitglieder des Actionscomitüs repriisentieren ihrem Landes- 
comit^ gegenüber die Executive des Actionscomiles." — Damit greifen wir 
in die Landosverwaltung nur insofeme ein, dass wir sagen, sie stellt die 
Verbindung mit der Landesorganisation her und das einzelne Mitglied ist 
das Bindeglied zwischen Kxecutivcomit^- nnd I>andescomitil^. 

„7. Du Actionscomite bestellt einen GenenUsecretär, der seinen 
Wohnsitz in Wien hat." 

„8. Das Actionscomite setzt nach Bedarf Commissionen ein.** 

„U. l>ie Oi^nisatiüu nud Agitation der Zionisten in einzelnen Landen 
richtet sieb nach den Bedürfnissen nnd Gesetzen des betreffenden Landes 
und es ist deren Form dem Actinnscomiti^ anzuzeigen.'* 

Dies der Orgauisatiousentwnrf. 

Pritfident; Herr Dr. Boden heim er hat das Wort. 

Dr. Bodenbetmer: Heute Morgen ist Ihnen der Orgauisations* nnd 
Finanzplan, den ich gestern vorzutragen die Ehre hatte, im Dmck vor- 
gelegt worden. Ich habe gestern schon die Meinung gehabt nnd habe der- 
selben Ausdruck gegeben, dass die-se Privatarbeit diesem Congre-ss nicht 
zugrunde gelegt werden solle, sondern lediglich ein Material bilde, das 
die Kommission uitznbearbeiten hat. Ich bin aber auch der Meinung, dan 
auch diese Arbeit der Kommission nicht die endgiltige Oi^anisation des 
Zionisleu-Congresses sein kauu. sondern es ist dosjeni^, was uothwendig 
geschehen muss, damit wir nicht ohne Kesultat auseinand ergehen, damit 
ein Organ da ist, welches den n&chsteo Congress vorbereitet, eingegan^nel 



I 




- lo3 - 

Antrag prüft, sodass wir beim nächsten Congress mit Erfolg in die Arbeit 
eintrtteo könneu. Ich bin daher der Meinnng, dass wir diese VorscMäfre, 
wie lie von der Kommission tinterbreliet werden, .lunchmen, nnd zwar 
ofcii«f!ro«Be Discnsfiion. I>as Weitere ktintien wir dem zn wühlenden Actiona- 
Moit^ iberlasseii, indem wir es. falls sieb die l'niuoKlichkeit xeigt, einig« 
toier Bestimmangen durch znfiihren. berechtigen, selbst Aenderungen vor- 
loulimen^ soweit solche noibwendig sind. Es wird Saclie des Actiuns- 
Mvdtfa sein, vom Congresa Immanititt einzuholen. Ich bin iiberzengt, 
im das AetJoiLBConiite nichts tiberoeluiien wird, was den Interessen des 
CoBgreases widerspricht. Ich möchte Sie dringend bitten, damit wir weiter 
fn tnisere Arbeit eintreten kennen, alle Paragraphen, wie sie vorgeschlagen 
oad, uixnnehmen, wenn nicht gegen einen einzelnen Paragraphen ein 
fuz dringendes Bedenken geltend gemacht wird. leb bin allerdings auch 
nicht der Meinting, dass Herren, welche schon bestimmte Anträge gestellt 
babeo. diese heute nicht voiiragen sollen. Im Gegentlieil, es wird von 
poBsem Interesse sein, zu hiiren, welche einzelnen Vorschlllge gemacht 
werden. Wenn Sie mit der festen Zuversicht nach Hause gehen wollen, 
im wir etwas Beständige« geschafTeu haben, mit dem wir wirtsrhaften 
ktnaen ffir die ZnknntY, dann nehmen Sie die Anirttge der Commisalon 
mit Acciamation an. 

Prftsident: En wird nicht UbertlU£»ig sein, zn betonen, dasR das, 
tru jetzt geschahen wird, nur einen jirovisnrischen (!harakter hat. Wir 
JcEouea durch die ganze Alt, wie derCongress einberufen und enlstaudoa 
ist. nicJii den Willen fUr i^pfitere Congresse fesliegen, sondern es kana 
■idi nur darum handeln, den Actlonen, die der Congress im nächsten 
■tihre vornehmen wird, eine unanfechtbare und zeitgemässc Form zu 
KtboL Wenn Sie die vorgeschlagene (Organisation nicht als definitiv an* 
Hha und bei der Commission den Willen vurausseizeu. sieh selbst zu 
▼ertessem und dem u^ichsten C'ongress Besseres vorzniegen, werden Sie 
lid) mit dem Vorgeselilagenen zufrieden geben. 

SIfCmond Bromberg iTamowi: Im Anschlusa an die Vorschlftge des 
fieferenteu mnss ich bemerken, dass die Fassung dieser Vorschlüge insofern 
idobt ganz entsprechend ist, als sie eben specielle Einrichtungen bestimmt. 
So zun Beispiel: dasa je 100 beitragende Mitglieder einen lielegierteu znm 
Cddsrss wählen können. W'enn wir diese Bestimmung annehmen, haben 
vir etwas beschlossen, das dem Actjonscomitä die HHnde binder. Und 
diu dieser Vorschlag unausfährbar und unrichtig ist. darüber kann kein 
Zweifel bestehen. Ich beantrage daher, dass man die Fassung des be- 
trelTeuden Paragraphen niöglichttt allgemein halten soll. £s ist unaus- 
ffihrbar. Wir küunen kein Gesetz schaffen, um je iOO zahlende liitglieder 
n ehiem Wahlkürper zusammenzubringen, dagegen haben wir Ziona- 
wtiDe, welclie in der ganzen Welt zerstreut sind. Diese festen Urgani- 
«üonea sollen die Delegierten entsenden. Es ist dies das Ricbligste^ die 
Vcrdae oder die Comitös der entsprechenden Laudsmaunschat^ten. Wir 
■lii eo ans so allgemein fassen, dass alles hineingebracht werden luum. 

Präsident: Die Frage der (ieneraldebatte ist. ob wir überhaapt 
uf den Entwurf eingehen wollen. Wenn der Congress anf den Entwurf 
tjsgelit, wird es Sache der Specialdebatte seiu, auf jeden einzelnen Punkt 
eätcDgehen. — Znm Wort sind noeh vorgemerkt die Herren r»r. Bernstein- 
KöhM, Dr. Schnirer, Prof. Schnpira, Schiller. 

Dr. Blomaufeld: Ich beantrage die Wahl von Oeneralrednern. 



— 154 — 



Motzkin: Ich halte diese Einrkhtnnff, obwohl wir mit der Zeit 
sehr geizen niüasen, für ganz vf^rfehlt. Es ist doch keine Principienfrage, 
sondern Jeder wird specielle Pnnkte hervorheben. 

Präsident: Wir gehen ja später in die Specialdebatte ein and 
dann k»nii Jeder über eiuzelue Funkle sprechen. 

Motzkin: Ich beantrage, die Wahl von Generalredoem abzulehnen. 

Priftident: Die Herren, welche für die Wahl von Generalredneni 
sind, mögen die Hand erheben. 

Dor Antrag wird angenommen. 

Präsident: Herr Prüf. Schapira im Namen der vorgemerkt 
gewesenea Kt^duer hat dus Wort. 

Prof. Schapira : Hochverehrte Vers&mmlangl Die hohe Ver- 
antwortnng, die ich übernommen habe, zwingt mich, die Sachlage fnr 
mich selbst und Andere klarzulegen. Ich mochte unter keinen Umständen 
die Discns.iioii weiter binaassoliieben, und es liegt mir sehr am Herzen, 
so kurz als möglich in <Üe sachliche Behandlung der Organisationsfrage 
einzugeben. Ich kann aber nicht umhio, den Wunsch um AufklUrang 
auszusprechen, ob die Absicht vorliegt, nachdem die Organisatiunslrage 
beendigt, die Hebandlnng der Frage des National fon des extra imr Dis- 
cttKsion zu bringen ? Wenn dies der Fall ist, dann vernichten meine 
Anftraggeber auf alle weitere Debatten und sind einverstanden, dass man 
anf die Specialdebatle eingehe. 

Pr&sident ; Sie werden Gelegenheit haben, sich in dieser Angelegen^ 
heit zu äiifisprn. 

Sehapira : Dann sind wir schon befHedigt. 

Präsident : Wir gehen nun zu § 1 : „Hanptorgan des Zionismus" 
ist der Cougress**. 

Dr. Kornbläh: Ich glaube, es sollte ein kurzer Absatz hineln- 
genommcu, welcher von der Geschäftsordnung spricht. 

Präsident: Für den nächsten Congress wird anch eine Gpschftfla- 
ordnnng vorgelegt werden. Ich möchte beantragen, dass dieser Paragraph 
angenommen wird. 

Dr. Ehrenpreis: Ich möchte beantragen zn sehreibeu: „^Ist der 
(Jährlich einzuberufende" Congress'*''. 

PriUld«Dt: Aach das wäre nach meiner Ansicht eine Bindoagj 
späteren Willens, die .jetzt vorznnehmen nicht nothwendig ist. Wen 
wir zum Schlüsse des heutigen Congresses beschliessen, dass wir in einenr' 
Jahre zusammenkommen, so wird der nächstjährige bestimmen, wann wir 
wieder znsaumieukomnien werden. 

S 1 wird in der ursprünglichen Form angenommen. 

Präsident verliest § 2. 

Dr. Schnirer: Ich glaube, znr Vereiufachung der Discussion wird 
es sich empfehlen, Über die beiden Hillften dieses ParapTiphen getrennte 
Discussion vorzunehmen, denn ich glaube, über die erste Hälfte wird 
keine Uaeiuigkeit herrschen, hingegen dürfte es zu divergenten Ansichten 
kommen, wie diese lielder einzutreiben sind, und über die Zahl von 
Ziunistcn, welche einen Delegierten zu wählen haben. Ich glaube daher, 
dass man Über beide Hälften gesondert dlscutieren soll. 

Stelner: Ich bin mit diesem Vorschlag einverstanden. 

Dr. Landau: Meine Herren! Dieser Vorschlag erscheint mir nicht 
vollständig, weil er nicht die klare Beslimmong enthält, wer an den 
Congress theilnehmen kann : ob nur Delegierte oder auch Hitglieder Za 



— 1 5Ö — 



diesem Paragrapheu bcaitti'age ick : ^Am Coogresa kotineu lediglich Dele- 
pfert« theilnehmen". Dann würde sich daran eine stylistische Correctar 
der DbrijEren F'assung anscfaliessen : ^Dki Con^rres^t besteht ans Helegiertf'-a. 
Ein Delegierter wird gewählt von je IW Mitgliedern'*. Ich stelle also 
den Antrag, dass dieser bestimmte Satz au die Spitze gestellt wird. 

Karl Herbst t Sofia i: Bis jetzt war die Orgauliiatiou der Zioalsten 
eine lose. Nnn helsst es, das»i Jeder stimmberechtigt ist. der Beiträge 
entrichtei. An wen zahlt er dieselben ? An die bisherige lose Organi- 
sation oder an wen V Ee soll bestimmt werden, wohin er das Cield ent- 
richtet Die Beitrüge, die den Vereinen entrichtet werden, sind meist 
ZD localen Zwecken bestimmt. Ich würde beantragen : Es B<dl prineipiell 
gesagt sein : „an die Landeacasse, welche die BeUrltge au die Centrale 
n entrichten hat". 

Priaid«nt; Es wird im Verlauf der Dlscnsslon vorkommen, daaa 
ein Barean eingesetzt wird fnr die Vorbereitnng des nächsteu Cougressea, 
weichee dann KiiipHiücer der Beitrilge seiu wird. 

l>r. Bodenhcimer: Ich mischte gegen den Autrag^ Landau sprechen. 
Ich habe scliweie Itedcnken gegen ein** solche Fassnng des Paraffraplien. 
Der Congress ist nicht eine Vereinigung von Delegierten, sondern wenn 
er Überhaupt eine weittragende Bedentung haben soll, luuss er eine Ver* 
lammlon^ aller Zionisteu sein und muss jeder Zionist. der etwas znr 
gemeinschaftlichen Organisation beitrügt, in der Lage nein, an dieser 
einzigen Stelle, wo er sich äussern darf, sich ancli zu flussern. Ich 
möchte Sie dringend bitten, den Congrets nicht zu einer Delegierten- 
Tereammlnng zn degradieren. Icli habe auch scliwie Bedenken wegen 
der Laodesorganisation. Wir können die Bestintninng (iber das Stimmrecht 
mhig dem .\ctionscomitä überlassen, welches die einzelnen Modalitäten 
mit den Landesorganisationen fest.stellt, bevor der nächste i'ougress statt- 
findet. Wir wollen dieae Frage verli-aiiensvoll dem zu wf blonden Actioua- 
comlt^ überlassen, das in der Lage sein wird, zu ermessen, in welcher 
Weise Bestimmangen über das .Siimnu"eelit getroflen werden können. 

Bahar: Wenn die Xitferii rmrli provlsoriscli sind, »n liabe Ich 
tiii'Iits zn sagen : sollten sie Jedorh definitiv sein. s<i frage ich, warnni 
einem Franken zwei Shilling gegenübergestellt werden. Es ist dies doch 
nicht das rkhlige Verhältnis. 

Stelner: IMe Höhe der Beitrüge warde von den Delegierten der 
einzelnen Landeslheile bestimmt. Jeder sagte: Bei uns kann man .indi 
vom Aermsten so und soviel bekommen. Wir haben den Sehekel fixiert 
steh der I.eJBtnng^nthigkcjt der Jnden der einzelnen Lllnder. 

Bahar: \\'enQ man ann ist, so ist man an allem ann. Mnii kann 
Büllionenann seiu. oder arm an Franken und Dollars. Warum soll der 
arme Engländer :i Shilling zaiilen und der arme Orientale nur 1 Franken ? 

Steiner: Die Vertreter des Landes haben erklärt, das« dies die rleh- 
tlgeSnmme ist ; darnni hatten wir Vertreter jedes einzelnen Landes gewählt. 

Dr. Farbstein: Ich niöclite einige Bemerkungen machen. L Ob 
Ddegierte oder alle stimmberechtigt sind:-' Ich wäre nur für Delegierte, 
wcjl «fas das demokratische System ist, w.'tliix*ud das andere das plulo- 
kntiiche ist, weil die Armeu uicht kommen können. AVir wer<len eiueu 
Congress der Reichen haben und die Armen werde» nicht veilreten sein. 
'i. ptcht: .Zahlt einen Schekel". Aber es steht nicht, an wen: e« mnss 
die Bemerkung stehen: ^zahlt einer Ortsgnippe". Dies m*ichte ich bei- 
ge/ngt haben. 



Prftbiilent : UeiT Herbst beantragt das Gleiche. Sie vereinigen , 
sicli vielleicht zu einem gemeinBcliaftUoheii ZtiKatzautiag. 

Dl- Farbütein: :: ]ietrel)s des Shilling mßchte ich anch noch be- 
niHikeii: Ks uiilciUegt kaum einem Zweifel, dass Uie Masse der Juden in 
Kiigland niclit iinslnnde ist. zwei .Shilling zn bezahlen. Ich müchtc darum 
leuntra^eu, zu sagen : ein 'Shilling, wegen des russisch 'polnischen Prole- 
tariats, das in [jiver[>ool. i..ondon. Manchester etc. lebt. 

Scba^h ; Ich will micli knrz fassen. Ich vermisse im ersten Pars- 
giaphea die Klarheit. Znerst fehlt das Wort: „zionistische Partei". Ich 
glunbe, PS Kollte heisneii statt „Jeder, der berechtigt sein will*^ pjedea 
Mitglied der zionistischen Partei zahlt'' so und soviel. < Lebhafter VVider- 
sp]-uch.i Aber, meine Herren, fiir was sollen wir uns denn ansgebenV 
Wir können doch noch nicht sagen, dass wir das Volk sind. Es gehören 
zum Jiideuvolk noch Viele, die nicht mit nns gehen. Wir sind eine 
Partei. Wii- sind eine Partei, wie jede andere X-'artei. l'aröm möge es 
heissen: , Jedes ilitglied der zionistischen Partei etc." Wir sollten anch 
sagen: ^ Jeder zahlt einen Franken'', nnd dieser Betrag sollte anch den 
Beiträgen anderer Lttuder zngrnnde gelegt werden. 

Dr. Neumark: Ich glaube, dass anch nichtdelegierte Mitglieder der 
Partei iheilnehiuen sollen am Congi*e88. Das Centralcomite soll darüber be- 
stimmen und da das Ceiitralcondti!- die Mitglieder in deneinzelneu I>findem 
nicht kennen kann, sc wilre die Sacheso zu ordnen, dass das CentralcomltÄ 
mit den verschiedenen I^ndesorganisationen zu bestimmen hätte, ob ein 
Zionist als Hitglied zum Congress zugelassen werden soll oder nicht. 

S. Lubllnski Berlin >: Dr. Bodenheimer hat in ausgezeichneter Weise 
OAchgewieseu, dass der Congress In keiner Weise zu einer Delegierten- 
vei'Sammluhg herabgedriickt werden darf. Mir scheint, das Schlechteste 
bei der ganzen S;u-.lie ist dies, dass wir lant erkISren, d^n Congress geht 
CS nichts an. wie der Delegierte gewühlt wird, und icli beantrage deshalb, 
dass ein solcher Entwurf nicht angenommen werden soll, sondern, dass 
wir kurz sagen : Mitglied kann jeder werden, den der Congress dazu 
ernennt. 

Rromberi;: Wir haben geätern und voi^esterii Zeit genug gehabt, 
wiiklich sachliche Ausfiihrnngen und Keden zu hfii-en. Jetzt wollen 
wir arbeiten! Ich beantrage deshalb Schloss der Debatte ohne Anhümog 
weiterer Redner. 

Dieser Antrag wird angenoiumeu. 

Dr. Schnirer: Zur Veniieidiing von Missverständnissen mfichte ich^ 
ein- Tür allemal statuieren: Srhluss der Üednerliste heisst: Kedner werden' 
nicht mehr zugelassen. Sehluss der Debatte heisst: Es wird nicht mehr,^ 
Kesprocheii. 

Dr. Blumenfeld: Ich habe mich schon früher zum Worte gemeldet, 
vardc aber überstehen. Präsident: Ich bitte um Entschuldigung.! Ich 
wollte keinen Antrag Ktellen. Kondem nur um Aufklärnng bitten. Eine 
AntVlärung zu verlangen, ist man jederzeit berechtigt. Ich wollte nnr 
fragen, was zu geschehen hat, wenn an einem Orte mehr als 100 nad 
nicht ganz 'Mi Miif;lieder sind. Der Entwurf liegt nns nicht gedmckt 
vor; infolgedessen wissen wir nicht recht, was darin steht. 

PriNident: Wir konnten keine Druckerei finden, die ihn in so ktirzer 
trtl gedruckt hfttte. 



- 157 - 



Steluer: Es ist eine Principienfrage anfgewoHeu wurden, welche 
gtr nicht dazn gehört. Es Sst die Frage, ob iinr Üelepiert«^ am Congresie 
theiloehmen dnrfea. Tlieilnehnien wird wohl jeder ^ioiitst. stimmen aber 
nur die Pelogicrten, sonst wäre der ('rmgr^it t^ii^ eine srliiute liasls ge- 
ftteilt. Ein Zasatz in zwecklos, weil ar selbstvei-sländlidt ist. Wir sagen 
j«, jeder Zionist kann Delegierte wälilen. Kk Iki ancli sclmu die Frage 
.aufgeworfen worden, wie gewülilt werden soll. Wir können am hier auf 
^die Orgunisati OD und die Furni, wie die Stimmen ein^ereiclit werden 
lolleu. uJcLt einlastten, denn wenn wir die bestt;lieiid<.'ii ^'eI'eille als Kxe* 
cativorpaue beatimmen würden, wftrde eine AiiIli'SiinR' der A'ereine In ein- 
zelnen Landern sofort erfolgen. In Oesterreidi /.. H. würde dies sofort 
^eAclielieu. Darnm Ist eine etwas viige Besilniniuiig absolnt nothwendig. 
Sagen wir: Ein Land bat ÄK) Ziunistrn, welche Beiträge liefeni nnd 
folglich hat es acht Delegierte zu wilhlen. üiese werden scbrifilich 
^fcwllhlt. Eine Wahl, wo inan Ktisamnienkommt und wÄlilt und vielleicht 
■ ton Odessa nacli Warschan führt, ist durcbatt.<t aosgeKlilossen. Ein Verein, 
der Bber 100 VitgHeder hat, kann anch selbständig wJihlen. Aber wir 
kier wissen nnr von dem Ganzen. Rnssland z. ß. zahlt für 90 nnd s» viel 
u den CoDgress und hat das Recht, so nnd so viel Delegierte zu wäUleQ. 
Das andere i»t Sache der Landesorganlsatinn im Lande. 

Dr. Landau; Mit Ki'icksicht djiniuf daan nur Delegierte Stimmrecht 
kiben sotten, ziehe ich meinen Antrag ztinick. 

Steiner: Ich stelle den Antrag, Alinea a auztiuehmen ohne Zosatx- 
antraf. 

SchMh: Ich ziehe meinen Antrag ebenfalls zorück. 
Prftaidvnt (.verliest den Antrag Herbat»: ^Es ist eine Stelle za be- 
leiehnen, au welche die SiimmberechtignnRßbeiii-age zn entrichten sind.** 
(Za Herbst): Ich mache .Si*^ darauf aufmerksam, dass, wenn dieser Antrag 
p angenommen wird, wir eine grosse Debatte erüfüien niUssen über die be- 
rechtigte Stelle. Ist es ihre Absicht, die Debatte jetzt schon zu eröftnea 
oder sie erst später vorzabringeu bei dem Paukte, der über das Congress- 
horean handelt V 

Herbtft: Ich ziehe meinen Antrag zurück. 

In der Abstimmang tibcr Alinea a des Artikel 2 wird derselbe 
angenommen. 

Priaident verliest Aüuea b. 

Dr. Blunienfeld: Ich miVchtemir erlauben, folgenden Antrag zn stellen. 
nA stelle mir das so vor, dass Je 100 Blitglieder je eines Ortes darunter 
verstandea sind. Ich kann mir das nicht so vorstellen, wie der Referent 
es bezeiclinel hat. dass man die Zahl der Mitglieder eines ganzen Landes 
summiert und dann den (Quotient feststellt, woraus steh die Zahl der 
Delegierten ergibt. So könitte es sich ergeben, dn^s manche Gmppe von 
Zionisten ohne Vertretung bleibt. Denn bekanoilich beiluden sich die 
gröHKten Hassen der Zionisten in den Hauptstädten der Länder, und wenn 
man darauf au^guht, dass die Zionisteu siimmtlicher Llüider eine ange- 
nessene Vertretung haben, so ist es meiner Ansicht uach dos Richtigste, 
djis so zn verstehen, dass je 100 Mitglieder je eines Ortes das Hecht 
b'Stten, einen Delegierten zu wählen, hetindeu sich iu einem Orte Ciruppeu, 
vrekhe weniger hal>en, so mochte auch ich ihueu das Keclit, Delegieite 
zn wählen, zugestehen nnd fgr Mitglieder Über KXi wUiide ich ebenfalls 
'das Hecht eines Delegierten zuerkennen. Meine Herren! Wir können 



ilaliei )?e\vi88 nichts verliere», wenn der C'ongress zablreicL besncht »ein 
wird. Ich glaube, Sie werden mir zugeben, das» e» für nrisere Leute nar 
Tou Vortheil sein wird, wenn mau die Zahl der Theilnebmer möglichst 
liberal vermehrt. Je lÜO Mitglieder eines Ortes wählen einen X>elegierteD. 
Ist die Zahl der Kitglieder nnter 100. »o wäblen sie ebenfall» einen; 
über 100 berechtigen wieder zu einem Delegierten. Ich erlaabe mir noch 
weiters zuzuffigen. welche Rechte dojijenigen zostehen, welche nicht als 
Delegierte, sondern als gewöhnliche Theilnebmer dem Congress beiwohnen. 
Ich wltrc dafiir, dass anch Nichtdekgiertc das Kocht hätten, das VVort 
zu ergreifen, aber nicht zu stiuundn. Ich möchte in diesem äiune einen 
PaBsus beanrrageu. 

Pause von 10 Uiunten. 

Präsident: Ich mache daranf antTnerksam, dass, wenn wir in dieser 
Weise die Dlscnssion foilsetzen werden, wir nicht weiter kommen, als 
bis zu diesem Punkte. Der Congress niuss aber hente abends geschlüBsen 
werden. AVeun Sie wünschen, ditss wir alles fertig bringen, so empfehle 
ich Uinen, sich der grössten Kürze zu befleistien. 

Dr. Schnirer: Ich glaube, der Appell ist nngenflgend, am etwas 
auszarichten. Wir sind schon in der Mittagstnndc. Wenn wir diese Frage 
noch so knrz discntjeren wollen, so müssen wir wenigstens bis 12 Uhr 
continuirlich zusammen bleiben, waj> uns zu stark ermüden würde. Wir 
müssen uns jetzt schon entscheiden, ob wir den einen oder den anderen 
Punkt vom Programm absetzen wollen. Wir müsseu uns jetzt schon ent- 
scheiden darüber, RouRt ist es anf einmal ß Uhr nnd dann adieu. 

Dr. Bodenheimer: Ich habe ein grösseres Vertrauen in den gnten 
Willen der Anwesenden, nnd wenn dieselben ihren guten Willen in der- 
selben Weise bezeugen, wie es das C'omit^ gethan hat, so werden wir 
rasch zum Ziele kommen. Das Comit<^ hat eine andere Fassung des Alinea b 
gewährt, welche, wie ich glaube, sofort durch Acclamation angenommen 
werden kann. Ich bitte den Referenten, Alinea b in der gelinderten Fassnog 
zu verle-sen. 

Steiner: Es wurde Ton der Commission folgende Fassung beschlossen, 
um allen Rechnung zu tragen : ,..Iede zionistische Ortsgruppe wählt einen 
Delegierten zum Congress, Uebersleigt die Mitgliederzahl einer Gruppe 
100, so w.lhlt sie fiir jedes weitere 100 oder einen Hruchtbeil einen wei- 
teren Delegierten. Kein Delegierter kann mehr als zehn Stimmen auf 
seine Person vereinigen. Von Professor 5vrhnpira wurde ein weiterer 
Zusatzantmgvorgeschlagen, welcher lantet; „Die beim Congi'ess anwesenden 
Kichtdelegierten wählen von je 20 einen ebenfalls sümuiberechtigteB 
Delegienen." 

Präsident: Ich bedaore, dass mich die Commission nicht vorher 
verständigt hat, Es ist hier offenbar die Rücksicht auf solche Personen, 
welche sich sehr für den Zionismus interessiert haben und dennocli kein 
Uaodat mitbringen. Ich glaube, daas sich aber auf andere Weise Rechnnng 
tragen lie.sse. Man wird doch eine längere Zeil vorher wissen, wann der 
Congress sein wijtl. Nun wird der gesin nun gs feste Zionist sich an das 
Comite wcuden und wird das Bureau auflagen, onter welchen Bedingungen 
Icann ich thrilnehmen ? Dann wird dieses Pureau gedmckte Formulare 
halten mit diT Ilemcrknng : verschaffen Sie sich Auftrag von so und so 
viel Leuten, welche zn wühlen berechtigt sind Das Bni'eau wird ja wissen, 
wo solche Personen sind, die Delegierte suchen. Würde der Antrag 






bapim dnrchgefQhrl, so dnrchbrech«n wir das Princip der Repräsentation, 
handelt sieb nberhanpt bei diesem Entwürfe nar diu etu Jalir. Er ist 
proT-i'iorlsch. Wenn wir provisDriscli diese Versammln ng zustandegebracbt 
kabUL, %o wird dju Comite, das kommen wird, ,noch frrüsderes leisten 
kSmiMi. Das« 20 Leute, welclie ans Terscbiedenen Windrieb tnnfireQ zn- 
tmnen kommen, einen Vertreter wählen sollen, daa scheint mir unprali- 
tttch. Lassen Sie diese Frage offen. I>as von^scblagene Alinea: „Jede 

sioolstlscbe Ortagrappe " genQgt vollkommen. Wenn wir den von 

Herrn Professor ^cbapira vorgeschlagenen Passus aoceptifiren, so wurden 
noch immer viele Leute anf der lialerie sitzen bleiben, nnd unten diesen 
«iie vielleicht gerade einer, der am meisten zu sagen gehabt bfttte. 
Steiner: leb ziehe den ZusalKanirag zorück. 
Dr. Ehrenpreis; Ich beantrage, dass es beissen solle: „Vereine oder 
Ortsgrappen". Ferner «lelle ich den Zusat^antnig; „Vereine und Orts- 
gnppen können ibre Delegierten uucb aas Ziouisten ausserhalb ibrer 
Grippe wählen.** 

Bisi der Abstimmung wird der Antrag der Commission aDgeuommen* 
Frisldent: Es wird nnn dieses Alinea der Commission ziu' Her- 
itellang einer gewissen juristischen Eleganz zurückgestellt. Es ist ein 
Antrag eingegangen von Dr. Blnmenfeld, welcher lautet: „Zahlende Zio- 
tiaten, welche abt Privatpersonen am Congress theilnebmcn, haben bloss 
las Becht, an den herathnngen, aber nicht an den Abstimmungen zn 
furttcipieren." Herr Dr. Blnmenfeld hat das Wort. 

Dr. Blnmenfeld : leb habe gleich gesagt, die Stellung, welche die 
licht delegierten Zionisten am Congress einnehmen, mnss in dem zweiten 
Punkt erwöliut werden. Ich glaube, dies gefunden zu haben in Aar Weise, 
das« wir sagen, sie haben bloss das Hecht, an den Berathnngen, nicht 
tber ILO der Abstimmung theilnehmen zn dürfen. 

Pr&sident; leb mache darauf aufmerksam, dass es beisst: „Zahlende 
Zioniüten". Bas Recht, an den Berathungcn theilzDuebmen, wird davon 
lUüüigeD, dass einer zahll. Ich glaube nicht, dass diese Form eine schick- 
liche ist. Wenn wir dies geglaubt hätten, hätten wir auch bei diesem 
CiogreBHe anf zahlende Zionisten Rücksicht genommen. Ich war der An- 
riebt, dass der Antmg Blnmenfeld nnr eine kaum veränderte Wieder- 
binng des Antrages Nenmark ist. 

Dr. Bodenheimer : leb glaube, ee liegt doch noch ein Ulssver- 
illodnis vor. Es ist von Collegen Scbaner erwähnt worden, dass die 
Frage der Betheilignng der einzelnen Zionisten am Congreas noch zum 
Aaidmck kommen soll, und dass es selbstrerständlich ist, dass jeder 
Zlonlst theilnehmen kann. T'eber das Stimmrecht der einzelnen Zionisten 
kst auch AI. 2 keine Bestimmung getroffen, und infolgedesssen müssen 
wir die Bestimmung darüber der einzoseLzenden Commission überlassen. 
Wir können ans darüber nicht einigen. 

Fr&sident: Es ist sehr zn bedauern . dass wir alle Juristen sind, 
Ibiu die Anden die klarsten Dinge unklar. Da wir bereits im Princip 
ainig sind, so können wir diesen Paragraphen der Commission Übergeben. 
Wir können uns also dabei beruhigen, und wollen wir darüber keine 
Zeil mehr verliei-en, da wir den Kachmittag so sehrnothwendlg brauchen 
Verden. leb marhe jetzt schon daranf aufmerksam. 

Pr. Blnmenfeld : Ich siehe meinen Autrag zurück* 



— 160 — 



aascb 
Lrete^y 



Präsident: [)je Eiiedigang in der ComuiissioD kann uatürlicli for 
dea Cunfiress keine bindende sein. Aber Hie werden in der Commissiou 
Oelegenlieii liaimn. daHUter einen Meinungsanstauficii herbeiznführen, der 
Sie lioffenillcb benilugcn wird. Wir müssen nnßcren MeinnogBaiLstaascb 
einscbräuken in der V'oransBicIit des Zeitmang^els, der Nacbmittag^ einlret 
wird. Herr ]>r. Ulnmenfold bat ein gewiss IcgitimeB Bedenken. \\ 
wir eine Bulclie KummariHebe Fomi der Iiiüoiissiun haben, ao ist 
naiUrlicb niebt gesajrt, daas das Bedenken nicht aucli ganz berechtigt 
Wir geben nun zu i; 3 aber. {Verliest denselben.* 

Schach : Wir haben bei der Berathnng des § "2 den Satz ans- 
gelassen. dass t^iiier nnr 10 Stimmen anf sich vereinigen kann. 

Präsident: Eine Trennung ist gar nicht verlangt worden und 
folgedeäsen ist dieser Satz angenoininen. Er ist wiederholt Torgelesi 
werden. Die Absicht dieses Theiles ist Ja doch geradezn ein Schatz di 
MinoriUlt. 

ij .1 wird ohne Debatte angenommen. 

Präsident: verliest § 4. 

l>r. Ebner: Mit Kik-ksicht darauf, dass dio Bukowina r-O.fxXlJnden 
»ttblt, beanliTiEe ich. daaa für die Bukowina ein Mitglied in da» Executiv- 
conlt^ gfwitlilt werde. 

Bromberg: Die Stimmnng ist derart, dass man darans erflehen 
kann, dass noch manches Land sich melden wird nnd einen Vertreter 
haben will. Im Hinblick darauf beantrage ich, dasa das Actlonscoraitö 
ans einer grüsseren Zahl bestehen soll nnd, zwar wenigstens aus '2h Mit- 
gliedern, wovon 5 In Wien wolinen sollen. 

WolflTsofan : Ich werde auch den Antrag stellen, dass Palilstina hi 
diesem Acii"n.sr.oniitp vertreten wird. 

I>r. Bodenheimer beantragt Sl.schliesstsichimrebrigenBrombergan. 

Prfiaident: Es wird die Commission selbstverständlich anch diesen 
Satz in detiniljve Forui bringen. Die Commisston ist ebeulalls mit 21 
Vertretern einverstanden und sollen dieselben, wie folgt^ gewählt werden : 
Rinf, ständig in Wien ansitesig, sollen direct vom Congress gewSJüt 
werden. [>ie anderen werden von ihren Landsmannschaften ond Gruppen 
festgesetTiT. Pas Resultat, das von den I^audsmannsohaften vorgelef^ 
wird, wird vom OongresM nnr noch gntgeheissen. Für Bernckaicbtignng 
der einzelnen LJinder liegt folgender Eulwnrf vor: Wien f». (»eaterreidi 
obue (ralizien und Bukowina 1. Galiz.ieu 2, Bukowina 1, Rnsaland 4, 
Fraukr^icli 1. Eneland 1, Amerika 1. PalHstina 1, Rnmftnien 2. Bnigarieo 
nnd .Serbiiii 1, Oentschtand 2. Wir haben also im Ganzen 22 nnd mäMen 
Sie einen streichen. 

Dr. Farbstein: leb worde beantragen, 2:) zu wählgp. 

Dr. Blumenfeld : Ich wßnscbe, dass anch die orientalischen 
eiuen Vertreter halten. 

Antrag Farbetein wird angenommen. 

hldor Schallt Wien:; Ich stelle den Antrag; Der Genenüi 
gebart dem Actionscomite an und hat .Sitz nnd Klimme in demnlbea. ich 
begründe diesen Antrag damit, dass wir einen Mann, den wir mit eäncr 
■(liehen J^flllung beehren, nicht mit einer abhängigen Stellung betrauen 
wollen Darum mos» er anch Sitz und Stimme haben, wie die rebrie«rii. 

Ktelner: Wer immer dieser Einzebie sein SMig, so nuss ich 
«ag«n : Unsere Ao^ab« ist eine viel hShere, als das« wir einzelne 





- Itil — 



[crapheu ^iuer eiiizi^lueii feinoa auf deu Leih drediselii. Der iTeiifral- 

lecretitr ist das cxecniive Orj;an nach meiner Anffaseuiig. Nidita anderes 

^iM darontor verxtfinden. Wir hab«n «ine Mugliclikeit freschatfen, dass er 

bcratheadt' Stimme nnd Sitz in der I/eitung^ hat dadnrcb, dasa anftwürti^ 

Dele^erte das Kedit, haben, Vertreter in \Vien zn ernennen. 

Prfttfldent: Ich mache daraaf anfinf^rksaui. dasa der Antrag* Schallt 
tie CoaiUtutioti dt:» Ct^inilitH geradezu vorwe^iiiuint. Entwedtr wird die 
SondeniellnnF; heriicksichtigl. oder es wird diest-ui ("ciiniti' im vnrnhereiii 
vQ^Stihriebea, wer sein Genftnil8ecretär*8ein wird. Ich glaobe nicht, dasB 
ein tÄar.\gifr mit einer soh;hen ßedinf^nng ein Mandat annehm^u wird. 
\Vir können doch nicht einen FunctionSr ernennen, uhne ihm eineu Auf- 
trag zn Reben. leb vei-stehe deu Antrag ganz und g:ar nicht. 

iJr-Kombläh : Soll derOeneralseci-etür ein besoldeter sein nder «oll es 
ilaElirpnaint »ein? Istorein Üosoldeter. dann ist der Antrag nicht am Flatxe. 

Pr&dideDt : Der Antraft: ist filr mich eine jnristischfl TniDtfi^Iichkeit. 
NVenn r^in (if*KinnQUg8g^enns.se e.in Hontintnunt bekumnit^ bd kann es ihn 
Btchl disfjiialiticieren und es denkt wohl aaeli niemand daran. Wenn wir 
MT einen fiülchcu wählen woUen. dtr seine Branchbarkeit erwiesen hat. 

Ein Antrag" anf Sclilnsa dpr Iiebalte ohne Anhörung weiterer Kcdner 
*ird a]iet*noninien. ^ 

Schalit: Iah habe mir vorgestellt, gerndn weil eo ein besoldetes 
Ami iitt, an ist der Betretleude kein abhänf>i^r Mann und deu anderen 
ebenbbrtif?. Jitei den SiK-ialdemokralen ist es aucli so. Wir sind keine 
Botrftoiapartei . \Vir haben ea heule vuu hr. Faibstein geUürt. Wir 
■iunn überall das ilcmokralißche Prineip in den VordersfiTind stellen, 
nd eben dem demokratisdien Prineip i.st eü entsiu-erhead. tJerade, weil der 
BccrecAr bezahlt ist, soll er Sitz und Stimme haben. 

Bromberg: [ch schlieüs« mich vollitändig den Aasf{ihniiig:en des 
Herrn Si-halit an. Trotzdem geht es nirht an, jetzt schon ttber diesen 
Antrjg ab/uütimmun, bevor über das Ganze etwas gesagt wird. leh beaii- 
(rage, den Antrag zu vertagen, bis wir znm tn*ner;il8e<:retrLr kuninien. Es 
wird hier eiut- uene Stelle, üeneralseeretär, geschatt'eii niid es wnrd*- nicht 
vantäi darüber gt:8pru(-ht-n, üb er vun uns hier gewählt werden soll. 

Sielner: Icli schlicssc mich dem Antrage Bromberg an. Wir müasen 
nent beschliessi^n, ob iiberbanpt ein Generalsecrelär yewiOiIt werden aoU. 

Dje Vertaj^ng des Antrages Schallt wird angenommen. 

^ 4 wird angeDommen. 

Prtatdent verliest i5 ö. 

Blrkennteln : leb möchte nnr einschalten, das« ein annllindisches 
Mitglied anch einen Answftrtigen bestimmen vlarf. der ihn in Wien vertritt. 

Scliaeh: Ich niöfhte betont haben, dasa es nicht eines von diesen 
tof Mitgliedern in Wien sein darf, das einen Auswärtigen vertritt. 

Herbst : Ich glaube nicht, dass mau das Ziel erreichen wird, wenü 
■u Uii^lieder wühlen sollte, welche in Wien sind, aber nicht aus dem Lande, 
velclie« tif präventieren sollen. Son^t wilre es genügend, wenn die fünf 
io Wiftn dif Cumuiission bilden würden. 

Stoiner : Ich mochte folgende ErlHnterung geben. Pie Aufgabe 
eiiiei wkheu ^'ertret6rs ist folgen de nnassen gedacht: Er hat Sitz, aber 
lieht Stimme in den bernthenden Comit^-s. Er holt gegebenenfalls Referate 
TOD seinen Mandanten ein. lufolgedeflsen mns-s er auch in Wien wohnen, 
iuoH er bei den üeralbuugen xngegeu ist. 

W 



- 11)3 — 



HerlMt. Ich wäre ganü Unfrieden, wenn man beetiuimen wollte, 
die Beireflendeti nicbst Btinimb« recht igt tteiu sollen. 

Dr. Landau: Ich DK'khtt; Ihre (ieduld uicht lani^e la ÄnBpnic 
nebmeD. Ks ist mir nämlich das Bedenken autgeätiegen, dass man des 
Verlranensniann heliebiff Undern und wechseln kann. Ich beautraf;:« dabei 
d«a Znsatz, dass der Verti-aiiensnmnn für die ^anste Knnctionfldaner er; 
naiint ^ve^de.n soll. 

PrAaldent: Ich bringe nun den ParagrapheD zor Abstimmong. 

l)er Paragraph wird angenomnaeo. 

Pr&aident verliesi den ^ li. 

I'erselbe wird ohne liebntte nngenommen. 

President verliest $; 7. 

Dr. Schnirer: Weine Herren I Wenn Sie bedenken, wie vielßUUg 
die Arbeiten de^ ActionacoinitOs sind, so werden Sie einsehen, das« eil 
Ueneralseci-elär keinen Sinn hat. AVir branchen mehrere Secretlire. Eiuei 
tienenUaecretär. der dentsch, Iranzüsisnh. englisch, rassisch u. s. w. spricht 
finden wir bbcrlianpt nicht l'nd wenn er diese Sprachen nicht a\U 
•precheu kann, so i^i nr nicht ini.statide. das Material zu tiichtm und Kl 
äberwacheu. Wir uiüäseo deshalb eiiie Heihe von angesiellteu und besol- 
deten. Krät'teu haben, die wir SecrelÜi-e neuneu. l'nd einer vom Centrali 
comile wird unbesoldeter Scliriftl^hrer, welcher die Arbeiten der Secret^ 

Dr. Farbat«in: Dr. Schnirer fasst die Aufgabe sehr falsch n( 
Er &aet sie mebr als Correspondeozbnreau auf. Der Uenerftlaecretär soll 
a» der Spitze des (.Tesammibui'ean stehen, das alle Arbeiten erledigt. Ki 
warn mit anderen Worten ein Vertranensmann sein. Deshalb eoll «| 
OeneraUeoretär nnd nicht ein beliebiger Correspondent sein, sonst könnten 
wir irgend einen Schreiber nehmen. Es handelt sich um einen Vertraneur 
mann, der in diesem oder jenein Kalle ein Mitglied des Actionscomll^ 
ersetzen wird. 

Dr. Komblüh: Nur einige wenige Weite. Ich bin Advoeat nnfj 
ffebSre nicht tw Bourgcoispartei. Jeder Jade, der znr Religion hUtj 
muM Social demokrat sein. J| 

Präaident: Ich mache Sie darauf aufmerksam. W'ir haben di 
nicht vereinigt, om diese Frage zu discntieren. Ich glaube, das KicL- 
tigate ist, wir find alle Parteien. Wir sind hier nicht als Parteiconfereni 
bäaainmen, wir lassen eine Beschlagnahme des Con^reasee durch irgend 
eine Partei nicht zu. 

Bromberg: ich beantrage, dass ans der Mitte des Actionscomit^ 
der Geueralsecretär vom Congresa gewählt wird, und zwar ein besoldetet 
SeeretAr. 

Pr&aideat: Hier liegt wieder eine Verquicknng zweier Dinge vor 
Wenn nir einen Genera Isecretär wiihlen und zugleich aeinc Ik-soldung 
bpjclminen, ao stellen wir einen nenen FnnctionUr auf mit noch tinbe* 
Rtimmtcn Anfliägen und wir verleiben der betreflenden Person einen 
Kbrensüld. Es scheint mir richtiger, die beiden Fragen zu trennen. Tebei 
Khrensoldfragen verhandeJt man nie in der Oefleiiilichkeit. Gerade dlf 
Herren, von denen diese Debatte auszugehen scheint, wollen doch woh' 
die Person nicht hernntersetzen. Folglich scheint es mir richtig, dieai 
Frage dem Comite zu überlassen. Wird dieses Comite nicht zur Unfrieden 
bedt des Congreases seiuea Amtes walten, so wird man die Mittel haben 
mUA angxagprecheü. Solche Dinge soll man uicht vorher besprechen. 



— 1(53 — 



Brombfin? wiederholt aeioen Antrag. 

Dt Sclinirer: Der Autrapr Hroniberp ist niclit klar genug, weil w 
nicht BÄgt. vnii wem <ier Secreiär gewählt werdon «oll. 

Prflstdent: Ich will Sie d.iranf ant'iiK'rksäm machen, dass die Com- 
BbsioD beantragt, dass das ActionscomitO den SecretKr wfthlt. 

Art. 7 wird in der Fassnng der Commissiun angenouuuen. 

Prisldent verliert Art. 8. 

rVrRflbe wird ohne I3ebatte angenommeD. 

Prftfiident verliest Artikel 0. 

Landau : Ich beantrage eine Ht?»o1ntton zn diesem Punkte : ^Pas 
Actinnscomitä hat ein Verzeichnis der zinniKTii*chen ParteihlUtter zu ver- 
fifitintlicben." Ich glaube, dasa wir das eiiitach zur Kenntnia nehmen 
kinncn; es -wird sich wolil kein Kinsprucli dagegen erheben. 

PrSaident : D^mit ist der ganze Kutwurf der ComniiRsion erledigt 
anil vrerden .^ie wahrscheijilicli daranf ver/lchlen, da» Cian^e nochnialii xa 
prafen. iSiimmcn : Jal} 

Marmorek: Ich glaube, dasa zur Zellersi>arnis9 während des Mittag* 
weo« die Vor^chlftge lur die Wahl des Comiti^is goniiicht werden boUcd. 

BirkrnMeia: Ich beiintra^e, gar keine MitlHg»ii.in»e Kti machen 
ftd<t nur eine einmündige Pauae. daniit das Programm erledigt wird. Die 
llerreu wulleo sich in der Pause Nerstdndigen, nnd gleichzeitig werden 
«ir Sorge tragen, Arbs StimmKetiel verihelli werden, und in einzelnen 
finippen werden die Herren sich verstftndigen, wie »ie e8 lur gut finden. 

Hteiner verlieat die elnzelueu Grupi>eu und die Kahlen der zu wtth- 
Iwiden Mir;rlieder. 

Frialüent: Sie können sieh in dieser Frage untereinander einigen, 
»»♦ Sie wi.llen. Es mafwen anch nicht Pursonen gewRhlt weiden, die 
»«etend sind, sondern es werden in den laiidKniannbcliHniJcheu tiruppen 
beliebige Vnnichlfige gemacht. 



Naehmitlags-Sitzung. 

Prftaident: [>ie Herren haben jetzt lauge genug Zeit gehabt zur 
Ceberlrtfuug. Ich tri^he zur Wahl über und ertheile dem Obniann der 
€«nimiÄii»n. Herrn IHrector Steiner, das Wort. 

Btviner: Beiretl's des Waliliuodu.s ist bestimmt, dasa die fünf Mit- 
l^iedn- ')(>*< Acliouscuuiites, welche in Wien ansässig »ein mÜBsen, vom 
('<■'■ vvühU werden, ditt übrigen VertiTter der einzelnen Lnnds- 

>iiu n uiÜKsen nach Hekannlgabe durch die letzter-en vom Congress 

fceuaiigt werden. Für die Wahl der fünf Mitglieder aus Wien ecblUgt 
fliWB die Commistion folgende Henen vor: Dr. Theodor Herzl, Dr. M. 
Sebnirer, Dr. 0. Kokesch, Dr N. Blrnbaam. Johann Meyer 
(Tlach Wrlpsnng eine« jeden Xaniens Heifall.) 

Wotff^hn: Ich erkläre im Namen der deutscheu Zionlsteß, dass sie 
4i^ rürgeHrii|ac*-ue Liste acceptieren. 

I)r. KftmiBka: Ich beunlräge die Wahl des Hanrallie« Stiassny. 

Dr. 1>. Malz Lemberg spricht sich dugegen aus. 

Ka wird betchloss^n, die Ä\ ahl durch AcclaiiiaWou \ovi\iXieViftti\. 

\V 



— 1^4 — 



Dr BlamfBfrld beiuitrtgt Ah&iiouuDug ftber Jeden 
X&raeo per A-clmiuTiuii. ' [>er Aoirag wird «bg*!«bBi^ _ 

IMr fuiif v..iir*'5iiila;r*'Uftji Herreu werden i i^wfthlt. 

Dr. BirDbanm: ju'i^uj icli (ia dft^ anf in > liil b«8lt*iu 

danke, erkbre jrli. dic^tllM- nicht auix^htnen za knuDcu. 

SL'hiU«r \A.iahfrg\ L^lianpteT, e<> fiej ant Vr. Bimbftom noraUicIier 
Pruclv 'liliiii anK^eübt wurden, dass er dan Mandal ablebae. (irocse romUe. 

Priaideiit: hli ersor.lie dtiu Reduer. sieb deutUcber aaixadrücketi, 
leb ersnclie ilii). uüber zu be:seichueii, vou ui:lcb«r S«iie ani Dr Bimbnimi 
ein Druck aan^eütt wordi^u »ei. ob seitens des PriUJdiaius oder von 
irgend einer .Seile iu df;rV<?r£aiititilDOg. iSt&nuiscber ßei/ali. Kufe: Nauieo! 
Gemeinbetl ! firf)««« rnrohe. 

8rliUlpr: Namen vermag ich iijcbt zn nenaeiL (Tosender LAra.) 

I»r. Malx: JJr Birnbaum uius das Uandat baben. Wir i^ 
»einen Wr^irbt tiicbt zur Kemitnii nebmen. Lebhafter beifall. ' 
Binibftiini war« kein Herzl. kein«? zionistie^be HewegOQg in Oesteireich.' 
('B«ifiUI und WidirrHprnrU, Schlufinruff. 

PrlAldvDt: Si« wi^rdeu beRi^ifeD, dius ich p«rade in dieser Aug«' 
legenbeit das I'rU&idituu uicbt &t> streng tübren kann, aJa uoiliwend 
Zagleirb ersiicbe icb den Redner, Aaclilicti xu spreoben, dautit er uic| 
V«rai)btKrtUug gebe, Ahha ibni das Wort entzogen verde. SiürmiscM 
Beifall, bi-t^ii;e IV>teste.) Vm aber keinen 7>weifel anfktimnjen, zu laju 
nod Herrn Dr. UaU in §eJnen Aen&8eruuf;eu niebi xa bcbLndern, trete 
dAs l^Hbidiun an lH\ N'urdan ab. .Störtniscber Beifall. Rofe: Wort 
zielien ! 

VireprMldent ^[>r. N«rdan -.• meint, dass Dr Malz (relegenbeit 
gehabt bab«. die •Scjmmung^ kennen zu lernen nnd sich nun wohl sein 
W'orte In Rübe tiberlegen werde. Donnerndei- Iteifail. Einzelne Zwischenrufe 

JJr. Malz erklärt, er wolle keinen der Herren in tte^ensatz zu de 
anderen /.u lirin^en. Aber d:iK (ieftibl der KrViitternii^ niiisB einen 
Bcbkiclit'n, wenn lunn sieht, wie so ein ver<Uen9tv<)l)<?r Mann znrücl 
l^drAngt wird. «Rufe: SchloAS. Schlnss! Grosser I.Hmi. i Es ist Ptliiht dfl 
CongresHr», dem Itf. Itirnbaiiui, der sein g:auze« Leben der Sache gewidmet. 
der keine Kxißtenz hat ..... Ungebeurer Tiunolt. Der Vicepräsident 
ktingelt min[ii«^iUaiit;^ iinmotiht. Redner verzichtet anfs Wort.) 

Dr. Heinrieb Loewe .Tafln) fribt im Namen des Dr. Biiiibaiim, der 
sieb nicht iui i^aale betindet, die KrklKrnng ab. dass dieser ganz l'rei- 
willig, dnrdi rein privtiiu Gi-Uudc veranlasst, auf das liandal verzichtete. 
(Beifall.! 

Steiner fübrt aus, daas die ganze Geschichte ttbertlüssig gewesen 
Birnbaum sei zwar Oesterreicber, wobne ja aber uicbt in Wien, sondern 
iferlin Stiimii-i-her Ik-ifall, Zwischeurnf. 

Adolf Stand Lt^mbergi hebt die Vorzl\ge des Dr. Landau hervor. 

Präsident unterbricht ihn; er könne diese Anättihrangmi nicht zu- 
laueu, weil da» gegenüber den anderen Caudidateu ongerecbt wäre, voa 
denen auch keiue Vorzüge hervorgehobeu worden seien. (Beifall.' J 

8t«nd Vielleicht haben die keine. (Grosser Ijärm.) fl 

Es werden Stimmzettel fttr die Ersatzwahl vcrthelU. 

Nncli dem V^urschlage der betreffenden Landsmannschaften werdeil für 
Oeaterrficb, Galizien und Bukowina ansgenrnnmeu, Primarius Dr. Korn- 
feld in Brunn; l^r Galizien die Herren Dr. A, Halz in Tarn/lw nnd 
/?/; A. Korkis in Lemberg ; fiir die Bukowina Dr. Maier Ebner 




1 



ii CwmowilB : Inr Rnsslaud Ralibiner Sl u h i 1 e w e r in ßialystok, Pro- 
feMor ftlAudelBtumni in KiVw, l>r. Ite rntt i e i n - K «i h an in Kisolii- 
new und Ur. Ja8«inriU-sk i In Warsclian ; fiiv HnirHnlen Ol-, K Li|ip^' 
in Jassy und Samuel PiiielRS in (Jalat?. ; fiir l^iilf^ancn nnd Serbien 
Professor Hjelkowski; für alle iibriRen orieiiinlistf lif« Jndeii in Afrika 
Dud Alien J. }i. flnliar aus Paris; fär FriiiiknMcli lieriüud Laicaro 
in Paria: fiir Oeut^clilaud Pr. 14 ii I f iti Blemel und Pr. liod en li ei in er 
in KUIn gcwälilt. 

FDr PftliUtina, Nordamerika nnd Kngtaitd bleibt die Hf£«iKnnR' der 
Slellea den tn dem hetri^ifendon Zwecke TPrausinlteten Volksversatnnilnnfiren 
vnrbeliaitpn 

PrisUleot: Nachdem nun das WalilgescIiUn vollKtllndig- erledigt isd 
«tf wollen wir wt?iicrgelien zur liespreclinng von Ut. b des dritten Punktes, 
betreffend Natiüuall'onds und hat Herr Dr. Buden hei m er das Wort- 

Dr. Bodenbrimer: Dio Fragf dt>K Naiionali'Hndi ist g:ßwisa eine 
der wicbtigsien. welche den ConjEne^s beschäftigen könnte^ aber ich j^laube, 
darin wird die ganze \*erüaniuilnug übereinstimmen, dasa gerade bei der 
Wicbiigkt'it der Fnij^e jetzt in der vorgeschrittenen Zeit nicht mehr 
bitidüudc IJeschlusse über einzelne Projecte. die der Comniission voikcIc^ 
worden sind, gefust werden k<"'nnen. Die Cuiiimission ist deshalb in eine 
Prüfung^ der Äntrilge Ins Einzelne nicbt eingeti^'ten. I'io Coiuniission ist 
der Meinung, dass das gewühlte Centrakoniiu* alle die Autrage und Vor- 
Bclilüge einer gründlichen Pnifnng nnter?.ielien wird, nnd dass dann im 
Lanfe de» .I»hres eine ve>rniinfti(!:e nnd praklisehe I.rtsnng dieser Überaus 
wichtii?fii Frage m'-glich &ein wird, Ich habe Ihnen einen gedruckten 
Fi vorgelegt, uacli welchem die erste Aufgabe die (irändnng 

ei; ' iiuu Hau k sein wird. Diesp tiriindnng einer liank schliessi dexi 

Xstionaltoiids in keiner Weist; am. Ich niüchle aber doch, damit wir nicht 
guiz ohne Krfolg anseinandergelien, im i^rineipe die Frage entschieden 
wissen, dass wir einen zionistischen Fonds oder einen Nationnlfonds 
nrithig bnt>en. Und wenn die Ver»:Luimlnng dann einig Ist, ho kann ah* 
dann die Frage der Aasfültrung, Schaffung der Furm in Vurbiudnng mit 
den einzelnen Organisationen angebahnt werden. Ich niüchte Ihnen die 
folgende Keiiolution vorschlageu : „Die Versanurdung erkiflrl, dass sie die 
Scbaffon^ eines Fond» /n zionistischen Zwecken Oir nötliig hllU. nnd dass 
sie rs dem (.^ntralromile nnheim gibt, die Künrntlichen Antrüge, die ein* 
gelaugt sind, zu pifiten, und mit dem nQchstenCongreHse einen Entwurf Eur 
Scbaffiing eines Natienalfonds vürxnlegen.* 

DaTldflobo: Znerst nx'ichie ich das I'ritsidinni bitten, eine [{esolntion 
ttirzolesen, wcJclie unterbreitet wurde nnd mit 'J(J Unterschriften verseben 
Ist. i^e muss im Ilnrean liegen nnd mit einer russischen Febersetznng 
^ttieheu sein. Die Resolntiua hei.sst : ^Dcr i'ongress bcschlieast, ans .seiner 
Kille eine Organisation zn schafTen, welche verpflichtet ist, sich an die 
iresaninte Nation mit einem Aufrnf zu wenden zwecks Grrindtuig eines 
NMtoiutl Fonds in der ilühe von 10 Millionen Pfand Sterling." 

Ei wird das Resultat der ausstehenden Wahl verkündet. Dr. M i n t z 
«ridelt b'- Stimmen, Dr. Landau öh. Die übrigen Stimmen sind zer- 
iplittert. [)a keiner die absolute Majorität erlangt bat, wird eine engere 
Wahl angeordnet. 

Prjlfildenl: Ich halte es für uothwendig und ersuche das Acliuns- 
cofftit^, bis zum nächsten Cougress einen Plan zu schafleu nnd vorzulegen, 



wie zuBanimenfli essen de (lelder za verwalten sind. Nun liegt aber bvUod 
lauge ein Vorschlag von Professor Schapira vor.*) Wir wollen mit einiger 
WeitberziRkeii, soweit Sie nicht zur Obstniction fülrt, die Kedner zum 
Worte koiuiiien lassen. Herr Prof. Schapira wünsclit daa Wort. 

Schapira; Geehrte Versamrolnog ! Ich werde weder Ihre Zeit noch 
Ihre Geduld niisabranchen. Idi bin im allgemeinen derselben &leinnng wie 
Dr. Budeuheiiiier und die übrigen Herren, daas wir jetzt detiniüve He- 
Bohlüsse 80 wenig als möglich fassen kunueu in Bezog auf den National- 
tunds. Wenn der Congress beschliesst, diese I'^rage dem Comitc zu über- 
lassen, so bin ich vollständig damit einverstanden. Ich mnchte nnr her- 
vorheben, es ist, so viel ich weiss, von einer grossen Anzahl anwesender 
Brüder mit mir der Wunsch aasgesprochen worden, dass ansser den 
anderen Fonds ein territorialer Fonds geschaffen werden soll. Zweitens, 
damit dieser territoriale Fonds nicht epdter zu anderen Zwecken vcJ*- 
wendet werden könnte, das8 diesbezi'igliche Sfassregt-ln in die Slaiuten 
nnfgenommen werden. Brittens, dass dieser Fonds hberlianpt niemals er- 
schbpft werden sollte. Das sind die drei (imndprincipien. von denen ich 
nicht abgehen uitichte. Ich will darauf bestehen, Ihnen diese drei Vorschläge 
zur Annahme im Principe vorznsch lügen mit der gleichzeitigen Uittbeüangf 
dass schon hier Hen'en anwe-send sind, die eine luituhalle Summe für 
diese (rnindeHtxe /a zeichnen bt'r^it sind, und der Cotigress hittie eigent- 
lich nnr zn bcschliesscn, diese Summe in Verwahrnng zn nehmen, nnter 
den angegebenen Bedingungen. Es ist in meinem Vorachlage ein lieikler 
Punkt, der wegen des Plebisoit. Ich lasse ihn gerne fallen, das hei^t 
mit Berücksichtigung in der Cmnmlssiuu. Wir wollen der Cummission 
freie Hand lassen, wühl niiichte it-li .aber an die Commission die Bitte 
richten, fiir Ma^sregela zd sorgen, dass diese Pankte, welche ich hi«r 



*) Der Vorschlag des Professor Dr. Schapira lautet: 

„Stellen wir uns vor, unsere Ahnen hätten be! Ihrer Auswauderung^ 
tüs Exil eine wenn auch noch so kleine Summe für künftige Zeiten ge- 
sichert, so würden wir heute damit grössere Territorien erwerbeo 
können. Was nnsere \'orfa)iren theils nicht gekonnt, theils versänmt haben, 
das sind wir xn thnn verpllichtet, für uns und nnsere Nachkommen. 

LegatcfiirkiinftigeZeiten unterliegeu aber der Gefahr, 8i>ü(er nicht za 
dem ursprünglich beabsichtigten Zwecke verwendet zu werden. I)ie8er Sorge 
soweit als möglich Rechnung zu tragen, ist das Bestreben dieses VurscUIage«: 

1. Es sollen von allen Joden der Welt, von arm und reiche ohne 
jeglichen Untei-schied, soweit es die (resetze derjenigen Staaten, denen 
die betreffenden .luden angehören, erlanifen, einmalige und periodische Bei- 
träge znr Begründung eines allgemein jüdische« Fonds gesammelt werden. 

2. Zwei Drittel des so gebildeten Fonds sollen als Terri(orial- 
fonds betrachtet werden und dürfen nur zur Enrerbnng von jüdisrhera 
Territorinm verwendet werden, während ein Drittel fiir Erhaltung und 
Cnltiviernng des erworbenen Territnrinms, sowie ftir gleich wichtige 
allgemeine jüdische Zwecke Verwendung üuden soH. 

3. Das erworbene Territorium darf niemals veniossert, auch nicht an 
einzelne Juden verkauft werden, sondern es kann nur verpachtet, nud zwar 
anf bSchstens l'.i Jahre und nacli noch auszuarbeitenden Grundsätzen. 

4. Der oberwähnte Fonds darf au Capllal und Zinsen nicht an- 
getastet werden, bevor er eine Höhe von mindestens 10 MillioneD 
Pfnnd Sterling erreicht hat. 



- in? - 



, habe, berficksicbtigt werden. Wenn das Kesamä dieser VorBcbläge 
aeller Antrag verlang werdeu soll, so bemerke ich, dau die vier 
erateu Paragritpheu die I'rincipien eiiilialteu und ich bin zurriedeo, wenn 
diese Dur im Principe aoKenomaien werden. Es ist ein Irrtliani, dass ich 
eehi ilülionen tur meinen Fonds verlange. Der Fonds soll Aberhanpt als 
eiserner Fond^ ^t>&ohfttf?n werden und ein solcher bleiben nnd bevor er 
etwa eine Millinn erreicht hat, nicht angetastet werden. Das sind die 
Grundprincipieu, dif ich vorschlage. 

Hr. Bodenhftlmer : Ich fürchte eine längere Üehalle hervorzurufen, 
wenn ich anf Einzelnheiten des Vortrages nnseres allverehrtea Professor 
Scbaplra eingehe. Jch machte aber bemerken, anch ich habe ein Opfer 
des [atellckts gebracht, indem ich den von mir entworfenen Financierungs- 
plan, in welchem die Urüudong einer jüdischen Bank die Spitze bildet, 
Tor;g:ebraclit habe, mit der aosdrück liehen ErkUntug, dass ich denselben 
nicht für geeignet halte, zum üegeustand der Berathangen und Beschlüsse 
de« Conffresaes gemacht zu werden, weil ich glaube, dass derselbe von 
einem kleineren C«mU^ vorberathen werden mnsa. Im aber eine Lösung 
herbeizttfBhren, erlaube leb mir folgenden Vorschlag : Die Versammlang 
erkl&rt, daaa sie Im Priur.ip die Hchaflang einea nationalen Fonds und 
die ijriindnng einer jüdischen Bank lür uotliwendig hfilt, dass daher das 
ta wählende Aclioniu:oniitu dem nächsten Congres« einen gr&Ddlich ans- 
gearbeiteteD Plan hiefüi vorlegen möge. 

Wie Profeeeor äcbapira erklärt hat. haben sich einzelne Mitglieder 
bereit erklärt, Beiträge für einen Nationalfond zn zeichnen. Ebenso wird 
sair mitgetlieiit, data Fiiianzmänner da sind, welche bereit sind, sich bei 
Grfi&dnng der Bank zu betlieiligen. Ich wünschte also, dass sich dieVer- 



h. Bevor eine Smnme aus den Fonds entnommen wird, miiis 
erst fir eine Garantie gesorgt werden, dass der Betrag vollauf in 
höchstens nO Jahren wieder ersetzt werde. 

fi. Zur Veraosgabang einer jeden die jährlichen Zinsen flber- 
stf<i£änden Summe ans dem Gnmdcapital des Fonds bedarf es der 
Stimmenmehrheit des plebist.iiär zn vernehmenden jüdi^tchen Volkes« 
so gut dieses überhaupt austührbar ist. 

7. Soll der auszugebende Betrag die Hälfte des ganzen Grnnd- 
capitales ÜbersttMgen, sn bedarf die .\usgabe einer Stimmenmehrheit 
von mindestens zwei Drittel aller erreichbaren Stimmen. 

8. DittVeransgabung einer Snmme bis zum Betrage der jährlichen 
Zinsen kann anf Beschluss der Verwaltung geschehen. 

U. Soweit tlioiilich, sulIen bevorstehende Ausgaben ein Jahr vorher 
dem Volke inler seinen Vertretern vorgeschlagen werden. Nur in 
<1rij]gej)den Ansnahmsfällen kann sich die Verwaltung im Laufe dea 
a&chsten Jahres nachträglich Indemnität einholen. 

10. Die Verwaltung wird von dem gegenwärtigen Congress pro- 
visorisch bestimmt. Der nächste Congress bestimmt definitiv tür die 
kommenden zehn Jahre. Im I^aufe der nächsten ze.hn Jahre soll ein 
totes StatQt fUr die zukünftige Verwaltung anfgestellt werden. 

U. Abänderungen dieeer Satzungen können nur auf Grund einea 
Plehist'its mit einer Stimmenmehrheit von mindestens zwei Drittel aller 
erreichbaren Stimmen vorgcnomuicn werden. 

12. Einem solchen Plebiscite muss eine dreimaliße Bekanntmai hung 
mit Zwischenpausen von jeweils zehn Jahren vorangegangen sein, die jedes- 
mal 90 gut als möglich unter alle Juden verbreitet werden müsa^e/ 



- 16R — 



sammlanfiir anch im I'riocip mit der (irUuduug einer jtidiäclien Bank ein- 
verstanden erkläit imd dass die Personen, welche ein Interesse am 
Xationalfonds und an der jUdiBclien liank haben, znBanmientreten nnd 
gesondert dem Centialcomite einen Flnlwnrf znr Verlane nnterbr^iten. 
Kill anderer Ani^weg^ lUsst sich Iiente tiiclit tindeii nnd niür.lite leb dringend 
empfelilen. diese Vorschläge allseitig- zu atcepUeien. 

Pra«ideut: Ks ist ein motivierter Antrag ant Schlnea der Debatte 
eingereicht worden. Ich glanbe, daea wir deliniliv nichts beschliesHpn 
künuen, da Projecie vorliegen, welche nicht wohl weiter discntiert werden 
können, ohne sie dnrch Fachlcnte prliten zn lassen Es ist deshalb viel- 
leicht nicht niiangenehui. wenn wir die Piiitung all dieser Anregungen 
dem Comili^ überlassen. Sie werden anl' dem Laufenden erhalten werden, 
dnrch die Arbeiten des Cowites. und es genngt, dasa die Anregung be- 
kannt geworden ist. Ich bringe den Antrag aut Schlnss der Debatte wir 
Abatimnuiug. 

Sehlnss der Debatte ohne Anhiirnng weiterer Redner angenommen. 

Rosulution DavidaohD wird ebeotalls angenommen. 

Itlot/kiu: Ich möchte nor die Anfrage stellen: Ist die SchaHung 
eines Nationalfond» erst vom nächaten Cungress abhOngig oder soll sie 
sofort stall finden? 

Prfialdent : Derjenige, welcher dem Xniinnalfonda etwas zuwenden 
will, macht es. \\'Rnn es dann »pltter der t'ongi'ess nicht annehmen will. 
so wird ihm das iJnU\ dann wieder znr VerlTignng t;estellt. 

Bodenbelmer : UVun der Congrees meine Keaolution annimmt, so 
hat er im PrJnci]i den Xationalfonds heaclilosaen. 

Die Kesolntion Hodenheimer wird angenommen. 

Präaident: Herr Herbst ans Bnlgarien wünscht im Protokoll be- 
merkt zu laben, dass der Delegierte dos bulgariachen Central Vereines 
„Zion" sich der Wahl eines Comit^mitgliedes von Serbien nnd Bulgarien 
entlialt^n hat. 

Seff spricht rtistsisch. 

Präaideut: Wir gelten über zn Punkt 4 Herr Dr. Schnirer hat 
das AVort zn seinem Iteferat Über die (Kolonisation Palästiaas. 

Dr. Scbnirer (Wien) beschränkt sein Referat, angesichts der 
vorgerückten Zeit, auf die Besprechung itweicr allgemeiner Uesichts- 
](unkte, deren BerückHichtigung für die xiontstische Bewegung von 
grosser Bedeutung ist. Der erste Punkt betriflFt die Frage, ob 
vorläufig weiter colonisiort worden soll oder nicht. Nach dem vom 
Congressc angenommenen Programme erstrebt der Zioniamua für 
das jüdische Volk die Schaffung einer offen tlicb- rechtlich gesicherten 
Heimstätte in Palästina. Als eines der Mittel zur Erreichung dieses 
Zieles bezeichnet unser Programm „die zweckdienliche Förderung 
der Besiedlung Patäatinu's etc." Aua dieser Fassung des Prügramincs 
könnte man die Folgerung zieheu, duas jede weitere Kinwanderung 
von Juden in Palästina zu aiatieren ist, so lange die erwünscht« 
offen tlioh-rGchtli che Sichertmg nicht gegeben ist. Die Fassang de« 
Progratnmes Iftsst aber noch eine andere Deutung zu. Diese uweitc, 
■von vielen Gesinnungsgenossen getheilte Ansicht geht dahin, man 
möge nur — wie bis jetzt — weiter co/oniaieren, olme Rücksicht 
auf ilie noch mangelnde „öffentlich-rechtliche Sicherheit*', deren 



Erlangung wir ja alle erhoffen. Dieser letzteren Änachauung gegenüber 

macfaf Referent geltend, das» die Colonieieningsthätigkeit in einer 

Weioc ilurtligcrnlirt wurdr, die jeden ehrliehen /inniatcn nur mit 

Kammer erfüllen kann. Vjs ist ein offenes Geheimnis — welches 

die moderne zioniHtische Bewegung ^ deren Deriie Offenheit 

usd Wahrheit ist, keinen Grund hat tm verbergen — daas die 

Bestechung in dem bisherigen Colonisationewerke eine grosse Rolle 

gespielt Imt. Wer aber andere besticht, corrun)i)iert nieht nur den 

Bestochenen, sondern demornlisierc sich selbst Das Werk nationaler 

ReoBissance, das wir beginnen, darf aber nie und uimmor mit derlei 

Uitteln geltirdurt werden. Parum möge von diesem Congress der 

Kuf ausgeben : „Furt mit der Bakflchisch-WirlBchaft, die nur dazu 

dient, die Habsucht Einxelner, ihrem Volke Uebelwollender, zu 

l)€friedigcn und unseren Stammesgenossea schweren, moralischen 

Schaden zuzufügen geeignet let!" (Ueirall). 

Unsere Colouieu in Palästina »iud aber für unsere Bewegung 
TtQ ungeheuerer Bedeutung, nicht nur deshalb, weil sie ein für 
■Uenal den Beweis geliefert haben, das« die Juden sich für Land- 
i^rtsrhaft eignen, flondern weil sie gewisKerninsHen al« landwirtschaft- 
Nche Versuchsstationen der künftigen Entwicklung der Agronomie 
und Industrie in Palästina den Weg zeigen. Ks muss daher auf 
i'ine Erstarkung der noch nicht rcstätchenden Colonien das grusste 
Gericht gelegt werden. Hingegen sind neue Colonien — in Anbetracht 
■^er ttugcführtcn Momente — nur aus dem gegenwärtig in l'nlästina 
»orlutadcnen Menschen materialc zu gründen, wobei selbstredend von 
keinerlei illegalen, unrechtlichen Mitteln Gebrauch zu machen ist. 
Eine zweite vom Referenten besprochene Frage betrifft die 
Selbständigkeit der palästinensischen L'olonisten. Es ist eine bekannte 
Thatsache. dass in einigen durch private Wohlthatigkeit gegiündeten 
Colonien der gute Wille des edlen, von den besten Intentionen 
Iwseelteu Wohlthäters nicht genflgt bat, die Colonisten zu zufriedenen, 
freien Menseben zu machen, dass vielmehr durch ein unseliges 
rmerstätzungssystem und durch die nicht immer Mclbstlose Wirtschaft 
der Administratoren ewig zinsptlithlige ScUven herangezüchtct werden, 
die (rieb ihrer unwürdigen, abhängigen Lage wohl bewusst sind und 
fiel darunter leiden. Dieser Fehler muss in den etwa neu zu grün- 
dtnden Colonien vermieden werden, die Colonisten sollen nicht 
Chalakajudon zweiter Aufluge, sondern freie Bauern, selbständige 
Minncr werden. (Beifall). 

Hedner stellt am Schlüsse seines Referates folgende zwei 
Thesen auf: 

1. Von einer weiteren Einwanderung von Juden in Paläatiaa 
iit so lange abzusehen, als die „üffenttich-rechtliche Sicherheit* Für 
die dortigen An&iedlungen nicht gegeben ist. 

l^. l)ie aus dem in Palästina gegenwärtig vorhandenen Äfensohen- 
imtcrialc zu gründenden Colonien sollen nur auf Orundlage freier 
gtDOMenscbaftlicher Orgoniantion errichtet werden. 



- IT?' ^ 



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Die ersten, die intolge dos neu belobten Dranges 1883 nach 
Palästina auswanderten, waren theüs Fninilien. die einige Mittel 
bosasscD und geglaubt hatten, sii'h solbststiindig dort nnsicdeln zu 
kAnnen ; theils junpc Männer, die von nationaler Uegeioterung erfasst, 
ohne praktische Ziele nach dem heiligen Lande reisten. Es waren 
darunter audi Studenten, die unter dem Namen «Uilu" (Anlangs- 
bucb8tai>en von ^Hcth Jacob lochri venelcha" — Haus Jacob«, lit 
uns gehen 1) »u:h romanrisch 7usammen thaten, un» als ('ulunist 
nßoh dem Lande der Ahnen zu wandern. Bnid geriothen jedoch die 
ersten Immigranten in ninterielle Notb und es mnßsten ihnen Ton 
Ziunalrcunden ans Bii^sland Geldmittel geschickt worden. E» bildeten 
»ich in verschiedenen Stadion Gruppen un<l A'creiuo, um die Colonisten 
ÄU unterstfitzen. Um ein gemeinsame» Vorgehen zu ermöglichen, 
wurde eine Delegiorten-Conleronz im Herbat 1HH4 in Kattowita 
veranstaltet und anlässUch des 1MH*> gefeierten ItfOjährigenMontefior 
Jubiläums ein allgemeiner Verband der Cbowewo Zion in Russla 
aU Montefiore-Stiftung. imter dem Namen „Maskercth Mosche' 
begründet Xuni Präsidenten wurde Dr. Pinsker gewählt, mit de 
]x f ngpsebeno .Mtinner in Verbindung stehen sollten. Dieser CAmimissi 
wurde PS anheim gegeben: I. eine oflficielle Oenehmigung di 
russischen Regierung zu crinngen ; 2. bei der türkischen Regierung 
die Beaeitung der damals schon aufgetauchten Schwierigkeiten /u 
erwirken ; .'t. eine Comurn^sioa nach Palästina zu schicken, um die 
Bedürfnisse der inzwischen entstandenen Colonieen an Ort und Stelle 
zu buobachten ; 4. neuen (Jolonisteu zu einer Ansiedlung zu verhelfen. 

Im Auftrage des Verbundes reiste K. W. Wissotzky im Früh- 
jahr 1H>*;'» nach Paliisttina und auf Grund seines Berichtes wurden 
die drei Colonieen Petacb Tikwa, (tndra und Jessud heniaale zur 
Unterstützung emplohlen. Im Jahre \x*M) wurde nach vielen ver- 
geblichen .Mühen endlich durch den nel. Alexander /ederbaum, 
Redacteur des ^Hanu>litz*, die Oenehmigung der ruR«i.schen Regierung 
für die ofltcictlc Organisation der Co!uuisntiünrt;t'Hell5chaft in Odessa 
erwirkt. Sie besteht seitdem als ,.Ge!»ellschaft zur Unterstützung 
Ackerbiiu und Industrie treibender Israeliten in Palästina und Syrien*. 
Ihre Mitgliederznhl schwankte zwischen 2Tt.Ht und 4>tt_K>, die Ein- 
niihnien betrugen ca. iK» — 4."».iHKi Rubel jährlich, wobei in Betracht 
knmmt, dass der GesoHschnft durch die Landesgesetze die Errichtung 
von Filialen und eine zweckmässige (,)rgnni8ntion ausserhalb Odessa*fi 
versagt ist. 

Die Gesellschaft war in der Lage zur Unterstützung vi 
Colonieen in den Jahren IKKf) — IrtiMi einen Botrag von CB. ifTö.WJ 
Frc*. und seit der officiellcn Genehmigung 

in den Jahren IHIHI-'.Ki ca. 2L'>.D(7 Frc^. 




- 17S--' 



Mit diesi'n Subventionen wäre jedoch wenig errfiiüht wordni, 
"wenn nicht Baron E. r. It., ausser den von ihm seihst gojfninilcd'o 
und ganz orlialtenen Colonieon, auch den uriilcren iheilweisc Suh^ 
Tontionen gewährt hätte. In den letzten .Iuhren wurden manche 
Colonieen auch durch grössere Heträ^^e von Seiten des Vereines 
.Eara* in Berlin« sowie von ZionelVeundeu in Paria und London 
UDterstüUt^ und im verHosseuen Jahr«» wurdp endlich auch vnin 
Curatoriuin der grossen Bnron Hirsch-Stiftung M^.-wish C'oluniaation 
AMpciation) ein Beitrag für die Coloniaation in t'nläsdnn bevilligC. 
Der gegenwärtige Stand der Colonieen ist folgender:*) 

a) in •! u d ä a : Duhktu seian 

Risohon lezion (>eit \><'J) I>.(;<K) MK) 

I'eUch Tikwa (seit 18:«) T:J.H5() tJTO 

Wadi Cbanin . . . . ^ _ ... 4.t>iH» 070 

Uadra (ls>io ^on der Gesellschaft aBIUi" gegr.i . ;t.<MN> HH) 

RkroD i\>iH-J (hirch Biiron v. R ) Id^K» MO 

Reehowtith I IHito, Geseüschafs »»W^^nuchft wenachlft* 

in Warschau) 1U5Ö<I 170 

Beer Tobva oder Caatine .'»,(^10 120 

Mo7.u . . ' . 4a» 15 

Artiif ..... :hJ(K> 2U 

b) in GaliUa: 
ätchron Jacob (ISS:/ durrh Chowawc Zion in Oa- 
latz gegründet, dann vom Baron übernuniaien^ 

nehst Umgebung . llj.iKH» (kMJ 

Chedero (1^01 , durch eine OeselLschaft in Russland)) 

«m Mittelmcer . 2SM.KX) 170 

lUwoh I'ina ( gegr. I SKi>, vom Baron subventio- 
niert, Seideuflpinnerei) . . It.iMM) ;liM) 

.If>sud hamaale .... 2.:'HKI 100 

ilischmar hajarden (Wacht am Jordan, unterstützt 

von „Kara" und Jew. Col. Assoc.) . ... S?.iHHt X7 

Kn Swnhim :{.<K»0 25 

Methiili! (Baron R) . . 12.tMX) ISO 

zusammen ca. IlS.l';^i IW72 

wovon VA. '.M*AKHt iJunitm dt-in Weinbau gewidmet sind (am H.ijiNt.iioO 

Weinstt'cke sind gepflanKtl und etwa 5.<h)0 Dtinam der Obstzucht. 

Was das I/Oben in den Colonieen betrifft, so wird os als 

üitsstand bezeichnet, dass in den gronaeren und besser cingeriohtetcQ 

Colonieen zu viel fran/^üdischer Geist und Neignng zum Luxus 

herrschen Die Eltern erstreben für ihre Kinder eine Ausbildung in 

Paris und hegen noth eine gew^isse Geringschätzung für das einfache 

und gesunde Baacrnlcbon. Doch wurzeln sich die Colonisten-Familion 

•) ÄiwfHhrlichp Berichte fllwr die eiiizelneo Coloiiieo simt d«ai Congrtfm «n 
^t ans Jaffa zngefj^angen. 



immer mohr ein. Die jüngeren Leute aprechcn liebräisdi, fühlen sich 
als eciite Landeskinder und arbeiten mit Fleiss und Hingebung, 
Die hebrÄische Mittelschule in Jaffa ist eine wichtige rtiege»tätte 
nationalen Geistes und verdient auch vom praktischen Oesichtspunkte 
die Aufmerksamkeit der Freunde der Colonisation. Ferner iut es 
wichtig. diisB, neben dem Ackerbau, Industrie und Tfojidel durch 
die neue lirmiigration gefnrdert werden ; es sind dicdbezügliobe ver- 
schiedene Vorsfbliige gcmat.-ht worden, die zu prüfen Sache eines 
Toni Congress xu wählenden besonderen Comiti^s sein wird. Die 
Handelsbewegung im Lande ist gegenwartig eine verhält nismässi^l 
unbedeutende. Ich will hier über den auswärtigen Hondclererkchrj 
Ton Jaft'a einige /»blcn anführen. Im Jahre IB*lö betrug der Wert 
des Exportes über Jaffa : 

(Artikel mit ßber lOU.OOO Frca. j&farlicbem N'erkehrawert.) 
Jerugalemer Fabrikate und Schnitzereien .S75.(XMJ Frte. 

Lupinen (^Wolfabuhnon) ...... lOiJ.ÜtHi , 

Orangen l/iÜ(MM)0 „ 

Mohn TiiO.tKK} „ 

Seife .j.'x5.UU) „ 

Obst und Gemüse ........ 22riXK)() , 

Wein ... 125X»iX> „ 

Zusammen mit noch verschiedenen Artikeln betrug der Gcsammt- 
Export; 4,47:i.r>iKt Frc«. 

Import. 
(Artikel mit über lOO.OitO Frcs. jrihrlicheai Verkehrs wert.) 

Kohlen l>0U.üüi» Frca. 

Kaffee (aus Arabien) . . , .Ö2;).(H)0 „ 

Me<liriimente 200 (HK» „ 

Mehl ;{(HUt()(t ^ 

11 «ringe . . 17;Y(HK) , 

Glas und Porzellan ... ITjCKUH) „ 

Kiscn und andere Metnilo . 4rrf_).(XtO „ 

Maschinen llXUXIC) „ 

Indigo und andere Farben . I'JruXX) „ 

Kleiderstoffe, Wolle, Seide . IT.j.tHX» ^ 

Papier 17:'»XMH» , 

Kartoffel ..... . . 24Cl.(.IUO , 

Zucker ri2ö.(KK> , 

Wein und Liqueur .... lö(),(KKI , 

Bauholz 4:MK0UU , 

Kebflt minder wichtigen Artikeln, Detrag des Gesanunt-Importes 
ca 7,:i7L500 Frca. 

Diese Zahlen können für manche industrielle L'utemehmungen 
als Wegweiser dienen. Es wird aber Aufgabe des Congressee aein, 
der Enveiterung des Rahmens der Coloniaation zu ermitteln, j 



■— f 1 



irelche Inüuetricen mit Krfolg nach Palästinf» verpflanxt werden 
könatcn. 

Die zireckmäam^e Hrweiterung der Colonisation bedarf jedenfaUs 
oincs zielbewussten Vorgehens, vor Allem aber gewisser juristischer 
Iteformen oder solcher besonderer Privilegien, wie sie der Congreas 
Tom WoblwollcD S. M. des Sultans erwartet. Denn in der Weise 
wie bis jetzt kann unmöglich weiter colonisiert werden. Die Massen- 
Kiiiwandening Ton »luden ist bekanntlich verboten worden; daH 
Verbot wurde aber von den unteren Beamten derart verschÄrft, 
Aus keinem Juden duA Landen in Jaffa gestattet wird (mit Ausnahme 
franzüs lieber« englischer und amerikauittcher Juden). Die Araber 
V ' ' [) und beliUtigen die Ankommenden, die sich indirekt die 
i r zu binden erwirkt haben. Auf den Xamen eineB Juden 

wird kein Landbesitz im Onindhuch eingetragen. Die Art des 
jAndcrwerbea ist überhaupt eiae furchtbar mühselige. Ks wird mir 
ein merkwürdiges Beispiel berichtet. Die Colonie Chedera war 
ur<iprünglich Kigeutbum von IH Personen, deren Autheile jedoch 
nicht abgegrenzt waren; als die Colonie 1S!U von einer Gesellschaft 
To» 70 Personen erworben wurde, musste jedem einzelnen der 
Käufer von jodcra der früheren Besitzer ein Kaufachcin ausgestellt 
werden; oIbo nicht weniger als VMW gerichtlich ausgefertigte Ur- 
lrunden waren nuthig ! Und wenn man schon das Glück hat, in d«r 
Weise wenigstens den Boden rcelitsgillig einzutrugen, beginnt die 
P'osse Misere der Bnuschwieripkell, da kein einziges Haus ohne 
direkte Ermächtigung von Kon stau tinapel gebaut werden darf. 
Ferner kann man in einer Culonie erst dann bauen, wenn die 
Hoden-Antheile abgegrenzt sind ; die Abgrenzung muss durch die 
Regierung geschehen und ist wiederum »ehr kostspielig. Nur durcli 
eine grosso, vom Congress auHgehende Action, die auf Erlangung 
me» öffentlich-rechtlichen VcrhaltniRses hinzielen wird, können diese 
lUodernisse einer umfassenden (Kolonisation aus dem Wege geschafft 
werden. 

Und wenn wir ernstlich wollen, wird jene Aotton sicherlicli 
gdingen. (Lebhafter Beifall.) 

PrA&ident: Herr Adam Kosen bcrg Iiai das Wort zn einem 
Kererale über die Zustände in Palästina. 

Adam KoFienherg: Ich werde Sie nicht lange aafhalteo, 
KDdfm diiect auf mein Ziel lossifuern. 

Die laiidwirtschatlliehen Natui* Pioduct« Palästinas lassen 
«ich, wie folgt, kurz znsanimenfassen. 

Palästina erzeugt Früchie der mitt»*leüropäiHcht*n, gubtropi- 
•cben uud tropischen Klimate. Die ersigenaunten Arten linden 
lach in den hQher geleeenen Landestheilen (Libanon, 0bei--(jalilen 
|Dd dem jüdischen HochlandH). 

Im Ghor oder Jordanstliale, und in der Bicka, dem alten 
Co«loäyrieo, gedeihen die tropischeu Arten. Alle anderen Uebiete 



— I7Ü — 



bringeu subtropisclie AittJii Uervoi-. Eesummiei'en wir jeUl die 
Catturfäliif^keit deä altisraelitischen Bodens : 

1. für Ackerbau, also Weizen, Gerste, Sesam, Dnrrha, Kiclier- 
erbHe. Boline. Wolfaboline odtr Lupine, Wicke etc. der Hauian in 
Tran^jordanien, die ehemalige Koiukanimer KleinaHieris, Uber-Galilea, 
Jezi'eel- und Sfliaron-Khenen und das südliche Jiidäa (zwisciien Üaza 
and Hebron). 

2. für Weiubau, Nieder-Galilea, Jixdäa und der Libanoo. 

3. für Olivenzncht» das palästinensische Gesammtgebiet. 

4. für Agrumen (Orarig:en, Citronen etcj, di« UraKebungeD 
von Jaffa und iSaida (»ia;* alte Sidon), Beyrontb und Dama,scus. 

5. für MaulbeerzQClit zur Seidetabricatiou, der Libanon untl 
Ober-GaÜIna, woselbst in der Colonie Riscli Pinab eine Seiden- 
fabrik arbeitet. 

6. für ParfumblnmenzncUt die Ufer dei' Tiberias- nnd Mernn- 
seen. an welch letzlerem die Colonie Yesod llamaalab gelegen, 
in welcher diesbezügliche Experimente in grossem Masstabe ge- 
macht werden ; auch in Hischon le Ziou werden ähnliche Versuche 
angestellt. Kurz, Paliistina ist noch heute «ein Land von Weizen 
und Gerste, ein Land von \Vein?:tock, Feigen und Granaten, ein 
Land von Olivenöl und Daitelhonig'', „es ist ein Land von Bergen 
und Thälern, wo Quellen nnd nnterirdiscbe Wasser im Thal and 
anf dem Berge hervorrieseln'*. 

Heilbäder und Thennen sind reichlicli vorhanden in der Um- 
gebung des Todlen Meeres, bei Tiberias nnd im Gilead . 

Die chemische Industrie ist ausserordentlich entwickeluags- 
fÄhig und der Miueralreichlhum ein bedeutender. Culoquinthen 
wachsen in JndäA in Hülle und Küllö 8ie werden zur Herstellung 
von Farbstoffen verwemlet. Die Ufer des Todteii Meeres bieten 
eine unerschöptiiche Fundgrube zur Gewinnung von Asphalt, Jod, 
Brom, Schwefel und Steinsalz. 

Wir wollen jetzt eine merkwürdige von Paliistinaforschern 
erwähnt« Thatsache besiäti^eu. in Bezug anf die Ausdehnbarkeit 
der Büdencultur in Transjordnnieu. Man hat neuerdings Spuren 
einer alten Cnltur bis weit in die syrische Wüste hinein verfolgt, 
80 auch hei dem vermeintlichen biblischen ßejer oder Bosah in 
der Wüste. — man fand dort groisangelegte Aquaducte und 
Wassfrhatisins au.-* der Rtimer/eit. Wenn die grossen Wassermengen, 
von denen in der Regenzeit die zahlreichen Flusschen und kleinen 
Seen von Transjordanien anschwellen, in Bassins reserviert würden, 
so könnte durch „künstliche Irrigation die Cultnr immer weiter in 
die Wüste vorgeschoben w^^rden'*. Wüste und Einöde würde zn 
einem „wonnigen Platze, die Steppe jauchzte auf und blühte wie 
eine Rose". — Das alte agadische Wort vou der wundeibarea 
ElaslieitÄt unseres heiligen Bodens würde sich buchstäblich be- 
stätigen. 



— 177 — 



Ich bekiäfti^e voll und gauz die von Dr. Schaiter in seiueni 
Befei-»te aufge^tellteo Thesen über das bisher geübte praktische 
ColonisatiODssyslem, die ja ft-Uher schon vod mir auf Grund eigener 
Anschauung in Wort und Schrift :(uni Ausdruck gebracht wurden. 

1. Unbeschadet der bestehenden Colonien, die selbstver- 
sländlich soweit es zweckdienlich ist, erbalten werden mtlssen, 
bedarf das bisherige Colonigationswerk einer radicalen. einschnei- 
denden Reform, Kein Schritt zu neuen Colouisationsuuternelimaneen 
ehe dafür ein gesicherter RexhOizusiaud gejichaffen ist! Di« scIiHrle 
*l>er volikomnien gerechtfertigte Kritik, die Dr. Schnirm- an dem 
bestehenden Backschischwesen übte, wird jeder Kenner der Veihält- 
ntase ohne jeglichen Vorbehalt unterschreiben müssen. Alle Be- 
theiligten, sowohl die betrefft^nden türkischen Beamten, als auch 
die jüdischen Vermittler, werden durch dieses Backschischtinwesen 
gauz und gar corrumpiert. Man hat mir bedeutet, die jetzt exi- 
alierendeü jüdischen Ootonien wären als landwirtschaftliche Ver- 
suchsstationen keinesfalls zu unterschätzen. Aber mit dem Wohl 
und Wehe von ca. lOOn Familienexisteuzt*n darf man doch nicht 
allznlange experimentieren; und überhaupt würden edelgesinnte, 
ftnanzkrAftige Gönner durch Etablterung wissenschaftlich geleiteter, 
wohlbestallter Guts wir tschatten viel zweckdienlicher und ziel- 
bewQsster gerade dieser Phase der Zionssache dienen können, als 
bisher geschehen ist 

2. Kein Adniirtlstrations- und Bevormundungs.tystem im eigent- 
lichen praktischen Colonisationswerke, sondern freie genossenschaft- 
liche Arbeit unter einer einheitlicheu, demokratisch constituierten 
Centralleiiung. Dazu Regelung und Beaufsichtigung der Einwan- 
derung und Ansiedelung seitens einer solchen Ceutralleitung. 

Ein Wort über das „Zion-Central-Comil^'*, das im Jänner 
1894 sich in Paris organisierte. Anfangs war beabsichtigt, dass 
dieses Comit^ das gesammte Colonisationswei k leite. Aus einer 
gewissen Ursache, die sich zur Veröffentlichung nicht eignet, be- 
schränkte sich seiue Wirksamkeit schliesslich auf die Einrichtung 
der Arbeitercolonie Kastinie, und die Untej-stützung resp. Kt^organi- 
ution von Uischmar Hajarden in Gemeinschaft mit der L G. A. 
Uan wirkt jetat darauf hin, beiejts anderweitig gekaufte Län- 
dei*ei«Q mit in Palästina ansässigen Volkr^genossen /.u besiedeln, 
vor Allem mit Zöglingen aus Mikwe-Israel, aber auch mit jüdischen 
liaodaibeitern und einem grossen Theile der städtischen, jüdischen 
Jugend von Jerusalem, äafed, Xiberius, Damascas u. s. w., deren 
liebster Wunsch es ist, das Land fruchtbringend zu bebauen. 

Hier mass auch betont werden, dass unter den nicht unter der 
i^atrouanz des russischen Ohowewei-Zioncorait^s stehenden Colo- 
tkisten zuviel der französische Geist vorherrscht, der gerade nicht 
darnach angetban ist, dem Zioni.SQUS zu Nutz und Frommen zu 
gereichen. 

\% 



Auch in den Ansiedelungen, deren Qrandiingf di« I. C. A. 
jüngst in Aussicht gestellt bat, dürfte wohl dieser unjüdiscbe Geist 
nach wie vor vorwalten. Aurh das g**genwfirtig bestehnnde Ab- 
hängiffkeituveihrtltniss der meisten Colonisten kann nicht dnzu tiei- 
irageii eiiifn gesunden, kriitVigen, freien und unabhängigen jüdi^^cheii 
Bauernstand au>znbilden. 

Dia Unvermögen des ^Zif>n Central-Coniit&'*, die Föhrerrolle 
in der Bewegung zu spieli-n, bat folgende Gründe : 

1. Da die Mitglirder des Comiies in Paus, London nnd 
Berlin wohnen, und der iU''>ische Vei treter vor jedem wichtigen 
Beschlüsse sich eist von Odesäa Hath einliolnn muss, ist das 
Upi'rieren des Comitc^s das denkbar i^ch wer fälligste. Jedes Mitglied 
hat Übrigens auch seinen Privaiberuf, d^-r die beste Zeit und die 
besten Kräfte absorbi'-rt und nur in deu Mussestunden kann es 
sieb mit den Comit^^arbelten beschäftigen. 

5. Trotzdem der Wablmodus vorfchreibt, dass zwei nicht io 
Paris ansäjssige Mitglieder im Comite Sitz und Stimme haben 
inüsseD, 80 ist doch die Zusammensetzung des Comii^s als eine 
durchaus willkiii liehe, undemokratische zu beztticbnen, und zwar 
de?halb, weil der ub.-rwieeende Eintluss der Pariser Vertreter kein 
offenes, freies, allen Zionisteu klaies Handeln zulksst. Drei bisj 
vier Herren in Paris, und die gleiche Anzahl in Jaffa und in deri 
Mehrheit der Fälle nur die letzteren entscheiden schliesslich Ober 
die specieüe Verwendung der Gelder und den Mass»-h, die das 
G?ld hergeben, wird gar kein oder ein tSchst unvollständiger, 
geneiÄÜsierender Recli*>nHehaftsberioijt ahgegehen. Auch über den 
Chnrakler der Untentelimungt'n haben diese wenig nlil^u^l)recbe^. 

Aus dem Geschlderten ergeben sich mit unerbittlicher Ijogik 
die folgenden von einer echten and rechten zioDistischen Organi- 
sation zu beherzigenden Wah'heiten: 

1. Ihr Centrai-Oomit^ muss aus Männern zusammf^ngesetzt 
«etn, die der Centralleilung ihre ganze Zeit und Kraft wi-imen. 
Keine Sporlzionisten ! — Die zionistische OrgaiiisatioD hat, wenn 
nCUbig, diesen Männern einen Ehrensold auszusetzen. 

9. Die Centralleilung kann keine oligarchisi-he, sondern muss 
eine demiikratisch consfituierte, dem Congress in allem Weseni- 
liclien verantwortliche sein. 

Die Si'hilderung des Chalakawe-^ens und das jüdische Schul- 
wesen Übel lasse ich meinem Freunde Dr. Heinrich Loewe, der sichl 
in letzter Zeit diesbezüglich in Palästina genan umgesehen hat.l 
Nor so viel will ich bemerken, dass die Chaluka auf keinen FallJ 
abgescliafft werden darf, so lange nichts besseres an ihre Stelltj 
gesetzt ist. Aber eine Citalukareform ist dringend erforderlich. 

In diesem Zusammenhange wili ich noch im Fluge über dij 
jüdischen Aibfitxveihälinisse zo Jerusalem einige Daien auführei 
die ich hanptsächsich meinem Freunde Wilhelm Gross, Commiasion/ 
in Jaffa uud Jerusalem, verdanke. Während der letzten zwei Jali 



— 170 — 



nte ist. dort infolge der neueren Culoni^ationsbewegung: die 

idiaclie Arbeiter- und Hand w*»rkei zahl bedeutend angewaclis«*!!, 

80 dass jt^izt daselbst das Ärbfit^^Hn^nbot die Kaclifrase weit 

äbeistfist. Von ca. 2000 hier in Belvacht. koniniendfn Famdit^n 

fin<1en kanm 400 !>pärliche B^srliäftisrun^. Da.s daiaos sich eigrbende 

—Elend kann man &ich lebhati voiüiHÜfii. Kine Abhilfe ist ftelbst- 

Krerständlich nur darrh Schaffung von Aibeit^gelt'genheit möglich, 

Vvodtirch anch der Chalukareform buHeulender Vorschub geleistet 

BwRTH. Also in erster Reihe VVi vifllä tigung der bereits be>;tehendeii 

iDdaslriebranrhen. Viele B,(ihprodnrtp. od^r nur Haihfabrirate 

— WerUt*D Dach Europa exponiert, anstatt im Lande zu marktfähigen 

KAittkeln verarbeitet zu werden. Arbeit i^it in Palästina billif? und 

BAas Lnnd bietet für nutzbringt-nde CHpitalsanlag^'n ein weite.^ Feld. 

f Di« EniwickHung von Imiustrie uad Handel in Palifstina ist auäser- 

ordeotlit^h vielverffprechend. 

Folgende von den Herren Gross und Bambus gestellte 
Antrag*» xeien hier in Form von Anregungen vorgebracht : 

tl. Einsetzung einer Commission zur Prüfung des bestehenden 
[^lalnka-ystems und der palii!*tineii>ischen Arbeitervt^rhaUnisüie durch 
siiindige aus veiscbieJenen Ländern und auf Grund ihrer Be- 
iitung womüL'lich Vereiiibrtvung mit d-'u PalHstina-Vei>jneu 
aii(t der l. C. A., beiieff? Verwirklichung d»-r vorzunehmenden Refoim. 
2. Als voi bereitender Sdir.tt zur Er/ielung il^-s für die Odoni- 
ulioD Patiisfinas absolut unentbebt liehen irt-sicbei ten Rechlszu- 
Riode^, sei eine Rei:htsäcliiiizl»ehO)de (aus emopäiäcben Zionisteu, 
die i)a>i tüikiäi'ht:! kechf k»'niien) zu ^ichntten. 
\ Zum Ptinkte des pa ä^tiuensischen Exports und Imports sei 

^H 'olgGides angeregt : 

H I. Giflnduug von Handelsgesellschaften, fiberall, wo zweck* 

V dieoUch. 

^ S. Elinrichtung eines Laeeihauites oder ständigen Ba/ara in 

Jsffi, in welchem die Ki Zeugnisse jülii^cheu FNsses und jtldischer 
Geschicklichkeit zum in- und aus ändlscfien Vesüiebe bereit ge- 
biiteo wt'iden. 

3. Gründung einer Affrar- und Handelsbank. 
Der Arbeiieriioth wäre abzuliHiCe.ri : 

1. Durch Fördernns der Hausindustrie. 

2. Durch Decentrali-atiOD, d. h. Uebeiführang der in gewissen 
Siädten, nament.ich in Je<usalem, übr-iflüsüi^en Handwerker und 
Atieit*'r nach den nnr .-spärlich oder gir i.icht mit einem Hand- 
veikei-Ktande versorgt^'U Städten und OiUctiatlen des Inlandes 

Sonstige Mitth*-ilnngen über dl»- coraniTciellen im I indn- 

llen Verhäitni-i-e Pai;i-linÄs, «inHchltigig** statisti-ii'hH Dat^n und 

Anregungen zur Aufbesserung des jüiÜBchen ArlH'iterzustande» wird 

Herr Gro>8 einer hiefür einzu^Kzeudeu CommiSv^ion unterbreiten. 

DtL^ Gros der paiÄ>tiuensiscti-jüdischen Bevölkerung ist dem 

[ttioua^judentlium mit ganzer Seele ergeben. 



Ein Führer der Ortbodoxen in Jerasalem, erster Voi-steli 
eines grossen Koleis, äusäerte sieb UDläDg^tt : Mit Znstiniiuuni; der 
Mäclite und der SelbHthilfrt der Jaden kommt die Geulah und wir 
babnfin Mosr.hiach 80 den Weg. 

Die Mission in Palästina, welche Seelenföngetei getrieben 
bat, ist mit dem Beginn der neuen Colonisationsaeia fast voU^ 
ständig lahm gelegt worden. (Lebhafter Beifall.J ^H 

Vice-Prisident (Dr. Lippe» verkündet, dass au Stelle des zuiück- 
getreleneu Dr. Itimbauni luiumelir Dr. Miiitz in das Actionscoiuite in 
Wien Bewählt ei-scheiiie. 

Dr. nintz : leb erklfire das verHeliene Ifaxidat auzunehmen tind 
ich danke vorn Herzen, dass Sie mich mit Ihrem Vertraaen beehrt haben. 

Antrag' Kaminka wird obnn weitere Disirnssinn angenonuiien. 

Bambus: Verehrte Versauimlnngrl Ks ist keine angenehme Anfg-ube 
n widersprechen, doch bin leb dazu verptlicbtet, denn ich glanbe, daas 
das. was mein Vorredner, Roseuberg, vorg^-schlngi'ii hat. nicht den 
ThatsaduMi entspricht nnd nicht ganz ansschlai^^betiil «ein kann, für di« 
Tbatigkeil i» Zukunft. Ea ist behauptet worden, daas da« Ccntralcomit^ 
in Paris fichiedite FnnclionJlre habe und dass es oligarcliisch j^usammeDgeaetzc. 
sei. Es iat zusammengesetzt aus Delegierten der bestehenden west* 
enropJiischen raläaiina-Vereine, d. h. VertrauensniäDuern. ^Ve^n z. B. 
der dcntsclie Verein mit 2i)(Xi Ülitgltedern seine Delegierten in du 
Centralconiile zn Paria wällill, so kann ich nicht ersehen, wasda olifrarchisch 
erscheinen soll Wem die Herren in Paris das Vertrauen dieser Tausende 
gcniessen, so glaube ich, kann man die Art und Weise schwerlich oligarchisch 
nennen. VN'enn sie nicht den Anforderungen genügen, die Jeder an sie ' 
BtelU. so erinnere ich Sie an die hente erwillinten SchwieritrkeiteD. Die» | 
Schwierigkeiten aind unleugbar. Niemand bestieltet sie, aber man darf I 
dann auch nicht so nhneweiiers darüber abtu-theUen, dass Diejenigen mehr 
hätten leisten sollen, welche jetzt gearbeitet haben. Sie hätten überhaupt 
mehr geleistet, wenn diesf^ Schwierigkeiten nicht schon seit Jalireu ob* 
walteten. Unaeie ganze Colonisation, und das möchte ich frei und deutlich 
erklitren, i&x bis heute ein Experiment nnd mnss noch lange ein solrhes 
bleiben. Mau kann nicht in 20 Jahren ein solches Land, das niclit 
ackerbanerisch durcbtorschl ist. colonisicreu. Eine Colonisatlon im 
grossen Stile, ist selbst, wenn keine gesetzlichen Schwierigkeiten bestehen, 
nicht f?ut durchzusetzen. Es wird noch manches Jahr dauern. Kln land- 
wirtj^chaftliches Experiment dauert jahrelang, Wir haben derartige 
Experimente gemacht und sollten sie weiter machen. Ich glanbe, dass die 
erste Budinf^nng darin liegt, dass wir das Experiment fortsetzen. Es ist 
eine Voiarbeit. die absolut nothweudig; ist. Niemand bat verlang't, das« 
wir uns dem Centralcomit^ in Paris unterwerfen sollen, wohl aber ver- 
langen wir, dass mit Ucbcreinstiramang der bestehenden Vereine daa 
Ganze bewerkstelHtrt wird. Wir wollen keineswegs uns gegenseitig an- 
greifen, im Gegentheil, wir wollen uns ergänzen, Uenieinsame Arbe: 
wird nns mehr nützen, als einseitige Arbeit. Ich mJkhte noch anf eidi 
wiclitigen Punkt hlnweiaen, das ist die wichtige Frage von Handel und 
Industrie, es müssen auch diese dabei sein. Wir können gegenwärt: 
Handel- und Industrie (ordern, wllbrend wir den Ackerbau sistje: 
müssen. Der Vertrieb der Handelsprötlncte Palästinas in Europa Ist 
"iJae Car3inalfr&ge flir die weitere Colonisation. Palästina bringt sei 



— 181 — " 



▼iel UndwlrUcUaftliclie Prodacte hervor : wer für den Verkauf von dessen 
[ Prodocten tliälig ist, sorgt ebenfalls för die Coloniaation. Fiachtbar 
wird die O)loni<4atinn erat dnnn, wMia sie fdch rentiert. Es niass gpewiss 
niciit unsere Aolgabf sein, anf dem Wege der Mildthatigkeit Handel und 
Indnstrie im heiligen Lande ^n furdern, sondern man mass festf>tel)eu, 
i««Icbe Krwerbszweige die nützlichsten sind, und sorgen, dass man nicbt 
die Privat-Initialivc Ifikmt und Alles nnter eine Centrale bringt. AVir 
sind darsnl' angewiesen, die Palästina-Initiative des Einzelnen wacbzumfen 
und wir können dies ancb. wenn wir nirbt Schablonen inJUnig vorgehen, 
sondern die niithigc Concurrenz anregen dnrcü rnblication in den Zeitnngen 
I und indem wir nusere Hilfe jedem Privatmann zur Verrügung stellen. 
I Seit langer Zeit wird die (irbndnng einer Hank in Anssicbt genommen, 
welche ancb wabrsoheinlicli bis znm nftcbsten Congress bstelien wird. 
Es ist richtig, dass der .Inde in PallUtinu nic)it narli jeder Richtnng bin 
I eoropäischem Geiste eotspriebT. Es i»t richtig nnd erklärt sich aus der 
I Ver^ngeitheit, welche die dortigen .7udeu gehabt haben. Sie sind mit 
I drm eurcipäisrhen Cnltnrweaen nicht bekannt. Darnm ist es von ent*- 
«diiedener Hedontung, dass cnrnpüiscbe Juden in griisserer Anzahl hinüber- 
gehen. l>ie Tbatkrat't der westenropäiscben Jnden ist fKr die dortigen 
sehr noihwendig and wenn nacb dieser Kichtnng hin die Commisatoh 
I Torgebt, kann sie schon jetzt anaserordentlich viel leisten und ich hoffe, 
daifl die Tbfitigkeit nicht Aller sich darauf beschränken möge, die Er- 
UobnUs, xar Fortfhbrung der Colonis&tion za bekommen, sondern aie 
auch mit N'atzen sn erledigen. 

Kuninks: Ich habe die ThStigkeit der Vereine Westeuropas Ober- 
gangen, da ich Sie nicbt auflialten wollte. Es kommt ja nicbt daranf an. 
«II quantitativ geleistet worden ist. Wenn der Congress jetzt ein Comitä 
einsetzt, so wird es jedenfalls int Sinuc des Herrn Bambus, im Einver- 
sUudnis sowohl mit dem Odessaer als dem Paiiser Couitä handeln, um 
«llr Scbwierigkeiten zu heaeitigen, nnabbftngig von den weiteren Zielen, 
die der Congress gestellt bat. 

Prisldent: Verehrte \'er8amirilung ! Es sind 1000 Präsenzlisten 
Bckt wurden, also sind deren mehr als reichlicli vorhanden. 
Die Listen werden vertheilt. Panse.) 
Steiner: Ich mochte die Versammlung ersuchen, die Präsenzlisten 
«kder zurückzugeben ; sie sind tulal unrichtig. 
(Die Listen werden wieder eingesammelte 

Dr. L6we: Ich bedanre, anf die TribUnu hinanfstclgnn zn müssen, 
ireH ich nur wenige Worte sprechen will. Ich will nicbt über die Kolont- 
ntiöa sprechen, da ich noch nicht solange in Palästina bin. wie die Herren, 
wcicbe bente schon so ausfülirlicli darüber gesprochen haben. Darum 
Unn ich mir nicht erlauben, mit diesem Zahlf^nnialerial Hinen vor die 
Asfi'en zu treten, wie meine Vorredner. Herr Markus war so liebens- 
, wirdig, mich daran 7.» eriimem. dass es -3 Jahre ist, dass der jetzige Sultan 
den Thron bestieg, leb kann nicbt umhin ansznsprecben, dass wir Juden 
PxISfitJtt&a diesem gtitigen Herrscher zn Dank verptiicfatet sind. Ich 
Iflaobe. daas ein Vertreter Palästinas die PHicht hat, obwohl wir uns 
durchaus frei halten von Vergötterung, jener alten Kämpfer zn gedenken, 
v«lrJ)e far Palästina kämpften, und wir müssen sagen, dass wir nicht in 
falSsiina wären, wenn nickt jene für uns gewirkt hätten. Ich mnss daran 
crianem. weil vergessen wurde, dass zwei rumfinische Zionisten hier an- 



weaend sind, welclie saerst für unsere SacJie gestritteD liab«a : Dr. Lippe 
und Pinele« ; ich mtVcbte diesen Beiden meioen herzUclisten Duik xa- 
tprechen. 

Obwohl ich niciit officiell Dele^erter bin, habe ich doch des 
bestUumteD Anftrag von anseren Drüdern niid GesinDongagCMtMO im 
Palftfttina, zn erblSren, dass wir am demfifilbrn Standpunkt slehea, des 
die ZioniBten in der ganzen Welt einnelinien. and dies bicr an/ den Cad- 
greu zum Aasdmck zn bhngen. Wir rechnen nictil nach dem, ob onaere 
Wünsche beröcksicbUgt werden. Wenn vielleicht den Colonisien dnrch 
den Congrea» Leiden vemrsacht würde», wir wollen «e gerne ertragen, 
wie wir bisher Leiden erduldet haben, lun die Wiederberstellang des 
jüdischen Volkei, um die Wiederbelebong des jädischen Geistes. (Grosser 
Beifall.! Aber wir wollen nicht vcrgeaacn. däas es nicht so einfach ist, 
über die hentige ColoDisation den Stab zu brechen. Ansserbalb mügen 
Uanche sein, die unserer Coloniaation naciisagen, dass sie nicht richtig 
gehandbabt werde. Es könnte nns gesagt werden, dass vielleicht hunderte 
von Jahren nöthig sind, wenn wir iu der allen Weise vorgehen. Trotzdem 
sind wir der Meiniuig. dass es unbedingt nütig ist, nns einen rechtlichen 
Zastaoü zn «ichaflen, damit wir anf der breitesten Grundlage die Culouitation 
dnrclitliliren können. Wir uihssen uns klar ntaclien, dass die Colonisation 
nicht nnr im Ackerban beisteht, sondern dass jeder Jude ein Colonisi ist, 
der narli Palästina auswanderL In dieser Beziehung ist schon Uanches 
geschehen. Wenn ulr bis jetzt keinen Krfolg hatten, so mochte ich dem- 
gegenüber hinweisen, das« nicht blos il- bis 7000 Colonisien in Palästina 
sind, sondern dass wir viel mehr Colonisien haben, dass jeder Jade in 
Palistina ein Colonist ist. Wir haben q. A. in JcrnGalem nach mein 
SchÄtKong •lO.fXIO, in Hebron 15.000, in Jaffa 550*J, in Tiberias 4000, 
den Colonien 7000, Snmma rund TO.CKXl Juden in Palästina. Itas sin 
bei einer Bevölkerung von l- bis 500.000 Einwohnern 15 Procent de: 
Bevölkerung. Die Znnahnie der industriellen Bevrdkemng ist bekanntlich 
eine viel bedeotendere, als die der ackerbauenden. Wir verdanken diese 
Znnahme aber vor allen Dingen der Stellang, die wir einnehmen. Ich gebe 
zu, dass die Durchführung der Gesetze nicht dieselbe ist, wie in Europa 
und anch nicht dieselbe sein kann, wie es ja auch in Europa LUnder 
gibt, wo die Gesetze nicht so gcniin dnrchgefühiT werden. Aber gerade 
der Schutz der Kegieruug hat dazu geführt, dass unser Judenlhnm irota 
mancher Schwierigkeit sich krfftig fortentwickelt. Ich bin der Letzte, 
der nicht xngcstcht, dass in Palästina schwere Schäden besleheJi, aber 
Ich weiss die bittere Schale loszulösen nnd den süssen Kern zn finden. 

Vm anf die Chalokkah zu kommen, muss ich sagen, dass ich 
dnrchauH kein Gegner derselben bin, das» es nns nicht daranf ankommt, 
sie abznscliafT'-'n. Es kommt daranf an, der Bevölkerung nicht wehr rrtter 
Stützung zu geben, sondern sie xn hiiberen Stnfen emporzuziehen, dadnri 
dass wir der grossen Uasse, welche arbeiten will, auch Arbeit v 
achafien. In der deutschen Chalukkah, In der österreicliischen Chalnkkali, 
dort liegt der Krebsschaden. Da bekommt Jeder so viel, dass er davon 
leben kann. Man niüsste so vertheil*"!!, dass der marokkanisclie Jude nnd 
der russische Jude aul gelochte Weise unterstützt wird. Wir müssen 
ans denjenigen Thellen, welche nur Wohlhabenden zu Gute kommen, arme 
marokkaniRcbe Jnden anzusiedeln Rucheu. Wir hsben in Jerusalem allein 
.SO.OOU Juden, welche arbeiten wollen und können und türkische Staat«' 
bfirger sind. Die Regierang erklärt jetzt schon, dasa wir eine Arbeit 



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— 183 - 



leisten, vreJclie ilu* in «nter Linie ku Gute kommt. Ich will mich knrx 
fasaen nnd nnr daianr hinweisen, dRsa die Culunisatiou PaliUtinas eine 
VersQcbsdiaiion ist. Liiesfs Wort i9t anüg-e(?än^en, von «iner grosaen 
landwlrtacliattlichen Antni-itftt, welche eagte ; .Wir haben 20 Jahre 
gearbeitet nnd wissen noch nicht alle landwirt«chaft liehen S^'steme, 
welche iu Betracht koinmeo." Ich möchte den Con^eas bitten, in die«em 
Siflse xn wirken. 

Prftsldeut: E« ist noch eine ganze Keihe von Rednern ein- 
eescbrleben 

Dr. Neumark: leb beanti-ag^e: Mit Rücksicht auf die voi^r&ckte 
Stunde und auf da» nocli in AuAsiclit stehende wichtige Referat nber die 
hebräische Liieratar mJ^ge die Anrej^nng' des Referenten znr Abstiniman^ 
gebraclit werden nnd dann mOge dein Referenten nbev die hebrSische 
Litaracnr das Wort enheili werden. 

Der Antrag Neanmrks wird angenomiueu. 

Vlee-PrAsident: I>er Referent über hebrilische Sprache nnd 
Literatur. Herr Dr. Ehrenpreis, hat da« Wort. 

Ür. ülarcuä Ehrenpreis (Diakovai-) : Sehr gf'ehrte Cougreas- 
iDitglit»d«r! kb bedauere, auendlicb, das» dieser Geg^nntand, den 
wir alle so ernst nehineu, gleichsam erst in KwOlfter Stunde ver- 
handelt werden soll, loh bedauere tWes uinsomehr, als Ja auch die 
Fra^e der nauoiialen Jugenleiziehang im RAhmen meines Beferates 
eine eingehende ßebaadlung veidient hätte. Allein die voigettickte 
Stunde macht es mir unmüglicb, auf diesen Punkt, tinzufft^ben und 
otus ich auch darauf verzicbtfiu. den eigentlicheu Ge^eustaiid 
meines Referates mit der wUiiiichenswerten und von mir ursprünglich 
beabsichtigten Ansführiichkeit zti behandeln. Ich werde mich nur 
uf die allgf'meinH Begründung meiner Anträge beschninken. 

Meine Herreul Ich soll hier über die Wiederbelebung dtr 
liebräischen Sprache nnd Literatui* sprechen; ich soll den Nach- 
weis führen, dass die Wiederbelebniig der hebräischen Sprache ma 
der Wiedergeburl des judischen Volkes nnzertieiinlicb zu^ammel)• 
bSflgt. Die Thatsache. dass ich hier auf dem ersten W'elicougres'i 
der Zionisten über die hebräische Sprache zu Ihnen deutsch sprechen 
niURS, ist der stärkste Beweis für diesen Zasammeubang. Es ist 
kiÖD« Liebhaberecbrulle, die sich manche Doktrinäre iu den Kopf 
(«Mtzt. In QQS allen lebt das Gefühl, dass es nicht nur Brot is^ 
Vis wir von der zionistischen Lösung der Judenfrage erwarten. 
Es ist hier von manciier Seite versucht worden, die wirtschaftliche 
Seile des Zionismus besonders hervorzukehren. Allein die Jndeii- 
trage ist ja nicht nur die Frage der hungrigen, sondern in ganz 
gleichem Uasse auch die der salben Juden. Unser Zioniatnus iäi 
die Folge einer tiefen Sehnsucht nach einem eigenen, un^ ent- 
aitrechenden FÄbensinhait. Wii' wollen uns heilen von der Zerrisseu- 
beit unserer Seelen. Unser grosser Culturhunger, das ist unsere 
groEsse Notb. Und weil unser Naiionalgeist nur iooerhalb seiner 
eigenen Formen sich ganz wird ausleben können, deswegen mnss 
aiisere hebräische Sprache wieder lebendig werden. Wir wollen 



» 



znr bebräischen Sprache zurQckkelireD, wie wir in uiiäere hiätoriache 
Heimat zuröckkehren wollen. Wie wir Alle den Glauben haben, 
dass wir unsere politische Anfei-steliuiig nur auf dem Boden 
Palästina's feiern können, also lebt in uns allen die Ueber7engang, 
dasa unsere geistige Wiedergeburt nur im Rahmen der hebräischen 
Sprache möglich ist. 

Zu dieser Erkenntnis sind schon unsere Vorfahren im Laufe 
des letzten Jahrhunderts gelangt. Die vorzionistische hebraiscbe 
Literatur seit dem Anfang der Judenemanzipation, ist im grossen 
nnd ganzen der Ausdruck eines latenten Zionismus. Das jüdische 
Volk hat Heimweh bekommen, und es begann hebräisch zu sprechen. 
Ich muss es mir leider versaRen, diese Literaturentwickelung auch 
nur in ihren allgemeinsten Umrissen hiei- zu zeichnen. Wh* besitzen 
eine eigene hebräische Literatur. In Kuropa bat man bis jetzt von 
unserer Literaturbewegung keine Notiz genommen. Die moderne 
literarische Kritik befasst sich mit den unbedeuteudsten literarischen 
Anfängern werdender Völkerstämme — für uns aber hat Europa 
kein Ohr und kein Äuge. £s mus^te uns tief schmerzen, dass der 
Schrei unserer Seelen von Europa überhört wuide. Wir haben 
unsere Dichter, Forscher, Put)lizisten, fülirende Geisler, die unsere 
Leiden mitgelitten, unsere Hoffnungen mitgehoHt und die leise Sehn- 
sucht unsttrei' Herzen mitempfanden haben. Wer kennt diese grossen 
Märtyrer des Geisttis ? Mit der Ungerechtigkeit, mit der die Welt 
alles jüdische zu behandeln pflegt, ignorierte man auch unser 
nationales Geistesleben. Und was uns noch mehr schmerzt : Selbst 
die Juden standen in ihrer Mehrheit dieser Arbeit fern. Jetzt aber 
beginnt es anders zu werden. Der Zionismus hat naturgeinä&s die 
Liebe zur hebräischen Sprache wieder geweckt. Dies beweist die 
geÄtnigerte literarische Production. Die in Russland und Palästina 
erscheinenden Tagbiätter und periodische Schriften beweisen, welche 
erstaunliche Lebendigkeit und Ausdruck sfUhiekeit die hebräische 
Sprache in den letzten Jahren erlangt hat. Daneben blühen zwei 
Verlagsanstftlten in Warschau : „Achia*sai" und „Tuschia". Es wurden 
mir Rechenschaftsberichte dieser beiden Gesellsciiaften zugeschickt. 
Beide haben überau.t günstige Erfolge aufzuweisen. So hat, um nur 
ein Beispiel zu erwähnen, die Gesellschaft „Achiassaf". von der 
hebräischen Uebersetzung von Lipperts „Culturgeschichte", bereit« 
du vierte Tausend verkanfr. Und das ist gewiss kein allgemein 
zngängiichps Buch. 80 gross ist das Bildungsbedürfnis unserer 
Brüder im Osten. 

Alle diese Arbeiten waren bis jetzt, wie die ganze zionistische 
Thätigkeit, vereinzelt und unorganisiert Das soll jetzt anders 
werden. Wi« wir uns hier versammelt haben, um unserer ganzen 
Bewegung eine Hnheitliche Organisation zu geben, so wollen wir 
auch, da*s die Wiederbelebung der hebräischen Sprache von nun 
an in planmässiger, wohlorifanisierter Weise vor sich gehe. Diese 
Tbätigkeit wird iu erster Linie eine erziehliche sein müssen. Es 



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— 185 - 



tiAndelt sich darum, daHS der Unterriclit itn Hebräischen ein Bestand- 
Uiei] unserer Jugenderziehung werde. Es giebt ja scliou beute viele 
Eltern, die ihren Kindern gerne hebräischen Unterricht ertheilen 
möchten, aber es tehien ilinen die Mittel. Es giebt keine Lehrer, 
keine geeigneten Lehrbücher, keine fest stehende Methode. Nur die 
wenigsten sind in der Lage, diese Hindernisse zu beseitigen. Hier 
moss aber unsere Thätigkeit eingreifen. Wir müssen eioe Central- 
leitUDg schaffen, welciie die Äui'gabe tiätte, überall wo es thuulich 
oud erwünscht ist, unentgeltliche Unterrichtscnrse im Hebräischen 
zu errichten und für die Beschaffung von Lehr- und Lesebilchem 
zu sorgen. Ich denke mir das in der Foim eines zu giündenden 
allgemeinen hebräischen Schulvereinea, nach Art der deatschen und 
slaviscben Schulvereine. Ich halte das Zustandekommen eines solchen 
Schnlvereines lür sein* leictit tlurclitührbar. Gesetzt, es gibt in der 
ganzen Welt 50.000 Ja«ien, welch« ebenso wie wir hier Interesse 
daran haben, das» die hebräische Sprache in unserem Volke wieder 
lebendie werde; jeder zahlt den minimalen Jaliie^beitrag von etwa 
1 Kr. Meine Herren ! Mit einem Jahreseinkommen von 50.000 Frs., 
kann der hebräische Schulverein ejne stattliche Zahl von Unterricbts- 
ciir»eD erhalten, Lehrbücher herausgeben, und durch geeignete 
Preisaasschrei bangen die pädagogische Prodnction fördern. 

Diesem Vereine wiinlen aber auch andere grosse und ernstü 
Aufgaben, die mit der nationalen Erziehung zusammenhängen, zu- 
filleQ. Es sind mir zu diesem Punkte von vtrsehiedenen Seiten 
sehr wei-tvolle Anregungen und Vorschläge zugekommen, die ich 
jedoch zu meinem Bedauern nicht vorbringen kann. Wir müssen 
uns wegen der vorgerückten Stunde damit begnügen, dieses ge- 
iioffite Material dem Exacntivcomiie zur BerücksichtigUDg zu 
übergeben. Ein Antrag, auf den ich hier jedoch eingehen muss, 
rührt von Heirn Prot. Scbapira her ; Prof. Schapira beantragt die 
Orflndung einei' hebräischen Universität io Jerusalem oder Jaffa. 
(Lebhafter Beifall.) 

Meine Herren! Es thut mir leid, rlass ich mich Ihrem Bei- 
fiüle nicht anscbliessen kanu. Gewi^ wünsche ich von gaozem 
Herzen, ebenso wie Sie, den Moment zu erleben, wo wir eine 
«igene Pfiegestätte der Wissenschaft auf unserem eigenen Heimats- 
en haben werden; gewiss bin auch ich davon überzeugt wie 
dwendig es ist, fär unsere studierende Jugend aus allen Län- 
eine wissenschaftlii^bH Znfiucbtsstätte zn schaffen, wo sie, frei 
ron allen Zurücksei/ungen und von den Verhetzungen ihrer 
aiischen Collegen, in menschenwürdiger Weise ihre Studieu be- 
treiben kt^nnten ; und scblieaalich weiss auch ich es zn würdigen, 
welche grossartige Blütbe un8eres gesammten Geisteslebens die 
Gründung einer hebräischen Universität zur Folge haben würde. 
Allein, meine Herren, wo haben wir denn heuie schon da.s Men- 
«chenmateriale dazu ? Wir mn^<.^en uns doch Studierende denken, 
welche mit der Mittelschnlbildnng zugleich anch die entsprechende 



Kenntnis des Hebräischen mitbringe». Solche fcibt es aber beute 
nif^lit, wenigstens nicht viele. Es ist für mich geradezu selbstver- 
»tändlicb, dass von einer hebräiächen Onivträität so lange nicht 
die Rede sein kann, als wir nicht ein Gymnasiam mit hebräischer 
Vor tragssp räche besitzen. Das w&ie die zweite grosse Anfgabe des 
Scliulvereine^, Wir müssen »o bald wie müglicli daran c:ehen, die 
in Jafta be,Htfthende vieicla^^siga Volksschule siufenwnse zu einem 
Gymnasium zu erweitern. In dieser Volksschule ist Hebräi*icb die 
Voitragssprache und, wie wir hören, soll die jungst geschlossene 
vierte Classe dre sogenannte Wy-iocki-C lasse, bald wieder eröffnet 
werden. Bedenken Sie, meine Herren, da;*» die Eraiehnngs Verhält- 
nisse in Palästina es gebieteriscli erfordern, dass wir dem dortigeD 
9chulwest?n besomlere Aufmerksamkeit zuwenden. Die im Orient 
von der Pariser „ iUiance" gegründeten Schulen sind raeistenthtfils 
Pflegestätlen französischer Assimilation. Ich bedauere, es hier 
sagen zu müssen, weil wir ja g-ewiss allen G'und haben, dem 
Pariser Verein für seine Bemühungen im Orient Anerkennang zu 
zollen. Aber diese Tbatsache darf im Interesse der Wahrheil hier 
nicht verschwiegen werden. Mir liegen mehrei-e Beric^hte von zn- 
veilässigeu Seiten aus Palästina vor, welche alle darin überein- 
stimmen, dass in den Ällianz«chulen der tranzösische Geist, und 
die Pflege der franzftsi.^chen Spraclie vorheiTschen. Diese That- 
sache wird mir von einigen genauen Kennern der palästinensischen 
Schnlverhältnisse, die hier anwesend sind, bestätigt. Es ist nicht 
meine Aufgabe darauf einzugehen, welche Nebenabsichten dabei im 
Spiele sein möreu. Aber die Tbatsache steht fest. Und ebenso 
steht es fest, da»8 es unsere vornehmste Aufgabe sein mus»), hier 
Abhilfe zn schaffen. Dhs hebräische Gynina*iinm in Jaffa wird 
diesen französischen Einfluss paralysieren. Dieses bihlet den natür- 
lichen Anfang unserer nationalen Üulinrai'beit. Dann wird Stein auf 
Stein folgen, bis der stolze öiu vollendet ist. Und daneben und 
gleichzeitig wii-d die hebräische Literatmarbeit wachsen mit ihren 
höheren Zielen und sie wird das Volk erziehen für die giosse Zu- 
kunft der nationalen Selbständigkeit. 

Ich bin zu Ende. Indem ich das Gesagte zusammenfasse, 
stelle ich folgende zwei Anträge : 

I. Der Congrfss beschliesst die Gründung eines allgemeinen 
hebräischen Scbulvereines zum Zwecke der Errichtung von anent- 
geltlichen Lehrkursen für die hebräische Sprache. Mit den vor- 
bereitenden Schritten wird die zu wählende hebräische Commisslon 
betraut. 

II. Der CoDgi'eaa wählt eine hebiäi«che Literatnrcominisgion 
als Section des Execntivcomil^s mit folgenden Aufgaben: 

1. Periodische hebräische Zeitschriften zu unterstfitzen und 
zn gründen, hebräische Werke za subventionieren, 

2. Junge hebräische Schriftateller zu fordern nnd aof Bildungs- 
reisen zu entsenden. 



— J87 



3. üeberliaopt alles voizakehien. was geeiguttt ist^ die he- 
&isctte Spiache uml Literatur zn (rrrderii. (Folgt ein Schlas»- 
ppell in hebräischer Sprache.) (Lebhaner Beiiall } 

Dr. Rosenheck: Hnchanfr«8c)icJie VersammJuuff! AVean ich mir 
eriftnbt habe, an diestr Stelle an die Rede des Herni f)r. Khranpreii 
«inige Worte anzn knüpfen, so tliat ich es nicht in der Absicht, am daran 
eine Debatte zn knüpfe», denn eine Dt-batte über einf^n solchen Gegen- 
«Uttd wftre ebenso sion- nh zwecklos, it-li habe mich zum Worte gemeldet, 
den hoben Codat^s« zu ersnchen, einis^P: kleine Be-ttolutionen zu üssen, 
weiche wir dem Actionscomiie zur Kunntniss bringen wollen. 

Hoobangesehen« Versammlnn^ ! Als einer der Vertreter einer ge- 
Khlosaeoen Jodenraasse der Raliziscben Juden, uiuks ich cuustatieren^ dan 
In GaÜKien 750.00<j Juden keine andere Sprache spi^ebeii. als die des 
Jargons. Nichtsdestowenig'er müssen nW die polnische Sprache als l'ui- 
gangsftprarJip andrehen, wenn sie sie anch nicht sprechen künnen. Das ist 
wohl nebensilililif^h. Ks ist sohlicsslicb doch i^inf^ entlehnte Sprache. ICs 
[it alHD frleieh^iltifi'. ob man Jargon «der po1nist;h spricht. Aber der 
Jargou schreibt tu denselben Schriftzeiche«, wie nnbere heiliye Sprache 
rad es iDt auf Ginnd eineJt alten Docnmentea des Kaiser Josef verboten, 
daas Jädiache Schiiftzeicben als gesetzHdi beuQtzt werden küIIpm. Dieses 
Verbut hat sich als eine gesetKÜibt' Anordunng bis jctxt erhalten. I*^ 
komml nudi ei» zweiter l'ebelstaud dazn. Weil viele keine andere Sprache 
beherrschen als den Jargon, kommen sie ninzig- und allein dadurch oft 
mit dem HesetK in Onflict. Miin läant sie, obwohl sie eine f<taatlich an- 
erkannte Nation sind, mit dieser Sprache nicht vor (iericht auftieten, 
wftbretid ganz winzige Slinoriilileu, wie die Uutheuen in der Bukowina 
es erzwingen konnten. Der Jude ist deshalb in die Zwang'lage versftzt, 
pulniscb oder nitheniiich reden zu müssen. Ich stelle folgenden Antrag: 
.Der wolillöbliche Congress wolle tilgende Resolntion fasaeti und dem 
AcUonscomit*^ fiherweisen : 1. Von allen «ralizischen Zionsvereinen sind 
besondere Cnrse Itir die hebrJÜHche Spiacht? zu f,'rtnidhn. 'J. Ks sei dabin 
n wirken, dass die hebtüischen ScltHOzeicben als ^eKel/Üch anerkannt 
werden und dass der Jargon als .Spr-ache von ".'*0.000 vom Staate an- 
erkannten Jnden so anerkannt werde, dass diese sfcli nicht einer fremdes 
Sprache bedienen mäuen, sondern in ihi*er Sprache vor Gericht ans- 
Bügen können."^ 

Professor Dr. Scfanpira: Hochverehrte Versaminlnnf? ! Selir kritisch 
ist jetzt meine Lage, wenn ich den Gedanken vertheidigeii ftoll. der von 
mir angerfgt wurde, nachdem die AVorte meines Vorredners mit soh-her 
Begeisterung aufgenommen worden sind, wie sie es wirklich verdient 
boben ; nnd kann ich unmuglicli die Eindrücke jetzt noch weiter erhülien, 
als sie vorher bei jenen Worten schon angeregt wurden, wo es sich uia 
4ie hebrüischt: Sprache gehandelt hat. Es ifit aber ein so nichtiger Punkt, 
das» ich ihn nicht mit Stillschweigen übergehen kann. Ich hatte wegen 
Gründung einer Hochschule micht X^niversitäti in Palästina einen Antrag 
güatelli: „Der Congress wolle beschliessen. für die N'erwirJcUdiung 
folgender Idee üiatkräftig einzutreten : 

In den zu gründenden judischen Colonien in PatlUtlna soll für alle 
auf religiöse und moralische Erziehung sowohl, als anch auf geistige 
Ausbildung der Juden gericbteteu Beatrebtiugen ein einheitlicher Mittel- 
pimkt geschaffen werden. 



— 190 — 



Dt, Cobn ^ Rabbiner von basel) beim Betreten der Tribüne 
«liiimiscli begrfisst : Geeliite Versanniilung! Sie euipfangeu micb mit einem 
Heit'alUKtunu, den icb bis dahin nocb niclit verdient habe. Ich bin kein 
Kieuüd des Zionibinus gewesen und ich bin bi« zur Stunde noch nicht 
fiir die Sache bcgeiittert, vun der ich sehe, daes sie Jbr HerK mit Kn- 
IhnHiMnins ernillt. Ich danke Ihnen, dass Sie mich als Oast zu Ihrem 
Cougress gelade-n haben. Sie haben mir nnvur^esBÜche Stunden bereitet. 
Wenn ich an die Reden von Dr. Herzl nnd Dr. Nordau denke, Bchwilll 
mir das Herz vor Begeiäteriing. Die Kede von Dr. Nordan künnte jeder 
Uilhodoxe nnieruchreiben, Won für Wort, Sat» fftr Satz. 

Alaoche Rede ist gehalten worden, die ich nie vergessen werde, &9 
Iaii;;e ich lebe ; ich bin froh, das« der Congress in Base] statt^etundeu 
and ich demselben beiwohnen konnte. Ich bin über Manclics anlVeklarl 
worden. Über die Noth unserer Hrhder im Osten, wovon ich keine Ahnung 
hatte. Ich habe den Zionismus kennen gelernt und Ich habe geaelten, 
dass derselbe eine Bewegung ist, die wir alleaammt nuterGchSlzt haben. 
(Ungeheurer Beifall. Ich mnss nochmals diesen Beifall ablehnen, ich mnss 
ausdrücklich sagen, ich bin ein religiöser Jude, kh hofle, dass das Natiunal- 
Jndenthnm der Uebergang zum relieiosen .ludenihnm sein wird. Icb 
komme zn dem, was ich dem hohen Präsidium vurznlegen beauftragt bin. 

Es wird Sie befremdet haben, dasB die Bewegung in Deutschland 
bia jel7.t sozusagen wenig Fortschritte gemacht hat, dass speeiell die 
onhodoxen Rabbiner, die doch Allem, was mit Zion zusamraenhAngi. eine 
groMC Verehrung entgegengebracht haben, dem Ziunienias ktihi geg«n- 
ilbtrsianden. Wir ortliodoxe Juden haben im Laufe dieser Jnbrhunderte 
niclii durch den Zionisiiiui» aber sonst so viele bitlere Erfahmngeu gemaclit, 
wir sind so oft schon vergewaltigt worden. Das gebrannte Kind fürchtet 
das Feuer. Wir fürchten^ wenn nun der Jndenstant entstehen sollte, daaa 
dann die Leitung der Bartei, von der wir wisson, daes sie unserer Ge- 
ainiinng nicht biUdigt. die Orthodoxen vergewaltigt. Ich persönlich glaube 
es nicht. Das ist die Krklärnng, warum die Orthodoxen bis jetzt sich 
kühl verhalten haben. Insbesondere färchten die orüiodoxen Rabbiner, eo 
sehr sie mit der Kolonisation von PalilAiina sympathisieren, dass in den 
sft gründenden Niederlassnngen im heiligen Lande, die Joden gezwungen 
werden kannten, die Heiligkeit der Sabbaihe zu verletüen. Sie fiirchicD, 
dass, bei der religRisen Richtung der Majorität, diejenigen bevorzugt 
werden ki>nnten, die die Ansicht derselben theilcri. Wenn wir über diesen 
Poukt durch eine ansdrUckliche KrkUinmg beruhigt werden könnten, 8* 
Verden die Bedenken anlliören und wir würden vei-sueiien, im Kreise 
unserer GesinnmiUKgenossen dahin zn wirken, dass sie sich dem Zionis- 
mus zuwenden. Ich bitte das Präsidinm am seine Meiunug. wie die 
Zlonisten zn dieser religiösen Frage Stellung zu nehmen gedenken. 
(Beifall.! 

FrlBldent: Zunächst danke ich Sr. Ehrwttrden, Herrn Dr. O.hn, 
fttr sein loyales Auftreten als nnser bisheriger Gegner und fiir die Ofleo- 
beit seiner Antrage, die ich in ihren Einzelheiten gewiss nicht beantworten 
werde. Ich kann Sie versichern, der Zionismus beabsichtigt nichts, vras 
die religiöse Teberzengung irgend einer Richtung innerhalb des Jaden- 
thnms verieizen könnte. iStiirmischcr Beifall.) 

Im Nachtrag zu einem Punkt der Tagesordnung muss Ich «ine 
kurze Bemerknng machen. E« sind mir im Verlauf des letzten Jalire» 



191 

viele Bescliwerden aus PalHütin» zugekouimen über Missstände iu den 
CoJonleo. Ich glaube deiu Gefühle der Mehrheit des ConfiTessea zn ent- 
«pncLen, wenn ich »uf die nähere BehandluDfr dieser BescUuerden nicht 
eingehe, sondern es der Comiuissiün überlasse, sich darüber nähere Aof- 
Uiroug ZQ ventchaffetj. Der i^anze Verlanf anseres CongrcAses war ein 
■o wtlrdiffer, dass wir keinen Mission hiueiubriugeu woHeu. Ks piebt 
Schwierit;keiteu übei-all, bei allen uiensohliclien l'uleruehmunRen und so 
auch hier. Ich glaabe diesen Beschwerden Kecbuuog; zu tragen, wenn 
ich aie BijErnaUBicre. 

Jetzt sind wir am vorläuHgeii Schluss anaerer Arbeit. Wir niössen 
«ou&chAt den Dank aussprechen dieser jc^tlicheu i^tadt, die uns mit 
»olclieni Wohlwollen emptanieen bat, der Kf^gicrnogr, die uns verschiedene 
Zeichen ihrer Sympathie gegeben hiiL, dnrch Erleichternng der Vor- 
arbeiten dea CoDgresses und doreh Anwesenheit des Herrn Kegierungs- 
Prisideoten. Rc{>ieruuf!;ftrath itof. JJr. Paul Speiser, wälirend eines Tlieiles 
der Verhandliing<?n. AVir mQssen fi^rner danken — das ist gewiss im 
Widerspruch mit der Erklärung an Herrn Pr. lohn — den christlichen 
Zianieten, und zwar nenne irh Ihnen die Namen des Mr. Dunant, rrheber 
4m rotfaeo KriMixes, des Reverend John Mit^chell, Reverend Hechler ans 
Wien, Baron MantentTel, Colouel Count Bentiuck, der ebenfalls an nnseren 
Vefhandlungon theilnahm. tind viele Andere. Gewiss werden wir auch der 
j&dische-n Zionisten gedenken, die vor uns an diesem Werke gearbeitet 
haWn, Die Namen sind nna Allen gegenwärtig und kann Ich sie im- 
ecsammt ndt noserer Dankbarkeit umfassen. 

Meine Herren ! Ich hin vorlRntig zn Knde. Gestatten Sic mir noch 
tuügß persönliche Worte. leb habe vielleicht in der Leitung der Ver- 
ha&dluigen utüuciimal zu schwach, manchmal zu stark prUsidicrt, der 
Wille war aber gut und wir haben etwas zustande gebracht, ich glaube, 
ms hat an vielen Orten mit Schadeufrende daj-atif gelauert, dass hier 
liele Narreteien nnd .Schwärmereien vorkommen würden. Ich glaube, 
der Zionismus braucht sich seines ersten Congresses nicht zu sohäinen. 
Der Congreas ist massvoll und doch entschieden. Wie die Zukunft sich 
guiAlten wird, lUsst sich heute nicht sagen. Dass wir Ihr unser \'o]k, 
^is luillelliar and unmittelbar leidet, etwas thun, wenn wir uns in solcher 
Weiie Tenmmmeln, um seine Schicksale zu besprechen, das werden nicht 
>n Mir, sondern auch die ausserhalb unseres Saales zngeben. Wenn wir 
dni &niedricten den Htug in die Hand drücken wollen, ist es noch eine 
Frage, ob sie die Arbeit dem Elend nnd der Wehrlosigkeii vorziehen ? 
isii frage sie ! An dem Tage aber, wo wieder der Pflug in der er- 
itukten Hand des jUiUiscIicn Baneru ruht, ist die Jadenfrage geltJat. 
(Minutenlanger Beifall i 

Prut.Dr.OIaxMa]id«UtainratKlew): Hochverehrte Damen nndHerren! 
Ick glaube im Sinne meiner zahlreichen Landsleute und sünjuillicher Mit- 
^kAw des Congresses zu handeln, wenn ich hiermit unseren tiefgefühlten 
I>«ik den Minnern ausspreche, welche mit grosser Opferwilligkeit und 
»tt dem EiDBetzen ihrer ganzen moralischen und körperlichen KrJttte die 
Vimerhandlungen and Verbandlungen geleitet haben. Zunächst sämmt- 
Udien Mitgliedern des provisorischen Comitös. Alsdann demjenigen grossen 
Hanne in Israel, der es verstanden hat, unserem :KXXjähiigcn Schmerze 
cboo so tiefempfundenen und herzerschütternden Ausdruck zu geben. Ich 
■ciae Herrn Dr. ilax Nordan. Vor Allem aber und in erster Linie dem* 



— 192 — 

jenigen mutbigen Manne, dem wir es hauptsäclilich zu verdanken haben^ 
das wir ans aller Herren Länder hier versammelt sind, nm für die 
Znkanft unseres Volkes zn sorgen. Ich meine den hochverehrten Präsi- 
denten des Congresses, Herrn Dr. Theodor Herzl. (Die Versammlnng- 
erhebt sich von den Sitzen and bricht in Hochmfe ans.) Zugleich glanbe 
ich im Sinne der Congressmitglieder zn sprechen, wenn ich den hoch- 
geehrten Herrn PrSsidenten innigst bitte, dass die 8chw»% Arbeit, die er 
verrichtet and die ihm noch bevorsteht, and dann die Unannehmlichkeiten, 
^reiche ihm zogestossen sind and noch zoetossen werden, ihn nicht abhalten 
sollen, in demselben Sinne, mit demselben Geiste nnd mit derselben Opfer- 
freadigkeit das begonnene schwere Werk siegreich za Ende zn bringen. 
Oer I^^ident des ersten Zionistencongresses, Herr Dr. Theodor Herzl, lebe 
hoch! vl^^>i^n^J^^ Hoohmfe.) 

FüliMemt; Der erste Zionistencongress ist za Ende. (Tosender 
Itvifiillsstarm im ganz^i Saale, anch anf den Gralerien.) 



Ws^ 



ANHANG. 



Einlaufe: 

1. I»€^titior»eM.•) 

Abs Galizieii uiitl der Bbkr>wiiis haben sich SßSt Petenteii, die 
I SeeJeiUDZftbl tou 16.459 vertretet!, an den ('on^e!<8 gewendet, and zwar 
m isige&den SUdteo and OrUehaften : Boboradzauy, Hory^law, Brady. Bticeact, 
Bnhetowee. Cairtiow. Drohobycz. Diibienko, Dj'now, (iro-iek, Hßlici. Horodenka, 
AWooow, Jatpelnica, Jaroslan, Jaryszow. Jaworno, Jaziowice, Kalruz, Korotowka, 
^Ifrterg, OMt.-NoTosieUtza. Pilzno. IVuchnik, rrzemysl, Radsatz, Radlow. ßad- 
■r, Bopczyoe, Rozaiatow. Bjmanow, Rsesz^jw, Sniatyn, Stanislau, SturozyntiU. 
^, Tamow, Thuuarz, TUule, Tticliow, Ustryki, Za1eitzcz}'ki, Zbaras, 

Der WortläDt der galixiscb-bakowiniachen Petitionen befindet tiicb im Texte 
I Ptotokolls. Seite 109. 
_ Atta B 11 m & u i e a und .S2S8 Petitionen, einer 3eL>lenaasah1 von 37,048 
Mtareehend, eingelaufen, und zwar auü den SUtdten nod Ortschaften : Ädjiit, Ate- 
XHiria, Bacaii. Basesti, Baaieo, Beresti. Birrola. Botn^ani, Braila. Bucecea. Bnka- 
Mtt fiordojan, Bazieu. Couatansa, Craiova. DraKcnuaret, Draguseui. Poltiacbeni, 
T^ilDchaiii, Frnmosa, G&lata, öanesU, Giur^n, Horlau, llnni. Jasay, Igalie, Iwcca, 
inati. Macut. Uaizanesti. Macbnriti, MnineaÜ. Odobeati, Hnrgeni Kar^ Palea 
Bit, Pancesti, Paneni. PascBoi. Piatra. Piatra N. Piteacbti, Plojestl, Podn Hot, 
Pneiosa, Radamti Borna, Badaceni, Roman, Rogasna, Ru^now, Sarat, Sasent, 
AnoiKsti, Sitow. ■ Sntitza, Suneni. Staninesti, Stefaneoti, Tar^viste, Talpa, 
Tkkotacb. Tg. Nianitz, Tg. FrumiM, Tg. Ocna, Torao Magnrel, Tefornu«, Tet- 
iduncia, Tnlcea, Vadeni, Vaslai. 

Die rnmftuiäcbeti Petitionen haben folgenden Wortlaut : 
«All den hohen «Zionittlen-Cotigress" 

in Mllncfaen. 

Ich rnterzeichDeter bitte den, hohen Congreas, mich nuter die Zahl der 
-. . anfzuuehmen, m PALÄSTINA ai)[;eaie<ielt zu werden. 

Ich verfttge über . , . , Vennitgeu. bf-steheud in 

Ick gehe auf etgooe Ku^teu und Uefahr hin. oder auf Kosten der „Ziuni^ten". 

Meme Familie brattrht, wie andenfeits detailliert an» , nämlich 

Seelen. leb reise aus eigener Inspiradon, da ich und meine 

laiülie in Rnmänien weder Existenz, noch Zuknnft vor mir sehe. 

loh bin bereit, dem Rufe der Zioutsten zu folgen, laut Beschlusx den Cos- 
gnasea, mache keine Einwendung we.geu Fiiierimg der Zeit iles Transiiorte« für 
weh und meine Familie, und halt« Niemanden danlr vcrnntwurtttch. 

Ich bitte nur den hoben (\iQgrC4<«. mich unter die Anzuaiedelmlen in 
PALÄSTINA unter geuilgenden iuternatiuualcu iiml NtaattrecIiUicheu Garautien 
anfznnelinieu, und m^ge der i^kingress .Schritte hei 8r Majcslitt d<^ui Sultan nuter- 
oebuien, die llAchte und diu Affentlicht> Meinung Europa«! für die Sache zu inter- 
Wriereu und auf BeacbafT'in der erforderlichen Geldmittel beixuwirken.'' 



aj Telegramme. 

Argentiiiieii. 

lOt-Urta. CboTeTC Zion, presid. ing. Sun. 



^ pie Petitioaea aan Rasalaaä sind mit den Begrüaamig8acbie\be'ftiiÄV^«iJÖx\V 



— iy4 — 



Bulgariea. 

FbUippOpel. Pbiltpjiopler GesiDnnni^tigeDosaen. — InKeniuur Schanilajewaki. 
Snstscbuk. Ziun. Onniiä, Mair Cdto, .lat:ub ßebitjet, Jo«ef Rttniirlt, Bond 

Ru^obuak, Dnviil Beu.ves, Uajr SI07, Niiwim Nuiiel, Jacob Ua^cliiatli, 

Jaclifel Cboew. 
Sola. Lauilc<rabbiner. — Ing. Pctitsch. Dr. Bieter. BtunientbRl, Negier. Liiwin 

Düiiüvjei, Rj»tb, f.ndmir. Krit'dmauu. — CeotralTerein «Ziou*. — ZioDistisc _ 

Lanilettciimitft Bul^ieo!«. - Aiikeoiuische (.'ultusgemeiode, EiMoberg) 

Kisfü-tch reiber. Honi, HerscLkowiu, Kobit. Kopferwasser, Nlilb&nsoD. SilbCi- 

«tein, HcbuizmaiiD. 

Dautschland. 
BtrÜB. Stnd. phil. Golin&nii. 
Brealaa. Dr Fi »kl. 

GSId Nati<>n)iljildiäcbe Vereiinipiog. — Sani Cfaim. 
Cottboi. .lilrliitcri-nAUoiiAle (iymuahiasten. 
Daoils. nniizikfer (ip»iuniii)^4i;etiouoii. 
DannkUdL Verein .Ka-huiab". 

EydkaliDeD. Uiiwgoleitzby Albert, Simon Goldberg, Oordon Lehrer. 
Ualg b«rg. Rnitigsberit^r 6e^i□IlnugsgcnofucD. 
Magdeburg- Hermana, llai. Ludwig ScbiÜer, Pml. Geis, Philipp Ueier, 

Ulaubcr, L'Hiis und Eduard Löwe, 
■amtl. ^^cti'iubaue. - Rabin. — Dr. Riilf. — 3aUy Wolffsohn. 
■ftDchao. hVlix Po-rlex. 

■ordemey. A. Honidixch- — SRmnel Rappaport 
ScUrwlod. Ji^chetkiel FrietlinanD. 
Westerland. Leon Horowitx. 

GpoBsbriiaiinian. 

Bflfkat. H^lin^tiT /iüniM. 

Itrmlagbara. Huzznll Birminghani. 

Bonro-moQth. Dr. U na»t«r. 

Edlnbro. Jewi^h in ßdinbro Rer. patfirsoD. 

filaagow. GlaHgow Jews. 

Laadt. Leed* Ziünist. — Uebräiscber Literaturverein. 

llrarpooL Ordre ancient Mnccabaeus Liverpool — Isaak BlMki, 

Lofidoi. Ordre aiicient MarrabHens London. — Hebbleth waile, — Bsei Zion. 

■aachester MadcbeKter Zioniät. 

Rocbaster. Btttie^^ter hebrew acool. 

loatbamptoft. Herbert Beutwich. 

Italien. 

Eos. Marco Baratt). — Gci^innaDgggtnosseQ. 

Oesterpeich-Ungarit 

(mit AoBBcbloss von Uolizieo und Bukowina). 

Aista« l'aol Naftcbauer. 

Badao tiet Wien. Loebl. 

BIflUtl. .Kmmiiib". 

BrUlft- Kliijtelvereiii ^Zioii'', Obmann Loewenstein. — Akademische Verbindons 

„Vi.'rilR.H", .Zepiiirah". 
DlakOTa. Ciilumvorit«b«r Dr. Spilzcr, Herniaim Kohn, Jut. Hahler, Jaeub Fachs, 

"lit'rcHiilur Wai-iHioNDn, lloritz Gattuano, Joaef HerzJer, Kiias Scbnare, 
Dbx. It. Alliirr Fiichl. Oito Taiissig. 
Falkaoaa bei Egar. Looiwld Koho. 
fraaiaasbad. L. Rfiich. 
luhl. Dr. Karl ['.idak. 
IiBlIt -A^Ua-. Frey. 

lifAlT ralra. Jacqocf (iet\e, kgl. nog. Bezirkanehter. 
~ ri»»ad KaunL 
iU Munk. 



I 

* 



iMnbert. „Ziou", Prä^. MeiseU. 

Inttoachlo. I^i<lor robrzynski. 

■oadsee. Fürnt Krieilricb Wrede. 

Muienb&d. W. Wissockj, U. EUa^berg. 

Oderberi- Ur Beer. 

OlmQti. Zweig .Zion**. 

Tr*g Tracer GeDosseo. 

Sallborg. ^lax Koba, Ernst Heller, Uax Schacht. , 

Tt8Cli«o. I>r Adolf Leimilörfur. 

Tani»s-KQl>U. Het^inn Nailaay, Huritz Reiner, Bernb. Haj<IiHcbka. 

TLroTltlo&. Dr. KaafiiiRnii. 

Wl«n. t*r. Sinollij». — Tiiil Polac-sek. — N. Pineles. — Einzelvcrein „Favuriten". 

— Jonas WiUbeimer. — Süberbtisch. — .Ima". — Zwischeohrücker Judeu. 

— 35 Juweliere und UanufacturwareuhäDdier. — Dr. Kokeach, Dr. S. Werner. 
Dt. Jul. nod L. Werner, Frau Dr. Kornfeld, Dr. Stbwarz, Dr. <ioldberK, 
Vr. Kreyslinc und Dr. Brod. — I*eon Wei*s, Heinrich Bard, Siniou Dresdner, 

— 3I»i Jftffe. — Dr. A. Marniorek. — «Uoria*. — Bepakm. 
Ziymoil U. CtioD. 

Ocstarrcioh. 

(-^alizi'-'u liud Babowina). 

Bolecbow. Jüdische Jni^nd. — TikwaUi Israel, Prto. Blnmenfeld. 

BohorodxaDy. tUrath Ifirael 

BorysUw. ^Abawath /iou", Cbaiiu Friedmann, Arou WechMJ, Obm&Dner. 

Brodjr. Jndinche Jui^rend. 

Br-eiany „Bnei Zion-, Maiblam, Präs.. Falk, Vicepria. 

Cur kow. Bnei Zion. 

I^ohobjci. Israel Rroitt. — Zion. — J, F. Lauterbaoh. — Selie S|neler. — 
H. 0. Heroiana. — Schreier Bernhard. — Feiwel Lauterbafh. Micbacl 
/wangheiin. — Zionialinche Jii)teud. — If. Feuerstein. A. Hcbreier. 

Dalloa. Juda Leib Liltwak. 

Dttbfeoko. GroH.st^undbegitxer Samuel Philipp. 

filyDlaDf. Chaiui Raral), S. Ungar, Heinrich Meblinann. - Glyniniiyer ülanbeu»- 
^enoiisen. 

^odenko. Zionisten. 

JtbloQOW. Abraham Kenner. — Salomon Hecht. — Salomun Sark. 

Jarosiao. Bnei Zion. — Pr. Korniauy — Akademische Verbindimg ,B«ei Zion". 

Jarencu. l>r. Sam. .Schiv>r. Uui, Kttin^er, J. Lurie, J. Landau, 3Iax Lurie, HerHcherr. 

ÜwortBO. Localcomitö''d. Ahawath Zion. 

Kr&kao. CboTeve Ere/, Israel. — Sam. Leih Onuleiu. — Dr. Leopold Bader. 

Islomea. Kam'nianu Halle. — M. Schaffer. — Snumann Fischbach. — Jaoob 
BaydofT. — Ansehu BUacbel. — Feiwel Wnhl. — Lübel Taubes. — Osiai 
Fadenhecht. — M Rothfeld. — Aron Sohnster nud Kran, — Littmann 
Soicber. — Ch Drimmer. — Dr. Schuster. — Dr. Lftzar Zipper. - Jodm 
Ksesler. — Uendel Friedmann. 

CoflSOT. Darid Iltis. Jona« SchntziiianD. S. A. FlKni^ler, Jacob J. Utmk. 

Uicnt. Leib Glanser. — Eisig ['astemak. ~ Hirsch Tanuebaum. — U. Ramer 

— Localcomit^ d. Abawatb Zion. 

Unberg. Juda Leo Landau. — E. Auerbach. — J. Uayer, ca&d. phil. — Jonef 
Sprecher. — Tarl Stand. — I<emberger £ioniatiw:he Jugend. — i.'arolinc 
Ijonrie, Bronialawa, rtriinherg, Ne.iia fteierberg. — ParteiconiitÄd. Zionistriu- 
Tereinet. — Mose« Ewinger. — Kmil SÜberatein. — Öalisische xionistiache 
Partei leitnng. — D. Schreiber, Zion. — Dr. Berdye»wski. — Prä*), d, 
•AbawBth Zion", Jul. Hirtfetd. — E, Heiner. — Hoses Bohatin. ~ Jacob 
Ehrlich — Adininlatratiou d. „rrydlosc". — iTria**, Präs. A. Scborr, 
Secret. S. Scborr. — ü. Baseches. 

Roaaatariyska. Lßblich, Halpern, Lilienfeld, Aron Knpfer. — Mona<iterzyaker 
Ziooiiicn. — Uichael Komblßh, Schaje Safrin, Flillel HeaAel, Salomon Safrin. 
Jodef Safrin, Bernhard Safriu. 

ttxjdo** U. L. Tempel. 

niuo. Dt. Emuhäiuer. 

*.V 




Polgor». Jacob IL lUreiu. — Sal. Karcua. — Pinkas SUb«rfdld. 8. Cohen. — 
StarsnfuiD. — N. UeienUni. — M. I). Brafuianii- — jMcf Scbenker. — 
H Sflberfelil. — Simon Bori^Dicht. — Metuucfae Sperling, 

Pnemyil. Feiwel Euik, FL ßrandniark. — Aion Uayer, Israel Freiwillig. — 
Isiilor Uahler, — Eiue eben ätattfindende J udeareriamro 1 n ng. — Leo 
::^tlerer. — Arigtlor ftfenoelatein. 

Eob&tjD. Nageiberg. — AhawaLb Ziou. — Bnei Zion. — Sebalom Melur. 

ftfmaaow. Für die Gemeinde Jacob Lerner, Pelzig. 

&USZQW. Obowewc ZtoD. 

Hopcxyce. MoaeM Stem. — J. L. KoreU. * 

RldtDiZ. Habbiuer Sebapint I 

Itobodo. Neiger Lippe. 

lUnlsUa. Krei Jarael. 

Sollu. /'iuuH-Comit^. 

Uaam. N. Serail. 

Silatfi. /iuDitiUo. 

Slaüna. Zioniotiiicbe Gemciademitglieder. 

SkoU. i>r K. Frie'llKtifler. - Caiid. pbü. Uoae« Steiner. —Dr. fiota Fenerstein. 
— Juli« Frftiikel, Verein „I>oreche Mada", Dr. Friedlander, Dr. Er&nter> 
blflh. 'Kugel, Hatpern, Klein. — Eine oben stattfindende Versammlung. — 
1)r. Ilexcbelett, — Ein Jüdischer Socialist. — Jacob KorkiH. 

StryJ- Jrlnida h Sch^nfeld. ~ Localeomitö. — Abner Katz- — Zionistisebe Qym- 
tiajiiaKien. — Ch. Memele«. — Gebrtider Eberhard. — Dr. Nadel. 

Tarsow. I^r. Rost. — D. Flamm. — Familie Lichtblan. ~~ Ahawatb Zion 

Taroopol. Buei Zion. — Bosa Pomeranz. — Jüdische Jagend. 

Tlomact Ztonisietifereio. 

TUDobriSK- A. PlasxDik. U. Band«r, llrboni. Bienenstock, U. L«ibel. — Je 
Lüiiiru. — Verein „Erei Israel*. 

Ti»te. y.ian. 

Ottrzyki dolne Ch. J. Eiz. — Moaes Eruat. 

Zbaracz. Jo^ef SUaaermann. 

ZlocuT. Scbwadrou, flir viele Zionistem 

Sslynll. Dr. Laues. 

Rumänien« 



Bacaa. ^oeietate bicknr ofaolim. — Cbovere Zion. — Kraiu, Klein. 

BerU4. ('horeTe Zion. — Lazar Ztsser. 

BraiU. Brailcr Zioninten. 

Bicroaa. Uichael Graner. 

Bukarest. Clmreve Zion. — Brociiicr. — Redacteur Aaiel.' — Bukarester OniTer- 

sitflUsfatirer : tilem, fiosenberg, Brillant, SchCiiberger, LazarowiUicb. — Aivb 

Zwiebel. — Ziouiatiacfaer Vftrein, Präses Dr Liipe.icn, Vict^prSsea Silber- 

alcin. — Jorfef Zwiebel. — Ch, Segall. — 100 begeisterte Ziouiatcn. 
BotOKUi. l'ür die Versammlung von lOüO GlaubensgenoeacD: Leon GoldschUgcr, 

l^r llise«. Josc'f SuMmaun, Weintraab. Scnftchter, laak Ficker, Alter 

Taubpr. KÜR« K>i1iq. — Bnei '/Aon. 
Bvtachasti. Kabh, iL MarguLie». 
OMstanoa c:Uoveve Zion. 
Or&iova. t!boTcvf Zion, Prfts. Jacobsoha. 
Dorobol. i'lioTi^ve Zion. 
fitUtl. Isnu'lititcher Handwerkerrerein. ^ Anstreichenrerein. — Schneider- 

grsclk'n verein. — Israel Jung- Handwerkerverein. — PrÄaident d. israe- 

iitidchen Gemeinde, J Gol'lberg. — H. H. Cohen. 
EaikOtO. Comitft d. Ziooisten. 

JtUy. Cbover« 7.h^n. — Daa Ziuniateneomitt. — Verein «Ohole Sehern*. 
Plttra. lliirc, Kn^clberg, B<>rnbard tiud Natb. Weinmann. — Bnei Zion. 

t'hüvrvt' y.hta. — SauKOuy. — Abr. Itel, Schorr DanieL 
PlAtra H. Cbovfve Ziun. 
PlllUbt, Advttrat Romano. 
PltlitU. Vnrband drr Ziooisten. — IL Xcoman. 
tttmt, PrXaident 8cblcchter 



fltaicbtl. Moria >'eabarger. 

PlOjescbtl. Rjkbb. Breizis. 

I(D«&. (.'buveve Zion. 

Talcca. Für di^ /ioDutcn, Ool<lring. — Sam. Klluaua. 

TsTB SeTsrlo. Lok^ Htßru 

RuBsland. 
Ans SS Orten liefen 38 Telfgramine toq 45 Priratpenuaea nnd S& C-or- 
fontion«<o ein. 

Sohwciza 
Uwn. Abraham Wfil. 

Serbien* 
Itl^ad- Belgrader Zionisteii. 

TOrhei. 
Pm. Uayer. 

Vereinigte Staaten von Nordamerika* 
lalttmar«. Cbovev«! /iou. 
%u\m Boston ZioDln 
hvoUra. Brooklyn Zianist. — Feataitanng der ChOTeve ZioQ. — Dr. SioKeri 

GniUof, Roth, Waizner. 
It f^aaeiu». J^idore Wyers. — Ephraim Deynaid. 



6) Schreiben. 
Bulgarian« 

lukowo- Verein «Doreitch le Zion", Jcbnda Benbafisat^ X. Geron. 

Stytlla. B. Ttuokemer, L. Beitzer, S. Sternberg, S. Abramowäk, J. Spetiej, 
A. GrflEiberg, L. Uarku, H. Josl, J. Gasch, A. Laxemburg, Jakub Moeeef, 
M. Becud, Follak, H. Äsen. Lupu <'»mstein, S. Oniateiu. N. Gaster, 
J. FlaJKbner, Dr. Buben Bierer, Ail. Uewi, J. W. Lowitiger, Levi FrieduianB, 
H. Bmnner, M DttHabnr«, M. Ratl. M. Feldbrutdlfir. llnrko AVilzkowsky. 
U. Ürnstein. Wilhelm Leidinger, Juda Steiner, Merlaud, Ä. Lieblich, Rnbin- 
stein. Bona Gotd^tem, \'. UicbelsiibD, .losef Löwinger. Simon Gaster, 
Heinrich Dnnowitz, Dietrich L5wy. G. Schwärs, Hermann LOwinger, Sig- 
mund Unger. — Don Pessach trio. 

Deutschland. 

BtrllB. Friedrich Ilf-iurich HUUer. 
■iBtL Ohaim Perktu, lurael Rablnowitx. 
Mm. Noah Finkeistein. 

Frankreich* 

ftfb. R. Maller. — Association des Etudiant-t Israelltea Busses. 

Groeebritannien. 
lM4n. D. U. Gaster, Chefrabliiiirr der .>j[)aniMcbL>n and portugiesiscben Gemeindeu 

Grossbritanniena. — David Wulffe. — C. B. Halvay. 
■ntre&I (CaDadn). Lazarus Cohen. 

Italien. 
Iipl dt S. GlQllaAO. M. ('. Lewis. 
■nÄOftl. Dr. Feiice Momighimo. 
Uft. Jotef Uarco liamch. 

Oeaterreioh-Ungarn 

{mit Audnahme von Galisiea und Bukowina), 
4uplU. Sigm. Lfiwy, Jottef KD<i|ifelmacber, B. Redlich, »t. lug., Dr Rieb« 
IL KuSpfe Imacher, Johann Re/llich, Jo^ef Hiräcb Bedlich, st med. L. Rieha, 
Bertha Benedikt, Wilhelm Abeles, Jakub Eisinger, Adolf Fink, L Eratiaaer 
Adolf Z»it5cbek, Kninnnel Eisinger, Jakob iL Eisiuger, Max I>rucker, 
0. Werner, Ädoif Redlich. 



- 198 - 



Ut-ll«a-iÖ7«. Iflrftelitiache Fiii&lffemeinile. Josef Breuer. 

AmterUtx. lg. Kramplicck, Jo^cf äiracb, Saniiiel Kollek, Kd. Korif>c1)OQer. Jakob 
Stracb, Siffi». Rohuich, Lastig. L. Schönbnrg:, Moriz Hum.s, Michael Korperl, 
Arnold Kogelaroih, Josef Koller, Moriz Klar, Joaef Beitier, Ig. Zack, 
Ed. Fiacber, Jaliu Fürat, Adolf Jellioek. JoDaa Hikl, Jakob Jellinek, 
Jobann Maodl, 8. rtianiant, Dr. Beer, Sig. WeiDsteia. Heinr Kleück, 
S. Weioateiu. FT. Kühner, l.eupold Kppätein, Uortz Frei!», Dr. 6«biiii»- 
tsebek, Arnold Korperl, S. Hatithiger. 

Bukowitx. H. Spielttiana, TlaLncbck. Muria Baach. Siaioa Wolkenstei», Bobert 
Gach. Alfred Bnäcli. Leopold K. Basch, Max. Ebiler. Daoiel Haj-kiu, Jalioa 
Ticliy, Karl Spriager, O^kar Basch, Le-.pold CahiiiiH, Jakob Orüiier, 8. Fried, 
Dauiel Spielmaiiu, Julius Ritebuii. Alois Ei^euittein, Max Fticba, Beer, 
Daniel Kurz, N. Fest, Richard B&^cb, J. Kiiöpfelinacber, Moriz Zeid, 
Ueiurich Fä/ber, Adolf Tjcbof, Josef Schwärs. Joäef Mayer, Moria Mayer, 
Ignaa Bix, 

Brttnil. Dt. Löweastein, Dr. Weiner. Ludwig Strauer, iog. T«i«hDer Arthur, 
B«rtbold Feiwel, H. Wilbelui. N. Jork ät«iDer, W. 9oDderling, Joaef Feiwel, 
R. Freund, Ern^t Feiwel, Adolf Tau^^ii;, Jaques Feuereiaen, Jad&Wieaner, 
BroUi, A Weiuberg, ßertb. Tiiituer, Tb. Sommer, J. Bis, Rudolf Deatach, 
Rudolf 7,tint\, Rubert L&wenberg, Max Fick, Oscar Lew ith, lug. lg H{^j«k, 
Dr. S. Kornfeld, S. Hüuigsfeld, M. Kir^cbner, Emil Afran, Leo Sehtiubeck, 
Joliuä J'ooDer. J. KoLn, J. Feiwel, M. Ruber, J. Jeitele.s, D Tauaaig, 
J. MtfUel, B. Bp^teia, I>. Eogel, L. Rojenzweig, S. Lmiig, B. Oberliindar, 
S. Grütser, F Politxer, A. Scballitiger, B. äteiuer, A. Steiuer, M. MicU, 
0. Hnttner, S. Bi»ck, S. Czecxewicjk», 0. Krämer. A. Lu9t;g, E. N'aasaa, 
£. Glaser, W. Guber, R. Muiik, H. Strasi^er, Roxa Slrasser, A. Taaniff, 
B. Lamez, D. Strawter. J. Kkler, A Friedmanu, L. Schlesioger, Hanmann, 
O. Keumanu. Opp«iilieim, B Stricker, A. Mauk, 

Dses. Dr. Nalhan Friedläcder 

KibanscMtz. Darid Siuaiberger, CaUii.iTor«teber. U. Steiner, Cultoüratb, Max 
Siuaiberger, Ludwig Weiss, Jakob Eiirlicli, Ed. Jellinek, Moriz Samek, 
J. äaiuek. Suballinizer, Gustar Saiuek. Moriz (.iolduiaun, Jakob (ieriftmann, 
Julius Waldiiiatiti, Oberlelirer, üwirg Fijwlior, Mori« Finger, Tgaar, Sinai- 
berger, Dr. Ilabndl, Samuel Meier, BilrgArmeiüter, Eduard Sinaiberger, 
Dr. Weiss, Moria Jellinek, Wolf Jellinek, GuaUr Stein, Moriz Seballinger, 
G. SchaUiuger. Leopold Skutetaky, JenjiT Scballioger, Friedrich Siegmund, 
Aloiü Graidctzer, Gemeinderath, Samuel Feldmaun, Simon Hampl, Alex. 
Stern, »anjuel Pretzner, Herrn. WiJkowitsch, Cantor, Albert Jellinek, 
Ed. Wilt^cbek, Adolf Weinberger, GerdOD Friedrich, Leopold Sinatberger, 
Aloiü Pollak. Wilhelm Lj^weuateiu, Obefcautur, Iguaz Öemovuk.T. Bernhard 
Preiberger, Moriz lii^wenHohn, R. Neubauer, Salnmon Katx. 

Gfidiftg, Maria üllmnim, ReLigioiiülehrer, Sam. Wudak, Frauz WeisR, Leopold 
üolzmaun, S. Spitz, H. SamsUg. Max Seidler. Bm. Feuer, Arthur Wein- 
berger, Bmaoue) Fanto, Marcni.H Frah, Adolf Morgenntcm. Berob. Körner, 
Josef Wiat*r<tprn. Arnold Kornfeld, Adolf Wodak, Alois Schleiinger, 
E. Müller, Simun Merk, Hennaau FJeiaNig, Bernhard Kohu, Karl Komer, 
Adolf Jokl. Aloiü Fi.tclier, Simon Fincber. Iguaz Wasserrogl, Caotor Ig. 
Schmidt, H Hond.«heiu, Wei«, Arthur Foult. 

Kanltt. UraelitUche Cnltnügenieinde. Der Cnltosvorstfiber Sigm. Haas. — Fttr 
die Ferialverbinduug „Astra"., Josef Frey. 

Kostal. Josef Eisinger, Oberl. i. P., Siegfried Eiäingcr, HermaDU Eisinger, Jakob 
Kisinger, Bertkold Eisinger, Bernhard Eisinger, .Tobann Neumaon, Ilennaun 
GJasapiegel, Adolf Löwy, Adolf Kohnberger, Ju.sef Jlirnch, Josef M. Eixingw, 
Emaiuiel Blau, Cantor. Jakob Lftwi, Heuiricb Neumann, Emanuel Neumaua, 
Aloi» Vielgut. Julius L/jwy, Salumon Eisinger. 

bemsler. Karl Liebmann, Cultuavorsteher, Rudolf Pollak, CaltnaTorsUiber-Stell- 
vertreter, Magister Pollak, pr. Arzt, Michael Vogel, Lehrer, Bernhard 
Baumgarten, Lehrer. 

LllulU. Jouef ättiiuhauer, Adolf Spitz, Wilhelm EUner. Joaef Dontsch sra., 
Leopold Bauer, David /eisel, Josef Sagher. Moria Lieber, Josef Deutsch, 
Leopold Gersimantt, Dr. Simon Wolfäobu. Rabbiner. 



llh-VtUskircheB. im Xamca der 700 jlidiiteheD BUrvc«r AIou Hiiscolield 
ili V.»f«iU''inter. Rudolf Löwy als Schnfitlllirftr. 
hctkod r>r. H. ljnii«jii, Rabbiner. 

kQti. Ttn Nameu iler Btlr^^ udiI ätndeDtea: S- Zweig, Brncker. 
■ng. Hen I-rael. 
|lhK.-ErAdi3ch Schallini;er, Arxt, Dawid Zweii^cnthal, Jakob Kreiiii, Kidor Pontiat, 
Hf^ruuLtiu Spiffi^ier, Uoriz Schmitz, AJui4 Grofaalicbt, Satiiiioi Wei.^s, RadoU 
Wiiit4>r, Max Kai-'U'r, Aloi» Zweitjeutbal, Kd. \V«itziuaiiii. Jakub Kbrtiu- 
(reiiad, Kathan tia Kbreiifrenud. .losef Lauiberg, £iluard Wiuter, Josef 
Kliuger. Jfld.-akad. Ferinlverbiiidnnif „Acbiwa", 
f\tt. Ui Namen d«r akad. Verhiiidiing .Libaitonia": K. Alttnami, Th Mfliler. ~ 
BmÜ Jellinek. — Hicbael TaKto, Itabbiuer der tOrkiscfaeo Oemeitile. 

Oeaterreich. 

(Mallairn und liiikowla».) 

Tdwarjryntwo „Bnei Zion" 

lusici. ßedattiou „Sifre iH.-baa.'ichnjiia'*. 

OmtlcbDWve bei Zbaraz. Wolf Ooldibcb, Jecbiel Scbwsrz, J. WabrhBr%, 
A. Teiielbaom. (8 unleserlich'. 

fecrUlJW. Beri-tcli Meiuhari Aroii SiwanE. Hertch Blank, Rerl HntHiier jiiii.. 

Sucbire Bersutaiin, Alter Kupcht. Chaiui Israel Kunibiuth. Sitiicli>* Kintel, 
Uu^e-t Hxfiiihaiit. Meteliol KtaMer, fierMou Leib Wei«(.mauii, rhitim Dawid 
QirubTic. &lpi-l]«>l H"rn»t{-in, Ucrscb Plauiitaiiii, Dfiait AllmaiiD, E|e 
Winkler, Klia-i Hersch Timer, Niiebim Beüiier, Müsbh SaUi»afb. Meyer 
HrlUTbach, Uordcby äbaikn, Mennchii» Attoaj, Jo>ef Biichber);. * baiui 
Herx Treinhnwier, Uejer Rjitb. Aba HTlInianu, Salooi 'U Ilerncii Bonuen- 
Bcfaein, Osi&n Rleamer, Her>iL-h Sob^juicbard. Abrahaiu Kor'blUtb, Meiiacfaiui 
>ilherniaiiii. Ifiak Küas BKcker. Aron Kintcbuer, Knchmiel Gritimiianu, 
DA«id HAiimer, Ivel Reiaa, Cliaim Herscfa Hellinanii, Josel Uellpr. Mendel 
tietter. Jacijb Kir-'t.'huer, Sainul Winter, Siiiiuu Uö lel. Szaja Szlojray 
Fiicbtiial, ä:tmuel Altninn, KUna Ufyer Tiiny«, Dawid Barbar, Uak Rei»», 
Uexdcl J. SzADt^er, Marcus Gtaswr, Jona Weingattt, Saluteu Ruseublum, 
Senp^e Reiustein, .Snlomou Krherie;ei. SAmael Katz, Urael (Jeiter. Jada 
Leib Heraoir, W.ilf Oet'er, Tobie Sxwarz, .Nnseu Hellerbacb, Mose^ Sonnen- 
schein, Hen*ch firUudlingrer. Meyer Lande, Samuel Le^tn äs-trr, Samuel 
Kt»rn, l*ali Fiukplmanu, Wolf Budjai^er, Rubtu Knecht, Jacob L*it> SKwan, 
Kitpel Sundel, Uecbel Saue Preintann, Uo-ieM ItoMeiihlum, Rarnch HrrMh 
Rir4L, lletfhel Fiatzmaun. Leib R<).«it, S.<l(inion Szdn, Rubin rrciiiiiiger, 
Benzion Rauch. M«J4cbe ReiM, ^<alonlOD Stadmann, Joel Uansner, Leuer 
StlxiDGrer, Israel Inäer, Jnda Fränkel. Ei->)(^ Hodinger, Jo^ef Uellmann, 
Simuel Kanei, Hersph Winter, Mpy«r Martfulies, Mendel Tischler, Meilach 
Rnnchcr, Nriwten Hellerhncb, Meii<li'l Sunuenrtchcin, Abiabam KoritbluUi, 
Cfaaim SouiiciiMchein, Sninutl Ltib Hilman. iiuseH Szloiuow Jqz. Dawi*! Ruth- 
leder, NarliuiHu fliTsch Blitz, Is»k Wolf Blitz, Samael Blitz, hak Fleiscb- 
mauti, Si\l<iiiion A^zkenati. Meudt^l FiUik, S.ttuuel Falik, .1o<ef Bucbberg, 
l'haim HT'^cb Hellmnnii. Jacob Z>^ieback, Muses Lande. Marcu-s Glatter, 
Dawid liiMzfi. Israel Hausuer, Itak Uxusner, Mecbel RausDer, U:irctu 
8zwafz. Hervcb Axelrad, lo^cf Rubel, Herscb QobNtein, Nuchim Stocket, 
Jonaf R inf^nzn-fii;, Juila Szäcbter. Beinaob Aiman, Cbaim Horowiix, .losef 
Oeizer. Hcn^ch Karbtir. Kidi^ Kleiiiniituii, Samuel Nu)t.iti)ibanm, Cbaim 
Uccbc^l KiliuK, Moite.H Chane, Jäj^emdttrf, Chaiiiue Oi^rstner. ^muel Mar- 
ffnlteK, Hechel Pouieraaz, Jooef WViaranb, Her^tcb I^eib Fuchs, Uildl 
HaiUDer. O.iiaa Kriih. Jacob O-ttersetzer, Leon Rn-teuzweifc, Mo.oes Ssorr. 
Dawid Seiden, 0*wid EllinK, .lo^ef Marijulies. l^ak Kftnix-iberg. Leib 
Szwebelt Cbaim R-i^t, Herich Wei-«3uiattu. Abraham N'tt^aeitbaum, Mecbel 
Nn-Henhaum. Mechel Hurriniein, Sim*ou biticher, i'baim Blitz, Iitak Klias 
Bftcker, Uak Hzf>iikelbach, .To^ef Szwarc. Kilioi Hauxner, (iedaüe Kuliu, 
Don ILttteiizv/eie, Kalmen, .SdumierHchetii, larael SoUDeii»cbeiu, iJawid 
Soiineunchein. Abrnbncu Barlijj;, Mt>yer Szwarz. Mi*udel Roiieiizweit);. Jona 
ZacbuiauD, Jacob Hiia^uer, Berl HAUsuer, Samuel Azfilrad, larnel J Boseo- 
zweig, Samuel Laude, Elias Gramm, Israel Cbaim Meiuhaid, Lcrou ^tqiya%.\« 
laak Boaenblatt, Heniiaim Täter, Lelbiitch Piftler, Hhuou "äW^, VjAjdtäft 



— 200 — 

BoBcnblatt, Berl Jiger, Dawid Pollak, Herscli WeissmaQ, S. Jolle«, Uosa 
WeissmaDU, Oi. Händler, U. Barbar, Jacib Leib Haiiditchnb, Naehmea 
Cbi^et, Jacob I>awjr) Kabio, Abraham Salzinger, Leider Bruclcjier, Uo«e« 
Berl Lande, Mari-it« SüTnlic-b, M. Kder, Chaia 0«ria Neid, Osii« Lande. 

Drotiobyci- t »rtiig-niiipe Abawiu Zinn. 

Gotogory. Rabbiner LoK.ir Uiscbel. 

Jaworno. Fein-eL GrusH, .Tuaef GroM, Äron jQzger, A. SilberHchats, K. Klein an» 
Podgiirze 

Erakaa. G. L. Ilontwitx, Rabbiner-Slellveitreler. — Jiüitia Scbönwetter. 

Lemberg. Ma MwriLK. — iyd ste Lwowa. — Klias Grünberg. 

LobieD wielk; bei Lemberg. Im Namen der ('nrKJistc: Samuel Wa8»eruiaDU. 

fl&dloir. t »ri-syrupiift des Vereloea „Abawag Zloo*". 

Robntyn. Kanfmänniscber Verein. 

Rotoiatow. Ort.>i|a:rui»pe des „Abawaa Ziou". 

ftozDOW S»liimiiD {lbiH>r. 

Seretli. ['inkiH Rurütyn, Bfxirkitrabbiner, Kalmann Hecht, Tobias Hecht, Dr. Beu- 
liPiidiirf, Samuel Raiipaport, Akiba Schreiber, Keiwel Lenzer, PelU Weiu- 
laob, luriel Zelter, Leiü Perelz. l>avid Achaelrod, Uax ächalbaom, Mendel 
Ritteraponi, Isaak W. Wielacb, Eisig Sommer, David Gotteämann, Meodel 
Gotteamann, Mendel Klein. Alter SchäfFer, Marcus Bai, Feibisch Klinger, 
Julius Auerbach, Abraham Beer, Uarciu Wechsler, Jakob Wolf Üabe, 
Meudel Kacxer, ßcnj. Horoiritz, Wolf Goldächläger, lleier KJeiii. Alex. 
(tolddch läger, Uracl Häudl^r, Jakitb Stetior, I&omm Ueier, Isaak Jamfolsky, 
Isaak Klein, Benj. Medier, Scbiilem Hajek. ixaak Rosenkran/,. Meilecb 
Glucbner, Abraham Blaufeld. Mechel Weideufeld, Elia:* Berler, Abr. Beer^ 
Herach Weiutraiib, Jnda Dawids, Jakob Wentucb, Moses GftldsdilSjfM-J^ 
Jakob Nafll«.'r, Joaaä Berger. Elias Fleiscbor 

SUnlslaa. .1. L. Z^vcig. 

StryJ. A. J. Kreid. 

Stryjewka bei Zbarate. Salonio HurowiU, Finclia« HorowitE, Blieser Auerbach, 
David i^chafkopf, S. ^Medniann, <2 unleserlich). 

Dstrzyki doloe. 60 mei<<t unleserliche hebr&isebe Unterschriften. 

l&lMZCzyky. Aron L. Lagstein. — Filr den Verein ^Zion" : Jnda Elias Banmaniif 
Eliaä Glaser, Banich Koffler, Feiwel, Seidmaun, Oäkar Glaaer, Aroa 
L. Lagsteiu, Ni^ion Getsler, Josef Qlaser, Dawid Uamick, L. Linder, 

Xarycxow. Verein nDoresche Lesion". 

Zh&ru. Ortagnippe des Vereines nAbawaa Zion". — Verein nHae^onim Hzehirem* 
(Die xionistücbe Jugend). 

RufnSnIeiia 

BottoschtD, „Bnej Ziun". 

Galatz. Jei^nja» Wechsler. 

Ramalosa. Kitas Klein. 

Platra. Todnw Lehrer. — B. Samsouy. 

Pltest. Mori/. Ncuberger. 

Tarna. Ferd. Goldistein, Marens Cohn, Edmund Jeitner, Jos. Dlo, J. L. Drechsler, 

Paul S. Paiiitz. B. Chaim BuschanofT, J. S. Braunatein, Hennann Biertco, 

M. Fftdmaun. Jakob Hirsch 
Taslll. Nafuli Marcus. 

RuMland. 

Begrilamngasch reiben nnd l'etitionen langten ein ans 63nsHiMhKl 
Sie bugen Eosammen 8651 Unterschriften. 

Türkei. 

J&fk. «Bnfj M^tscbe*. — 61 I'ntHrscbrifteu. 

■eW'Tork. „The Lovers of Zion". — Shorey Zion. — The amalgsiuated Zioniatic 
Organization« of Greator Neir-York. — Key. Dr. H. Pereira Mondes, — -^ 
>r. Michael Singor. 
k-Brooklyi. Ckowewe Zion. 



iaaoh Dm, WUm, ^mM^i^Äo«» 



c V - r 



/ 



Stenographisches Protokoll 

der Verhandlungen des 

n. Zionisten-Congresses 

gehalten zu Basel 

vom 28. bis 31. August 1898. 




WIEN, 1898. 

Bodidrucl^erei ^duatrie", Wien. — Verlag des Vereines ^Erez Israel". 



\ 




I. Sitzung 



Am 28. August. 



Beginn: lO Uhr Vormittags 



Vorsitzender: Dr. Theodor Herzl. 



•r«lU«i»4«r linil jiil'vliiilein iiiinuienUiriu:>'iii HtMlitU iin'l Hiinilckltitärben» 
luii liiii^i: jinhnhcii'l.'n HochruCen st*iti*ns iloi* WrsnmniUinjf iiml der 



Geehrte Congressiuilgliederl 

Der Zionismus hat einen Jahresring angesetzt, seit wir zuerst 

'fcreammeli waren. Heute sind wir abeiTnals hier zu&ammengö- 

■ >ninien, weil wir toinen besseren Orl timlen kJinnlen, und \veil 

Band von Djukbarküit un> nun inii dieser Stadt verknüpft, in 

tiT unsere vunieni lieiiiiatlosc Bewecunp alle Wüiisclie und He- 

liwerden (gedrückter Menscüeu aiissj>recheii duvtte. (Lebhalter 

itatl und Händeklntschen.l 

Als ein Fremdes, vieh-n Unbcareiftiches war die nette jüdische 
'ewegnng vor der Well autg:etRnchI. Miuiclie hielten sie fär ein 
iospenst aus verpangi^nen Zeilen. Denn das jüdische Volk war ja 



lodt und verschoUeu. Wü* aber hatten dunkel gefühlt, bevor es 
in unser Bewusstsein trat, das» di(»s nicht walir sei. Der Tod ist 
ja das Knde aller Leiden; woher kam es also, dass wir litten? 
(Sebr guti) ISo hat sich uns der Spruch des Denkei-s gewandelt: 
„Ich leide, also bin ich!" Und allniÄhlieh, von Unbill zu Unbill, 
nalim diese Eikenntnis lästere Formen an, bis das Volksbcwusst- 
sein lertjg dasland, auch noch nicht Gemeintj^ut aller, aber mit t^iner 
starken Fähigkeil ausgestattet sich zu verbleiten. Und wüklich, 
es drang weilei-, Köpf« und Herzen ergreifend, alt und jung wer- 
bend, und der ei-sle Congress der Zionisten war bereits eine 
Kundgebung dieses ins Leben zurückgekehrten Volksbewusstscins. 
(Lebhafter Beifall und Händeklatschen). Aber es gab manches 
emste um! schwere Bedenken gegen die Einberufung einer solchen 
Versammlung von ßüigeru verschiedener Länder. VV^iirde nicht 
von unseren Feinden die Beschuldigung erhüben werden, dass wir 
einen internationalen Bund gegen unsere christlichen Mitbürger 
schliessen wolUen, würde dadurch nicht unsere Lage in den ein- 
zelnen Lfinderu noch verschlimmeit werden*:* I*em gegenüber 
haben wir von Anfang an mil aller DeulUchkeil betont, liaben es 
durch jede unserer Hiindlunpen nrhärtet, dass wir durchaus keinen 
internationalen Verein, sontiern nur die internationale Discussion 
wollen. (Allgemeine ZitsUmmung.) Und das sei liier noch cinntal 
zum ewigen Gedächtnis wiederholt : es kanu sich bei uns nicht 
um Bftndeleien, geheime Interventionen und Schleichwege handeln, 
sondern nur um eine offene Besprechung unserer Gegenwart und 
Zukmttl unter der besländignn <!ontrole der ftfl'entlidien Meinung. 
(Lauter Beifall und Händeklatst-hcn.) 

Es niuss der Ton der Wahrheit in unseren Worten ge^^esen 
sein; denn der Congi'ess hat vielfach Theilnahme hervorgerufen 
selbst bei denjenigen, die den Juden vorhergleichgiltig oder untreund- 
lieh gegenübergestanden. .Jedes ehrliche Volkstlunn, das sich nicht 
unter trenidcn Masken vorbirgt, hatein natürliches Hecht auf Aclitutig 
und UukUnig seitens der anderen Volker, wenn e^ diese nii*ht bedroht. 
(Lebhafter BeitaJl und Händeklatschen.) Vergessen wir selbst in 
unseren von Antisemitismus verdttsteiien Tagen nicht, dass eine 
grussmiitbigere Zeit vorhcrgegantren war, in der uns alle CiiUur- 
völker die Gleichberechtigung schenkten. Der Wille war zweifelloi 
ein guter, aber der Erfolg war kein genügender. I*ag es an uns* 
oder lag es an den anderen ? Wabi-schenilich an beiden oder viel- 
mehr in den von lange her gewordenen Umständen, die sich durch 
Gesetz und Verordnungen nicht abschafTcn Hessen, Die fieseliö 
waren freundlicher als die Gewolmheiteti. Und wir erlebten tien 
Kückschlag, diese colossale Regung der Keue bei den Völkern, 
die uns soeben in Gnaden aufgenommen halten. — Aber aus der 
Eniaocipation, die ja doch nicht rückgängig zu macheu und ans 
dem Antisemitismus, dev ja doch nicht wegzuleugnen ist, ergab 



— 5 — 



neb f&r uns eine neue, gross« Folgerang. Es konnte nicht der 
|(e«cliichtlicho Sinn der Emandpation sein, dass wir aufliören 
&[)lltpn, Jiuion zu sein (Lebhafter Beifall und Händeklatschen), dnnn 
«ir wurden zurück i; est essen, als wir uns mit den anderen vermischea 
ffolliHn. (Allgemeine Zustimmung.) Per geschichtliche Sinn der 
KuiDiicipaiiou nmsste viclmelir sein, dass wir unserem betreuen 
Vi»lk»ihum eine HeinistäUe bereiten sollten. Das hätten wir Irüher 
Dicht vermo<'hl; wir können es jelzt, wenn wir es mit aller Kraft 
nullen. (Stürmischer Buitall und Hiindeklatsehen.) 

Es genügt nicht, dass wir uns als ein Volk fühlen und er- 
ki»Dnen ; nach dem Volksh^wusstsein nuiss auch der A'ülkswille 
«niFiichen. Auf diesem Punkte gab und gibt es aber manche 
»diwierigkeit. In einem langen Elend haben wir uns des eonse- 
(pifiiU'ii Wollens entwöhnt, uiul Aspiralitpueii. die jedes andere 
Vdlk uiclit nur nicht verbirgt, sondern al^die grösstö gemeinschaftliche 
EliiepÜegt, wagten wir bislier nicht laut werden zu lassert I>a wir es nun 
frudlich Üiun. finden wir den passiven Widersland von Leuten, die 
jedfr Veränderung abhold sind und auch die unbequemste Lage 
ftlx Träghe.ii beibehalten wollen, ja wir ütossen sogar aitf die 
Ff] H'.-H;ijk.'it gewisser, sozusagen (ifficieller Kreise des Judenthnnis. 

tl'hM i'i> iieinung war nauientlich in deu IVotesten einiger Kab- 
iiinerauAülltg. Ks wird immer zu den grossenMerkwürdigkeitengehören, 
dass die Herren gleichzeitig unj Zion beten und gegen Zion auttreten. 
(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Der Widerspruch dürfte aus 
iüier antimglichen rnsichfrheit. zu erklären sein, üb denn die Ge- 
meinde aucli mit dem neuen Zionsruf einverstanden sei. (Selxr 
riclitigli Indessen kann eine Idee wie die ansenge nicht auf das 
Vei-standnis der bisherigen Cultusvorsteher und die Nützlichkeit«- 
Eiwilgungen ihrer Seelsorger imge wiesen bleiben. Fast überall 
nd die iireiten Schichlcn für uns. Diese bilden und erhalten die 
itiemeinde. Folglich nniss auch in ihrem Sinne gehandelt werden, 
bhatter Beitall und Händeklatschen). Wir haben den Gegen- 
biüher aus briiiiei liciier Schonung nicht hervorpekeUi't; aber 
lieh i&t es nothwendig, darin Wandel zu schaffen. Es kann 
il länger so bleiben, dass in jüdischen Cultnsgemeinden gegen 
agitiert wird. iSlürmisrher Beifall und Hiiideklalsclien.) Ea 
ein widersündger, uuniöglichi^r Zustand. Wir müssen ihm em 
ide bei eilen. An allen Orten, wo der Vorstand nicht schon 
ihuebiu zu den Unsrigen gehört, mnss eineVVahlcampagne begonnen 
n. Männer, die würdig und fähig sind, solche Ehrenämter 
«kleiden, und die uns in der Gesinnung nuhestehen, müssen auf 
en .SihiM gehoben und in die Gemeiudeslube getragen werden, 
iiti Namen der nationalen Idee. iLebhatter Beifall und Häude- 
klaLschen.) Die Autorität der Cullusgemeinde, die Mittel, über die 
«tf v*;rfügt, die Personen, die sie erhält, dürfen nicht gegen den 
Tolk-gedanken verwendet werden. Darum glaube ich in Iluem Sinne 



zu äpret'hen, jjeehiteCougressiiiitglieder. wemi ich aJs eines unserer 
nächsten Ziele die Kroberung der Gemeinden hinsietle. (Allgemeiiie 
ZusUnininng.) 

Ks ist dies auch der loyale und legale Weg. den zionistigcheii 
Volk>willen in die Ersclicinnug trelen zu lassen, nicht nur in der 
jährlich einmaligen Beiathung. die um? hier versammelt, sontiern 
auch in einem Wirken aller Tage nnd gleichzeilig auf allen Punkten, 
wo Juden wohnen. Es ^'enitgt nicht, dass wir dKvnu wissen, in 
welchem l'mfange der zionisiische Gedanke die .ludenheil er- 
giift'en liut; die Thatsache mui=s auch sr^zeigl werden. Der Wahl- 
zettel ist dafür das KL'eiKnt'l*". vüUi;.' eitMvandfieit' Mittel. 

Ausserhalb des judentliums haben unsere Bestrebungen bereits 
viele wertvolle Sympathien, und es i-egen sich nur Z weitet, ob 
denn wir Zionisten nicht ein vereinsamtes, wunderliches Häutlein 
seien, dessen Verpiclierunpen und Absichten nicht ins Gewicht 
fallen können. Die Eniherung derGeineinden wird beweisen, was 
wir vermögen. 

Wenn wir die Sympathien der nichtjüdischen Well fiu* un- 
sere Bestrebungen herbeiwönschin, herbeirufen, sn tindet man auch 
daran etwas auszusetzen. Ja, dieselben Leute, die uns den Vor- 
wtirt machen, das-i; der Zinni^nnis neue Scheidepnenzen zwischen 
di-ii Menschen aufrichte, mäkeln daran, dass uns die Freundscliall 
christlicher Zionisten willkommen ist. ITns ist es aber nicht etwa 
eine niediige Sache der NQtzlichkeit, wenn wir die uns so freundlich 
entgegengestreckten Hände drucken. Ks zeigt sich darin vor allem, 
dass dem Ziunisiwus eine versnhnende Kratt innewolmt. tSlürmi- 
scher Beifall nnd Hiindfkhitschen.) (jedauken, rein von Hass. er- 
starken aut diesem Boden. Wir hallen unverhrQchlich an un- 
serem Judenthnme tesl (Lebhafter Beitall und Händeklatscheu) nnd 
gewinnen dennoch Freunde von edelster UneigenniUzigkeit. Ist 
das so schlimm r* Wir, die an^-eblich neue Unterschiede schatten, 
bringen durdi einen milden Versuch die Menschen einander näher. 
Wir wenden dazu keinerlei Künste an: wir geben uns nur als das, 
was «Hr sind; wir sagen eintach die Wahrheit, (Beifall und Hände- 
klatschen). 

Und die Walirheil ist es ancli, dass wir solche Krennd« 
brauchen. Das Werk, das nns vorschwebt, wollen wir zwar 
aus eigener Kiatt thun; aber viel Wohlwollen niuss uns datrei 
umgeben, sonst kann es nicht gelingen. Wodurch verdienen wir 
uns dieses WohlwollenV Dadurch, dass wir eine ohne unser Hinzu- 
Ihun nicht lösbare Frage lösen, die auf mehreren Landern lastet 
Denn die JudentVage sucht manche Staaten schwer heim. S?ie werden 
bei der Besprechung der allgemeine Lage im verwichcnen .Talu'e 
hören, wie zahlreich die Beweise tür die Nollnvendijrkeit des Zion- 
ismus leider auch heuer gewesen sind. Bald da und bald dort, 
jetzt im Süden und jetzt im Noiden, springt der Judenhass anf; 



kein CalturlamJ ist so westlich gelepen, dass es diese alte Hot^e 

nicht behi>rbcrpte ; kein»; Malbcivilisution Ui so zurürkifeblieben, 
lilass sie die nt'Ut'steii Formen und Schlagworts iiif ht kennte ; 
MSehr richtig!) Pöbel rast plötzlich durch die Gassen, und beim 
|FAiier>'cbein \v\n\ die jüdische Hab», zuweilen auch deren Inhaber, 

^fsiört. 

Aber das ist nicht das Aer^te. Nicht das Blutvergiessen, nicht 
tdi(? Ver^\*fi8iHrijff*M. nicht die Besi-himptungcn sind das Aerß:!ste. 
I Diese Unruhen richten einen schweren Schaden aii in der miss- 
[la/idelten Seele unseres Volkes. (Lebbafler Beifall.) Sie untergi'aben 

iruiiier wieder d«s Rechts- und Ehrgefühl, gie machen die Be- 
Itrulfenen zu Feinden einer stiefniütlerÜcht'n (■Jesellscbafl, in der 

vilrbps geschehen kann. Wundern wir uns nicht, wenn die Pro- 
[ Jetarier unter den rroletariem, von allen Menschen die Verzwei- 
Ifeftsten, bei alteti äussersten üwstin^parteien zn tinden sind. Won- 
[tlpm wir uns nicht : bemühen wir nns vielmehr eine Besserung 

tiwbeizufühiPii. (Lebhafter Beifall.) 

Von weiterblickenden Staatsmänneni darf vielleicht erwartet 
en, dass sie die giuize Gesellschatt:*gretahr erkennen, die in der 
Hosten Judentrage liepi. Die Juden ^eien ein zei-selzendes 
Hemerit, sa^'t man gewrdudich. Hüben und drüben täuinelt man 
Von L'urecht zu Unrecld. Da wir aber ein aufJ^aueudes Kleraent 
den Juden machen wollen, so mussten uns in guter Ijügik alle 
■ '^n unterstützen, die nicht winwchen, dass die Juden alles 
.: .1. jLebhatter Beifall.) M'ir sind hereit^ die Bauzeit des Juden- 

[liium» liHiheiziitOhren — alles haben wir dazu in Hülle und Fülle; 
Sie Mcusciien, das Material, die Pläne. Wir brauchen nur noch — 
Ipu Bauplatz. (Lebhafter Beifall) 

Freilicl; hi der. welcher ITir nns taugt, ein Bauplatz von be- 
onderer Art, Kein Heck der Erde ist so hegehrt worden wie 
|i8ser, und so sehr haben ilui viele Völker gewünscht, dass er unter 
deni heissen Verlangen verdorrt ist. Wir aber glauben, dass 
lieber verödete Winkel des .Morgenlandes nicht nur eine Vergangen- 
beit, sondern auch eine Zukunft hat, gleich uns selbst. {I^bhaller, 
^dauernder Beifall unrt Händeklatschen.) Aul diesem Boden, auf 
ein jetzt so wenig wächst, sind Ideen tUr die ganze Menschheit 
fhsen. Tnd gerade darum wird niemand leugnen können, dass 
_uoverJährb;ire Beziehung zwischen unserem Volk und diesem 
»nde besteht, i Lebhafter Beitall.) Wenn es überhaupt legitime 
iLnsiirüch** ant ein Stück der Krd()berfläche gibt, so müssen alle 
Völker, die an ilie Bibel glauben, das Recht der Juden anerkennen. 
^bliatter, antlauernder Beitall und Händeklatschen.) Sie können 
|tt »her auch neidlus und »dine Sorge anerkennen, denn die Juden 
od k*^ine politische flacht und wei'don nie mehr eine politiäche 
iMacht sein. 



Wie es bei der Besitzergreifung durch eine der bestehenden 
Jlächle, sei es welche immer, wäre — das ist eine andere Frage. 
Das I.aüd ist »iclii nur die Heimat der hdcbsten Ideen und des 
uuglückliclisten N'olkes, es ist auch duicb seine gfopiaiibisdie IjAge 
vnn bedeutender Wiclitigkeit für ffanz Europa. Da wird in einer 
Zeit, die nicht ferne sein kann, eine Cnltur- und Handelssti-Ässe 
nach Asien führen. Asien ist das diplomatische Problem des nächsten 
Jahncehnt:?. Wir dürten vielleiclit in aller Bescheidenheit daran er- 
innern, <las.s wir Ziouisten, denen man so gerne den praktisclien 
Bück at)spriclit, diesi? kommende KntwickUmg des europäischen 
Wettbewerbes um einige Jatire früher als bevorstehend erkannt 
und angekündigt liaben. Man sieht heute sciion. u*ie das geht, Sie 
wissen, mit welcher Aninierksamkeit jeder Schritt tiner Macht in 
diftser Kiclilung von den anderen beobachtet wird. Und wenn der 
modprnste Kürst der bewohnten Erde in nächster Zeit eine FahH 
nacli den Iteiligeu Stätten onteruimml. so hört man aus den Com- 
mentaren der nffentlichen Meinung aller Ulnder eine gewisse Be- 
klemmung, ja slelleiiwcise sogar offene Feindseligkeit heraus. Dieses 
Land kann und wird wohl nie in den Besitz einer einzelnen grossen 
Macht gelangen, denn es ist das bestbehfilete; es wird nicht nur 
von seinem jetzigen Eigenthümer, sondern auch von allen übritren 
sorgfaltig bewacht. 

Wird es ahso bis ans Ende der Tage in seinem ^gegenwärtigen 
Zustande verbleiben müssen ? Das wäre wohl (ür alle Theile be- 
dauerlich, ebeu weil allgemeine Cultur- und Verkebrsnothwendin- 
keiteu davon abhängen. Das osmauisthe Reich hat seine unverwüst- 
liche LvbMMÄkratt im letzten Kriege neu l>ewiesen. Die Türken haben 
die vorzüglichsten Kigenschaften. sie sind tapfer, prussmüthig. auf- 
opferuug^tähig — nur die Eigenschatlen, die zur Cultivierung und 
Industrialisierung eines Landes erforderlich sind, besitzen sie niclit. 
Das ist eine Thatsache. Dainm wäre für sie die Zuführung eines 
iriedlicben, unlernehmnng&Iusligen Volkselementes, welches gerade 
die dort enlbelirlen Eigenschaften hat, tür die Türkei eine Stäikung. 
ehie Bereichernng. 

Es ist nun unsere Aufgabe, an der wir unablässig arbeiten^ 
die Beilingunireu für eine Verständigung in dieser Hinsieht her« 
stellen. Wir dürfen sagen, dass der tiukischen liegieruug die voH 
konmiene LoyHlitäl unserer Bestrebungen wohlbekannt ist. (Lebhaftl 
Beifall) Wir woilnn kfine .\nsi(*dler einschmuggeln ^Lebhafter Beifat 
und ühnliatipt keine Tbatsachen zu srhafl'en versuchen ohne vor- 
herige Abmachung. Wir härten näinUch keinerlei Interesse daran, 
eine wiitschattliche Kräftigung der Türkei herbeizuführen, wenn 
wir dah*^r keinen Gegenwert erhielten. Die ganze Sache ist nach 
dem eintachsten Receple von der Well äh machen. Es lautet-: 
do ul des! (Lebhafler Beifall und Händeklatschen.) 



Jie Frage ist nun, wie das weiter zu bewerkslellipen sei. 
Wir haben stliou auf »ieiii msteii Congresse die XotliwenUigkeit 
[erkannt, ein tinan/.ielies Inslrunioni tür die Zwecke unserer Be- 
wegung zu »chatVeu. Das soll die jüdische Colonialbank sein. (Ijeih- 
batt«r ßeitail und Händeklatschen.) Ks ist ungemein charakteristisch, 
ilass unsere jüdischen Gegner niiä durchaus niclit die Fähigkeit 
zitlraueii wollten, ein solches Werk zu Stande zu hnngen. Aber in 
andren Keihc:n stehen ja nicht nur Künstler und {'hilusuphen, 
Gelehrte und Zeitunpsschreiber, Advokaten, Aerate und Techniker, 
sondern auch eine fitattliclie Anzald von Banquiers und Kaufleuteu 
Mb aller Herren Liinder. Zum erslenmale wurde da bezweiffit, 
(la*s .luden eine Bank madien können (Lebhatte Heiterkeit) — und 
well diesmal haben sich die Zweiller treirrt. Die jüdische CVilonial- 
fatak wird biinicn kui'zem pioKraninigemääs ins Letten treten. (Leb* 
bfttler Beifall und Händeklatschen.) Nach den Ergebnissen der 
BAnkconrerenz dürlen wir annehmen, da^s die jüdische Colunialhank 
Doch im L;uife dieses Jahres ihre peschältlicbe Tbätigkeit beginnen 
tt'ud. (Lehhatler lipitnll und HÄnileklatschen.) Im übrigen will ich 
; (iem Keferaie der beauftiagten Fachinänner, das Sie iiöreu werden, 
(niclit Tor^rreifen. 

£s sollen Ihnen noch mehrere andere Referate vorgelegt 

|w*rden. Aus allen werden Sie hoffentlich erkennen, das.s dieses 

[Jahr nicht unhenfiizt verstrichen isl, und diws wir in p;eduldiger 

'und hoflnungvoller Liebe unserem Ziele zustreben. Auch auäserhalb 

dieses Saales wird man einsehen, ihss wir keine hoclifahrenden 

Träume hegen, nichts Thörichtes oder Ungerechtes wollen, sondern 

nur eine Existenz der Arbeit Idr unser armes \'olk. weil wir einzig 

Lntid allein von der gesiclieiten Arbeit seine silHirbe und körperliche 

[Hebung f'i-warten. (Lt-bhaiter Beifall und Händeklatschen.) Danun, 

iarum haben wir es /.unäctist unternommen, unser Volk unter 

Dem Ideal zu versammeln. (Lebhafter Keilall nnd Händeklatschen.) 

Das kann auch den Angehörigen anderer Nationen nicht miss- 

fallfn. Und in dieser Ireien Stadt, die uns Gasltreundschaft g"ewälul, 

rrhieltou wir dafOr einen ersten Beweis. (Lebhat'ler Beifall und 

Händeklatschen.} Vorgestern, am Sanct Jacobstag«, kamen abends 

Öie .Schiu'cn vom Keste zurück. Man konnte an die schone Geschichte 

»om Fähnlein der sieben Aulrechien denken, von Gottfried Keller, 

iltm herrlichiMi Schweizer Dichter. Lauter Fähnlein aufrechter Leute, 

äti: im ^'csiindon Leib einen mäunlicheu ^iuu pdegen wollen, .^n 

|tiu^ereni i^unscresshause zogen sie vorüber. Oa schwenkte eine unserer 

rerelirten Damen prüssend ihr Tuch, und das war das Zeichen zu 

»inei- Kundgebung, die wir wohl niemals vergesücn werden. (Leb- 

Lfler Beifall and Händeklatschen.) Di« Fähidein ^jrflssten im Vorbei- 

ICHhen uiiM^re Leute, dit» ihnen zujubelten, und von der Stra.sse 

llieiaaf brausie ein neuer, unerwarteter Hut: ..Hoch die Juden!* . . . 

HLrUhotter, andauernder BeitatI und Händeklatschen.) Da ist es 



in 
teui 

I 



vipHeichl manchem vou ans heiss in die Äugen ffequullen. M 
kann in eiiumi solchen Moment« die Fassung verliei-en. die man 
unter Bydrückungeii aller Ali, niiler den ungerechtesten Anklagen 
zu bewahren gelernt liat. (Lebliatter Beifall nnd Häiidek]atsclien.J 

Ist in diesem Hute von Basel «clion der Antang tieimdlicher 
Zeilen ? Das können wir nicht wissen. Alipv wir kt'mnen uns vi 
nelinien, solcher Zurutc würdig zu werden. (Lebhafter, andauernder 
Bcitall undHSmleklatschen.) Wirwaien standhaft in den seiilimniPlen 
Tagen, seien wir dankbar und deniülhig, wenn üiunial bessere Tago 
kommen sullte». (Lebhafter Beifall und Händeklalschen.l Und wie 
müssen wir uns diese besseren Tage vorst^'IIen. die heute noch 
jenseits unseres Gesichtskreises liegen? Ist ihr Inhalt erschöpft in 
i^andhesitz, vtinnehrtom Ansehen, ungctröbter Ruhe 'i Nein ! Gerat 
riieJHiiigpii unter uns, die heule ihre ganze Person daranzusetzi 
bereit sind, würden bedauern, auch nur einen Schritt dafür genm<- 
zu haben, wenn es nur gelänge, eine ubuc Gesellscliaft einzurichten 
und nicht auch eine gerechtere. (Lebhafter, andauernder Beifi 
und Händeklatschen.) 

Bessere Tage lilr uns, aber auch für die anderen, als der 
opterbereite I*roniiiere wir wieder einmal hinausziehen inüchtftn 
ungebahnten Wegen, (f^ebtiatler Bifitall und Händeklatschen,^ AVir 
brauchen dazu keinen höheren, keinen fabelballeren Stand der 
Cultur, als es schon der jetzige ist. Nur benutzt sollen die Gultur- 
mittel werden, und zwar lur die Menschlichkeil. (Lebhafter, an- 
dauernder BeifHll und HAndeklalschen.) Und wir glauben, das-s 
unser Volk das versieben wird, weil es durch so viele Schulen 
gegangen ist, unter so vielen Völkern gewohnt, und bei allen g 
Ullen hat, aber auch die Leiden aller kennt. (Lebhafter, andauer 
derBeifall und Händeklatschen.) Uns erscheint als ein Bild besser 
Tage eine Zusamnienkunfl von Menschen aller Culturen, wie ! 
heute dieser Saal darbietet: (Lfbliafler Beilall und Handeklatschi^ 
eine Gemeinbürgsihaft. welche nicht in einer einzigen Spiac 
begienzt ist: ein beständiger Versuch, dem Elend durch einlrAc! 
ligesZnsanutienwirken beizukommen (Lebhafter Beifall und Hand 
klatschen) — und aus alledem erwychs<*nd eine höhere Art dei 
Gesittung. (Lebharter andanenider Beilall und Handeklatschen.) 
Und unsere Anpassmigsversuclie, deren Misslinsren uns wieder zu- 
samnienführie, werden uns dann doch noch zum Segen gereichen. Di 
Tüchtigkeit der tiermanen. die Beweglichkeit der Romanen, die prosi 
Geduld der Slaven sind vielleicht nicht ohne Spur an uns va 
übergegangen . . . Sieht man endlieh, was wir meinen 'f Jüdisc 
Künstler, Philosoj)lien und Gelehrte aus allen Ländern auf dem Boden 
der Arbeit und in einer duldsamen Gcsellschalt vereinigt I 
(Lebhalter Beifall und Händeklatschen.) Jawohl, wir streben nach 
unserem alten Land. Aber in dem allen Lande wüiLSchen wir 
nur ein« neue Blüte für den jüdischen Geis».- (Tosender, durch 



'ij 
4 



m- 
>i^ 

an I 



II 



ilinolen andauernder, wiederliol! sich eniPiienidPi* Keilall. Rfiirier 
Rird von allen Seiten begliickwüuschU Aucii die GaJIciic belhei- 
|]i|rt ^c)i an dieser Beitalli^kuiHlij'ebung.) 

Dt*r Eiiiliiur UU18S er«l »^pordiitn wenlen. wpW wir foilwÄhren«! 
»US der jianzen Welt tolo^-Hiilus^oho iiini hripfUche Kumlgebunf^n er- 
Wten. mit «loreii AusiirliPitinig jetzt der Hpit f^*^':rotll^ besrhiillijxt ist. 
<'h wprrlp sii> von Tok zu Tng dem Coagi'essp vorlojfran. üowie di<? Kin- 
llÄiife in OnlnuiiET ^in<1. 

Wir müssen nun Kuniichst (He vom Actioiieromit^ «»isffpnrhoitolo 
lOesrhülttiunljiiiiiti dem L\inKr»?sse iiiiterlireiteii, Jedoni Hn/.olnt'U Thoil- 
*limPr ilt*fj Tongi'esHt'fi ist di« GesciiiiltsonlnuuK gednirkt vorfft^legt 
ironlt*n. Kf^ ü;t nur im §4, liar vorn rriit^iilinin und di-ni Bureuu iles 
IO.tnur*!:»RäK hundell. zu LTgünzon. da^iB es iiussvr dem rriisidentt^n. fit'in 
ll. und H. Vicei)rHäidL*uteii norh »»ijion dritten Viceiinisidt»nlcn wi 
(«iUiU-n ^bt. 

Wiinscljen dif Hurren i» elnp Dit^cui^t^ion iilter die Oeftchtiltif- 
IvnlnuiiK ojnzu^i'cttMi V 

Ks Üp^t »nif iiLH'li f!in Antrn« vor. fitiilt 4 Roisit/.eni l* zu wöhlen. 
n.-l. Oscar Mermorek: loli Inilie di<* Ühn*. niuiieos d»'s Pej'maiieöZ- 
-!^c's il«i) Antrftff eu stellen, diese (.lefichäft&ordnuDfr en bloo 
myn. 

Del. Dr. S. R. Landau: \'erehi-te Parteigenaäsen I Es iat selbet- 
rv,t-tr.ri.Ilii-h und r-elir loyiil vuui Actionscoinile, das8 es unt- ili« 
-Ordnung /.uv BeslüligunK voiyelevl Jmt. iiiii'Jidfin ja iler Cnii- 
• oherÄte Im^tiin» sich lediglich selbst eine ( ieseluiMsordming zu 
eben lint. Allein, meine H»iTen. wenn wir die Ge&rhitn'icit'ilnung nrilier 
ifen. s'ehen wir, dnss si» eine An^^nhl derartiger Ros'iniiaunKen euthitlt, 
Bie ich Tür nieine Pei-son nii-hl nls deinola-atiÄch betraeliten kann. Ich 
Bnde insbe»ondei-e mis;{UM't/cn, dn^s, äoferne e^ sich um Inlorpellationon 
'nndetl. um Aiiti-jige u, dpi., die FreUieil der Mi'innnii de-i einzelnen 
}eJegiei-tea mntscrordenllieh eingesohrÄnkl wird. Ich bin mir nher 
rer^eits auch dessen be\vus.st, dnss wir viel /n weniar Zeit hiiben, 
Cuns hier eine längere Zeit hindurch in eine Delmtte über die 
chänsonlnniig ein/ulusson. 

Icli werde mir daher erlauben, den AntraK zu sieUen, daas eine 

-Ion eingewtzi wenle zur ßespreeliuiig und L'eberpriiftmp der 

^ordnunß. Diese (.'onimission wird tagen in <!er /wisehenzeit 

v<M- und NuehiniltagsFitzung und uur Nnehmillag ihre Heschhi«^« 

^oriegcn. (Wi«lerBpruch.( 

Nfftine HiMTen I leb ghiube. es wird mir gestallet sein. m*dne 
sönliehe Meinung zum Ansdnicke zu bringen, \\"enn die M:yoritjit 
]{en niieh ist. so hnhe ieh doch ilns Reeht. ;tls demolcrntiseh und 
viheitlich gesinnter iMen-<eh meine Meinung »nszudriieken. 

leb Itiite also, meinen Antrng nuznnehmen. den zu .stellen ich mir 

btf. dühiingebend. diiss eine Coninns-non. bestehend aus 7 oder 

|j£,!..ni vL,r f'cürUilgderUeschritUoi-dnung einzusetzen sei. Die ein- 

-sen, retip. DelegieHen. die Amaiidenients oder V'er- 

_ Bt .: /.ihnuKen haben, mögen dieselbeu au die Commission 

cfa)«ii. Ieh habe ge^ehlosäen. 

Vors. Dr. HarzI : Ks liegen zwei Antrfige vor; der erste auf 

blor-Amintime <ler Uesrhüftsor^lnung. hdi wcnle diesen als den 

■iKr.'.hendHn zuerst zur Abstimmung bringen. Diejenigen Dninen und 

web'he nir liie en bloc-Aunidime sind, bitte ieh, die Hund lu 

(i.leriehieht.f Kitte um die liegenprobe. — (Naeh einer Pause) : 

liiiftjiordnung im en bloc angenommen. iT.ebbatler Beirall und 

itschuu.l 



— 19 — ' 



Del. Dr. Lindau : Ich «liaubö mir um Constnlierung des Stimmen-j 
perhiUtnisses zu Inltou. 

\'ors. Dr. Herzt : Tcli habe links and i-echts gebeten, die Stimmen-^ 
{iiiznhl zu conijtnlieron und es ist von boiden Seiten bestätiKt worden 
dass an dtn" en bloc-Aniialune überhaupt kein Zweifel möKÜPh ia 
iBeLfnl].) Eä wurde ^ezabLt» dasß 2ü ätiinnieii gegen die Annahme 
blof wnren. 

Das Wort hiit M. Bei-nhard }.nzare. (Stünniacher Beifall un<| 
HÜndcklfitsrhou.i 

M. Bernhard Lazare wünscht, daas die wic^hri^ten .Anträge auch' 
ins Französische übertragen werden, damit diejeniireu Henen, welche 
nur fimnzüsiscli verstehen, aucli der Debatte fol>fen können. 

Vor.s. Dr. HerzI : Das Wort hat Herr Architekt Mannorek. 

Del. Oscar Marmorelt : loh hnbf* die Ehre. Im Numen de.s frühe^ 
genannten Aii!i.>ichii;J.ses die Coiistituierun« des nureaus diesem Congresse 
7.U beantragen. 

Für den FrÄstdcnt«» brauche ich wohl den Namen nicht zi] 
nennen. (Stürmische Zuj^timnumg und Beifall.) Für die Sitze der \'ice- 
pjlti^iiienten habe ich die Khre, zu tjoanuagen Herrn Dr. Max Nordau, 
tl^ebharter Beifall und HaridekltU.scheuK Beverent Dr. Moses Gasler, 
JLcbliafter Beifall unil Händeklatscheni. Prof. Dr. M. Mandelstamm. 
(Lebhafter Reifnil und Hikndi^klii Lachen.) 

Ich glaube im Sinne <ler go^iarninten VersaTiimlung zu sprechen, 
wenn jcli die Wald ilietier voi*elirtt'n Pai'teigenoößen «n bloc per accla- 
mnlionem beantrage. (Beifall.) 

Für die Würde von Beisitzern hcantrnge ich folgende Honvn ; 
Habbiner Dr. J. RüK, il.ebhatler Beifall und Händeklatsi-Ib^ni. Bernhard 
Lazare, (I.ebhaRer B<'ifnll und Händeklatschen). Misfer Herbert Bentwich, 
Dr. J. Kohan-Bernsteln, S. PIneles, l'rof. Dr. Richard Gotthell, D. Wolft- 
sohn, Dr. Oseas Thon (Knvkimi und Dr. E. Tschlenow. 

Als Sohril^luhrer lialte Ich die Khi-e zu beantragen: (Ür die 
deutsche Sprnche Dr. Schauer, für die hebrÄische Sprache Bahbiner 
Dr. Ehrenpreis, für die russische Sprni^he Ingenieui- W, Temkin, ttir die 
engliscln» Spiache Hevereiit Stephen Wyse, für die tVanzösische und 
runiänii^che Sprache Herrn J. H. Ellmann. Ich erhuibe uiir den Anu-ag 
zu »teilen, die on hloc-Annahuie lÜesier Liste zur Abstimmung zu bringen. 

Del. Schornstein: Ich beantrage, Heim Lazai*e zum Vic^priUideDten 
zu wählen. 

Del. Stern: Icli wün>;chte zu wissen, was die Permanenz-Commission 
für eine Arbeit zu leisten hat. 

Vors. Dr. HerzI: Soweit ich davon unterrichtet bin — es ist das 
eine Verausialtung. ilie nicht vom Actionscouiite ausgegangen ist —i 
haben die Delegierten in einer \*orbespre''hung eine Commission voil 
25 Mitgliedern gewählt, welche hei der Kür^e unserer Zeit die Vor^ 
arbeiten für den Congress in t">rdnung bringen sollten, damit wir mit 
FüiTnlichkeiten nicht die Zeit verbringen, die für wichtigere Dinge 
reserviert ist. Xun wissen wohl sauinitlirhe Delegierte, auf welche Weise 
diese Permanenz-Cumrnis-sion zustamle gekonmieii ist. Es wunien von 
allen Landsinimnschanen Mitglieder in diede Commission entsendet. 

E.S liegt nun der .Antrag vor, die von der Permanenz-<^oHimission 
aller Landsmannfiohatlen nach Vorberathung und Wahlbesprechung 
festgestellte leiste <le.s Bureaus en Idor anzunehmen. Diejenigen Damen 
und Herren, wolohe dafür sind, wollen die Hand erheben. (Geschieht 
Bitte um die tlogcnprobe. (Nach einei- Pause): Die Li^te ist en bloj 
angenommen. iLebliader Beirntl und Händeklatsehen.) Das Wort ha 
Herr Architekt Marmoi*ok. 



- 13 — 



PtelcHrskL 

L. G. G r e e n b e r ff, 

DaviBTrietsch, 

VeiL 

Weif, 

O a rfunke 1. 

S c h w n r z f e I d, . 

B o ffi] ad 1 i. 

B a r b u t)> c h jtin., 

F II b i u B S (• h B c ii. 



DoL Oscar Marmor»k: Zar CoDstituieniQ^ des Bureaus sind im 

i Sione dor von luis soeben Angenommenen GeKchÜRHordnung noch 

|äU Ordner zu wählen. Ich habe die Ehro, die Liste dieger Hi^rreii> zu 

verlesea und bitte auch diese en bloc anzimehmen. Es sind folgende 

Herren; 

Dr. WU ensky. 

Littmann iloeenthal, 

L«o Jaffe. 

Horodischtgch 

Or. \\'ei t z man n, 

r>r Brück. 

Dr. Abraham Kornhäuser, 

Dr. M ft 1 z. 

Dr. Men czel, 

Bernhardt. 

Präs, I)r HerzI: Dn« Wort hat Herr Dr. Landau. 

Dol. Dr. S. R. Landau: loh hnho mir orlaubt, das Wort zu einem 
Ztjwitzantra^? zu crbilt4*n, dass nümlieh füi' die rranz(:lsisrhe Sprache 
fiii bi*»iinidi'rer Dohnpisch ernannt wird, nachdem durch die bisher 
gewählten DoluiPlsdie der AutrufZ dys Herru Laztire nicht erledigt ist. 

Vrjrs. Dr. Herd: Der Antrag ist von Herni Lazare Reibst erledigt, 
pEs iat ütirii^'cns koiiie Schwierigkeit, denn wir alle vorstehen mehi' oder 
lirtmicr^r fraiizösiiich. 

(Die Herren \\"Uonsky. Fabius Schach und Trietsch lehnen ihre 
Vaid zu Ordnern nb.) 

Dct. O. Marmorek: Tch niüchte bitten, die Liste en bluc anzunehmen 
^tmd die Na'-JiwiihU'ii sitji Sclihisise der SitzuuK voraunehmcn. 

Präs. Ür. HerzI: Bitte diejenifren DanuMi und Herren, welche für 
|di» en bloo-Annahni'- sind, die Hand zu orhoh^n. (Gcfichieht.l Bitte um 
dJQ Ciegenjirobe. (Nach einer Pnusei: I.st angenommen. 

Uiisure erste Hniclit bei Begimi des Congrresses ist es, unstrcr 
Todten zu gedtnken. (Di^* Vei-sanimimig «rhebt sicli.) 

Wir haben in diesem Julire einige unserer besten Männer 
durch den Tod verloren. Einer von ihnen war im vorigen Jahre 
unter uns. nnd Sie erinnern sich ti*»r Begeisterung, die diesen 
Mann beseelte und die er auch anderen niit/utheilun wusste : F.s 
|*'ai' Dr. HeiTOann Schapira, rniversitÄta - l'rofessor in 
ieidelberg. 

Die Laufbahn dieses vortrefflichen Mannes, der erst spät zu 

Uelrechten Studien kommen konnte, die er aber in ausserordent- 

llclier Weise vdllendete, ist den meisten von ihnen bekannl. Kr 

itrde erst im Aller von 40 Jahren Ooctor und bald darauf Pro- 

ivn^T, vfüÄ mit KOcksiclit darauf, dass er sein Judontlium nie in 

(die Tasche gesteckt bat. (^e\vi.<is nur auf seine hervorragenden 

I Verdienste in wissenschaftliolier Beziehnng zurückzunUiren ist. Es 

li»t hier nicht der Ort, dem Manup in Bezug auf seine Leistungen 

[Hnd wiss ens* c ha ft liehen Arbeiten serecht zu werden; hier wollen 

>rir mn- liervorheben, was er uns war, nümlieh in der ausser- 

ordentlicii schweren ersten Zeit, uiu) wie er zum Gelint^en de^ 

. ersten Congresses. von dem er, wie Sie alle wissen, sehr begeistert 

Iwir, l>eigelragen hat. Kr ist aucli auf einer Reise gestorben, die 



_ u - 

er mr Verbrcituri!; iintM^ror Ideen nnteniommon liat^ uud an meinem 
(hahe wai't^n unsere Kölner Freunde vei-sammelt und haben ihn si» 
gt-feierl. wie er o? verdient hat. 

Wir Itab'^n ferner den Tod zweier junger Leute zu beklagen 
und zwar des Antun Wass ile wski, der eine aasserordeullicli 
afilLilorische Kraft entfallet hat. und des Dr. K o rul t sc liu c k. 
der ebenfalls auf einer Agitationsreisn sich den Tnd geholt bat. 

Wir beklagen terncr den Tod des Präsidenten der Zionislen 
iu Crajova. Dr. Jacobsohn, ond Stern er aus Lemherg. 

Zuni Schlüsse lassen Sie mich des grossen Rabbiners ge- 
denken, dessen Auschluss an uns eine s*) ausserordentliche U«- 
wojjung irn Osten hervorgerufen hat; es war dies Kabbi Samuel 
Mobile wer, der durch sein ehrfui'clitgebietendes Leben, dni'ch 
seine Hingebung an unsere Ideen, dturcb die Opfer, die er unsei'er 
Bewegung gebracht hat. sicii unauslöschliche Verdienste er- 
worben hat. 

Seit dem -lahre 1875 stand er mitten in unserer Bewegung. 
Er gründete im Jahre 18S2 hi Warschau den ersten Zionisten- 
verein und begann die Colonisation Palästinas mit der Gründung 
der Colonie von Kischon Lezion, Mohilewer, der zu den streng- 
gläubigen und starren Juden gebOrte. hat dadurch, dass er sich 
vorbehaltlos nns anschlo.^s, vollständig den Beweis erbracht, den 
andere er^t für nothwendig lialten. Kr hat den vollen Weitergang 
unserer Bestrebungen niciit erlebt, aber wir haben eine gewiasf 
Genugthuung. wenn wir daran denken, dass dieser alte Manu am 
Ende seines Lebens In einen Schimmer hinausgeblickt liat, den 
wii-, wie er, für die aufgehende Sonne hallen, 

Sie haben sich zum Zeiciien der Traner erhoben; ich glaube» 

da^s dieser Kundgebung nichts hinzuzufügen isU 

Das Wort hnt Herr Dr. Max N u r tl Ji u. (Frenetischer. Iiuignii- 
haltunrler Beifall und Hiindeklatschen. Hudiruf« mif der GHllerie). 

Dr. Max Nordau: Geehrte Versammlung! Wieder 
ist mir die Aufgal>e gewerden, eine ziisammenfassende Darstellung 
der allgemeinen Lage des jüdischen Volkes zu geben. Es ist eine 
umhinkbare Aufgabe, denn sie verurtheiU mich zu Wiederholungen. 
Ich habe heute nichts wesentlich anderes zu sagen als im vergan- 
genen Jahre. Es ist nirgendwo besser, und es ist an manchen 
Stellen schtiramer geworden. 

In Hi]sshiri(l hat si( h kaum idwas gejlmh-rt. Die Wirkungen 
des (ieselzes. das die Juden aus dem Schankwirtsgewerlie aua- 
sehliesst. machen ^ich ^tArker i^eltend. Der Zugang v.\\ den 
höheren Bildungsaiistalten wurde den Juden norh mehr viM'engt 
und erschwert. Kiner lier h^ichsteii Wnidenträger dt.'s Heichc# 
li;dlf eine herrihnd pevvordenr Unterredung niil der Abnnlnung 
eim-r jüdisehrn WoiiltiifitigkeitMlesellschan. In dieser Unterredung 
orkninite er die aiisgezeichiielen Kigenj<ch:inen unseres Simnmce 



— 15 - 



in Kchnioiclii'lluifli'ii Aiisd nicken an. Kr k'**» ^Hp cnlKelzIichi* L:»gf* 
lirr Jiuk-ti im SiwU'iunjysbozirkc zu und l)^'klJ^^'l^• f:it' mil rrtluvu- 
ili'fi (ii-luhUtöjitii. Kl tlnukle amh ti«! lietrübt die Ueb^rzeu- 
yiirift auÄ, riass das Elend niil jodoin Jiihre zuiiflmien wci-<l«\ 
Ejrte jedorli mit «»r^fi-Mircntlom .SoIiiiktz** hiuzM, die Uftcksiiii! 
aiif iiaa iiruie, Wflulose, rcrht^'läiibifrf Hiissoiivulk verbiole bei 
aiirT (.lipistliclicit t\'ä(hsteiili<'li<' d^n iill;;ii jrcnihriicli überlo^'t'nfii 
Uu\ftk in Kiissl;ind Frei/.üjriifkeit und das H(tebl iLiif Bildung /uzu* 
jn-ilchL-u. (Höfi: Hörtli 

In Huiiiiinien vtrst^hloss die Keinernriif d*»u Juden die Staats- 
•rliulen. Nirlit nnr ihrem Leil). nuHi ihi't*ni Grji^te soll die N:di- 
nin? vorenthalten sem. Das V(dk. eines Herzens und nner Seele 
ntit seini-r Rtj^iierunK. plünderle luid verwnsteU' in Bukaresl und 
b(tabit2 Jndenläden. Ich sage: da;^ Volk, und nicht: der Pfibel. 
l*i'jin die Angreifer waren zum guten Theil Hochscbiiler und ge- 
liiklet«* Bfirgor. die Itei den Juden — • <leri Fremden! — aus edler 
ndsliebe eiidtrariien. unter den Aujren der wohlwollend zu- 
li Kf'hnrdeii, die aul die hoeldierzige, liegeisterte Jugend 
yiires Lande?^ stolz waren. 

In (laü/ieu brach eine weilverbieib-te V()lksbeweg:unp aus. 

diiii Einsebreiten d<*r Trappen, die Anwendung von Wnffen- 

ewalL di«' Veriiflnjmng de«; Slandreeble^ nftlbi? iiiarhie. An vielen 

Jrtt'n wurden unsere Hrmicr an Leib und Leben bedroht, Dnizende 

tenvundel. Hunderte ilirer ganzen Habe beraubt und zu hiinosen 

itlern gomucliL 

Aehnliche Ausuclireitungen, wenn nnch geringeren Umtanges. 
«den Böhmen zum Sehauplatz. 

Itus^land, RuniMnien, (ialt/jVn — nun ja, das sind ja die 
i.ijiSL-^rlieii Länder der Judennuth. Ks ist doch selhi^tvtTstündlich. 
Li«-, unsere Urinier dort verlolgL bedrohL uiderdrückt werden, 
iifl abprüris-ig. das liesondert^ zu erwähnen. Ea ist langweilig, 
arftlii^r Einzelheilen anznluluen. Das ist eben der zurückge- 
l»li«'beri** Osten, dem die Sonne der gesegneten Antlilänuig norh 
ItiHit ta}^, 

Ahersielu'da — auch der vnrgoscluitlene Wellen bietet uns 
pineu ganz rdudiehen ArdtJick! In den LämVrudi'r höchsten Frei- 
rit npd Bildung, wo milde, philuHophische Duldung den fihmben- 
wn Uniderlichkeil da« Vonirtheil gegen eine hestinmilr* Ab- 
Ikmnng überwunden haben, ertönt ju gleichfalls Instig der Huf: 
den Juilen !* 

Frankreich, ilas Frankii-ich der grossen Umwälzung und der 

hI ;•...,. „p ,\f,f Mensciienrerhlc, das Land, d:t< zuerst Europa daj; 

der gesetzlichen nieicbslellung iU-r Juden gegeben, m.'U'- 

iaiu.rl |M*ule au der Spitze der ;inlisemilis*'lu»ri Bewegung. Nocli 

iirhl in "einen amtlichen Hamilungen tm<l Keden. die rieiirJitig- 

Mt erfnrrlert diw festzustehen, noch uneingestanden, doch danun 



»fl 



sUrhi'fi Juden oiii jrlficklii'li iTWdrhoncs Klirt'iirfcht i'iiIHsscti 
werden sollte, hättfii sie wie ein Mann iur die Wahrung ihres 
Besitzes eintreten mOsiäen. Abf>r es geschah niehU von alledem. 
Mit Vnrljh'iffnng noch nielu- aU niil Schmerz. Resrlifmuing, Eni- 
nlsluntr sage ich e>: das (lesammtjiidcnthum liess sich sauren: 
,Alle Juden j^iiid von Natur Vernilher!" — und es fand kein 
Wort der Krwiderunp. Das fnui/ösische .hidenthnm liess sieh 
sagen ; .Das kommt davun, werm man Juden Dfticiere werden 
IftsstI" — und es blieb slunun. Das Judonlhuni sah. dass ni,in 
nicht Ureyhis allein, sondern auch dem Jiidenthnni den Process 
niaelile, und es thal den Mnnd nicht auf. um venigstens die 
A'ertheidijrungsreehte eines Angeklagten ffir sieh /u fordern. Ja 
noch mehr : als bereitü volIsläiHh'g erwiesen war, dass in dem 
Falle Dreyfus die Ursprung lichslen Bfirgschiiflen der GemclUigkeil 
missaclilet worden waren, dass der Angeklagte verurtheiit worden 
war, ohne dass ihm gesagt wirde. weshalb, selbst dann wiiren 
keine jüdischen Stimmen zu hören, die sieli gegen ilie Beugung 
des Hcfhfes eHmlieu und (Gerechtigkeit gelurderl liütten. Christea 
erfiilllen diese EhrenpÜicht. Clirislen gebüH der Kuhm, für das 
Recht eingetreten zu sein : auf uns Juden aber lastet die Schmach, 
müssig dabei gestanden und zugesehen zu haben, wie die anderen 
im KamplV' lur eins der heiligsten Menschengüler. vielleicht für 
das heiligste, die fJerechtigkeit. dire Haut zti Miirkte trugen. {]je)3- 
haller andauernder Beifall und Händeklatsctien.) Einzelne Juden 
haben ja ihre Schuldigkeit geth;ui, ich k;inn dies glDcklicli erweise 
zu unserer (Jewissenserleichleruug reslslelleu. Bernai-d hazare, ein 
Guter, ein SUirker, (hehluiRer andauernder Beifall und Hände- 
klal^i'lienl Jacrpies Bahai*. unser tapferer Mitstreiter, (Lebhafter 
und Händeklalschen) Josef Heinacli, (Lebhailer 
und Händeklatschen) der munnhaft in dii 
die Ehre des Judenthums 
Eine Handvoll. Ein ver- 



iuidauernder Beifall 

andauernder Beifall 

Vorderreihe traf, retten enugermassen 

Aber wie viele sind dieser Wackeren ? 



schwhulitndes ilriulleln in der iiesammlheil des Judenthums, selbst 
nur des tranzösischen Judeiitlmms. Wij- müssen sehiuuruth wenlen, 
wenn wir mit diesen wenigen Unerschrocken en die lange Reihe 
der christlichen Helden vergleichen, die Vormögen. Freiheit, bürgeiv 
liehe Ehre und Leben im Kampfe luu das Jlecht einsetzten, das 
nur in einem sehr hohen, sehr idealen Sinne ihr Benhl war. |Leb 
h;ifler andauernder Beifall und ildndeklufscheii.l Kmil Zola. |l.eb- 
hafler andauernder Beifall und HruHleklalschen) r*i<:q»arl, (Lebhailer 
andauernder Beifall mid Händeklatschen) Schourer-Kestner, (I^eb- 
hafter andauernder Beifall und Händeklatschen) Traiieux, (Lebhafter 
andauernder Beifall und Händeklatschen) Georges Clenienceau, 
(Lebhafter andauernder Bi^ifall und Händeklatschen) Yves (»uvol, 
j Lebhalter andauernder Beifall und Händeklalschen) Jam'es, (l^b 
haftcr iuidauernder Beifall und Händeklatschen) Labori. (Lebhaftef 



- w- 



audauonidcr Hfifall iiml Händeklatschen) Djörnson. (Lebhafler on- 

iiMai'mdL»r Hc-ilall iiimI HriiiclokJatsiC'henj Conylieare, (Lt't)haller an- 

dduerndor Beifall und Hruidekl Ulrichen) das sind einipe der Namen, 

ilir sich in die>er tra^rUchon AnpftU*Kf*i*hpit imverKänfrlichou Huluii 

enrorbeii haht-n. K^ sind dirisUiche Namen, mische Namen, .luden- 

jiiuncn dapcifon. die ich nicht ober die Lippen bringen will, ob- 

[ifdion sie mir wie 5<'heide\vaSöcr und (luile aul der Zuiit^e brennen, 

liuil/'nuainen finden wir in entsetzHch grosser Zahl unter den 

ffchriffritcllcrischen Banditen, die Zula und seine Kampfgenossen 

Laufieicn. und ein Jude wai- es. der das scheu^Jsliche Wort ge- 

l«prooheu hat: .Droyfus mag nnsclinldiß oder schuldig sein, wii* 

iwollen nichts von ihm wissen, wir lassen das ^Vieder- 

fanfoahmcverfjdiren nirhl zu.* 

Da haben Sie das berülmite jüdische Zusammenpehörigkeils- 
BhJ! Das Volk, das zuer:>t in der Ah-nscliheit den Schrei: 
ukeitl aus^'c-ito-isi-n hat. dessen ewiirer lluhin in der Welt- 
.1- es bleilun \rird. dags es zuerst seinen Gott als Ȋneu 
rhteii Gott. aU einen gerecliten Hichter beffiilTen und gepric^sen 
Dt dieses Vidk hielt sich fern \'on einem Kampf um das Recht, 
Uff weil das Opfer einer Hechtsben^nuijf ein Jude war. Ich habe 
■uden (ilauben an meinen Stamm, um sicher zn sein, 
iT^ende. dass Hunderttausende von .luden in heiligem 
enttlaiumt wären, gesctirieben, gesprochen, gestimmt, gc- 
sndelt Geld und Blut geopfert liätlen, wtmn das, whs Dreyfus 
iderlaJiren isl, einem Zigeuner, Lappen. Bolokudeu zugefügt 
orden wüi'e. (Lelihaller andauernder Beifall und Händeklatschen.) 
ber da es einem Juden zugefügt worden ist. begnügton die Juden 
fh damit, zu seufzen und den Kopf zu schütteln, und id)crliessen 
LUu'istcm die Lorbeern Voltaires zu pflücJten. 

Die AntisemiLen habeu von luis uncingestandeu eine besäere 

einang als wir verdienen. Sie glaubten keinen Augenblick lang, 

wir wirklich dem Kampf ums Rech! utithätig znseheu 

anten. und da sie nnter den Slreitern kaum zwei nder drei 

Ddennamen faiuion. so nahnu'u sie ohneweiteres an, da.ss der 

Üsche AnÜieil an dem Kiunpfe ein geheimer und dartun umso 

uerer sein müsse. So erklärt es aicli, dass so viele durchaus 

bipe Ghrislen, nicht blos in Frankreich, sondern auch 

rhalb dieses Limdes, von dem Bestände des berühmten Syn- 

lies fest überzeugt sind. Dicseji von iuitiseniiÜscben Verleumden» 

|fe$ctiickt erfundene Märchen kouuiit ilu-em Bedürfnis enl- 

an jüdische Leidenschaft für Gerechtigkeit, an jüdisclie 

»ind Klugheit, an jüdisches Zusanimengehörigkeitsgefühl zu 

Das Märi'heu unserer Feinde zeigt, was sogar diese be- 

on uns erwartet haben. Wir aber sind seihst hinter den 

irtuugen derjenigen, die un» am meisten hassen und ver- 

•uiiUra. weil zurückgeblieben, und so ist dieser tragische Fall 

2» 



_ 20 — 

Dreyftis zu einem entsetzlich ppiiauen Moüse des Grades geworden^ 
den unsere Schwäche. Zaphaflifrkeit, Stumpllieit und gegenseiUgi 
Entfremdung erreiclil hahen. 

Nach deni. wa-i ich auseinandergesetzt habe. Asnrd hoffenUich 
niemand mehr die Lüge wiederholen, in Frankreich sei der Anti- 
semitismus aus^eitrochen, weil die Juden ITir Dreylus einjfplreten 
sind. Die Wahrheit ist, dass die Juden eben nicht für Drnyfus 
eingetreten sind, sondern dass (jhristen dies gethan liabeu;^ 
dass die Juden, zwei oder drei tapfere Männer ausgenommen. 
keinen Finger zur Nothwehr rührten, obschon der Fall als Mord- 
waffe gegen ihre Ehre verwendet wurde. Der französische Anti- 
semitismus ist nieht die Folge des Falles Dreyfus, sondern dessen 
Ursache. WÄre der Aiiliseniitismus nicht das Vorbestebende ge- 
wesen, so hätte höchst wahrscheinlich der Verdacht des Landes- 
verrathes niemals Dreyfus getroffen und jedenfalls wäre weder 
die ihm zur Last gelegte .*Srhuld zu einer consiitulionellen Schuld 
aller Juden verallgemeinert wiirdfii, noch hätte das Bestreben, eine 
Wiederauliiahnh' des Verfaluetis herheiziiftdiren, so wfithende 
Volksicidenschaflen erregt. Der Fall Oreyfiis hat einen Schleier 
weggezogen und verheimlicht gewesene Gesinnungen enthüllt Er 
richtet sich als eine Mahnung und Lehre an diejenigen Juden auH 
die durchaus noch inmiej- an ihre endgillige, vorbehaltlose Auf- 
nahme in die Volksgemeinschaft wenigstens der vorgeschrittensten 
Staaten des Westens glauben wollen. Das gibt ihm Bedeutung in 
der Geschichte des Judenthums und sogar den ernsten erziehlichen 
Wert einer Warnung, Aufklärung und .Strafe, einen Wert, der es 
uns möglich macht, mit unserem unausrottbaren jüdisclien Opti- 
mismus sogar angesichts des Falles Dreyfus auszurufen : ,Gain su 
letoba ! Auch das ist ziun Guten I" (l^ebhafter andauernder Beifall 
und Händeklatschen.) 

Frankreich ist nicht das einzige Land der Freiheit und x\uf- 
klärung. wo das alte Gespenst des Judenliasses im vollen Tages- 
lichte der voj-geschritlensten Gesittung umgeht. In England, das 
icb noch im vergangenen Jahre begeistert pries, hat die Regierung 
bereits die Zuslimmmig des Hauses der Lords zu einem Gesetx- 
entwurf erlangt, der den millelinsen AnslAndern den Einlas» in 
das I^and versagt. «Miltellose Anslamler" ist das ehrbare Feigen- 
blatt auf das Wort »Jude". (Lebhafter andauerndei Beifall und 
Händeklatschen I das die englischen StaatsmAimer in ihrer Scham* 
haftigkeit gebildeter Söhne des neunzehnten Jalirhunderts zu nackt 
fanden. Das England, das immer seinen Stolz darein gesetzt hat« 
die Zufluchtsstätte aller Verfolgten, die natürliche Heimat all 
Heimatlosen zu sein, das in früheren Jahrhunderten Vlanien und 
Hugenotten, unter Gromwell die von Manasse ben Israel gefülirten 
Sepliaidim, unter Georg lU. die französischen Emigranten, zur 
Zeil der heiligen Allianz Mazzini, nach 1848 die Flüchtlinge au9 



- 91 - 

lallfli l^änderii Europas, in unseren Tagen die überall pebelzlen 

Innil ^eächt el en AnaiTliislen gastlich aufgenoi nnien hai, dieses 

(Jieilige Asyl der Menschheit verschliesst sich mit eincmmale vor 

«in«" (>ruppe Äfenschen: vor Juden. Man sucht diese allen eng- 

riiefcningen liohnsprecliende Grausanikcil. mit Gründen 

,(?n. Die fremden Juden sollen der englischen Arnien- 

[pÜ<^ß zur Last fallen. Sie sollen englischen Arbeitern ihr Brot 

diraoa. Diese beiden Gründe widersprechen einander und schliessen 

eaiander aus. Sind die Juden Bettler, so nehmen sie englischen 

Arbeitern niclil ihr Brot. Arbeiten sie dagegen so erfolgreich, dass 

^e englisclien Arbeitern ihr Brot nehmen, so sind sie keJne 

elÜer und können der Armenpflege nicht zur Last fallen. (Leb- 

Her andauernder Beifall und Händeklatschen.) Es ist übrigens 

bachgewie-sen worden, dass beide Gmn^e blosse Vorwände sind. 

Llie fremden Juden, die in England landen, sind keine Bettler, 

DDdera th>issige, stj-ebsame Arbeiter, die sich selbst erhallen und 

ulig in verhältnismässig gute Verhfdtnisse aufsteigen. Diejenigen 

Hier ihneu. die zeitweilig der Lnterstützung bedürfen, empfangen 

lese von ihren Stammgenossen und werden den christlichen 

^täudem nicbl über rias Mass tiinaus Listig, wozu ihr Antheil 

dftr Armensteuer sie bere<"btigL Sie nehmen auch den eng- 

di'-n -Arbeitern nicht ihr Brot, sondern schaffen neue Gewerbe, 

fee früher in England niclit heinascii waren, und vermehren den 

VohUtand des Landes. Das Gesetz gegen die mittellosen Ausländer 

aLsn aurh wieder nichts anderes als ein Symptom von larviertem 

Lnti^eniitismus. 

Seihst die Vereinigten Staaten sind von dieser Krankheit 

W frei geblieben. Das Gesetz, das öffentliche Leben, kennen 

*»rdings keinen Judenhass. Wohl aber züchtet ihn die (Jesellschaft, 

^u\ die Zahl der Gasthöfe und Er/iehungsanstalten, die ausdrück- 

h den Juden die Aufnnbme verweigern, ist ansehnlich und zeigt 

He Neigung zu l>eständiger Zniiahnie. 

Da^ ist alüo die Lage. In den Ländern des Ostens, die sich 
cn erst aus der Barbarei eninmgon haben oder entringen, hasst 
verfolgt man die Juden ohne Beschönigung; in den Ländern 
Westens, die nn der Spitze der Gesittung einhorschreilen, 
ond verfolgt man die Juden unter heuchlerischen Vorwänden, 
aber, im Osten wie un Westen, hasst und verfolgt man die 
fl<^ö. Damit man uns nicht des rmlankes zeihe, wollen wir aus- 
^klioh die wenigen Länder Euio]»as anführen, wo die Juden 
ht zu klagen hatten. In ffolland, Belgien, Italien, ui den skandi- 
[len Staaten, in dei freien Schweiz, (Lebhafter andauernder 
und Händekialschen I deren köstliche Luft uns heute die 
weitet der^n mannlintle .Söhne, wie vorhin schon unser 
Vorsitzender Dr, Herzl dankbar erwalmte, uns vorgestern Abend 
durch brüdei'liche Zünde geehrt haben, die uns bis an den 



— Sä — 

(iriHitl unserer Seele bewegten, werden tÜe Juden a!s Vollnionsclien. 
als VoIlbüiKer behimdeU, und nur ein misstönender Schrei ans 
dem nngewaschenen Munde eines Gassenjunpen erinnert sie viel- 
leiehl. norh ab und zu daran, dass man aurh in diesen Lflndem 
noeh nicht ganz aufgehört hat, sie als eine Sondergnipjie innerhalb 
der Bpvnlkcrnng zu empfinden. Aber diese Staaten, glüekliche 
Inseln df^s Friedens im Oeean des xVnlisemilismus, beherbei^en im 
ganzen noch lange keine ^OO.OdO Juden, und ich niftchte ihnen 
nicht nahelreten. indem ich die bange Ahnung ausspreche, diisi 
nnch ihre Gerechtigkeit gegen die Juden einer harten Probe aus- 
gesetzt sein würde, wenn ihnen die verfolgten Juden der anderen 
Lander in grösserer^ in .grosser Zahl zuströmen würden. (Zu- 
slimntung.) 

Die jüdischen Gegner des Zionisnms, denen wir dieses Bild 
der Weltlage des Judenthums vor die Augen halten, können niciit 
leugnen, dasä es die Wirklichkeit getreu wiedergiht. aber sie 
machen mit Kopf un<l Ihlndon die bekannten heschwinhligend^n 
Bewogiuigen und säuseln voll Salbung: „Firizelne ln-lrühemle 
Erscheinungen dürfen nicht verallgemeinert werden. Der Anti- 
semitismus ist eine hässliche Tagesmode und wird vorübergehen.* 

Wiel Ihr seht, dass die Seuche des Judenhasses von ihren 
altbekannten Herden in immer neue Länder einhricht, dass sie iUi 
Stellen verheerend aufflackert, wo sie seil Jahrzehnten, seit Jahr- 
hunderten für erloschen galt oder wo sie. wie in Nordamerika, 
vorher nie aufgetreten war, und Ihr sprecht von , einzelnen Er- 
scheinungen* ? Ihr wagt es, das rasche Verschwinden des Anti- 
semitismus zu weissagen, obscimn der bisherige Verlauf dei 
jüdischen Ger^rhichte Eucli mit den .Stimmen von siehenzig Genera- 
tionen grollender oder stöhnender Juden die Lügenhalligkeit Kurer 
Weissagung ins Ohr schreit? Eure Prophezeiung ist niclds anderes 
als eine Form des betrügerischen Bankerotts. (Lebhafter Beifall 
und Hilndeklatschen.) Da Ihr Eure Schulden nicht In der Gegen- 
wart bezahlen wollt, stellt Ihr grosszifterige Anweisungen auf die 
Zukunft aus, die Euch nichts kosten und von denen llu* wohl 
\visst, dass sie niemals werden eingelöst werden. (Lebhafter Beifall 
und Händeklatschen,) Seid doch ehrlich! Habt doch den Mulh 
eurer Kaltherzigk'-it I Sagt dem jüdischen Volke doch gerodel 
heraus: ,t'ns geht es leidlich. Wir haben nicht zu klagen und 
wnmschen keine Aeridenuig dessen, was ist Ihr aber, die Ver- 
folgten, die Gedemüthigten, die Gemarterten. Jhr gehl ims nichts 
an." Hattet Ihr wenigstens die verhrdtnismässige Anständigkeit, die 
Avirklichen Beweggründe eurer Haltung zu bekennen, so \vürden' 
wir Euch diese Haltung hein.'die verzeihen können. Das jüdische 
Volk wn'irde Euch dann einfach aus seiner Rechimng streichen und 
diese Rechnung würde dadui-ch klarer, genauer, zuv»irl«ssiger 
werften. Ilir würdet nicht länger die armen Unwissenden unter 



» 



- 33 - 

une vorwirren und den Zaphafleii eine fortige Au>rcHie lioforn, 
sich vor tler nolhwt-ndi^^en Anr^lrt-npiing: zu vorkriochon. Das 
Judenlhum würde wissen, wpr wirkÜKli an der Iloiltin^ oder 
mindestens an der Bossoruri}? seiner tausend iAiirigon Leiden arbeitet, 
-tu« Ihr aber ptliditverpossene Solieinärzte seid, die ?Hi damit 
n, einen Schlaftiunk zu reichen, damit die Srhmerzens- 
aus der Krankenslube ihre ^'achlruln- nicht slOren. (Lob- 
I <(Ut Beirall und lländekUitseiien.) Diese BehundhiU);^^ weise mag 
ihr«? Bereohli>runK bei einem Sterl>enden haben, der doch nicht 
zu retton ist und dem man mindestens die Qualen des Todes- 
kampfes erleiehlern will. Wir jednrh fr^^ben das .bidenthuni dureii- 
«is nicht auf. (lyehhallor ücit'all und Ilündeklatschon.) Wir glauben 
«n seine Lebenskraft und hoffen es wieder in blühender Gesundheit 
pinherwandein zu selien. Bei einem solchen Kranken aber ist eine 
Therapie der Betäubunif. die das Ende beschleunigt, ein Verbrechen, 
(Lebhaaer Beifall und Händeklatschen.) 
L Diese Darsielluii}? der Lafio des Judenthums w&re Äusserst 

B*inseiÜg- und unvoUslAndig, wenn sie sich darauf besetirilnken 
r'^rde. zu zeigen, wie die verschiedenen Völker äicb zu unseren 
r m ihrer Mitte wohnenden Brüdern stfllen. Ebenso wichtig wie 
'ii- Vei'hi'iHnis der Völker zu den Juden, nach meiner EmplindunK 
-'.^•.ir wirlitiger. ist die innere Verfassun«; des Judenthums, sind 
die Geiiunkonslrömungen. (Joluhlsriciitungen und Strebun^fon, die 
jimcrbalb unseres Stanunes zulajre Inften. 

Der Anblick ist unerfreulich und könnte Kleinnulthigen allen 

Glauben an unsere Zukunit rauben. Die erste Wirkung des Zionis- 

Bms auf drts jüch'sche Volk erweckt in meinem rjeisle die Kr- 

Inneninp an irewisse Anblicke der Natur, die liinen allen geläufig 

id. Eine Winlerlandschall hal ihre Schönheit, Der Kispiuizer der 

itrönie, die Schneedecke der (Jrlildt* geben ein düsleres Bild von 

ruhe, von weihevoller Tmuerslimmung um den grossen Pan, 

dt ist. Die Frülilingslandschafl hat eine andere, fröhlichere 

lönheil. Die Wasser murmeln und glilzern. die Felder grünen 

I blühen, neues Leben waltet und webt überall. Nun aber der 

ebergang von dem einen Bililo zum andern ! Die erste Wirkung 

1er Frühlings sonne ist, dass sie die Winlerlandschall zerstört, ohne 

lUle jedoch irofort durch die Frühlingsiandschan ersetzen z\i können. 

Zwis<-hfn den lieiden liegt Wn hässlicher Zwischenraum, der un- 

Itidlicli w.'ire, wenn die Gc\\issheit, dass er zu neuer Schönheit 

*Kn überleitete seine Hflsslichkeit nicht ertrftglicli machen würde. 

ike Eisdecke der Ströme zerbröckelt in einen grauen, lehm- 

izfpn Eisbrei, das reine, glatte Schneelaken sciuuilzt ruid 

I Schlamm zurück, eine Weile scheint die Land- 

I Ige Kolhpfütze, bis sie sich allmiihlich mit glor- 

lirftn überzield und mit den bunten Farben der Blumen 

acM- 



1,:. 



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Ktnrfifi ganz A**hnlirhfB erlphfn wir (reponwärtip im Jiiden- 
lliiifii. (Lf^ltliafirr JJfifiill uik) HriniK'kl:ilsrli*'n.| Et jilich bisher 
reiner WintprIandschaH. AlU-s war st.-uT, alles war bleich und kall. 
Ah^r »iie ropidsen Formen \vi\reu iiioiiuinenlal. Das Bild halle 
.Mjijtmtill : die MtijcsUl des Tode^i. (Lebhafter Beifall und Hutide- 
kUiirmhi'U.) 

K-« K"h "itilf-r uns iiub'fi sclbsl. ab<»r nnrh mehr unter den Chrisleru 
Lir>bhaber rorimriU--i<'li(!r Anblicke, liie die l'oesii' dieses Bilde^i 
iiileiihiv eiupfanden und denen es eine Entweihung schien, das» 
die Stren(C*^ <lie^er iinbfwpplirhen Linien Belögt, die Einförmigkeit 
dir'Her reinun Sfhnf'c(b*rkt' duri'li hervorlaiirhendo Krdlleckv unter- 
brorhfMi wenieri solUf. Und niiii kam (b*r Ziotiisnms wie eine 
Frftblirn.'s.snniie und iH'jraiin die^si* fi-ir-Hifhe Kiswüslr a^^ut^i^lhon. 
(LebliuriiT Beifall und nrindeklaU(-hen.| In ßQnstig t'pl^(?i^n*^n Win- 
k''hi. in (feschtdzien Mulden bmchoii sofort die SpiUen der ersten 
(irn«*liülin('li(ii und ilie frfdie.«ten .Schneeglöckchen hervor. Aber 
Hon-il war wr-it und brt'il nülils zu K(>hi?n als ein einzi(.'er prosser 
MnranU In iliej^eniKoIhniecr waten wir jet/.t. In diesem aufgeweichten 
.Schhnnmbndfn ver-^inkon wir geffen^äilip bei jedem Schritt bis 
nn's Knie, bis an din ihlflc. Weicht- Widerwürtigkeil I Welche 
MrihsnM Alles NietierlrAchlige, lUIes (Jemeine. was das Juden- 
IhuMi in !*i''h s(hli''ssl, was aber biiilor der bishcri^'en Fest^e- 
IVunnhcit verborK'cn lilirb. treibt jelzl auf der Obi-rflärlu'. (Li-b- 
halV'r Itpilidl mid lländeklalschen,) Allein ein ehiziper BMck auf 
dr-n Kalcniii»r muss jrniüjien, um uns fd»er diesen leidipen Zeil- 
«Iwchnilt hinwegzuhelfen und in uns keinen Augenblick lang Eni- 
muthittuni? aufkonunfu zu lassen. Denn wir wissen, dass der 
Krillilinj; nanz nahe ist, (Lebhafter Reifall und Häniiekijdscben) 
dui*t* er immer damil beginnt, die reiulictie Winterwell zu versumpfen, 
daK8 er aber nicht saumU den Sumpf in blühende Gelilde um- 
zuxautierii. 

Der Zionismus erweckt das Judenthum zu neuem Leben. 
Oas ist meine /uvoivichl. Er bewirkt dies sittlich durcl» Auf- 
friscbuti); der Volksideale, körperlich durch die physische Erziehung: 
dfs Nuchwuchses, der uns wieder das verloren i^egangene Muskel- 
judenlhun» schaffen soll. (Lebhafter Beifall und Hflndek latschen.) 
.•Vber der /.ituiismus vollzieht auch die scharfe Scheidung zwischen 
dem Lebendt-n und dem Altgeslorbenen. (Lebhafter Beifall und 
Iländrklatseheii.t Erst jetzt können wir uns Ftechensrhaft darfiher 
Itebfu. welche furchU)aren Vennishmg*'U die achl7.ehn Jahrhunderte 
ites (lahith unter uns angerichtet haben. Zum er^temnal seit dem 
V er/. weiflunps kämpfe des gn>ssen Bar-Kochba. den nur niedrige 
Erfolgauhetehi gi-ringer iK;hiif2cn darf als den (tUuizenden Ha*- 
mon;VT. Irilt an tlas Judenthum wiwlcr die Fonlerunp hcnin. eine 
t!es4uumtan^t^engnnp m machen, sicli seU»st und der Welt zu 
xoig\m, wieviel es noch an i^enskrafl, an Lebenshofniong, an 



- 25 — 



Leben SV (^rliui^en in .sidi birgt, und da müssen uir uns denn 
nt>erzeu|2en. dass vieles* was noch lebendig schien, so lange man 
davon keine Lebensbeweise vcrlanpte. Ihalsflchlich lodt isL 

Znhimfhe Juden siiui vom Jitdi-nttitiiii aiicli ilusserlich ab- 
liefallcn. Dieser AbbnVki^lunp.-^ijroct'ss hat seit <1or ZorstOmng des 
xweilen Tempels nieiiuils piu?. stille treslandeu, er isl in den 
letzten -Jahren in den Ländern des Westens besonders lebhaft 
jTPWorden, Kiu«' un^ri<>ii>h grössere An?.uhl .hlrten aber sind sich bisher 
über ihren inneren Ahrnl! vom .ludenlhum nicht klar geworden, 
obiichon dieser Abfall thiil.^richlicli stattgerunden hat Sie lüelten 
sich selbst und die Well liinlt sie für Juden, sie waren aber 
Juden mu* ans Gewoluiheit, aus Be^fiieniliclikeit, aus Geistesträg- 
htW. Ihr Jtidenihum setzte sie zwar der Verfolgung aus, aber 
thdis luitten sie nirtil mehr Ehrgefühl genug, um unter der Ver- 
folgtuig zu leiden, tlieils fTdilten sie sich als iutorcssaiile Opfer, 
«ras kein unangenehmer Seelenzustand ist. (Lebhafte Heilerkeil. Bei- 
fall und Hflndeklal seilen.) In Stunden der Schwärmerei glaubten 
sie Dichtem wie Disraeli, George Klliot, Alexander Dumas Sohn, 
die vom Judenthuni, seiner Sendiuig, seiner Maclil, seiner herr- 
lichen Zukutifl ein schmeichelhaftes Bild entwarfen, und schwelgten 
in diesem Traume, der che Schönheit und die Unwirklichkoit von 
Tniumen tialte. Positive Leistungen forderte ihr Judenthum von 
ihnen nicht. Die 613 Gebote und Verbole des Sehulchan ÄrucJi 
beläi'helleii sie. Die Gemeindeäleuer dröckle sie nicht schwer. Den 
W(tg zur Synagoge l>rachle ihnen häufig nur der Versßtimmgs- 

[\aq in Erinnerung. Sie öberi-edelon sich demioch selbsl. daüs sie 
Juden seien, weil sie Heine liebten, (Lebhafle Heiterkeil. Hei- 
und Händeklatschen) sich an Daniel Dcronda erbauten und 
auf den Ruhm von Kugel und Sclialet nichts konmien liessen, 

{Lebhafte Heilerkeil, Beifall und Händeklalschen.) 

Dn tritt mit einemmale der /iimismuä auf mid ruft diesen Juden 
tu: .Auf: lürmannt Euch! Tliut eine Thal! Erarbeitet Euch und 
Eurem Volk einen Platz unter der Sonne I Ruhet nicht, rastet 
fit eher, als bisHir die gteichgillige und seihst die feindliche Well 
Dbcrzeugf liabt, dass Ihr ein Kechl besitzet, als Volk wie die 
adem Völker zu leben und Eucii eures Lehens zu freuen !" Plfttz- 
■ es mit dem faulen Auch-Judenihum und Bauch- Judenthum, 
:•» Heiterkeit, Beifall uml Hän(i<*klatsclien) mit tlem passiven 

fcliuniiunmern, tünschiurren in (^iberlieferlen Gewohnheiten ein Ende. 

Itia Wf'hr'Mi sich denn (Uese Sciuinjuden mit einer Kraft der Em- 

jpdrung. die uns eigentlich humoristisch berfduen sollte, jl.ebhafter 
iiid Händeklatschen. j , Ja, wenn die Freude an den Sabbath- 
n nicht länger eine ausreichende Bethäligimg unserer 
jütiisciien Gesinnung sein soll, dann Ihun wir nicht mehr mit", er- 
küren MO entrüstet und verkürulen uns bösen SlÖrorn den Ver- 
nichtungskrieg. Hier sti-eichen die Rabbiner den für sie in der 



— 26 — 



That hcdeuluiigslos gewordonon HolTnuntrs- und Verheissung: 
,Im iiiiclislen Jahre zu Jerusalem!"' aus dem Gebetbiiche. Dort 
protf.sli(?i*pn die Rabbiner gegen den Zionismus aU gegen eine 
von der jüdischen Religion verbotene Neuerung. (Lebhafter Beifall 
und Ilündoklatschcn.) Ein von mir hochgeschätzter jüdischer 
Gesrhichtscbreiber. der im Auftrag eines jüdiychon Vereines ein 
Jahrbuch dor jüdischen Gescliichle verfasst, bringt es fertig, die 
Geschi<:tile der Juden im Jahre 18fl7 zu schreiben und des ersten 
zionistischen Congresses zu Basel nicht mit einer Silbe Erwühnnng 
zu Itiun. Ein anderer Jude hat die Slirne, von uns zu bniiaupten, 
wir hälfen im vergangenen Jahre auf unserm Congress gewins*?lt, 
\vir wollten feige die Flucht vor unsern Verfolgern ergreifen. \vöhi*end 
er, der Held, zu den hageldicht auf ihn niederkhdschenden Maul- 
schellen tapfer seine Backe hinreicht und den Fusslritten der anti- 
semitischen Regierungen und Völker nuithig seine Kehrseite dar- 
bietet. (Lebhalle Heiterkeit. Reifall und Händeklatschen.) 

Die^e Erscheinungen sind schmerzlich, aber sie sind natürlich 
und sie sollen uns niclit anfechten. Wir sind eine so uralte Gesell- 
Hchafl, dass in unserer vieltausendjährigen Gesdudile alles schon 
dagewesen ist. Neues kann sich bei uns eigentlich gar nicht mehr 
zutragen. Als Moses sein Volk aus der ßgyptischcn KneehLsnhafl 
befreien wollte, da waren es zuerst Juden, die sich wider ihn 
empörten und ihm drohten, sie würden ihn den ägii'ptisehen Be- 
hörden anzeigen. (Lebhafte Heiterkeit. Beifall und Händeklatschen.) 
Als Esra und Nehemia nach Zion heimkehrten, da blieben die 
reichen, die gebildeten Juden, die SchaielHebhaber und Heinoleser 
jener Zeit, in Rain-Ion iLehhaHe Heiterkeit, Beifall imd Hände- 
klatsehen) und Hessen die hirnverbrannten Schwärmer, die wieder 
ein Volk sein woUlen mit Hohn und wahrscheinlicli mit Herzens- 
erleichlemng ziehen. Es wird auch jetzt mcht anders sein. Sei es 
denn so. Die Schar des Esra und Nehemia war eine kleine Minder- 
heil unter den d;unaligen Juden, wir alle aber sind die Nach- 
kommen jener Minderheit. (Lebhafter, andauernder Beifall und Hän- 
deklatschen) die grosse Mehrheit dagegen hat sich im Völkermeer 
Vorderasiens spurlos aufgelöst. Auch die Zionisten sind vielleicht 
noch eine Minderheit unter den lieuUgen Juden. Aber aus ihnen 
heraus wiid das Judenthum sich verjüngen, durch sie wird es 
weiterleben und in eine ferne Zukunft hinnhergerettet werden. 
(Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Die jüdischen 
Gegner des Zionisnnis aher. und wären sie heule noch so zahl- 
reich, sind bestimmt, als Juden zu verschwinden. Wahrscheinlich 
ist dies; ihr geheimer Herzenswimsch. Er wird sicher erfiillt werden. 
fl.Hljhaner, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Darum ist es 
unzulässig, dass man von einer zionislischen Partei im Juden- 
thum spricht. iLebhafter. andauernder Beifall und Händeklatschen.) 
Wir weisen diese Bezeichnung mit Spott und Verachtung zurück. 



- 97 - 

fLebhnftpr. andauenidor Bcifaüund HürHokliilschwi.) Dif» Zionisten 
sind k«?ino Partei, sie sind das JudoalJium selbst. (Lebhafler, an- 
daupmdpr Beifall und Händeklatschen.) Ihre Zahl» üire heutige 
Zahl, Ihut nif'ht^ zur Sadit». Der Same der gewaltigsten linde 
ist eio ganz kleines Gebilde, aber er ist die Zusamnienfassung 
der ganzen Lebenskrall des Baumes, das Ziel aller seiner orga- 
nis/:hen AntilrenRunKen. Die Linde lebt in ilu-eni Samen, niciii in 
ihrer Holz- und Bastmassp weiter. Alles, was im Judonthuni 
lebendig ist, was ein Jüdisches Ideal, was Manneswürdc, was Ent- 
wicklunpsfreudipkeit hat das ist zionistisch. (Lebhafler. andauei*ndor 
Beifall und Ilrmdeklul sehen.) \Vas sich dafregen in dw Sklaverei 
wohilTihlt, was in der Verachtung sühll, oder was auf einen nahen 
natürlichen Tod des Judonthnms iiofü, das steht gleiehgiltig bei- 
seite oder käniprt grinmug gi^en uns. (Lebhafter andauernder Bei» 
fall und Händeklatschen.) Mit Anknüpfung an einen bekannten 
Vers des österreichischen Dichters Grillpnrzer ki^nnen die Zionisten 
rufen: ,In unserm Lager ist Israel! Ihr andern seid einzelne 
Trümmer.' (Tosender minutenlang wfllirender» wiederholt sieh er- 
neuernder Beifall und Händeklatschen seitens der Delegierten und 
auf der Üallerie. Hedner wird von allen Seiten beglückwünscht.) 

\"iirs. [)f, Herzl : Ka sind niolu-ere AnliÜKe ühpn'**icht worden. 

DeL Jaslnowskf (Warschau): Nm'h ilen ehdn vernumaienen 
Worten, die iu uns tliis (ienihi hBSomlcrer P'rcu'lp erweckt hiiben. sind 
wir nicht imslximlr. uns nueh miL etwas zu hoäehüttigen uufl boantnigd 
ich daher Jen Soliluss der Sitzung. 

\'ors. Präs. Dr. HerzI : Icti glaube, wir können no<*h vor Schluss 
(ipf Sii/ung die Walüeii vornehmen und können die MiM«KS]iiiufie zum 
Scruliuluin verwenden. Wir werden dann in der Tiisc'^oriinnnn nicht 
weitorgehen, sondi^m die Stimmz-ettel den SfnitBtoi"en iitirrwoisen. Ich 
mu>is vorher noch eini(;p ülMMTeichte Antrage dem Congresse vorlejjen, 
und zwar xuiiäelisl den Antrau:, da-^s die Rede des Herrn Dr. Nonlau 
und auch meine Itede in Druck gelegt, und 7u AKitutions/.wecken un- 
ttctKeltlich verbreitet (BeiTnllJ und in die verseJüedeiien Sprachen über- 
setzt werde. (Beifall. i 

Meine Herren ! Ich hnhe mich schon im Vorjahre nuR .\nlAs3 
»in^K Ähniiehen .Antrages dagegen nnsgesprochen und erlaube mir. dns- 
«Ibe auch heuer zu tlum im KinverständniÄse mit Herrn Dr. Nordnu. 
Es wiire vielleicht eine ungerechte Bevor/ngiuig dieser ersten Reden, 
veno nii» eint> separiite i')r'n<'kle«iing erfahren würden. Wir wollen jn 
miütclieh>«t nüchtern und ohne Keiierhüsche unsere Arltpit thiin, Ich 
würde nucli einen Nnehlheil fiiv unsere Congres-sverbnudlnngen dnrin 
i«hvn, ueii ja selir viel thnl-siaehHclies Material kommen wird und da 
*s uns in erster Iticlilung danini zu tliuu sein musis. Klarheit zu ver- 
breiten über unsere !?estrebungen, wtire es unnUtzlich. dn.'?a bloss 
»llir'Mn'Hn*' Heden veröffentliclit und das Pnblicum der V'erptlichtimg enU 
In' !>•, das, was in Ziffent. Daten und TlmtsHchen vorgebracht wird, 

tu 1. Wenn Sie glauben, dass diese Reden eine j-iewisso Tirag- 

krat* haben, dann sollen sie znstHtten kommen der thatsächliohen Arbeit, 
dlp von so vielen Mitarbeitern mit so grosser Aufopferung gelei.stel 
»Orden ist 

Ich holte dftä für eine grössere Tliat, als wenn man uns an die 
Malier anschlagen würde, umsomchr, als dieses Jahr Vorkehrungen ^-e- 



— 25 - 



trofTon Bjjid, dasi; daR Kteno^nipliisehe Protokoll in kürzester Z«it — in 
14 T(iR»?n otler H Wochen — gedruckt vorliegen wird. Es ist infolge 
des.-»*n wirklich nicht nothw(*ndi(f, die Sache zwelmnl zu ninchrn. Ich 
wci-do din Antrjice zur Ab^timmunfT I)rinpen, bitte nber, sie nhzulehncn. 

Dfl. Birkenstern : Irh bilte ilie Antrabe anzunohmen und diirauf 
zu ItOr^tehpii, (tus.-^ die Rieden der Herren L>r. Herz! und Dr. Nonlau in 
DiiK-k ui-sfh'?ini'n. Selbsivei-siünilUcli luüssen die Hilden auch ins 
Pi'otokoll kommen. V\*ir hnben im Vorjahre es erlebt, dass Monate 
vprjrnngi'n f^ind. bis ilas Prntokoll Rr';ohionRn ist. Kitfp nlso dnrnuf zu 
bostehftii. dasK l<pide Reden rfotoU godriiokt werden, (Beifiill.) 

üot. R Schach; ich bedauere sclir, mich den Worten dn« HeiTn 
Prasidenlen nicht unärhüessen /.u können. Wer von uns, die mitten in 
der AKilaliun -iteheti — und Wh habe das V'erjrn^ij^en. diH äU sein — 
wei- immer davon et« as vpr.-*lehl, dei" niui^s uutt-rscheidpn zwischen 
Ftujjjschrinen. Hiu-hcrn und wiss»*nschaftUehon Werken. Wisrionschafl- 
lielii* Werke sind nicht gesiihnlTen für das Volk, sondcni für einzelne. 
Biicher, Pndnkolb? werden nieht von allen {/elorien. sie sind zu Kehwor 
und yedies^n, wohl aber wiid fine klangvolle Kniie, ein srliwim^voU 
gebalienor Vortrag von allen gelospn 

l-'-s wurde gef<agt. wir .^iml nicht eine Zionistenparlei, Hondem 
dnii Volk Kolhi^t. Ii^h wiint^che, dat» es so wäre und Dr. Nonlau im 
niiehsten Jatuv kitnic und uns ^^ngto. es ist so. 

Aber es i.^it beute leider noch nicht so. Wir sind wohl legitime 
Vertreter des jüilischf^n Volkes, aber noch nicht das jüdi^ehe Volk. 
<\\'idr>rsprucfi.) Wir müssen es zu }Cioni»ten machen unil der einzige 
We;: hiozu sind Woiiu und Schriften. Ich würde wünschen, das ganze 
jüdiücho \'olk käme hiehei* und hurte uns; das int aber den meisten 
unni(')glich : nYtcv leiten nollen sie. was wir sagen. Darum bitte ich Sie, 
kohrcr» Sip .«;irh nicht an die Heseheiileuheit des Herrn VormtZt^nden, 
fiondr^m nehmen Sie einstimmig an. dass die beiden Heden sobald als 
niiiglifh gfdnieki unil in 3— 40iW E^xeinjdarcn iii die Welt hinaus- 
geriehloudcrt \verdcn. ilieiftill.) 

Del. Dr. Nordau : Im An-^^-blusse an dftÄ. was Herr Dr. Heral 
geklagt hat. rluiike ;iiicli i<'b den lipideu X'orrednern, imrierpn Freundejl 
Birken^tein und Srhimh liii' di«* (icsinnung. die sie geiiussert haben. Wir 
haben ja iiucli nirhis dnüregen. dass die einzelnen Lundesvcreinigiingon 
von den Kedon ilen fiebraurh macheu. der ihnen passend und nützlich 
ersrheint. In t'ebereinstinuming mit dem. was Herr Dr. Herzl gesagt, 
meine ich aber. das.s wir nicht von Congress wegen die einzeluen Reden 
bevorziiKeti soHcn; gegen die Vervielßiltißung der Reden hat niemand 
nlwaH einzuwtMiden. 

Del. Veit: In Anbetracht den von Herrn Dr. Herzl geäusserten 
gewichtigen (irundes, dass wir das Publicum der Muhe nicht entheben 
dürfen, im Interesse des Zionismus selbst den Zionismus genau kennen 
zu lernen, stelle ich den Antraff, die Reden des Herrn Dr. Herzl und 
Dr. Nordau .•^epnral als Prnpuuandasehrinen drucken zu lassen. dieticU>en 
eollrn aber' er.st d:uin in X'erkebr uebrachl wenleii, iiachdcMii das gatixe 
Protokoll ülier den Cougi-ess g*>druckt und publiciert worden ist 

(Mehrere Delegierte melden sich zum Wort.) 

\'or». Priia. Dr. Herzl: b^b bitte keine Debatte zu fUhren, sondern 
abzustimmen, 

Oel- Solotkow: Sphi- vielen von den Brüdern, die uns hierher- 
geschickt haben und auf einen Bericht über die Verhandlungen warlyn, 
würden, wenn wir ofmo die so vorzüglichen K^den Herzls und Xnrdaus 
Nnehhause kjlmon, eine grosse Knttäuschung bereitet. Ich möchte daher 
beantragen, das« die Heden noeb bmnen S Tagen, d. t wahrend der 
Dauer lies t^ongressoji, gedruckt uml vortbeilt werden. iHcifall.; 



2*.» — 



Praui. Dr. HerzI : Ich bringe iiuiiniehr die Anti-afte icur AbaUiiiDuitig. 
njfjeoi)j;pü Drttnen und Herren, wolch© für solortiKe seponite Dnirk- 
lepinn sind, bitte ich ilie HjukI zu crhebeu. \üoschioht.) Bitte um tlie 
C^gpiiprobe. (Nach «iner l'nuec.) A n f^eii omni l^:i. ^Lebhafter Hoifall 
uod HuMilL-klniBclicii.) 

Wir Mcrdcn jetzt zu den W'ahißn schreiten und dann die Mittiig^t- 
pause eintreten liLsseti. 

V'urs. riüs. Dr. Herzt : Wir ^ehen nun zu ilcn W'nhlun über. Der 
ßefiu'etit des Pertnuuen/iaaaschusÄfs hui Jarf Wort. 

Del. O. Marmorek : Irh bitte die Wiihl des Le^liJnations-Ans- 
fithu^PK VfJizuiii^hnit'n. Ks sind folgende Herreu voryesi'hlngen : 
l de Hnns. Dr. JiiviiupwBln'. Dr. l-eo|i. Kahn. Dr. Konihiiuscr, Sehwm'a!- 
ftld. leh ht'unti»;;»» die en hbii'-AMunhint' dieser Lt-^te. 

Del. Schach : Im Interesse der Wahrung der Ehre des Conj<resses 
muss ieli sn^ren. es jifilu eini>«, die diffi-rii-ren in Bi'zu;^ nul' die Anf- 
IiMUn^ des rteclites der Mun<lnte. Es jiriht Diuije. die In die OeflTentlirh- 
keil uieht liinKUspebrrieht wi-rden solliMi und nui.s--*en. Damit sie erledigt 
«enirn ist die C'ommission dn. Ich habe dns j^irisslo Zutrauen zu jedem 
Zifinisten. iibor nieniapd kunn nus seiner Haut henni.s. joder bleibt indi- 
rjduell und behült seine Meinuns. t.'nd da meine leh. dass bei einer so 
wielittuen I-Vaife, von der die Khre de.'! jiidisehen Parlomeuts abhün^t. 
fünf Alitglteder nicht ueriügend sind. leli t>eantiaK*' daher eine Ouuiniis- 
Mon von LS Mil)2Ued>'rn v.u wählen und tiitte durum, dn.ss jedem, der 
dne BeBohwercle hat, dns Recht pegehen werde, dieselbe auch über 
solche Mandate, die nnerknnnt sind, in der Comraission vorzubrinffen, 
lUmit dieselben alle Suchen schlichte. Ich würrlo niioh nicht schämen 
lu sagen: wählt mich. Ich will mir das Hecht nicht nchhien lusüen. in 
dnr ('oDimission das zu sa^cen. wa^ ich fUr Iteoht halte. Sie >;chiilzen 
die Ehre des Cuufn*e.<4ses dadurch, dass Sie meinen Antrag nnnehint»n, 
Vors. PvAt^. Dr. HerzI: Ich mache dariuir aufmerktiam. daR>; mich 
§ 2 der (iei^rhärUordnung, die Sie en bloc unbenommen haben, die 
Z«lil der Miipiiedei- dos Lettitimations-Ausscliu.saes auf 5 restgosteUt i^t. 
t uiitf ja allen soviel, wie Heixn Schach daran, dass die Wahlen 
I l>*vii liniert werden und es wird gewiss kein principieller 
■'■u werden, wenn die Zalil der Milulieder dcrt Leirlti- 
-138 jetzt noch vemiebit wird. Ich uinche aber darauf 
s.Lin. li.'iss es im ^ A» der ( iesi^hattsiordnunj? hcisst : den gewidiU 
Uri Aussf'luKsen steht es tVei. aus der ganzen X'ersammlung solche Dele- 
ifierte, denen sie hesonilere Kenntnis des (.icKonstandcs zutrauen, zur 
Tlieilnahme »n <len Sitzungen mit hernlhender Stimme beizuzielieii. 
Üie beratlienile Stimme ^'enütrt. weil otinetiin der Cougres.^ die nik(<e- 
fochtenen Wahlen ei-örtern wird. .\ber zur Vereinfachung und dumil 
vir un-( mit solchen ZwischenfVngen die kostbare Zeit nicht nehmen, 
*ird kein ernster Widerspnich daRcgcn obwalten, dass die Zahl auf 
13 ppl.oht u.'rde. i'Zui^timmung.) X'ieÜeicht neimt man aiLs der Mitte des 
[Coi.- noch 8 Mann; in erster Linie beantrage ich Herrn Schacht 

[lU •! I [linotionen hat und bitte noch um 7 Namen. 

Del. O. Marmorek : Ich bitte die Wahl auf Nachmittag zu veiiagen ; 
liom-ifrheQ (.ollen die Herren ilie Vorschliv-'e erstatten, (Widerspruch.) 
Vors. HrüK. Dr. HerzI : Ich bitte daraus nicht eine IncidenzdebnLte 
liu mjbchen. die die Zeit vergeudet. Ich glaube, dass es nicht viele 
I Gesichtspunkte gibt Es Hegt uns allen daran, die Wahlen gut zu verifl- 
L*äeron. Nennen Sie daher au.s dem Congress 8 oder H Mitglieder fTir 
^Xiegilimationsausschu.ss : sie müssen ja nicht von der Pännaneuz- 
oifitiion ernannt sein. Ich habe Herrn Schacli beantragt. Die Herren, 
öe für Herrn Schach sind, wollen ilie Hand erheben. (Geschieht.'» 
Bitte um die Gegenprobe. (Nach einer Pause); HeiT Schach ist 



— 8«- 



g«wÜliU. Bitte nun mir einen »weiten Namen (Rufe: Leo Kol 
■US Kisrhtneiri. 

Vorsitzender: Es sioLlt sich eine praktisoho Seliwiengkoit heran«;. 
Es .sind ^ii vit-lo Nt]in><n ^eminnt wurden, (lHS<t es. niehl zulässig i^t, die 
ersten nehl Namen herauszunehmen, e^ ist duher nothueiidii/. lUe 
genmrhten VorschlHue dorn IVrmüiienz-Ausschuiwe zu üIhtwcIsoii, dei' 
olinedies von gtinuntllchen J.fliidsmannschotloii gewählt, ist. i>er*el!ie ist 
hlso keine improvi-^iei'te C'ommi.-^sion, der dif^se .Sii'^lie überwiesen werdi-n 
»oll und ich bittn dnnn in der Niicbmitta^ssitzung den Legitiumtioas- 
ausschuss zu witlilen. 

O. Marmorek: Für den F i n (♦ n z- A u ssch u ss sind 1> Mit- 
glieder zu uälilen und ieli erlaube mir als «ulclie voiv^uschlafJten die 
Herren: (iiistav Cohen (l-InmhuivK Piof. Dr. H. Ciottheil, Tobias 
Markus. .S ** h a l i l <Kiga). .1. H. E 11 m a n n, Or. K o rn h fi u s o r. 
Moses (Kattnwitzj, V. \V i 8 s o t z k y, L). VV o 1 t'f s o h n, Schwarz- 
f c I d. 

Vorsitzender: Wird für die Abstimmung irgend eine I'orm 
beantrag ? 

O. Marmorak: Ich befmlrage die en bloc-Annahme durch Hund- 
auHieben. lAngeiiummen.) 

Es ist nun der rg a n tsHtl one- A iissc huss zu wühlen, fUr^ 
welchen icli l'ulgende Zustimmonsetzung vorschlage: 



Dr. Th. Herzl 

Dr. M. T. S c h n i r e r 

Dr. U. Kok es eil 

Dr A. Mint ?, 

B erger 

Dr. Kruck 

Dr. W. Jacobson 

Dr. Keo Kohnn-Kiächinofr 

L. M o t X k i n 

M- M n n il c 1 s t a m m 

J. H. K II in « n n 



S. ri n el es 
Dr. H D .s e n h e c k 
Dr. K o r k i s 
Dr. Ebner 
J. de Haas 
Zu lotif oft' 
Dr. B o d e n h e i m e 1' 
Dr. K o s c n t h ft I ' Wien 
Arch. O. Mannorek 
V p i t - 1 la.sel 
II erbst- Sofia 
Dr. Alexander M :i r ni o r e k. 

Dr. S. R. Landau: Meine verehrten Herren! Es ist leider traurig* 
wenn d<'r SoJnverpunkt der Debatten und Entscheidungen in die Clubs 
hiriRinvci'legt wird, allein das itolitisohe I-ebcu entwiekolt sich schon 80, 
diuss bei einer grösseren .\nzqhl von E)elegiert*»n dies nicht iinders 
intSgUeh ist. Ea ist aber, meine Herren, im politischen Leben auch 
usuell, das* tnim bei Ziisammenselzutig eines Au-ssrhusses auf die vor- 
handenen Strömungen Rücksicht nimmt und es ist mögtieh und kommt 
Ühemll vor. das« in jeder I^aitei nicht alle Genossen ausgegprc'hene 
AnhiVnger einer Idee sind, sondern, class sich be/.iiglirh gewi^tser ein- 
zelner Fragen verschiedene Pftileischnttierungen ergehen. Ich erlaube 
mir nun zu erkiftreii, dass am Baseler ('ongresse mehrere \'ertretor 
Kionis(ischi*r Arbeiterorganisationen vorhanden sind. Ich nenne nur 
tinnernn Fronnd S c h i f ri n, der als Vertreter der jüdischen Burhdni<-k'T 
In Kiew >'rwcheint Ferner Max H i c k 1, Vertreter des „Vei'f'inps zionisii- 
velicir Ihuidluiig-igohilteii Emunah" in Brunn, und ich erlaube mir iiuch, 
inivli vor/ustelliMi als V^-rlreter des „Bildungi=- und Untei-slützungs- 
Verninnt jiidis<'liai- At'l>oiter und Privatnngestellten Achwa'* in Wien, 
dtw jüdlHrh-nutionalen Handelscommisvereities „Ivri*' in l^cmberg und 
dnr JÜdlmdien Arbeiter in Drohobycz. (Widerspruch.) 

kli ürklHre. dass mit Resehluss der (leneral-Versamndu^ig vom 
l Augu-<t »Mnigf Anträge formuliert worden sind . . . 

Vorsitzender (unterbrechend): W'ir haben hier nicht Über General- 
Vemummlungen zu beschliessen. 



- 31 - 



Pr. Landau it'urtf^ihrotiili : Icti ersurhc Sie idi liilert^^se des 
7i(t|iisinus. im liitei-psRi» unserer Saeh*», hpi itor ZiHainmpnsotxuri(/ iles 
.4u^<chusKt>s AUi^h (tuf iiiiüitro Purtei Rücksicht xti nphineu unü k@Ine 
((rffimiÄiition zu schafTpn. ohn^ ileijeuippn eingedeak zu seiu. w»*iflie in 
erster I.üiie bestimmt sinti. mir-h l.'alastiim zu gohoii. Ich n|ipeiUeru au 
Diren I'arloisiim luwl Lovaliljit und bitte Sie. aii die voi'hwii'Ionon Wf- 
IwhT d'^r zionistische» Arbeilerüi'^aiiLsalionen nicht zu v^i'^ieSJiMi. L*m 
' ihvr auch nicht den Schein eine^ V'erdacldes gf^jen Diich xu erwecken, 
^ *Ls ob loh im eigenen Interei^äe sprechen wüixle» so erlaube ich mir die 
Wflhl des Herrn Max Hickl vorduschlagen. 

Vorsitzender: K^ ist durclmus nicht nothwendii^. solche Gogen- 
i sitite in unsere Berolhun^en hineiuzubrinpeu. Ich erlaube mir zu be- 
1 m«'rken, dass auch ich Vertreter der iiirdwaciisurbeiter von üoryslnw 
' liin. Diese sind jedenfiillri ebeiiöü berüek.siclui«enswert. wie die vou dem 
I Ht-rm Vorredner nainlial) ^fniHctitpn Arbeiter, und ich könnte aus 
' dicftcm lirun<le ebenso, wie ei\ die Wahl in die Kommission verlanjfon. 
[ Uohricens können die Herren ihre Ansichten bei der VX'ahl zur ( Jeliung 
fcrinfjen. Ich will mich nur da^e^eu verwahren, dnss von vorneherein 
' Clasäeuunter^otdede gemacht werden. (LebhaUer BeiraLl und Hünde- 
Ufttfchen,) 

Del. HIckI : loh niöc])(e mir den Anti-nfr erlauben. Aass auch ein 
^Inndiit eijiem inahiischen Delegierten i^utheil werde, nachdem die 
I mxdirischen Zionisten in der österreicliischen Bewegung einen l-'actor 
[bilden. (DeifaUj 

Zum Antrage des I'arteigenosäen Dr. Landau möchte ich. obwohl 
lieh nirlit alles, was er ge-sagt hat. unlersclireibe, bemerken, dnss ieh es 
^ filr gui tinden würde, wenn ein Vertreter tlev Haudelsgehilfen und 
[Arbeiter in den Ansscbuss gewühlt würde. 

l;e|. Syrkln : Auch ich schliesse mich dem Antrag Landau an. 
[£s war*- '■'' '■•j.s vom ethischen Oesichti^punktt? auö wünschenswert* 

iiU&<) Ci ' nsätze innerhalb der Judenschaft nicht vorhanden 

jwiren. i-.s i-,i aies indoss eine Thatsache. die sich nicht bestreiTon liLsst 
lund nieht zu eliminieren ist. Um allen Classcn innerhalb der Judenheit, 
irelche nach den schönen Worten des l'Jr. Xorilau den Zionismus diirstwllt, 
l-^re»'hl /M werden, würde ich vomStaniI[»unkto der Loyalität und der Welter- 
' verbreilimgder jii<li.-;cben .Agitation innerhalb üe.'i JÜdenproletariats beaii- 
[ trafen, in sUmmtliche ('ommis.*ionen Veitreter der organisiorton 
Är&iter»^elmn hint'inzubrinjron. 

Dr. Kohan-Bernstetn : Wrelu'te Congresämitglieder ! Ich habe zur 
'■-■■•'- verstanilen. iiuf welchem Standpunkte die gesiunmte Bowegtmg 
- bat keinen Sinn, besonders jetzt, wo alle in Frieden zusammen 
.....^....i noilen. diesos Kampres Erwähnung zu thun. 

Ich btdinupte. dass wir jetzt nur auf einem Stäinipunkte stehen. 
,■11^ dem rroletarini zu helfen. U-ebhatter Beifall und Händeklatschen.) 
fHiw ist kein (»rt zur Theilmig in Bourgeois und Arbeiter. 

Dann behaupte icji, dass die organisierten Arboitenereine noch 
I kleinen JVrcenlsatz der Zionisteu ausmaohcn. dass sie eigeul- 
!i nicht berechtigt sind, einen bosonileren Delegierten hinzu- 
(Muden. Icli glaube, wir können fest darauf rechnen und es wird fiir 
tUttü g«nug t-iarunlie sein, dass diese Arbeiten'ereino in Betraciu ge- 
worden, wenn Dr. HtzI als Dele^'icrter der Boryslawer Berg- 
Äter bier ist. (Lebhafter Beifall und Hünd.-klätsehen.l 

Del. j;)r. Sehauer: Ich wollte natürlich dasselbe ,-^ageu, wie Herr 

l>r. Bwrtwtpin- Ich erlaube mir. die lieidcn llerren, welche Anträge ge- 

-•■n \''eitret.ung der Arbeiter, auf die Com^equenzeu dieses 

rksam zu maclien. Sin handeln im pulitiscb-reactionÜr- 

■; .-Mnnc*. i^fiin das Ideal der Heaction ist die Classificicrung, die 



- 32 - 

stäniiiscbo Glieildrunfi. Das wfuischm bei uns tli& Hocticons^miiv« 
und ist in Ocsti^rrpicli IheilwpiRe s^-hon dtirrlippfTihii. Ich f^tnubp. da 
sie da Dicht im Sinne Ihrer Uhernlon demokrutischen lYinoipi« 
handeln. 

DcL Wolttsohn : Tch bcuntraKo ScJiluäs der Debatte. 

Vors. Or. HerzI : Et? ist Schluss der Debatte beantragt. Ich w 
diesen Antrat; «fur Abstimmuni; l>nuKen. OeineMet sind die He 
Dr. Mintz, Kabius Schach. Dr. Farhstein und Dr. Etlinger. Ist der Antr 
mit oder oIihp Adhörung weitoror Hedner gemeint? 

Del. Wolffsohn : Uhnc Anhörung! 

Del. Dr. Malz: Zur Abstimmung bitte ich luns Wort! 

Vors. Dr. Harz! : It-h bitt* ! 

Del. Dr. Matz: Dadurch weril*»n lÜe Rechte der CougreÄSinilglieiter 
vergewaltigt und ich beantrage, dtti^s über diesen Antrag namentlich Ab^ 
gestimmt werde. 

Vors. Dr. Herzt: Sie wollen doch keine Obtaruction machen? 

Dr. Malz: Dieser Antrag i-^t auch Oh.-itractionsnbsirhten en| 
jirungen. Ks ist eine geringe Anzahl von Itednem gemeldoit. und ic 
sehe nicht ein, \\arum diesen ItedDciit das Wort entzogen werden soll. 

Del. Wolffsohn: Ich bitte um das Wort zur Ge:»chältÄordnung!_ 

Vora. Dr. HerzI: Herr Wolffsohn! 

Del. Wolffsohn : Meine Damen und Herren ! Es Hegt Im Intcrre 
des Congresses, duss die Geschtit^äordnungs^erhandUmg hier sieb nick 
in die Länge zieht oder gezogen wird. <LcMiane Zustimmung.^ 
wundert mich sehr. dfts.s specieil Herr Dr. Malz, der hier aU Ordnfl 
gewählt worden ist. einen derartigen Antrag gestellt Ixat. 

Vors. Dr. HerzI : loh biKc nicht perBönlich zu dlsculieren. 

Del. Wolffsohn: Ks soll jetzt die Mittagspause eintreten. W| 
haben in den drei Tagen wichtige Bernthungen und sollen un« jetzt m 
derlei Kleinigkeiten aufhalten ! (Lebhafter Beifall.) Deswegen hnbo ic 
den .Antrag auf Schluss der Debatte ohne Anhörung von vveiterQ 
Rednern gestellt. 

(Dieser Antrag wird von Hm. Temkin und Dr. Nordau ine Russiscli 
beziehungsweise Kranzösische übersetzt!) 

Vors. Dr. HerzI : Die Damen und Herren, die fUr Schluss de 
Debatte sind ohne Anhörung weiterer Redner, wollen die Hand erlie!»eiL 
(Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (^Nach einer Pause( : Dl 
Debatte ist geschlossen ohne Anhörung weiterer Redner. 

Dr. S. R. Landau ; Ich tiitle ums Wort 

Vors. Dr. HerzI: IcJi denke nicht daran, Ihnen das Wort zu gebe^ 

Del. Dr. Mlntz: Ich bitte, zur Geüchällsordnung I 

Vors. Dr. HerzI: Ich bitte! 

Dr. Mlntz: Hochgeehrte Versammlung! Ich habe mir das Wo? 
zur Geschällsordnung erboten, um Sie darauf auftiierksani zu nmchen, 
dafis der Antrag des Herrn Dr. Landau mit der Cieachärtsonlnung 
und dem Geiste der GeschäRsorduung nicht rechjiet. Ich möchte IJiuea 
^genwärtig halten, dass nur unter der Voraussetzung ttberhaupi ein 
Delegioiier als Vertreter der organisierten Arbeiterschaft ersrheinen 
kann, (Ruf; Das ist zur Geachüfteordnung?) wenn wir bereits in die 
Prüfling der Widilen eingetreten sind. Nach der Geschäftsordnung ist 
es die ei-sto X'oraussetzuiig, dass wir überhaupt in die Prüfung der 
Wahlen einti'elen. Auf Grmid der PrüfXmg erst werden wir erkennen 
können, oh der eine oder der andere Delegierter der Arbeiterschaft ist. 
Eh ist drüier von vomehorcin ein Zirkel, in dem wir tuis bewegen, üb 
eine Absurdität, wenn wir überhaupt in die Debatte darüber eintrelen. 

Im Sinne der tlesuhaftü Ordnung beantrnge ich daher, über liic 
widersinnigen .Antrag ohneweiters zur Tagesordnung überzugehen. 



- 33 - 



Vors. Dr. HarzI : loh imtsR also joUl »len Aiilrap des HeiTii 
Dr. LaiiilHii. wi'Ioht?r ein«» Ziii iickverw^iBiinj; des PeinnnnonzausR<:hii&i;* 
kninuf^ hfd^uit^i, zur Altstiinintiii^ brin^feii. 

Pr S. !!■ Landau: Ich hitho mir erlaubt, ilciii sohl* verohrlen 

I tkwfiff'SS* \orKt (Schill treu, liass y.u »Ion 23 vom Coiiiit^ Etnnnnten noch 

•in iVniiifl/wmizlL'ster IKtt. Ich will j'-txt nicht mehr ilarüber sprcrhen. 

I « ist jii uicht uesliiUol. Aber ich uhiuhe, ns ist oluc soU-he KloirnykeiL, 

(Itäü inmi olnw* vi<?lo Sehwifirißkeiten einen :i4. Vertrotor- nfthm<?n könnt«. 

Es MU'\ Bo \'i^l* UoiM'^ft^n drin, os könnte anch ein Cie-*<'hiins- 

iti der t'oinmisÄioii sein. leh heantrafft^ also die Wahl von 24, 

di»> \\'nhl d*?r voi'gefiehlnpnnt^n '£i und bitto um Minzufüfning 

ri.rih H i ckl. 

Del. O. Marmorek r Ich fflnuhp. wir schlios)=en uns diosoni Antmgn 

■^»D. Ich alauhft (In im Sinup aller Mü^UeUor zu spr^chon, (Widorspruphi 

tun (Ijp nr>hHlte nli/Jikürzen. 

Vnrs. Dr. HerzI : Herr Mni-mtirek, Sie mü^cn sich da mit den 
Mlt^Iiotleni d*^r IVrmim^ii/.-ComniiftKion ins Einvernehmen setzen. 

n-. Gaster: Ven-hiie Oninen und Herren 1 Al8 PhUident des 

izuiLssehus-it-'s erlimhe ich mir namens deÄ#elb*>n tblgendoö 

ilon. Nieht au-^ I'artoirücksiohten — dpnn wir kennen keine 

•I. wir sind aUe Ai'boiler im Felde Gottes zur ReswerunK der La^rc 

Juden ohne L'ntei-Hchif'd, und ilnruni künneu und wollen wir 

' Arbeiter und Arbeiter unlt'rscheiden . mögen sie Aibeitor 

l'elde dt« i.f ei^tert oder des (ecl uiiseheu Leben») sein, fLebhnfter 

illi aber wenn wir die hnoressen aller ffennuer berUcksichliKen 

i^n. tJMin wir es mit \'pr^mü^en — also deshalb erWhire ich im 

i'n de»; Ivniuuioiv/nnsschusso.'s, 'ln*JS wir niclil .^inen, sondern zwei 

r.>n cdopticrt hid'.'n. Hemi HickI und Herni ScIiilVrin. Ich glaube, 

n:!--- jelzt dip W'jdii cin.^timmi? ortntjr»>n wird. (Lebhnt>er Beindl.) 

Vors. Dr. Hsrzl : Ks wird die nu ldoc-.-\nn«hnie des Ausscliiiss- 

' ' antragt. Diejeni:;<^n, welrlif den W'nhlantrair des r'ermauerrÄ- 

der jel/.l vorlieul, anl' 'iTi Mitglieder en bloc annehmen 

j :. ' •^■ri rli«' Hand erbeben, (l'cberript/.ung inV J^ns.i.i.'^i-he und 

iii.'li I;, lin-h Herrn Temkin und Hev. W" i s ej (Geschieht). Ich bllt« 

i 'iit' I i<. ^enprube. uN.'ich einer l'ause) : itut angenommuu. 

Ihe nii'distt-' Cüunui.'Witm ! 

Oscnr Marmorek: Der (7 u 1 o n i s at i o n s n u i;H e h u ss ! Derf<olbe 
Iwll nus 17 Mittriiedem hoistchoii. In diesen worden eandidiort die Herren^ 
iDr. K o h » n - R ü r n s t o i n. Dr. M e n <• z i> |. 



Herbert B o n l w i e h, 

B. Ritter. 

D a V i s T r l e t fr e h. 

Dr. M. T. Sehn iror. 

Bahn r, 

Dr. L o e w 0. 

T>r. Frin dorn Ann. 



\B*n .Ami ikabbinowitseh). 
[lag. Teui k 1 n. 

Gregor Syrkln t^enior, 
I IpB. l'Rsy iicbk i n, 
I S. Pi ne 1 e«. 

Ml r 1 1 m a n n, 

' A. 

II ma rk. 
Vor*. Or. Herzl: VVün.sobt jenmnd v^u diesoni Anlratfe dius Wort? 
Del. Lublinski: Ich bitte um» Wort- 
Vor-i. I>r. Herzl T h-h biitn! 

Lublinskl : NjH-hdem verii^hiedene AnÄjchten hozii^leh dor tJolori- 

'i'Mi. beantrage ich, dnrts niicli Herr fhimhuä hineingewahll 

'irtr^^in \'eitrfler deijenigen Itiehlung ist. dip eine Systierimg 

nifiaÜMn ni-^ht wünsch^ obwolil ich persönlich nicht der Ki'di- 

ihus nngchöre. 

Dr. R. Landau : Ich erlaube mir zu den bt^i-eits vorge«rhlag«'iieii 
hindern nucb Dr. Syrkin aus Ciem'vorzuschhiL'en, tier firi ineine-i Kr- 



achi«'nA hei der Treffung von ßutsrheidunK>*n und Fassung von 
schhissen über die Colonisatiou sehr wichtiKOs Princip. nämlich das 
Genossenscliansprincip. roprfispntiert. Fround Syrkia hat nul' dieäf?iii 
Gehtete i'ine g«'wisse Krudition und auch WisäenschaftlichL's ),r(tit>i«it«i 
und es wäre sehr zu empfehlen, das* neben den anderen Ht>n*en. die 
zumeist nur auf ihrem eitieneii i^iehiete, sei es als KauDeute oder Aoi-zre 
lliewi-<%se Fertigkeiten hesitzen. auoh diese Leute sitzen, die iiher Coloni- 
sotii,>usft'nffen und Genossensrhaftiisnohen nar»hgedacht hnbcn. Ich schlaKe 
daher die Wahl dos Herrn Sirkin vor. 

Osrar Marmorek : kh möchte nur erklären, dasa diese Herren. 
die hier noininiurt winden, von den Landsinaimst-halleu nuiiiiiiierl 
wurden, und »Ue Küssen haht-n diese Herren uunüuierl. nncli langer 
reiflicher Krwügunß. Da müsate entweder ein iindorer di'r Herren hit^i 
dem Aufwehusse austreten oder &i mii-^ste die Anzahl seiner .Mit>;lieder 
vermehrt werden, .-^her dadurch erschweren wir die Arbeit. 

Dv. Jacob Kohan-Bernsteln : IniNtunen der Permanen^commi^^itm 
kann ich nur Mijien. da^s wir diesen (.'olonisationsnurisehus.-» am nu-i-ifu 
besprochen haben, kh kann sa^en, dass durch die W'idü ib'r MiVt:l)..d.'; 
des ColoiiisationsanKschu.s.se.<i alle diese Ue^trebungeu schon vertreten 
sind. Herr Dr. Landau kann nicht wissen, oh hier nicht solche aind, 
welclip lue Ansitditen dof^ Herrn Syrkin vertraten. Daher glaube ich, 
diL'^K dief^rr Zui;iit/. unnt'dlü^ ist. 

Ol. Bo|fdadli i Alexandrien) : Icli iiiuss sie erinnern, dassAegypton 
hier j?ar ni^hi in lletracht p'^o^en wurde. 

Oscar Marmorek: Ii-h bitte, die Heri-en aus dem Orient haben 
Herrn Dr. G ii k t »■ r. den Präsidenten dieses Ausschusses, dorthin 
nominiert. 

Dr. A. Ffiedemann: ]n der deutschen Landsmannschnft haben wir 
auch Dr. Kftlmus nominiert, er isl aber zur Sitzung nicht aufgefordert 
worden. 

()Hcnr Marmorek : Ja. es ist sehr rasch (««"Hrheitef worden. Die 
Herren aus ilentschlaiiri hnhen im Neljciisaale «etafft, Herr Dr. SchnuiT 
ist liiiiüberKi'koninien und hat ce.sinct ; kh and Pr. Kalmu.'i sind delegiert 
Wfirrlen, »her wir finden Dr. Kalmus nicht. Sonst hatten sie heule da-^ 
iii/iclieii iniisscn, wus wir f^e.sterii bis 10 INir nncht,s gemacht hnhen. 

Dr. O. Friedemann: Wir erkennen sehr genic an. da.s.-; uns der 
l'ermaneiizausscliuss in der lobenswoilcsten \Vciso die Arbeit ab- 
genomnien hat und wir wollen in keiner Weise elwa-i KcRcn den 
rermaneny.aussehus.s vorbringen. .\ber wir wollen nur FosUtellen, da&s 
ilridurnh un.sere Inloressen nicht genug berücksichtigt worden sind. 
iKul'o: Schluris der Debatte.) 

Pra6. Ur. HarzI: I^ Ut Schlu.is der Debatte ohne Anhöi-ung 
weiterer Hedner heimtrugt. Ich bitte diejenigen, die dafUr sind, die Hand 
zu erheben, ((ieschiehl.i Hitte um die Gogeniu'obo. iNach einer Pause): 
Schhiss der Debatte ohne .Anhörung weiterer Itedner ist angenommen. 
Es handelt .sich nun um folgendes: Wollen Sie den CoIonisation&- 
austrichuss. wie ihn der Perjuanen/.aussclmss vorgeicldrtgen hat. en hioe 
annehmen, oder woUhm Sie eine lOInzelwahl ',' (Rut'f: en bloc.l Ich werde 
abNtiminen lassen. Bitte diejenigen, welche fiir die en bloc-Aiinahm** 
der voni Permanenzausschu.ssc vorgeschlagenen IJ.*;te sind, die H.-*n't 
ÄO erheben. (Geschieht.) Hitto um die Gegenprobe. (Nach einer IVik.-»^ 
Dio Liste Ist en bloc angenommen. 

Zur Geschäftsordnuni; hat Herr Dr. Landau das Woii. 

Del. Dr. S, 1{. Landau: Meine Herren! Wir haben an eines ver- 
gCfMen. Der Antrag isl angenommen worden, allein es liegen 2 Kiväny.iintrs-i 
antriige vor. einer von Herrn Luldiiiski und einer von mir. Die Antrag 
wldoraprechen einander nicht. 



- as — 



Voi^». 0r. HarzI : Wollen i^ie fröurulsfhnniinhst lÜMen CommftnUir 
unturlagsou. Ich Imhe deutlicti gcsugt : will üor Cungr^s dte I.Ute 
f« bloc Aimohmpu — das schliesst eine Wühl aus — oder will er 
tfihlpn. Will <?r wählen, dann ..... 

Del. Or Landau: Dih wni'»? ohi EiyänzuDtrjiTitrrtji. 
\'oi*s. Dr. H«rrl ; Es K\h\ ktMiion Krj;«ri/uni^«ntrag. 
Dns Wort hrti Ken- O. M ii r ni o r e k. 

Dol. i>. Marmorek: loh henntratfP femer djp Wahl eines fVofframin- 
•csdiu.t;.<e8 von U Mitf;IiiMl(*rn. Ka sind foljrendo Hflrivn vorpeschla(?en : 
r Xordaii, Prof. MMn<lp|sltiTnin, Bornhnr«! Laznre. Heveront Dr. (in.ster, 
r, AI. ^favnHlrek. Dr. Mcno/cl. Dr. Jasiiiowskj', Dr. S(*hur, 0. Wolff- 
hD, HickI und l'rau Profi^jwnr Snhapira, — lc)i beotitnige die 
bloc-Annahme dii^se-^ X'orsehla^fefi. 

Del. Dr. Friedemann ; Ich inochte xiinäohRt riohtitff<itellpn. dass 
iif'h Dr. St:')uni<'r ni'^ht zuiZf^zoeen worden ist Ich möchie infolgedcääen 
r • n. dnss woniRstons VWri Dr. Bodeiihcinier für die deutsch« 

rcinigun!? /nm Prourammau.^jfchvisso zußozosrcn werde. iLtpifalL) 
'i". Koli/iü-RerTisitjiri : Wird mit \'erKnuiien acceptiert.t 

Dp). J^r Bodenhelmar: K>^ wari* i)iii*i('hti^. lla.<^ diinite zu erweitern 
ind irh bin nun diesem (ininde rlariir. dass es boini VorÄchlage der 
TinnneuzcoininliiKion \'orbl<?il)e. wenn ich auch im InleressB der Sache 
«ünä<--hl liülto. <la.<s jreriirie die l'roirrnmmeomniisi-^ion mit trrösstor 
otsichl h'_'ziit;lieh der Auswahl der J*crsonon zu.<amiiicnjreselzt würde 
\&JrJä iiiun Jiuch der deutschen Zioni-stetivereiniKunn tJehfi^enheit kc- 
hätte. rlie ihr (leciirnel erscheijit^mien Personen in diese (-'oinnti^>«ion 
miuiPivii. Ledi^lifh aus ]ii'«ktisch»!n tTesichtspunkten btUe ich aher, 
^n Aiiti'iit; diT l'iTii»;iiii^ii/.ooinTni>-si()ii aTizuiiehnirn. (Widfi-sprnrh.) 
Dr. Kohan-Bernstaln : Inh mus.<^ h^merk(!n. da'^s wir nur din Wahl 
Hcrni l>r. liodonhoimer hcÄtehen. D;is erWlilre i*'li im Niiinon der 
^nnan^-nzi^uniiius-iiiin. Wir küniien ilm nicht vemiisseu. wir wullen 
n in unstTcr Milti« haben. Es wird auch ein Verlrelur der ainerika- 
lien Intt^rctiseii in den I^r.^jrramniaussphu-y* gewählt werden. 

Vova. Dr. HerzI : Irh bitto dii'jentpen, welche Tür tlie en bloc- 
>nDahnie dieser Li-^ie sind, die Hand zu erhoben. ii^ejM^hieht.» Bitle um 
Gcsenprobi^ iNii' !i einer Pause): Die Liste ist angenommen. 
Del. O. Marmorek: Ich buhe nur noch den letzten Ausschußs 
';i:<r-n. da.** ist der. der bieh mit den culturelleu Ani^elej/enheiten, 
. liiitia und l.tleratut- zu be>ii'liatYi^«»ii hat. Für diesen Au^^sehusa 
VoiV'^eblai^'nn : 

Dr. M. Ü a s t e r, i Kedaeteur N. S o k o I o t' i; 



Dr. Samuel P o z n a n s k y, 
Rabbiner Dr. .1 e I s k y. 
rtnhhiner P. R«izowsky. 
S o h e Ifp r (HaliliinowilÄch), 
Prof. Dr. Üotth«iI, 



tier Dr. U ü l f. 
_|nor D r. E !i r p n p r e i s. 
Leopold Kahn ( U'ieti |. 
bbiner Ur. T h o n (Knikiiui. 
. IC. L i I> p e, 

H e n Ami (Italitunuwiltich). 

leh Mtte um en bloc-Annnhme ille-er IJ^le. 

Prä?- Dr. Her2l : Zu diesem Punkte hui das Wort Herr Syrkin. 
Dfl Syrkin; Ich riithe «luiz eiilselüpdon uh von der Annahme 
Bt^rr I.r^i". -iMi-fh welche di'.* <.'ommis.-;ion zusammen gesetzt erecheint 
I Rabbinern, die in (Julturfi'ajren eine ganz speciHsohe 
n. Wir können die Erafien über jüdische Cullur nicht 
clitiii Uiihlithorn überlossen ; iln;? wäre eine Gefahr für itio (fe- 
ldische l'iiUur. (Widei-sprueb und Heirnll.) E< gibt innerhalb 
Leute, welche den alhpi.';lischen Standpunkt vertrelnn und 
i.iler Bcziehun«^ jrsuiz nndcrer (iesinnune sind. Wir müssen 
"Znln <t'' Kiihbiner in diesoin Ausjwbus«e nuf dits gei'ingsle bc- 



30 — 



sflirSukeii und Lvute tn <1ie Cominission wählen, wt^lrlie notorii*»?^ aut 
üfheistisi-hviii oilor ilnch froiheillir-liHin Stjtint|iimklc steinen, I^Piite. wplch»* 
in Hfzuß auf MHiriöso l'reiliGii mit den Hui)hin«m nioht Hand in Hniirl 

Sehen. ^Schlusa-iinl'»?.! loh schlugr aus diesom lirundo \-or . . . (ächUiss* 
lifo) . . . ich schiapo aus djesfin (iruuilp vor, Leuto in diesi» f'ommis-iion 
hinein zu brintrrn. wcJolje nirht auf dem nibbinis^rhon Sl'iiid|iunl<l<? ia 
Bc^uji auf jüdische Cultin'fnicen unii in ivli^iösen Studum Mehon, 
stjnijflrn icli will nicht ^a^en. auf atlieisti^jch^ni Standjninklp slohen. ob- 
jil^'ich ich selbst <ltesen Htnndpunkt vtM-livie, aber Leuto. die dem froiliclt- 
lit;hen Sländpunkif hulditftrii. Ich eichlatie dinnKf^iiiiiss vor ili« HeiTon: 
iJr. L^nndau, .laoobKohn. Schach. Houctiniil. Hlrnhauni. Llcohtenstohi ijn(f 
violleicht weiss jctnund noeli undcrc Nainon — und bitte, diesen nifinrn 
.Antroji zur Ahi^tinmiung zu hriii^'/u. iL*'bhiifti' Schlus^irufv und Uiiruho.) 

VorsitEender : V\'t>nn sii> müde sind meine Damen und Hfri'*>n, 
wollen wir liebtr den (Jü«>iress sofort uiiterhrflchen. Öalafien wii- aber 
tagen, bitte ich. rnnbr AnlYn^rksanikeit den Verhandlungen zu widm*-». 

Kfi ist pine Anzahl lipfin^r eini^etrapon und von H*Trn Lurie 
.Sfbtuns der Dobatte ohne Anhanine weiterer Redner fifiintniirt wonlen. 
Diejenigen, welche für Schlus;^ der Debatte ohne AnhoriinK weilerer 
Kedner sind, wollen die Hand erheben. (Gesehlehl.) 

Ich bilt«» um die (ieirenprobe. (Dieselbe erColfrt.i 

Dt.- Debatte ist ^jeschlossen ohne Anhörung weiterer Redner. 

Dr. Neumark : Der Gesiehtsitunkt. der vom Herrn Antrae;;tt*llor 
an^icführt wuvib>. bildet eine reinf* l.ticiierlichkeit. \\s j^ibt keinerlei 
rnbbiuiiiiche Slmnli'unkte bei den .luden und ausserdem hat sich dtn^ 
Comtnission iiiehl inil roligluäeu sondern mit Fragen der hebnüsr'hr'U 
Literatur zu lieä>.'hu(tiKen. 

Vorsitzender {Das Glockenzeichen (gebend) : 

Die Dehatte ist fs'eseblosseii und ich entziehe Iliueu daher daa 
Wort 

Es ist nun die Frajre. ob die V'ersanimlunjif die W'nhl «Hesor 
Commission en binc vornehmen will. tUufe : Nochmals die Namen ver- 
lesen !) Icli werde also die List^? der vorge5chlagenen Mitfflieder noch- 
mals verlesen his*en. (ire-schiehl.) Nunmehr bitte ich um die Almtinirrumjf. 
Diejenigen, welche tiir die en bloc-Annahme sind, wollen die Ihind er- 
heben. (Geschieht. I Auxenommen. {Beifall.) 

Die Liste der pewilhltcn Cunnnissionen wird vervieiräUigt und 
moi^cn fidh jedem Dolej^ierten mitjietheilt wenlen. 

Frau l'inl". Cottheil (Spriebl frunzftKi_*ich. — Beifall.) 

Vorsitzender: Frau Prof. ijuttheil bemerkt, dass sie es ßir rtehlil^ 
gefondon hatte, wenn in der Commission. welche i^ieh inilderjiidi ' 
Volkscn-Jöhunp zu befassen hat. auch eijie Frau Sitz «ml SHmini- 
(Lcbh, Beifall und Händeklatschen.) 

Der Pei'ni«nenz-,Auösch\i*is beantragt sohiu durch seinen Obmnnn, 
duss diese Erwägung acceptieH werde und schlägt ihnen zutfleicli vor. 
Frau Prof. Gottheil in diesen Ausschnas zu wühlen, (l-ebhaller 
Beifall.» 

Dr. Frfedemann : Die Commli^siouen sind en bloc K^wühlt wordon ; 
ich plauhi' d.iluM-, es geht nicht nn. noch irgend einen Namen hinzu- 
zufügen. 

Vorsitzender: Das ist that-^iichlieh riehHg. nur glaubte ich zu 
bemerken, das^ der Wahl dei* Frnu Prof. Gottheil solche isympalhie 
entgcgonnebraclK wurde, daas ich den Umweg Über mehforo .-Xb- 
sliminunpon vermeiden könnte und den vom PeminneDzausöchu.we 
gestellten Antrair zulies.s. 

Dr. Bodenhelmer: h?h möchte darauf hinweisen, da.^» die Corami«- 
fuonen das Rflii haben, sich /.u oooplieren ; ich schlage daher vor» 



- 37 - 

dJfl Vfli*uninluii:; tnftifi' htiSfhHt»sson. ti>^in ('nlfiir.iiisschiiaso zu orapfehU-ii, 
Fhiu Mrof. liottlii'il zu wählen. iLnhli. Bcit'nllt. 

Vorsitzender: Auf (Iif^i> Art ist unser nllor jnnstiäches (tewisson 
bfnihifft iHt'ili'rkr-in uncl die S;iclie iilipflhtin. 

Hf-rr Jakobsohn: Ich möchto vorschlageu, auch Herrn Dr. Birn- 
bnuin in iül-^c «'oititiiUsiuti /.u wiUilcn. 

Vorsitzander : Wir können ili>iisrlben Wen; eu)Sch\ügt^T\. Diejoaig^D. 

^tlehc nir di«» Itpsoliilinn sind, dnss dt^r romiiilüü^ion zu »'mpl(;hleii soi. 

II'Tm Dr. K i r II tinu III zu ruo|»iicri'ii. wullen dlf Kmid erhoben. 

iL) loh \>\i\o um dk» Go^e^ntiroho. (Dieselbe erfolgt.) Diese Heso^ 

: 1 II n Ml) n o iii in en> 

Ihf niidiste Sitzung boKiunt um 4 V hr ii a c h in i 1 1 a ^ ^. 
it'h niui'l)« Jtul'morkwu»». dans i\U> Kntwvirfc für »-in t^oiiKresshiui.-i 
Fov^T 7M >^hpii i-iiid. 
l'>ie jetzt gownhlten CouimiÄsioncn treten um ;t L'hr zufiainmen 
Und PonsHtiiierpii sirh. l)pr Zusiimnicntritt weiterer CoinTuissionen \fiiil 
L^tirelj AnsrlilH^ hokiiinit^oirolicii. 

(Schliisü der \'ormittugs.'ift/unfl V| 2 Llir.) 



Nachmittagssitzung 

am 28. August 
Beginn \,5 Uhr nachmittags. 

\'oi-sitzendfr : 

Vice-Präsidcnt Chiefrabbi Dr. Gast er. 



In der Ahwo.sonh<>it des Herrn Dr. Herxl hube ii.'h diu Khi'*(, 
flltf SitzuiiK' jetzt zu enifTnea und ich bitt»' H.^rrn Oscar Mh rm orek 
üiA im NftiiK-'U il('< r'iM'jii!Uieiiziuis.-(-dmssc.^ Mei-irbt /.u orÄljitten. 

Ücl. nh.-nr Marmorsk : MtMut? I^nnien imd Herrtu ! H»vor ich Uuk-u 

Mal der Nui-'hwiihlen tiokiinntKohe. d- h. die Hos4'ldüs.<e iles Per- 

.iHKchUiwea bplivHend die Nachwuhlen. nu'iclite i<;h mir das 

l)U(CM im Numeri de^ iVnuanenzausäc-huääe.s. um Uhumi einen 

^Ifeiien AiitiJi)^ xu hel"Ürw<-»rt<.'ii. Kr b*t vun einer .\n2Hld von 

fl«TnitKlieder;i eiminhiiiKt und von Herrn liambu» überreicht 

^^^n\. Kr Imitct: „W'eiin rVhlns-j der Dehntte ohne Anlnirunp der 

nmf^rcn Uedner tiontdraizt wird, sti ;;oIl (thftr die Annahnn^ i*esp. Ali- 

flphniinii des AnlniKes dieiviorlel .Miijnritiil der nnwe^eudeii Con^u-ess- 

«itflliedi'r enlKrheiden." 

I>f*r J'erniiiiu'iiznUÄS''hUfJs hat «{«"h mit tlieser Km^e beschHftlnl. 
I •• (■• diesen Autnij? und ieli hittc Sie. diesen Antratr, welcher eine 
mg der Oest'hHn.-^ordnuqM: involviert, uhne Delmlle einstimmig 
.1.. ..iH'^n. 
W. Teiiltin : tübei-selzt dif-;fn Niitnig in*i Russische). 
D. WoIHsohn: Cie<d>i1e rie-^innunjrsgenossen ! !<*h möchte Sie nur 
fnuit kurz liitlfii. di-n .\nlraj^ ab/.ulohni'n. Ich will Ihnen auch »agen, 
l»iinmi. Wir haben ersl4!ii.s heute vnrmitlni<8 die tJesebiiftaOrdnung en 



— as - 

liloc iine(_>noii)inäu. und wenn liier ein Beävhluss ^ernssl worum ist, 
Mer ilurch iifUf AiitHipp wieder nurtfchohfii werben soll, werden wl 
Ulis den (icsi'hHftsor.lminKsdebntten nicht l)erau>^knninieii. Wonn ein 
Anti'a^ siir SchluKA der Debatte, ohne AnhörunK der Rednor ffc^toUt 
wird, geschieht das meislons dann, wenn ilie Debatten von dor Mehr- 
heit des fongreases als üborflüdäiff betraclilot worden. Wenn der (!on- 
frri>ss einsieht, doss die Debatten überflüssifr sind, bcschlie&st er eben 
mit einfacher Majorität und der Antrag ist dann abgelehnt oder ao- 
ffenoinmen. 

Ich glaube, ilio AntraCHtelkr sind sjcli da nicht bewusst, wn.^; das 
bedeutet. K^ wird ein Antr'n^L; pinirt>hr»chT. ninn miiii!; eine Aux^^ähliinfr 
oder einf? nnnientUcho .^bstimmnnp ihirch Zettel vomehinpn. ilie jedes- 
mal stuiiilenlung dauern wird. Nun, meine Herren, wir haben, wie ich 
bereits heute niorjrens pesajrt habe und nocli öfl wiederholen werde, 
nur 3 Tage zur V'erfiijiuiiti. Ein (rewöholiches Parlament, das monate- 
lang zusaniineri iM. \Ai wohl imstande, derartii^e DerathuiiKeu in difr 
Ltin^e zu ziehen, nicht aber wir, die wir irezwungen .-ind. nach 3 Tait«o 
aut'zuh^Men und noch eine >i:anxe Meii^i^ «ichiiaer Arb»^iten vorlieaea 
haben. Die Bejwhlüsse. welclw die Mtgorität fasst. nidsMUt iiir jeden von 
imä (feiiüffenrl sein. Ich nelime an, ilas*: die Anlia^tsteller .<:teh nicht 
bewu^^t sind, was iiie dtiinit iinrichten. duss es also In guter .\bsieht 
gcsohehen ist. Auf jedei» Fall bitle ich Sie. diesen Antrag abzulchaen. 
(Lebh. ZugtimmutiK). 

Dd. W. Bambus: Meine Damen und Herren! Wir haben houi 
Vormiltatfs die (ie^chünsiu'dnunK antienuminen und sie eine Zeil lanK 
in Kran ge^^etien und wir haben die Empfindung gehabt, class r;ie in 
dieser Kichtunir nicht ganz gut functioniert. Ehe wir nun noch weiief 
unter einem mangelhaften Funclionieren leiden, lieber- nehmen wir cini 
Abänderung an, die in wenigen Minuten erledigt ist. 

Ich uuiKs Herrn Wolffsohn widersprechen. Ich weiss gen&u 
was der Antrag bezweckt und weiss, daas eine Zettelwahl überflüssig 
ist und eine Ausziihluntc genügt, welche 2—3 Minuten in .Ans{M-ucb 
iiiinmt. Wir wiinschen aber auch im nllgenieinen nicht, das« die Debott« 
in einer so brüsken Form, dass die Redner nicht gebeert werden, ab- 
gesohnitton wird. (Zustimmung.) Wir wiitischen, dass auch <Iie An- 
schauung einer grossen Minorität gegenüber einer kleinen Majorität 
zur i!pitnng komme. Wenn aber die Allgemeinheit des CongresseÄ 
beHchliesst. das»* die Debatte ohne .Anhörung weiterer Redner geschlossAi« 
wini, sind wir alle damit einverstanden. Eine .Auszahlung wird nur in 
den alb'rscllensten Füllen nothweniHg sein. Handerhoben wird genügen. 
\'tm kommt es darauf an. dass alle Delegierten auch das Gefühl haben, 
duHfi man hie wenigslens nach MoKÜchkeil gehört hat, und Ich hnbe dia 
Kmiitlndiing, dass heule vcrmittjigs eine grosse Anzidil von Henea 
gegfnuld haben, ilass man sie nicht n.ich MÜglictikeit gehört hat. 

Dnss wir Unii]>|> sind mit der Zeit. wei.<%s ich, ich wei.ss aber auch, 
daHa die (!e>-ch)insordrmngsde!)ntte viel länger ilnuert, als die Aus- 
/tililung, und <ts wii-d jedesmal zur tieschüftsordnung.^debntle kommen, 
wenn mau iii'dit ili.-Hc mihlore Form annimmt. (Zustimmung.t 

i)r. Bodanhölmar : Ich beantrage Öchluss der Debatte ohne An- 
h'^rung weiterer Redner. 

Vorn. Dr. OasUr: Kn steht mir ja wohl f^ei. da&s auch ich eiiisn 
\*oi-i«rhhtg mache. Es handelt »Ich darum, dass wir in un.'^erer MitU 
nbmdui freln HewchlÜ.^flo fnsflen. 

IhTidue dt'MtU'M gestatte ich mir folgendeji verbindenden Vorschlag 
y.u inacbch uiHseihallt der Mnchlbeni^ftii.s des Präsidiums, niimlicli, dosi 
von Seile rler Hen*en, welche den .Antrag gestellt haben, ihre (.iründ 
durtdi einen R«dner voili'eteii worden, dass wir dann einem anderen, üei 



— H'J 



•'nw<-Äenv;(*sftzte Grünrtft vorbrlngpii will, lins Wort IftSfipn und ilnss 
wir nlch Anhörung der beiden Herren zur Abstimmunjf schrmtcn. Auf 
Ji«e Weise kür7en wir die üobulte und klären die Atmosphäre. ^Zu- 

DeL Oscar Marmorok : Nuoh dem Wunsche, don der Herr Vice- 
iTBaiilciit peäussert hat. «luub^ ii'h. dnfs es ein \'ernuilJun«8awtraK sein 
luaQ. du&s, im Falle der Antrug iiuf Schhiiis dnr Debatte gestellt wird. 
^Iteoftmlredner liewiUiU «»rden. 

Del. Dr. Bodanholmor: Ich hnhr> benntrngt Sohlu!» der DebatU« 

I iihne Anhörung wpitt»rßr Hpdnor imd bitte darübc^r abstimmen zu lassen. 

Vicepräsident Di". Oaster : WVr für diesen Antrag ist, don bitt« 

lii-h. rhe Hanil zu erheben, (üeschiebt.) loh bitte um die G<*gen|)robe. 

|lNa<'h einer rnu=o>: Der Antrag des Herrn Dr. ßodenhoimer ißt 

iDgeuo in meu. 

Jetzt werden wir Ober den AntrnK des Herrn Bambus und des 
Nnnanenzuusgc'husses id)<;ttmmen hisi^en. {derselbe lautet : .,Wenn 
icfaluss dri- E)pbnttc ohne Anhörung der weiteri^n Redner beantragt 
PO Koll über die Annahme, respective Ablehnung des Antrages 
Dreiviertel inajoritjil enl.scheideri. 

SfJinnriihrer WI. Temkln ()bei*setzt diesen Antrag ins Itussisehe. 
Vtee|>ra.sident Dr. Gastet : Wer dafXir ist, den bitti» ich, die Hand 
erhellen, (üeschieht.) Icli bitte um die Uegenprobe. (Xaeh einer 
ftUHPt: Der Anti*ag ist abgelehnt (l.cbhancr BeifbU und Hunde- 

(ifttsehenj 

Meme Herren! Der Congiess hat noeh vor liebergnng zur Tages - 
dnung einige Nachwahlen vorzunehmen. Fs haben einige Herren auf 
hre Stelle als Ürdiier vemrhtel luul ich beantrage, an deren Stelle zu 
hleri die Herren S e h e i n k i n. Toi ko r osky und Dr. M u n k. Die- 
l«aigen. welflie dafür sind, bitte ich, die Hand zu erheben, (Geschieht.) 
Ikt angenommen. 

i'fAs. Dr. HerzI übernimmt, mit lebhaftem Beirall begrüs.<;t, den 
k'orsltz. 

Del. O. Marmorek: Es ist ferner noch eine Nachwahl in den 

Pinan7.:in>t*%ehiiss vorzunehmen, indem Herr GuRtav Cohen resigniert 

fjut. r <tuiiienzau.<si.'huäs schttigt Ihnen im Klnverstlindnis mit den 

iLmii! littHen Herrn Dr. Ivatnius zur Wahl vor. Bitte darüber 

l>Sliii!inrii zu hissen. 

Vors. frjis. Dr. HerzI: Diejenigen Herr<>n. welche tui' die Wahl 
l!»t Herrn Dr. Kalmus sind, bitte iclu die Hand zu erliebon (tieschieht.t 
[ biti.-- um lue Gegenprobe. (Nach einer Pause» : Herr Dr. Kalmus ist 
erwählt. 

Del. O. Marmorek : K-* ist ferner die Wahl des Wablprüfungs- 
iftsfrhusses vor/unehmen. Der Permonenzaus-schuss schlügt nach Prüfung 
aller Vorschlfige folgende 12 Hennen und 1 Dame vor: 



.laniucf; Bnhar 
Dr. K r i e d e in a D n 
J. de Haas 
Hlckl 

Jasino wsky 
Dr. Kornhäuüer 



L i n d e II b p r g 
Dr. M a I z 
Polinkowsky 
A. H. Reich 
Fabius Schach 
S c h w a r 2 f e I d 
Frau Ellmnnn. 

Vors. Pra.«. Dr. HerzI: Diejeniiien Damen und Hen'en, welche mit 
ä;«u.r lAste einverstanden sind, wollen die Hand erheben. (GeBcIiiehU) 
" um die Oegonprobo. (Nach einer Pause): Die Liste ist ange- 
■ninen. 

Del. O. Marmorek : Meine Herren und Damen ! Wegen Mangel 
Z«lt kotmte die Constituierung der .Ausschüsse »vor Beginn tW 



— 40 — 






.. ...j: .. .1 . 



J' - " 



\''' ■' i<: Ich liilip tUf Herrwi Oolmptj^rhfl. das Qti«r- 

UftYj^n zu ; UU) 

Or>L Goldb«f^ (zur OfHcIiÄrtmorflnung»: Ich wollte don H^rm 
Pri''J*lenIt»n (?riiu<:h*n. zu reranlnssen. «las« mit Au^ia^mie ilvTJen 
Bp4ner, «lio mr G««chkft4on]»ang sprecbm. all« roo der Tribun? 

FriU. Hr. Herd i Ir^li u 
Die l-i-sl«! dw Mitylt'-ilM- »1*^ i _ 

«rcHvn. Zur Kr.-<>lattunK (lesUt*cbuiit«chBri!-iiprii--lii(*s im 
Namen Arn Aclionscumil^s bat Herr Dr. Si^linirer cta5 
Wort 

R^f. Dr. Schnirer uai) ütürmiwhrra ßeifoll und HäadRlclAtäch^n 
bt'gräRHt) : 

Verohrle Vorsamnilun^! 

DfiöU-r. ja zum Vei-zajffU liJiunjr xsl das BiKt das Ihnen 
Herr Dr. Nurdau mit so horHlcii WurtF'ii von der all^nipmi-n 
Lnpp unseres Volkpä entworrcn liaL Wiihin man *lon BMck \vfndt»t, 
dfrst;IlH> dunkle Farbenlon. Vau *^im\\iir l.Hd.-^tralil i'rlif-IH wnhl- 
lliiif nd das tinstert' (JL-mälde. Es i?t die- Am Sliobfn w.wh grünillir-lirr 
Abluirf für dio niidm»lle und sillliclie Judi^mmlU — der Zioniä- 
niijs. Die Ge5S<-lii''l»l*' IsH"»''!!^ hu idi^flanfcni ii Jalin* würt- unvoU- 
filämiig. enthielte fii> nichl auch nin Bild von dem Verlaufe d*r 
nf^cnertMions - Bc^lrebiinfftn unsere« Volkes. DH.-s vom "iiMim 
Conj:r(?ssf «•inj.'est'l/lc Aclion^ionülf orgroill daluT gerne das Wort, 
um den zum zweileiinialn vei>::miuie|ten Vertrelen» der jftiUsihen 
Nation ober seine 1'hfdij,'keil und fdjer den Clang der zioms tischen 
B<'VV«'(rung int abgelaufenen Jalire Berirhl zu erstailen. 

Ein Jahr organisierter /ionlslisrlier Arlieil lieg-l liinler 
uns — das ersb' .Jabr. Ditses lelztetr« .Moment rnn^■H man sich 
vtu- AuKeti halten, will man der hislierit^en ThäÜj:keit und den 
erzielten Hesulialen eine peitfhte Wfirdiirung zulheil werden 
bissen, Gross wiu* nllcrorL*» die Bexeislenmjr nach dem ersten 
Baseler Conpcfss, aber noeb viel j.'rfi>ser waren die Erwartunjien. 
di:- vielfach schon ITu* ilie närliste Zukunft an dierse.^ Erei;;nis nm) 
nn tlic TliAli^ikeil ties A<liniKoiiiile< {reknApfl wurden. Der stärkt 
KrfoIiJf der ersten jfnlisehen Nalionalveisaniiirlung. der mäcldiye 
Kindruck.dendieselbefiberallhfrrvüi'gendrn lud, mochten vordie .Seele 
mam-ber Ireuer .\nbnnper unserer Sache Bilder irezanl)**i-t haben, 
diL' sie so nahe w:lliiih*n, da«?: sie nur die llaii<l iiaili iliiien ;ui.s- 
zuslreckeu brauchten. Aber nur naive (Kinülhfr und die in üin r 
BednUif^TÜ:? und si-iuveren NoÜi det klaren Bliekei.- beraniden 
Milfloseii konnten srhon für die näebste Zeil eine Bcalisienmp der 
letzten Ziele des ZiotUHnms liolTen ; eine HnfTunn^'. die in unschwer 
zu errat ht'utier Absirlil von Ge^niern des poliliscben Ziouisnau 
genaiirt wurde. [)( n Klarsehenden, dru rubij: und nürblern Denkend«'n 
kfMinI»' es keinen Autfeubürk z^veifelbalt sein, da^is unsere e 



— 41 — 



lUhi ;ill(Tti:iHi>ti' Aiifjnilf in der .SchwITuii}? tU-r V(>rhi*(lLitt:iini:»'n 
fBr ȟc Iiianuritrntiliiiie iind **rfolgroiHif Diirclilfihruii>f ile> Ba^ieler 
Hmi^niiniut'ü zu In^stohen Iial«-. Es lu'MUcht iiirlit fi-M hmvieüen 
ni «frrdC'ii. il»j;s du' Scli:ittiing pum^t öncnllich recht lirh ^t^si- 
r]iiT(cn lli'hiiytAlti' Inr nn Vulk Hnorsi*i(s du» VorlimidonsiMn 
riiier {rrossHii. t'f.sl;.'eiri{ricii. xiolhfiwiisiälen, in Hnlii^illirlitr. plan- 
mÄft-igor Wcisp s'orjfeh enden Phalanx voraussei zl, findeierseits be- 
ll (rarhJbVhe nuilfrielle MilM iTfordt-rt. r>;miil wm drr Wi-^. d«^n 
«ir/iinrii'hsl i-inznschlayrn lialti^n. klar voi^'c/cii-linitl. tind in dcrTlial 
I hal (li'nn anrli das AHitinscoinile sriri Arhrit.'^pro^ninitM {tliiiiinrissif^ 
[nsfli djfi.sen xwei Hirliluiiirpii iV-sl^rcslclll, und wie [/leich liinzuge- 
|%t Werden süII. auoh in die That uni^'esetzt. Die (illodcrmifr und 
jZii<-:inintenf:issau^' dep Anliän^'pr des Zionismii-s nach »■irdieillidien 
IffniiidsäUen inid dlcnerlieisrhalTun^der ITii- tue Verwirkliolinny: der 
r£ml/ielu uii-^eriT Hcwi^jjuni! ciMrderlicht'n niateri<'li('U Mittel — 
[)iyanisatJon nnd jüdi.seiie < jdttiiialbinik ^ das war Anfang und 
"ode unserer Sorge im ai>t'<daut>'n<'n Audsjalue. Itttierhalb dieses 
&lini'*ns liegl denn amli der prösslf Tlieil iinsoivr Arbeit. DasK 
Bbrr tlii'se tfrussrii Kaitnivn »urli die anderen im l'rourHiuHie un- 
trer hi'Wf-^'irrijr p'IejreiH'ii Atif-rabcn sowir di<^ von ticni ( !on^^r■e^;.■*e 
?p?benen Anrejruugeii nielit ver^fussea wurden, werden Sie im wei- 
st Verlaufe diesoft Berichtes zu sehen Gelegenheit haben. 
B*'Vor wir ins Delnil eingeben, durRe es \iclleiehl am Plnlzp 
ern. die (.tossi'u und zablri'icben .Srhwii'riizkeilfn zu i-rwähnr-n. 
jHii- siih unserer Arbcil enlgr^TTistclIlen. 0)inegl»*iphen, wie ilie 
panze zionisti-i^he Hewe-fung. sind aueh die Wejfe. die zu unserem 
Ziele rühren. Kein Vorbild, an das man sich anlehnen, kein 
Huster, da> ntan pich vor An^-en hniten,- keine Krfahninjr. anf die 
sieh shll/i'ii kntinlr! Vorsiehlijr lastend rind [«ntrinl uaissle 
aller Si-hrilt l'ür Schrill vor^ic^'augtMi werden, aul" die ^iiulnrluisse 
u«d Inler^'-sstti der ge.^aiutntcn HewöKiinj; einersoil?. auC die Kijieiv- 
■ieu und Verhfdlnisse nnswer Hrüder in den iJiinli'rn. in welchen 
äf lebf-n andererseits, unaulhörli'^ii Hürksicht nehmend. Zu den 
?SciiW'ieri(.'fceili'n, die der ausKerordinllicIi zfitraubende directe Ver- 
[Mu- ntit i*d>cr die ganze Kr*le zcrs! reuten. Mn'ial und ruIlureH so 
|»Hr.-.ehi^Mlenar(iß('n. auch >iira<'lili('b Mi diüerenten Elementen mit 
[iKÜi bringri. kam noch eine hinzu, das ist die Rftcksirht auf die 
eÄchlrLs)?e des voripen Kongresses. Bei dem l;mstande, dass 
tfesfr der erste. st)Miil als süleher notliwendigerw*'i<e ein un- 
Pnd vorlM'iTÜi'ler. gewissertnassen irnprovisierier war. ist es 
JUu begrfiilirh. dass den |{es(*lil'"isseii desselben keine oder 
Eir unxurf'irhenrle Erfahrungen zugrunde liegen konnlen. und 
uns die Ihirchti'diriuig derselhfii inil den thats.'iciilicben Verhalt- 
en oft schwer in Einklang zu hriiigHn war. Nichtsdestoweniger 
Bü wir i-s für unsere IMIicId. <lie leitenden firundsiltze und 
jpicilrn Entscluidungeu des ersten (Kongresses glciehsain als 



ben und 
allen onf-uen und versteckten AnprilTen zum Trotz, nicht u 
Haaresbroile abbringen liessen. {I^eifull.l 

Wenn vnv mm in dem aii^et'iiliiten Hahmen die wichligerei 
Momente unserer Arl)i'il einfügen, so haben wir iu Bezup aui' dii 
Organ i;»a1 ion in erster Keihe die vom Congresse beschlossen 
Schekelinslilution zu nennen. Es ist klar, dass diese die materit 
Möglichkeit ITir jede weitere Arbeil sebaltende Kinrieblun^ in ein(*i 
einheitlichen und niögliehst einfachen Weise durcligeführl werde 
musste. Wir einigen uns dahin, die Schekel mittelst der Ihne; 
allen bekannten Quittungen einzuheben. deren mehrere zu einer 
Block (gebunden sind und die (gleichzeitig als Legitimation z 
Delegierlenwnhl dienen sollten. Hiebei nnisste einerseits auf di 
Verhällnisse fler verschiedenen Länder Hücksicbl genommen, an 
dererseits aber sollten etwaige L'nzukönmilirhkeiten vennindei 
werden; vor allem aber musslen wir lur eine ausreichende Co 
trole Sorge tragen, damit der Schekel nicht etwa Gegenstand voi 
Malversationen werde, die unsiTc Bewegung discrediliereii knnnten? 
Aus diesem (inrnde nuissle das Aelionsconiile entgegen den virl- 
facli geäusserten W'Anschen unserer wackeren Mitarbeiter in den 
verscliiedeneu Landesorpanisalioncn wenigstens anfangs <iara 
bestehen, dass das llongressbureau die einzige Ausgabestelle d 
Seliekelblocks sei. Später bat man die genannten Wünsche in dal 
Weise mit der ei wähnten Xothwendigkeit und Yoisicht in Kinklani 
zu bringen versucht, dass jnan ein mit Wasserzeichen versehene 
Seheki'liKijiier anfertigen liess. welches einzig und allein vo 
Congiessbureau ausgegeben Avird, und, bei aller Walunmg d 
einheitlichen l'rincipes, naeli den Bedürfnissen der Liindesorgani 
sfttioneu verwendet werden kann. In allen Fällen blieb d 
<Iongn*ssbureMU die centrale (ieldstelle. an welche die Schekel- 
gelder abzutührcn waren, und wir können mit Befriedigung s;igen 
dass trotz der unzulänglichen, einer gründlichen Reform hednrflige; 
Schekelorganisation und trotz der ungeheuren territorialen Aui 
dehnung unserer Bewegung diese Institution sich auf di 
glänzendste bewährt hat, und dass auch nicht die geringste Un- 
rej:clmässigkeil in dem Zufluss der Schckelgelder zu verzeichnen 
war. (Lebhaller Beifall und Händeklatschen. | Die Finanzconunissiou 
unseres ('ongresses wird übenUes (ielegeidieil haben, sich von 
(U»r riohtigeu und ordnungsgemässen Gebarung der Schekelgelder 
zu üherzi'iigen. Durrh die Krfahnmgen des Vorjahres belehrt, h 
das Acliotisciimite eine Heform der Schekeiinstitution ausgcarbeilel 
die Ihrer Itegutacbtung urdrrbreitel werden und die holTenllich zu 
einer weiteren gedeihlichen Knlwicklung dieser vortrelllieben El 
Höhlung fTdiren wii-d. 

Kaum batl<* sich das .\clionscomitf!' constituiert. als es vo] 
nlU'U Wellllieilt'n mit Kragen bestürmt wurde, wie die zionislisc 



I 

n- n 



er 



— 43 — 

Tbäligkeil aufzunfhiiiori sH. VjpIh von den allon Zioniston sahen 

skJi vor eine ripue SiUiaÜon pfsldll und verlitnjrlon Hdelirung 

Rir ihr weiteivs Vorpt^hon: noch viel zalilroichert* iieiio Zinnisteri, 

tlie (\\irv\i dvn ers^tt-n (.'.ongroBS begeistert und zur Tliülipkeit an- 

jfi'stjonit wurden, wussten überhaupt nicht, iti welrlior Weise sie 

Oiri' Krätle in den Dienst der allK^nieinen Suche x.u stellen haben. 

Oiw veranlasste das Aotionfieoinilti, eine Insti-uction ffir Zioni^ten 

Rusruarboiton. die vielfiieli hegelirt und in Tausonden von Exem- 

pliirt;!) in alli* Wcltrirhtuiigcn versendet wurde. Dadurcli itnnnte 

die ThÄli>:keit alli-r ^ionisteu in iinriaiicriKl ei.iheitUcher Weise 

l^rcgeK wenien. und wir können iiiit GernitrUiuuiig constalieren, 

Ünfs diese Anleitung gute Frfiehte getragen hat, auf welehe wir 

j otwh spfiler /u ?;pre(heri krimnien werden. 

Im d«Ä (iellungygebiet des Bnseler Progranunes immer mehr 

[zu vergröi-sseni, »taiuteti mis zwei Wege ulTen: einerseits die Go- 

I «Innung Ufuer Anhänger durch die Propaganda in Wort und 

IS-hrifl, andererseits die Einlügung bereits bestehender zioniäliseher 

iKöriMT^rharten in die Congressorganisation. Was zunHelist die 

Agitation dureh das geschriebene Wort betrittl, so glüubt das 

[Äelionseoniite sieh vorh'uilig einer gewissen Kinsi hränkung he- 

[flfiifäigen zu iuü^:?en, um die vorhandenen Mittel uielil dui'ch 

Veriftgsunternehmuniien allzusehr in Anspnich zu. nehmen. Aus 

^diesem fJnmde verhielt sieh dfis .•Vctionscoinite resen'iert gegenüber 

eil versehiedeiien aufgefaurhtcri Projcrtcn ffn Hrransgahe von 

|2t'it.<rhiitt<'n. Als erste .Agitaliorisseluill müssen wir das sleno- 

niphische Protokoll des ersten Congresses bezeichnen, ein Work, 

libs nicht allein eine mächtige agitatorische Wirkung ausübt, 

[«Indern auch fiir aJle Zeiten ein ivichtiges luslDrischrs Üocumenl 

1 *on bleibendi'ni Werl bilden wird. Xoeti vor Erscheinen des 

' C(ingre-äs-Pr*)tokolif's wurden die vorjälirigen Congreissreden iles 

lÖr. llerzi und Dr. Nordau in zwei Aullagen ausgegeben. Kine 

weitere Agil:dionssehrirt, die von York-Sleiner verlassl und in 

[<ieat*cher und liebrAisrher Sprache sowie im Jargon ausgegeben 

' wurde, .das Knde der Judr-nnoth", diente spei'iell zur l'ro]>agiuida 

' flir dfU Schekf'l iiml fand dii* weiteste Verbreitung. Als vorzüglich 

lur Aufklärung Ober den Zionismus geeignet, wurde die von 

Ik. Nordau iu Berlin gehaltene Hede .l'eber die Gegner des 

LZioni-smus*, in einer grösseren Autlage als Sepnrat-Abiiruck ver- 

[hreitet. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Schliesslich hat 

Aclionsroiuite eine Agilalioiissrlirifl in heliräisclier. arabischer 

(und fninzösischer Spraclie in Kairo drucken und im Orient 

lAfg\|di'a, Tunis, Algier, Indien, China, Japan und Persien) ver- 

khrt-iteu lassen, um den Zionismus unter unseren orientalischen 

litrtidern bekannt zu niach<Mi. (Lebhafler Beifall und Händeklutschen.) 

'Elidlich wurde noch eine kleine, pctpuläre Aufklärutigsschrift als 

Flugtdatt in Form von Frage und Aiitw(jrt abgefasst. welche be- 




Pf^ilcri N'hirlilcir 
fiälzi* niisorcr Kt'wi'pun^' zu divnl^'ifrcn. 
Äuspibo golanjreii soll. 

Was die Aj!ilation dwch das gesproclu-ne Wort anlangt, 
konnlo das Actioiist^oniilc nui* in don wotiigslen Krdlen tlircct dn- 
grHlt'n, dn r-^ ja die coiiipi'ti'nhMi Kreis*' d(^r divt-rHon Lando;;- 
orKMiiisjitioufii nU'tit r^t/Vrcn durrte. Wir hpsclirätjklt'n uns dahtT 
in dt-n meisten Fällfn. ilio apitalurisohi^n .Massnahmen dieser 
loizti-reri iiiirii Krnflt^n /ii nnli'r>lützi»n. Nur in l Irstorri-irli. in 
Italifii unii in diT Schweiz hol d».-5 Ailiunsi^oniit«* durrii Wüiider- 
«n<l ru*lom'rdifitsr<*driiM-, üowie durch AfrÜatoron wieilwholt auf 
difsi'iii Gfhie( dirwl iMiijrcj.'riir(ii. Die ErColtrc dieser Inlervcnliun 
wf-niL-n Sie i-^elogcntlich di/r [hifr^tfllun^' dts pejronwilrtigijn Ik'silz- 
standes luiscrtT Mcu"(>'niiy^ ^-Ihsl zu würdigen in der Lai^*' sein. 

Uic Kintu^unpr hestdiender oder nau ^fepründelcr zionislischor 
Kflrperi^olialtcn in dii' ConpressorganisiiÜon. ht-zw. die Fesli^runK 
dtM- ;:elo<-k('rtf'ti ßandc /\vi^i*lien diest*r und den einzelnen (Iniitiieit. 
err^tlüeii uiif als eino dankons\v<*rte Aufpahe, der wiv denn auch 
l^ror-sv Äiifnn'rk-aiiik<'ll znwciiilclrMi. In g:anz liorvdrrat-'fiider Wci^e 
diente dit^seni Zwcrke dii* Theilnidnnr des ActiutisromiN's (hirf^h 
einen Delogierten. Honn WhIIIsoIiu. ;iii der Ljuidesconterenz dt-r 
en|2li>clien Zionisten. die im Mai dieses Jahres in London slaU- 
fand. uml die das CMTrenlithe Hesultat der Anj,diedernngr der »ng- 
lisclien ZidtMsten :ui die B:i«oler Or^'unisalion zur Vo\^i> luilte. 
(Ijehhafler Hi'it';iil nnd Flriiidcklalselien.l 

Mit Verpnüt'*'» verzeichnen wir an dieser Stelle auch den 
An&chiuss der ainerikanisohon Cruppen. Die Theilnahnie des 
Artionsooniites nn don Iioiden Dek'^dertentapon der galizisohon 
Zionisten in Leniliir-K dnnh Hnrri Dr. Kokesrli. nnil in Koidiuea 
durch Herrn Dr. Mintz, frall der Vi-rllifldimint: des Baseler Hro- 
griininies, dem man in Gulizieu eine Deiiinnif zu geben versucht 
Itat. die weder dem Geiste des ersten Conjrresses norh der Eiil- 
wicklinip unserer Mewepung entspnVIit. Da^ Einvoniehnien wurde 
leidlich hergestellt und die eiu!trilti}_'i' Ktdschcidnne dem zweiten 
Congresse überlassen. 

Hierher jjehören auch die \vie<terh(tlten ßennlliungeti de?> 
— ActionsfTomiles, die Wii'ksanikeit der bestehenden (lolonisalions- 
vereine mit dem Baseler Programme in Einklang zu bringen. Mit 
I'Veu<le können wir Ihnen milthi-ilen, dass es hei einer diesem 
Congresse voningegiUigeni'H llonterenz der Vertreter der nieislen 
Cotoiiisalionsvereint' nnd tles A(tiünscmuile> den l>eiderseiligen 
Bemühnnjiien (gelungen ist. einen Hoden zu lind^i. auf welchen» 
das Wirken der genannten Kacloren wohl kelnt» prinripinllen 
Gegensfdze nrehr schidl'en dftrlle. (Ij'hhnller hteit'all nml Hunde- 
klatschen.! Ijasseu Sie uns die IJofTnun^ anssprfM'heii, djiss damit 
die so noihwendige Kinlradil im l.ajft-r d<'s Zionisnuis dau'*rnd 



ywichert seiii uini. fStfirmischer Beifall unrl Hilndeklatsph^n.) 
J'enitT }*d nucli i'nvähiil. ilnss rtas Arlioririctunile, um sein« 
Inl^rTHtili'iri ;iiip|.'uii^'(>n, iiiirli Ix'i (I»*i* ConfrnTiz di-r hulKOrisclhMi 
Zinii^l-'ti tliirrh llt-nri fl;U'l Eiriiii:*-r verlrcU'ii wju*. 

WVtiii wir uut'ti hin/.iirfigt'fi, ilass die Mäiipcl nntt Lüfkou 
iift!«rer bi^hcrigeii Einri<-tituiiK<'ii ckiä AntionsroniiU' aernnlassli*n, 
auf <Irund fler im Verlauf «einer TliAtigkeit ^re^airuneiten Kr- 
latininj;en einen neuen und. wW wir {rlauben. verhesserlen 
Orpimi-iatituisentwurr auszuarlwUen und »lieriHii (lonj^resse vitrzu- 
Ingeü, so haben wir in prosten Zurren die HauplnuMiiente unr;erer 
Ü^strebiintreu im Sinne derü i*r-len der zwei frnber orwähiilon 
'iftdrliUpinikio |ioscbiId<*r(, 

Al< zweites lliiHjilziei dt-r HcsIrclMni^'en ties Arlinnsnuuili^ 

ftiumlenwirdieCrrnidun].; rier j fi d i s c b f ndo Ifin i a I ba n k. Diese 

i*ldieumuittelb:u'elogi»clieConsequen/ der neuen, enveiterten Form, 

•üi; der Ziuuisuuis seil dem erslm Co^^'resse anirenoiiunen liaL 

IHe nationale VViwler(:eburt eines Volkes und radicale social politische 

Heforrru'n sind Oinjfe. die man lurld mit Hilfe der Runiher/.i^'kt'il 

'iun-ldTdirl. Hier i.sl kein Feld für Rrlbilti^'un^ der WnlilÜirdi^ikeiL 

l'aiiiil soll die>ef ilav sonsti^re Hereebligun^' idthl abgesiirnrlien 

■ffi-riien. !*)»• Wnldlliäti^'keil ehrt den Spender, aber sie entelirt 

und eulwürdipl den Besehenkten, wenn sie diesen uns Nehmen 

ll?wr>lmt. (Leiihafter Heifall und IlAndeklatsehpn.l Niebl ein Vrdfc 

Ton Scbniarid/.rrn Mdl auf dfin lipiliv^n Boden uiij^erer Viiter er- 

ji n wt-rden. «ondern ein Volk v<»n mi;ibliruii;i<:('n. auf eijreuon 

-M^n stellenden, freien MAnnem. (Lebhafter Beifall und llilnde- 

Üfllsrhen.) Unser Volk will keine Abnosen, arbeilen will es. im 

Sdiweiüse seines Ani•esipble^ will es sieh den Boden erwerben, 

lu dessen Rrlanguu); mir es Hilfe ItiTnieht. t)arniii fort mit der 

Almitr^Mnwirtsehan. fort nril der WobltbrdJtrkeil dort, wo sie nicht 

füll Platze i.-it I Hie Erlanifuup der vom Zionisniu.^ imKe6tr(d)len 

Hf-inistiitte ist eine iinlilis/'he und wirlscliallliebr ?Va^M• und als 

«tkhf bedarf sie g:ni/. anderer Mittel als der bisher fdilichen. 

Wirlsehnftliibo Ziele werden nur mit wirlsehaftlicbtri Mitteln er- 

'li. und •'in stdrlies ersb'ti Maniies soll die jrtdiH-be (lolunialbank 

!H», (Lebhaller Beifall und Händeklatst-ben,) Dieses Inslilul, 

li wolebeni der Vulkswille selion seit 1ö Jahren leehzl, das 

.. j weyen drr en^'-u und kleirirn Fassimp d^s zionistischen 

(rt<laokens. trotz mehrfacher Versuehr nir« zustandr konnuen konnte. 

1^ die unumu;ui}:Lielie Akonomische Vorbedin^nuit,' lür eine gedeili- 

' Kntwirkhmt; unserer Saehe. 

Dnnmi hat da.y Aetionwonnle dt^r fJründnu(j: d<'r jüdiselien 

Mnhiatbank seine uanze Auhiu*rks;mikti1 zupewendfl. und wir 

■[üieji mit Freude 04mslutioren. dafis schoi» der WiederhalL doji 

I :-.r erster Ruf im jOdiscben Volke jr,'lunden tiat, eine ^ilfiekliche 

I.t'Ming flieser Fra^e in Aussirbt slellt. Wir li;ihen heule mit 



Freude hus Hern Mumiü' unseres verdutou Pnlsitlenleii p^ 
dass diese Inslitulinii in HAlde in Kraft Irplen werde. Melir fdier 
dies«! (»effensinnil im dieser Melle zu siig<<n. erschniril uns öher- 
flOssiß. Auf eines sei jedoch noch aufruerksaui pemarht Die In* 
aiifTrifTnahine der Gründung der jödisehen Colonialbauk isl wohi 
der sicherste Beweis darftr. wie sehr jene im rnrecht sind, die 
dem Actionscomite rnlnnisationsipiiidliche Ahsiehtcu zuäclinÜHMi. 
(I.ehhafler llHlall und Händcklat-^rlitni.t Wir sind k<'ine (u^pner der 
Culouisatiiiti, (I.pblialter Rcifali umi HrindpkIa1>rhon| wenn diesellw* 
im Sinne unseres Programnies mit den (Garantien der r>fl'entUrh- 
rechtlichen Sicherheit umgel>en wird. (Lebhafier Beifall und Hände- 
klatsclieu.) 

Die Heschh'isse des AclionsconiitOs. dein FVojeel der Barik- 
gnlndung näfu-r zu treten und den zweiten Congress im Au^'UsI 
dieses Jahres in Basel abzuhalten, veranlassten uns, fiir den Ajiril 
eine Vononfercnz nach Wien einzuberufen, in welcher iHe 
wirhtj^sh'n th-r uns l>eseiiünipenden Krajfcn Iiesproehen wrrden 
solllrn. Dii'sc Vorronrerenz. an der ncbsl <li'n uieisli-n auswrirti^ren 
MUj:lifdeni des Actionsconiites auch Verlrauensnii'uiner aus vef- 
sclüedenen Ländern Iheilnahnien, hat in viertägigen, ernsten und 
ein^'eluMiden Bendliungen die flnuidlagen ffir die Arbeiten unseres 
Congresses geschaflen. jLehliafter Beifall und Händeklalsdieu.) 

Die Vorkonferenz war es auch, auf welcher das Projeol der 
Grfuidung der jüdischen Colonialbank zur Reife gelangte. Einem 
von derselben ausgesprochenen Wunsche naciikonuuend, hat das 
Aclionscomite einen Abgesandten nach Paläcitina geschickt, der 
nebst den VerliAltnissen <les Landes an Ort uiut Stelle eine Unter- 
suchung fd)er die Lage der dnri lebenden Juden und fdier die 
Mittel und Wege zur Hebung und Nutzbarmachung derselben fiir 
das Land veranstalten soll. Das Actionsconiite betr.^ule Herrn 
Leon iMozkin mit dieser Aufgabe, der sich .-infange- Juni in Triest 
ein^ichinie, und der erst vnr kurzem von dort zurückgekehrt ia 
Sie werden Oelogordieit haben, seinen Bericht am seinem eigei 
Munde zu hören. 

Dhss das Actionsoomiti' im Sinne diw I'unktos 4 des Baseler 

grammes wiederholl vorbereitende Schritte zur Krlangimg der Hegio 
rungs/usliiiitntnigengetlian hat, die nöthig sind, um dasZietdesZiniiis- 
nui.*t zu erreichen, kamt an dieser Stelle nur angedeutel werden, 
(Lebhatter Beifall und Händeklatschen.) Eine eingeliendere Bespi 
cliung dieses Punktes sclieinl uns an dieser Stelle vinzulässtg. 

Zürn Schluss sei noch ein Ereignis erwähnt, das streng 
nommcn niclit unbedingt zu den Agenden des Aciionsconnles 
Jiört. Als im .luni d. J. wilde Horden im Osten OcstL'ireicIis den 
liau»igen Beweis (in* lii« Nofhwtuuligkeir des Zir>ui?nius .nuch in 
Vi'rtassungsuiässig legierten Ländern lieferten, in welchen die Judi 



— 47 - 



jlle Rechte besitzen — bei hellichtem Tage geplündert zu werden. 
da glaubte das Action^comite an den Woblthäti^keitssinn nnscrer 
SUiiuiie$<gpnOBj^en /uguiisloii dfi- ilner >labe beraubten Hn'uler 
appellieren zu Muissen. (Lebhallt^r Hcifiill und nftndcklatsclien.l 
ÜBDiit hat das Actions^comitr niclit allcid ein pules Werk gethan. 
«vpderu auch einen Schritt vun principieller Bedeutung unter- 
«raoieD. Es soll die erste jener Reihe von Actionen sein, welche 
im Besserung der inaieriolleii und moralischen Lan:e unserer 

[ßiötliT iu den Landein, in denen sie leben, bezwecken ^sollen. 

||)miiil ist beileibe idcht ein Ki:tgrciien iu die politischen Verhäll- 

[üissc dieser Länder gemeint, — vielmehr sollen unsere lirüder 
wo es Nolh Ihut, gekröftigt werden, damit sie leistungs- 

■^Jiliiper werden in den» Kaniide für die Wiederbelebung unseres 
V'ilkea. (Lebhatler Heilall und Hjindeklatsclion.) 

ifestatten Sie niii- nun, Ihnen ein Bitd vou dmn gegenwär- 

;en Besitzstande uiispror Otganisation vorzutühren. soweit sich 

ler.-elbe auf die Kxteusitüt unserer Bewetrimp; bezielil. Wir hnhen 

1« besseren Ueber^icht wegen diejenigen zionistischen iiruppeii 

d Vereine, die auf dem Hoden des JBiiscler Progniniius »leheii, 

bt.'lttu'isch nach l^ändern zusanimengc^lellt. Die Gruppen wurden 

3 Kategorien getheilt. liie auf den Tabellen als n*iue und 

llc bezeichnet sind. Neu i^ind jene Gruppen, die seit dem ersten 

iscler Carigreiis ins Leben gerufen wurden, nlle liahni wir jene 

»flppen genannt, die schon vor dem oralen CnnirresM* bistanden 

iibeii. Wenn wir diese Tabellen — deren vollständige Lesung iV» 

iiurlen in Anspruch nehmen würde — überblicken, so ergibt sich, 

da«i unserer Organisation angehiiren : 

In Kusshuid 373 Gruppen (luldiafter Beifall und Ifändeklutscheu), 

iitTuu 3Ö0 neue, 23 alte; iu Oeslerreich ^18, luevou 176 

ii?ue und 42 altfl, Urigarn 32 zusHmmen 250, hievou 33 neue ; 

in Hnuiimien 1:^7, liievon lOD neue, 97 alte (Leblialter Bei- 

lall und liändeklalsehen) ; in Eltiglaud äti, bievon l:i neue, 14 

iHe (Lebbatier Iteitall und Händeklatschen): in Deufschlunil 2ö. 

teevon 25 neue (Lebhafter Ueifail und H an deklal scheu) ; iu Italien 

11 hievon If neue; tu Bulgarit^n 16, hievou 15 neue, ! alte 

■■■ihaftnr Heifall und Händeklatschen) ; iu der Schweiz *> (Lebhafter 

lUl] uud Hundekhiii^rhen) alle neue; in Krankreieh 3, »He 

i tif Qc ; iu Belgien 3, beide neue; in der Türkei :?, beide neue; in 

Lbaiiemark I, neu; in Serbien 1, neu; in Orieclienland X. 

Hfini; in Ai.'gypten % beide neue; in Transvaal 0, (Lebhatter 

rB«itjll and Händeklatschen) alle neue; in Amerika fiO (Nehhancr 

Büilidl unti Hüudeklalsfhen), hievon 50 neue, tO alte. (Lebhailer 

HfifiiU und Händeklalschen.) 

Wenn wir diese Über die ganze Erde zerstreuten Gruppen 
summieren, ergibt sich^ dass unserer Organisation bisnuu sich U13 



Gi'uppt^n angeschlossen haben, wovon 796 neue uiid 117 alte. 
(Lt^bhftUer Beilnll iiiiil Händeklatschen.) 

üiiscie Howepiinir hat soiriit im Liiufe des ahfretaurenen Vcr- 
walturij^sjalires um nifiir als das Xt-uniaclu^ an ExitMisilJit zugf- 
nonmitfn. (Lebliatter Hoilall und Iliindeklat^dicn). Was unsere 
Bewegung an Intensität gewonnen, welchen Kintluss sie auf eintm 
^rrojisen Tlieil der jüdischen Presse ausgeübt, wie mächtig sie ios- 
besundere auf »nseie Jugend eingewirkt wnd ^ last Iml not leiist 
— wie sehr sie die Geun'ilher unserer Kranen ergritteu hat. da» 
sind Momente, die Sie sicherlieh alle wahrzunehmen Gelecenlit*il 
hanen, und die hier nur angedeutet weiden kunnen. Nur in Itiv.up 
auf den letzteren Punkt möchte ich nut grosser Genugthuung 
constalieren, dass unter den in unseren Tabellen angeCilhtteii 
Gruppen sich eine ansehnliche Zahl von Frauen- und Madclim- 
gruppen findet, und dass die vor dem Congresse stattgehalittr 
Fiauent^onferenz eine wettere Extension unserer Bewegung unlei 
den jüdischen Frauen in sichere Anssicht stellt (Lebhatter BeÜall 
nn<i llilndcklal^schen.) 

Wir können unseren Bericht nicht sL'hlicssen, ohne mit Woitcn 
des Dankes jener jMänner zu gedenken, die unserem gemeinsamen 
Welke ilire so werlvoHe LntersLützuug angedeilien Hessen. Die 
Zahl dieser wackeren Mitarbeiter ist zu gioss, als das« wir sie 
einzeln nennen könnten. Ihnen allen .-sei herzlich gedankt! 

Und somit legt das Aciionscomite da^ü ihm vom ei-sten 
Cunirress fiberlrageiie Mandnt in Ihre Hände zitnick in dem Re- 
wnsstsein. das Beste angestrebt und das im ersten Jahre unl4»r 
den gegebenen Verhftllnissen Mögliche erreicht zu haben. Gross 
und wftrdig, auch den (.lOgnern Achtung gebietend, steht der 
Zionismus als eine feste Säule des Judeutliums. Die Grundlage »u 
einem glücitlichen Gedeihen des Werkes ist gelegt, an uns allen 
ist es. durch weises Vorgehen, uuerniiidliclie Arbeit und uner- 
schiitt4?r]iche Einigkeit den Bau seiner Vollendung zuzutiitnen. 
(Lebharier, andauernder Beifall und Höndeklatschen. — Redner 
wird von allen Seiten heclnckwnnscht). 

Vicepr. Dr. Caster: Der I'^iiianzbeiieht des Horrc Dr. Kokes'^'' ■■* 
dfln» Finnuzniisrhussc zur I'riiftnig üljerwieseii worden. Der !!■ 
wird morgi'H vorg«?lcgt wonleii u.iit e& wird eich daran die Dtl-...*^ 
knüpron. I)n« Wort Jiat Hen- Dr. Hei-xl. 

Dr. Herzl: Wir haben bei Festsetzung der Tagesordnung e< 
aus Kttcksicbt auf Zeil^r.iparnis inmier so eingerichtet, dass das 
Ktderat iiher die nllgemeine Ijage. wenn möglich mit dem Rochen- 
hcliafisbericlite des Aclionscomites verknüpU werde. Und tia möchte 
icti mich zur allgemeinen Lage eines .Auftrages entledigen, welchen 
ndr die Bergarbeiter aus Boryslav ertheilt haben. 

Die Bergarbeiter in Borvslav befinden sich infolge der neuen 
Berggeselzgehnng in gerade/u verzweifelter I-age. Wir haben zwar 
rur sie eine Ililfhaction durch niiniittelbare Geldhilte zuwege ge- 



- w — 

i)faeh(, aber t-^ ist djeseii Leuten, die arbeiten wollen und zwar 

in einer Fonii urbciloii wollen, dir in:tii den Juden gewölinlinh 

niclil zutraut, mit Spenden nicht geholfen. Icti glaube, das» es in 

jeder Bezioimntr lohrroicli und uothwendi^ ist, den Sclimerzensrut 

iintl die Klagen dieser Leute zur Kenntnis einer grösseren Oettent- 

liciikeit zu bringen. Sie tbeilcn in einem Briete, vi»n dem ich lUneji 

imt einen Auszug geben wül, mit, dsss durcli die neuen Berg- 

'polizeivorsrhrifien die Existenz von 5UÜÜ Juden in Borystav in 

iiftliiien mit eiuem Sctilage verniclitet worden ist. Sie haben in 

[ ßoryslav unseren Gepnem den eclatanten Beweis zu erbnnpen 

nmuclit, i\as& sie stibst auf dem Gebiete der seliwierigstcn und 

IpefahrvoUsten Arbeit, wie in einem Bergwerke überlianiit und in 

'Bnryiibiv insbestmdere, bereit sind, in ehrlichem \V«tlbeweib keine 

Müiie zu scheuen. 

Nun ist es ihnen durcli die none Situation, die gei-chafien 

wurden isl, unmöglich geworden, ihre Arbeitslust zu bethütigen. 

Sif weisen darauf hin, dass sie in einem Uörlchen, welches noch 

im Jahre 1851 kaum ^0 Baucrnl'aniilien bowohnten, heute lU.OUO 

Seelen exislteren, da&s ein industrieller Flecken geworden ist, in 

1 1 eniinentt'titen Sinne des Wortes. Die Juden haben da dns 

MU'um entdeckt, haben als erst« begonnen es zu verwerten, 

, ' 11 Gruben un. hanien Kabriken. entdeckten im -fahre 1862 

hsachs. giewgen uucli London, um von den Chemikern die 

Technik kennen zu lernen und liefeiten Nuplit;i und Wachs rn 

■|n)«6ein Massslabe. 

Von allen Seilen Galiziens z\>gen Arbeitslustigo nach Boryslav, 

im Bri)d z.u suchen. Die Juden gritfen zm physischen Arbeit und 

b^möliten sich bitter und schwer. Es crgieng ihnen aber, wie es 

bei Zuinllsunternehmungeu zu sein pflegt, und das Ergebnis war 

-mwicher. Dennoch arbeiteten sie unermüdlich. Im Jahre 1881 nahm 

ldi<^ \.ny<^ eine Wendung. Die galiziscbe Credilhaiik knufle Coniplexe 

Gruben un, benutzte anfangs die Juden, um sie später, 

I!; sie stark geworden war, zu verdrängen. Es wurden jetzt 

nur noch oder zum grössten Theile nich^üdische Arbeiter ver- 

m'iidet. Bei der Verpachtung werden den Juden die ungünstigsten 

Üeiiingungen gemacht. Im Jahre ISDt kam die t'ompagnie com- 

iiicr^t'illt! tVanraise nacli Boryslav und kaufte in einer für die 

Jmleu scldimmen Lage um ein Spottgeld den grössten Theil 

Hitr>>Iav*s und nun duldet sie keine jüdischen Subunlernehmer. 

So gellt es weiter. Die armen Leute erzählen, die Sitnation, 
in der sie sich bt.-tinden. das Klend, ist fürchterlich. Die kleinen 
BerKWt-ike. welche die Juden tit^trifbcn haben, werden von Tag 
r«g eingestellt, die Arbeitsiioth nimmt zu und auch viele 
iliche Arbeiter gehen arbeitsltis herum und suchen den Grund 
Irbeil^loifigkeit bei den Juden und drohen ihnen mit dem 
Je. Es kommt auch zu Conflii:ten . . . 



Vors. Vicepr. Dr. Gaster ; Bei aller HuchachLung ftir lieu Prtei- 
denti^n ninrlite ich itiu •tiiruiLT imhuerkäaia iiiHchen, daaa dies nicht zum 
iliegfii^tunile gehört. 

t)r. Herzl: Ks ist das ein üerk'hl, drn ich verlesen zu 
iiiiissen gegUubt habe. Ks i^ind also 500U JiuU'U, die sich an dett 
Coiigress wandU'ii mit dei Bilte, ilire Lago zu berücksichtigen 
Inwieteni diis niöglicli ist. könntni wir hier nicht benrtheilen ; icli 
möchte nur Act gegeben haben, dass es 5000 Juden in Galizieil 
gil)t. welche in ihrer Ariieit bidiinilerl worden sind, und jils Är- 
lieiler ^icl^ in einem giusscn Notbstande hdinUen. (Lebhafter Bei 
l'ali und liäiideklat^clien). 

Vors, \"irepr, Dr. Caster : Das Wort lial Herr M'oIfTsolin. 

Del. Wolffsohn : CicehrlM (.ii'siiiminirs«i'iio.-spn I Wir haben alle inll 
Ki-osiSHiii Iiili'r'f.'isf (h'ii Hi'i'ifht de-* Heri'fi I'i7i?ii<lfiiiti»n «uhürtiniil i'hi'i).4ode-t 
ji'Uigini Hnmi Vorsit7.i'nil*?n. tlpi-tJip.sen Hericht iinterbrpchen wolUi«. Mein 
Herren*. VVü sollte das hinrühru>ii. wenn jeder Dele^iort*? di«' Y.ytrtfä niit- 
Uieilcn woIIip, die seine Wähler hnhen? leli möchte mir erlauben, ii 
dieser liezioliun^f einen Anlray "äu Atollen, von dem ich ^hiuhi\ dnss oi 
reiehlichi? l'nlt^rstüizun^ flndfin winl ; diists wir nliuilicli hier ubpr sociuli 
FriiRon, iihi-r Socinlpolitik iibt>rliHiipt keine Debatte /.«hissrn. (\\*ider' 
Hpnieh.t K^ würdf .sonst zu \\'eilbiiihf;kt>iti>ii fiihrfii und wir würd^ji 
von dem Thema abkommen. leh brnnohe jn dlcshcÄÜKlich keinen AnlTJ 
zu slellen. icrh richlo nur eine Bitte tin den Herrn \"ürsilzendeii. 

Vors. Dr. Caster : Das W'ort Imf Herr Dr, Min) z. 

Dr. MIntz : Ich möehle mieh petren den Antrag WolfTsohn inilnli 
Nachdruck nn^spr^clieii. ICs i^t absolut im/ki)iii>sii:. von vornhereiu dm 
Gebiet dt^r Diäcuasioii ileinrt /a\ be^i'^nzen, ilixsb die Si)i*ial[iuLilik }>riii 
ripiell iiu>igesi'hieden wiivl. Si>weii die sncialpuHlisehen KniKcn mit deii 
?'.ionisnuiR ziiKiunmenbüngeu — und eR i.-;t diet; in ffiiiiz intensivem .Matwi 
der Fal! — ist es recht und hillijjT. dass wir auch auf LÜt.'Se Frauen r 
Bpr*»ch«n kommen und diws riieseliien in unöere Discussiün einhez 
wi'iileu. (Lebhafter Boiraü.i Wenn bei K^lodi>run^ uml licj^prc' ' 
die.-^er KriiKt- mich gewissen jliehliiii^cti hin eine gewisse Jifick 
ncüht werden mu.ss und ich wurde nufincrksam gemacht, iUisa di 

sehr verehrten flcsinnunpsgenossen eine UüeksJchtnnlime wiinselitMi 
so bleibt es dem Tacle eines jeden üherlussen. inwieweit er dies thui 
Icli wünle dabei' buanti-a;ien, ülier den AjUrajj; Wolffsohn möge 7J 
TBK^fttprdniiHK iiberti»'|.;anffen wpril*-!!. ^Hoit■rtll.^ 

Del. Dl'. Schauer: Ich plaulu». wir worilen uns leicht ver«tMnt!i..'.'r 
HeiT WoltTsohn sprichl von Soeialpolitik. Das Wort ist riidlen 
richtig tiewaldt, denn Socialpolilik ist ja alles, wa« wir hier b- : 
aber es sind von gewisser .Seite Bedenken jjicau.'isert worden, die ich i: 
vuUcnt MiL^c theile und zu vvünli>;en weiris. da^s ntintlich hei B« 
sprechung über Sociidpulillk vielleicht der Conjrress nach einer he 
stimmten Ub-bluiitr oder Seite hin engnffiert werden hoU, daitti dus, wa 
als die F'rivahiusriprnnK einzelner hier erscheint, der Auüsenwelt vietlcich' 
aU dio Mt^liinnn des ton>jresses erscheint und da^ soll um jeden l'reiil 
vermieden werden, well wir als (^'onjkrreäs un.s lui tte>;tiniintL> Koe)iU< 
Xtichtujigeu nicht binden können und wollen im Interesse des '/Ao' 
nisniu*:. 

DeL Dr. KohanSernsteln: Wenn mau über dle.se I'Vnge awr 
Tnffcsordnunff übtirirehen soll, und jedem die FreHiett i&ss\, dass er 
nach seinem Ontdünken wejter.^pi'echen .soll . . . wird nUo über d«ti 
Antrag Wolffsohn zur Tagesordnung ühpr^eganiren oder nicht? Bit!« 
um Beantwortuniz diesej* Frage, diule: Abstimmen lassen!) 



— öl — 

Vors. Dl'. Oastsr: Ich vvi-stehe den Hcirn Dr. Mintz, a])iu- nsi ist 

Illlehl t\&ü jett'etht.'Gn rfhsiiJpiiteti. den ittidiioi- zur Suche zu rtilen, 

Mecu (»r >ilßubt. >tjLsä ei' die lircuaeii (lesjohiKcii üli«.>räclirit1i>u hat, was 

1 Uli ZiiAiminL'iüi^iiiK' init <l)!ni Zioiiistnu^ sieht. DaT> i^t iiatiu'Hch. Idi 

[jtlaubi? t*s jjeiiÜKt lUcse Aust'iiiaii'Ierßotzunjit L'ns«?ri» FreunJe worden 

I vl!a!«u. wie weit wir in die^or Krage ^hnii können nnd dürfen. 

Del. Dr. Braude: Idi h»'ftn(rÄffc Schluss der Dclrnttt- ohne Aii- 
f höruttn wpil<*rt'r Urdpn. 

Von;. (>r. Gaster: Worüber denuV Das war ciuc oinfkche An- 

l)e\. Dr. Braude: ['ober don Antrag WolfTsohn. 

ür. Herxl : l-lr^ Ist ein Misrtvf-rj'tändnii; vorjielcoinmen. Herr U'ülfT- 
Iftiliii un*!!!!. i-H soll nii^ht jedor einzelne I_iclfiLrif|-te die (irnvnnitnn soint'r 
TU',M..r vnrbrincen. weil nlli' Dolcjiieiie (»ravaniiua vor/ubiinKf^n haben, 
ii-'eri lietl eine \'i^cweclisliui(r von äociHlpolitiseh und aocht- 

I or. <1.'^ld)iifte Zu^tiiiniiuDi; und I3eiftdl.t 

Del Dr. Farbstein: Ich Hilde niieh vcrpilichtet, den Wni-ten deü 
iHi'rrn W'olflVtditi /u widerspivehon. Ks kuninit Wüht dtu'iiuf «n, wie 
Iflun deu Ziotii&muA versteht. Idt beLrncbte deu Zionismus als ßociale 

>■«* - ■ . 

Vors. Di-. Gaster : W ir ilebaltieren jelzl dnrtiber uietit mehr, 
ilem ^ehen eirifMch zum iieclien-schiiflshericht Ober. Das Wort hnt 
B«rr O. M u r ui o r e k, 

n.'l O. Marmorek: Meine Damen und Herren! Wir hahf» hi-ute 

ht des AcIlonscoinitMS gv'hört. Diesör Bericht xeipt una. was 

i'ijicomit«^ im veryrnnjfennn Joiu'e jieicistet hnt. K.^ kann mit 

: dt.' Kifolgc hinweisen, die in diesen Tabellen veiv.eiehnet ^ind. 

.••Kung kimn doch durch nielits deutlicher nU durch Ziffern 

uckun. wiw s-ic nelej.slel hnt. und wenn die ■/.ionif*li!'che Uewejrung 

vorigen Coupvsä Ins heute aut* dai» ucunfiiche unt^ewneliHt'U jsl, so 

jc'U'iifiill.s ein «ut Theil dem ActloiiscomitO zu/.uprhreiben, uhue 

Uta l.iiiiilcsPimiilL'A und LoenUereincn uiul .luden ::elli>;t ihr Verüienot 

fimi zu schiuiiWru. Abt-r mehr als e.s ^dpistel. hat dos AcUunscoinit^ 

lux-'li iiewalll uuil vielleicht nur die Kiir/e an Zeit hat die AusfuhruiiKen 

' '■ nicht 2ur Thnl werd<^n Ihshöu. Ich bin über/eutfl in allor 

I t*|ireehen. wenn ich heantrape, wir mögen dem A<?tiuiiSL'(jm)lö 

.- -t,»'l das AbÄolutorium Tür seine allgemeine Thiitigkeit aussi'i-erheu. 

vorb('h:thcni|. nach Anhörung des finuneieüen Berichtes (lucti Gb«r 

cwn ali;iii.-tit«in'*n (I.eblnitter llejfaU.^ 

Dr. Friodemann : Nach meiner .Ansicht köuuen wir vorläufig 

" ,i,-n rMSchidUberirht nicht da** AhtJOlutorlum ertheilea. dies iNt 

jlich. winn der Kinnuzbcricht vorliegt. Vorläufig können wir 

(.«i mit deui eitiverfttaiiden erklären, was voi'gelegl wurde. 

Voi-a. Dr. Oaster: t> i*i ■i.elbMverÄtiuulll''li. da.-as das Actions- 

ItAmiti^ uiirlil <lfis Ahhululnriiim verlangt nntl aucli nicht augenommi>n 

hittfl, beviir di-i Miuin-Mn-richt genehmigt iril. Wir haben den Antrag 

IWr iu AvJii Suuif vnjjj:.jliracht. dass er sich auf de» allgomeiuen Theil 

Dr, Bernstein: Ich edaube mir dos Wort zu ergreifen, um Kritik 

ligkeit dH» Acti()tis;cnmit<^s zu üben. Im allgeineinen füge 

AI I .Ui^Ciihrungen JfS Herrn Marmorek und glaube, tlaa« 

K* r>.ii<on ZeiLrauuie uhne lield und mit Kiüncn. die aui>serdoin 

üfif-tt' Zeit doch l'ur Hr'derwerb benUt:i:en musäten, sehr \1el ge- 

« u-orden ist. Ni i -weniger ist e« doch angezeigt. Kritik zu 

nri dem HccIk'P- i^-bte; denn dtiiäer wird ja doch vorgelegt, 

itt 'leii. waf* lur r-nler, wa.s für Mangel »;ich im Laufe der 

'elir haben 



— 52 — 



Wir sind alle einverslnndr^n, ilnsa wir dem BtiiH;nu dos ComfttsJ 
för die KTOsspn Arbeiten, die os geleistet hat. Dank pchnldiß sind 
(Beil^ill). alleiti inh mttss die Remericung hinzuftigen. duss diis Acttoris 
comitf^ im vtirigen .lalirc? mit vielen Aufgiiben betraut wurde, dio esl 
noch nicht auslände gebraelil hat. 'Kin grosser Theil di?r Arlieil konnte! 
nicht begonnen werden, weil wir nicht die nölhigeii ^fittel hergeben | 
konnten und weil das Comit^ wenig Kräfle hat 

Dr. HerzI : Nach meiner Ansieht sollte nicht HeiT Bemsiein die] 
V'ertheidi}:iing des Actionscomiti'rs führen. Lassen wir der Diseu55ioD f 
fircien Spielraum ! 

Del. Wolffsohn : Ich werile nicht zui'VertheidJgutigdes Actiomtccniit^l 
das \\'oi't ei'greiCen. sondern niöi'hte bloss dsrauT hinweisen, w«j4 wir! 
in Bezug auf die Zukuntt im Auge behalten sollen. Dn ist in erster 
Linie eine Frage, welche im vorigen Jahre dem Comit^ ubenvi?>ai ' 
wurde und welche uns Herr Dr. Schapira als sem Vemiat-htiiis | 
hinterlassen hat, d. L der C'omplex verschiedener Anl'ragen über defl j 
Natiunalfond. Ich mochte 'las Actionscoinit^ bitten, uns einen Behebt j 
über alle diese den Nntionalfond betreffenden Fragen vomulegen. Wtrj 
hoffen, dass die zu gründende Bank nur elue Uebergangsstufe ^umj 
Nßtionalfond sein wird. 

Eine zweite Frage betrifft die Agitatoren. Wir haben viel mj 
wonig Agitatoren, wtdirscheinlich auch aus Geldmangel. 

Vors. Dr. Oaster: Ich muss deu Herrn Keduer uuterbrecheD. dikj 
noch viele andere Redner eingeli'ngen siiul. 

Del. Woiffsohn : Ich bitte mir also zum Schlüsse das Wort vor^^ 
zubehalten. 

Del. Dr. Schlaposchnlkoff : (spricht mssischf. 

Del. Dr. Tschlenow : Herr Dr. Schnirer sagte in seinem Bericht«, i 
dass in Kussland ^TiJ Wreiiie existieren, darunter einige 20. die vor *\-^n 
ersten Congresse gegründet wunlen. Herr Dr. Schlaposchnikoff niin i 
dagegen und kann dies bestätigen, dass die Bewegung in Hussland eine 
alt* ist. Wir haben allerdings nach dem ersten Congresse viel starker 
z»i arbeiten begonnen, noer auch schon vor dem ersten Congresse haben 
viel mehr als zwanzig \"creine existiert. 

Del. Dr. Kohan-Bernsteln 'zur flmtsuchUchen Berichtigung): Idi 
bin Leiter iles Carrespondenz-Bureaus und kann ganz genau Bescheid 
geben über die Vereine, welche zur Zeit des ersten Congresses esistifrt 
haben, sowie über die Verhältnisse der neuen zu den alten Vereinon. 
Die Zahlen, welche Hcn" Dr. Schnirer angegeben hat, hat er nicht 
aus dem Kopfe vorgebracht, sondern dieselben tUssen auf den Borichien 
der verschiedenen Städte. Für die von mir angegebenen Zahlen kaiiii 
ich gurnntieren. .Aus Bialyslok, das früher "eine Cenlndslelle war. 
wurden mir 8ö .Adressen übergeben. An diese Adressen habe ich mirh 
gewendet und darunter waren 12 organi.sierte Vereine, die andcrpn 
waren Bevollmächrigte des Odcssiier (.'omite.s. Seitdem sind über 3» 
Vereine entstanden. 

Dr. Heinr. Loewe : Ich möchte mich dagegen aussprechen, dass 
man im voraus dem ActionscouiKe die Decharge ertheilt. Ich bin liber- 
zeugl, das Couill^ hat seine l'Uicht gethan und wir sind ihm dafür zu 
Danke verpflichtet, aber deshalb l>rauchen wir nicht friiher ein L'rtheil 
auszusprechen, ehe wir den Finan/berieht kennen. Wenn dieser 
ungünstig ist, können wir nicht verlangen, dass das Comit^ hiitie mehr 
leisten sollen : ist aber der Finanzbericht günstig und weist er andere 
Summen auC, als ich erwarte, so müsst« ich 'Üo Thättgkeit des Actious-, 
comitt^s für eine minimale bezeichnen. Ich begreil>. dass das Aolions-j 
comit^i, wenn es nicht über die nölhigen Mittel verfügte, bloss eiui}n| 
Schriflen und keine Manner in den (.>rieul gesendet hat; dns ist ab«r| 



- ö3 - 

, nur diuiii ^erecUtfeHigt, wenn factläoh uu:ht <1ie Miltäl vurhaudeu 

aren. Atiderseils bin ich der ÜebejZfUKUug, Uaäd Aoä ActJonscuiuilä 

Idurclwtis süine f'flicht errüUI lial ; ich iii5<-htB über tUe Decliar^e doch 

■«uftjfsn'hohen wii^eeii, bis wir d^n Khiiuizhf^rii'ht j^nhört hüben. Krst 

Idiinn kiinnon wir uns oiii irrtheil hiblBn, oh dns Comitp mit den ihm 

ur \'erriijrunc stehondpn Miltoln richtig goiirbeitet hal. Ich bin übor- 

Hiut, AhAü wir nachtrughch um ao herzUchereu Dank demselben 

inrJi'ii »nsspreehcn uiüsscu. 

Wenn Dr. S c h n i r f r entiie : ,.Fort mit der \VubUhütigkeit"i 
I ^ntti^ ich: Kort mit d&r W'ohllhiiiigkeit in Heziip auT Uftlizien. 

Auch in Hezus auf (ializien werden wir oine klafTendo Wurde 
Ü«D. und wonn jdutzlieli L'nglück uu,<bricUt, VV'ohltImtigkeit üben. 

Gerade dtu* Actionsoomitt^ maclile diirnuf aul'inei'ksnin. dnss iu 

Galizipn die VVohUhiiiißkeiisaction unterbroehi^n wiu'de und dies 

^-hiiiit wohl zu dorn Wunsche, schon in Kiiropa. wo die Juden in 

en Mniäsen sifeen. die Mitlt>l zu Hntkn. imi ihnen Arbeit zu geben 

ni auf fiocialein V\'ege die l-iigp der Juden zu heben. loh spreche 

hicht in irgend welchem jiidisch-socitdon Sinne. Ich meine nur. wir 

ollfn hier die sogenannte \\'ohllhiit.ipkeit-<acliDn in dem Sinne organi- 

■en. dnsä es sich nicht daruui handelt, (jebler zu sammeln für die 

diiiüschen Juilen, sondern günstige Atbcilsbediiigungeii Tür dieselben 

II. Ich resümiere meine Ausrcihrungen dtibin, dtiss ich bitU?. 

ItüSÄia-wung über .'die Docharge bis noch dem ■•"'inrfn?. hinrichte 

Dr. Herzl : Ich achliesse mich dem Antragi* L o e w e im, wir 

'^! -1 eiue oigeuthüiiüieh hiukencie und verworrene Debatte. F!s wird 

•■ vun rl»*ii Milti-hi gesprochen luid zwar \n einer ganz unversijind- 

.1 Weise von Heiren. die gar noch nieht in den Finanzbericht 

felin-icht genommen haben. Die Herron sollten im Interesse d*w<iegen- 

vt ..,(,. -i.T Dehatte ni'-hl Wort«» hinauswerfen, die sie nicht vollkommen 

leu können. Ich schliorise mich dem Antrage Jjoowe aus 

.1 ;;ide an. well immer iloin Uerichte des FinanKausselmsses. der 

if'-h nirht vorliegen kann, vorgegrilTen wird, und stelle den fünncllen 

\!*. i^r ili.- Debatte über den Ut^chenschattsliericld zu unlerbrechen und 

1 erst wieder nulV.unehmen, bis der Finnn/nusschusä die 

_i lieohnimgen gejirxift haben wird. Inzwlsch»'n kimnen wir 

eil Kndvrt'ii Punkt der Tagcsonlnung vornehmen oder solange einn 

gs« eintreten lassen, bis diese Snclie erledigt int. (Beifall.) 

Vorsitzender: Ich unterbreche die Sitzung auf 11) Minuten. 
(Die Siiiung wird um 6 l*hr uiiterlirocheii und um t» l'lir 15 Min. 
«irlPT BUfgenommen. — Pifisident Dr. H erzi übernimmt den Vorsitz,» 

Vors. Dr. Herzl: Ks sind zmn Rcchen.schaltsbe lichte des Aetion.s- 
'tniilrü 12 Redner vorgcniorkl. Da ilie Debatte vollständig unfruchtbar 

• .r . ^.f.lHnge der Finanzausschuss die Kinanz^febarung nicht vorgelogt 

iiat. haben wir besciilossen, die Sitzung bis H i'hr zu vertaifen. 

Zeil wird der Finanznusschuss den Bericht vorgelegt 

'-n Die^e Zeit kaiin auch von den anderen Conimissioneu benutzt 

II. tiiii sicli zu constttiiieren. da dos vielfach noch nicht gesclieheu 

• i Tm *< I'hr beginnt die Sil/ung wieder. Wir werden dann in die 
itif-alt* Über den UechenschulV-ibericht des Actiunscontite.^ eintreten. 
Üi» cuigetragerifii iiotliu'r bebalten natürlicher Weise das Wort. 

De]. Dr. Bodenheimor: Meine Damen und Herren! Wir sind 

müdet und je<leniulls werden die Mitglieder der verschiedenen 

'H"!! nach den CouunissionsHilzungen noch viel mehr ermüdet 

wieder in die Sitzung cintzutreten und in eine Besprechung 

ichtcB ein/ugelten. b'h schlage daher vor. <ln3tt die Sitzung 




- 54 — 

Jetzt {^schlössen winl unil sich led{;;HrIi dfeCoinniissioiioa constikiiierm 
und tlie T»«<?sonlniintf nioi^pn forttnwezl wird. (Wülerspruch.) 

V'oi-s. Dr. HerzI : Ich wi>rili' lüfSMii Anti^ij! zur Ahstimnmiqj 
hringen. I>it>jPiiif?en. weleh*» dafür sind, h^iiU- keine tifTpnHirhp Sft7unp 
mehr nbzuhHlten, Ntto ich. di** Hmid zu orhohen. fO»^chioh>.» Bitte um 
diD Ooppn|>robe. (Noch einer Pause): Ist nh gelohnt. Wir wt^rden 
nlso jetzt in die Cominifiäionen jrehen. Vorher will ich Uinwn <?tni(;9 
Mittlieilun^n nmciien. 

Es iüt ein AnlraK von Herni Davis Trietsch eingebraHit 
wunlcu. Derselbe lAutet : 

Am hfuti»?en TagR hnhen sif'h die beiden «ionistisrhen finitippn 
in New-Vurk zu einer ßvnieinsamen Partei veroiniKt. Im Zcif-h' " '■ 
Cou>rres>;es hüben sie Frieden jfeselilossen, um niit vereinten l 
ans Werk zu ^rehen. Ich beiinlra;^L'. dns Mtvting, das um iU«sc .-,:..;.. 
in Neu'-^'ork iutzi, (ele^rftplii^ich /.u heifriStiSeii. 

W'pun dajs't'pen keine I£iuwentlunK erhoben wird, worden wir dl* 
Depesehe nhseiuU-n lassen. 

Ferner msch'-'n Frau Professor Gottheil und Fruu Prof-^^^-'r 
Schapira bekannt. da.ss iiiorjfeu früh 8 l'lir im H(M-i'l des Ir- 
eine VerÄamniluiiK «llpr Damen sialtftndet, w^lehe /um Comiu^ j.'> 

Kerner ist eine Kinlaihmf? ein^'^lanjat au einem am MonUg sutt- 
flndenden l'ommerfl des Vereines ^.lunff-Zion**. 

Irili sohlicsse die Nachmittagssitzung. Fortselxiuvg 
um 8 I7hr abendä. 

(Die Sitzung wird um IThr 30 Minuten gosctUossen.) 



Abendsitzung 

Beg-inn der Sitzung- 8 Uhr 45 Minuten 

Vorsititender: 

Vicepräsident : Dr. (»aster. 

Vorsitzender : Joder der Herren Redner wird crsuclil. von der 
Tribüne aus /.u reden. lel\ erlhcile das Wort dem Ueferenten «les Finanz- 
ausschusses. Heirn .Mo.'^es. 

Del. Moses : Der Finanzausschuss des Congressea hat die 
Bücher und liiinnzielleij Ausweise des AcUonäconiiii'S sor^fülU^ 
^t'prüfl und sieh davon überzt-u^ft. da«.-: die fmiirizifOh* G(di:irinnr 
(.'ine vnllktuniiien tiuleMose und iiinrit(.'rhatle und dir ßiirlih'dirun^' 
f'ine exactf? und überaus ühep.*ieht liehe wnr. E? wurden htä 
lunsirhtipcr Wirt-Schaft inil iien JSclu'kel^'eldern nk-bl allein di» 
VcrvvalUuijf^kiislen des cihK'^lanfL'ncn Jahres gedeckt, sondeni 
iiuf'h iincli ein acliver IVbcrscIiuss von *)I.25I-H!* Fre.';, nrziett. 
iLebliafler Beifall und Hündeklat*iehen.) Wenn man bedenkt, wclclie 
Koslen die Lebendie-ErliaJlunt: einer solcli eolos^alen über aile 
WeHtbeilu verbreiteten Bewegung nalurpemäss verursacht, so ist 
die fiebaning, die ein solches Ergebnis zutage fördern konnte. 



unler rtllen l'm^tilndon n\ü pinp b«frifHlijr(*n(li« aiixiifrkonnoii. (Leb- 
hiiflor Beifall niul Mrindi'klaiji'iifn.l Dit FiimtiKiuttisrliiis.s stdlt 
(Iwlier i'iri.-^tiiitniiK' *lt'n Anlni;r. <I<*m Aclinnsomnili' djis Absulu- 
lnriuni zu trIlM'ilcii und iiisb^i^iondere dorn Ib-rrn Ur. Kokescli för 
(üf liinpi'liiinK^vollH Midiewaltiiiw und dem Herrn Heifh, Leiter des 
SecrebiiiaU. för die aui^^jezeidiuete BewälliKiiiiK di-s Matnütls den 
Dank am;zu!.-prprli(Mi. (Lpblmrter Beifall niul HämlfklatsihtMi.J 

\'if*plir!l^iil»'ii( Dr. Gaster: Oaa Wort hat Herr EttiiiKer. 
Di'l. Ettlnger : is|iri''lil iu;*sisoh.i 

Dl. Kohan-Bernstein (iili.ix..tzpml| : Hon- EttiiiKcr stellt tUo Frage. 

flerr |ir. S-Miiiiti-r iiiii'-i- ^-^ii hon? Llarimtie verslt-ht." 

Vl'-v»jirii.sidi'nt Dr. Ca»t«r : U ^-nn ich die Frni^c: ivclit verslclip, »o 

tfdiort sie zu l'uiikt „Colonisnlioti.*' Sie vrinl «laher ci*Ät bei dio^cm 

Punkte iler Tn^'o^orclmtiii: zur Krtodiuunff kommen. Zur <ii»spliiills- 

iJfilnuiift htit Hi'rr Dr. Helni'i**h Lop wo (Iäü Wort. 

[>ci. Dr. Lo«we : Ich uiüchle iu)rritui>n, unruin beim Kcc-henKoIianK- 
I f>*rlrhtt* ili»s Heirii .Moses, ilrr mich riusrtftrnrfU-iiilifli erfryut hiit. nur 
■ I I ' dnss eirh oiu l>bei-!*chi»ÄS vnn 61.2nl.8'.i fres. er^iht, 
Uon wurde, wolr-lie F.jnnnhtnon und Ausjinhen Konmrht 
JIM \\i"Mcl ou SrboktM^oldern eingegangen ist. Ks ist i\f\.< sehr 
I erfahr»"», weil ijaraus zu ersehen ist. was gesrliplien i.<t. Wenn 
>'..-^.-n, uns pin^rogungmi i*it und wa-* Husgoirebeu \vunh>, k<"innen 
IHM Pin IrefTerid«-* Bibl iniu'hen von dt>r nimtiKkeit ih»s Actioiis- 
I ' "^ Ich würde dntier bitten, dnss uns dnrüber, «ow»-!! nU rnöglieb. 
hen zu berühren, ilif vit^tleichl nieht tlcr öfToutHehen Krorte- 

untflieh j^lnd. niihcre Angaben goniacht werden. (Koifall.l 

Dct. Rapaport: IZs lühnt :<iich mir walirhattig nicht der Mühe, auf 
U* Tribüne zu sieigen. ihMiu ich habe nicht die Absieht, eine Rede zu 
Mien. Dh.s furchthMre Wort „St-liltis.^". welclieri ort ei-lont, bevor man 
iliiN*b Zeit hitt, eini* Kr.*u'.-/ii -t..Ueii. hat mich so eingeschüchtert, da.'is ich 
BiirtiKis eine lionierki; liber dem [{efernle des Herrn Dr. Schniror 

ilniui pilie Frage i niiiehte. Herr Dr. -Sehnlrer hat gP6ngt. 

y«s in I'ads \ind l''rnnkreieh H ()rup])cn gibt. .<iinimt)ieh neu. Scivi«*! 
trifv-j. sind wir hier mehrere Reprason tauten viui tinippen mis l-'rnnk- 
Mein Freund i^apcj'Ju repräsentiert die Stialenten. ich selbst utnt 
tmi*n»-tein nndere liruj)pen. Wir «iiid >ilimmtlifh Sehekelznhhu', «her 
' /.ioni-iten seit Ui oder l.'i Jabi'en. Der Zionisnuia ist uns (huvh 
■/elh)s>en. Seit vorigen» Jahre haben wii uns) dem Huiieler 
^üL; wcldosscn. 

t.e niohl. dsss ioh dadurch jemand etwas vorwerfe: ich 

Lst ein Hbens<> gruAser Voiv.ug. wenn alle Zionidtcii lu'nzu- 

»ciin neue hin/uWntunicn. Die Frage, die ich (ütellen möchte. 

*•. wiedievüin Herrn l'.tlingei*. siebetiifft die ^sichere (Tunnitie'^. 

• diMH Wünscht* mehierer tiesinniuigsgenossen, uameiitholi der 

--:>• li.'ii. tu ent-sprec'hen. wenn ich um .Autlcbtriwig darüber bitte. leh 

•jT-^i-he meine Mclnuni: iil)ei- die siehore ('ini"nnlie nicht aus. ich mochte 

•uwn. was .Sie darunter verstehen Ks i.->t ihis sohr wichtig und ich 

<tu3bp daü Rei'ht *-\i haben, eine Krkhirung zu wrlnngen. (Beifall.) 

n.! fij' Menczel : .'^ehr geehrte Damen und Hen*eul kb hahö 

i.'t. ein higheres Niveau der Debatte nach dem Hechen- 

erwiniet. I>ie ganze Fragestellung bezieht «ich auf einigt» 

. , währond ich erwart-'t habe. dft.-;s nach einem solchen 

' I ■ I- l'eriehln ilnr eine oder der andere tielegeuheÜ genommen 

. wir- riacli eiiK-r Kegierungserkliirung sein Progi'amm zu e;it- 

'In. lAltgenieine Zustimmung.) Das ie:t ah^r nicht geschehen. Ka 



wird die Debatte zorfasoit in eiU7.eliiL> Fi-»;rcn und wir Icninmen nifilit 
zur Sacht', l'm der Debatte ein Kdde zu niiichcD. inoc-hle ich beantrafTMi, 
dtiäädeni Actlonscomilö oliDejcdyn Vorbehalt Ana 
volle V'ei'trHuenujid der Dank uU8gesprocheuwer<li>. 
(Stürmischer Beiftill und HaiideklalÄchen.) 

GcstAtton Sie, daas ich möinon Antrfti? kurz beijründe loli und mein 
Freund Dr. Kbni^r, die als Delej^ierto der Bukowina hitr siinl. litttleii 
fielegenheil. nllos, was vom Actionscoinite eintrelanfft ist. zu f'i.'heii. kli 
kann Ihnen .siißen. es ist geradezu ein Wunderwerk, was es in so kurxcr 
7jfh tjeleistet nml ich knun sa^eu, wenn daw 5 Herren in Wien in einem 
Jfthre hnben leisli'u können, ist es (iherhiuipt pimp Sünde, ein V'erbrechtffi. 
wenn man jetzt aniReehensphnOsheriehte innkelt. (I.pl>h. Reifnll ii.I^andi^ 
klatschen.) Ks ist wie gesagt, ein Wunderwerk an inner^^r und äusser^-r 
Arbeit und wenn diese Heixen uns jetzt ein so irttinxende.^ IfcsulUtt 
iioch einem Jahre vorTidiren können, so können wir ujisere Dtuiklmrkfil 
nur juisdrüeken. indem wir sn^'en. wir Tühren keine weitere DebnUe. 
lSiiirDiit*elier Beifnll und Hantb-klatschen.) Ich ssfre. es ist eine V'er- 
sündiguni< jjoßen die Herren, wenn wir uns in eiufl Besprechung klein- 
licher Fi'ajien einlassen und nicht mit einlteUiger BeueisteninK deo 
Herren unser \'eftrauen votieren, leh bitte Jilso nochnmls um Annalinid 
meines Antrages. (Heirall und Hiindekhdscheu.) 

\'icepriisidont Dr. Gaster: Das Wort hat Herr Dr. Salz. iNadl 
einer Pause.! Du derselbe nicht anwesend ifil. ertheile ich das Wori 
Herrn Dr. Landau. 

Dr. S. K. Landau: X'erehftprt'onpress! Ich werde den vom geehrtem 
Wirredner verlangten V'orrrag über die grossen I'iincjpien ninht. hnlten: 
ich werde über das, was hier als sogenannter Hechensehafls- und Pinanx- 
bericht vorgetmgen wui'de. nicht sprechen, ieji werde darüber schweigen, 
(ßrnvo). Allein gestatten Sie mir, über einiRCä au sprcehen, was hirr 
nieht gesagt wurde. 

Ich werde mir erlauben, lediglich auf einige I'unkte nulVnerkäaitt< 
zu machen, die der Referent Dr. Schnirer nicht berühi-t hat. 

Wenn sich der vorige Congress zu einigen Ileseli Hissen in Hezu£ 
auf die Organisation und die .Arbeiten eniporgeralTt hat, so ist es »elbsi- 
vei stündlich, dass wir entweder erwarten konnten, ilass ilieselhen durch- 
gelührt oder, diiss uns die Gründe milgi-theill werde», ausweleheji dies 
nicht gesehehen ist. I.'nd nun erlaube ich Ulir, Sie auf diese einigen 
J'unkte aufmerksam zu machen. 

Es wui*de im vorigen Jahre zum Punkte „tOrpanisation nnd ' 
tion" gesprochen, einPunkt, der meines Enicbtens von nusserorde 
Beijeutung ist. den ich aber leider nuT der heuligen TagesojMiiuiJij 
vonnirtse. 

leh finde nlto, dass zur Krage der Agiintion im voHgen Jahre 
folgender Antrag (gestellt wurde: Das „Actions-fomltii'- — ich bitte mit 
mii- nachzulesen auT Seite tfi'A dos Prolokolles — „hat ein Verzeicliiü« 
der zionistischen l'nrteihlätter zu veröffentlichen." 

Ich habe diesen Antrag voriges Jahr motiviert und die MajorilHt 
der verehrten \'ei*sammlung war mit mir der Ansicht, dass es nuth- 
wendig sei, dass die verehrten licsinnungsgenossen zu ihrem Dnrnach- 
ludlen wissen sollen, welches Blatt sie als zionistisch und welches sie 
als nicht zionistisch zu betrachten haben und dass iidblge dessen auch 
In unserer Partei respeetive im Zionismus — .'^ie haben heute gehon. 
dass wir schon das ganze Judenthum sind — auch eine derartige Mass 
regel getroffen wurde, Die.^e Massregcl ist nicht durchgeführt worden, 
und Ich wäre dem Hen'n Heferciilon sehr dankbar, wenn er die Freimd- 
liehkeit hatte, mir mit/.utheilen, warum er über diesen i-*unkt still- 
>g:irigen ist 



- 57 - 

Ich liabe nun auch einei\ Tvrpüeu Punkt zu erw^nßU- Es haiitl^U 
ticJi uiu ^ixi 8|>ecielleH Sctiiiterz@it<;kin(l von ntir, (toR ist die ittatistlRclio 
CoffiDii^siuu. 

Ditrji^uj^oii Vfrehiieii Anwyj^endeii. woU'Iio voriges Jahr »n den 
Arlaiteii tiys Col^);l■t?^ses sie!» bctlieJUKt lialieu. werden wissen, dasö der 
Coiigre^s in F^eiiior i.Win/.e. ich ^Imibt! son&f cinäliniiniv. der AiiäicUl 
ww. iUäs i?iiif d<^rarti(^e Aibeil dnii^cnd itothwtMidig ist, um die socinl«n 
iidJ Hcrufevprhrtltnisse im Judonthmn g^nau kennen zu lernen. Ich 
>ti>iUie, das V\*orl ^socinle VeiiiäUiiisse- ist nir-ht so schreeklich, wie 
Oiu t^s hiiu* von nianch<^r Seite nlnmil. und u'e.stntten Sie mir, zu be- 
tOD*ii. dnsji meines Kritr-htens der kolossale EfTo"*! der Rede unseres 
WTfhiten X'iet'prüsidonlijn Dr. N o r d h u. iiif-hl niirhier, sondern auch aus- 
wirta. ini vüi-j^fen Jahre und ht?uer poi'ade darhi lie^, dflßs er dio 
«ml.' L-.^,. .lt»ä jüdischen Volkes ^PBchildert hat. leh venniPfie in den 
-Ali i lies Horrii Rfferfinten »uoh eine Erklilrunp darüber, wna 

dit- ' 'seho Coniit»^ im Lniit'e dos letzten Jahres tr^nrheitet hat. 

K« sei mir noch gestaltet zu bemerken, thiss da'i Aetfonseomitt* 
nur ilie Khro erwiesen hat, niif^h in dieses ConiiU einzuladen, daas es 
dir jedoch au« rein persönlichen riründi>n nicht möglich war, mitzu- 
viilccA. ICs wurde eine «iidere Coinniission ningo^etzt, und ich glnuhe, 
tt wilrde unA intere.-^.sieren zu wissen, wns die Commission im LAuFe 
"le* Jnlires geleLstot hat. 

Nun komme ich zum Finanzberichte. Ich glaube, jeder von uns 

'"••*. dass in einem Vereine, auch nur In einem Vereine von gnnz 

(Kwohnlichen Dimensionen es in der Cieneralveirsftmmhmg usuell ist, 

h<y mflp den Versammelten die einzelnen Daten gibt darüber, wjis im 

- Jahres geschehen ist und wo*: geleistet wurde. Ks ist das 

'ht der Ver-äuuindung: der Congross besteht doch aus Delo- 

.'I ; ri-n «los ganzen jüdischen, wenigstens eines grossen Tlieiles d<wt 

^ 'IkfÄ. welche« zum grt>ssen Theile — ich habe es theilweise selbfit 

tit'ii und ftucli von vielen aus Husshtiid und Armenien gehört — 

Kmi let/.lt'n Kreuxer Hh- den Schekel hergegeben hat. und dieses 

■ K hat wohl das Hecht, durch seine Delepierten zu erfahren, was mit 

diiscin Oeldc geinncht wunle. Ich kann daher die .Xiisi'ühriingeu de» 

Herni Dr. L o e w e nur aufs kralligste imterstiitzen. Wir können nicht 

|Vqu vornherein auf da-; l{echt ver/ichlen, zu wissen, wns mit dem 

bOelde Rt'sehelien ist, zu welchem Zwecke es vei-wendel wurde und in.^ 

Ilwuiidere, was in Bezug auf Agitation. Propaganda, ( »rganisatiou 

»■.. geschehen ist. \\'ir sind hier zu dem Zwecke einer gemeiu- 

»luen Reitithung und einer gemoinsnnien Verstündigung. ICs ist möglichi 

rt^'j^ nnch einzelnen Richtungen der eine oiler andere etwas auszn- 

it. «erade in Bezua auf Auitatiou. in Bezug auf Herausgabe 

er. und ich muss hier betonen, dass es in den weitesten Kreisen 

«Icr /JMiii-itei^ mit Bedauern ronstatiert wird, dass wir kein JargonhlaU 

lulien. Ich glaube, dass nach ver-achiedenen Richtungen die.se Fragen 

'Uicqtiprt werden könnten. 

Meines RrHi'hlons kann es in dieser Richtung keine Geheimthueret 

- ' Ti, ICs wird im Interesse der Piirtei viel vortheilhafter sein, auch 

11 dem Standpunkte der rarteilakllk niilzlicher, wenn man uns sagen 

»Uli, in weli'her Weise die au-^ den Händen des kleinen Mannes ge- 

«Jtitirne)l4Mi Betrüge verwaltet und veriiu^gabt worden sind, Hieiuit 

Lclu ^Lebhafter Beifall und Händeklatschen 

. Zischen jmderorseitö.i 

i'-l. Bambus: Meine HeiTeu ! Die von einem Herrn Vorredner 

ttriainrte lCutwi<_'klung grosser Gesichtspunkte, die Programmrede würc 

Wellt selir zuevkuiussig bei diesöin Punkte der Tagesordnung onge- 

kraehL Wir hnben ja eine Programindebatte und bei dieser lielegenheil 



- r>s — 




\v\vt\ i's ilnrutil' »ukuiniiiou. «rosse Gesiohtspunkto 7M «entwickeln. \\1 
«itnl ji't/.t mii'h »leiiiPi' Aiirt'iwsiiritt um* in tler \.n^t\ d^n Bericht, il<»r 
vorKOti'flfl!»'» wiirdo. zu hp?!prpr:hon. Kino billige KHtik y.u ijhpn, Ist da« 
Ro*^ht jedes Dolejnrrton. Ich meine jedoch, tlass wir bezüglich «ler Kiitit 
ni'^lil 3.U woil goheu sollen und bin i|pr Ansicht. dft;is e* iingleichzwffk- 
miisÄigor ist. wenn wir der Revisionsfoinfnission, ili^ wir gewühlt 
hüben, absohiti's Vertrauen schenken und uns mit ihrem Beri<d»t>' b«*- 
KDÜgen. (l.t'hhaOt-r l^Mrall und Hrmdcklaij^ehen.^ 

hZs kAni> eintT grossen Sitdie niclii damit gedient sein, dflSR die 
ht'iL'h^e B^'hürd^. dte «xistiort. Kritik übt an der Aussnbe von einigen 
hundert üder tAviseiid tiuliton. 

Eline Bitte Inilte ich dnran zu knüpiV'n. Wir werden in den 
nüch'tteD Tagen no'-h nnmchon wic-htigwn Be-scliluäs zu Taftsou haben. 
Jer die finanzielle - ■ ■ rdiii. In voUkoniinini organisierten St«aten 
wird das Budget \ wns tiei uns Itegreininhenvoise noch nicht 

nii^glieh ist indes iiuuliti' ich die UiKe an die Herren vom Actions- 
poaifttV oder im da.-* Revisinnsconiitt^ ricJiten. uns anzugeben, mit 
■" ■ r^ehuss wir filr das nächste -lahr rechnen kiinncn. danüT. 
Krrttreti /vir Be-^pri-ohung kommen, wir be^tinuiil wi--<-srn, 
iriiiii'u ftir lür dio einzelnen Zwecke fiir angeniPKrfen «rächten. 
I' da:*.«! wenigi?tens Annäherungsweis,^ oine solche Summe äu 

II. .1 -in wini, wenn gleich ich wie bei jttdem Budget weUs, dass 

4i*i- exnc( nniugeben nicht möglich is*. 



Wenn b f 
*\f^ Hein» I>r 



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1 

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wir d 

■n \ind 



Lui>i«eoiva: 



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VOTvine« und «Ww CVunenK- 
«Im» mit ««*» Orvpf^ 

Mffte ^K w lhm «ttrAe. \ 

Ich h*^ CKK4 »teMt 

i|m Hhtt« l>r. Sck>tr«t 
ttokt Kr Uwl b«i Ibiwvc^ 

^^t^^rv^ttm iUmI A.. .. . 






- = - Kritik an den Beriolit 

ziniäi'list f^vgen. dast> 

' :.U). wt'il dasjenige. 

i'^ile zerfällU von 

. ... 1,;. die wir erreicht 

aber nicht minder den 

- m Danke verpfiicbtel sind. 

Diuik aii«*iirechen. so wollen 

7 I.J :^-\T >\\i- Ausdehnung des 

n müssen. 

iniir.'. welelie#. es 

I ' it werden fioU, 

i 1.- - ^. (Beilen.) 

.' r in einem Punkte he- 

f^Tcnx der lii>den gef'umlea 

■'ICH ilcn Cültjnisntinns- 

■in Medauem erkliireti, 

welche Colonisatioii aus 

11 der Verstiindigung nocb 

einem späteren Tunkt*» der 

;:. bei dem mir iler IV ■ ' - 

1 musA. gnr nicht y.ni 

■"-ischen Angi^lcgcnK. .;■ >■ 

II tiarf. bat abi-r von 

..i>u stark hervorgehoben. 

'■ine Actiim nur ein Tbeil 

eine groftse lnoonsc<nicmt. 




^iMtitt^<c(l Ab<«v mu» Kti sie Üb^ratl Ub«n dfirfen hua 

»n^ wir durchfius ferne, zu sagen, das« 

rr-vi, v:\f Sie das immer fassen wollen. 

^ • anderen Organisationen litpci*- 

vun der monienlanen Nolhhtge, 



3Ü - 



i 



rü* «nwtroKMi wnv um) vvioil(»r innicot«!! könnl<». »obr KweplrniiU.sie, 
RWiB Sie nudi in BexuR auT aniifre Lüniler die WohUhütitfIcoit rmii**ron 
LnDtlem ülierlaKrteii. Wenn pollt^nr! tfi»nmcht wiiil. «liiss NS'oliiUiiiliifknit 
(fpflOi werrlHii soll rln<hiroh. rliiss Arbfit ffflSPhnlTi^n wpnlen Rt>ll. >r> Lilffl 
I Li« mich nnf l'nUUtin» xii. \Vonn rnnii iHp WohlLliÜUgkoit tn Piilästitm 
Uiilfren OrprnniyuMonoii üliortiiäsrn sitll. inüsson Sio rlies consoiiitpnl 
ultch mif A\c Wnlilthütiglfeit in Eui'ojm uusiiyhnen. 

Ahi*r no<*h «'twa«. Ich hrtln» os v^rniisst, ilnss tinnpr Af'tions- 
Iromlti^ keitierlfi |iohtir4r^he Sehritto in dii-sor Snohe ^öthnn hat. I'nfiflr 
Ach'onscomiti* Ii.it soin^n Sitz in W'ion tinrl verfiiiift libor ein» rpcht 
flriirfeliphp t.lr^nnisntinn in O<*st.prroioh. Hat i?s nicht von seinoin 
EinllibÄ*" (lobrauch iieninrht. nrn durch poliUsche Schritte irfrendwHrher 
Art, Aurr)\ Int(.TV€!»tion ^t-ini Äünisli'fiuni oHer sonst wie. ihiw Los der 
i!iUizi^(*)it>n .IikIpii liadiirch y.u er'lt>i(-))ti'rri, diiss irmn iill^ Thoili» ilurtiuf 
liiiitfpi*;!. Wir leben jn in einer Zeit, in einpm l.amle. wo •110 TilTiMit- 
Üchi' I}iRciiSRii>n itUAsoi-ordontlieli wirksam ist. W'ürea ähnliche Din^^ 
iD Di^uUohlnnd ire^^t-hehon. eo hiktlon dit- dinit«clieu Juden eiu<« autis«»!^ 
'ir,i,i,ifii,t, i.hliiiM,' |>oli1itiehe Aotiun enlCiilift. I-'h hidte ji!-<> »'» nuscri'm 
düss das Aetiüiisi^Dinitt^ in dieser ;;i'i Fr-atio 

I ^ai^keit entfaller hat. Wir werden h i m nicht 

»lir huid wiciiiT in di« Lnge kominon. wenn ober d(»rarUK" Din^t« 
•i«(]er vorkoinnien sollten, fioll man in nllerersler Linie die poUti-'M^he 
Aktion berürkAitdiliLreii. 

Wenn wir Kritik im einzelnen üben, ist das unser t^tteR R<»cht 

' in wir tJuiieben Dnerkeunen. dass unsere ^anze l'artei — denn wir 

i''iiruiiiirhs1 doch nur einen f=elir kleinen Bnicliliieil desJuilenthuinnvor, 

»•'il UDKere Aifitation uorh nirht in der LaK^ ««r. die grossen Massfln 

Tirksam zu erlassen. (Widersjuurh.t 

Üiif Zahl der Sehekelzahter beweis;! das am besten, wir haben 
nicbl 1 Peroenl der Jud'-n. und ilns ist dooh nur ein kleiner ÜrurhllielL 
Wi wei>»s, dnss die Kniwicklunjr sehr rasch und nner^i-irb soin wird. 
Ah*r t's Acheint mir do<'h tfana zwerkinüftsip. dass nmii sein«» wirklich« 
■ n kt-nnt und sjrh nicht tauschl uml bchiivintot, da>s wir daj) srunza 
nlhuM) vi>rslell.Mi. V\'tr stellen nur oineu liruf-hHieil. den ICem des 
jiiiti-iclien Volkes dar. 

Wenn wir Kritik geübt hüben im einzelnen und demgetfeniiher die 

- "'Ue auf d^^r anderen Seite her\*oi*pehol>eu haben, dass da auFser 

I Aetionspomili' noch eine Kcihe von anderen (.irpinisationen 

- ;ir, so darr uns da^ nicht Iiindeni. dem Adionsroniitc filr 

Jungen den Pank auszusprechen. Das, was wir ffohort haben, 

-> MjiFii^'-heinlich nicht altes von dem, was «i^fichehen ist. 

K'i citd immer gewiss« Dinjie. die nicht in iiffentlirher. grosser 
Vi^ammlun^ ausgesprochen wenjcn können. iZuslinnnttn^.) 

Ich bin mit einem russischen Mandat tteirnut. In einer V'er- 
--iiii.m1.1i,,. 't-^r i'u.-isi^chen Delegierten ist beschlossen worden, daas mnu 
~ches Coniile einsetze, welches von Fall zu Fall mit soleben 
I -„ n liekaniit pemnohl wird. Ich bin nicht in der Lage, den 
zu inolivioren. !eh behielt mir vor. Ihnen diese Anregung mil- 
Jen. Die Molivierung wird einer der Herren, die dabei wanm, 
^Irksitnifir als ich übernehmen. Aber ich mtVchte betonen, dass wir 
[yvfade deswegen, wie-il doch siclierlich viele Dingt* geschehen sind, *lie 
Mehl im einzelnen in einer gi'onaen Versanunlung bosproch^n werden 
IkönuMi. umsnmehr Grund haben, dem Actionscomiti? für .«eine Thiitig- 
fk«t ?ii danken. (Lctihnft.?r Heifnil.) 

Üel. Schlaposchnlkoff spricht in niasischer Sprache. 
Del. (). Kohan-Bernstein ütiersctzl seine Ausführungen wie folgt; 
[Hmt fichlapopcliiiikulT l'etuiuplet, dass alle Delegierten, ilie hiefier- 



- r>o 



gokoniiiien flimi, erwm'let hoben, Im Reohenschaftabenchte eine Rcni 
ADKttb*^ '1^'* Siiniiiici) 7.11 tiiitli'ii, wolchp tUr ilit» pinzeliieti Kuitclior 
des Actionnconiit^s nothwernlig waren. Kr wiiiiii*»rt sich duher. il 
in tiom Berichte der KiiuinzcommisBlon nar der Rest der Suinm 
welcher peliliebon ist, angeführt erscheint. Es sei wichtig für < 
Dele«iei-teu. zu wissen, wie viel Geld da war und wie viel au.. . ' 
wui-di*. Wir Klauben, da^is das Actionsconiite mit voller Kraft ^ 
hat. U'ir Äwpifelü dnrau nicht. Aber di« Zahlen können nur im- \ 
hiihnisKO der verschiedeui^n Kuiiciiouen darrttt^lb'n. 

Er snjrt weiter: Wenn sich die VorhÜltnifise als geiinp Hera 
stellen, dürfen wir uns nicht ^^ohUinen. Kigenttic)i lubeitct inaii an > 
Sache die let/Jt-n zwei Monate. Das Volk ist immer auf Seile ' 
Acliiin-iconiiti'S. Wenn das OeM weni^; ist, wird es taut^endnial nn 
bt'hi^eu. .Aber die Wahrheit nmss man ih'ii Massen verkünden. 

Rel, Herbst: \*ereIii'tef,'oiiifi*i»fismitgliederI Wa.s uns eipenontlieh h 
ain meisten iutorcsKiorfln sollte, wäre zü wisson. welche Resultate i 
mit vmserer neucreierten ln.«)titution, die doch so wichtig für uns 
uiLt detii Soh<>kel. erzielt haben. Ich glaube, eine StaUslik J 
dem Sehekel wäre tfs. die uns eigentlich intei'essivren sollte und ni 
die kteinlirlien VeHmUnIsse der Ausgaben. Wir wollen vor all 
wirtson. wio weit die Agitation in den verschiedenen 1-ändeni git 
Wir wi.«fion umso weniger, wie viel Juden wir im Lande haben, ■ 
Wollen über wi.-^seii. wie viel .luden gleich im ersten Jahre die 
nationalen Institution beigetreten .-^ind. Das ist das Wichtigst«. Ich sV 
daher deii .■Viitrai^ man uiöge ujis eine genaue Statistik des ScheV 
gfbcn. 

Del. I>r. Wllinskl : loh möchte nur den Hon-n Voisitzenden dar 
nnfin'^rkNani ma<-Iu'n. diuss a\ir der lialterie Kundgi^bungen stutilinil 
die durchaus imwünsehenswert erscheinen und ich bitte, diesderUaU< 
KU verbieten. 

Vors. Dr. Gtster: Meine Damen und Horren! Da ich an Ku; 
gMbungen der «"»n't'utlichen Meinung in Kngland gewohnt bin und 
doli allon gros«'» Kreihcit gewühren, habe ich denselben Mai«sstnb ni 
an iliese V'i'rsannnluiig gelegt. (Lebjwitler Beifall seittms der Oelfgier 
und Hill' dei* «lallerie.i t'nd ich muss eingesteliv'n. dass ich noch nie 
unwürdige» in den Bemerkungen und -Ausrufen, die wir bisher von 
Galterie gtdu'trt haben. getVmden habe. Sollte gegen das Erwarten eU 
derartiges vurkoiiinien. so siml Sie vei-sichert, dass ich mi-iner Pfli 
vollkommen nachkommen werde. Aber (cli glaube, es wird abst 
nicht nothwpTidig sein. (Lebhafter ttelfnll und HlindeklatÄchen seit 
d«>r Delegicrien und auf der ifallerie.) 

Del. S. Tolkowsky ; Meine gechiien Anwesenden! Herr Doc 
Selinirer erklärte uns in seinem Referate, dass bis jetzt so und so v 
KioniMIflche \'ercine exislier-en. so viele neue, so viele alle. 

Was beÄWerkleii die allen Vei-cjne. die C'howewe Zio«*.' Einff 
die l'olnai.mition in I'uliistina. Xun kam im voiigen Jahn- der htasi 
CoiigruKs und slellte ein Progiamin auf. Nach diesem lYogruinine hal 
»icli diese neuen Vereine gebildet, selbstverständlich auf Rnsis di<= 
Prograniinos. In ilieäi<m Programme ist der Hauptpunkt, die Ztonii; 
bo/weokcn ejne öfTentlicIi-rechtlidi gesicherte Hei inutsst title der Jut] 

Nun. wenn sich circa 8lJl) W-reine auf diesem rrogramnie gebil 
)mben, inöcliteti die Leute doch wistien, wie eigentlich 
Congrcss das hcrl>ei7.ufiilircn gedenkt, wolche Mittel «r zu ergrei 
ged''nkt. .\n mich sind schon aus vorschiedeneii tieifcniteii Anfrai 
daridpcr gukoniinen. aus Hntlitnd z. R.. wo der Ziciiismus noch ni 
reiMaseidiert ist. Die liolländi^clicn Juden möchten sich g«mq 
ftclitietfsi'ii. .Sie hiiben ilas Progrumiu gelesen und wissen uichl. 



- ni - 



MeotoD aoll. Ich «laube, es wird Huch iii anderen so sein. Sio wi<tspu 
iiichi. vas (lies^ ülTeütiich-rechÜich ftesicIierteHeimatstatt^ oij?entlich bö- 
tleulfu solL Auf welchem Wege soll muri dns fi'ivichen. Der CoriUT*'8S 
hftl iinB bis jfizt iiofh kein*" ÄndmitiinKen dnrühpi* Ki'*g*!hi?n. Ifh W(*iss, 
(luis tnVhl nlles nfft'nthrh ^csairt werden kann, »her oine kleine An- 
«Uutiinp möchten wir haben, W'ir wollen nicht wissen, was das Cumit^ 
schon Ffethau hat. wir wollen nur wissen, auf weleheut W'e^e ffetleiikt 
w ilitH l'rojfrannn zu erfiUifiii. 

Nun zur» Keehnun>rsrerorftt des Herrn Moses. Ki* hat uns sehi* 
prfrrulirhe Anpiben Keniaeht. dass ein febers^-hufis dn ist. \\*ir Icfinnfm 
HIB darüber freuen. Wenn ieh in meiner Tasehe 10 FYanes finde und 
weiss, ich habe 15 gehabt, so freue ich niieh Kerne, weil ich weis9. leh 
hnbc nicht viel Au-s.i^alien peinaeht. Aber wenn ich nicht weiss, wie viel 
li'h jrfihnbt habe, k.'inii ich mich darüber nicht fVeuen. Wir wollten also 
erlulircii. wie viel Kiniiahmen wir hatten. (Lebhafte Scbhissrufb.) Ich 
«8|!p duinit niehtR naehtheiliffes. 

Dol. Fablus Schach : Verehrte Damen und Herren ! Zuniicliat ^e- 
slaHen Sio mir einige Wortt; über das Mass und die RereuhtiKunjif der 
Kriiik. Miin niuss unlerscheideii. wjw Kritik ist und weti'hen (i^ftihlen 
sjp ,.,.!.. ,..,.,, p,j,. ^rjtn/.e Xioiii*iTiiu-i verdankt sein I^asein der Kiitilc 
oni ; ii\ de^ Dr. Heiv.l beginnt mit einer Kritik der heutigen 

Vpr:i...:... . ,- Aber ea g\ht eine Kritik, die schlecht i«t : die muss man 
Ton der ^uteu Kritik untersclieiden. Die Kritik ist (Üe Wissenschaft' 
Gehe Onmdlage de^ Zionismuä. Wir alle wuUen das tiule. 

Ich habe den Auftrag von der ganzen deutsehen t^anilsiiinnnsrhafl 
ni erklären : Es ist nicht einer unter uns. der Ui-saehe liÄilo. gegenüber 
ifffpud einem Mitglied des Actionscomites zu nöi-geln oder zu ki'itteln 
iLetihaftt^r Hfifalli, wir se.lzen bei jedem den guten Willen voraus, aber 
b«i keiiieiTi (loitjihnliehkeit. Nieinimd ist unfehlbar; jeder kann etwas 
ILun. wnü nclleicht einer Verbesserung fölüg. und das ist dei- Zweck 
unserer grossen Nationalvei-saminluiig. dass wir uns gegenseitig An- 
regungen geben dafür, was uns als gut und zweckmässig erseheint. Ich 
»^11 nicht kritisieren über die KinanzverhaUnifise. Ein jeder von uns hat 
Zutrauen 2um Actionsetttnit^ und ist überzeugt, dass da.<; Geld Ui 
richtiger Weise verwendet wurde. Es ist nichts weit<'r als eine Form- 
süche. und daniber Worte zu verlieren, ist Zeitverlust. (Lebliufter Bei- 
fiill.) Aber einen Punkt muää ich beriUireu, weil er mir am Herzen Uegt^ 
UDil das ist die Agitation. 

Meine Herren ! Das ist das Alpha und Omega des ganzen Zlonü^mus 
4fT Gegenwart. Ohne Agitation haben wir keinen Zionisnms und von 
Jnn Wesen dei- Agitation wird die Zukunft unserer ganzen Bewegung 
littiilngcn- Agitieren wir richtig und in den richtigen Kreisen, dann 
Jörf^n wir hoffen, luis unserem Ziele zu nahem. .Agitieren wir nicht 
richtig, d:um wird zwar die Bewegung nicht zugnmde gehen, dazu ist 
«li^ wohl zu stark, aber es wird sehr viel langer dauern, bis wir unsoi' 
Ziel erreich'*«. VVas wir sonst in einem -lahre eiTeichen. wiir<ien wir 
daun in fünf Jahren eireichen und das wäre sehr zu bedauern. L'nd 
tneini» Herr'-a, was die Agitation betrifft, st) ist sie nicht die sliu-ke Snile 
its Actionst'omiti'rs gewesen. Es ist gesagt worden, dass nur ein Flug- 
tlntt ausgi-ceben wurde, und dieses Lst leider nicht auf der Hoho ge- 
Blanden. Mein« Herren I Das isl niclit meine subjective Meiuung, sondern 
Ith kann IhTien statistisch nachweisen, dass. wfthrend von anderen Flug- 
blMtern. 7.. B. „.Ividennoth" von unserem Bureau in 20— ii').tit)l> Exem- 
ptaivn verlangt wurden, sind von diesem kaum lOCW verlangt worden, 
WM sehr Jtu hedouem ist. Das Actionsoomitö ist ja am eliesten in der 
Uiif* und hat die PHicIit. daran zu arbeiten, dass der Zionsgedanke 
tmmw «eiler tbilsc breitet und die Agitation in grossem Style einzu- 



— 02^ 

leiten. Freilich f^oll fiWh ihia Actio tic^ooiiiitt- dabei ftut' die Liind^mann- 
solmltpti stutzen, nhcr dipwn soMi'ii filols Anrpininjfi^n vom Cotnlt^ m- 
kommpn. I'nd vor HÜcni muss irli lu-diiuern. ilnss wii" iUIp. di*' wir. i^h 
müi-lile suiiL'ii, gwwölinUch*' Soldatfii sind und kt'iiie AciiUpr haheti, dl*" 
auch nur niclit nach liöhoron StelU'ii ylit'l)piK sondern nui' «lii'Üehc 
SoldaUMi zu st-in uhk liestreh^n, «nr iiichU wissen, wi.i es mit der 
AK'lJtli<iii iiiioht nud wiis im Anlionscomiti» vorRelil. Ks wiiiv das bo^t«^ 
v,cuu dus AotionsroniiU^ einen llcrirht nlh* >Ioi»di» uilor hIU* sechs 
W'oidit'ii an dlf I.aiidÄniftnn.^chalYfii odrr jin X'crh'aiK'-nsnianiit'i* vi'r- 
Kphirlcpii wüi'do. dmnit dipst- in don \"*TsiimniluiiKPti initlhoilen : Dna und 
das ist Keschehnn. {Dv. H»rjti : Du« (ii'Ärhit'lit itiu«?hiriJ Ich. verehrter 
HeiT Präsident, whiks nicht-** davon unfl irh sitze in oiiii'i' !_*entra!e in 
Kohl am Rhein. (Dr. H«rzl : Hitto sieh an di«- anderen Heiren in Köln 
zu wenden.* leli w-eis> aber. d;iss keine Horlehte versieliiekt wtirdMn, die 
iWr die Oeffentlifhkeit hestitnmt waren. leh vi-rlanffe nlolit zu viel, 
icli verhüllte nit'ht zu wissi-n. üher woHie diploinulisehe Oinire ver- 
hiindeh woi**len i«l. sondern ich möchte MitthoUunüi'a dhor die ein- 
ftti'heii Sflirilte rle.-* Actioufteoniili^'^. \\ enii ukan das ei'fohrun wiki*de, 
würde das die i'ositlün de« Conilti^s hedcutend stärken iinil die Kritllc 
würe eine viel kürzere. Dr, Sehniror hrnuehte nicht so viel und «o 
lanuc sprechen und die Sache wiire viel itfedeilUicher. Dass dii? Agitation 
dothwendi»; ist. )iewei.>^t schon das eilte: Wann hätte inuti das je gt— 
elaidit, liiiSü das jüdisclie \'olk es erleben luuss, ditsö die ei^^eneii 
Uabhiner sich scflen das flenne Volk^swefuhl wenden ? .'Nchnuieh und 
Scttande ist es. dnsti wir dju^ erlchen nius**ten. und wanirn erleheii wir 
das: Die Uahhiiier hniidehi zum tri'r>s.^ten Theil inr-ht narh ihrer I'el»ei-- 
2eu^iing. li'h spreeho nur von iKmi Protirslrahhinorn, die sich an r ge- 
meinen Lüj/e her^retfehen, da.<s iler Zionismus im ('icfrensatze aur 
jüdischen HcHnioii ^itehe. Hat? wäre uiehT möglich, wenn wir heilte 
S< lit'itlen hatten, welche ilas Volk aurklären wiinlen tdier den ZiouUmu& 
Der >Cionistnur» verlanift nichts, als was das jüiÜÄche Volk ntotf* vetianin 
hat. Das ist da.s Princij». an dem Sie einsetzen nitl.tsen. .Arbeitoii .*^e 
dahin, (lasa wir unsf^re Heimat in f'aUUtina haben. Aber so lange wir 
dim nicht habfn. wollen wir die Hückkehr in.s Jiidenthum. Aller vor der 
Rürkk«'hr ins Judenlunfl wollen wir die Rückkehr ins .Judenthum und 
diese Rückkehr ist nur ilurch Agitation niöf^lieh. iV-cbliufter Beifhil.t 

Kä ivit fcnuT kritisiert worden über dio VX'ohlthätigkeii. Sio i«t 
ein L'ebel lur den (icher sowohl als für ilen Nehmer. Die W'ohlthrtliit- 
keit. die ijahin zujiteslutzt i.'^t. dnss schone t>iimcn docoltierf im Hail- 
BHale tanzen, entsprielit niclit lieni (Jeisie der Juitenheit. Das ver.nehte 
icli. Wir Zionisteu sind alle T3i*üdcr und Schwestern. un<l diese siieirit 
nniii Dich) in d»*r Kücht' ab. sondnrn rnati lailet sie zu Tische, man 
Uifili mit ihnen. Das ist keine W'ohUhiili^'kett. iLebhnller H*'ifaU und 
Handeklut.sehen.t Der Hebrüer hat überhaupt für \Vi>!dlliat kein<<n Aui^ 
djtick. unil er hat nur den .\usdnick Zedoko ; (iGreehli^ikeit. und dieser 
deekl sich mit dem Ausdruck WohlthÜti^tkeit. Diese licrecbtigkeit i^t die 
Bückkehr in unsere <iesc}iichte. in unser HeimaÜaud. ^Lebhatler })e.iJVUl 
tind HändeklatscheTi.) 

V'or.s. \'leepifisident Dr. Gaster: Ich muss ein paar Worte nnf die 
Rede des Herrn Scliach erwidern. Kin Klu^rblntt für meine Collef^en igt 
üiclit notlnvendiff. I-^s existiert dalUr etwas bes.>;eres. und diw ist die 
BibeL (LebhatTor Beifall und Händeklatschen.» 

Kh ist Sch)iiÄ8 der J)ebatte heantrnKl worden. Ich muss aber noch 
dem Herrn Dr. K o k b ,'^ c h und Dr. Herz 1 das Wort ^et»eu. leh biUe 
nun diejenigen, welche Schlu.ss der Dohatle wüuächen. die Hand xu er- 
heben, ((iesehieht.) Bitte um die ijetfciiprobe. (Naeli einer pHUSd): 



— (vi — 



S<>lilit8$ (lor Debatt« ist anjrenotuinen. (Hure: Mit Aithoniiif? (Hl^r nhnp 
AnbÖruDK vou weiteren Ilednern ?> 

Mctut- Herivii ! 1i-)i irlinibe mich volUiitmlig klnr nustfMirückt -/,u 
h»ben. Oft icli otkiarte. niu-h Sohluss ilei' DcbHtte- wUnloii noch H^rr 
iJr. Küki't« e li uiiil Dr. Herzl rtpivvhiMi, waroa rmdcrc Hoüucr iiiia- 
iI«4i![ilo4ti(>u : l'olvUcli iK'isst «Jies o)iiie AnhöriuiK von vvi>ilt.>i'L'ij I^fMlriojit. 
Idi *iU iil-K-r doii*h. da viylU'ifht »-in ZwihIV'I uUwaltol. uoehiiiiiU iib- 
siimun'ii Iii-Küu und biMi' iillf dioj^ni^^'n, wfb-bo furSoliIuftLs der Debulto 
oliii? Anbörun>{ wviti'rer Uoflnvr riind. mit Aui4n»hiito il*»r Hon*en 
Or.Kokcpcli und Dr, H»'r/I. Mv Hftnd /u orhobcn. (Gc«rhii»IiM 
Üillp um (.Je^oiiprobe. tNiuh i'in»*r I'ftusot: Schluss ist iuiK<^'ii(»tinio)). 

\iceiirii.siiri'r»t Dr. Gastör ; 5iur iJoschärtsorilnun« wünscht Hen' 
Dr. Ko h »1 n - n V r n Ä t r i n iht.s Wort. Ich eilhfile ihm das Wort. 

Del. Dr. Kohan-Bernstaln : Ich «builic. duss irh, lrol/<li->ni die LU;(e 

d(»r iledner jit-j^olUoss^ii Ist. doch ntndi ilas Ho<'hi habe, das W'oi't zu 

«rrrWfpn. Ich w^urdi^ In mein«'!' tVtilieren H-'de al-i Mtlfzii«Ht des Actionri- 

iintPrhrorhi*n. mit dr-ni Hinwoi?!'' liuiauf. (\t\fls. ich fiphter w^rd« 

I können. tZurJllininnnK.) loh haTto etwa^ wichtiges zu sajzon. es 

■4'j iiiir aber ilus W'di-t j?tMinnimcn nnd es wnmio mir (rp.^agt, 

-' ich zum Scbhisse iias Wort Itekommc. Nun hat ninn mir «ins 

\\*'Ft eonnniiiten, irh appclhoro an die t inrechtiffkeit dc^ Hrasidiums. 

(LebhartHi- Beifall uml Hiiiiib'kluUichen.) 

Vi<'oj)rä.'-tdeni Dr. Caster : Da HtTr Hernstein Tniher untor- 
iirm'b*»n M'iirde, iq-theür li*h ihm snllistvei-wtiuiiHich jelxl da-i Wort »iir 
FortwUuiijLT BciiKT liviU-, iLflihafloi- Beifall.) 

Del. Dr. Kohan-Bernstein : Ich dank'' der VeisaminhiMK darör, 

<iW(« man moln Kcht voiihddljit hat. Ich bin an der Stolic unlor- 

Irucht-n worden, als ich «esa^t halte, dass ich niit vi>ller Aclitunv' txx 

it.ii r.iTitlt/.'ii tinil Arbeiten den Actionsromiti-:* Sieihmif nehme. Ich 

I i! ■ , i - wir jcilcnl^ill^ ohne AidioninK iles Rechenschntlsherirhtns 

. I K i:-ii, dass wir in allen diesen I-'inanzbenrlilen penain* (^rdnunjc 

i'M und CS war unnütz, davon zu re«len. Ich wcdlte nur im liilfresfie 
' Sarhe, welche uns alle verblinlel, volle Achlun>f füj- den Kecben- 
*-liufr>il>erieht verholten. 

Was hej.^st volle Achtung? Nicht pluuderu. nicht den Dank aus- 
'•hen ! \\'pnu jemand eint- Arbeit verriclUet. fordert er tiei den 
< u-n. welche ihm Dank üohulditf r^ind. das«: sie aid'merksam die 
Ai'livil unliM^uelh'ii und das will ich ilum. 

Tf*h Inilie -^chon zu lieirinn ^osjijfr. dass du!« Actionscomit^ bei den 

i^spii, unter denen e-^ nrbeilen mu«-*!«, njclit mehr leisten konnte. 

/.•• der Zeit ist der eine rnmhind; dei* andere Cmiittand ist, 

rtir iHe lüehtiKcn Leute im Aclivin-fcnmitr- noch sehr went^ für 

• if Sache auisrililztcn. Ich habe bereits ge.siiKt, da?i.-^ dic-^e Keule ~ 

' ' i-'ht von einzelnen —nicht verpilichtet sind. Ilir uns Im 

n. Alle diese l'niHlünde wirkten hindernd und werden 

rt-j' II -j'i.i.i iiiiiui-ni. das« mehr geleistet wird. 

V\ir mtichten alfio im Namen dös \'olkes ersuchen, dftfiß \uiBure 

' r vervollkommnet werden, und wenn daher der Reehen- 

uns tjiusi'nilmal mein' zeigen sollte, .so wdrden wir doch 

•i:.-« die Mit>flied<>r des Acti<m^■l■omitvs im Hfln/«n fili" uns 

Werden snllen. Sie sollen Uiis ihre ^art^e Zeit widmen. Wir 

l.eule. welche l*iir tlie X'olksidecn ho :irbetlen. da.SÄ .sie nicht 

iK*n TheÜ dnr Zeit für uns verwemlen. Hei der Organisation 

'' M;iuor zu sprechen, in weleho hugc wii' die (..'omnd.«- 

Mmi ■Ih-n. 

Li ..., ... l'unkt, von dem ich sprechen will, betrißt die ThäUjf- 
kul ilefi AcHonaoomit^if. E<i liaben mich insbesondere joiiu Stellen 



agitiort in vielen Lrinde-rn. wo bishor dit- Jinleii iioi^h koliio Nnt'hn<*hl 
hiitten. Ctunx. liohtif; hiit rlos Coniit<^ ^elinndett. inilfni es glinibto, i\nas 
es in Riissliin«!. Armenien oOer jinderen I.iindern nieht so nolliweniliff 
ist, vom C't'iitrimi wwas zu Ihun. weil die Idee dort schon W'iirx«) 
Kefat^At luit und sieh dort auch lo(*aieKf'ürte finden, die das ennöglicheii. 
Aber unsere einzige Stütze in der Gegenwart, die Stütze der Kit»xoJi 
Idee liegt in der Agitation ; denn das einzige, nuf was wir hofTon 
können, isi die Sympiithie der breiten \'olIc'imd-sscn und diese Sjt«- 
piithie ist da; aber tue V'ei'kündigiing j»t zu den jjrossen Massen noch 
nicht ^elnnfi?!. Die Hnuptnurfrabe. die tÜr andere Sache von (rrösster 
Wichtigkeit ist, ist die ThätiKkeit, welche Agitulion heissl. Dazu Vnnn 
man in einigen IJnideni alle CHiiitnlicii verwenden. |)if».se wenien uns 
100 Percent bringen. (Beifall.^ 

Ich sage also, wir müssen unser Contralcomit^ in eine .<;olehv 
Lage ätelleu, dasä es sicli uns im ganzen widmen kann, und tlaaa es 
über solche grosse Capitalien als Agitationsfoiid vei-fügt, welche nuUi- 
wendig sind, damit es keinen l-'lock gibt, wo Juden leben nnd wo die 
VerWündlgutig der Heilung Israels nicht hingiduiigt. (l,ebhat>er Beirall.) 

Nun muss ich auf einige ReTncrloingen, welche in der DiBCuesäoo 
gefHllen sind, erwidcrn. 

HoiT n n ni h u s hat gebeten, dass wir ein Budget unserer Kin- 
küntte jetzt vorlegen Hüllen. In eijier solclien Sache kann das Budget 
nicht nach dein vorigen Jahre berechnet werden, denn wir können im 
nächsten Jjdne hundert- uiid tnusendmal metir haben. Es kann plötzlich 
ein grosser Kiidauf von Summen erfolgen und eine solche Knergie und 
Kraft im Volke sich entwickeln, dass wir unmöglich ein Budget In 
diesem Sinne aufstellen können. 

Was (Jie Wohllhiitigkoit betrifft, so ist es unrichtig, dasü hier ein 
Oe-gensatz zur Wohltliatigkeit in Palästina vorliege; in den Auö'ufen 
des Actionscomiti-s wurde scharf betont, üjlss die VVohlthäligkoit auch 
ein politisches Mittel i.st, um die grossen Massen für den ZiouismuB £U 
gewinnen. 

Ich bin zu Ende und wiederhole, dass unsere Hoffnungen in der 
grossen Agitation liegen, und wir stellen es dem kilnlligen Actions* 
couiit^ anhelni. darauf sein Augenmerk zu richteu, uls das ein/Jga 
Mittel, »ns fi>s;T7.uhiil!en. 

Dr. Kokesch: \"crehrle Versammlung! Es iat von einigen HeiTcn 
gerügt worden, dass der Finanzausschuss nur den Gebarungsübersehuss 
und nicht auch die einzelnen Details bekanntgegeben hat. Ich hi-auche 

wohl nicht erst zu versichern — (Rufe: Lauter!) Sie müssen ent- 

sehnldigen, ich kann nicht lauter sprechen, ich habe ein schwache» 
Organ. Weim die Herren etwas mehr Ruhe haUeri, werden sie mich 
gewiss vernehmen. tKrneuerte Rufe: Lauter :| ich versichere, duss ich 
die grösste Hochachtung vor der V'er.sammlung habe; es iat mir «bor 
ph^'sisch nicht möglich, lauter zu sprechen. 

Ich brauche nicht zu versichern, dass ich dem Finauznusschusae 
nebst den Büchern und sänunlUchen Belegen in einer Tabelle die 
Details der Kiunulimen und der .\usgaben dargelegt habe. Ich habe 
auch Im Ausschüsse ilen Antrag gestellt, das.s diese tabellarische Zn- 
SAmmen^tellung der Kinnahmen und Ausgaben vorgelesen werde, bin 
jedoch vom Aufischusse majorlsiert worden. Ich erlaube mii- daher im 
Plenum neuerdings den Antrag zu wiederholen, dass die Tabelli» 
der Klnnahmen und Ausgaben vollständig verlesen werde. (Lohhufli>r 
BeiGiU.I 

Del. Ellmann: Ich habe im Namen der FinunzcoramiBfliOD 
folgende Erklärung abzugeben : 



^w 



J 



ß5 



Ol« FiiinnztMiDiiiUfision lint einstiiiitnip tip^^hlofijien, djp hier ver- 
L lui^lrn r>HtJuU iik>lit KU gplipii iintl aiv fiii'U't kciuc VernnUMmunu^ von 
f deoi viin ilir L<i[iK4>i>oiiimotuMi Slnnilpunklo atizii^ohcn. (HoititlLt 

Dr. HerzI : .M«:'iih^ Driinon und Hoitl'h ! Wir hnbcji j.»t/l i1«n 
RMlH'jirtolmnHborii'ht, 'h'ii Mfii" Dr. Sf*huiri!i" voix«lesfii hnt. ge>»fn 
iiiTi« Knllk /u \>"j"tr-.'tPn. Uie Kritik war im ^)iiK<*n iiinl inürtson nr- 
(räjdlclt iiiiü i<'h wiiri.sclK* uiistt^reii NarhlV>lt;*'rii im komirK^nderi .Jtthro, 
üifc* sie en niolii sr-hworcr Imbr/n kuIJpii wi** wir. Im pfluzeii siüU eüilKO 
Ftujzei» jret«trUt wordfii, ilii' irh oingolionilcr hrlirtii'U-ln will, 

Zuntieh^ lint Herr [lui*pt»port tlii» Krage uTifsoworftni. wfts wir 

unfair Hioh'^ver (.JiiruTitie t\ir die C'olnnisntion oder Aii.<riihrun;r unserer 

Hiop vt^rstt'hen. Wir liHheii das oft erklärt und es würe eine mü.*isijECe 

WjiHlfrhiduitu, nuMifiitlii'li dnssi^ti. wns die gnnze Zeit deä ersten 

Basclpr f'im^rpsses mistiffüllt Imt. ttPiiii ii>h diPs alipriiinis >tB^pii ttntllo. 

E» stirbt in niisproni l'i'oirrainnip : l)ip (iiiruntipn Aind dipjpnijfpn 

'T"iitlii'Ii-rpr'htliojK>n SicluTlioiion, ohne die wir uns oino duuorud« 

iii« ni'*Jit vtii-slpllon könnt»'». P't» liiindelt sich Tiir un»: nicht um 

ri Moni>m(ert'ol>r. nidit ttaruni. ij'^^inltiiuif tiolieinlnu'c Ttiuligkoit zu 

i>'k<*lM. die vifllfiflil tliu'in bpsteht, daKrt mau den (iüler- und 

■!■ Iii uuch den MenH<-l»t?iilnin»*i>ort ptuai} Ifbhancr gecitHltet. Äondprn 

i'-ll es sirh. wenn wir «rn-'^tp Lputc sind und dipsp jrroasijn 

I -I' nusfldiren. wie es uus)mv Pflicht ist — una handelt es sich 

'iDrtiin. dfiiipriide Xnstluide zu AehiinVn, tnnl ilarun nrb^itpn wir jodpti 

Tair, hl wpb-hpm Augenblicke Sie das greiHmr «(-hcn werden, kann ieh 

nicht sagpu- }<*\i habe Ihru'n auch nie versproclien, zu welcher Zoit dos 

\^>rk voll<^nd«t sein wirl. Inh i;lanlu> .<agen zu können: Es hnndolt 

v<ir allem ditnnn. 'iie Hedingungpii, die notfiwoiidijr sind, auf allen 

II Iier/.UKlellen. VWmi iliese Mediiigungpri frlüllt, wenn alle Fäden 

«n >1>T richli^pn Stelle aiigplaiigt sind, dann werden diese verknüpft 

w«^feii. Dies wird nur kurze Zeil In .Ansitriirh nelmif»; n bor Sie 

-ieli gedulden. Wer glaubt oder geghmbt hat. d^iss wir eine 

'ji* Artu'il in ganz k\ii"/.er Zeit nin''hen kr>nnon, hat uns von 

Ml uJohl versiflnden oilor er bat ?;i"'h einer llliHion liingegeben. 

■ il wir ein«? ennslo Aibeil mnelien. Ist es nicht nihgUeh. Uinen 

■ ■iTiititle von eiiKMi\ Augftiblieke odei* von eineni «lalire imf das 

Aii'Wtf ZU IJefpni, leh bitte Sie nb.<r zu bedenken, dasn in dem Aiigeii- 

Mnk-,\ in dem wir o<ier luiäer*' Naebrolger sn glüeklieh tsein werden, 

l'iiu'n ili«isi' ( Jaranlien »U et was .Abgenuiehtes voivulcgen, phies der 

iTu;wt.ni wpUgp*;ebli*bIliehfin Er'Pignlssc vultxogen sein wii*(!. (i^ebhafter 

ttelfoll luid Mniidektitti^r^h«!!.) 

Dann werden Sie ims vidleiL'ht die Jnhrefinistpn. in donen e« uns 

^nhpv vergiwint war zu arbeiten, ni'-bl ho narhrerhnen. JedeTiralls haben 

•ir. gln\ib^ ich. iiaeb ileni. was Sie bisher gesehen haben, einigen An- 

■|iiiii-h auf Ihre Ceduhl. wenn Sie woUen. oder nueh Ihr N'ertranen. 

ii in *'- Miisiicrpii bereit« Tlmtsaphen, und eine der wichtigstfiu ist die 

b's IVüliPi gcteugnolen jüdischen Volkes. (Lebhafter Beifhil 

iltiklatseben). 

l>as babp ieh Herrn Ra(>puporl xu smftcn und Sie wpi'don daiiu 

tilrhb; Xeiies Hnil*üi. 

Ein anderer Hedner. Herr Dr. I.iindnu, ist mit versehiedenMi An- 

•^Tt ;in darf Artionj^cumile gekormneji. von denen leh <lte erat« nicht 

[i habe. Ich weiss nicht, was es heLssen soll, wnrum da« 

iiiit^ eine Verliiulbannig der Paiteipresse noch nicht vor- 

ti hat. [eh hittn mich zu uul^rbrechcn und mir den Kinn dieser 

: '-rklaren. 

Ur, S. K. Landau: leb erlaube mir /u bemerken, das^ ich mich 

'^i'etnftn vom vorigen Congress angenommone-n HeschlUÄ8 goßtiitzt 



hübe und dass meines Ki'aehten<: der Sinn desselben der war. dusa^ e» 
Aufiffftht? des Actionßcomites würe, iui Laufe dieser Zeit sieh über du 
\'erhHllnisse /u orienÜercu und feslzusrelieu. aufwelehe Ulätter die !'art*i 
rechnen kann. rf. h. wclelie BlÜtleralsPurloibhitterÄTi betmchten aiud und 
welche nJnht, d. h., fiir weh^he Bliittt'r. auch wrinn sie zionipstiseh sind, 
die Partoi keine \"eron1\v"ortiing iib*'i-nehmen kann. Teil erlftube nur das 
deshalb zu erwähnen, weil viele Falle vorjrekonimen sind, da^^: einzelne 
pjirtei^enusyeu :*irh i^ezwuujten ^esBheu haben zu erklären, dass sie ffir 
diis. wiis in ein/.etnen nts zioni^ti<teh ^'eltend^n Blättern gestanden ist. 
keine Verantwortunp übernehmen können. Ich plnuble ^-iehou vorige« 
Jahr eine Klärunfi die-fbexüRlieh herbeipeführt zu haben und habe mir 
honte erlaubt, mit meiner Anfrage nur fe^tzus;t eilen, dasa wir darüber 
gnr keine Auskunft erhalten hoben, ob das geschehen ist und warum 
das nicht jrerfchehen ist. 

Dr. Herz! : Die Antwort duriiuf ist sehr einfucli. Das Actions» 
comite hat .■*elb!;iv..r.-.tiindlieh nir*ht die Vorantwurtun^ zu fiburiiehineii 
fiir die Blätter, die von irgendwelchen dem ActionHcomite Tenie oder 
vielleicht sopar feindselitf freirei^fiheri^toheriilfn An«ehiirigeM der He- 
wegun^c herHiisgeeel»en werden. 

Ich weiss nicht, ob alle eine so au^ebreitetc Lectürc ptlogoo, wie 
wir öS zu Iliun jeezwunijen sind. Sie wü.s.sten daim vielleichL dass sehr 
viel Nuehsjehl ^eiihl wottlen ist. vveuri rrian :iur die wiederluill ani?e- 
hohMie P<deinik und auf die man<-|inial unter nicht ganz legitleii I"m- 
sTiinden iinu^-hotene Polemik von Hlätteni. die eine mehr oder wenixer 
zionijitiselie l*"arbuug haben, nicht einffepangen ist. 

Das Aclionscomite hat ein Organ zu seiner Veiinguna. weichet) 
die nffenlliehcn »lelder niehl.s kostet und jrleiehwohldie Wrinutbarungen 
des ,A.ctiiin.srrinjit(^s der Oefrenlliehkejt übergibt. Die lllatter jeilorh. 
welche dem Aclionscomil^ ' )pj)ositii>n machen luid den Zionismus 
bekämpfen, den Xionislen zu »^ntpt'**hlpn und zu P»r(eibläll«^ni zu 
Tiiaclien. wtu& eine -Milde und Dublsamkeli. zu der wir uns bisher nicht 
haben nufrafTen können. 

Im l'ebrigen kann ich dem Hern» Interpellanten .sagen, da.*;« für 
die nächste Zeil die HeniU8gabe eines .largo nblatte.s geplant ist das ebeii- 
ftilU die öffenlliclieii Gelder nicht lielaslen wLi"d und welches unter Be- 
dingungen, die ftir die Bewegung vottheilhaO «lind, dem ActionAeotnit)) 
Äur X'erlVigimg gerttellt wird. \\*oitci*es werden Sie rechty.eitip ertabren. 

Was die Anfrage über dlo ■hlatL'^liKcho Coinmis-^ion bctnnt. sti 
kann ich Herrn Dr. Landau nur antworten, dass er einer der Aulra^- 
steller im vorigen Jahre war unil diws er auf die Auffordening deti 
.'\clioniicumile>i, die .Arbeiten zu beginnen, sich zuriickgezogeu liat. 
iDr. Landau: Aus persönlirhen RürkÄichten !) Es gehört also jedenfalls 
zu den heilerHl«'n Interpi-IlHlioiieu. wenn man das .^eltonscomite für 
etwas verantwortlich machen will, wns zu vereiteln man sich seihst dir 
pi'iStwte Mühe gegeben hat. iLebhaller Beilalt und Hiindektutsrhen.l 
('ebrigens existiert die statistische Commtäsion und hat ihre .^j-beiten 
schon vor gei-aumer Zeil begonnen. 

Was Hei-ru Bambus beirilP. so hat er drei besonders hejvor- 
rag^'nde Fragen gpfitellt, ilie ich h(>antworten will. 

Zuerst die J'rage. wan wir in .Angelegenheiteri der gali/.iselieii 
Kxeesse in Oesterreich getlian haben. F:s ist das l'rincip. welches ich 
auf de-n I. und II. <''oiigres.se vorausgeschickt habe, dass wir un.s hier 
um die inneren Angelegenheiten der ein/einen Lautier niclu zu küuirneni 
haben und das.s ieh glaube, riass unsere Beratlumgen nur dann weiler- 
iün ungestört imd geachtet fortgesetzt werden können, wenn wir an die- 
sem lYhtcipe unvorbrüchlieh festhalten. (Lebhatle Zustimmung.) 



- liT — 



Was sptn*« Anro^unar belrifU. einor Anznh) von Vnrt.rftu<*ns- 
üBiniiTn writiTo Mlttlifilnii^rnu zu niin-hcii. liie noch n\fh\ reil" sinil für 
di^ ÖfffUtUrhe nis«MiK.iion, wn fn sich mn Aiifiinjfe hunilcU, vun lioron 
ForUfttuii^ man noch ktMiic iiniv/. siohftre Vorslj-lliiiig hat, so habe ich 
h«-)fit»i (-infm H<»iTn aus Ru!4slnn<l. »lor mit iii*'ser AntWi^fi» nn miuh 
hwingpkoinmcn ist. und /.wnr in liplinitf-r WVis»». nioht in f^fl«'iiilirher 
Sit/tiiiif, oioG beftiwüjronile AittW(}rt -^oKöhfin, dio den nuun^ns dor 
Rck^'en bcuunr»i;lon Hfirrn vi)ilkominön hefricdi*ft Imt. 

Kndücti nu'Uite lleiT I3nmlnts, Hlt jn im iihriizvn nicht ganz unzu- 
M*Jen vitw rtül der <;es<liartsriihruM>r des Apliouäcoiniii^s. dass wir don 
nm-Iwtjiihrif^ipn l'pherschu^'; vorhpr bckatintfrehtTi •tollon und diüw wir 
l «nt* An von Hudu'Pt im voi'hinein berpchnen HullHn. (Dei. Kiimhus: 
I IHi )iftbe nirhl K'^'^u^t. diii^ doi- nui'li<(jiihnK^' L'i>bor»cliU£s lM*kunnt^e- 
|(M»fn wt-Mdt.'ii ^oll. sondt-rii fino Sohutzunti:, Ober wolclie li«ldor Vor- 
[Ri^inrf ^:^■ln'fT«!n werden kmiii.) 

Oa's IM nun ^itit» Kratf«'. die si^hr ^vhwor zu benntwoii^n ist. Di« 
|}*rüirrp.%iiion un>n>r^r Bcwejrunif i>*t ^miz nuH^nrordentlieh. 

Sio imhpn auü den Tuh<^ll<'ii. ilif violleicht lii»»r <*in*> nicht ffanx 

|&i'htlK(^ Schitl/.U[if( crfhhmn haben, cr^if^hon. in widch ä|>inin>;hanpr 

InVU? unsere BowcjfunK I'ortschrtMl^d. Kinnn StiM.^land odtir UiickuiinK 

linviuie icli niolu. Ich ^hnibf? violtiiehr. das« ifh os ganz n>4uk' siigon 

IkinQ. ich erwailt» eint' sehr grosse Progcertsion. (l'^hhaflß Zurititnminig.) 

IUI« groi£8 die^e (teJn winl, daä »bzuiichar/.en int abrtolut nicht mögUt^h. 

Irh möchte nicht irirend tiine Kchät/.ung abtfolien uml würde 

hnm dtth)-]- »inpftjhlL'n. darnitt' lioher zu vcnsichtPn. Ka gibt wohl unter 

' jrau Bedingungon als di*? sind, unier welchen wir nrbeitou, 

Dlcho \'orahs<'haty.ung. ila steliim abor Erfahrungou und Durch- 

i4ber<?chnung<>n mphrtrur .Inhrc. die uns eben nicht /.ugiingUch sind. 

Hr V.'rniii^img. Wir i^ind ganz, am AnTangt». ahor ich zwoifl« nicht 

jlftmn. dft"i*s- wir in einiijon .Jahren in dor l>ngp sein werden, auch iHn«n 

|VoranH«-hlug zu machen und un^* den geordneten Zn^täiidcu 7.\t nähern, 

MJ»- heute noch nicht moglicli sind, an denen uns aWvn aber liegt. Ich 

«iinit^ Thneu daher auch Tür da« IVdijende .lahr vorschlngeiu voraus- 

'--'\/.U dass llin<?n der RtfclieuHchaftsbyi'ii'ht gi.'iitigl hat und Sie sich 

mu der \'»^rsichernng der Finan/.coniniiÄh-ion, lin.*« die ilelder onient- 

lirJi verwaltet worden sind, beruhigen wollen, ilas bisher (iethaiie KU 

totior'T- iinrl bei dem jetzigen zu bleiben, weil etwaü anderes dei"zelt 

ci''ht ni"i;ii- ii iöl. Wir nrlieitcn unter besonderen Cnistandeu und die 

ßÜAKt-n b-'i-iiclcrtichtigt werden. Das ist oim* Frage, die in den meisten 

Beden der Herren vorcfkomtnen ist, ilie gerne Niihereä gehört hätten 

Dbrr die Kinan/.gehurung und verschiedmes inotivierl haben woIUon. 

Herj' HerbNl aus Sofia hätte es gerne gehabt, weil er uu.>^ der 

' ' der Schokel^ahler auf das KortsehreitcMi unserer Uewegung 

1 i wülltt-'. Hyrr T o ! k o w d k y und Herr S c h u e h mochleii 

ijii;iiltit kenneu, uui uns r<^ntroliereu /u köuneu, ob wir richtig 

»Ditlereu. 

Nun der Vorwurf, du-i-s wir ati wenig agitieren, ist uns bisher 

nicht gi<mai-ht wordi-n. Ks Imndell si<'h ja ort danini. was die richtig.sto 

Form def Agitntion \Ai. Oh genide die h'higbliitler immer das Richtige 

siinl, ilfts i>;l Ansiicbi.^sncbe. Du wechseln die rm^tande. IJllnmal sind 

lii.'i.liitt.i-. oinmal andere Koniion, die dem discrelionärou Krmesson 

''imtli*s üherlasst'n blt-ihcn niütssen. Wir waren der An- 

r nicht zuvifl Maculatur machen hissen sollen. Wir haben 

r'tn>- tHiu(ttsäciilich bembht, die Agitation in denjenigen Kennen zu he- 

*ir*-ihi>!i ilir uns einen guleu Erfolg vprsprorhen baben. I>er Rrt'olg 

' '■) einen gewissen Ittickschluss auf die .\gitatioTi. wenn nuch 

.-t wenlen kann und will, dass die Agih\tiuii an den ver- 



onston Lande 
lieh. I-Ls liiiil) in iler Centriüe dus ErK«^biii» desBi^'u ^iiKiniiiiit.'U, Wim a|| 
die Aiii'ef{tiii^«Mi und bet>ttiudi^t*ii Cuufereiizen des Centrnlcuiiiil^s 
j^psphieht. 

I)it> vprsehiedoneu Herren hahon also nWa DotnllR ffi>w(ln3oht. 

Wir waroii im Actiouscoiuil^i ilor Ani^iclil. iIh^» (>s nicht oppurlu 
wäre, "lii? Di-'tiüls dor riphnrun« zu vpröffcutlichpn. mit Audnnkmo i1| 
Herrn Dr. Kokt'soh. (ii*r «Ib olTtmtlioh jLConannter Verti*iiut»TisinmHi 
(lio t'iWtlp'ttfinmi; diw nfitürlirht» Bo(inrrni>i eniprand. eine De«:harg 
'/AI erliflItfMi. innsoniflir. iiln hodftucrlipJn'rwi'ist' an tliVsen Mann, d«'r mit 
ganz b«!.<oiMi«>ivr Hin>;chiinK. ili»* mir wir kenn(»n iiiiil schützen kr''' 
weil wir ilin rnrtwhhri*nd IhüTiif snhon. Minnrhiiial «*inp Kritik an?-'- 
verfiuclil wurde, die holTontlicli llin^ Zuslininiiinf^ nie hnben kunn. .i,;.- 
halTer BoiDiU und Händekliilschen.» Er n\\i>^ sich ihtinit betrriü^en, 
iIhss die undi'i'en Mitglieder dn* Actionsconiites nleifh ihm stdidnrisch 
hnt^bar sind nnd fiieh mit ihm vollkommen deeken. djiss sie SPin»- Ge- 
biirun«, Bücher und Answeise. die. wie sie von der l'^nän;<eomiinssion 
gehört haben, ordniinir.smässiji gefidiil woivleii sind, dem Kinan/.öiiA- 
8Chu9P0 nnterbri>it«H hnheii. diesem eine volle Kinsielit gewülu't hid>en, 
Es ist aber Burh die einstimmii^o An.sicht de.s nnan^aussehufises dass 
es nirht opporl\»i wäre, die Hetails der ("ieharunji zu vei-ofTejitliehen 
und dws ist aui-h lüe Ansicht des AcliunscOmiles mit .Ausnahtm' dfts 
Heirn Dr. Kokt*-ieh. ilem wir pejftaltet haben, seinen Separnt-Stand|>unkt 
au!^ dem (iniinle fiehier persönliehen l'"hre vor dem ('ongres;'« zw ver- 
treten, nul dein wir aber nicht einverstanden .«ind. Tnd wir bitten Sie 
auch, die Aeujäseruni^ unil Ansieht dos KinanzaussehUiW**.« zu der Dtrii^en 
zu mnehen, auf weitere Details zu vorziehten und sieh mit dem F.r- 
jiebnis zu beRnütfeu, dans wir. was sich vielleicht nieht Vf>n allen \'er- 
waltun^jen ifroiiser Bewerbungen saijen la*st. nach ÜeclcunK der Aiis>fabe 
fiir diese nicht jferin^e BeweKun« nueli einen rehenwliuss von »il.OOÖ 
FranCK er/jelt haben. (LebliaIVpr Ht>itAll und Händ<>klat!tehen.| 

Nun koinino ich /.u Mcrrn BeniRtetn-Kohan. den ich anTan^dieh 
miiisver^tftiidei] hnbe. der aber zum Sctduese so freundlich war, Äieh 
mit unserer Thatigkeit zulVied-'n zu eTklär"?n. dem ich alsu nicht widt'r- 
spreehen kann. (Ht^iterkeit.f Nur in einem Punkte muss ich widor- 
pprecheii. Er liat eitic Ans|iiohnig Kf^macht, die ich fürchte nicht liclitü; 
verManden /.vi haben. El sagt« nümlich, dnss. wenn wir mit einem 
Tlielle unseivr Zeit — denn wir haben ja alle ein bürgerliches Metier, 
das einen grossen Theil unsei*or Zeil in Anspruch nimmt — wenn wir 
also mit einem Theile unserer Zeit Dinge geleislel Imhen. die seine 
Zniyiederdieil errejjl haben, es wohl tiesser wiire. wenn wir unsere irnnzn 
Zeil der Bewegung widmen wurden, und er beabsichtigt — es ist mir 
dies übrigen« au<'h schon v«n anderer Seit*« mitgcthetlt woHe» — uns 
irgenil eine Knisi hadigung für unsere Thütigkeit zu geben. Meine 
Herren! Ich brmiche wohl nicht zu sag«m. i\ass \vn darauf ub-ohit 
nicht eingehen können. Wie genic wir für lÜe gemein-^chaniiche 
Sncho arbeiten, das niit einer Phrase zu sagen, würo wirklieh über- 
lliKAlg. Wie bezahlen uns reichlich mit Ehre, abgesehen von dei Zu- 
niedenliell, die wir ja empfinden, wenn wir rlas sagen dürfen, was wir 
denken. I>a wir aber als bezahlte, als mit Ehre bezahlt*», !*elli>;t\ 'rr- 
fllündlieh in eine Hembniinderung unseres Honorars nicht wil 
kÄnuen. (8türmi«che Heiterkeit) bitte ich nicht eine Sceunde dam 
glaubi'i). ilass wir jemnls in eine IteiUiction unseres Gehaltes willigi'ji 
ki'VnntiMK ll.tddinlter Heifall und Kändeklutsehen.t 

Virc(iriis. Dr. Oaster: 7m einer thutäÜehUcheu Horiehtij^ng hat 
Herr (ir Ijuidrui das Wort. 




- «9 - 

DpI. Dr. Landau: Ich wollt« zunäohst ben'chtiKifii. iluss es iiiii* 
«ii-llKlvei-s^tiindlipli nit'lit eiiilHlIcti ktirmU' j.» sa>iiMi, tln-i^ iMiiinsilionolle 
Bl*ii*«r iJert Pailpippiiofisen PTnpfoliIpn wonion <.oll*'n- Zum zwwiten 
htnict« hi^'/.tigürh der titati^ titschen (-ununUfdon ist <lJo Koni^rlcunf; ilea 
Hpn'ti Prürtifientt>n Tür mich sehr s;chmoioliolhntl. Juss. riachdoni ich niinU 
mnirkgf^/otfen litibe. dii? Arbeit der stntisti-ichcn Cotiiinissiun nictit 
liifhr möfrlidi war. nllcin ich Imlto mich nicht für so unbesehäiüen, 

I 4*85 Ml lUcht ^'lAiihen könnte, du**« vi«'Ufi''hl doch ein anderer unserer 
Ptrti>iifeno5siön. die ja 7.un. (rröswu-n Thi'ile .furüsten ini'i Nntiunnl- 
ökünonieu sind, (In icti tiUH i^ersuiiiiehen tirilnden an der Arheil nieht 

I ith^ttnrlinien konnte, itics^ Ai'beit iit^tten verrichten k^inuon. Ich iuufi8 

lndrli ilnher daueren verwahren, dass oline mich die Arbeit in der 

tOiiiimiäsioM nicht htitte dtirch^'elXihrt werden können. 

(■■nis. Ur. Herz! : Ich habe Hern» Dr. Landau nur pe^ajct, dass er 
Inifhl «lerjptiiKe s^-i. welcher dem Comitii den X'orwurf nia>>heu ilürfe, 
Itifä vs ilie stati>itii^<-he .\ibeii nicht gemacht hat. Nachdem er abnr 
Ivfgen der nll||r<>niejiien .Arbeit anfratA, kann i^h iliin antworten, dass 
fvir that^nchhrh hefrimnon haben, dass wir nach dem Ver/irhte dos 
liPr. Umilau auf die MltthüLiukeil. die Sache oiuiu ihn in die Hand 
JfouMtnmen. das.'i wir ileii Cieiieralüeci'elUr Dv. Kirtdiauin bestellt und 
|*uir Con)nii-<4Aion ein^iesetzt haben, dass »liese Arbeit l)egonnen worden 

Isl und zn den vielen ^reluirt. die noch nicht zu E'Inite ^etlichen sinil 
|[ut<] (Jass wir daher den t'onniesri durch leere W'ortuiucheroi nicht er- 

ilUtlen wollen, thebhattor Iteilttll und Hütideklaläclieti.) 

Vicopräa. Tir. Gaster: Dr. Menczel bi'iintmtft dem Actionseomite 

|)iitik und \"erlraueji des CünKi'e.s.ies zu Votieren. Diejenigen Dnmen 

)liid Herren, welche dtiftir ««inil, wollen die Hanil erheben. tGeschieht.) 

Uii^ um die GeiJienpiolie. iNach einer Pau.sei Das V'rrtrauensvotuni 

L'inNtiniini»; antrenonunen. iDie \'ei-sainmtun|kf erhebt sieb unter 

sisrheiii anliHJIi'tiden HeilVtll und Händeklatschen.) r)er Antrag ist 

rtnii|LE unbenommen. (Ernt'ueiler aiirlaui-rnder Beifall und HUnde- 

clien.) 

I'rHs. Or. HerzI ideii Vorsitz Übernehmend) : Jcli habe nodi eiiilge 

llitt heiluntren zu machen. 

Die .\Iit«liei|or der \*eriflcntionseommi5.<;ion wollen «ach Schluss 
*r Sltzun;.' hier biedren, um ihre nfrntbunc fest zu stützen. 

Del' Urpiuisatiunsaussehur^s iiäll Mior>;eti früh im I'rit«idiaiicimmer 
I. Stock eine ^;i(/,un^;. 

Der KinanxauKschuss wifl nior):;en mittaj.' eine Bemthün^r ab- 
Jt«n. 

n«r ColoniMiUonflftURschutis versunmielt bicli morK<*ii um ';,!) Whr 
üb, der SluilentennusHi'huA') um H LThr. 

Zur (.loscbünsnrduunu: Imt Herr Herbst diiÄ Wort. 

DeL Dr. Herbst: Ks nius.s mich sehr Wunder nehmen, dass der 
!r«>n mir tfe&teltte .Atdiaif nlw eine Interpcliatinn mit den anderen Inter- 
«UulJonen zusamnten in ilen i\nt-b geworfen winde. Ich hatte ki>iHR 
l»run^' auf meinen Ajitraß irehört , er ist «neb nicht zur Ab- 
Qunit Kelauirt. Ks ist enlüichieden ^ehr vviebtif^ /.u un^tien, und 
(•u Leuten dauiit em AKitatioiitirnittel in die Hand zu neben, was 
tllen Sel)pkelj5elderu tfoniacht wurde. Ks ist nicht ann?. so, wie 
ehe Henvn irlauben . . . 
PrÄs. Dr. Herzl limterbi-eehend) : Ich mache den Herrn Hedner 
lüarauf aufnierksniii, dass <lio Debatte ffe^ichloftsen im und er darüber 
iin'*ht mehr wciipr sprechen knnn. Wir haben K^sagt, das.s wir in ilie 



- 70 ^ 

Details niolit eingehen können und damit liat sicli der Congi*ess ein- 
verstanden erklärt. 

Die Damen Imas und Steinberg wui'den in den Organisations 
aussehuss eooptiert und mögen sich auch morgen früh 8 Uhr zu 
Sitzung einfinden. 

Die nächste öffentliche Sitzung findet morgen 10 l'li 
Tormittags statt — Die Sitzung ist geschlossen. 

(Schluss der Sitzung »/»H Ulw)- 



«"SlS^ 



II. Tag 



am 29. August 1898. 

Beg*inn: lO Uhr Vormittag- s. 

Vorsitzender: Dr. Theodor Herzl. 



Vota. Dr. Herzt : Ich erOfThe die Sitzung mit der Wrieftung des 

Dieselbe enthält Ktmilgcbuiigen utis allen Welttheileii uudLündern. 

E* Sinti pros4e Tfk'irrauime eiu^'^Iau^cn »us l!hi(i1aii(i und Ainerika, 

•iniKi' (liivon mit über HXI Wort*»», die ich nicht zur WrlesuiiR brinjie. 

'li'lu (nir4 Midsactitting tüi* flio Kiirnlir''biinuen. sondeni weil si*^ zu \ iel 

^'1' wt't'iiehnifii würden, r)if- Hi-rr«'» k'iiint'n In» Secr<>taHate die De- 

lit^n ••iii'ii'hcii. Ausserdi-in sijiii nns linsslnnd iiitd Cinlizlen Kund- 

iiiron fJnu't'Uiuft'n. ziimGlst nusMnsspuvt^i'SBnimlunKon von Zioiiisli'n- 

ii-'Ij. StiidfiMi?»-. Miifli'hen- und l-'niuniiverfinpn u.zw. in »?nKlischor, 

her. spanischer. ruKsifii'hcr und hebräischer Siirarhe. IrDf^nnzon 

liier 2*» Tele(?ramnu> und ebt^nsovlele wi'r'dpti jet/.l im Srero- 

ii- »utVenrtMMtet. fnter UlttHriefen sind mehr als 44 1 von orthodoxen 

i'inern i'intfclnul'en. welche den pülitlschcn Zionisjnu.s uusdriicklifh 

jL^ ni'-hl im widersprudiB mit der Ileügion stehend bezeichnen. iLeb- 

IwfU^r Bei lallt 

Keriier haben viele Cultuö(?euielnden uffii'iell iJire wümibten -Syin- 

Vtidtipii und (iUlfkwünuelif überKeiidel. Kndlieli orbiubtri Sie mir auch 

''' i;jebuntf einer Dame zu erwäbnpn. bej^tehend in einem pohii.-iehen 

welches von einer christlichen Schrittslellerin nus Warschau 

irrii Muiirresse ^ewidniot worden ist. (Lebhiifler Beifall. | 

Till Ihnen eine L'ebemeht des Eiiihiufes zu geben, der also zumeist 
"■ 'iUiekwüiisrhen und betfeir^liTteii Kiind^'ebauk'en Tür den Coni-rrvss 
•hl, will ich Ihnon die l.'r(7|irunKJüorte mittheilen (verliest die Att- 
i.lcr). (S. am Schhiss des Protokollsj. 

Kiidlirh erwähne ich auch eine Depescho am» Kairo, welche von 
llvitochba eirt^relaureu ist. 

Zur riesfhafl.sordiiunjj; hat Monsieur Rernard Luzare das VVurl 
i«rlaii)^ Kr hrinizt folgenden Wirschlng ein. de» ich /u verK-sen Inite, 
[iidJ er fiir die weitere Kniwicklunj» von W'ert ist. 



«oraau (im» ovn Aiura^ m iFunxoswour »p: 

hinzu» : 

iZs ist überflüdsig, diiss ielt itoii Antrug iiu(*liin}iJs üfuUcli k>i(*. rln 
er Wühl von di'm ganzen Coiigi'osse vorstiinilLMj worden ist. ^W'itler- 
sprueh ) Ich wt'rrte ihn nlso »Ufh deiilsrh vefK'Sen. Der;>eUM' laulet; 

„in Anhplracht dosson. dasft der inissehli«issh«'he tit-hrnnrh der 
dtnitsfii.'ii Spnti'he in ilon oltiniollpn PuhUcnlioncn und Acten di^s Con- 
ßToss»:'s joglifho Ausbreitung des Zioni-smus in den Lündern, die wicht 
deutsch sjnvrhtMi. vcrhimh^rt- ganz ahgc^chcn davon, dtiss die« pint»r 
ganzen Anzahl von .ludL'ii es sehr schwer iiiarht. in wirksaniür \\"eise 
im ileti Bi'iathungeii und Discnssionen de.-; Curigress(>s lhnil7.unohnii*u; 

in wciti'i'er Würdigung dessen, dass die Juden Frankreichs, 
llnlienrf. Belgiens, von Mnrorca, Algier. Tunis, Ägypten und des guii/en 
Uricntii. wcN'hc doch eine gi'OAse Zahl bihlen. dnduVch glelchsutn nussni'- 
halLi jeglichei" Proimganda bleiben. 

beantragen ilie L'nterzeichueleti. dnss die französische Spniche 
gleichzeitig mit der deutschen in idlen oltit-ielU-n Pubticationeii und 
Acten des Congi-esscs angewendet wenle." 

^Kolgcu die Unterscluifleu.) 

Monsieur Hernard Lazare luiit stnnniHcItAm Beifall und HSndo- 
klalHchen hegrüsst — «|wichl IVanzosischt. 

J>eL Herbeil Bentwich. n»it lebhaftem BeilUU begrflsat spricht in 
englischer Sprnrh«^. 

Vieepras. r>r. M;ix Nordau: Herr l,az«re hat sehr beredt meinen 
Anititg bi-gruiidet. Ute (iründc. die er angefdhii hat, Üegon eigentlich 
auf dt'r Hand. Wenn ieh sie auch nicht wiederhole, so können Sie sie 
doch erinthen. Die deutsche Spraehe ist kein Insli-ument. womit man 
einen grniiseti, einen erhebliebeii Theil lier .hideiihcil erreichen ktmii. 
Cnu'hicklicberweise sind iliejfitigeü Juden, welche deutseb nicht verstehen. 
aurh nirht »*Jiuinil ttjtien deufMcheM Jargon, g»-rade diejenigen, lur die 
der Zionismus eigetillieli am meisten arbeitet, die tler Berreiungslhat 
des Zionismus atn meisten hedfliilig sind, tierude ilie>e Juden haben e-. 
am meisten ncHhig. aus ihrer unglückseligen Sliimpllieit aufgep-ütielt z« 
werden. Sie liaben bis jel/t noch nii-hls von den ge^nnunten Ans;lrengnngpn 
erfabr^n. die tWr die gesamnilf Judenheil und in erster Keihc für sie 
gemaehl werden. Ks wfire deshalb nulhwendig. dass t\ns eiiosende Wtnl 
lies Zionismus nach irt ihre Seide dringe, und da.ss als Mittel d«itii die 
iranzosisi*he Sprache gehnuiebt wer<le. .Mr. Benianl Luzare hut nun 
beantragt, doRS man ihnen die Bolschati des Zionisnnis imeh in fnin- 
zösischer Sprache verkünde. (I.ebimfter Reifidl und lliind(?klatsehen.t 

\'iceprä.<. Ucv. Dr. Mosf.s Gaster: Mr. Bentwich hat hervorgehoben, 
dass. wenn eine Spnicho oder 2 Spraclieii die Berechtigung haben, dnss 
da> I'rotokoll darin erftchuine, di-* englische Spraehe, die cigentiieh in 
einem Diitlbeilc der \Velt ge.sjuoehen werde, die In London gesprochen 
weide, wo der Sitz der /nktlnttigen Blink sein werde, gleiehlalls dies* 
Beiecht igiMJg habe, dass das I'rotokoll auch in die englische Sprache 
Ülierselzl wen!e, umsoniehr. wo >^a sich iloch darum handelt, die .Mil- 
lionen Jud<'n, die noch nifht gewoniien sind, für uns tu gewinnen. K^ 
werde das gewiss von Bedeutung sein. 

leh bitte daj* übrigciiii nicht als nteiiie eigene Anschauung zu be- 
ti'Hchleii. aondeiii nur als eine Ueberaetxung. 

PriLs. Or. Theodor Herzt: Zuniichsl lienierke Ich, da.ss wir nicht 
nur in deulseher Sprache HmtiiMvn, Schrillen viTsenden n. s. \v. Wir 
haben erst in der letzten Zeil ein»- Schrift nach dem Orient geschiekt» 
welche deutsch. IVanzösisch, helu-jii.sch und arabisch al)geftis>ii wiu* tind 
die also sehr weil verlufiiel -.vunh'n ist. im ganzen Orieni. 



- 73 - 



Dennoch haben wir ttetbstvMfsi^iullich nicht« dAgegeu, wenn be- 
o*wn \**ird, »liePiiblirHtionon in n-anxOsischer, engli^her und anilereu 
^h*i> zu V(»nlfl'.*nUiohim. 
Nun l'wan h'tp-r fin Antrag von Hen-n l^uiie vor. (Jer flll" da» 
/liviiituni'ntnsÄt, nünilich don st^^nopi'Hphischon ContfrRf*-''be'''<'ht in 
ilcdtst'ht'f, rran7.<isis('hor. cnirlischer und russischer S(>rut!he zu Vt^röfTent- 
lir!i-:n. Wh jflnube, dte«;ei- Anli'u» Ta-tsI idh*> zusnmmon und es wird da 
fiii<> MiMni^itiffsvei'tirhiedenheU mehr geben. (LebbrtUer ßeifall und 

\h'\. Vir. S. H Landau: Im Namen feiner gröciseren Anzahl von 
•JMitiiump^t^eiiossen orlauho ich mir zu d«'m eben vei-It*seneh Antrag 
mmi Zusatzuntriig zu stellen. Kine S|iniehe wurde in dcnifiolbcn ver- 
irisia, es iitt ilie Sprache unseres Volkes, ijes Volkes iLebhaller 
"^jiU und HändekJatsclie«), eine Spriifhe. die von IW l'ercent uu»eres 
ICfs ^resprucUeM wird, eine Sprarhe, (Jic -lie ciiizitje ConversiiÜons- 
chf urij-t'res V'ulket« ist. Ich hrnuchc t-i Ihiu'ii nifiht ei-sl /,u «nK»*". 
der Jiir^4in. tl-dibiifter Hcitnll und Miinil>-klHt.schen.) Irh orlaiihe 
Naher den /lusat/anU'Hg zu r;telleu, da?;.s da>i slonogi-aphische Protokoll 
' ini-h Hl der Jni*KonsprHehe ausgegeben wird. iLebhallcr Beifall und 
Hat) ib'klut seilen.) 

(iestnlten Sie mir aber auch bei dieser Gelegenheit, meine V'er- 

1 Wlrlestcn, pine kleint- Hemerkiing am niuohßii. Ich glaube, es lüütgt ilas 

duiiü xiLsnninien. Ich würde dem Actioimcümit^ Ihr die Zukirnft em- 

|^di>n. das l'rolokoU /-u einem derartiK«?n iVeise herauszugeben, das« 

»* itiat.^jichlich jedertnaiui. auch dem iü'msteni. ermöglicht ist. si«h 

Ldlöfc ProtukoU auzuschafTen. Das letzte l'rotokoU kostete tMt kr. Ich 

pbe. djH Lst ein viel zu bohpr Betrag, nnci »ir bitten alle, da.^s der 

entsprechend den VerhiiUnissen der hrGliPsten Schiehlen unserer 

(Slkerung beme<;^en werd*-n möge. iHeifall.) 

I'ril.s. Dr. Theodor HerzI: Herr Dr. Landau, hier wird vorläufig 
filnvon geMiroehen, in welchen Sprachen diu Publirütionon zu über- 
«•U«n -äind. 

Del. Dr. S. R. Landau : frh habe ntelitit nn^hr ?.u sagen. 
DeJ. E. Torcjyner : Kn li"'gt ein Antrag vor h(»züglich der Hmnus- 
abe i1<»s ProtokolJi'K in lit'bfiiisi'hi'r Sprache. 

I'ra*. Dr. Tln^odor HerzI : leb hübe ja hci-eils gesagt, es lieg! ein 
^ntrAg vor. welcher alle andt^-rcu zusammen fa-ssl. 

Del. kabbiner Rabbinowitsch (Pollawa): (Mit lebhaneui Ueil'aU imd 
fanilekliitschen begrussl.) 

Präs. Dr. Tlieudur HerzI: Ich hielte es Rlr angemesisen. nicht hei 
Jem Redner Demonstrationen vorzunehmen. Wir haben einander be- 
i^mX, und iidt k'liiube. das frciiüi.;) uns iloch. 

Delc^. Uahbiru-r Rabblnowitsch spricht unter tosendem Bc!&ll 
■er \'i'r.*ianunliing In heliriüjjeher Spi^aehe, 

Scbritlfiihrer Habhiner Dr. Ehrenpreis: Habhiner Hahbinowit^tch 
Ktist nach die Noih wendigkeit der X't'rlautbarungen iles Congresses 
in lndtnils^-lter Sprache und bedauert es, dnAH bis jetzt in ilieser 
Sung k<*in Antrag gestellt, worden i.^L Kr bittet, duaa die Hublica- 
0U au''li Hl der hebräischen Sprache veriiffentticht werden. 

fräs. Dr. Theodor HerzI : Herr Dr. .Menczcl beantrairt. die eben 
•Ini^ehrnchten .Antiütfe, hetrofl'end die Herausgabe des Protokolles in 
Icncn Spi-achen al^ blosse .■Xnrt'irungeu dem Actionöconiile zu 
iten und die zweck<lienliche .Ausführung iler Executive zu 
ä««s*>n. Da*» ist der weitgeb.^ndste .Antrac- <i^n muss ich zner.<it zur 
nimtinif bringen. Die dafür sind, wollen ilie Hand erheben, 
flieht.) Ich bitto um die Oegenprobe. (Nach einer l'ause) : Der An- 
41 n g e n o m m e n. 




}i» AottonBcnmiM wira R^innverstanaiicn in aar "wm^me^i 

Weise alle W'UnscIie hprUcksieliligen, weil das eines der wirk-juiiis! 
Mitt*"! flor PropajfiuidH ist. Ks wird also nuch über diejenigen Ai 
die eingebracht wurden sind, hinaus die Publicntionen in deii 
weniiif?cii Spruchen crlbliion lusHcn. Es wird zu diesem Zweek«* \"\\ - 
stiiniiig genütfeii. wenn sich, die betreffemlen Personen mit ihrecB. 
Wünaclien an das Avtioiiscomitö wenden, welches ja auch ächon bishea~ 
jede AiireKiiiiR und jeden Wunsch berücksichtigl, jedeu Brief bennl— 
wortot hat. ([.ehhafter Reifaü.) 

Ich glaube demnach, dass die cingezoiehneten Kedner. die su 
dieser AugcleKenheit sprechen wollen, jetzt nicht mehr zum W'oi'te zu- 
zulassen sind. 

leb ei-theile nunmehr das Wort Herrn Aschkenasi Deliuee, 

Del. Dellnes: (fian^.nsiKch.) 

Del. Dr. Schauer: Herr Dellnes wün.<;eht, dasß folfzendes Telegramm 
ins hebräische, russische und in die nnderen Sprache» überfletzt werde 
l liest) : 

„IVtersburg, 2H. August, Die vom „Hegioruagsbott-n" vorölTenlliehU) 
und auf Helelil des Zaren am 24. d. dureh Graf Muraview alten in IV'lens- 
bui-g nceredilierten Vf-rtretern auswni-tiger .Macht«! üheri-eiehte Kund- 
gebung hat ungefähr ('olgenden Inhalt: Die .Anl'rerhterhnlUing des nll- 
genieinen Fi-iedens und möglichste Herabsetzung der (ibennä?isi 
Rüstungen seiyn gegenwärtig das Ideal der ganzen Well, iinf welc __ 
itaä Sti'eben aller Üegierungen gei'ichtel sei. In der Ueberzeugting. datf 
diese.4 erhabene Ziel den wesentUehen interessen und ilen berecbiiglen 
Wünschen aller Miichle entspreehe. erachte die k-aiserliche Hegieroog 
den Augenblick nl«; gunstig, um auf den\ W'oge der InternntionAlen 
Hernthung das Mittel zu suchen, zum Zwecke, allen Völkern die V\*nhl- 
tluiten des Friedens zu sichern und den gegenwartigen Hüstungen ein 
Ziel zu setzen. Der ganze Zweck der inleniatioDtüen Politik sei di* 
Krhiiltungdesl-Yie<lens un«l namen.sdes Fi'iedens lijdteu die grossfii.StÄHtea 
niuchtige Üündnisse geschlossen. Zur Wahrung des Kriedens liabe man 
aber die Militärmacht in bisher uiibcknnnleui Masse entwickelt und die 
.«ästen seien in solchem (inide gewachsen, dn.ss die Völker sie nur 
chwer tragen küunti'n. Hunderte von Millionen wilnlen iMi' Zer- 
itörungsmaseliinen aufgewendet, die morgen wieder ihren Wert ver- 
lieren, dank einer neuen Entdeckung. Kine Fortdauer ilieser Lage 
ni iisse eine Katastrophe herbeituhren, deslialb habe der Kaiser dein 
Grafen Muraview befohlen, allen in Petersburg accreditierlen X'ertreiora 
der Miichte eine Conferenz vorzuschlagen, welche sieh mit der Knige 
beschäftigen solle, wie den unaufliörlichen Rüstungen ein Ziel ^ 
und dem rnlieil. ilas die Welt bedrohe, vorgebeugt werden k« 
Diese Conferenz werde mit Gottes Hilfe ein günstiges Vorzeicheu für 
das kommende Jjihrhundert sein." 

Dr. Gatter gibt die englische. Ehrenpreis die hebräiäche, 
Temkin die nissische Uebeiijetzung. 

Del. Dellnes (t'ranzüsisch furtsetzendU (Lebhafter Widerspruch. 
— Delcg. Syrkin : Schluss! Pfui! — Sohlussrufe, gros,ser Liirm.t 

Vors. Dr. Heril (unlerbrecliend): Wenn Sie nicht wollen, dass 
Ich die Sitzung unterbreche, um Ituhe zu sehafTen, dann wollen Sie den 
Redner ausreden lassen. (Grosser LäiTii. — Rule Ruhe! — Zwisehonral 
seitens de« Del. Syi'kJn.> 

Del. Dellnes*: (tVanzösisoh) iHeiralll. 

Vors. Dr. HerzI : Ks ist mir gesagt worden, dass ein verletzender 
Ausdruck gegen Sie gefhllen ist. Ich höbe denselben nicht gehört, sonst 
hiitl»' ich den Hen'n. der ihn genuicht hat, zur Ordnung gerufen. iDie 
l'nruhe ilaunrt foi-l.) Ich bitte um Ruhe. 



75 - 



DeLAschkenasi-Oellnes: Ich hahegPSAffNniirntit hiebe kann miuiKort- 
sdirilt« uuwhen. I.)i•?s^.•^ Toleffminm enthüll r^in Wort der Liohe .... 

Vors. Dr. Herzl: M^iii^ Hei'reu ! Ich habe uirhl dus HechL in dia 

DUriiiSioD pjnzugieiCpii. «bpr es srheiul mir tuiviTstüiKlüch. daes von 

»iwT rielte. in dnr miin. wie ich Klanlip, fiir ('thisrh*' liowp({unt»^n und 

fitr niitÄchrittU'.'hii Thitleii sehr eingenommen ist. Widerspruch erhobt 

«pjZM di" ijuiMieruiijT üiner der merkwürdigsten Thaten. — gewiss eine 

M>)ir clhii^'.'hc Thal, die Jetzt erfolgt ist. iBeifall und HiuidektMtscheu.) 

IcJi wa*!Ste vorher, wos Herr Asr)ikenasi sogen wollte. Er w«r so 

frpundhch mir vorher seinen Antrag niitzutheilen und ich konnte keinen 

-Au^nblick y.wpileln, dii^s er einstiininitr nngenoniinen würde, leh nuiche 

die Ht-rren, die hier Opposition nm'*hen wollen, auf etwas aul^uerksam. 

I Es iKt ein Augenblick, in welchem .Sie dem Congresj^ .-«ehr sctiaden 

lliÖitDen. wenn Sie in irgend einer Weise in die Debatte eingreifen 

WciUen. di<t* viel verletzender wäre, als die Sympiitbiekundgebung, die 

(rlr fawen wollen, irgend einen Wert hütti?. (l.eMuitV* Zusiiinmungi 

Ich werde Herrn Dr. Nordau zunüehst du« Wort eitl\eiU>n aur 

(:tJ«lf(*r>3etzung der Worte des S. Aschkenafii. damit alle Leute wijJsen, 

ogirgen in solcher Weise protefiticrt worden ist (Lebhafter Beifall). 

Dr. Nordau : G Aoh r to Vo rc^n inml uu g: Wir befinden unü jetzt 

iiii ftn'fin Momente der höchsten Pidilik und ioli hübe eine so liefe 

[tmjdlndung meinei- Verantwortlichkeit, lia«? ich niieh entbnlte, auch 

Dur eüi Wort, s;ei es der Krlimterung. sei v>ä der Kinpfelilung, geseliwoige 

itnin iler ßekiinipfuiig dem hin/uzufügon. was b-h a\h einfacher t'etier- 

irlzvT Ihnen zu sagen haben woi-de : denn ich traue mir nicht die ge- 

DU;;«ude Uuhe und (ieitüte^^ge gen wart zu. in tliesem Augenblicke aus dem 

' über Dimie ZU sprer-hen. die mit der allergrössten Sorgi'alt In 

'Isten Weise bebandcU wfrden Hulleu und in denen man durch 

le. unzeitgeniÜAse Howegtmgen einer üfTentlichen Verhandhing 

-le, nie wieder gut/umaehonde l'nheil andchten kann. {Beifall 

...iwicklntsehcm. 

.Nnclidem ich denjenigen Heiren, die vielloicht noch nicht gnil2 
V-Ur sein sollton übe'- die Tragw'eite einer jeden ihror Hcwogiingen, 
s jeden ihrei- Schritte, einen Fingei-zeig gegt-ben zu haben glaube, 
M,'i(- ich zur einlitohen I'ebersctzung des Antraget* über: 

Herr D el l n i*s hat in kurzen, durchaus würdigen Worten — 
das ist meine perni»nliclio Anschauung — auf die weltgu-^chichtlicht' He- 
dratung der hochhcr/iuen Initiative des russinchen Tzaren aufnierk.sam 
femnrhl . . . . *H e i fa 11 einerseits. Widerspruch nnderrtoiti), 

Vorsitzender: (das <;io<-kenzeichen gebend): Sollte irgend jemand 
»ini? uripassi-nd»' Kundgebung machen, so bitte icli die Unlner einzu* 
«ehrpiten. 

I>r_ Nordau (forfahrendi : .... der nn der Schwelt^ dee neuen 

eine neue Phase i\er europaischen Üiplnrnatie und Oe- 

itet. indem er die Anregung zum Zusammentritte einer 

li«n Conferenz gibt, auf der die .Abrüslungsfrage unil die 

Sicherung des Friedens der ge.'^itteton MeuKchheit bernlhen 

»cpltu soll- 

Anknupfenil an diese überaus wichtige Nachricht, die in amtlicher 
Form aus f'etersburg einlriflX, stellt Herr Delincs — entvsehulrligen Sie, 
wenn ich nicht genau übersetze — folgenden .Antrag: 

„Nachdem wir die X'erlesung des Sl Petersburger Telogrammea 
Mig*hi>rl haben, welches die Vernffentlichung ein<>r Zuschritt des 
M ... i; -_: f]^.f: Auswürtigeu im die in I'etersburg beglaubigten Vertreter 
i-.den Maclile enthalt, die zu einer Conferenz einbi^nifen weiilen, 
-.. , , .ilicr die Mittel zur HerstelUmg des dauernden allgemeinen 
WeUCneilens beralhen wenlen soll, beschliest^en die mn II. Congresse 



1 



- 76- 

in Bnsel vereinipton Zlonisk'n tief bewegt und Klftcklicli tlnrüher. das* 
sie pine der inbchtipsten Hcf^ioiuineien der Welt sich ent^^chlussen nuf 
<\nB Oehiet d^s wnhren ClinslciiUuiriis Htelleii äelien, das nllo Hegioiiin- 
gen thooretis<'h bekennen, ohne e» jedoch in Witkitehkoit Innnei* aiis- 
ruübon : 

Ei*stpns: dpin grossen russischen \'olke und soincm Herrscher für 
diese edle IiiilijiUve, dem Hasse und der Femdschaft der Völker luitcr- 
eiiwmder ein Krulo zu selZtMi, iliren Dank ausaudnickon. 

ZweiloiiJ^: s|ii->M*hen Rie d»>n \\iiiii*ch tuiä. dass ein Mfitioramiwoi 
Hn die in der künrtiKen Coni'ei*en/. vertreU-ncn euruptUscIien Rt>fnei-iii)geii 
pt'nVhlot werde, welches sie Hiiffordci't, dem jüdisclien \"olki' endltch 
jene Gerechti»rkeit /.iithcll werden zu hissen, die die Liebe. diL-i et^ent- 
liclie Wesen des Christentltnnis. wozu sie sicli bekennen unti w._dcliei 
Hus dem Judorilhmn hen(or!.'egnnA:en ist. d»i-stel!t, und die Wiederkehr 
des jüdischen V'olkt.'s in das l^aml seiner Viiter zu begünstigen. (Leb- 
huftor B e i r» 1 1 und H ä n d e k I « l b o h e u einerseits, U* i d e r s |ir u c h 
andererseits). 

Vors. Dr. HerzI : Rä wilre sehr schlimm, wenn hs hei uns zu eiinsf 
i-lbstruciiim des Cnnjp'ßssos künie. aber eine OhstriiPtinn ries Zi<jni'Ssnn» 
werile ich nicht zulassen. (Loblmfter Ueirall und Hündekbitiiehent. 

Kfi liegt hier ein Antrag vor auf Uebergang zur Tagesonlnuilf;. 

Ich glaubt", daßß wir uns da mit compUi-ierten Ab.stimniungon 
nicht auflndlen sollen. Ks gibt ein Miitel für die Anwesenden, ihr« 
Stellung zu markieren, und zwar in solcher Weise, dass sie zugleielt 
deutlich sagen^ was si« meinen, nber auch die Würde des Coiigressea 
und die ziikünt>igon Inteivsson des Zionismus nicht gelahrden. Diese 
Form ist die. dn,ss ich den Resohitionsantrng Detlnes zur AhsUm- 
muiig bringe. 

(Ks melden sich mehrere Delegierte zum Woilef. 

Vnrs. Dr. HerzI: Ich gtdie rias Wort btos zur Uebersetzung desfifiD., 
was vurgekoininen ist. 

Dr. Gaster: iglbi eine englische reb«rsetzung|. 

Dt'l. Temkln : igibt eine russi.sche re!)ei*set7.iinp>. 

Vorsitzender: v\'ir werdt>n jetzt ilie Abstimmung klar mnchen, 

Del. Dl'. Bodenheimar : Verehrte N'ei'samrnlung! Meine Duineti 
und Herren! In dies.-m Saale, der tiesllmint ist. die Geschichte il« 
jüdischen \'olkes für die Zukunti festzulegen, klang herein eine Flut- 
welle, welche eine neue Zeit in der europäischen Völkei-welt unzukÜu- 
digen scheint. 

Meine veieiirtf^te Vei'sainnilung ! \'oilüufig können wir nichts 
wi^Heti über die Intentionen der europäischen Hegierungen. Wns uiu 
vorliegt Ist eine /.eitungsnottz, über lieren Hcwetfgriinde unil Über deren 
Tragweite wir In der Kürze der Zeit kein l'i-theil fallen können. Ks ist 
selbhtvorstandlich. dass eine That.sache von so eminenter Bf-dcnlung, 
Welche den Frieden für die Welt ankimdigt, nicht ohne Widej-hall in 
unseren fteihen bleiben kann, die wir eine emhi"*iit liiedliche Üewejnmg 
zu schaffen beabsichtigen, ihebhaller Beifall und Händeklntscheiil. 

Aber, verehrte Wrsammhmg, wir sind hier zusanunengokommen 
zu ornsler Arbeit mit einer bestimmten Tagesordnung. Cnsore Zeil ist 
eine überaus he.^clnünkte und wir haben noch wiiditige Diuge hier zu 
enirlHrn. die unsere kleine Politik, die wir betreiben wollen, betreffen. 
Wir können beule nicht in das Had der Weltgeschichte eingreifen durch 
eine Kuudueliung. die der mumentanen lCm|>tindung efwa-'hseu isU 
rl.fhlnit^er HeÜall und Hitndeklatscheni. Aber, geehrte Damen und 
Herr'*ii. wir kihuien dennoch d^r I''i»-uib' darüber l»|er Ausdruck geben, 
diiSM eine neue Aem in der tiescliichle der euroi>ätse!ien Volker b^ 
ginnen soll. (I.ehh«ner H'-ifall und Händeklatschen). 



— I i — 

Wir k<»nin»n ilor Tro-mlp ilnrübtr Ausdiurk »iolien, iliws lioeli- 

fijirwhentl <It prophotisrlipn Vorntis^ngr jitdUrher Diohtor uml Poptpii, 
zii Ffluic^i'liareii und Rehenntesseiii umärhtnfeHon wollen. (Lebhnner 
H^ifnll un<l Hiuiiti-ldalscluMO- 

Ich t{laut)<\ wir worden kein Ciprülil verloiz<Mi. wir worden koine 

bfrerhiii^Hn KnijiKiiiluiijifMi Ktor4*ri iind in R**we(fiinn Rotzon, wenn wir, 

tiftdutt'ni wiv hier duroh ein*' ATlanuilion uuseroi* Kroudn Tibei' lÜMe 

TliRlftÄch*? Ansdrnck ff<»ßpb.Mi habv-n. iilino wvitiM'e Do!)jit1«' r.nr TaffOR- 

i onlnunii üborßt^hen. tLi^hhnft>'r, nndmiorndt-r ItiMfall und HiindoklfttsnliMO. 

Vras. Dr. Theodor Herzl : Dio Auhiiihmc. welHi"? dio \Vor1<» des 

[ Htrm Dr. Bodenheinu-r ^'ffuiiden Iinhcn, bpstiitifft die ur8prUn^li(*he 

An^ifbt il*»s I^'ji'^idiuirH, ibiss dio AnküncIiKunj; einer Thfttsaohp. di« 

I )l!?rdiii«;i ji'rzi noch in nnlMstinnntiM* Krn-in vorllojrt und wt^lch«' dftbiu 

\t\iiii, da-is Hoäs unil Kflndschnll zwifiohrtri den Völkern fin Kndö hatipn 

[•utL. hei eiiioni L'oneresso von /ioni.sten nuj' die grödste UflnuKihtiung 

Ihen-orrufeu kanji. 

leb jzlaubt'. ,(i»rüher noch nbslinnnen zu lassen, wäre überllüsrii^f. 
jRle W'r-ÄjiniMiKjnK hat dun-h <lie vonliontp Ap<dnnintion. die sie Herrn 
l'Dr. bodtMihtnuiKT hat zutbeil werden lasseji, ausK'edrückt, w^Irhu tle- 
|flllile «;i** »n^esJf^htK ib'i' ThiitsHcb»' beBi'fleii. Kri wird »tieri iiti I'roti>koÜ 
•in Vorsehein koniincn und ich ^Inub»». ilas ffenüfft. (l^^bhaftpr H*>i- 
ill and Hnnileklatschen). Solltp j^ninnd pine anderß Ansehnuimtf hnbon 
die. welche ich jclzt nusp?driiekt habe, so weivl(» ich ihm das Wort 
bcn. (Niernimd ineUlet sicIiK K^ ist nicht der ]''aH. (l-ebhafter. »n- 
»uernder U'-irrtll und HÜndekhvtschcn). 

Wir ^ehcii jcl/,l ;siir Tagesordnung über. Das Wort bat 
Herr J-'rolt-sfior Oi . M a n d e I s t n ni iu. 

IVof. Ur. Mandelstamm (mit jobhafti^m Keifnil und Händeklutschen 

Hocbi;t!ebrta Versammlung! 
Im April Ittutf^mlen Jabrea wurde ich von den Delegierten 
äer Voroonterenz, difi in Wien tagte, mit dem ehrenvollen Aut- 
üug betraut, ciue Ciiqut^te übei die verschjudenen Sliömunt((fii 
Minerbalb des Zionisrinlagt^rs und des Lagers der (Ihowewe-Zion- 
rt»rrinH. der ^Zionslreiinde" anzustellen, aus den diverpierendea 
Lnscti:uuiii(:en dns Kaeil zu zieiion und. wenn niöglieli, in all^re- 
^leineii ('nnissen dun Weg uiizude.uien. uul dem wir ^'enieinsthatt- 
fli vorgeben könnten, damit wir dem grossen Ziele, das wir uns 
ke«teckl. Di'ilicr kommen 

Es sind bei mir 7 Hettirate sowohl van Zionislen als i»ueh 
an Zion^lreunden eingelaufen, eines aus Frankreiidi, 2 aus Deuij^cli» 
tnil, ä aus Oesterreich und 2 aus Russland. Icli habe mich nach 
*tein Wissun und Gewissen bemüht, die verschiedenen Ricbluiigen 
prüfen, wumöglich principielle ITulerstthiede zu erspähen und 
BUÄs zu meiner jrro:iseu (jenustliuun^: erklären, dass icb int 
fcioidsl'^'nhigHr selijsl keine irgendwie nennenswerten Moinun^s* 
fffrenzea warnebmen konnte, so da>s mir dariiuch meine Arl)eit 
ndeutciid erleichtert wuidc und icb, bevor ich der hochverehrten 
l^ersanimliinff unser Progianini vttrlege, mich nur mit den uns 
ilul teindlirh gesinnten Uicbtungen werde nusöinanderzuseUen 



5PII, während ich die (_llutuew?5ÄI!ffP?Weine, die so^tnfirmfe^^ 
praktischen Zinnisten, als unsere Gegner aulzufassen von unsorcni 
Standpunkt aus uiclit die geiingste Veranlassung finden kann. 

Ich muss die hocliverehrte Versamndung um Nacij&icht bitten, 
wenn ich als ein in der Praxis ergfraiiler Ai-zt, mithin int engen 
Gesichtskreise eines Arzles belaniren. das Problem, welches ich 
lösen soll, vom ärztlichen Stand|iunkte aiitlusse. Ich hetrjchte nun 
das .ludenvolk als einen durch und durch kranken Or^'anisnni«. zn 
dessen Heilung wii' hier in eintin so überaus zahlreichen Concilium 
zusammengetreten sind. Die Patliolugic dieses kranken Kiii-pera 
ist durch die scharfsinriif!;en, klaren AustTlhningen eines anderen 
Arztes, des [)r. Max Nordau. im vorigen .lulnw sowohl als anch 
in diesem, mit der grösslen Präcision dar?elc};t woiden. Ks luindelt 
sich otieubar um ein Sieehtlinm, einen chronischen Marasmus, dem 
das üros des Judeuvolkes vedallen ist, aus Mangel an Licht, 
frischer Luii, die ihm böswillig vergiftet wird, und an guter Kost. 
Ks scheint hin- niclit s(nv(»hl ein or^^aniscties als vielmehr ein 
fnnctionelles Keiilen vorzuliegen, welches durch eine nietho(*isi:hif. 
enesgische, zweckbewussle Beliandlung viulleicht noch beiiobi-ii 
weiden könnte. Dattir (Spricht der Umstand, dass das Judenvolk 
trotz zweitansendjähripcr Diaspora nicht zugrunde gegangen ist 
und noch lebt. iLehballer Beifall und llärideklatsdien.) 

Und so wird es, da ich die T hera nie ang:eben muss, meine 
Aufgabe sein, erstens nachzuweisen, dass die Hedmethoden, die bis 
nun angewendet worden, keine rationellen gewesen, vieltuehr a« 
die Curcn der Kmphiker der guten alten Zeit erinnern, die in 
Eruiangeiuni? einer riclitigen Diagnose gegen einzelne Syniiitome 
und Sjmptoniclien loszusteuern, anstatt das üebel an der Wui-zel 
zu tassen, ptleglen. Ich meine die Curen der Assimilation 
und Taute. Und zweitens wird es meine Aufgabe sein, 
den Beweis zu erbrintien, dass die Heilmethode, die wir 
Zionistcn vorschlagen, das 6ute fQr sich hat. dass sie aut 
rationeller Basis, auf lOxperiment und zweitausemljähriger 
Beobachtung beruht, und daher, wenn energiscli und con- 
ßequenl durchgeführt, zur Gesundung unseres Volkes auch führen 
muss und wird. Der Status praesens, der wahre Sachverhalt ist 
nun folgender : von den neun bis zehn Millionen Jaden, die aul 
dem weiten Krdenrund zerstreut sind, wohnen circa sieben MU- 
linnen in Kus.sland, Rumänien. Oesterreich. übzwar durch Grenz- 
pfflhle von einander getrennt, bilden .«ie dennoch innerhalb dieses 
Teiriloriums eine ßevölkerungsmasse, weiche alle Attribute, alle 
Merkmale einer einzigen Nation an sich In^gt. Vor allem haben 
sin eine gemeinsame Keligion, an der die allermeisten mit alter 
Zähigkeit und Treue hängen; sie sprechen ta-st alle eine gemein- 
«ame Umgangssprache — den Jargon — eine Art semitischen 
VulupUkfs eine Mundart, die in epigra^lmjdi^che^ Kttize den Geist 



- 79 - 



uitü den Cliaiakter dieses Volkes tret)en<l wmilerEribt ; und daiiu 

liiiben sie noch eine gempinsame Schrillsprafhp, dco aliliebiäisrhe, 

wricfje Hunderltansende lesen und «clueibcn, in wp.khtT alle ohne 

Ausnahme b«leii iinti welch»» eine puoime Ijteiatur aulznwoisf'n 

h\. Sie leben endlich alle in einem premeinsamen Golus, oder, nm 

at^iciniscli zu reden, sie sind allesainmt durch eine nrleichfoimige 

ßindesubslanz — durch Wrfolgungen und Leiden jei/licher Art — 

ttsl niileinander verkillet. Sie hnb^n durch Jahrhunderte eine ge- 

mtiiisanic Vergangenheit durehlebt — im Ghelto; sie haben eine 

' p»?nieinschatt!iche Gegenwart — im Glielto, und eine gemeinsame 

Ziikunll erwartet sie — eine totale kurperliclie, moralische und 

geistige I>egeneralion. falls nicht irgendwie \\'andel geschatfea 

[»erden sollte, . , . Ks wäre mithin ganz widersinniR, von diesen 

linden des Ost<?ns behaupten zu wollen, da** sie bloss eine 

[»GlHulieiisgenossen.'NcliHfl'* tiildeii un<l nicht vielmehr eine Nation, 

\me Nation sai trenoris. iLnldiafler Beifall.) 

Wer unter ihnen iJuigeie Zeit gelebt hat, wird wohl zngeben 
Biüssen. dass das nationale Bewusstsoin dieser Juden des Ostens, 
pon auch latent, wenn auch lethargisch gebunden, dennoch ein 
iir intensives ist, und es bedurfte nur eines warmen Sonneu- 
ktrahles, um in heilen Flanmiou aut/ulodern. 

Dieser erdrihkenden Mehrheit gegenüber steht eine Mindei- 

'heil wes^europUi^cile^ Juden, hauptsuchUch in Deutschland, dann 

m Frankreich, lilnglund, Hulland. Italien, denen man bei oberHäch- 

licher Betiachtung es kaum ansehen kann, dass sie ausser den 

religiösen iilanbejissatzungen noch etwas Genieinschaflliclies mit 

iliren ösTlicheu Stammesgenossen haben sollten. Diese Minderheil 

ht ciillureli hochentwickelt, welleif'ort auf allen Gebieten der Kunst 

ad Wissenschatt, des Handels und der ludustrtp mit ihren 

isrhen Nachbam, spricht und schreibt die Landessprache in 

rtV-i-ster Vollendung, hat die Sitten und liehriiuche ihrer Umgebung 

^anz aufgenommen und trügt sie gar oft mit biisondorer Ostentatton 

zur Schau. . . . Va/M konunt noch der l'nistand, dass diese 

• terheit de Jure aller Hechte theilbattig ist. die cnnstitationeUe 

iten ihren Bürgern gewähren, so dass die Magentiage fflr die 

•^n des \Ve.stens ebenso betriedigend oder auch unbefriedigend 

'^t ist, wie lür ilire arischen NachbaiTi. Ka scheint daher in der 

vi. als ob die we.stlichen Juden nicht die geringste Veran- 

mg hätten, von einer Jndenlrage zureden, von einem kranken 

-i^anismus, der geheilt werden müsste ; es scheint vielmehr, dass 

tür fie die Jndenlrage längst gelöi^t ist. Das bilden sich die Juden 

dt*5 Westens auch ein und deshalb sagen sie von sich: „Wir sind 

bftulsche. Franzosen, Engländer mosaischer Confessitm", und uin 

die letzten Sparen der Ua*^e wegzuwischen, werden sie gar 

«»nfe5.si(m.'*li>s. Die besser situicrien Juden des Ostens ahmen ihnen 

Oäwh und behauj)ten, oflenbar der Wahrheil ins Gesicht schlagend, 



- a» - 



von sich dasselbe : und wenn man sich nach den Aussagen dieser 
^!üek.«eliffen Assimilationsnienschen jichlen sollle, so jrilit es üher- 
iiaupt keine Juden mehr aut der sanken Well, höchstens sechs bw 
sieben Millionen Beliler, die zutAlliij'prweise den Sahlmth sUat des 
Sonntiigs feifiin. den Sabhaili. dessen Abschaffung die Reforni- 
Kabbiner r*!oht gern besorgen wurden; Bettler, di-» xiifäl überweise 
Jargon mauscheln — welche üble Gewohnheit !>ie doch ablesen 
sollton — und die zufälligerweise der elementai-sten Menstlien- 
rechte heiaubl sind, was übrigens kein so grosses ünghick ist, da 
doch die Caltur HidsenforUschiitle nuiclit nnd die sociale Gerccli- 
ligkelt, wenn nicht heule, so docb ganz besliniint nmrgou auf der 
ganzen Evdkugt'l hergestellt werden müsse. 

Zum giosst-n OilLu'k für die Juden des Ostens ist dieses 
ßuisonncmetit ihrer westlichen Stamniesg'enosöcu ein schrecklich 
einseitige.'^-. Was verschlügt es denn, duss die Juden des \V'est4^lis 
und, in widoriicher Nadiäfl'ung, ein Theil dei Judon des Ostens, 
lubi et orbi verkünden, sie seien Deutsclie, Franzosen. IVilv-n, 
Russen müsaisoher Confession. wenn ihre ansehen Nachbarn ihnen 
liöhniscb zurutfti, dass sie solch finen seinilisch-ariselien — Hernia- 
phroditismus nicht aneikennen wollen I- Was verschlägt denn, (ia>s 
die Juden des VVestens stall langer Kattune und (rekräitseller 
Schläienlöckcheu — schwarze Fracke tragen und weisse Mauchetlen 
nnd das reinste französische oder deutsehe Idiom n'dcn oder gar 
t>eim Zechgelrtge mit liefer Jnbrunst die „Wacht, am Kbein** 
liHiunlerjohlen — wenn das Kainszeichen der Rasse aiit ihrem 
Üesicht eingegraben ist nnd ihre arischen NMchbarn sie aut Schritt 
imd Tritt ITdden lassen, und zwar auf keint* besonders zärtlich© 
Art, duri-h Riti|ieustOs>e und Schadeleinkeilen sie luhleii lassen, 
dass sie Fremde sind, dass sie Kindringlinge, Schmarotzer am 
arischen Leibe sind, die entweder eliminiert oder unsch^dlicii ge- 
macht werden müssen? ... Da hillt nichts! Ob die Juden des 
Westens wollen oder nicht, sie müssen an einem Strange mit ihren 
östlichen Stunnuesbrüdern ziehen ; sie müssen es schon aus dem 
Grunde, weil die Juden des Ostens durch unausgesetzle Immigra- 
tion ein so grosses Quantum frischen Judenstoffes nach dem 
Westen hineinfiltrieren, dass eine Auflösnng der Juden des Westens 
in der Staatsfliissigkeit nhne Rest, das heisst durch Taufe — last 
zur Uuniugliclikeit wird. Die „Pcler Schlemilde'* des Westens 
möchten wotd sammt und sonders ihren Schutlen vom Osten nicht 
nur nicht suchen, sondern für iunner vei Heren, sie können ihn 
aber nicht loswerden nnd das Judenvolk lebt und ist da, sowohl 
im Osten als auch im Westen . . . 

Hier nmss ich übrigens eine Bemerkung eintlechten, welche, 
meiner IJebeizeugung nach als bedeutendes Entlaslungsmomenl 
tfir viele derjenigen Stammesgenossen gelten kann, welche in der 
Assimilation die eudgillige Lösung der Judeufrage erblicken. Die 



A5similat,ii)ii!>he5tiebüiigcn sind nicht Hllein dem eintaclieu, ihieil^ 
Khpri Splbstt^rhaltnnvrstriebe der Judf ii zuzuschn>ibi:ii ; das gilt 
bloss lör die gmvrdin liehen DurchschnittsnifiiscIuMi, die un Loben 
ÖiHrrhaupt keiue andcioii Frasreii als die Mugeiifrage 'keiuifto. 
I Weses Sliebfin nach Assimihaion liut noch einen anderen, einen 
fiel lieferen ond auch vi^l edlereu Gruiul, dei- im jiidisclien Volks- 
I darakter, in dem stark aijsffeprä^en, intensiven (iemütlis- und 
I Hctühl^Ieben des jüdischen Volkes ruht. Ks steckt etwa,« Ko»nio- 
I polilisches, etwas Messiiinischcs in diesem Volke, weiches die 
iKiibsienliebe, dii^ Veibrüderung aller Menschen untereinander, al3 
Jrtwas NotJiwcndiges eniptindet. Es ist dei'selt>e ethisclie Zng, der 
llicJi bereits beim Propheten Jesaia in dem Satze au^^spriclit, es 
|lds:}e eine Zeit kommen, wo Wolf und Schaf friedlich ueben- 
nder weidt'n werden. Es ist derselbe Zug, der sich in wunder- 
Weisc bei Spinoza ausdi-ückt, dem is^rossen Prediger der 
RdHchen Jj'ebe aller untereinander, weil ja Golt und die Welt 
Eines sei und Gott sich selber liebe, wenn wir uns untereinander 
Kilben. (Infinito;! araor, quo Dens se ipse amat.) I.>L'?halb auch 
eheu wir »leit Ende des vorigen Jalirlnmderty, seil Mtfudelssohu, 
Üe edelsten und besten Männer unseres Volkes au dieser Ver- 
aderunpsarhtit tliüti}?. Mit der ihrem Stamme eigenen Leiden- 
chafthchkeit, mit der ganzen Intensität ihres Gemöthes, mit Ein- 
»tz ihrer besten Krall und ilnes Ht*rzblutes entäussern t^ie sich 
res eigenen Ichs zugunsten d^r MithTirper, untwr welchen sie 
bben. Und wenn sich der etile McriM-h urul wjurm? .lud« Gabriel 
Üesser in den Vierziger-Jahien zu dem bemerktiiswerlen Aus- 
bruch liinreissen Hess, dass, wenn man ihm iii der emeii Hand 
Kniaucipatiun der .Tudtm, in dnr anderen diH Einheit Deutsch- 
nds dai'büle, er nach derjenigen Hand grciten würde, 
|ie ihm die Einheit Deutschlands gähr, so kann man 
kanm eine giössere Selbstverlcugimng denken. Diese Selbst- 
ntÜnsserunig nun setzen viele Miinner noch jetzt fort, wo es doch 
ehon an der Zeit wäre, di« kalte Ceberlegung mehr denn das 
Jen zu Rathe zu ziehen, (Lebhafter Rfifail und HaiKh-klntscheii.) 
Dt-'Uu offenbar lepleu utni lt';;en diese edien Männer an die 
^ik der arischen Vülker donseihen Massstab an, <len sie bloss 
die besten der Arier und an sich selbst anlegen dürften, und 
Bterschatzen hundertfach die religiösen Vorurtheile und den 
kalionalen Kigeudünkel der arischen ViMker im allKt'nieinen. 

Diese Männer vergessen otTenhar, dass in den breiten Volks- 
liichten noeJi gar zu viel ^Bestie' steckt, die sich durch die 
auberformel „Freiheit, Gleichheit und Bruderlichkeil* nicht au<- 
eilien lässt ; sie vergessen, d.iss, wie mein seliger Freund Pii»sker 
richtig bemerkte, die .Tudophobie eine Psychose sei, dass sie 
Dich« erblich imd als eine durch .lalntausende vererbte Krarik- 
!anch unheilbar sei. Allerdings treten von Zeit zu Zeit lichte 



n zu. 



fohlen te (interp(in?n!I5fi55^ in Äiesfer em, weicne sowoni Uiison* 
giaiibprisstiligeii ji'ulisciien Soliwärmei uls auch etk-KUMikeiide Arier 
in t»in(?n Siclierheiutiauiu eiuIuUen, der aber durch neue Tobsuchls— 
anfalle umso sclirecklicher unterbruchen wird. Und das niuss ja so 
kommen. Denn wo Juden unter Arieni leben und Ansprüche 
machen, wie Meiischftti leben zu wollen, da tritt die Mesalliance 
üfTt^n zutage, eine unglückselige Ehe zwisclien zwei NalionalitÄlen, 
die in ihrem gan/X'n Wesen, in ihrär etlüschen ßeaulaguug, in 
ilu'er Lebensaiiijchatiuug loto cüelo vun einander verschieden sind- 
Diirch die Staalsraison, durch conslilutionelle Foiinen sind die 
Arier xwar gezwungen, mit den Semiten unter einem Dache 
lebend, ihui äussermi Anstanil nicht zu verletzen; aber von Tisch 
iMid Hell bli'iben sit» dennoch b'''>^'--l''Rden. Der stärkere Theil, 
welcher Über die Gewalt vertügi, niai'lit wnlil reichlich von seinem 
Hausherrnrechte Gebrauch und wehe dem schwächeren Tbeil, 
wenn er irgend welche Anspräche erhebt und im Namen der 
höberen *;prerhtigkKit fordt^rt, wo man gewölmt ist, ihm zu 
ticiienkau; uiui iiüch scliliniiner gar. wenn der schwächere T 
CS wagt, manch letteu Hissen dein Haiislierrn vor der Nase 
zusi'hnappen. Da gibt's keinen Anijtand mehr, da gibl's häusliche 
Scent-'U der widerlichsten Art. Kinerseits, mit der Muttermllcb 
eingesogen, religiöse Voriirlheile, l'nthildsanikeit der Kirche, d. h, 
ihrer V^ertreler, die Dinnpl- und Stnniptlieit der Massen, die dnrch 
gewissenlose Kä<lelsfrihrer. welche im Trieben lischen wollen, 
immerfort angestachelt werden ; die physische Kraft und das Be* 
wusstsein der physischen UcberlcgenlieiC des ,Uei sich zu Hause 
Seins' ; andererseits physische Oiinmacht und Minderzahl der 
.hidun, der barlo K:ini)ir nnis Dasein, der so manchen zwingt, so 
mancliesmal zu unsauberen Mitteln Zuduchl zu nehmen ; die wilde 
Jiigd nach dem TJelde, welches allein Maclit, Einlluss und persön- 
liche öicheihoit verleiht; die IVotzigkeit derjenigen Glücksritter 
und Parvenüs, die zu Eintluss und Macht gelangt sind, die „Chuzpa" 
in ihrer widerwärtigslen Gestalt, die durch Jahrhunderte vererbte 
Findigkeit der Juden auf allen Gebieten des Handels nrui der 
Fmanzen, umi infolge dessen ihr den Ariern gelährlicher Wett- 
bewerb. (l.ubbaUer Beitall und Händeklatschen.) 

Das sind die Contraste, die immertort aneinander stossen, m 
ewigen Reibungen Veranlassunor geben und einen wahren circuliw 
viliosus herstellen, der einm-seils eine aufrichtige Assimilation zur 
rhimilre macht, zur Futa inorgana, mit welcher sich die Jaden 
inunerfort vertrösten, — andererseits den Ariern die billige Aus- 
rede in den Mund legt, dass die Juden e^ nicht verdienen, d6 
jure und de facto gleichgestellt zu werden. Die b.>Äser situierieu 
Juden, die l^eiiljen gar, die im Geniessen irdisclier Güter im 
„olani baze" Krsjii/, finden für sü manche moralische DemUtliigun^, 
diu jüdiBche InteUigcnz, welche aich hinter 'hre wissenschattliche 



- 83 - 



f^ 



Speriaiität ängstlich verkrieclit und durch das SctilüsseUuch ibrer 
Stadierstube sicli .der Erächeinangea Flucht^ sub speci« aelRrnitatis 
wiichaut, entfalten nun eintm Indiderentisnius, der geradezu be- 
nuiiderintgswüidig wSic, wenn t^r nicIiJ den in Klemi und Un- 
wi-^sehheit v«rkomm(»inl**n Massen gegenüber uitvcrzeihlicli wftre. 
Die Hoflnmi^^ nun. welche die Hrtien daieiii setzen, da^s mit 
der sogenannten „socialen Frage** — diesem Sündeubock iör alles 
jtiilische Ungemach — zugleich die jfldisrhe geUist werden müsse, 
lut ebcnsoviole Uliaticen auf raschen Erfulp, wie etwa das Er- 
jcbeifien «ios SU's^ias. den wir seil, zweitausend Jahren mit solcher 
Gläubigkeit und Sehnsucht erwarten, und zwar: 

1. deshalh, weil die .Tudopliobie, wie ich bereits erwähnt, 
kein siilcher Mikrobe ist, der seinen Ursprung sncialökonomischen 
iroLel stünden der Neuztil verdankend mit Hilfe irgendeines 
;'K'i.iIen Antitoxins urischödlich jrcnmcht werden kannte, sondern 
Erdübol ist, ein puler alter vortiauter Bekamiier, bloss in ein 
aeuntodiäches (lewaud eingekleidet, und weil 

!2. die christliche Ethik, die allein imstande wäre, radicale 
Abhilfe zu schalfen, der auf Dampf dahineilenden, enorm uii- 
ipenden Cultur ehen.so nachlunkt, wie etwa eine Schnecke — 
Biueni .Schnelliaufer. Der Kampf ulier goevw alle ist aut der ganzen 
'i'hlai-lillinie entbrannt und wird vom Stärkeren stets da aut- 
icnomnien werden, wo der Widei-sland am kleinsten ist, also 
_ ;en Chinesen, Türken, Neger, Juden. Deshalb heisst es: „Rette 
ach, wer da kann!- 

Ich glaube nun, nnt dem ersten llieil meiner Autgabe fertig 
sein und den Beweis erbracht zu haben, dass die Art und 
eise, wie die Juden bis jetzt voi^iengen, um die Judenfrage 
emleiner Lösung näher zu bringen, eine verfehlte war und h^t, 
e Curpfnscherei, ein (Quacksalbern und Salbadern. Wühl ist 
M imstande, einige üppiK wuchernde Neubildungen — durch 
'ante — vom jüdisdien Leibe zu entfernen, der kranke Organis- 
us aber bleibt krank und deJecl nach wie vor, wa^ durch die 
letzige Lage der Juden, durch ihre veizweiteit schlechte Lage, ad 
iculos demonstriert worden ist. 

Wixs nun wir Zionisten, wir Jünger der neueren Schule, vor- 
hlagen, scheint doch noch eine rationellere Grundlage zu be- 
itzea und soll auch der letzte und, wie uns dünkt, der einzig 
lögliche Versuch sein, 

1. die Juden als Nation zu retten, indem es uns sehr, sehr 
darauf ankonniit, nicht sterben zu müs^^eu, 

2. einen mrtglirhst grossen Theil des verkommenden jüdischen 
Frolerariats vom i4italen Untergänge zu retten und einem menscheu- 

rflrdigen Dasein entgegenzufüUreu. 

Für uns Zionistcn ist der Kosmopolitismus alsWeltanschauvmg 
^ ScbSfier Traum, bloss dazu angelhan, einen Iiulillerentismus 

6* 



- w - 

80 ndeiRl eichen unter den Juden zu züchten, nicht aber «iue Lock- 
speise fflr Männer, welche sich concrete Ziele stecken, welche 
helfen wollen und helfen müssen, dank dem kategurischeu Im- 
perativ, der sie dazu treibt. (Lebhafter Beifall.) 

Tliatsiichhfh stellen wir vor einem Natlonalitütonkanipf, der 
an Uefiigkeil, Kücksichlslosigkeit und Grausamkeit seinesgloidien 
siidit. Eü ist ja möglich, dass di*?ser Kampf ein nothwendiges 
Stadium in der Evolution des Menscbengeschlechtes ist, der nach 
Aeonen zum Kosniopolitismus führen wird; umso eher müssen 
auch wir uns darnach einrichten. 

Sollte dieser Kampf nicht in der schnöden Weise gefTihrt 
werden, wie er j*?tzt geliihrt wird, sollte er nicht dem Principe 
huldigen, „nte toi di* lä, (pie je ni'y mette** — sollte die Differen- 
zierung der Nationen in der Weise vor sich gehen, wie sie von 
unseren alten AVeiseii aufgefassl und geübt worden — intensive 
Entwickhiiig drs nationalen Geistes und Selbslhewusstseins bei 
voller Toloranz gegen anderö Nationen — dann allerdings könnte 
eine solche DittVrenzierung der Menschheit dasselbe leisten, was 
die feinere DIfteren zierung liölierer Organe IGr einen hochent- 
wickelten Organismus leistet : einer jeden Nation wfire ihre specielle 
Function und Bestimmung zugewiesen und eine jede würde für die 
Schatzkammer der CiiKur die kostbarsteu Beiträge liefern und zur 
Hebung der Menschenwürde das Ihrige tliun. Vorläuäg sind wir 
noch recht weit davon entfernt. Au( alle Fälle aber ist die Haupt- 
bedingung einer sHhstiindigHn nationalen Entwickung — eigener 
Boden, Land. Krdgeruch. Diesen eigenen Boden besitzen nun alle 
Völker und Vnlkeheu der weiten Erde mit Ausnahme des jüdi- 
schm» Volkes, welches unstet und tlüchtig, einem iiespenste gleich 
ohne Fleisch uud Knochen, unter den lebensfroheu Ariern herum- 
irrt und in seinen heiligen Büthern, in der Bibel und dem Talnmd, 
spärlichen Ersatz lindet iür das vei-Iorene Heim, gleichsam ein 
Stück wandelnden Vaterlandes. Wir brauchen Lami, wir brauchen 
eigenen Boden, aus welchem wir, Autäus gleich. Kralt ziehen 
könnten zum Kampf ums Leben. Und wenn Volk er schatten, wie 
etwa Montenegriner, Bulgaren. Serben. Rumänen, Cruaten und 
Slowaken Anret-lite auf selbständige Entwicklung erheben dürfen 
und ihr».- Kechte auch zur tiekung bringen, trotzdem diese un- 
dirterenzicrlen Zellenconglonierote so bitter wenig der Welt gegeben 
■ — dtirfeu es die Juden nmsoniehr, die eine der hervorragendsten 
Rollen in der Welt- und Culturgeschichte gespielt und bisnun wie 
durch ein wahres Wunder als typisch ausgeprägte Nation sich er- 
halten haben. Und wenn es den Boers, also liolländischen Bauern, 
im Verlaute von 150 Jahren gelungen ist, trotz der mang«lhafteu 
Culturmittel, die ihnen bei Beginn ihrer Niederlassung im Trans- 
vaal zu Gebote standen, einen Staat zu Iründeii, der nun eine 
Älacht ist, mit der man rechnen nnins, — so dürtte uns gevsiss 



'gelingen, die wir inteflüV^Tnltar mit eiserni 
und Iwispielloser Bedürfnislosii^'keit vftrbindeu können. 

Da» Land, das wir biauciit-n, ist unser altes Heiniailjind. 

I Palästina, an \voldii'niwirseilderliius|Kira durch Tausend sieiilbaru und 

I onvichtbare Fädt'n, durch titglidic Gebete, durcli uii>cre Keligou, die 

Miinfnt uatioiud ist, liän^nn. Unsere Anspruch« aut dieses Land sind in- 

I «oferne berechtigt, alsrulüritina, diese viftiuinworbene Braut, einL^nder- 

strich i^L, der eine fast zehnfach jjeringere Bevölkerung in sich 

j bsst, aU er beherbergen kann, und zwar haupt^^iäcitlich eine Be- 

Itölkerung die uns slaiiiinesverw:indt, seniiü.sch ist, mit der 

I wir uns lüso sclum verixagen würden! Unsere Ansprüche sind 

nich insoferne nicht unbescheiden, als wir niclil den gewnhnlic!h;n, 

teil Eisen mit Blut gedüngten Weg der Eroberung, der Aiinec- 

tiening gehen wollen; wir wollen eben nicht aus Mangel an 

I Tiefe in die Breite gehen, sondern aus Ueberfluss an Breite — 

der Zerstreuung in die Tiefe geben, uns cunceiilrieron, einen 

Ben Flecken auf dem weiten Erdenrund finden, wo wir unsere 

blturarbt'it verrichten und uns als Volk ausleben können, 

llieTnanden zum Schaden, uns scIIht zum Nutzen. Wir wollen 

[an geistig und körperlich arbeitendes Volk wcriien. aber auch ein 

jtlhisches Volk; wir sind zu dieser Leistung befOlügt und imstande 

ftie durchzuführen. Und sollten wir auch in unserer Nae}d>ar- 

tl eine cultureli-ethische Epidemie verbreiten, wir würden uns 

ins nicht das geringste Gewissen maehen. Nicht nur. dass 

bei unserem Streben auf das Wohlwollen und Knlgegen- 

immeu der ottomanischen Begierung hoffen, die uns übrigens 

Icis eine bessere Behandlung zutheil werden liess, als so manche 

ipflische Macht, — wir hotfen auch auf die Sympathien der 

Jen oberen Zehnlausend dor rlirisilichen Nationen, die mit uns 

itfTihien und im Namen di;r luMieren Geruch ligkeit mis hellen 

ftssk'n. (LetdiafttT Beifall und HündeklaL-fchen.) 

Die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, ist eine Riesen- 
ufgabe und wir unterschätzen sie durchaus nicht; wir sind 
ge nicht so naiv zu glauben, dass unser Ziel von heute auf 
lorgen erreicht spin werde ; aber wir haben (iedultl und sind 
ari;ichen Völkern renbt dankbar dafür, dass sie uns Geduld 
lehrt haben. Aber ein zähes, zielbewusstes, mettiodisches Vor- 
^heo kann uns zum Ziele führen und schon das Streben ist 
erste Schritt zum Ziele. „Es wächst der Mensch mit seinen 
ep'n Zwecken* : umso mehr wächst ein Volk, welcties sich zu 
iieren Zwecken vorbereite!. (Lelihafler Rpifall.) 

Uns kommt es ja übrigens für 's erste nicht sowohl darauf 

dass wir in grossen Massen nach Palästina emigrieren, dass 

in absehbarer Zeil 7 Millionen Menschen auf den Boden des 

'jiigen Landes veipflanzen, wie uns fälschlicli und in böser Ab- 

it zugeniutliet wird. Uns kommt es ebensowohl darauf an, 



iriel wie möglich ari^^^Wi^^^W Untergang retlfl? 
als es uns darauf ankommt, auf einen Fleck ein politisch- 
culturelles, ein nationales Oonlrum zu schaffen, welches als 
G ra V i l ft t io n sp u n k t ITir die Nuchziphemien dienen könnte. 
Dieses Centruni würde den gtösslen Einfluss auf die Zurück- 
bleibenden üben, eine Solidaritfit zwischen allen Juden herstellen» 
das nationale Bewusstsein derselben wach erhalten und in einen 
jeden Zurückbleibenden, bei all der LoynlitAl. mit welcher er die 
Bürgerpflichten in seinem jeweiligen Vulerlunde erlullen würde, 
das Gefühl der Sicherheit erzeugen, dass er zu jeder Zeil sein 
Hciin aufsuchen könne, falls es ihm gar zu schlimm ergeben 
sollte . , . (Lcbharier Beifall und Handeklatschen.) 

Und nun bin ich an da? Punctum saÜens meiner Aufjiabe 
gelangt, au die Frage, wie wir diese theoretischen Krwagungen 
ins Praktische umzusetzen, wie wir die Beliaiidlung einzuleiten 
haben? 

Bevor icli nun diese Frage beantworte, sei es niir gestattet, 
mich kurz mit den sogenannten ,Zionsfreunden*, den »Cbowewe- 
Zion- Vereinen' zu verständigen. 

Jlit dem unserem Volke eigen Ibümli eben krittelnden haar- 
spalteuden Verstände haben es imsere Feinde und Freunde richtig 
zustande gebracht, zwscben den „Chowewe-Zion- Vereinen* und 
uns Missliellit^kpiteii und UilTL'renzen herviu-zunifen, wo eigentlich 
keine vorhanden sein sollten, wo wir nls intimste Freunde zu- 
samiiten marschieren sollten. 5Iau bat uns iu zwei feindliche 
Lager gescliii?den und sognr mit den schlauen Namen praktische 
und politische Zionisten getauft; gehl man aber der Sache tiefer auf 
den Grund, so ergibt sich's. dass der politische Zioniü^nuis, den 
niJiu auch Jils rein idealislisclien, utopislisrhen. als un.iiisl"nhr- 
baren Herzlionit^nms bezpicluu't, bis luiu tiichls unlernornrnen hat, 
was nicht praktische Bedeutung haben sollte, wälu-end der prak- 
tische Zionismus in so Manchem gai' unpraktisch vorgegangen 
und meiner Anschauung nach die reinste Sisyphusarbeit im Sinne 
der nationalen Wiedergeliurl verrichlel hfilte, wenn ihm nicht der 
politische Ziivnismus durcli sein Krscheinen bloss neues l^ben 
eingebaucht hatte. Unbedingt müssen wir nun anerkennen, dass 
die CI 10 wewe-Zion- Vereine uns Allen einen unzweifelhaften Dietisl 
erwiesen haben, indem sie für uns den Beweis erbracht 
haben, d.-u^s Juden, einmal aus dem Ghetto heraus in 
gesunde Lebensbedingungen versctzf, in kurzer Zeit sich hauten 
und tüchtige, lleissige, nach jeder Richtung hin bravo Menschen 
werden können. Dieser Beweis war übrigens nicht so wohl Itlr 
unsere Feinde, als für uns selbst nülhig. indem wir in unserer 
Seihstverachinng bereits so weit gehen, dass wir zu zweifeln be- 
ginnen, ob mit den Juden des Ghetto überhaupt nonli etwas an- 



— 87 — 



zulegen sei ? Allsdunn :iber liaheii sip uns einen norli prOs.scron 
Dienst erwiesen, die Clliowewe-Zion, indem sie de Hido die Keini- 
bildung eines nnÜonal-cuIlurelk'M Zentrums besorg! und dasselbe 
äopar bis zum Embryo ausgebrütet haben, der schon mit unbe- 
iriäfoctem Auge in der Gfslalt von einigen tausend Weinbauern 
iiini Ackerbautreibenden waluzunehmen ist. Das hat nun den 
allergrösslen Wert für uns, den wir nie unterscliälzen werden. 
Was wir al)or an dem edlen Werk vermissen, das war und ist 
der nationale Gedanke, der ihrer Thftti(,'keit zu Grunde ÜL'gen 
I sollte. Die f'howewe-Zion des Wes^tens vermieden und vermeiden 
1 « geflissentlich bis nun, diesen Hauptgedanken hervorzukehren. 
geben vielmehr ilirer gesammten ThäÜgkeil den Anstrich eines 
philanthropischen Werkes; die Chowewe-Zion des Ostens, die seil 
Piiisker diesen nationalen Gedanken wohl auf ihre Fahne ge- 
schrieben, haben ihn in den letzten Jahren bis zur Unkenntlichkeit 
Tprflacht. Tnd das röcht sicti dadurch, dass. trotz IHjrduiger 
j Arbeit, sie das Volk kühl und kalt gelassen haben „bis uns Herz 
I hinan'. Wenn auch einzelne SIenschen sich gerne durcli reiche 
ileute bemuttern lassen, ein Volk kann und darf man nicht mit 
Almosen fnitern. und imr in der SelbsthillV' liegt der Sporn zur 
Hebung des nationalen Bewusslseiiis und zu fruchtbringender 
TliaL Es ist ja möglich, dass die Chowewe-Zion des Westens 
erst in letzter Zeit sich zum nationalen Ge<ianken emporgerungen 
und denselben in seiner ganzen Bedeutung crfasst halien und nur 
in der Art und Weise, im Tempo des Fort.^chreilens von den 
Zionisten abweichen. Ja, dann sollen sie es offen aussprechen. 
Aber wie dem niieh sei, wir machen ituien keinen Vorwurf daraus; 
wäre ja unbillig zu verlangen, dass Mämier, die Gutes thu», 
loci» besseres tlmn sollen. Uns Zionisten störl ihre Thfttigkeil, 
selbst in der Form, wie sie bis jetzt geübt wurde, durchaus 
licht: wir betrachten die Chowewe-Zion als kleineren Theil eines 
rösseren Ganzen und dass wir es loyal und ehrlicli niit ihnen meinen^ 
beweisen wir dadurch, dass wir Zionisten, die wir aus einstigen Cho- 
rewe-Zion Zionisten geworden, nicht aufgehört haben, regelmässif; 
ansore Beitrflge für die Colonisation Palästinas zu zahbn. Alle sanunl 
Bnd sonders. — Diese Loyalität verlangen wir auch von <len 
nowewe-Zion und sprechen den Wunscli aus, dass .sie auch uns 
cht im Ziehen unserer Kreise stören mögen, dass sie ims nicht 
nsofern discrediÜeren mögen, als sie. in der ewigen Furcht, wir 
blaudem zuviel aus der Schule, den Leuten einreden, wir schaden 
Ser Sache, wir zerstören das von ihnen mit solcher Um- und 
i^orsirJit bi'gonnene Werk. Das ganze Gegentheil isl nändich richlig 
Büd seitdem der Zionismus ins Volk gedrungen, sind, in liussiand 
renigstens, die Beitr.lge für die Colonisation bedeutend gewachsen 
ad das ist auch sehr natürlich : der Volksinstinkt hat es viel 
esser als die Chowewe-Zion begriflen, dass zwischen der Tlultig- 



I 



BffW 



rerÄml 



Kein 



JmCTScf 



ffWM 



werden rnö^se. 

Um nun endlich das Projiranim unsf^j-^r Bewegung zu formu- 
li( ren. so wiederhole ich nochmals, dass wir 2 Zwecke vwfolgen = 
1. den Zweck, die jüdische Nation als solche aus der Lethargie 
2ti neuoni L**hon wach zu rufen und 3. einen grössliuöplichori 
Theil unsere« verkoniniendon rroletarials einem menschenwürdigen. 
Dasein zuzuführen. Um dicsos Ziel zu erreichon» wollen wir das 
vorjährige Baseler Programm einhalten, und zwar: 

1. Alles, was in unseren Krrdten steht, aufbietea, um fOr 
dAfl jftdisrhe Volk eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in. 
Palft.«tinji zu heschalTen, 

J. Wollen wir durch Gröndunp einer Nalionalbank die 
Coloni.safion in PalSsÜna in viel grösserem Massstahe fördern 
und vprniillfln, als es his jetzt geschehen ist und uns durch- 
auH nichl damit hegnÜKen, aus den Juden einige tauseud 
Hauern zu machen; wir wollen vielmelir in Palästina iadu- 
f*lrielle Retri^-he jefflk-her ^Vi-l fördt-rn und die jüdische Viel- 
Bcili^ki'il näch Jeder ftirlihmg hin ruilurfll eiitfaltfu. Mit dem gar 
zu titriK^iuH'M , immer langsam voran!" kommen \nr nicht vorwärts. 
Im Vfrlaufc der 10 Jahre hahen wir mit dem Weinhau experimen- 
liert, dnr ^olanir. Solllon wir nun jelzl ebpnso lange experimentieren, 
ob die Gende oder der Weizen in Palästina gednilii und ob die 
S(ifdenziicl(t oder das Zurkeirohi* — sn kämen wir aus dem Ei- 
pf'rimenlirTen nicht lienius. Wir zweilnln nilmlich nicht im ge- 
riiiKHleii, (Ihbs die Bibel die Wahrheit sprach, als sie saj^te i ,Pa- 
IhHÜiiu sei ein Land, wo Milch und Honig Hiesst/ Nur Arheit, 
ehrliclui. angestrengte Aibeit muss uns zu Hilfe kommen, um das 
verwidnloste Land zum Aufblühen zu bringen, und die Cultur- 
niittel, die uns jetzt zu Gnlxite stellen, vermögtu Samlwüsten in 
hlühpiide <!iirten zu vei wandeln — wttfür die Russen iu Tui'kestan 
das beste Beispiel gelieteil haben, (Lebhatter I^eitall.) 

Selbstverständlich niuss die f'oUmisaliou im giossen Stile mit 
der ^rö^^Ien rmsicht bet^mmen wercien, und eine speciell zu er- 
nennende Commission von tüchtigen Fachkennern das Land aui 
seine Ei tragntUhigkeit nach jeder Richtung bin prüfen. Auch 
dOrfon wir mit dem ferneren Oolonisieren nicht eher heginnen, 
bis wir UMS tiiclit den Itoden, auf welchem wir uns einrichten 
Wülleii. iitletillich-rechilich {gesichert haben. Uebrigeus kann ja 
vorläuHi.', bei den» .streni» beobaditeten Einwandevungsverbot, das 
In ganzer Kralt besteht, von einem Colonisieren mit neuen Juden 
niclit die Kode sein, höchstens von einem Einschmuggeln derselben. 
Siliuiutfi^eln aber wollen wir nicht; wir wollen uns nicbt als Con- 
Irnliandisteri eiiisclileicheii. sondeiii die Gewissheit haben, dasa 
wir uns (ür iiimier einrii'hteii und ein Heim siebern können. 



- SÜ 



keinen beMiixlf-ien ^^tol/ 
LJudong(>j*tcIit«r hahwn. 
Ilewusstseins kann nur 



Sfllan^^e wir den ei-slen Piograintnpunkt niclit erreicht liaben, 
rioe öffentlich-rechtliche Sicheiheit nicht erwirkt haben, wollen 
wir drittens uns mit der Versorgung derjenigen Juden, die in 
hlästina und Syrien schon ansässig sind, befassen : diese be- 
(Iflifen mir uuj;er*ir fnlerslöizmiif. in der Knrm ^ines bilhgen 
Crcdits, um dieQuanlitül tüchti^eUf piüducliven Menschenmaterials 
zo steigern. Und endlich wollen wir viertens die innere jüdische 
Volt5ei7iehung in den jeweiligen Vaterländern so intensiv wie 
möglich betreiben. fLehhalter Beifall und Händeklatschen.) 

In ei*ster Lini^t iraohlen wir darnach, die nationale Uepenera- 
lioa, dH.s nHliniiHltt SflbslIunvussisiMU überall da zu heben, wo 
Juden in giösseren oder geringi^ren Massen wohnen und wo or- 
(iDisieite Zinntslengruppeii voriianden. Ohne in einen Chauvinis- 
m» zu vertallen, der nicht nur lächerlich, sondern auch scbädlich, 
wr.llpn wir es tiirs er?te so weit bringen, dass der Jude authör«. 
xicii sehier Alistamniiing zu schämen, dass die jüdischen MUttcr 

darauf selzen, wenn ihre Kinder keine 
Diese Hobnng des jüdischen National- 
auf die Weise erreicht werden, dass 
[die .lupeud sicli mit d^r ^loneichen Vergangenheit, mit dem Mar- 
Ityriuni ihres Volkes vertraut macht und edle Vorbilder für ihre 
Ifigenfn Handbnigen in ihren Geist und ihr <icniüth aufnimmt. 
iDesiialb legKU wir den grüsslen Wert darauf, dass der Unterricht 
per Jugend, der niilnnlioben sowohl als auch der weiblichen, in 
jüdischer (iescbi^Iiie und hebräischer Sprache so intensiv wie 
tiöglicli geförderl werdt*. lÜe hebräische Sprache ist os, die der 
iKranwat'hsiMidiMi iieneralidn den Schlüssel zum Kindrinfton in den 
Kalionalgeist des .ludonthums in die Hand drückt. Diese Autgabe 
irird m1lerdin)^s den Juden des Westens viel scliwerej' zu erfüllen 
ein alh den Juden dr-s Ostens ; aber Grosses iSsst sich überhaupt 
nar durch Km-rgie nnd l'onsequcnz erreichen. Eine einzusetzende 
""Schiilrornniission hätte iür die Beschaflung von niitzlictien Jugend- 
liriften in hebräischer Sprache zu sorgen. Diese innere Arbeit 
PIIS8 »ich nnn, je nacli dem Lande, in welchem Juden leben, 
^«rschleden gestalten. Was den Veiiiältnissen des einen Landes 
atäpricbt, das passt vielleicht diMn anderen nicht. Und da mu.<& 
uan, wie es auch bei der Behandlung einzelner Kranker der Fall 
fklr jwjesrnal individualisiert werden. Während es für Deutschland 
L B, sciion jetzt angemessen sein würde» ausser dem Unterricht 
in hebräischer Sprache, aussei* Spractiübung in dei-selben. ausser 
der Krieiüung der jüdischen Geschichte und Literatur in ihren 
Hftuptzügen — jüdiMrbe Turn- und Ge.selligkeitsvereine ins Leben 
zu rufen, wo sicli die Juden zwanglos den Uebungen des Kiirpftrs 
üüd des Geistes hingeben könnten ; — während sie in Deutsch- 
Umi durcb Wort und Schritt, durch Wanderred iicr, das nationale 
ßfwusstsoin hoben könnten, inüssten wir im Osten — wo das 



— 90 — 

BaSkmalp ßpwasstarin ooch mi^ndr Torhanden — ms mit t!« 
elaM«!Olar«re& Diagen besduUtiges, mit der Creining von Master _ 
deaeautscMen. Jfastercbeders, an denen es ans fast ganz fehlt. 
md mit der BesduAmiir gater U-hier, die flteriuuipt zu unter- 
riehten imstande wiren, da bis Don onserc Scbullehivr zonieiät in 
der bebrÜscheD Sprache, in Grammatik und Litf^ralnr sehr s^lecfc 
^ttttell nnd. Wir mästen nbenül, w» Zionistengrappeo tu 
hlidffn — Vfid deren s^bfü schon eine stattlictif ^hl — tür gai< 
fradie Lmit in deo Cheders und Talmud-Thnras. und dafür sorgen 
dam die krtnkliclie, in Elend und Armut verkommene Jagen 
durch GymnasUk jeciiclier Art ge:^tälllt and widei-slondslähig 
genadit werde. Die jnn^en Gehirne dürfen nicht, wie es bi;« jeizt 
geaclMht, durch gar zu tkI ^reislige Kost, die ihrem All^r durch^ 
aus niciit entcpricbt, überbüi df t werden ; es muüs rielniehr in %'id 
g r5w c rem Ma«»te für die Vebong des Leibes gesorgt werden : 
ineDS Sana in corpore sano! 

Nach dieser Hicfaintig bin sollten uns die Engländer 
leuchtendes Vorbild dienen. Dean wenn diese sich zur erste 
Colonialmacbt der Welt empor«:eschwune:en haben, »o tiaben sid 
es nicht zum ^«eringsten Theil ihrem persänlichen Math, dem echten 
Uaniiei^mulb zu rerdHiikeii. den sie steh von Kindesbeinen as 
dorch körperliche Cebungen jeglicher Art, durch harmonisch 
Entfaltung ilu'er Muskelkraft, aneizieh^n. Auch unsere Jugend müsst 
sich auf ähnliche Weise zn dt-m grossen Werk, das üir bevor 
stehtr heranbilden. 

Ferner utüs!>ten bei uns im Osten diejenijeren Aei-zte, di^ 
Ziniüsten sind, so oft und so viel wie möglich populftie Vorträga 
über Hygiene, über Sauberkeit und Reinlichkeit in Haus und Ho? 
halten : denn zu meiner Betrübnis muss ich eingestehen, dass die 
breiten Volksschichten de> Osten. durch Armnth und Enl- 
t>ehnuigen jeglicher Art dazu borcib; gekommen sind, die elemen- 
tarsten Vorschritten der mosaischen Reinlichkeilslehre zu vemach- 
läsjsigen und dadurch Krankheiten dulzeudweis zu züchten. 

ferner wollen wir durch Wort und Schritt, durch Ein- 
berufonff von Versammlungen, auch diejenigen Juden, die nicht 
Zioui»t«fii sind, zur Errichtung von Fachschulen, wo es eben geht, 
anfeuern und. um dem Elend der Massen schou jetzt nach 
Kräften za steuern, alleä aufhieten. um die jüdische Bank, die 
wir jetzt projectieren. auch zu realisieren imd Filialen in den- 
jenigen Ländern zu eröffnen, wo es Nolh thut, zur Besr-hatTung 
eines billigen Credites tür Gewerbetreibende und landwirtschaftliche 
Unlemehmnngen jeglicher Art. 

Nun bin ich auch mit dem zweiten Theil meiner Beweis 
(ülirung ft-rtig und glaube gezeigt zu haben, das^s die Behandlung^ 
weise, die wir vorschlagen, um das kranke jüdische Vulk zu retten/ 
HUl riitionellerer Basis benihe, als A^^imilaiioiisversuche unci 



Taaie. Aus clfm, was icb pesngt, g:elit zur Evirtenz hervor, dtiss 
Wir Zioiiisteii nicht oiuseilig vertuliieii, da^!^ wir »owohl sympto- 
maiisüh. als aucli radicul, iiadi innen und iiussen, im Lüiule selbst 
und auch in l'alästina nlh's tliiiii wollen, was zu Ihun ist. 

Indeni ich nuu schliesse, will ich bloss noch die Bemerkung 
mchen, das« das uational -jüdische Progranmi. welches wir Zio- 
Biswn ÄiUpf^lulll, wie eine walire Krlusung auf die jüdische Vnlks- 
sfcle ^.'tfwirkt hat. Rs ist kainn zu scliiidiTn, welch miichtigf Be- 
wegung der Zionismus in den breiten Volksschichten der .luden 
des Ostens hervorgerufen ; man nmsn das selbst miterlebt haben, 
um es in seiner ganzen Tra^rweite zu würdigen. 

D» wir für das Volk. lür das arme, von Gott und Menschen 
KliPinbar verlassene Volk arbeiten wollen, so ist diese Volks- 
begeititeruiig unser Trost und auch unsere Hoffnung! 

(Andauernder, wiederlioli sich erneuernder, slürniischer Keifall 
I lad IlAndeklatKchon.) 

V'icepräsiilent Dr. Nordau (den Vorsitz übeniehinend»: Ich erthollo 
Ht-n-n Dr. Friede mann das Wort zur ErstnttunK ^seines Berichlos 
i:'"T die r r ü f II n jr il e r W a h 1 v o 1 1 m n (^ h t o n. Kino Krortei'injn 
al'er dj<>se AJi*fele^'f,Tiheit wird jet^t nicht älalttindon. 

Del. Dr. Friedemann : Verehrlu Ditnu-ii um! Herren ! Es thut niir 

;--.'r<irdpni.lich Ipid, da-^i^ inh nach (!pii ireistvnlltMi Worten des Hern» 

■■'■'.'- M II n d e I g t H m m Ihre Aiifm<'rksnn»k«*il auf pint^ sehr trockene 

■hleme Sacfio I^nkon rmiss. wolohe »hör doch fiir unscro 

\j, \md den (^onpvss von itrrossoni fntcrcssc ist. Diö Wuhl- 

I i,u---oininissioii hntte die Miinihite zu |irülcn. wclrlie uns ülier- 

'I- Lf.n wordi'ii sind und sie hat sich dieser .\iifj;iibc noch nicht ^nnz 

tiillt'iliirt.'ii kifiiiion. weil ihi' nifht die ni'ilhige Zeil zur WrCüfnmg ne- 

|^Ct«llt wnr ; di«' Zeil war uns sphr kura beint^sen. dii wir ecsteni bis 

pftt gotitid huhon. Die Coinniission hiit inlblfio dt^sÄeu eine Zxveitheihmg 

nrer ArliV-it vork'ononnnen und hnt sir-li /tniüclii^t über einen princi- 

ifii.'ll'ii T"'iiiiVi entschioileii. Wii- hah'.Mi tlie rrotestc. welche Kopoii ein- 

.' n, peK'>n pinzehic ilnnditt«' vor>f">biiicht wurden. vorlituHg 

It und werden die Wahlen einijier Herron honte nneh- 

BimiiU" Kl einer besonrleren Sitzunjz prüfen und ich werde niir dann 

ftrlaiiben, durüb^r HericJit zu er.'^tntten. 

Wir hiilien principiell ein FiiMh-nkf« zu prilTen ßehabt, das nicht 
Bar wichÜK isl für die.ien. sondern auch tliir nlle kUnllijjen Cunjcresse, 
hus B»'detikeri, ult Mandiitp. welche dein tiowfihllen ühertrn(fen worden 
Kind. Mul' andere Miint]at]ii*e übertrafen werd»!n künufn. (jhne ilass die 
iVMiler die Nitnu-n diener >[andat;ire kennen. Wir liahen U Fälle 
habt ~ eine immerhin nicht grosso JCahl. wenn man die Anzahl der 
^Meportrn bedenkt — in «plehon Hedenk*^n vorgebracht wurden, ob 
rir uns mit oinor derarhKon Wnhlubcrti-aKung einvei-standi-n erklhren 
"Ilen. Die VXaldeii sind in dipr^cn Fidlen 90 voi'm^iionnnon worden, 
inun aus \ersclüedpnfn Or-ten eine besümnite Person delcKicrl und 
diersO Person naohlriitflirh »Mitwcdpr hier auf dein C'ontfre.sse otler 
hon vor demselben diesr>« dupiti*!!»' .Vlitndal nuT i-iny tliitle IVrson 
ertragen hat. ohne dnss die \V'ähb"r üIht diese VVrsoi» inlbrniifrt 
a*n. Wir ghuibt'U. <\tv>a di»? Schuld an eiiicui tb-rartii/en Vorgehen. 
Baa iniiuerliin nichi lu billigen sein rlurile. nichi die Wähler triffl und 
fach nicht ilie Herren, welche da^; Mandat übertrugen. Es ist, wie ieh 
erzu??a.iren bi-atitlrat^t bin, dies nur von rutisiseher Seite f^cschehen 



— 92 



\n\'l wir hub^ii Kef^lnubU rien ei}?eimrliKen russischen V't*rhiiltiii!*8*Mi 
fler miiiik'^lluini'ti W^Alilordnuni;, dio bLslifr* I>i^k'nniil.:jr^eli>'i) wn 
Kcrhntin^r tnigcii zu snllo», wi^nn wir dit^se Mnndrito liosthti^eiu 
Imboii nhor mich ifo^Iauht, feststt^llon zu solleu, äass wir es nicht hüligc 
auf diosr W'oise Muiidale zu überlniKwu. 

Meine Daiiipu und Herren! Eine L'eber1raftun)«r von Afiiadtitefl 
ohne däisH die Wühler dtivon ujiterriehtel sind, wer sie iiiif dfiii Con 
Kresse verlreleii wird, ist weder im liiterf'Stie dyr Gereehtigkfii, »oc 
itn Inleres-se dnr Demoln-nti>. sie ist tiichl im liiteren^e dos* jüdisch« 
wjihlendpn Volkes. (Reifttll.) 

Wir würden zu lurunz uierlavilrdipen Conssquenzen kommen. w«ii 
wir ßostalten wollten, dass irj^end eüi Herr sieh iu 10 Üi'ieu wühlen 
lä-fst, seinen Wühlern sa^it : ^tch werde »n eine Kurli uubekaiiule 
PersunUchkeir dos Mandat üherii-aKen- und dnnn das Mandat HeiTcn 
ühertrftgt, die viplleieht niHit einmal Zioiiisten sind. Wir knnimen zur 
^.'onspquenz, dass wir uur; dei* Willkürhprrsi^fiaft einzelner J^ersnnen 
au);sely.en, welche ilureh l'ch«?rtnin\ing zahlreirher Mandate den Con»fi*ess 
beherTsehen können und zweitens kumiiicn wir in die Liige, dasB SQirnr 
OeKiier herk<uninen. die von Zioriisten /s'ewühll sind. 

W'ir haben ijeglauht. ihms diese L'mslaride so wichtig sind, daas 
wir sie in eine Resolution fassen sollen. Dieselbe lautet : 

.jlJie Wnhlprüt\ini|,'scon,niission bedauert, diiss 14 Mandate über- 
tragnen wunlen ohne AuHraK der bctrolTendeii Wähler, da dies wetler 
im Sinne dos Zionismus noch im Sinne iler i;?reditiKkei( isl.- 

Da aber die Wahlverliältriisse in vielen Ländern noch unf?ekläi1 
»iiid, bestätiffi dt-r rnnsress für diasesmal die Mtuidale. 

Wir >£lniihen dadureh aus«(;driii-kt /.u hah*'n, ilass Tiir die ZukunK 
derailipert nielit jfebillijit wonlen ddrlli" und wir erwarten, dass rler- 
artiijp WahlüheilragtinKeii nieht wi'eiler \ei'Siielil werden. Meine Damen 
und Herren ! Wir 'Jchhi^^en Ihnen, um die Wiederholung derartiger 
Din^e zu verhinder'n. die folgende Uesolntion vor, von welcher wir 
hofTen, il.Hss sie eine legale Aldiül'e bedeutet: 

„Der Congresfl wolle besehllessen, ilass prlneipiell in Zukunft nur 
«Uojenigen Delegierten als U*>ral gewahll zu belraehten seien, welche ««iit- 
weiler aus ilireeten Wahlen Ih-rvor^iefjanfjen oder namentlieh aU SicU- 
vortroter in den Wahlprotokollen bezeichnet worden sind." 

Wir habt'n ge}i;Uiuht dmw wir nicht (duie weiteres ileni uns ge- 
mnehten X'oi'sclilage zustiniinen iliirf'en. der ebenfalls in der tlomnu-^ston 
gpinacht wurde, das» ein jeder \'i?ri,reter nur ein Mandat habe. Wir 
glnut>en, diLss lüc russischen Vei'hiillnissD und die in Rumänien es 
unib'tikbar erseheinen lassen, dass eiiu; jede Orlsgruppe eine bostimmle 
piTHon zum Congress delegiert. Auch schon die iLuUcrnunif nuicbl e,* 
uiulcnkbar, zu bestimiiien, oh die bestimmte Person auch unter all«>n 
1Jni-iriindi<n zum Congress geht. Wir haben es für undenkbar eraehtel, 
dafti* nnm Hlimiiuettniandate ausstellt! Wenn jemand will, dass einer 
gewldiltrn I'erson das Ri'cht der Substitutiun zusleiit, so möge im f'ixi- 
tukull aUHgcdriickt werden : „VVir wühlen beisjiielsweiso Herrn Dr. Th. 
Hcrzl und falls Dr. Th. Herzl aus irgend einem Grunde das Mandat 
nicht annehmen sollte, Heirn l'ir. Nordau." 

S|m werden jetxt alle unuerahr unterrichtet sein, was wir meinen. 
Wir haben geglaubt. a\if diese Weise jedem Wnlil'^chn»?her vorbeuu-'n 
und den berpehtijrten Interessen und \'erschiedenlieiten der einzelh.-n 
l*And«r Rechnimg tragen zu kiiniicn. 

Ich werde mir erlaiilien. heule Xnchmiltag über die olnzelnon 
Wahlitrhrutigcn (buicht zu erstatten und hoffe, dass aie die Kcsulution 
«Irio'binnlK luuiehmen werd(m. (BüifalL) 



— y« — 



Vtci^präsiiient Dr. Nordau : Das Wort hal HeiT Dr. Heinrich 

Del. Dr. Loswe : Die V\'uhlpnifung»;eominiRsinn hnt fr«wif^e prin- 
ctpfcUe Aeuriseninjjon gclhitn, betrefrend die Art und Weis« der W'atilnn. 
pA Iciin ihr nicVit darauf an, jetzt schud ihrer Anschauung über die 
t'lnzelnftn Mniidiile Ausdruck zu geben, soudern sie wollte einipe prin- 
fijiii^iJf OniiKlsJil/.e rertt^'ostellt wissen, rmch welchen gewählt werden 
loH Ich möchte mir mit Bezu^' darmiT eilnuben. ein« Ani'eKUnfr zu 
Hb«i, die ebenfalls von der Wnlilcommissioii in reifliche Eiwtigun^f 
IRZOffeii wprden tsotite. Rt; int vori^ekuinnien uml wird widir^eheinlich. 
veiin kein besonderer Modus j^etroffL-ri winl, wieder vorkuinrneii, daes 
sifh iin gevrissen Oi-1<mi wobdie Leute, welelie keine Aussicht haben, von 

I tiaer grot^en (Jef^Hiniiitffnippe t^ewählt zu werrlen, abspalten, um dann 
tu besonderen tiru|i[ten prwiihil zn werden. Du aber vorgeschrieben ist, 
dass die Oi-isgrup])e aU solche zu wühlen hat. verstandcji wi[' ilarunlor, 
lUäs unter (>rts>icrup[ie »lle Zionisten zu verstehen sind, die an einem 

'One vereinigt siud und dass es nicht zuliissii,; whi'o, sich in verschiedene 
Ijfuppeu 2u äpalteu. um mehrere >Iundale tlurchzubriugeu. Ks wäre 

[joost niüwlifh- darts die Kerütier /ioni-ten, die 4— rnKl Schekelzahler 

I haben, sich in vioi*zfe (J)i'tÄgruppeii g|)alten und vierzig Delegierte 

, herschicken. Es miiss daher .... 

\'irppräsidont Dr. Nordau fniiterbrechend* : Ich mochte nur darauf 

iBufmcrkiuni inaeheu. duss diese HiTncrkunj-'en zur Organisationsfrage 

'reliüren und nur bei die^>r tielegenlifil mit Erfolg behaurlelt wei\len 
Iccmnen. 

De]. Dr. LoBwe : Der Kall ist »ehr drasti^th und hat sich hei der 
t'-n Wahl zugetragen, bei welcher wir sehr flchxver zu kämpfen 

Vlcepniyident Dr. Nordau: Ich be.streile keinen Augenblick die 
Ri'^htigkeil dieser Bemerkungen; ich «age nur. dass es unmöglich er- 
- l-int, die verschiedenen Programmpunkte durcheinander zu win-en. 
i I. -e ilcinerkungen wonlen, wenn die (-'rage der Ürgiinisatiun uul' die 

|T.igei;ftrdnung kommt, an nchtiger Stelle sein und sollen dann vor- 

Pget>niclit werden. 

Dr. Loewe: Dann bitte ich, dass die Commisston darüber berathe, 
damit wir wissen, wie die Conunission die Sache ordnen will- 

Vors. Vicepräsideni Dr-. Nordau : Wenn über diesen Punkt die 
Coromlsslun sich nicht gi-iin^st-il h:tt. so steht nicht* im Wege, dass 
ti"-"r Antrag der (ninmihsion seihst übergeben und ihr lielegenhelt 
.: iMiteD werde, sich ihre Meinung daiübt?r zu bilden und auszuspreclien, 
Dr. Friedemann : Wir haben lediglich eine Kesolutiou beantragen 
Vf>11nn. wt.dche einen speciellon L'ebelsland von genereller Bedeutung, 
■uilti«!, abmindern sülltc. Es war ni<-ht ein Uebelsland, der sieh 
■ V'erhiillnisse bezog, und auch nkhl eine Sache, die in di* 
»•sipiganisaiiun gehiirtj sonderu es war- eine Wahlprüflingsfrage. 
^niibe, ilio Arigclcgeiiheil. welche Herr Dr. Loewe voi'gehniclil hat, 
Brt nicht in die Walilprül'ungi^cümmisslon. sondern in die Organisa- 
►ns- oder Prugrnmm-Conuiiission. Ich glaube nicht, dass die Wahl- 
bngscoMmiission alle diese weitgehenden .Antrüge ab* zu Ihrej- Cum- 
^z gcluirend, bei rächten kann und ich möchte bitien, dass Herr 
i^jewe 4li*'Se Antrüge an die zur<tünriige Stelle leitet. 
Vor>. Vfii't. Dr. HerzI: Ich glaube. dns.s es ein nieht ganz un- 
rtnviiL'f, K»v>ultat ist, wenn unter so vielen Wahlen nur 14 angefochten 
und von diesen K H) ans einem (Jnmde, welcher eigentlich ein© 
:i_L_ " !"■ Incorrectheit nlchl in sich schlicsst. Wenn solche unbe- 
ilnndate erthrilt worden sind, die eventuell vergeben werden 
ureh denjenigen, der beauftragt Ist, so ist das mit der Knl- 



ei-nun^ der W'ahlorte zu erklären. K» i^t z. B. ein AudruK von 
Cincinnati gekommen, zu einer Zeit, wo die Listt'n gesrhlosseu werüen 
niiLssteu und es nicht mehr Zeit peweson wtiro, «ach Ameiika zu 
fichri^ihen, ob der BetrefTonde das Mandiit übeniomnien halio. Für 
diesen F»l! wurde der Auftrag gcg<»ben, einen Andern '/u benuttrugen. 
Dieser Fall ist nur bekannt. Dos sind die 10 von deu 14 ongefochtenea 
Mandaten. 

Del. Dr. Friedemann : Hs sind im jeanzen IH Mandate angofoebten 
worden und die Wahlcunnnission bat einzelne Mandat« gefunden, die ! 
BUf den CoDjfiertH überlrn^en wurdt-n und nur mit Rücksicht auf diese j 
Mandat« ist diese Hesolulioii Kfßi^st worden. 

Vom. Prfis. Dr. HarzI: Gegen die Keäolution, insofemo sie kunltii 
beobachtet werden solle, ist ja eigenthch nichts einzuwenden. 

Vors. Vicepriis. Dr. Nordau: leh werde er.sueht. die \''erhandlun| 
zu unterbrechen zur Bokanntmarhunfr folpender Mitthfihiiiu: 

Heule nach Schluss dei- N'oniiiltapü-Sitzuiig tiudel ■?ine dringende] 
Sitzung der russischen Delegiei-ten ini Conimissionti-Zinimer statt. In ( 
Anbetracht der W'ichiigkeit der zur Hepprechung gf^bmgenden Frage 
werden die Oelegteilen ersucht, rechtzeitig und voUziihltg zu er- 
seheinen. Ich bitte (Ins ins ru.>^sigehe und englische zu übersetzen. 

Del. Temkin ^übwsetzt ins Rui^aische). 

Del. Whise (übersetzt ins Englische). 

Del. Goitein : Ich wollte nur zu dem Arte der Wahlconimission 
bemerken, d:iÄS es mit diesen Antoehtungen nicht so weit her ist, w[t 1 
Sie glauben. Wenn z, B. Jassy drei Delogierte wablt, beispielsweise 
mir uder einen andern ein Mandat übciti-agt — von mir ist dies nicht 
der Fall — so kann es dier-er (Jruppe egal sein, wenn der betreflende 
Delegierte sein ihmdat ein«?m nndeni übertragt. iW'iderspruch.) Ich 
meine nur. dnss der BetrelVemle. dem das Mandat Übertrjigeu wird, im 
Kinverständnisse des Aetionscümiics oder einer Landesurgaiiisatlon 
sein muss. Der betreffenden Stadt kann es dann egal sein, wenn sie 
Überhaupt einen uiislUiidisehon Delegierten wtUilt, ob dies Herr Birken- 
slttiii otier Herr Schurr oder Herr Dr. Herzl ist. 

Vors. Vicepriis. Dr. Nordau: ich mache Sie darauf aufmorksam, 
dasa Sie versrbiedene Pi'ogramnipunkte diircheinanderwirren. Alles . 
das, WAS Sie sagen, bezieht sich auf die i)rgani>)ntionRrt*age und nicht | 
auf die Frilfüng der schon vorgenommenen \Vahlen. 

Ich F;ehreite nun zur Abstimmung. Jene Herren, welche die rem 
Referenten geätellten Antnige annehmen, wollen die Haml erheben. I 
(Cieächieht.) Ich bitte um die ciegenprobe. (Naoh einer Pause): Dia J 
Antrage sind einstimmig angenommen. 

Kb liegt ein Antrag de.s Herrn Hnbbiners Seph vor, 

Del. Rabbiner Seph : Herr Dr. Mandelstamm hat unter nnderanl 
auch an das körperliche Gedeihen des jüdischen Volkes erinnert und 
darauf aufmerksam gemacht, dass es sehi' wünschenswert wäre, Turn- 
vereine zu gründen. Ich mochte meinerseits beifügen, dass es sich! 
nicht nur um die körperliche Gesundheit handelt. Es ist bekannt, diias j 
die Turnvereine auch eine grosse culturelle Holle spielen. Ich bitte i 
um Verzeihung, wenn ich nicht gut deutsch spreche, ich hätte auch j 
liel)ei' russisch gesprochen : es kommen aber durch die Uebei'satzuuge» j 
leicht Missvcrstäiiilnisse vor. 

Wir wissen, wie unter den slavischen Völkern in Ücsterroirb 
die Turnvereine verbreitet sind. Mein Antnig geht dahin, dass eine 
Commission gewählt worden solle, welclie detailliert die Organisation 
der Turnvereine bearbeiten soll. 



Ifc 



p 



V'ursitiiender Dr. Nordau : Ich gtaube. aesen dieaeii Antrug dürfte 
kein Beilt>nk(>n uliwülteii. i^usliininunK.) Ich werde diesen Atitrajj; dem 

Es li*(ft ferner eüi von 35 AlüKÜPdeni iinterstütztcc Antrag vor, 
ixt TnÄMaoi-onuiiß in dem Sinne zu Ändc^rii. «Im^R die jfldischo ColoniaU 
hmik als riinner Punkt der Tatresordniinjr in \"erh(uiillun*f kttmirio. Deni- 
iwii.'eriüher emiiflehlt das Präsidium, die judisdie CoiuDi!\lbHuk nu ilirer 
ünorunnlicliPU Stelle zu belassen, weil tieuti» nbemb* 10 Uhr noch eine 
iri''mi(ie BoralhuntJ: dnrüber tttattflnden wird, indem uoc-h niimohAfl zu 
Mwrtem ist, liovor die Saetie IVir den Congi-esa ßpruehreil" vrird. Da- 
v.ii«n euipßehU das Priisidium. die (lolcnisiitiün als Punkt (}, die 
jüJisRhen CulturfrAgcn als Punkt 7 und die OrganisatioQ als Punkt Ü 
njrzuneliinen. 

Io)i niöchle. um uruiOtliig schoineitde Debatten zu verhUtcn, nur 
bemerken, dass kein Punkt unterdrückt werden soll. Alles, was auf <ler 
TtiTWordnunfT «tolit. r*oll erledig werden. Nur im Interesse der Arbeit 
«nil auf tirund der Kenntnis des gegenwüi-tigon Sl*u»des der Arbeit 
wird dicnio Peihi^nfolffe empfohlen. 

Del. Ussischkin (spricht russisch. — ReifblL) 

Dr. Kohan-Bernstein (üborsotzendt : Del. L'ssischkin behauptet, dasa 
'ine der wichltiTf'teii Prämien, welche auf dem Profn'amme stehen, vom 
Slncdpunkte der iu.-i8 in eilen Delegierten die Colonialbank ist. Diese 
Fra,gc iittere.ssieil alle ru.ssischen Zionisten auf das lebhalleste. Darüber 
wurde lange in bestmileren N'^ersanimluntren difirutjert \m<l er plnubt, 
»«■nn eine stdclie Fiajf« als letzt« bebandclt und dann mit einer kleinen 
Hi-iMission abjrellian wird, sehr viel Missversliindnis daraus entstehen 
nute Ks wii-d aueh ein grosser Ablall von Arbfiten die FuIk« sein, 
Ml wenn wir hie)ier pekonmieti .'^iuil, um zu arbeiten, so »toUen wir 
■' f riiif bestehen, doss die Hnnkeomnussion dasjenige, was bis jetzt fertig 
i*ii. vorlege, und das, was noch bleibt, kann später behandelt werden. 
Wenn wir damuf nicht bestehen, sind wir fruchtlos hichcr gekommen, 
ißeifAU.) 

Vorsitzender Dr. Nordau : Ehe die Debatte fortgesetzt wird, cr- 
Iniihe ich mir auf (irund des jetzigen Stjuules der .■Vrbeit z« erklären, 
■)ii-s die gi'genwiirtigen Mittheihuigen weit weniger aufklären werden, 
^\< ilies nioreen der Fall sein wird. Au.sserdem i.st iliese gi'osso Debatte 
.-)^-nllic!i ohne gesetzliche (»rundlage, denn unsere ijesehÜftsordnung 
l>e:>Ummt auj^driieklieh im § 23 (liest): 

„Die Tagesordnung für die erste Sitzung wird vom Actionscumit^ 

r....r....,,|u ^,„,1 Yrtui einstweiligen Präsidenten bei ErtilTnung des L'on- 

\ erkundigt; die Tagesordnung Tür die folgenden Sitzungen wird 

.... i i.tsidenten festgestellt und vor dem Schlussö jeder Sitzung für 

,0 nüeliste Sitzung verkimdigt." 

D:is Pnisidinm wünscht jedoch im Kin Verständnisse mit dem 
rongi"et«e ^ or/ugehen. Wir wullen den Congress nicht vergewaltigen. 
Ich bitte sich alier au § 23 zu halten, umsumehr, uls os sich um die 
Blitdiche ICrledigiing der Angelegonhoit handelt. 

Dr. HerzI : Es hiingt nicht allein von dem Wunsche des Con- 
(tn^fe? ab. es muas auch der Herr Berichterstatter mit seiner .Arbeit 
tertlg sein. 

Herr Wnirfsohn ist in verschiedenen .Vussehüsscn ihütig und hat 
nicht Zeil gehabt, sein liefernt fcHigzustellen : ausserdem findet 
^ute □»■"hts noch eine Sitzung statt. Ich halte es ITir praktisrh. mit der 
Diiwu*«sion dieses <iegenstjindes zu warten, bis die Berathiuigeu ab- 
gecchlossen «ind. 

Dei. Bouchmil (spricht russificb). 



Scliriftfiihn'r U'l. Temkin (Übeisetzenfli : Rcduer meint, duss vcr- 
Bohiedeiic FormalitHU'ii im.-* lüi-hr stören solkn, weun wii- tiei einer 
solchen Fr«^»^ sint^ und (ins« wir nus wolchen (.»rümlen die Üeui'lheilLuif 
der Priige niclit aufsfliiv^ben sollen. Kr meint. fl»ss, wenn wir das B\a 
die letzte Sitznn^ nufschicben. mit dieser Frage dn^ gesehehen wird, 
was mit den Culturfrajreii im voriKon .Inhre jfcsclielien ist. 

Dr. Theodor HerzI : Es ist ja soltislverstamllich, dusa das Prs- 
Bidiura des CongresKes nicht eine andere Tajiesoninunff einrichten kann, 
als die, welche der Conffi'ft«ft hiiben will. Diese ßofujtmis des tf 2i bo- 
7ieht eich nur daräiuf. dass, wenn irgendwelche deutliche U'iinscne nicht 
vorhanden sind, dns Präsidium die Tagesfirdnunu: featst-ellt. 

Wenn Sie honte in die Di^cussion über die Colonialbauk eiB- 
troteu wollen, winl es noUiwendiir sein, di^iss sie sich nicht naehmitings 
versimimcln um 4 \Jhr. eouderu eine Nachl^iitzuu^ abhalten. Kh müsste 
in iliesem Fülle die öfTentUche Sitzung um Nncimiittag entfallen, iu 
welcher wir in die Discussion über das l'roKi'amm des Herni Prot 
M u n d e I s 1 11 ni ni eintreten wolll«n. und es müsste auch die Coloni- 
snliunsdebritle. welche heute nuchmittuy;!i stiittfindcn sollte, vei'schobea 
werden. 

Ich vermulhe, dass> wenn eine andere Eintlieilung der Tage»* 
Ordnung stattpeftmden hHtte, gesagt worden wäre, wir wollen die 
Colonisatiousdebntt« ersticken. Da wir nun ge^^Iaubr haben, dasu Si» 
sich in dei' t!olonisnHonsdeb»tte, wo es verschiedene Ktandjiunkte »ribt. 
ausbreiten wollen, haben wir oben die 'J'agesordnunp so anj^eordnet 
Will aber der Congi'QSs die ColonisationstViige auf morgen verschieben 
oder die CiUlurJVaire als letzte beluuideln, so werden Kie einfach 
darüber zu enlsciieideu haben. Wii" haben die THResardnunp fost- 
f{eset/J. weil wir gcKbiubt haben, dnss es so am praktischesten ist und 
wir dabei unsere HnnkfonfMrenz in Kühe hhtten zu Fiidi- ITihren kÖnnea, 

Ich stelle übriKPns den Antrag, dass der Herr \'orsitzende die 
Abstiumiung in dem Siimc leite, da£S zuerst darüber abgestimmt wirdr 
ob die Herren mit dem Vorschlnffe des Prüsidiums einverstajiden siniL 
Wenn dies nicht der Fall seiti sollte, werden die anderen .Antrage zur 
Abstimmun;< gebracht werden. 

Voi-sitzender ViceprUsident Dr. Nordau : Ich stelle an den Congra» 
die Frage, ob er wünscht, dass die Tagesordnung in der vom V'or- 
silzenilen vorgeschlagenen und jetzt geiindcrlen Weise festgesetzt w^rde, 
duBS die Bnnkfrage dann vorgeuümmen werde, nachdem der Boricht- 
erstiitter dos Bankjmsriehusses erklärt haben wird, dads er iu der Lage 
ial, Bericht zu erstatten. 

Schrilirtihrei- Ing. W. Tomkin übei'setzt den Voi-schlag des Pr4- 
fildiums ins Kussische. 

Vorsitzender VicopräsidnnI Dr. Nordau : Das Präsidium beantragt, 
dnss zuerst die Colonisations- und dann die jüdischen Ctdliirfragon. an 
diitter Stelle die Organisation und an vierter Stelle die jiidiiwjhe 
Colouialbiiuk vorgenoumien wei-ile. Diejenigen, die für diese Keüien- 
folge sind, wollen die Hand erbeben, ((ieschieht.) Ich bitte um die 
Ciegenprobe. (Nach einer Pause): Der .-Xnlrag des pT-asidiums ist tnit 
80 gegen 4(_i Stimmen angenommen. (Lobhafler Beifall.» 

Del. Dr. D. Naumark: Ich halte da.'* jetzige \*orgehen des I*rä- 
sidiums für unrichtig und illegal. Die Tatte-^ordnimg liegt vor imd wono 
ein Antrag auf Aenderung der Tagesordnung gestellt wird 

Vorsitzender Vict^jnisident Dr. Nordau: Ich bemerke, die Aende- 
nmg der vorliegenden Tagesordnung wurde bereits angenommen. Ich 
kann eine Discussion über einen Beschluss nicht zulassen. 

Del. Dr. D. Naumark : Ich constntiere nur, dnss die voUzoRen* 
Abstimmung null und nichtig ist und nicht zurecht besteht. 



— w — 

Vorsitzender ViceprÖsident Dr. Nordau : DerFlnanzausechuss 
hält heute um halb 3 irhr nachmittags im Hotel „Drei Könige" eine 
SitzuDf?. Heute niichtä tindet eine B a n k c o n f e r e n z statt Heute 
abends findet in der Bui"tf\'0|trlei in Kleiii-BaKel niu von ^Jung-Ziun" 
veranstAlteti^r f ' n m m e r s für rtif neU>f!iertpn und JourniiliRtei) statt. 

Die nächste Ö Tf en t lieh« Sitzung findet heute nachmittags 
um 4 Uhr statt. 

Um (5 Clir findet eine Sitzung des Culturausächusses statt. 
Am schwansen Brett wird bekunnt(zegeben werden, in welchem Ztnmier. 

Der i^ermaneu/HUSsrhusä hält heute nachmittags uui 
halb 3 l'hr im kleinen Saale neben dem I'räKidium eine Sitzung. 

Die Sitzung ist n u f g e li o b o n. L' m 4 l ' h r die nächste 
ö ff e ntliche Sitzung. 

(Scbluss der Vormittagssilzung um l LTir 3" Min.) 



Nachmittagssitzung. 
Begrlnn '/^ö Uhr Nachmittag: s. 

Vorsitzender: 

Vicepräsident Dr. Nordau, 

Die Sitzung ist eröffnet. Zunächst die MitthcUung. dass der 
Wahlprüfting'^nusÄctmsK «eine Mitglieder er«iidit, heule abends nach 
Schluss der NMchmilingfisitzung liier im Haale /.u verbleiben, um die 
Arbeiten sofoii fortzusetzen. 

AuM dem Kinliiufo liehe ich zunÜchat einen Brief des Prof. C&sare 
LombroHo aus Turin hervor. iLebhnfler Beifall und HUndcklatschen.) 
Er «clu*eibt uns, er könne zwar nicht kuiiiuien. und begründet das 
folgendermasseu : (Liest den italieniricben Brief.) Zu deut.sch : liine der 
liauptursiichen. wcKlmlb icli nielit kommen ktunite, ist, dasK ieh noch 
zu sehr Neuling in dieser Frage bin und sie kaum gründlich studiert 
habe, ferner, diiss der Leib schon zu alt ist. um noch jener Begeisifrurig 
fiitilg zu sein, die noth wendig irit. um die (iährung in dieser An- 
gelogenheit zu umerhnlten. .-\ber wenn ich auch leihlich zu nlt bin. 
bii) ich es doch nicht dem lieriilde nach. Sagen Sie unseren Freimdeu, 
dafe, wenn ich 3<.< Jjihre jünger wjire, ieli einer der lieUsblütigAten unter 
ihnen wäre. (Lebhattci* Beifall und HandeklatfichenJ 

Telegramme und Begrüssungsschreiben sind elngelftcgt : (Verliest 
dieselben. — Siehe .Anhang.) 

Die Zahl der bi.-jher eingelaufenen Telcgrammebeliiuft sich nunmehr 
auf 330. au.s.-ierdein habe ich nnch eine Anzahl noch nicht registrierter, 
weil eben eingelaufener Telegi-aiiime bier. Aus Lodz ist eine Begrüssung 
eingelangt, die mit mehreren lausend Unterschrifleiii bedeckt ist. (Leb- 
h&f^r Beifall und Hündekl.it'ichen.i 

Das Wort hai der schon vomUttags eingeschriebene Herr 
Rabbiner Sonnino aus Neapel zur Pro gram nifi*age, 

Del. Hobhiner Sonnino — mit lebhaftem Beifall begrüsst — hält 
eine Rede in italienischer Sprache. 

Redner überbringt die Grusle der zionistischen Gruppen Ttallens 
un<l führt weitere nu.>. warum nuc)i die Juden Italiens /ionisten &ein 
DiUasten. 



- 98- 

^loli, Jude und ItAüeiidr. zwei Manien, die möincn Obren an* 
jrcnehin kUn^on, <Ier ich mein \'aterland innig liebe, freier Bürtfpr i'ln« 
Liindes. in dem rnduldsnnikoit und Anlisomitisnius last uiibeknnnte 
Worte sind, rohle mit dou Millionen unglücklichoi" Brüder, die tchw«' 
tedrürkt sind. Ihrer aoHto ich viM-gesson? Nie in ineijien» Leben. 

Oeslialli hin ieh unter ihnen. W'olil weis.« ich. dnss tin^^rfm 
Streben viele Hinileniis.se entgegenstehen ; aber jede Hewrjjung fin'lpt 
Hindernisae. und IVülier oder s|Hilor iriumphiei't inuii über sie. 

U-h weiss nuch, dass irenide unter uns Juden sieh die ßndcn. die 
iin.i V\'iderstnnd t»nt|;ef;enselzen : Hber ieh bin ühei-^eUKt, da^s uiiseiM' 
Ht'tte>»un»r nxioh iiher diese Hindernisse hinwepkt»mm»>n wird, fn^fri' 
liojmer bestehen aus nieln*eren Cateponeii. Die ein<»n wollen vtim 
Jiidenlhunie nichts wissen. Das Wort .Jude dunkt ihnen veriichtliph- 
Älojre der ICwipe sie erleuchten 1 

, Eine nndere fale^oriv' besteht aus den Leuten, die frei und 
^lücktii'h in il)ren Heimallundern leben und im Zioni::s[i)us eine Oefiihr 
für ihr Wohler»<el»en und ihre Ruhe sehen. Diese niuss ninii über- 
zeugen. dHi^s der y^ioni.snui» nur hohe, edle Ziele verrolfjcl und keim* 
Gefahr für sie in sieh bij-gt. 

.Anderü -fürchten, dass in dorn Moment, wo wir in dem Lande, 
das wir Jür unser Volk wünschen. Krfolge erzielen. Ileinhthümer rr- 
werbeu. der Neid irgend einer Nnliun. die uns jetzt wohlwollend «esiuni. 
erwftt^ben und unser Volk in grosses Klend ftesturzt würde. 

Ihnen, meine Herren, ist sieherlieh d?r Enist dit^ser ßeltirchtuii)!^ 
nicht (»nt^nng^en. Sie werden tue <Tariuitien zu zeigen hnben, die 
für die .Sichorunjr unserer iCri-untfenschiilten niiÄtrohen. 

Nun komme ich zur Oi'thodoxie, die tni Zionismus einen P< 
unserer Traditionen erblicken will. Auch ich hatte noch im von, 
tlahre einen Artikel im ..Corriere Israelilico" verönVntlichl, der solcl 
Returrhtungon aussprach. Jedoch nach den Heden der Herren Dr. HeivJ 
und Dr. Nordau wiu'd ich überzeugt, dass diese Befürchtung imbc- 
grUndet war. 

Der Orthodoxe kann sieh ja beute ^Kir nicht um ürrentUcliefi 
l^ben hetheili>?en. Kidweder er verzichtet darauf, slrenvte nach den «ti«- 
ßetzen seiner Religion zu leben odt-r er vernichtet seine Zukunl^ und 
seine F«niilip. Jedes bescheidene Amt ist ihm ja versap^, wenn er sicli 
ftciner Umgebung nicht anbeijuenit. 

Ich will auch von unseren Frauen spivcben. die der Ueliflrion giuu 
gleiclij.nl tig gegenüberstehen. 

Hier ist Arbeit für den Zionismus, 

leb bitte min über Folgendes ah/ustinimeu: 

t. Da» ganze Prot^'umm des Zioni^niua müge überall durch dio 
Publidtiit bekannt gemacht werden, 

2. Das Programm soll solche Aufklärungen enthalten, dass all* 
zweifelnden Oemüther liendiigi werden. 

3. Das Proginmni soll in alle Culturspriichen übersetzt werdet» 
und an allen iinsoren Vereinigutigsorten afflchi^rt wprdnn, 

4. l.'nter unseren (;i)iul'»*tisgenossen sollen zionistische Zeitungen 
zahlreich vftrbreilet weMlen. 

Möge mit dei' Hilfe des Allmüchtigen unser Ziel erreldik werden. 

V'ora. Dl'. Nordau: Der Beifjill. mit dem die Wf>i*te de.« Rabbiners 
Sonnino aurgenommen wurden, zeiift. das» d^r Congress diese Red*» 
verslanden hat. rcbenlies ist eine tVonzüsische L'ebersetV-ung iler Hede^ 
jcedruckt untcT die .■Xuwt'senden verlboill worden. Wenn trotzilem ge- 
wünscht wird, dass dei* Inhalt sklvizlert würde, bin ich dazu gern bereit. 
Ich glaube atior, wir sollten mit der Zeit Mo.s.^ halten. (Zustimmung.! 




— «.t — 



Es lie^ ein Antj-ni; dc^ Üerrii 13 a m b ii & vor, welcher liMitet: 

„Wir bilten, übpr die Hrofnanimrorenite des Herrn Pi-of M ;) n il e 1- 

Istamin in kt'ine Dis<Mission eiiuuiroUMi, um datlurcli din Ziistirmiumi; 

jder Versiunniluri« ku ilen ffrotisen (ipsi»'htÄpunkl*n. dJo HtM*r I'i'üf, 

1^1 an d e ] s t n lu DI iiuf]ccpst»'llt lim. nusziidrückpn.*' (Leblinfter Botlall,) 

Del. Bambus: loh »fluube ktiuiii ineinciu AnlrAgeeiiio Bofiirwartun^; 

[bt-ifujf^n zu müöseii. Tlmtsiiidilioh stlinuioii wir bis nuf wonl^o Eirxcl- 

j Jieiten in iilleii PunkttMi mit Herni .M a ii d e 1 st Hmm iiberein und wir 

würden dm Kindnirk nur /,er3iiir»?n. wenn wir an Einzelheiten eine 

'kleinliche Kritik unknUpTeti würden. Pn wir nun mit Herrn Mandel- 

fi t n ni \n übereiniillmpioii. so gloube ich. sollen wir nicht weiter 

Uebfittieren. uinscjinehr. nis. wenn einer od<»r der nnilere wirklieli au 

r*-intMi Punkt Hirzukiiüpfen wünscht, die weit^^ren Punkte der Tuf^es- 

tirdnuoK lujrh Ktniüuptid dtiKU OolcKenheit bieten. (/CuRtiinmung.) 

Vor«. Dr. Nordau ; Da kein Ü'iderpiprueh laut wurde, nehme ich 
i^n. dasR d)'r AntrriK einKilnimiK angenommen ist. [BcirtiH und 
KBfldeklntfichpn.t 

Die on^lisrhcn Dele^ii4n werden aufjoref ordert, heute uin- 9 Uhr 
nuf dem Commei's i*ich zu vqi'sammeln. um i'ine BerathunR ahzu- 
hnllen. 

Der nä<'hste Pj-üununmiuinkt betrifft ilie C o 1 on i ^n t, i o n. 
Beriehter.'itntter ist Herr M o / k i n (Lebhnfter Beifall und Hiinde- 
klat:3chen.) 

V e r e b r l c V e r s a ni m I u ii ^ ! 

Ende April dieses Jalires wurde in Wiener Vorconfeieir/eii, 

(zu welchen ausser dem Wiener Centralcamite noch eine iVuzalil 
«ii-swärtijfer Zionislt'n hinziijrezoppn worden, der einslinimi^ an- 
germrnnierie Besrhiuss ^rpfa.-jsl, Hnc rntorsunlmnir über die sociak'ii 
.und ükononiisdien Verhältnisse der -luden in Palästina an.slellen 
eu lassen. Dieser Beschluss bezop sich eigentlich auf die alt- 
eingesessene Bevülkeruiii;, um in Erfaluung zu bringen, welche 
Aussichten die palästinensischen Elemente för die Zukunft bieten, 
und nb die.-^elben eventuell für colonisuloriscbe oder induslrielle 

IUnteniehiunn};en geeiynel seien. Bald wurde es jedindi klar, dass 
die Kürze dpr Zeit eine derarlige gründliche Arbeit nicht zulasse: 
<ier betreffende Beschluss wurde deswegen zugleich verengert und 
jprweilert. Die l'ntersuchung sollte nunmehr die gesannnio jüdische 
HevÖlkenuig Palästinas mit besonderer Berücksichtigung der 
<!!olonien imilu-sscn, atidererselts keine abgeschlossene Arbeit 
schairen : die Forderung Wurde gtslellt, einen Bliek iu das gegen- 
wärtige jüdische Palästina zu Uiun, so weil es geht, statistische 
Daten zu sanuiifla und vor allem die Impressionen sodal- und 
vftlkerpsychologischer Nalur dem C.ongresse wiederzugeben. Erst 
naclidi'in diese Einschränkung vorgenouinien worden, konnte icti 
mich enlschliessen. diesen Auftrag zu Obernehnien. während icli 
is vorher abgelehnt halte, eine bis zum Congresse un au sfü lirbare 
|lJntersudiung anzustellen. 

Damit habe ich auch das Tlienia, über welches ich hier zu 

[fiprecben Iiabe, pnidsierl und zugleich festgestellt, worüber ich 

flicht s p e r i e 1 1 sprechen werde. Mein Vortrag wird nicht die 



i 

I 

i 




— iüo ^ 

Frage der Colonisation behandeln, ubschoii oc 
vielmehr neben meinen IHiltheilungen unwillkörlich mei 
subjecliven Ansichten bezüglich der bisherigen und der vorzfli 
nehmenden CoIonisatiQii hervorleuchten werden. Un ganzen aber 
habe ich einen Bericht zu erstatten und keine principielle Ab- 
handlung zu gewähren. Mein Thema lautet: Der gegenwärti ge 
Zustand des jüdischen Palästina. fl 

Zu dicyem Zwecke habe ich zuna Theil direct statistischÄ 
Material sanuneln lassen, theilweise wurde mir Gesanuneltes in 
bereitwiUigster Weise zur Verfügung gestellt, wofür ich von hier 
aus meinen besonderen Dank ausdrücke, ohne Namen nennen zu 
können. Bisweilen hfibe ich auch von bereits veröffentlichtem 
Material Gebrauch gemacht, aber mit grosser Vorsicht. Angaben 
über die Verhältnisse in Palästina habe icli kriliscii benützt und 
mich bemüht, mir Enlhaltsamkeil aufzuerlegen. Ober manches bin 
ich zur Tapesordnunsr übcrpepangen, wenn ich nicht durch Beob- 
achtung oder Mittlicihmgen glaubwürdiger Personen von der 
Walirliaftigkeit der betreuenden Behauptung überzeugt worden. 
Das war eben das Schwierige an meinem neun wöchentlichen 
Studiim» an Ort und Stolle, dass ich gar oft zweifeln rnuäsle. ob 
meine Eindrücke die richtigen sind. Ich kam in das Liind unserer 
HiilTnung mit der AI>sicht, um die Wahrheit kennen zu lernen 
und dieselbe weiter hinaus zu triigen, :iber auf Scixrilt und TrÜt 
musste ich einsehen, wie schwierig diese Aufgabe in einem LanS 
ist, das sich fortwährend beobachtet glaubt, das hundertemal hP 
schrieben wini und ein Feld unmisges**tzler lOxpcrimente bildet* 
Da die wichtigsten l^t-ln-nsiiitpresf^eii eines j/rossen Percentsalzes 
der Bevölkerung von diesen BeschriMbungen abhängt^ so hat swi 
eine Schulung der Beeinflussung herausgebildet, so dass dfl 
Beobacliler leicht ein vollkommen falsches oder sctdefes Bild vmf 
den thatsüchlichen Verhältnissen erhalten kann. Kö gatt darum 
für mich, wie für jeden Besucher Palästinas, mich möglichst von 
diesem Unislande zu cniainiijieien. So weit es indes im Laufe 
zweier Monate möglich, glaube ich. Dank einigen Vorkenntnissen 
und planmässiger und bewusster Beobachtung eine ziemlich walwheits- 
geniässe Vorstellung erlangt zu haben. Die ganze Zeit meines 
AufenttiJiltes habe ich trotz der ungeeignetsten Zeil rastlos aus- 
nützen köiiiien. abgesehen von einer fünflfigi^en Störung, da mich 
ein heftiger Fiel)eranfall ans Bett fesselte. Um meinen Zweck zu 
erreiciien, bereiste ich fast alle jüdischen Kolonien, Jerusalem, 
Hebron, Tiberias, Jericho u. s. w. Ich musste mir manches ver- 
sagen, das ich so gern näher erforscht oder besichtigt hätte, aber 
ich war gezwungen, mit der Zeit ausserordentlich knapp umzu- 
gehen, um auch nur einigermassen meiner Pllichl zu genügen. 
Mein System bestand darin, mit den verschiedenartigsten Kreisen 
in Berührung zu kommen, vor allem jedoch mit möglichst vielen 



- 101 — 

Unten aii5 dem Volke Cnlerhallunjfon anzuknüpfen und achtlos 
auf ('in GesprAch Ober ihr Leben üborzuKehen. Feld und Haus, 
•^ i' und Synagoge musslen in (rffeiirnnter Weise aul'gesuchl 
, Im, wfdirend die Strasse oll die nöthige Beleuchtung ge- 
w.ilirte. Anl.'iÄs und Anhaltsiiunkt zu weiteren Studien bot. An 
Tcrachiedenen Stellen hielt icli mich längere Zeil auf, um aus 
**ijfpnT Anschauung elwns vom Leben zu beobachten, so in 
Sirhron-Jakob. Chcdera, Kiistiiüelu Rischon-Lezion. Jerusalpm. JalTa, 

Iiifl anderen Punkton nmsste icb mich mit kurzen Bcobaehtungs- 
kisten begnügen. 
Schon aus meinen früheren Worten erhellt e.s, da^s meine 
Arbeit das Thema de^ jüdischen Palästina nicht im geringilen 
' "'pft. dass eine viel gründlichere L'nlersuchung am Platze ist; 
NÜrde es rathsam sein, eine solche Untersuchung mit einer 
ren For5c!mngsart>eit zu vereinigen, wenngleich ich die feste 
.:_i^eugung hege, das« meine allgemeinen Ansichten über 
^e jüdisctien Verhältnisse auch nach einem längeren, ruhigeren 
Ddimii tlie Bestätigung finden werden. Indes handelt es sich 
!il nur darum, die Zustände und Eigen thümlichkeitcn unserer 
istin onsiochen Brüder detaillierter zu erforschen, sondern es 
' von allergrössler Wichtigkeit, das Land genau zu studieren, 
nc vollkonunen au.'igearbeilete Ansicht über die klimatischen und 
. Miischen Verhältnisse zu erlangen, die Aussichten und Möglich- 
I neuer Industrien, sowie lÜe legislalorischen Verhüll rii^se 
liustoilen. wodurch wir Klarheil über ih-n Werl uml Hiclitung 
^erer Bestrebungen in höhi.>rem Masse als durch Disputationen 
hugen werden. Duith ihre ausgeprägten Zwecke würde eine 
•he Conxmission sich von den bisherigen nicliljödischen, auf 
mancher mit Unrecht als Ersatz hinweisen dürOe. scharf 
crscheiden, da sie weder kircJiJiche, noch historische, ja nicht 
wissensehaniich-geograpiiische Studien lopogi'aphischen 
nraiters verfolgen würde, ^ie würde nach einem Specialstudium, 
Daten in der Hand auf die Frage antworten können, ob das 
&j5!-ere Palästina in der Lage ist, Millionen von Juden aufzu- 
btnen. inwieweit die klimatischen Verhrdtnir^se einer niassenhaflen 
bdedelung günstig sind, unter welchen Umständen eine gedeihliche 
^k>iiisation nn^glich ist. Nur nachlier kann eine begründetere 
Dpuganda geftihrl und rationelle Thätigkeil entfaltet werden, 
dell auch, um zur Schaffung einer rtttentlich-recht liehen Basis 
[*n. Denn auch die Kenntnis des ökonomischen Wertes 
IDclü« und der Cliancen seiner Begenerierung verleiht eine 
Isse Macht. 

AlleriUngs lehlt es idchl an Untersuchungen Palästinas seitens 

SL-hiedener christlicher Völker. Ich spreche nalörlich lücht von 

unzähligen Beschreibungen, die in fndieren .lahrhunderten und 

am Anfang dieses fast ausnahmslos gebräuchlich gewesen: 



- U.IJ — 

das, waren meistens Aeusserungen bestimmter Gefühle, durch de» 
(Glauben her\'orgerufen. Jeder Stein rief Ilallucinationen henor 
und versetzte die Menschen in die TratiniweU. Welchen AVwt 
gerade TrÄiiriie auch bfi unserer liislorisrhen Arbeit babL>ii, wispert 
vfir wohl, da wir doch auch itiimer mit seelischen Slininmngfn 
reduien, aber für unsere praktische Thütigkeit und unseren Unter- 
nehniungssinn haben niu* jene Forschungen eine gewisse Be- 
deutung, die seit Mitte dieses Jahrhundert« begonnen, da sie 
theilweise auch die geologische und niotooroiogischf Seite berüd- 
sich ti gl. 

Seil den Fünfziger Jahn-n hat sidi das Interesse verschiedener 
l.ilnder Palästina zugewandt, meistens von hesliinmlen GeüolP 
Schäften ausgehend. Zuerst von Frankreich her, das seit NapnI(on3 
abenteuerlichem Zug nach I*aläslinn. :ui welchem auch zahirficite 
Forsiher theilgcnoinmen. eine besondere Aufmerksanikeit dcO 
lieiligen Stätten schenkt und im Orient den Ivatliolicismus vertrilt, 
alle katholischen Bestrebungen wahrnelunend. Sodann kominea 
England, Deutschland und Russland, immer sind es von vomherrin 
religif'se (lesichlspunkte, welche die betreffenden GeseUschallen 
veranlasst, in Palästina Einfluss zu suchen, aber allmrdilich hildet«» 
sich Machthestrebungen heraus; die Volksmassen allerdings bÜtbill 
ihnen fem. Die Literatur über diesen Gegenstand ist ins Cnpeheurt 
gewachsen, die wissenschafltiehe Form hat die kirchlictie verdrängt 
Einzelne Personen waren es anfangs, die das Land zu erforschen 
begannen, Forscher wie Ritter, Robinson, Seelzen, I.iisner, Ttibl« 
u. a. widnietfrn sich dieser Thiltigkeil. In den Sech/.iger JaliTfU 
trat eine Wendung ein. Gesellschaften wurden gegründet, ntu das 
Gebiet bis aufs genaueste zu erforschen, vor allem die berOhint* 
englische, welche in zahlreichen Arbeiten veröffenÜiclil und. wi( 
Ankel sich ausdrückt, das bedoiiteticlsle geleiittet hat. wius j^ ill 
systematischer Erforschung eines aussereurüj)rüschen I^andes ge 
schoben isL Nachher kuinmen der deutsche I^ilüslinavercin uW 
die orthodoxe Gesellscliafl. welche Mitthejiungen und Sanmielbüehei 
herausgeben, Dip Vertreter einer XaÜou beschuldigen häutig (1i< 
Vertreter der anderen, dass sie neb«i wissenscJiafl liehen un( 
kirchlichen noch andere Gedanken hegen — imd du^t? GeRMi 
seili^'keit ist unser Trost. Eine bihliftgrapliische Zusamnieiislclhm 
für das Jalu* 189i konnte ÖIO Werke und Aufsätze fiber Palästini 
aufweisen, wovon allerdings nur ein Bruclitheil Wissenschaft li'Ut'i 
(Charakter tragen. England suchte durch seine wissensch.ifllich 
Gesellschaft den franzö.-i sehen Einiluss zu stören, Deulschliin« 
gründete in aller Ruhe Colonien. während Russland möglichst nt\ 
kirctdiche Nie<lerlassungen und Hospize stiftete. 

Man braucht nur einen Blick in das gegenwärtige Palästin 
zu thun, um sich zu ül)erzengen. dass das Land ein KampfubJM 
der verschiedenen Kirchen bildet, während die türkische Regieruii 



_i_ 



— 1Ü3 — 



hHwi dicfien V'oiyünpen that-önlo? 
[ir:iiizö*isrhH Spracht* rin^reii 
[wiihrtnii t\h' nnHerf-ri Kirrhcn 
itäUT im Lande zu fru-crbi^ii ; 
liles Wortes haben nur die 



► 



zusf'hinit. Die enBÜsiilu» und 
nntcinandfT um die Horrschall. 
flirncl darauf ans^t^lif-n. maltriclle 
ämlliche Colonien im vollen Sinup 
DeuUchen in der NAhe vini Jaffn, 
!lliifa, Ucphaini pcs(.'haffpn und bild<^n darum ein niclit unbftrAchl- 
liflie». unsftssipe** Element in den (leidren. wo sie auch Ciesehüfto 
lii'Ueilii'M. Hnifls bf-^itzHii u. s. w. Di»* fratizösisrlir Kirclir hemrdit 
sich, katholisclie Dörfer von Eintjreburpjien zu ^'runden und zu 
stützen. So ist PalAslina der Jetztzeit ein buntes Gernistb von 
Wildheit nnd Touristen- und Pilpercnltur, von Europa in seinen 
Können, iihov niriit in seinem Wesen beeinflussl, von keinem 
k'inonte vftlü? bearisjinicht. 

Eine volläländiif rif-lilit:e Statistik über Einwohnerzahl ist bis 

zl nicht vortianden. Man muss zugestehen, dass die Dichtiffkt^it 

B«fvOlkerunjr nielil dazu beitrAgt. den Besucher Palästinas in 

e freudipe Stimmung zu versetnen. In ganzen Ländei-strichen 

id tbrlwährend grosse arabisclio Dörfer anzntrefTf.'n, und es ist 

e i'estslebejide ThaUaclie, dass die fruclitbarslen Gey^enden 

iseres Landen von Arabt^-n besetzt sind, so auch die viel- 

rfihiute Tesreelebene. welche auf Auge und Gemflth einen 

underbaren Eindruck macht. Die gcwtNhnlichc Angabe, dieausanit- 

hen Herirhten zusauunengesetzl ist. gehl dahin, dass Palästina 

hstens ♦i^O.oOO Personen beherbergt, doch ist diese Zald 

eifelhafler Natur. Was die (Jrösse des elioinalig:en Palästina 

etritll, so innfasst die englische Karte des Westjordanlandos 

Fhlclienraum von 19.010 Quadratkilometern, wahrend das 

Ijordanland sicherlich ein Drittel des Landes Itildet, so dass 

mit Recht von einem (iebiet von beinahe liOJJOU Qnadral- 

lonietcrn sprechen kann, das wetzen «les gebirpitrrn Hr»dens in 

rirklickeil grösser gerechnet werden kann. Indess haben ja die 

renzeu des biblischen Palästina ofl gewechselt, so dass eine 

aucli Damaskus den Juden gehörte, ebenso PhilistAa, wo ein 

iieiJ der jOdischon C()lonien sich l)efindeL Was gimz Syrien 

iibetrifTI. so soll die Oesammtzahl der Einwohner sicli auf 9Va 

lä ä^^ Millionen belaufen, d. b.. bei cii'ca 280.000 Quadratkilomeier 

Perceiil Seelen auf dem Quadratkilometer (gegen 9(> in DeutscJ»- 

lld und 11)6 in Belgien |. 

Es ist nicht meine Aufgabe, über die Frucht bajkeit des 
indes zu sprechen. Noch dürfte bislang selbst von den in der 
■Ionisation Thrdipen. niemand ein abgeschlossenes L'rlheil über 
idis gnnze Land fallen dürfen. Dazu ist ein spcoieilcs. unseren 
VfriifUtnisson und Forderungen ongepassles Studium vonnölhen, 
«her eine subjeclive Stinmiung sei gestaltet: För micli war 
t*ai5sÜna das Land der Wunder, die Fruchtbarkeit ist an manchen 
Slellon f-benso erslaunlicl». wie die Dürre des Bodens an ;Lndereu. 



lAct 



den 



pan 



Eeit 



1U4 



Man kann sagen, dass der Himmel uaildieSoiin& 



den 
dank 
Sand 
gibt 



li 



r u c li M» a r s l e n l h e 1 1 r a i a s n n a s l> j I d e n. ia ur 
den klinialischtm Verhältnissen ist I'ruchl aus Steinen und 
hervorgebraf:lit worden. Aber man täusche sich nicht: es 
Lftndei-si riebe, auf die niclit einmal der palSstinonsischp 



Himmel einwirken kann, z. B. wo die Steine, an denen PalisUiu» 
ausserordentlich, sagen wir. zu reich ist, in peschlossener Masse 
den Boden bedenken. Wer in Palästina umherreist, kann oft den 
schroft'en Ueberpang von wüster Gebend zu paradiesischer ScJiftnheit 
und blühenden Härten bewundern. So sticht die nähere üm- 
gebimg JafTas von der enll'ernleren grell ab. Es ist, wie Russegger 
schon vor TiU J.ihren schrieb, eine üppige. wiMkr.'inijfe Vegetation. 
Es ist ein Dickicht von Kei)fen, Oranjiren- und (lilronenltäuinen, 
die unter der Last ilirer goldenen Früchte sich beugen : mitten im 
lebendigsten (Jrün glüht die brennendrothe Blüte des Granal- 
buumes: die Farbeuprachl dieser Gärten gleicht tropischen Bildern. 
Diese berülmiten Bajaren belinden sich im Besitze der Araber, 
welche noch immer keine europäische Pflege anwenden. Die 
Sümpfe tragen viel dazu bei. einen solchen Reichthuni der Natur 
zu schallen, aber in allen solchen Fällen leuchtet es ein, was das Land, 
das eine wunderbare Mannigfaltigkeit der Natui-producte bietet, 
bei gifiss angelegter Bewässerung werden könnte. Die deutschen 
Colonien bilden ebenso, wie die jütüschen, geradezu Oasen. Mit 
Recht nimmt man an, dass jene Gegenden wQst sind, weil sie 
nicht hinreichend cultinert sind, weil noch nicht einmal der 
Versuch einer rationellen Cnllivierung gemacht wurde, da wir den 
Beweis haben, dass aus Sand Wein gemacht worden und in 
wüslen Ortschaften Oliven und Maulbeerbäume emporgewachsen 
sind. Aber zu gleicher Zeit konnten wir erfahren, dass vei-schiedene 
Versuche in einzeUien Colonien fehlgeschlagen sind, da sich der 
Boden als nicht ergiebig erwiesen; selbst mehrfache Kxperimenle 
mit CUilturwechsel haben nichts gefruchtet. Als zum Tbeil jahr- 
hundertelange nidd bebautes, de.'lialb aurh nicht erkainites Land 
ist es liäufig launisch und schafft nicht selten Enttäu^^chungen. 
Die Oede und Verwüstung rufen oft ein beklemmendes Gefüllt 
hervor, aber dieses verschwindet beim Anblick einer eui-opAischen 
Ansiedhmg. Winider der Natur und der riullurarbeit bildet die 
Verwandlung des Sandes von Rischon-Iiezion und der Steine von 
Sam;u-in in prangende Weinptlanzungen. Zukünftiges Studium 
wird uns letu'en, wie weit soleho \'erwandlimgen möglich. 

Wenden wir uns von der Retraclitung des Landes ab und 
richten wir unsere Aufinerksainkeil auf die jüdische Bevölkerung. 
Wie all i>t sie ? 

Seitdem das jüdische Staatswesen zerstört worden, haben 
die Juden immer wieder Versuche gemacht, sich in ihrer allen 
Heimat anzusiedeln. Ihr aclives Heldenlhum war erstickt, nachdem 



— I(Ä - 



hundertlauÄende auf Schlachtfeldtr» iinil in Befreiungskämpfen 

CrfiiJIcn, nachdem die Brutalität der Römer Palästina von den 

Juiten güsÄiibi*rt. Auch nach dem Falle Homs konnten die Juden 

nur mit Schmerzen ihres Landes, ihrer Städte, ihrer Berge ge- 

'Ipnken. .Aus dein Ileimweli riuoll ihre F*oesie'' — und das war 

«iite Volkspoesie. Einzelnnu i^elau(; t-s doch, in das Land ihrer 

Sehnsucht zu dringen. Aber alle Kämpfe und Umwälzungen. 

«■eiche das \-ielumstrittene Land hervor^rerufen. üblen vor allem 

ihre Wirkung auf die Juden aus. Unzählipc Mole wnirden sie 

iiinj:^sehlafljti*l, tielen als Opfer ihrer Sehnsucht, l'nter der tür- 

tis<hen Herrschaft bejfinnl eine regelrechte Nitnlerlassung der 

[Juden in Palästina, obgleich es auch da nicht an Verfolgungen 

rrfehll. Vor etwa 70U Jahren suchten 3<K) Rabbiner, weldie aus 

I Frankreich und England kamt'n. die jfidischc Gemeinde zu .stärken, 

I und Narluuonides erneuerte die zerstnrtefJcuieinde von Jeni:?alem. 

.\ach (ier Vertnübung <lfr Juden aus Spanien, wanderte ein Theil 

Idtrselben nach Jernsaleni. während gleichzeitig etwa eine jüdische 

ICenieinde in Saffed gegründet. Vor mehr als 300 Jahren Iral 

Irine Scheidung zwisclien den sephnrdisrhen und aselikcnasischen 

(JtxJen hennr. Die aschkenasische (leineind«^ wurde am Anfange 

»i*s 17. JiilirlumderU verlolgl und vernichtet, im Jahre lÜMU von 

Ft. Jehuiia fihnssid. dessen Name sagenumwoben i.^t. witnier er- 

Dewert, und war nachher von neuem dem Verfalle nahe. Erst seit 

pdl! findet be.-tärulige Einw:uiderung asclikenaslscher Juden statt 

lind erleidet eineStAnmg mit dem Beginne der Massencinwanderunp. 

liri Laufe dieses Jahrhunderts wächst auch die jüdische Bevölkenmg 

»on Tiberias. Hebron. Saffed u. s. w. und erweckt das Interesse 

arupäischer Juden. Es beginnt eine Reihe von Wohlthäligkeits- 

rfmdungen. die Armut und die Bettelei werden sanctioniert. Und 

nit dem Wachsthum der Bevfllkenmg wächst auch gleichzeitig der 

huiali^^nus, die Heuchelei und Intriguensucht. 

Im Jahre ISÖii wir«! der erste kfdine Versuch gemacht, 
CuUur in Jerusalem hineinzutragen : eine europäische Schule zur 
Ziehung von Knaben, die Löwelsohule, wird gegründet. Der 
dfe nad», wenn auch noch verfehll, kommt eine neue Wendung 
r» Jahre 1870 für die Gesanuntjudenheit Palästinas durch die 
Sn'mdvuig von Mikweh-Israel, der ersten jüdischen Ackerbauschule, 
Ina Kreiuieux enthusiastisch aufgenommen. 

Aber eine wirkliche Umwälzung bedeutet für die Jerusaiemer 
Bmlen der Beginn der (Kolonisation. Wie von einer inneren 
itovolution werden die paläslinensisihen Juden aufgerüttelt, und 
»in Sturm der Entrüstung erhebt sich ob der Umwertung aller 
^'eite. Während jedoch die Führer und Leiter die neue Ein- 
Kandening mit fanatisclieui Hass verfolgt, den liauptsächlich wohl 
lancli malerieile Interessen eingaben, beginnt in den unteren Volks- 
licfaiclitcn. Dank der Thätigkeil intelligenter Zionsfreunde, eine 




— 106 — 

andere Stimmung gegenüber der NViienmg aufKukununen und 
wird immer ma^sjrebi^nfW für die patäj^tinensischp BcTölkenuifr. 
So .«jnd wir jetzt mitlrn in der DänmieraiipszeiL Wprfen «ir 
»■inr-n Bück in das ge^eon'ärtige JertL-^lem. TheilweiseaiifTrümniem 
d**?; alt^n »^rbaut liat es wenig Beziehungen zum biblischen, keine 
la^hrißen, kaum Xauien. s<inst gerinKe K<rsle. An Giäb4?ra aller- 
dings ist kein Mao^I. und eine Spur ehemaliger (SrÖsse ii^t auch 
onch Torlianden : die Klagemauer, schon seit Jahrhunderten von 
jüdischen Tlirdnen benetzt und mit imzähUgen Sagen. Legenden 
und gehermni?vnl!en Märchen ausgeslattel. Der frcimmgtftubigc» 
wie der heurhipri>che Jude sind in gleichf^r \Vei*e an dieser 
Ibuer zu finden, echtes Gefühl und Zur^hautragen erkünstelter 
Extase net>eneinander. So kann man den äus>erMi ViTf»!) 
an?«4-er materiellem ExL-^tenz. wie die Entartung uoseres inneren 
Wesens an derselben Stiltle beobachten. Und für uns. da wir an 
neues Lehen denken, ist diese Khigeinaner srhrecktich. sie er- 
innert an (iohis und Anomalie: es ist kein Weinen, es ist ein 
Stdhnen. Cm die Klagemauer und die Gr^er dreht sich der 
Gedankenkreis der meisten : alletü mahnt den Jerusalemer Juden 
an Tod and Verfall. Die eineiige Grösse begeistert ihn nicht : 
solche llerrliehktiteii s<'hafll man nicht aus eigener Kraft, aber sie 
kAimen nicht für inutier vergänglieh sein, so denkt er. Also hofTt 
er zuweilen, aber seine wundenidiöne Hoffnung ist überirdi'^ber 
Natur, ist fürs Leben Todeshauch. Das Gefühl des Verfalles 
Torlässt den Jerusalemer Juden niemals, aucti in seineui winzi|^n 
Dasein nicht Denn er niuss leben; aber wovon? 

Nun, wir wissen es ja, wir haben doch die gewohnte 
Antwort bei der Hand: Von der Chaluka. jaliraus. jaluwi, wird 
für diese Gesellschaft von Niehtsthuern gesammelt Bekannt sind 
jener Zorn und jene Verachtung, welclie wir alle «regenOber der 
allangesessencn Bevölkerung F'aläslin.is hegen. Wie eine Sehmaeh 
lastet dieses Sohnorrerihum auf der ganzen JudenheiL Hin und 
wieder haben sich .SUiiunen gegen die Verdainmung der Masso 
der jüdischen Bevölkerung erhoben, aber sie verlialllen ungeiiört. ■ 
Konnte doch die Thatsaehe der Chaluka nicht aus der Welt ge- 
scbatTI werden. Und es ist wahr : Nach einer fiir unsere Zwecke speciell 
angcsldllwi Statistik sind von den in Jerusalem betindüchen 16.210 
aschkfnasisrhtTi Juden nur etwa 775 auszunehmen, die keine 
Chaluka empfangen. Es genügt indess, die 8unmien kennen zu 
lernen, welche die Jerusalemer Juden erhalten, um einzuselien. 
dass man von solchen Stützen nicht nur nicht leben, sondern 
auch m'pht hungern kann. Vor uns liegt folgende Tal»elle: In 
Jeru^taUTn gibt es nach einer sorgfäjtij; angefertigten .Statistik 
(regen wütig 1*8.254 Juden, von denen lö.ilti aschkenasüvher und 
I3J)3$ sephardi^cber Abstammmig sind; zu den letzteren sind 
auch grusini^cbe. persisclie. jemenitische, buchaiisdie u. &. w. 



- M)7 — 

(H^rwhni'l. Die oflidellpn Chalukasummen. welche recht häuÜp 
Mwilemi gekürzt weitlon, sinH nach itf-n KnleHm fol^eiule: 

Ich bitte die D;iint'n und Herren, mir e-; nieht fibd au 
neliniea, da^ ich hAuli;f Zahlen vorbringe, denn nur so kiiun man 
»ine richtige Vorstelhuijr bekiuniTinn. (ZustimminiK-) 

Aschkenatiini. 

Seelen Frcs. Jiihrps^eld pro Seele 

Wilna and Sainnt 5130 iZ 

Slonhii 130 23—38 

Minsk 075 IG 

lirodn'» H15(J 21 

Pinsk 7CX) 6 

Karlin 3ü5 6 

'!Imbod(Anhjinper einer beslinniiten 

Zaddik's Kamiiie) 910 33 

ffriiisrusslüiid tiöU IG 

Warschau 1340 „26—130 

Ssuw-alk GIG 31 

tt'olhynien IIGO IG 

ßl^ssonibien 18U U 

Ofstenridi tl9() Sd 

riipani 9S0 nu 

Holland und Deutsehland ... 170 IGÜ 

Moldau oUO 13 , 

Wiilarhei 120 13 

Ohne Kol-'l 600 31 

Ausserdem sind noch 75 unierikanische Juden, itie ''iiu'» 
Specialcolel gründen wollen, und 775 aus verschiedenen Länden», 
Weiche die Chaluka versrhuifthen. 

Zusammen 15.216 S(-elHn, 

WuH die i;i.038 sepliardischen Juden anbelnfH, so erhaUen 
von ihnen nur sehr wenige, die Ärmsten. 3'/» frcs. per Seele 
Jahresätütze. wfdin-nd der l.fiwcnantheil fTir Stadtausgaben und 
hanpliAehlieh (ur Cliaclianiiiii (ofliciel! 7—55 Frs. per Seele), 
die .Zier Israels" genannt, verwemlot wird. 

Wenn man bedenkt, dass auch von den 11.141 a:?chkenasi seilen 
iuden. die Stütze erhalten, 4650 (3^2Percenl) eine Jahressubvenlion 
Ton 6 — IG Krcs. und S4H0 (ä8 Pcirentj eine eolclie von nur 
6 — 23 Krcs. erhalten, so leuchtet es von vornherein ein, dass die sephar- 
dischen, wie die asrhkenasischen Juden zum allergrrisstenTlieile riarauf 
:m^ewiesensind.sirhirgondcinpnl'>werb zu suchen. Nurdiel lÖOSeolen 
ans rntrarn, Holland und Ueulschland. welche HO. resp. IGO Frcs, pro 
Seele Jahressubvenlitm erhalte-n, und eine Anzahl sepliardischer 
Jadisonim können von der Chaluka exisÜeren, weil sie noch ausser- 
"Jcni von \ViihIlhfltipkeitsanj;talten freie Wohnungen erhalteji. Oie 
billigen Tausende jüdischer Familien beJinden sich in einer der- 



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MiwAi FaaAai. so «4«:» 
ltf> irlAMiMiiffc ond 140 ifpImiBulii riwgiw «e jeanVrr- 
Mlyni von fiber tOJX» Fr. bealzeiL abir »di dMS« Gelfa- sind 
iMMn» todli« CafÜML Man IMii dort sete- viele Jaden. <fi» am 
weslpe XetaSka. 30—60 Cenfinws Ta^csMn berat sflidL tdiwcf* 
A/bcA ■iiii^hiiiL Woher ^>er sol dort Arbeil luibinden sein, 
da CS beiae jMbrhe jldberiAaberdlEctwif ak GnuXbtfr^A, udA 
dh Xicmadn» entweder etn robe& bed&rihisbs«? EleMi< fadden. 
vir die Aisbo, oder ein bofierlBs. wie die fr mwna i iMiHd wa eaaislftL 
So M «ioe TliatoMbe. dus «De diese Handwifcier and KWin- 
krteMT ftniodfr aulx e bi e n . in dftcteno LOcfaem wafanea. die 
SUScn t^feäcb, von np*nd voba* enien zwcifaftiaflen L äblwhi i imq 
evbalUn und gnnenfaalt^ Dänste nassträmen. Kaom xtrmat^ man 
aacb mr wenige SGnalen in diesen lahDo^en Woltnanpen =3ch 
infTidirtea nod n iiu deit äcb iniBier Ofeehr. irenn man nut ^f^^n 
UnflicfcfidMai in esne Viderfaalhiiig grrflth. Aurh diese alt^r«^ 
■taaiytwi Menscfacn kAnncn ftUen. io Zorn fcecatben nnd ruwt-ileii 
utgmr Ifoffcungien hejreo. DieiMS persooifideiie Eleftd besitzt eine 
ZÜni^jdU diie uQ» ao unserHi Stamm mahnL Woj: Wunder, wenn 
dtp«e in einer besteaden Athinosphärc auferzo^ene Ge^^5icfa.iR. 
der et TOT Surr ea^eaen Hei%fceft graut ofl zur B^telei ihn- 
Zoflodd oiaanL Wer da dnrcfa Strassen ipm^alems schlemiert und 
BiitUa in da« Be4ea. Klageo. Schnorre« hirieiiig^räUi. ist dartmi 
leiebl ireneiftt den Stab über Jertiäalem zu brvcfaen, und von 
WjdemrtUen r-rfk«*L wird er au? den ersten ol>erfl&rhlicheQ Ejn- 
driirken scioe äddfiase ziehen, ohne S|weu vom WHzen zu andern. 
Di« MeMieH Ofll der Ninderbeit zum OpU^; das riiKlück wird 
verdammt. 

Allerding» güA ea iteit der Mitle dieses Jahrbundertf Be^tre- 
bunten, weictie daraur zielen, das Los der Jeru>nlemer Juden zu 



- lOtf — 



mildern. Krankc-nhäuspr und Schulen werden von der Allianre 
Isnielite, den Rothschilds u. a. geprnndel, Häuser werden von 
verschiedenen Personen, so auch von Monleliore, fiir biUige oder 
frao Wohnungen gehsuit, aher alle Anstallen tragen den Stempel 
der Wohllhiltigkeit und ht^rülircn kaum die Ohorfljlrlip. Der Mangel 
eiiier ökonomischen (Inmdlage wird nicht ahgpschafTt. t'nd dazu 
komml noch ein anderer wichtiger I'mstand. der das ganze jüdi- 
sche Loben in Jerusalem vergiftet. Ich meine die Zerrissenheil und 
Zerspallung, die unendlichen Intriguen. Da gibt es nicht blos 
aH-hkenasiftche und scphardische Juden, sondern solche nach 
Ländern, Provinzen, {louvernemt-nts. Dank diest-n gesonderten 
Verwaltungen schmelzen die zu vertheilenden traben arg zusammen, 
Dftchdein sie schon Iheilweise an den Orten der Sanimhuigeii in 
imverliilliüsmäsäiger Weise gekürzt worden. Der Kampf ums 
Brot schaflt specielle Leidenschaften, hetzt die Kolelim gegpn- 
tiiiaiider. erweckt heuchli*risi'lii*n Fanatihmu.»;. Auch der Üff einge- 
wurzelte Hass der Kolclimlülircr gegen die Colonisalion und Colo- 
tustea entspringt unzwcilelhult solchen Ursachen. In diesem Rampl 
hat der Fanatismus oll die hässlichsten Mittel angewendet, lügen- 
hafte Pamphlete verbreitet und selbst zur Polizei gegrifTen. Nur 
liic Angst vur der (tesanmitjudenhcil bändigt sie oll. Ab«r was 
hnben diese Elemente mit den hungernden Volks^rnnsden gemein? 

Eine compacte Masse bilden demnach dip Jerusalenier Juden 
nichL Das Ghello hat sie zusammengewürfelt und eine bunt- 
scheckige Menge erzcugU Wir lesen in der MatmigfaHigkeit der 
Anoniaiien. die da hervortreten, unsere (»esclnrlite und unsere 
Leiden. Wer ein Bild des gesamniteii jtVUsclien Volkes, von seiner 
Zertlftltung und Verstßnmielung hckoinmen will, der suche alle 
mssbcii-polnischen, galizischen. österreichis<*hen. ungaiischen, 
holländischen, westeurnpäjsclien. rumrinischen, grusinischen, jenie- 
nili§chen, persischen, buchanschen Juden auf, und dazu noch die 
ipajriiolisclien. Letztere interessierten micli in erhöhtem Masse, 
weil ich mich inimerwälu*end grosser Namen erinnerte. Das sind 
tlio Nachkommen der Jehuda Hale\n, frabirol, Maimonides. Und 
wiä ial ihnen geblieben? Kaum eine Spur jenes (»eistes. jener 
Lfrl»endigkeit und Ueffdügung. Die spiignolischen Juden kamen mir 
wie verzanberie Pi'inzen vor, die den Dfirnröschenschlaf dtircli- 
Duiclieii. Nur ihre Grandezza, ihre (Jemessenheit und Vornelunlieil, 
die lebhaft von dem Wesen des aschkenasischen Juden absticht 
winnert an das ehemalige Temperament, an ein grossangelegtes 
U'ben. Und alle diese Juden zusammen bilden eine furchtbare 
Anklage gegen die Verl'olgungetr seitens aller Völker und dürften 
ii«i denkenden und fühlenden Nichljuden tieftraurig stirmnen: 
w äelit diis Werk seiner Hände aus. (Lebhafter Beifall und 
HOndeklalM'her».) 




J 



le mmnnPKP «nrn rnt der Stittli* tleif 
Jcrusalemer Juden dou Mulh yoruuhl; er lässl sich von der aiiderL'ii_ 
ItevöIkonmK dif grösslen Beloidigungon gefallen. Wohl ist es »uc 
ilei- Duft der Ueihykeit, der sie gegenüber allen VerunKlinipfiinpei 
gk'ichjfilüg genmchl, sie geniessen das Gohi§ der Knlwriniijfiinjc 
mit Wnnni'. Einen wirklichen Riihepunkl hielel den dorligeu 
.ludert der Sunniibend. der sie gänzli<*li in die fdjerii'dische W'hrlL 
veijfelzt. Ich muss es mir versagen, alie psycho Ingisehen Seiteu 
des Jerüsaleitier jüdischen Lebens zu scbildcid, icli dinfle sie hier 
auf dem (lonjrrcssc mir andenl.cn, 

Cnd nie in Jerusalem, sn sieht es amh in allen Stadien 
aus, in wek-bf-n Juden woluien. 

Gegen\y:ulig ^;il)l es in Palästina ausser den Colonieii 
foljrende Anzahl von Juden : 

Jenisaleni iiS^O* 

Hebron \Mii 

Jana 3,0OU 

Gaza 75 

Handch !*>(> 

Akka lao 

Hairi 1375 

Sidon 780 

Tiberias ääOti 

bafl'od lili^iÜ 

Nablus lai» 

Anderp Ortschaften 30 

45J6!l 

Die Armut soll in SaflFar, Tiberias und Hebron noch grösser 
als in Jenisnleni sein. Woliin man auch kommen mag. hört inan 
_ die Klage nach Arbeit, nacii Land. Als ich in Hebron rnil einem 
Synagogendiener ein Gespräch darüber unknfipfle, ob denn 
Familien vorhanden, die Landarbeit treiben würden, da entwickelte 
der sonst nicht beredte Jlann eine wahrhafte Jitictorik; ich halte 
idVerd>ar den Punkt berührt, der ihn am meisten interessiert. 
Dutzende von Familien seien sofort bereit, dem Hufe der Ariieil 
XU folgen, eine Behauptung, wehihe mir vom dortigen Arzte be- 
stätigt winde. Ich hatte oft genug die Gelegenheit. Juden aus den 
StAdten arbeiten zu sehen, nicht nur in Jerusalem, sondern auch 
in v(?rschtedenen Golt>nien, so in Hosch-Fina, wo eiwa 70-8tt 
SalTeder Jünglinge und Mädchen in der dortigen Seidenfabrik um 
wenige Piaster täglichen Lohnes aibeiten, so in der FAsserfabrik 
von Sirliron- Jakob, wo der Tageslohn die Höhe von 2 — 5 Fr. 
orreichl, so im Keller von Hischon-Lezion. überhaupt in vielen 
Holhschild'srhen Anlagen, in welchen indes die l^ariser Anordnung, 
das?) nur Juden in denselben arbeiten sollen, von der Administra- 





- 111 - 

lipo leider uingaugen win\. iiini uucli bei eirifacfien Colonisteri, 
Indes zwingt die Noth verschiedene weiter zu wandern, nicht nur 
itach Diiiiiasjkus. Br-yrul, Aleppo. sondern auch nach England, 
Amerika und sogar SiKlafrika. Ihre einzipe Hoffnung setzen die 
i'alristinonser Juden oder die besseren Elemente nuler iluion 
[ioMuf, dass die (loIünisatioiisLtiätlgkeit sich in Zukunft auch auf 
sie erstrecken wird, zumal sich unter ihnen sehr viele belinden. 
(lip, fast bedürfnislos, .illen Srhwierigkeiten der f:olonisa(ion ge- 
\rach5en sind und es selbst mit den Arabern aufnehmen können: 
/. B. die jemenilisehpu. die in Jerusalem den schwersten Arbeilen 
m\\ iinlcrziplien. Pie Frajre, ob nicht bald (Kolonien von ein- 
pehorenen Juden t'^gründet werden, ist demnach in Palflstina eine 
i-rr-nnende. So konnti- sieh auch in Jerusalem eine Gesellsclian 
.Jischuh t-Tez hakodesch" bilden, die zwar über wenige Mittel 
vrlügt. aber mil Ener(?ie den Gedanken di\s l^andlchms und der 
i.audai'i)eit propagiert. Dies ist einer der besten Erfolge der bis- 
Wigen 1 Kolonisation. 

So sind wir denn zu demjenigen Thema gelangt, das wohl 
|<liesp VersaminUmg in meinem Vorlrag am nu'isten interessiert. 
Jitr Kolonisation Palästinas imd ihren bisherigen Erfolgen. Was 
(laben die Juden durch die ("olonisation erreieht? 

Zunäclist Statistisches über den Besitz von Land in den 
HüiDdeu von Juden. 

U InJehudah fPaschalik Jerusalem). , 

1. älikweh-lsrael. Ackerbau schule der All. Isr. . . . 2.G00 Dun. 
i. Kischun-Lezion, zum grossen Theile von Rothsclüld 

unterstützt 6.80Ü . 

^3, Waad-el-tlanin, unabhängig, j^tzt von der J. ('. A. 

untnrstützl \JKOi) . 

4, Kehuboth, unabhängig, jetzt i'inigc (lolunisten von 

der J. <:. A. unltrslölzt 10.500 . 

i. Efcron. von H. unterstützt 4.090 , 

fi. Gedera iKatra), unabhängig 3.400 , 

7. Beir-Tobia (Kastinie) von «Chov, Z." gestützt . 5.B28 . 

^. Artouf, unabhängig 5.000 , 

*K Moza, von ^Bm-ßrith" unters tützt OöO , 

in Sununa . . . 40.4CS Hun. 

11. Samaria (Huschalik J. von St. Jean d'Acre) 
Kaimakam C'.haifa. 

10. Petha-Tikwati, -theilweise von R. unterstützt . , 13.850 Dun. 

U. Kaf V. Laba, im Privatbesitz 7.500 , 

Jl lled.>rah. unabhängig, theilweise H 2Ü.SS0 . 



13. Sichron- Jakob 

14. Em-el-Djemal 

15. Scheweja 
10. Tantourah 

ehem. Glasfalirik 
67. Ablil 



- 112- 

von R. geslfiUl 

Eigenlhum von R. 



20.000 Dun. 



Insgfsainmt 



7l.:530 Dun. 



in. Ober-Galilfia (Paschalik J. von Sl. Jean d'Acre) 
Kaintakani Safled. 

18. Rosch-Pina, von R. unlerslölzl U.Oüü Dun. 

U». Ain-Zeiun. früher .Dorsche Zion" 5.600 , 

äO. Miftciiniar-Hajarden, von der J. ('.. A. gestützt . :*.iJ80 ^ 

31. Jpssnri-Haniaak'li, von lt. nnterslfttzt 1?.5U0 

i.>:^. Meron. itn IViv.itbesitz 2.000 

^'6. Mahaii;iim, künftige Colonie von ,Ahaw. Zion" . 8.5Ü0 

24. Sedjtra und LTnigebung, PrivaLbesitz 27.UÜ0 

25. Mtella, von H. gestützt . 12.000 l 

Insgesamml . . . 83.0SO Dun. 

IV. Transjordanieu (Vilajet Damaskus, Hauran.) 

9fi. Bene Jehuda — Londoner ,Chov. Zion" .... 3.500 Dun. 

27. Sahem-Djolan — Besitz von H 30.t'.00 . 

'28. Besitz der .Chowewe-Zion" von New-York . . 8.000 . 

2U. , einer runiftnischen Gesellschaft lO.OÜO 

30. , , Ges.^lUchaa von Montreal .... 4.000 

31. . , , , Chirago 2.-^00 

33. , , ^ , Jekaterinoslaw . . 14.000 

In.sgesammt . . . 73.(500 Dun. 
Also in ganz Palästina 268.278 Dun., d. h. etwa, 25.000 Hektar. 

Was die Zald der Kinwohiier in den Colonien anbetrifll 
3u vertheilt sie sich folgetidermasscn: 

I. 1. Mikweh-Israel (etwa) .... 925 _ 

2. Ilischon l^ezion 531 

3. Waad-el-Hanin 121 

4. Kechüwoth 2S1 

5. Ekrou 150 

6. Katia 69 

7. Artouf 28 

8. Kasiinie . . . , 105 

9. Moza . . . ..:... . 15 

Zusammen . . . 1535 



n. l. Pela-Tikwa 802 

2. HetU-ra 153 

y. Sirliron-,)akob 870 

4. Em-cl-Djeniüi 98 

5. ScJieweja . . ..,,,.. 110 

Zusammen . . . 20;^3 

III, Hüsrh-Pina (elwu) 3l.j 

Jessod-Hatn. (olwa) UX) 

MiscJiniai-Hajarflen 93 

E» SHlnin 51 

Mlella . . 233 

Zusanimi'ii . . . 792 
InsgesaiQint i350 Einwohner. 

Selbst wt'iin man annimmt, dass die Zahlen von Ruscli-Pina, 
I •V.'tfod-Haiualeli, Mikwfli, die nicht genau sind, sich als etwas 
[crösser erweisen köniiieu. und nnch die -20 jüdistMjeii Familien von 
j Pfkiin, die 13 von .Sctiiff-Anion, 3 von Jeiiclm hinzuzählt, so dürfte 
U\ch doch die Zahl der jüdischen Kinwohner der Colonien auf nicht 
'inehr als 5000 l»eläuftMi. Im '^«nzen wohnen deinnacli in Palii- 
itiiiÄ etwas mehr als 50.0UÜ Juden. 

Die meisten jUdi.-^clii'n Cnlonieti Üben durch Aeusseres auf 
ileu Beschauer einen ungemein g;önstißen Eindruck auis. Kaum 
vorzustellen ist die DirtV-renz zwisclien einem arabischen Dorfe mit 
^(leii eng nebeneinander aufgebauten Lehmhütten und einem jfidi- 
[ma mit den schmucken HJiiiscIien, den breiten Strassen oder 
'Alleen, den zalilhwn Kucal>idusb;uinien und grctssartipen Anlagen, 
in Chederu werden 80 Hektare mit liundcrltausenden Euf^alyplns- 
baumen hepflanzt. (Lebhailer Heifall). Wer sifh da auf dem Weg^e 
iwischen 8ciiewejab. Eni-el-djemal und der Mastercolouie Sichron 
Jakob befindet, den überknnnnt oft das Gefühl innerster Befriodi- 
srunp, t'nd icli muss es gestehen, diiss mein Her/ vor Freude 
pochte, als ich durch die wunderschöne, wahrhall Ifmdlicl«' Colonie 
hischon-Lezion wanderte und die colossalen Weinprtaiizunffen be- 
frachtete, (hebhatter Beifall und Uftndeklatschen). Aber ich will 
schon gar nicht von den reichen Ansicdlnngeu reden, auch die 
anderen — mit Ausnahme weui^M»r — wirken wohtthnend; mau 
trducht nur freien Abend dem Dörfchen Kastiuie sicli zu nähern, 
um die? zu en.idinden. (Lebhafter Heifall mul iländeklHtschen). 
Sie sind fast alle schön oder angenehm, bald in der Nähe dns 
Meeres oder der Berge gelegen, von der hellleuchtenden palflsti- 
Brtisischen Sonne otler den funkelnden Sternen herrlich beleuchtet. 
^ während der unpassendsten Zeit meiner Heise, da alles durch 
^i^ brennende Sonne veilrocknet ist. da ganze Gebiete kahl au«- 
«hen. Vni wieviel schom-r muss es im Frühling sein ! 



- n4 - 



Das war das Ciheiilicbste an den Oolooien, wenigstens blieben 
diese Kindriit'k*.*, um midi piüciser auszurirücken, unaugctastei. 
Anders war es, als ich nach den anderen V^erhältnissen /u forschen 
begann. Die iiiicliisll legende Frage war: Wie stellt es um den 
nmteneJien Zustand der Colonien, ihre Aussichten, ihre Sicherheit? 

Ausser den ungefähr 3(JÜ Arbeitertamilien gibt es in den 18 
bewühuteu Colonii-n TiOü Culonisteiitaniilien mit 28:tS Seelen. Von 
diesen sind 'MM Familien mit rund 1000 ^^eeleu, unter der Leilunt; 
der Rolhschüd'schen Administration, 8 Golooien, Sichron-.lakob, 
Schewejah. Em-el-Djetnel, Roscb-Pina, Jeäsod-Hamaaleh, Km-Seluii, 
Mtella und Ekron) vollständig und 2 (Petha-Tlkwah und Hischon- 
Lezioti) theiUvfi^^e. Nui" ein ^erin^rcr Bruchtheil ist bislang in der 
Lage, oline directe Münuti^stiitze aits/.nknnimen. So erhall-en viele 
Familien bereits 15 Jahre jahraus, jidnein ihre Subventionen, Es 
ist bekannt, dass die Colonisten anfangs tast ausiialmislos sich auf 
den Ackerbau geworfen und nur allmählich zum Weinbau über- 
gegangen sind. Gegenviärtig allerdings beschälligt sich der aller- 
grösste Theil der Colonisten mit, Weinzucht oder mit Haum|iflan- 
zungen (Oliven, Mandeln, Esrogim, Oiangen etc.), während nur ein 
kleiner Tlieil Ackerbau treibt, S4) vollständig in Kastinie und 
Artouf, tbeilweise in Kalra, Chedcra u. a. Diesem Umstand ist es 
zuzuschreiben, da-<s gegenwärtig die ganze Zukunft dei- Colonion 
in materit^ller Minsicht auf dem Spiele steht. Wird der Wein sich 
dm Wollmarkt erobern? Die gewaltigen \\'einiicller von Risclion- 
Lezion und Sichron-Jakob sind voll, aber der Wein hat keinen 
Absatz. Noch nicht 2Ü Percent der im Vorjahre prodnciertcn 
Weinquantität ist verkauft worden. Wenn darin im Laufe kurzer 
Zeit keine Aendennig eintreten sollte, so droht den (_Vjlomen eine 
pi-us»u Gefahr materieller Natur, die Weinpflarizungen würden 
dann wertlos worden, die aufgewendete Mfiiie nutzlos, grosse Hoff- 
nungen zerstört werden. Auch diejenigen Colonisten. die in der 
li^lzten Zeit auf Unierstützungen verzichten konnten, wie z. B. 
diejenigen von Katra, würden unter solchen Umständen vom neuen 
in eine vollkommen unsichere Lage gerathen. 

Was dr-n Resilz anhftrifll. so ist derselbe sehr versclueden- 
ui-tig. Diejenigen, welche von einer gewissen Gleichheit unter den 
Colonisten sich Vorstellungen machen, dürlTen in Palästina recht 
arg enttfiuscfit werden. Ks gibt z. B. in Äliscbniar Besitze zwischen 
2 und 15 Hektar, VVeinpHanzungea von Vs bis I Hektar. Das 
ist all'Mdiiigs in einer derjenigen Colonien. die niclit grosse Unter- 
scliiede aufzuweisen haben. 

In Sichron, allerdings einer Colonie, die von der Administration 
vOilligverwuUel wirit, sind gewöhnlich dieWeinpflanzitn^en 5 Hektar, 
in Rechowutli gibt es Besitz von 1 87 Hektar, im DufTlischnille 
wären ".ts 8V| HekUir, von 1 bis II Hektar verpllanzt. 



I 
I 



I 




Pie Vcrllifiltin^' J::! also ilurcliatis nit'lil ^teirli, :so aiicli in 
Pellia-Tikwa. wo fs goruilezu eine zusamiiiüngewfirfelle (losollsrhari 
pM. ähnlich in Kisrhon-Lezidn u. s. w. 

Und danibpi' darf man sich auch nicht wundern. Alle di^se 
Cninniea sind ja znni grösslen Theilft von (M'st'llsrhuni?n go- 
yrfltidift wordoii. die aus \ot*s<-hii*df'n**n HesllzUiriilKihcrn hesliindon 
linbfm. Atif dem rrinslnn Grundsal/.e des Individiiali^imis. kfincs- 
«<¥s auf dtni Ii'rundsalze der Genossenschaft, sind demnach ulic 
I diese t^olonien gegründet 

Es gibl eint» finzige Holonie, die von all diesen eine gewisse 
I Ausnahme hild(>l, das ir;l näniHrh die flolonie Kutra, wo allerdings 
I 'l<T iicsilz ztrndich jrli'ioharti;^ ist. 

Sie wissen wahrsrheinlicli. das.-^ Kutra überhaupt <*ine 
mmanliscbe Ver^^aii»rtMiheit hat. Es warten ja Shidi-ntcn und 
^onslige Akadf'iiiikt'r. lUe ihre Studien anrgegelten und sieh nach 
l'nlästina gewendet hatten, um dort ein Colonislenleben xu be- 
Ifitiiien. (Lebhafter lieifall und Händeklatschen.) Schon vor 
16 JahnMi! Ich bin nicht in der Uige, auf alle Kinzelheiten der 
Leiden dieser Colnnisleii einzugeben. Ich müs-sle dan'iber einen 
ipccielleu Viirlrajf tiailen. Viellei''ht dOrfle es nicht uninteressant 
ftir^ spätere C«uip*esse gerade in der Zukunft sein, diese Ver- 
pingenheit kennen zu lernen. Denn, meine Damen und Herren, 
die erste r.olnidsation Palästinas gleicht in gewisser Beziehung 
i-inf-'in KriegTizufilande. Dnifiber dürfen wir uns nicht Itluschen. 
Lt'iden iriussten dort durchgemacht werden, die vielleicht scblinuner 
ff.irt-n. als selbst in einem Kriege. Man musste sich dort grossen 
ticfahren aussetzen utul einem Hungerleben und Kntbelirungen 
an Cüllur. wie man sie sich kaum vorstellen kann. Und das ist 
rfner der Vortheile eines grossen Theiles der f!olonisten von 
l'aUstina. dass sie dieses wohl enipfxmden haben, dass bei ihnen 
di«* Empfindung gelebt hat, dass sie die Befreiungsthat beginnen. 

Es war auch iOr die Katrenser, als sie nach Palästina 

ziongen, niclit etwa der Plan vorhanden, aucli eine Cohmie zu 

inden, sondern sie betrachteten das als einen Tlieil der Be- 

•iing d4>s jndisclieu Volkes. (l,L'l>iiafter Beifall und Händo- 

Uals4'hen.) 

Auch his zur fJcgenwart sind dort die Besitze daliei- nicht 
«elir verschieden. \airirli<li haben sie mit der Zeit sich etwas 
IMiudert. 

Da die Hesrtzthümer in den C.olotncn verschieden sind, sind 
weh ilii" Einnalunen niclil gleicInuAssig, von einigen 100 Franken 
W» zu l'J- und H.UOü Franken sich erhebend. 

Wiederum ist in Katra keine so grosse Differenz natürlich, 
^ ilori durchschnilllicli ein Clolonist etwa 2000 Frcs. jährlich 
VTitii'nu 



crörlt-rL 

AussiT Itnihschild hetheilipon sich vpisrlncdpnfr V'en?iui' 
der Subveiitioiiiormiir der Oiluiiion, in zionilich grossen Mnssi"' 
riic OdcsriatT Oosell^f^lian, nbor jclzt in noch ki'öS''''»'^^"» "'»'* »' 
«nvprliälliiisniiUsig ^jrAssfriMii Mitsoie lÜc Jcwish <^t>lii))iä:iti(>u 
Association. 

Vuri dieser Oospltsdiall sind niicli Antraben, <lie inir von 
einer j^lHnbwni'diiioii Quelle zur Vorfü^'unj; jiestelll worden siml. 
für «"Üieilcra. Hichowntli. Wiiiid-oI-CIianin. Katra, Misthnmr un<l 
.Mikweli clwa OO'Mmi) Krcs, zur Verlupiiiij: (fesk-lil worden, davon 
all"in zur liistallieruntr drr vurliunderiori 13 r;iniib'(tii und C.olotii- 
sionnig neuer 12 I'uuiilieii in Mi^rliinar l'öO.UOU Fres., zum Häu>i'i'- 
hnu in der winzigen floionie M'aad-el-Chaniii iiUU.ÜUU Kits, nriil 
lies^deielien in Chwiera 220.000 Fics. Dieso (lesellfscbaft zeiebnH 
sich vor der HotlisHiild'sehen Administration inÄOl'oriio aus, das«. 
sie direi.'l Anlfhcn und keine Unterstützung gewährt. Die Lfmdereieii 
sind auch li)'potli»-k;irij;« h verjdlichtot. und im Laufe von 20 Jahreu 
müssen die Gelder zurüekerstattet werden. 

Kini^'e floloinen hujinden sieli im reber}::inijsstadiuni. 
z.U. Sirhron und Hisclion. andere dagegen sind noch franz so'ü 
wie im Anfanp. 

Sil niaehen Uoscli-Pina, Ekrun, Pelha-Tikwah u.a., abgesehen 
von ihrem Aeussereli. einen sehr Irauiiiren Eindnick. 

l'Vrner kann ieli noeh von traurigen Uingen berichten. Alle 
r.olonien sind gefilhrdet durch die I'hylloxera, die bereits in 
pehreeklirtier Weise ia Siehron wfilhet. .Sie wissen, was diese 
schrockliehe Weinkrnnkheit in Frankreieli angeriehtel hat, dass sie 
nnp'beiiren Schaden den Weinpllanzuntreii verursaeld, dass sie 
eigentlich die Wi'inpllaitzangen total vernichtet. Im Laufe der lelzlen 
S .fahre wunlen daher che Weiniillanzurigcn geänderL An^tall der 
fnuizfl.-iisrlien Relic worden Jetzt amerikanische Heben gepflanzt. 

.So herrseht jV'tzl fiiKTall in allen Kolonien <'ine jfewissu Ln- 
■»icherheil, ein Missbehagen, das bei den Colonisten bäufi^f PessJuiSs- 
murc oder Apalliie hewirkr. 

In gewisser Heziolmn^. aber nur in gewisser Boziehnnj;, 
Itildt't eine Ausnahme die wahrhaH Klndlirhi* Aeker)Hiu-(;oh»nie 
Kai^linijel), die wegen des (ietrcideliaur-; rine etwas sichere Exi- 
MtetiZ hat. (Lehlialler Itiif'all.j leh will damit ni<-Iit gesagt halicD. 
da*«* diese Cohmie bereits ihrem Ziele vellsländig natiegen'iekt ijj|. 

Das (innze ist bis jetzt zum allergrössten Theile ein Wold- 
Hiilligkeilssyslem. 

Irh weiss, dass ich mit lÜesem Ausspruche sehr vielen nabe. 
heb'u wi-rdf. |)if (hiessner flesejlsibfin und nurli jutdere drrurtigi' 
\<'r('iiu- »Mnl'ii die Lteliauj>tung aursteilen, dass sie durehaUij liic 



] 



- 117 - 

inil ili'f WobUlulliifk«-'!! m-nieiii habon. Nun. die Motivi». welche 
iBpüp (i'est'll.srhiinon iM'ivorjronilpri Iiiib^n, sind ganz. ßo\viHi> von 
tOmtht'rein niclil \S'oIilÜi;'iliKkpilf-riM»livr' ».'puiTson, andi wird nirht 
abeotut das Wdliltliäli^'kcitrisysfcin diirclij^clührt, denn (*s wird tint* 
ffpffisvp ratinnollt,' Verwendung dor fioldor Iw^rück^iclili^d. AImt es 
iHilprlii'jrt gar k'Miinri Zwcift-I. d.iss djit^ \Voldllinii}:kiilss_vsli'iii 
[Jank den dorlijron Vf-rliAlluisswi t'Uv NoIhwrnditfkL'il j^a'^vurdon 
eJ and dasr* dicsHahor nicht aul" dt*r (Innidljijio piner piidioiHirhon 
jilatimä^sigen Arbeit {jeschiehL ■ 

hl den Fbilhs(hild's(ht?n ^'nlonicti nm^.son t\\v iVodiK-lc der 
Admiüißlralion auiigoliol>rl werden, und dann werden ih^uatsp-liier 
iTimHen, eine \virkliche Form der UnterstOlzunur, so dass es leider 
Äivar ti.iutif; den Kindnuk eines Sporles nuiclirn nmss. 
\)h' llrsarlicn. dii- (iii- ('olnni^alinn hi-mnien, siind : 
1. Die W()bllb;llij;kritsrorni: 2. lit-r Mann«') einer gcsflzliebi-n 
Jtv^fi'linii;: 3. i\vv Mangel einer völligen UetTfnllifhkeil und in 
(lii-M'iii Siime fasse ich aneh die vorjälirigen Worte ^üfTentlieh- 
n-chtliüli" auf. 

Durch die WohlthAtigkeilsrornt wiitl tlieilweise dn- Nirld- 
I arheilen herv(>rgenifen. 

Verehrte Versiunndiint,'! flerade i\u> kleine Citlmtjs.ition will 
Ij» darauf ansf-'eiit II. Mu^lerjfjllip's zu scIialTen. Al)er irerade ihe 
1 lüi'itie < 'ulimisalion kann dies iinter snlelu-n Verhrdtnissi-n nieht 
Ijelßlen. Ks Ist eine ThaUaelie, dass Colonisten. welche vor Jafiivn 
lim SchweisÄO iltrcii Angosirhtes den Boden Paiäslinns bearbeitet 
l4uben, welche eine uniii-iiener«' (1[»ferfrevidi^*keit an ih'n Ta? fityU'^l 
thnUeii, welehi* inil den ^:rös?:1ri( .Sriiwii'risrkeileii zn kilinjiren hallet) 
ruuii dieselben anrli Iiesi(%r1 haben. Dank diesem Syslerne inil (hr 
[Zeit zu einer (ileieb^nlü^rkeil herabfresiinkeii sind und zu einer 
|gv\vtäSE^n Bettelei irekonunen sind. 

leli braueln' nur auf Saniarien und Kkron hi?i/uwej?en. I'Ikriiii 

bewteiit uiH r.ojonisten. die frfiher in ihrer Meiiunl sell>sl Hauern 

I ffe^Ti-sen «ind und jrenau «n nachher in Palfislina es ^'worden 

»iiid. Die RinfTihrunp des Ranzen Systems liat dort eine vittlstänili^e 

; rmwülzniifr liervcirKeniren, darum auch i-ine Hollnun^jylusit^keit, 

, kein Selb^lbewusslsein. 

Wenn Sie mit einem f'.olnnisten in ein Privatgesprädi tfi- 
fAlhen. wt-rden Sie siels h<^ren. dass er nieiil wisse, weldie Zu- 
tainfl ihm hr'vnrsleht, er hänge niehl von sieli at), sein }^inzc>s 
Ki^i'nllnun hänge von anderen at)» er wisse nichl, welche Srhutrien 
IT Y.» bezahlen liabe, liahe nichl die Verwaltnntr <l»*r <'i»lnnie n. s. w. 

Zweitens: DuiTh die ZulällrKkeit des lljindeljis wird eine 
I'UsirherlieU gewhaden. es Ij-eleii ininierwälu*end Uenuimissi' 
'»^vnr. die eine ralionelh- Tbätiffkeil fast unnn^glicli machen, und 
UQ^rfheiire (leltlsnmnien ^iml im Laufe der 4attre vert^chiuekl 



^95rf!?n^!etteir!it nicht weniger, als (\'ip jfidiscneCölomälbank jeUt 
beansprucht, und die Leistungen entsprechen diesen Suninien ah* 
sohlt nicht. Das werden auch die allerjirrnsston Freunde der Klein- 
colonisaüon zugehen müssen. (Zustimmung.) 

Ich führte vorhin an. dass Dank den beiden Umstanden, das« 
es keine gesetzliche Regelung und keine OefTentlichkeil gibt, dies 
bewirkt wird, und nun will ich das zum Theil erklären. 

Einwnndermig. der Ktiut" von l^iuid, Hau von Häusern, alles 
hiong von Ileimiiclikoil ah. Auf öcliritt und Tritt müssle dalitt 
die Oefienilichkeil gescheut werden und weil die OeflFentlichkeit 
goäclieut werden musslo, konnton sich Kiemente hineindrfingen, 
die sicli bei vollkommener OefTentlichkeil niemals hineinpeiiränjil 
hätten. Das müssen wir hier vor dem Congress aussprechen, 
denn d;iss ist niclit bloss meine .Meinung, sondern iles grössten 
Theites aller Colonisten in Pal^sfimu (Lebhaner Beifall und IlAndo- 
k latschen.) 

Es ivar ungemein schwierig, eine oonsei(uer»le Arbeil durch- 
ziifnliren. .-^agen wir eine uonscfpu'nte Arheit war g;u" untnögUciL 
Ausserdem hal sich ein Misstraucn unter allen lierausgebild<-U da^ 
ungemein schädlich wirkt. Dank dem Umstände, dass es keine 
('onlrolierbaj-keit gibt, dass alles in dieser Heimlichkeit geschieht 
nnil m;in diese aul .Schrill uiiil Trill luiweinlfii mnss, sind ȟe 
Colonislen dort in einer Weise misslniuisch geworden, dass m.in 
sagen muss, es ist eine gewisse Heaclion in Üuieii vnrhandi'u; sie 
sind diüier auf diese Weise aucii moralisch zum Theil gesunken. 
Dennoch halien sich unwissende imd unpassende Personen hinein- 
gedrilngl, ein Proteclionisnius der unerhörtesten Art hat sich in 
Fatnslina eulwii-kfU und aus der Volkssache wurde thalsäehÜcli 
jahrelang ein .Sport. 

Sind die Juden in der biegen warl ilenumch nanem? Icli 
mu^s dai"<U)r auch nur eine halbe Antwort ^i-hcu. Ich kann dutvh> 
ans nicht sagen, dass wir seihst in Hezug anl' <liese r>()UO den- 
jenigen Znstand erreicht haben, den wir erreichen woilrn. Am 
bfslen ist es da, w(> <lie f'.olonislen auf sich angewiesen sind und 
sie llolTnnngen hegen k^mnen, so z, H. wiederum in der Colonie, 
welche ich bereits angclTihrl habe und die wert ist, als Musler- 
culonie liingt*stellt zu werdm, in der Cnlonie Kastini(> und viH 
unabhängiger in Kalra und anderen Orlen. Dh' grossen Plagen, 
die aucli speciell seitens der Administratoren gegen Siehron, Kosch- 
Pina imd Iheilweise gf^eii HiseliDn erhoben weitten. entspringen 
der llofTnungslosigkeil. Man brauch! nur mit diesen Colom'slen in 
eine Unlerhaltung zu gcrathen, um zu sehen, wie sich das all- 
Hiählirh ge.lnih^rt hui. 

Icli will .-> dnrrliaus nidd leugnen, dass in den letzten Jahren 
wne gewts<e Besserung eingi'trelru, und spceifll, meine I h'rren, 
gerade im Laufe dieses Jahres. Was die Oeffeiit liebkeil des Baseler 



maai 



- uii - 



Cor^resses gerade «Ihii Kolonisten in Palästina peiiiitzt hat, das 

mttss man jetzt dort auf Schiilt und Tritt beobachten. Die 

tblonisten sind p^'iadpzn lobend gHworde]), sie halieii erst jetzt 

H töldon ani;;('tMniren. dass es ein Wort in der Wilf gihi, die 

OHltntlicIikeit, und (lrt.«s sie ftui-li eine Stiniine vor <1«t .(udenheit 

be>-ilzeii, eine Stimme, die bis dahin verhallt ist. (Lebballer Beifall.) 

Viele reden deswegen gedankenlos in den Tag hinein» übeiall 

hen^chl grosr^e Missslimmunp pepcn die Adniinistmlion. Wir 

sprechen von der Adiiiiuistration des Baron Hothscliild. Meine 

I Herren! Ich will hier eine srharfe Scbeidunjr vornelinien. Ailnnni- 

sUation und Baron Rothschild sind ganz verschiedene Tli»?ile. Ich 

eehOre nicht zu denjenigen, welche etwa geneigt sind, Magnaten 

Hnldipiin^en darzubringen, ich habe auch nicht die Absicht, es 

iijir ant dem Goninesso geirenfiber Rothschild zu tbun, aber das 

iimss ich sagen, auf Schritt und Tritt in allen ('ohmlen im VeriaulL» 

liller L'nterJialtungen niussle ich mich überzeugen, dass t-s Rothschild 

st>ll)st ausserordentlich ernst um die ganze Angelegenheit ist, 

landanernder lebhfttter, sich immer wieder erneuernder Beifall und 

Hiindrklatschen) dass er unzweiiolbftlt dies nicht nur aus idealen 

' M'nilen ibut. sondern, das> er ancli in die eff^s-anniilcn Angelegen- 

:':i!cn der Colonisaiion wirklich sidi lunoinzunii.srbeu bcslrebl. 

Aber meine Herren! Der Weg von PalÄstina nach Paris ist 

«t und wenn man von Paris nach Palästina kommt, wie es auch 

tiflchstens sein dürfte, ertähit man eben dasjenige, was man 

Bn^erlirb zu sehen btikommt und dHS i8t berzlicli wenig. Das sind 

■Iieu nur srliniK' (\ilriiiien. 

Wu'* die Adminii«tration nun anbelriflt. so werde ich mich 

nicht so Irnn^tig Über dieselbe üus^-ern. Ich habe nicht die Absicht, 

ein absolutes VVrdanniiuugsurtiieil über die gerammte Admiuistration 

'— B.irou Rothschild zu füllen, ich will sogar uiisdiücklich be- 

"lUioH, dass es Ausnalinien auch In dieser Admini^trulion gibt, 

ich nuiss aber hinzutfijren, das« gerade die besseren Elemente hi 

^^t Administration am wenigsten Aussicht haben, zu irgend 

welchem Einfluss zu gelanjren. I>iese Aduiinislrarion ersetzt ja in 

! Beziehung die Polizei in den Colonien. Ks ist eine eigen- 

■ <>' Instilutinii. stärker und unangenehmer als die Polizei, 

l<iii willkürliches Verfahren und sehen ein Interesse fiir die Sache. 

Meist .sind die AdminisM-atioiis-Angestetllen ihrer Aufgabe nicht 

(twachsen ; das ist die grösste Beschuldigung, die gegen sie an- 

getöhrt werden kann. Aber was schlimmer ist, fast durchwegs 

fiiifht zion>fteundlich. Also meitu* Herien. in jüdischen Colonien in 

Palügiina sind iricht. die Ziitnstreunde die Vpiwalter der Colonien I 

Kä ist ein fremdes npamterithurii, das in den schwäcliercn Oolonien 

**Ibi(t über das Eigeidhum m verfügen sich erlaubt (Hört! Hful!) 

Nidil die Gesinnung oder Leistungsfilhiirkeil ist massgebend, sondern 

meist die Verwandtscbatt. Ks tiitt daiuni eine Vergiftung der 



b 



panzen Gesellscliaft eiiu Kiiizeltiu Colonislciilainilicn merkwürdigen 
Cliaraktoiä sm] /m grosser Macht gelangt und es hat sich ein 
soiiderbarew sclimiUziges Slreberlhum lierausgebihlet . . . 

Ich liabe nicht die AbsicliI, hier irgendwelche Pei*soneu Zi 
coiupromiltierfn, al>er dieses imerliurte System der Protection, di 
%'i«l sehliüimeron L'rsacheu entspringt, muss gegeisselt und hiuwe« 
gelegt werden. Denn es haiulelt sielj nich bloss darum, dass da 
die Lage der Clulonislen verschieden ist, somlern uiu unsere Khre. 
(Leb)ialter Beil'aJI.) 

Ich verziehle daiauf, weitere AiistDhnmgen zu machen, ic! 
verzichte deswe'p'en, weil ich nicht den ConjiresS' in seiner iSliiuniu; 
stören mochte, weil ich nicht den C'ongress in eine ganz and 
Laune versetzen möchte. — So wirkten einerseits die ün 
stüt^un^an, die mit Entwürdigung verbunden sind, andererseits 
Unsicheibeit, das herrschende Adniinistratioussystem deprimieren 
und verbitternd. Bei den meisten, die doch unsere küiil- 
tigen Helden sein sollen, eine gewisse psychische Aengstlicli 
kell vor Druhnngen. vor ver-scinedenen .Müglichkeileu. Selbi 
bei der stiidtisehen Hev<dkerung hat sieb deswegen ni 
die 7,u envartende Achtung eing« stellt. IMe Adniinisii'ation h 
den Kul der Oolonisten geschädigt. Am Anfang, meine Herren, w 
dämm mehr ideahsnms. .letzt aind last alle in Abhüngigkeil, nie 
von Haron Rothschild, aber von der Adnnni^tration, auch die u 
abhAngigen Coloidsten. Denn, wie ich Ihnen ächnn gesagt ha! 
die meisten <!nlonisten beschäftigen .sich mit Weinbau und d 
ein/.ige Weintraubenabsatz ist beim Uarou Kolliscliild. Folglich 
haben gegenwärtig auch die unaiihängigen Colunisten sich auss 
ordentlich Imchtsam und vor^irhlig zu beuehnien. 

Wenn ich sage, doss Idealisnnis in einem solchen Grade nicht 
voiliiinden ist^ wie im Anfang der (Kolonisation, so ^nnss Ich noch 
himtuHlgen, dass dii* Intelligenz in sehr hoiiem t^rade vt.rhaudeu 
i*\. In den meisten Coloiiien gibt is Bibliotheken. Kine gibt 
die das Jndi^che ptlegl, das ist die Jattaer liibliothok. 

Ich komme bei dieser Gelegenheit noch auf eine ande 
Bibliothek XU sprechen, das ist die .lernsalenier. Als ich 
JtiiiiMileni war, hielt ich es tOr meine l'tllcbt, auch hier di 
Ultdlollick genau zü besichtigen. Wie die meisten von Ihn 
wlwMOh, i.sl die Biblinthek in Jeiusalem zum allergrössten TheiJi 
nino ^SclM>nkung des Hoirn Dr. Cbasnnowitsch, (Lcbbafler Ueifi 
und ll.iii'lt'klatschenl und bildet, meine Honen, eine nicht zu 
iiliterrtchiV/ende Institution in Jerusalem, vtelleiciil die wichtigste. 
\hv l'nhdiMid, dass anch Kronmigtijubige. orthodoxe Juden aus der 
MliNie m diese Hibliothek kommen, dass sie zom erstenmale irgend 
olliM Iteiiihrung mit t'ultur erhallen, dass sie gleichzeitig die 
JlldlKühn ViTgangenheil, aber iiichl in dem Sinne, wie sie 



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— 121 - 



voitter verstanden hüben, sondern in wirklich grossem Sinno auN 
lis£«ti und allgetuciiie i'.ultur, wenn auch in l)c>^cbIiillkten Dosen, 
aotDehmeu, ist tür Jerusniem von ungeheuer grosser Bottenlung. 

Ich war darum hoch ertrent, in dip^er Uibliothek eine groäBf* 
Anzahl von Judt-n beim L*'si-u von Zciuuiirnn und Zeitscuritten 
vmBfinden ; Juden, die sünsl gaia ^»aiuu noch uui'b dem alten System 
lebcD. 

Die jetzige Bibliothek vou Jerusalem unifasst bislang 13.00Ü 
bis 14.0l>l' Bände, fast ausschliesslich, wie gesagr, vou Doctor 
nwsanowit-scli. 

Aber es ist nach moinor Ansicht eine Ehieuanfgabe unter 
aiien L'iii>'änden, wie man sich mich sm»*it gegenüber den Frageu 
der CüloniMition verhalten mag, diese ihretu Inhalte nach gro^s- 
uiige Bibliothek zu vergrOsseru und ihr ein Huim zu schaffen, 
leb bin überzeugt, dass mitweder vom Congi*ess aus oder 
pnvaÜDJ die Be>irebung sich heian?Jindcn wird, ein derartiges Heim 
rür diese- Hibliolhek in dttr näclisten Zeil litT/ustellcn ii.cbhafter 
[Bedall), das niclil mit gros.sen Kosten verbunden isein diirtte. 

Pie iiibjiothek ist zugleich der Versammlungsort der Jeru- 
Isalenu'r Juden und jeden Sonnabend werden Vorträge im Ilebräischea 
1 gehalten. Ich halte dabei Gelegenheit, zu beobachten, in welchen» 
lirade iu;in sich zum gros^^Ml Theiln übrr coniplicierlo (jegenstiinde 
fri*^r Gegenwart in hel>riii>clier .Spraclje unterhalten kann; ullcr- 
dini^ babe ich auch liier da^iu Gelegenheit gehabt. Dort aber 
I konnte ich dies stundenlang beobachten, und ich kann sagen, dass 
[die Debatten in hebiftischer Sprache keinen gokünstelten Eindruck 
IjCBiacht habeu, dass ni;m unigokolut den Eindruck hatte, dass niyn 
[sehr Wohl über einen Gegenstand der Jetzizeil oder der Geschiebte 
I einen hebräischen Vortrag ohne Störung halten kann. (Beifall und 
iHÄiideklatschen.) 

Diese Jerusalenier Bibliothek ist selbstverständlich auch ein 
Ansporn iür die Colonie. wenngleich sie von andeien Ort«chalten 
nicht benützt werden darl. 

Idi kann nicht vollkommen das inncie Leben der Colonie 
sdiildem. nur wei^e ich darauf hin, da.s.s es in den niei>teu Colonien 
(«De Conimis.<ioa gibt, die alle Angelegenheiten verwaltet, und es 
war lur mich einer der ertreulicbsten Umstände, dass es in keiner 
Colöuic einen Gendarm {.'ab. Es pibt ganze Dörfer, in welchen es 
nicht einen einzigen Polizisten K'ibl (Beiiall und llamb. klatschen) 
und die MeU.sclieii verzehren doit kfinci-wegs einander, (lieiterkeitj 
[iUe ihre StreiMragen oder ihre Vorkonminisse püegen sie zum 
?rö.s!iteu Theile untereinander zu schlicbten mit Hinzuziehung des 
\^adi oder sonstiger Personen, Vor der Regierung sind sie aller- 
«iibgs vcrirelen durch einen .^Inchtar. der aber in der Colonie nichts 
iu wgen hat. Kr ist kein Polizis^t. sondern eine Person, die officieliii 
itipfliegcnheiten, wie Steuern und dergleichen, zu regeln hat. 



— 122 — 



I 



In den Culonien gibt es auch häufig Concerte und ich 
mit Freude sagen, dass in einem solchen ktftinen Uorle. 
ßischou-Lezion, ein vorzügliches Concert von Bauoni dieses Dorf« 
vorgetragen wurde. 

Auch Vürlräge wurden jreli:iUen. In Kisclion-Lezion ist e 
Volksliaus, in welchem alles abgemacht wird ; dort g:ibt es 
Lfsehalle, und dieses Volkshaus hat auf mich einen der bet^lfn 
Kiudrücke in Palästina peuiarht. Sie liaben gehört, dass es viel 
schlimme Eiiidiüeke peinlicher Natur gegeben hat; aber die 
Haus war fflr micli ilas Symbol eines spfderen giösseren Hausi 
in Palästina, in Avelchem nur die jüdischen Golonisten etwas 
sagen haben und ihre Angelegenlieiien schlichten. Dieses Haus 
mucht einen ungemein günstigen Eindruck. (Leibliaiter Beifall.) 

Ich komme nun zum Setiulwesen in PalAsüna. Es kommt 
hiobei darauf au, welchen Massstab man an das Schulwesen li 
Palästina anlegt. Wenn es sich darum handelt, die jüdisch 
Schulen mit den MitleUchuloii irgendeines anderen Landes zu vei 
gleichen, so unterliegt es gar keinem Zweilel. da-ss selbst di 
RCbleciitereu Schulen in anderen Ländern den Voraug verdienen. 
Allerdings haben wir das Recht zu hu-deni, dass die Schulen in 
Palästiim, die doch den Hanpttheil der jürlischen Bevölkerung 
hebraiscli und cullurlähig machen sollen, mustergiltig seien. Ich 
musB aber zu meinem Bedauern conslatieren, da.<s sie zum aller- 
geringsten Theile mustergiltig .Mud. In .T e ru s a I e m ist eine ziemlich 
gute Schule, die Laemel-Schule, und zwei andere, von ilenen die 
eine, die Schule der Alliance für Mädchen, ziemlich scblecht und 
die andere aucli nicht viel hesser 
Lezion ist ebenlails schlecht, 
erträglich, in Sichron -Jakob 
Die Scliule 
die Srhnle 

Ich muHS hier einige Worle üNer diese Schule In Jafta sagen. 
Diexo Schule war vor Jahren die HoHnuni,' und der StoU der 
ColonisAlion^vereine, der Idee nnch mit Recht, den gegenwärtigen 
Verh.'dthissen nach aber mit Unrecht. Es wnrden mir alle Gründe 
ain^einandergo&etzh weshalb diese Schule den Erwartungen, die wir 
nn sie ^lellen, lliatsächlicli nicht, entspricht. Aber Thatsache bleibt 
e?, dasfi elu-n im gegen würlii^en Mnmente diese Schule unseren 
Erwaituiigfu noch nicht enti^p^icht. Diese Schale soll ja die 
klhittige jüdische Millolscliulo bilden und es wurden mit Recht 
Hoflnnngeu laut, dass diese Schule verbessert würde» ziunal in 
neuesti-r Zeit ein ausgezeichnetei- Lehrer zu den hüheren binzu- 
gek<»mmeti i<<t. 

Meino Damen und Herren! Ich will hier nicht den Eindruck 
hervorrulen, dass ich etwa dieses Institut nicht lobe. Der Idee 
nach lohe ich es und wünsche, dass die Zionislen dieses Institut 



ist. Die Schule in Risclion- 
in K a s t i n i e ist die Scinile 
ist die Schule ziendich schlpchl. 
in Hosch-Pina ist unter aller Kritik und .'^elb-'^l 
in Jutta hat meinen Erwartungen nicht entsprochen. 



- IM - 

fördera; denn vier Haiiplgtutid, weshalb dii.'scs Itir^tiiul tiklit ücssoro 
Krioißt; aiitweiseu kaiiti. ist der GeMmaiitrcl. llilUe diese Scliule 
ailclte BKlrilgt* zur Veilügun(r. wie sie iür MitU^lschidon eiforderlicli 
siod. »0 würde die SlIiuIü ttanz anders aussehen. Soviel iiius? man 
>app». dass in dieser Sciiiile seil^ns verschiedener Lehrer «rrosse 
Opkrwilligkeil an den Tagr srelegt wurde, nur um der Idee willen. 
lB«ilalI.) 

Kine Mn>tersi*liule in 'p'e\vi<=er BeziehunE ist in 1^* t* f li o w e t h. 

Alle diese Hitlieile spreclie ieli aus, nachdem ir.li diese Sehuleil 
\stihr gründlicli beohnrhiet hahe. h*)i niuclile drm* bis viei^tündige 
' Ütüncliü und {illegte den Prül'iiiigen aller Classen anzuwulinen. 

Gegenwärtig gibt es in Palästina 50 Schulen mit iöOi) Stihrilerii. 

Jti Feelis .SchnUn lehrt man liebräiseh inid in zwanzig wird die 

tiebr}ii>;rhe Sprache beim Unten irbte als eine lohendige l>ehandelt. 

Dae grösste Unglück im Schulwesen ist der Mangel au Ein- 

fwidicbkeit. 

Meine Damen und Kerren ! leh betraoht« den Curtgress nicht 
Jtlleiii als die Stalte, aut der wir nur dasjenige heschliessen sollen, 
VA» wir als Bund zu tliun haben. .<on<)ern uU eine Slälte, vuii der 
aus wir alles jüdiscb« Leben kiilisieren dürten und so meine ich, 
rs ist niclil ungerecht, wenn ich an die Zionisten und (^howe Zion 
tlt'n \\ unscli richte, eine Kinhcitlirbkeit eintreten zu lassen. Nur 
"ertii eine KiniieilÜclikeit di-s l*H)nranune.s, eine Einheil.liclikeil. der 
Tlijiligkeir und eijie KinheltlicIikeiL der Verwaltung vurlmnden ist, 
nar dann i£tt es mr>glicl), eine wirkliche Schule nach unserem Sinne 
20 ^chuflen. 

|tcr Hauptgrund, weshalb auch itie Schulen in FalAslina 

rinsi'ien Erwartungen nicht enisprerhen, ist der Vnistund, Jass die 

lOheiaulstcht in den Schulen in den UoUischild'scfitin Tolonien 

ÜAddicn anheimgegeben isf, die knr/.e Zeil, ein bU zwei Jahrü, 

Üire Krziehuufr in Paris genossen haben und nach der .Ansicht, der 

Tlorligen Adniiniäliation in der Lage sein dartlen, die rullur des 

Westens in diese .Schulen zu brinp:en. Die meisten Mädchen sind 

»^lir jung Hml üben einen sehr verderblichen EintluriS ans, so dass 

|Hbsl gut« Pfidagogen von ihnen in ihrer .\rheit gehenunt werden, 

Kine Schule ninss ich besonders erwi\!inen. ilas ist die Schule 

Mikweli Israel. So si>hr wir die Thätigkeit der .Mliunc« Israelile in 

zug auf diu Sprache zu verurtlieilen haben, auch in Mikweh 

kr«el, so nnissen wir andersiils dieser Schule e^in ganz ungcwölm- 

Jidtes Lob zollen und zwar nicht blnss wegen der schönen, gross- 

tigen Aidagen, die man da in der Nähe ven Jaffa zu sehen 

(■kommt und die eine Freude tür jeden Besucher bilden, j-ondein 

ücJi wegen ih?s Ernstes, mit dem iler Ackerbau dort betrieben 

x\. Unstreitig krtnnle diese Schul« als Ackerbausehnle einen 

bugehearen Wert haben, und wenn dies nocti nicht der Kall ist. 



- IM- 

Hö liegt CS in lolgerulcm: Uie Alliuuc« Uiaclilo beQiQlit sieb mn'^ 
klärliclierwcisf, hanzüMseliMn Eiiifliiss nach I'aiHstina zu bniigren, 

Wir wi.sseii eiyoullit^li nitiit den linnul imil wir veNclirn 
iilclil. warm» gerade die tranzösisch« Sprache d«n Juden "m 
l'aläslina bnigdnacht werden soll. Ich versiehe wolil, dass die 
JiuU'ii in Palnt-liüB auch die Irttiizüsischc Sprache kriifii soIIwb, 
abor nicht, dass franz'''5ir.i*h ilit» leh*tndtr tipiache Unter den .luilrti 
WL-rdcn soll. (Heil'all und IländokialscluMi.) Thalsaclie ahrT iM «, 
dasö day inlt'Uij-eiilc jüdische Element zu unserem grüsstPD Leid- 
weseu viel mehr französisch, als hebräisch spriclil. Es könnte anders 
sein und die Alüaiice Israelito sollle in dieser Itichlung (hirrliaiu 
auf dem Standpunkle slvhen, dass jede Scliulo in ejmini lndnäiH'heD 
I^nde, da^s kflultic dem jfniisehen Volke fre]n»ren soll, nur 
liebräisch sein kann. {Ij-ldiaftcr üeifall und IländeklaMieti.) 

In ih^r Bibhothek von Mikweh Unxel fand ich etwa iiiitcr 
ij'36b Bänden ßÜ hebräischen rnhaltes, die übrigen durebwcirij tu 
tranÄiLsischer Sprache. 

Sic sehen also» welclie Nahruni» dnrl absolut gebotiii winl 
nicht als ob ich den <JrniulMi*z aufstellen wollte, iJass die gi-pHl- 
«ärligü hcbrnischc Literatur schon alle unäere Forderungen erföTtl. 
dat;s mau sich an der hebräischen Sprache beioils befiiedigen kanu. 
Diese Fordi^iuTip habe idi nicht aufstellen wdlli-n. Aber wenn laftn 
in Palilstiua nicht die hobraisrho Sprache .lIs .Milttdpuiikt belradiien 
und pflegen wird, ilnifle Hn>erL' IhitTuunir in dieser Beziehtmg: Jiiif 

(krtuftigc Solidarität und Einheilliulikeit veruichiet werden. (Lebliafter 
Beifall.) 
K3 gibt nur einen l'nistaud, der ilazu vorliilft. da&s di* 
hebrüisrhe Sprach« anfkounnl. und dieser Umstand erweckt gewissfl 
Hollnungen. Seitdem die sephardischen und ns<hke«asbiihen .luden 

»immer mehr znsauimenzukoiunien pflegen, uuii>B in gewissen 'rheilcn 
die hebrrdscbe Sprache g:esprochcn werden. Sie können sirh in 
keiner anderen Sprai'hc ver?tJlndigen. Und zu nnserer gr(i?st«n 
Inende müssen wir feststellen, dass die sephaidisclien .luden. weWl 

(sie auch nichl strade Hebräer in Beznjr aut ihre CJeleln-SJifflkeH 
sind, doch ziemlich geübt sind in der hidiräischen S[»racbe. 
Also zti erwarten ist, dass die heliralsche Sprache unter den 
Juden dort die gesprochene. wi>rden wikI. Nur uiössen wir von liicf 
ans wirken, dass in allen SchuK-n in t*alüs(iua und in den (Ndonien. 
wo ein Kanipt um die Sprache uefiihrt wird und ein Kampf paW 
unerhörter Naiur: der Kanipt zu (iunsteii der hebiäisclitn .SjinMAc 
ausgefoditeu werden soll. (Lebhafter IhMtall und Häudekhitsclien,; 
Ist eine gewisse Regeneration des jüdischen Volkes oder soffen 
wir der jüdischen ('olonisatiuu in i'alüslina zu merken? Danu) 
niuss ich mit einr-ui etwas hedinvirn. aber doL'h niil einen» ..Ja* 
antworten. Es herrscht ein-* tTeschicklichkeil in den verschiedenen 
LHibnsnliini^'en, im Reiten und Schies.'wn, wie sie leider bei dt 



- 125 - 

loluS'Juden absoiiit niclit zu liiiUen isl, violicirlit ninii niclil Iko 
«11 tVi('hl-(!uliis*.lii<lr!ri, \m <\on iHii-(ipriis<*IiRii Jii(k>ri, und /inii 
rfjsst'ii Thcilf Kiarlillnsijrkril, 

Wir ilfiH'eii liii^r krinc Furderun^' sldlen, dass t'^wch alle 
;<»loiü?;loii ahsoliU iliojenipoii (.'ewolinlioilen und Eiirunniümlich- 
pÜe« aufgeben, welclie si<* Dnnk dem Gliello m sicli aufgenoinmon 
iibori. Aber das.« in dieser Beziobunp zwischen den Jiidcn doi 
p<>kinifiiunddi'rjnilis(htMiMos>einOstoui*op:iabsniii( kein VerifUtirh zu 
k'tebcn i^^I, isl ITir uns oinr der erlVtiilirbsIfn Tbal.sa<^bi*n. 

Die meisten Judon i^irid sieb «U'ssen b^wusst, dass sie sich 
iflbsl zu sriu'it/en und zu wehren Imben. bii Verlauf tier letzlen 
ihfp sind Mii/.rdillfi" Känipfe zwiselien Juden und Arabern, die auf- 
^^helzt worden •'ind, ausgefoclüen worden, und in den meisten 
plie.ser Kfunple. wt-iin auch nicht in allen, baben sieb diu jüdisebcn 
polduislen Ibcilweise sogar hIs Heidon bonunnnen. (Lchballer Bei- 
ill und Hrtndek latschen.) 

leli niuss auf einen der KänipTe in Kutra liiiiweisen« wo erst 
lach tagelanpt'n Zuisauinienslössen rliese kleine Culonie pogenfdier 
einer Ueberzabl docb zu üireni Rucble (lelangl iäl. 

Es ist dulier. wie jresagt, der .Slernpel de? (iolus an den 
!!oloniston ubsoliil niclil zu merken, an den Alten vielleicht noch, 
tu der bcrnmvachsonden Oeneralion in keiner Weise. 

EÜH? f,'ewiä.sc Eugo de.s Oesicldskreises ist allerdings dank der 

/"erengerung (Um* Tbäli^'keit eiupelreleu. Man muss sich in die 

Seelen der rnlonisteu hineinversetzen, die vor Jahrt-n nach IMästina 

jKcgangen sind. Was wax es, was einen grossen Tiieil. sagen \vii' 

diejenigen, welche den ^frössten Einfluss besa^sen, nach Palästina 

rieb? E> war der Gedanke, dass in Paläslina ein Centruni 

wachsen wiid, dass sie die Pionniere seien, dass the K<^sainnile 

ludenheil ibtieu naclikommeu wurde, l'nd dieser fledanke niussto 

fon der harten Wirklichkeit zersclielleu. AUniählich mussten die 

MoffniuiKfin lierabKesUnnnt werden und dalier ist aucb eine grosse 

Jislrengung in dieser Hinsieht luder den (loloiiisten oinpeti-eten. 

Srst seil deui Baseler fUmgress isl wieder neues Leben in diesen 

püJonien eingetreten, nicht allein aus materiellen fJründen.^ Ich karni 

vM .sagen, id)erbaupl uicbl aus materiellen CJrDnden — denn 

[»um haben die (lolonbilen so sehr vieles von der gegen wilrl igen 

jonlslischen 'riiäti^'keit zu erwarlen — wohl aber ans rein ide-den, 

lud ich iiiuss sauren, dass sie es niebt gesctiouL baben, in Palästina 

len Zinnismns otTen zu beki^nneti, (ibgieich sie auf Scliritt und Tritt 

diest?r Beziehuu}: ;(eheunnt wurden. 

Die Adnnni^jtraÜon des Barons Bothschild, welche seit dem 
iseler (Vmgrepse — ich spreche niiht von der yanzen, sagen wir 
Ron einem i^rossen 'I'beiie — eine grosso Anf.'s( vor der OelTenl- 
" thkeil liepl. hal aut .Sdirill und Trilt jresucb!. den Zionismus 
anler don (lolniiisleii und üiierhaupt. unter den palüsLinensiscben 



tV^^ 



flPiT" Ich kann pr iminii anpp wipi 
irii, wenn ich auch riiriil bt'aMr(m>;l hin. so dnrh dulzciuimak' tUrcd 
(nirgi.lVirih*rI iviirdt» von hniidciU'ii Juiiisrlien Familien, dass icli 
Ihnen die ttrürssi? l'asl idler iluloni^itoii mitbringe. (LebhalTer Hei- 
hill inid KriüdeklaUchen.) Denn w«» aic JiiVfoU, ist die HnlTiuing; 
dass sie nicht in solch* engem Kreisie bleiheu werden, diis^ ihr 
(!»'ntrnni vcr(?rüsäert werden wird, da>s ans diesen 50l)0 jCulisdii-n 
Rinern niil der Zeil IluMdcrIlatiscnde erwachsen werden (Leldiallir 
Itfirull nnd llAndeklat:?(.-hen), dusij a'w dünn Bcrrlcdigun^ linduu 
wei-den fiir sich und dass sie nicht derurügon idealen EnlbelminKcn 
anstiesetüt sein wrtnhni, wie i;s bis jdzt ;'esclif-hen isl. 

Ehe ich uiil niehiem llereiale zu Endt* komme i^eslallen Sie 
mir, dass ich mein Vrthoil in Bezug auf das biBherifjo Syplem der 
l'nlnnisntinn auss|irei'he, 

nie jrlzige <'o]onisaÜon bewirkt: 

a) IJL'ri'icliiTung aller lienun hellenden Dflrfcr. 

h) Veracldnn^' der Jnden seitens der nndercn Rfvrdki-nmp 

oh der Denirdtii^Mm^en. die der -liidc wettm di^r Intittralinn 

zn ertragen hat. 
c) AdiinnistraliünswirUchall nml damit Krieclierei. 

d] Mnlldosiirkeit in den Heilion der (lolonisten. 

e) Plaidosi'.'keil und Zulall, an dass aucli kranke I'hllze, v 
(lliedera. iK'setzl werden, weil diese j:an?:e Thi'digkeil nirhl 
uacli einem Hinhoillichen IMane verfahren dürfle, weil nicht 
absolute Uatinnatitru in die An^'elepoiduit der flolnuisation 
Pnläslinns liineiniiebrachl werden konnte. Deswegen wurden 
auf Schrill und Tritt die besten Projecte zunichte, des- 
wc'|£en mnsste man sich auf Stätten stflrz<>n, die gro-sp 
Krankitcilrn bervorgcrnfen haben, die erst bei ^rros?!- 
an^'e'leyler. pianniässipT *!olonisalion. nach lan^'eri Jnhr(>ii 
der Arbeil nln-rJuntpl in Betracht ^fzoffen werden konnten. 

/) SchatTnng von kleinen C.olonien, die deswegen nuKeiaein 
schwach sind nnd deswegen viel grössere Kosten V(»r- 
nrsachen. nnd 

ff) Zinn Theii auch Arahisicrnnn wejreu de^ Mnnjirels vieler 
Juden. 

Was ich dimmter versiehe, werde ich Ihnen ktnz sa^'en. l'nter 
Arahisienni^f verstehe ich nicht die äussere Arabisit-nutg In Bezug 
anf die Sprache; jjierade die arahisclie Spradie ist unter den 
('fdordslen nicht besonders liekannt. Leider I Ich verstehe darunter 
ein gewissej- .Suiken des muratischi*u Niveaus, welclit-s hei einem 
kleinen Tlicile von Juden nnlrr einer gewalligen arnbigchen Be- 
völkerung uiuuu^ünglicli ist. 

Oh die Kieincolnnisalion oder sagen wir die f'.ohinisalion ohne 
geregelle Verhältnisse viel wird luisrieliten können, ist schwer zu 



- 127 - 



^ 



U'Stiniiueu. Die Ansicliten der bisheri^n Colon isatoren in Palüätina 
g^hon daliin, dass man wolil jJilirlich eine oder zwei kleinere 
Kolonien nacli dem allen System gründen kann, nicht mehr, das ist 
lUt* Meniung von, ich kann wohl i^n;^«^». auänahuislos allen Personen, 
di« an iWt (!olonisutiün in Palästina tJiüti^' sind und die mir diese 
VeiDunj? au^^f^prochen haben. Niu eine einzige hat sich etwas 
optiniislisclier geäusseii. 

Es ist kein Wunder t Die Kinfahrt von Juden nach Paläsiinn 
ist verboten, der Kauf von Ländern ist untersagt, der Bau von 
Häusern ist nicht gestattet. Wie ist unter solchen Verhältnissen zu 
rolonisiereu ? Die tlolonisaliun T'alä-siinas nmss Volkssache sein, soll 
sie Ettolg hahen, und niuss öft'enttich hetriehen werden. (I^ehharter 
ßeifaU.) Die andere, die bisherige, mit der wir wohl als Versuch 
$7iiipatliisieren können, hat mit der Lösung der Judentiage nichts 
^?mein. (Lebhalter Heitall und HändeklaUchea) 
Mein Schlnss lautet daher: 

Wir niö?sen unenlAvegt danach stieben, dass den Juden die 
Itiore Palüstinas geöffnet werden, dass sie ungehemmt Grundbesitz 
trwerlfen dürfen, dass sie tiarantien in Bezug auf Abhängigkeit 
und Privilegien in Bezug auf die Ertragsstcuer erhalten. In cul- 
nireller Beziehung ist seitens der lilrkJscIien Hegierung der Status 
quo in den Golenicn hinreiciiend. Dann mag die Volksarboil 
beginnen ! 

Bis dahin verdammen wir die luflltration, während wir die 
Hebnng der vorhandenen Jüdischen Volksmasscn in Palästina, welche, 
wie wir vorhiu ausgetiihrt haben, sich dazu eignen, durch Coloni- 
siitjon und iiidustriL'Ue llnlemelimuugen schon jetzt erstreben 
liönnen. Zu beiden Zwecken sull uns unser neues Instrninent, die 
iiöiitiige Bank, verhelfen. (Stürmischer, langwährender Beifall und 
üändek latschen seitens des Congresses uud aut der Gallerie. — 
Kedner wird von allen Seiten beglückwünscht.) 

Vipepri«ii<Jent Prot". Mandelstamm iden Vorwitz übeniehmmidi : 

Meine verehrten Dämon und Herren! Ich hübe foltfcnde 

Miltlielluiig zu mnohcn (liest fruiizÖKi.sch), zu tieiitschi : Die in Pnris 

uohuouden zionisti. sehen DelcKierten werden ersucht, sich moreon 

\'J Vhr früh im erst«n Stock behufs einer Besprechung einzufinüeu. 

l'niniiidbar nach Sdiluss der Sitzung liudet im Sit7,uugssaale eine 

•Inti^entle Sitzung des Pernianenzausschusses statt, zu der alle 

r dringend ein^^laden werden. 

ii-n möchte mir zu bemerken erlauben, dass jetzt behufö Lüftung 

^ Saales eine hRÜmtündige iinterhiochuni? der Sitzung eintreten muss. 

(Die Sitzung wird um *,,« Uhr unterbrochen und um Vi'J wieder auf- 

JKnommen.) 

\'or-i. Priis. Dr. HerzI : Das Wort hat Herr Bogdadli. 
Del. Bogdadli : Meine Herren uud Dum en! In dem herr- 
Ictien HefiTatc, daa wir soeben von Herrn Muzkln (gehört haben« wii'd 
ans nnlg<>tb*'ilt. dass die Colonirften uns. den zweiten Baseler Congrecw, 
{Tiusteu. Oline irgend welche IIint«rKedanken. die sich eventuell gegen 
^9 gcgenwtirtiffen Adniiniätrnllonen der Coloiiisationen richten künnteü, 



Herzen uller 
st\f(e. dor Congr^ss erwidert diose Grüsse unsoror Briidor iius deiiJ 
thenoren Hcimatslftiulo »ufs horzUch.stp und spricht Herni Mo:'.kin füi' 
soin auajtexeichnetes J{efera( seinen Dank aus. iT^ebhaftcr Beifall.) 

Vors. I'riis. Dr. Herzl : Das Wort hal Mister Greenborf?. 

Mister Greanberg : (en^zliscli). 

Vors. Prüs. Di: HerzI: Mister OrRenberR liat gefrairt, ob wir 
morgen früh .^chon soweit .sein weiden, dass das Bankr<*t'er»t wird er- 
fitaltet werden können und ob uior^en der Prospect lür die CoIonidJ- 
bank bereits vorlieij;en wird. Ich lioffe. du.ss der Prospect morgen sehon 
wird vertheilt werden können. Wir werden heute nach der Sitzuntr des 
Con)n"esH08 itie Banki^onimiÄsion einberufen. Sollte die jel/.i;jrc Debaii« 
7.U lmi«e dauern, .so fände nioh der Ausweg. das.s wir niorpren früh «lif 
Bankconferenz abhalten und die öfTontlielie Sitzung statt um 10 l'hr um 
II Uhr betrinnen. Auf dio«c W'cise könnte vielloieht den von niancben 
Seiten lautpewordenen WÜnsehen Uechnune getragen werden, voraus- 
geselzl. dnss di«? Bankcunlerenz fer-tig wird. Jedenfalls sind wir beniühi. 
die BankfraKe jds ei-slen Punkt der morgigen Tagedordnung to!Stzulialt«n. 
(LebliafVr Beüall und HiindeklaUscheii.) 

Icli glaube annehmen za dürfen, dass der Congress mit dem 
Refiolutionsnntrage einverstanden ist. Herrn Mozidn fiii* sein ansgez^icti* 
neti's Hi'tcrat den Dank auBXUsprechen, (Leblian^r Beifall und Hündo- 
klaUcbcn.) Eine Abslinuuung halle ich nicht tili nuthwcndig. Dus W'uri 
Iml der Keforent des Colonisatioiisausschusses Herr 
P i u 1 o s. 

Del. Pinelea: Ich habe die Ehre, Ihnen die Antrüge der Coloni'- 
eationR-CamntisälDn hier mitzutheUeii. 

,Dor Con^pss, wfk'hcr der bereit*; begonnenen Oolonisalion 
in PahVtinii sympJilhisch gegonübprstclit und die weitere Colo- 
nit^alion /u fördern wünscht, erklärt: 

1. Unter .zwerkcüenlifluT Besiedlung" PalSsUnas verstohl 
man die Colonisjih'on, die muh einer von der türkischen Regiemng 
dazu erlangien Erlaubnis inid nach einem Plane nnd unter 
Leitung einer vom Congresse gewühlten Comnii.ssion durchgeführt 
werden soll. 

ä. Die^ie zur Ueherwaehung und Leitung der Colunisations- 
Angelegenheiten eingesetzte Comnussion besteht aus 10 Ah't- 
glietlern und liat ihren Sitz in London. Zu dieser OomnUssion 
enlsenden: England 3, ftussland i', Galizien I, Deutschland 1, 
Hutnj"iniet» 1 und das Aelionscoinile ä Mitglieder. Mindestens 
H Milglicder genannter Comini^^ion mfissen ihren ständigen 
Wohnsitz, in l-ondon haben. Die för die Administrations-Ausgaben 
nrttldgen Mittel bestreitet das Actionscomite. 

A. Die ersten Colonisaliotis^irhritle .sollen mit den in der 
Tftrkei sieh nunmllenden Juden vorgenommen werden. 

4. Zur Erwirkung einer Colnntsations-ErJaubni:! bei der 
tnrkiHchon llegiennig soll die ThäÜgkeit der Colonialbank bei- 
Inigen. 

Tl. Der ('ongress verpflichtet die Zionisten. ihren Einlluss 
thddh zu benntzen, dass alle Oolonisations-lTesell.'jehatten nach 



- ISO - 

üieiD den obigen Beschlüssen entspreclienden Plan zu ai'beilen 
sjdi Iw^streben. 

fi. Der Congress ersucht das ActionscQmilö, wissenschaftliche 
Cnlersuchungon zur Klarlegiirig der rechtlichen Loge der Juden 
in der Türkei, besonders in PaUlsliiia. zu veranlassen." 

Dos sind die Antrage der Colonisations-CümmissioD, welche ich 
I Sie Ititte anzunebmeu. 

Vors. Präs. Dr. HtrzI : Ich bitte die Anträge ins Tluftsische and 
EaicUsche zu übersel7.eD. 

Dt>l. Tamkin «übersetzt ins Hussiscbe). 
Del. Hev. Wto« (ins Knplif4clie). 

Vors. PrJis. Dr. HerzI: Das Wort hat Herr Rabbiner Rabbtnowitsch. 
Rabbiner Rabbinowitoch (Poltuwa — spricht hebnüseh). (Belfhll und 
HäDdckIat£ch<3ii.i 

Del. Dr. Neumann ujul Mozkin iäbersetzen diese Itede: Der Il«b- 
t>iaer Habhinuwitsch hat das Kint^chmiiKt^eln nach PultUtinn v(>rurtheiH, 
t «5 auch als relij^ionsgc^etzlich verboten bezeichnet. Er bat, die Frage 
itler C'olonisution äusserst ernst zu ventilieren. Palästina nur mit tür- 
■kii^chen .[uJen zu besiedpln. erklUrt« er als nicht zvreclonässig. Die 
Colonisation Palästinas soll die .ludenOage im Krossen lü-;en. Er wies 
liif] mir die zwei StrumunMen innerhalb des zionistischen Lagers und 
- zum Schluss, dass das Ueld der Bank nicht auf Tnter- 
-u der Colonisten verwendet werden soll. Für die Unterstützung 
lier i.'otoniscen sollen die Vereine sorgen, diesen soll die Bank höchstens 
^Anleihen gewähren. 

Df^l. GrUnbarg;: Ich beantrage Schluss der Debatte 
Del. Streliakar : B» mag vielleicht nicht im Etnklnuge mit den 
ryorlamentarischen Usancen sein, aber mit Kücksichl auf uusei-e kust- 
[bare Zeit halte ich es wünschenswert, ttir rfieson GcgeuRtand jedem 
|}{e<lner bloss eine Frist von fünf Minuten ztizugestclien. Ferner boan- 
f'lrage ich die Wahl von zwei Generalrednem. 

Dr. Barnstain : Ich schliesse mich dem Herrn Vorredner nu. 
Del. W. Bambus: Ich möchte Sie bitten, bei diesem Punkte der 
Tagesocdnung, der nicht nur entscheidend ist für die momentanen He- 
riflrfnisse der Colonisation. sondern überhaupt sehr we.sentlich ist, nicht 
lüvii ungeduldig zu sein und weder eine Sprechzeit von 5 Minuten 
I i/usetzen noch sich auf Generalredner zu beschranken. Denn ich 
gliiubp, dasK die grosse Anzahl der Kiugeii'agenen wesentliche Momente 
vorzubringen haben wird. Wir haben eine Schilderung der Verhält- 
nisse nur in einer Beleuchtung venionimen, es gibt verschiedene \ie- 
leiichtunuen. und die Thntiskeit der Colonialbank ist für die Zukunft 
iii PnliiHiJiiH ganz entscheidend. Deshalb glaube ich, dnss wir die Debatte 
f nicht ah*;ehneiden Kollen. (Leb)mrter Reifall.) 

Präsident Dr. Theodor HarzI : Ich werde den Antrag auf Schluas 
Ner Debatte zur Abslininiung bringen. Ist der Antrag mit oder ohne 
[ Anhönuig weiterer Hediier gemeint? 

(Kufe : Zwei Oeneralredner wählen I) 

Del. &yrkln : Ich mochte bitten, dass alle hier anwesenden 
[ßtrumungen tJeneralredner wählen. Es gibt hier eine dritte flruiipe. 
laelehe das Oenossenschaflspriucip in der Colonialfrage vertritt. Ich 
{MdlR also den Antrag, aus dieser Gruppe einen dritten Qeneralredner 
, wzulaKsen. 

Del. Rosenihal : Ich beantrage Schluss der Debatte 
■ ohne Anhörung weiterer iicdner. 

Del. Bujas: Das ist eine der wichtigsten Fragen, die vorliegen. 
A'ir sind alle hergekommen, um diese Frage zu erörtern. Nachdem 

U 



ilpf HeiT BtM'K^lile pfifft ttor äo wichtigf« 

ich iler Mcinuntr <1ps Hfirrn riamhuK. djuis iimii »lle lit?(lner «nluiivii 

Rollte tihil nicht (leueralrcdnor wiUill, Wir sind vnn weftor Kero? 
ielier^pkonimpn luid wir wollen uIIp klar««n VV'«n eingeschänkt Imlien 
her dioso Saclu\ Opfern Sio noch <liusp paiir Stunden, dnuüt wir mit 
eint>m flewisspu finpn BpscIiIuss fftsfimi können. (Heit'Hll. — Ruf: Irh 
eantraK»* Sehluss dor O ehalte mit Anhörung der ei n- 
ff e t r a g « n e 11 Redner.) 
^^ Di^l Dr. Schlaposchnlkoff spricht in rUBBi8c)ier S|irnclie. 

^H Priisidont Dr. Herz) : Herr Dr. SetilnposcluiikofT heaiih-agt fünf 

^■^ Wir woi-dpn über joden Anlrup der Helhe niicli iibstiinnien. 
^H Diejenigen, welche tur Sehlu«s der Uebtttte sind ohne Anlinruni: 

^Hreit«rer Redner, wuLlen die Hund erheben. iGeschloht.} Ich Ifitte tun die 
^^Ce(<on|irohe. (Nach einer I'auset: Ist abgelehnt. (Leblmder BeiftilLi 
^^r r>iejoni(.(en. welche für Srhhiss' der Dehnite i^ind mit Anhurunti 

^^her hereilÄ einffexeiehneten Ht»dner, wollen die Hund erheben. ttlesohielilJ 
Ich bitte um die ( iegenprnhe. <,\'»ch einer Pauset ; Ist nngenommen 

Iund damit der S^hlut?« der Rednerliste ausgesprochen. 
[ DiejoniKen. wehdie fiir nino Redezeit von ö Minuten für jeden 

Redner Kind, wollen ilie Hiind erhoben. ^Clc^chiehl.) Ich bitte um die 
BeUf^nprohe. (Nach einer Pause): Der ö Minuten-Antrag ist anfr^ 
n n ni in e n. (i.ehhaltor Hoifall.y 
[ iJel. Dr. Ebner: Icli betuUrnge, dass die Kl.sle derart oinKcriohtel 

■rird. dnss auf einen Pro-Kcdner ein ("ontra-Reihior ful^l. (Rufe: Da» 
ut undurchführbar!» 
Präsident Dr. Herzt: liegen diesen Antrag spricht g 29 der tJe- 
fl»dijinsnnlnun»(, welcher sapt: „Die Redner werden In der Heihenfolg« 
der AnnuddunKen anjjiehürt." 

Del. Dr. Ebner: In diesem Falle ziehe ich meinen Antrng zurück. 
Del, H. Son sprichi in franaösiacher Sprache. 
Präsident I>r. HerzI : Herr Son kann in 5 Minuten seine Be- 
lorkunKen nicht vtirhringen. 

Del. H. Son: In einer Stunde auch nicht. 

Dd. Coldberg: Ich beantra»fe. in diesem Falle eine Ausnahme xul 
'Unachen und dem Redner eine Ftedezeit von lU— 15 Minuten za gfr^J 
«hitn. 

Prüäidcnt Dr. HerzI: (cb- kfiiin einen nngenommeneu Antrag nid 
kiedor uuLstussen. 

Del. Aron Markus: Sehr ffeehrto Versammlung! ich erlaube mir 
Wuniichrtt einen kleinen Protest daliegen ein/uiegen, duss un-sere Rede-] 
fridheil hier dui-ch die parlHmentarisehe Discijilin auf ü Minuten be-j 
Kchriuikl wlr'd. Id» glaubn, wir reden hier nicht ztmi \'ergiM"n(en.| 
aoridnrn es hiutdell sich hier um l'Vagen. wo wir nicht als Mariunellonj 
Agtiriereii witllen. sondern wo es sich um dJis Leben von vielen.! 
TauM'tidi'n und um deren Xukunrt handelt. (Lebhafter Beifall und 
Jhiiidi'kbit.ichen.) Ich muss das geehrte PtibUcuni bitten, nicht zu 
ftiiplaudieren. <lenn der Applaus wird schliessUeh auch nuf meine i 
Rechnung kommen. 

Die Cnlonisatlonsfrage ist fiir uns dns Alpha und Omega a«1 
Mogenuunten relit^lösen Zionismus. Sie /errällt für uns in zwei Probleme, 
<lie wir in dem AuöHpruohe vereint finden: "ICS', Er wird sein Land i 
nitd -«ein Volk versöhnen. Zuerst diis Lnnd. dann da-s Volk. Selbst die-j 
jetilKen Juden, die allen tiefahren im I'Camt>fe umfi Oiisein unvenwgtj 
ille Sthiie bieten, betrachten die Colonisation des Hciuiatlitndes als da*^ 1 
biMlItfulo VX'ork. In zweiter Linie steht für uns die .SchalTung eiueüj 



h 



— !öl — 

Jsfte f[lr die HetuiHtlos^n. D^ " »weite Kijpd i^t pi^A ebenso, diiä Hen 
9ew^!*en, vrO' «Ins frsle. '' ' ..•.., * . 

Wir be^Tfiisticn diihor In dorn BaiiplGr ConRrosp eine Kürnorschiift, 
wpkhff die Jmlenheil als i-r^lon. i"i>in [uilitisphon VoilroluiiKsikÖrpor noil 
IHliJahrcn iius sicli selb^l heraus posclinfT«ri hat. Wir erkmiueji dieser 
Kf>^lM«r^oJm^ ullü politischen R^-chto zu. Wir wwlleii tibor Tliuton sphon 
oder wöuiiröteiis I^i-obrn vun aetutjUer LeisIiiutJsrahiKküii. Das hal (siner 
0«r ^eohrteii V'orre'hior h»;in«he in Jeiiselhcii Wortcji schon aiisj?e- 
•ilitiirhcn, niinilieb der KitUhinor von NoRpßl. Also es kunn mir auf 
Itinsr W'eisR ilfr Vorwurf sepjirntisti.'jrher or^ho<h)X^'^ (Ji^histi" gciiuicht 
vtirdfin. Denn wenn Xonpol und Knikjui dinsolhon Ansichten hrihen, 
^Miliirt Jus, ^hiube icJi, für dun ^{rösston Furtschriltlor. AU Delegierter 
rot) Knikim hiihf ieli da* Mandat, in erster Linie folgende Bitte ileni 
hi'-lien ('otii<TeÄS 7Ai untf^rlireilen. Die Juden in Kraknu waren leider 
fiicjenitft'n. welche der Colonisatioii Ar^enfiniens aus <U'ni «^t^t dV-tude, 
ilvm Stftdium des Studiums, zur trauri^on W'irklit^hkeit verhelfen haben. 
Du ffesehieht aber ein Verbreehen, dessen MitÄchuldige wir sind. l*m 
iillfn Dementis ein Ende zu bereiten- habe ioh einen Colonisten mit- 
e^lirnrht. der ein spunisehea Certiflcut der jiidisehen AdniinistriUion 
(■•■»it/:!. wonach er da^« Land verliess. nachdem seine Tochter in seiuen 
.Arim»n er^iehOKsen wordt>ii ist. Dieser Kall ist leider ni<*hl verpinzell. 
l'if ..Jewish ('olonisatinii Association" ^'bt das Leben von "(MM) Seelen 
')«n .Mordstahl der Oauchof; prei?;. Aber noch sehliiiiAier ist die l'nter- 
'Irückimtf. welche gewissenlose .Administratoren ausüben, darunter \'er- 
i^r»^^ller unter falschem Namen, die Kussland »'epcn FüLsebiuiÄon ver- 
'■'■^^'■n musüten. die hunderte Juden ins Verderben Kestürzl haben. Wir 
)-!-n hier in unserer Mitte einen Heirn Culonel Henryk Son aus 
l .M'tios Ayres. der von /-W^i russischen ICaisent persönlich austre- 
.'-r)i'hn«'i w<»rdpn isi für seine Krfindunpeii. der acht lebende Sprachen 
(•«iliiTTscht. iJieBGr Herr hezeupt die totale I 'nbattbarkeit der fti-g(»n- 
llniji''hen Colonle. Das Trogi-amm des (."onpressos bedeutet Hufe für 
7 Miliinnen Juden. Wohlan, wir haben 7> IX) Seelen, die inzwischen durch 
II" merkwürdige Collision des woblthatitfen WoUens mit dem prnic- 
1^ 'licn Können auf oinpr Toiirelsinsel ';clHiiachten. Missl sich der Coß- 
gr«ä6 di« Fnhigkeil /u, mit ilen .Muchthahern der Krde za verhandeln« 
to «oll er eine kleine IVobe davon e8K<-'""ber jüdischen Machthabern 
nhlpgen. V\'ir verlangen oder bitten vielmehr xun ein«* Hesolulion. wolc!»e 
'W _Jewinh Kolonisation Assncialion' die Mlssbilligunj^ über die ge- 
»ichafTenen Zustünde ausspricht (Lebhatter HeifiUli und das Verlangen 
«itliält. eine sichere Commission unter einem Mac Kennan. der sich 
»ohi finden wird, hinzusenden, und wann die Colonie aulVegeben 
•erden muss, das unKliickliche I-Ixpennient definitiv aulzujieben. Waa 
«oU mit diesen 7t>fX' Seelen K*^3chehcn ** Wir wollen sie als rioniliere 
ßr die Zi«'Ic des ('onvress*M verwenden und datnit gleichzeill« eine 
1 - -;'.injj zvrisehen den divergierenden Ansichten über die Infiltration 
[1. Diese -luden haben keine Heimat. Die ^ewlsh Colonisntion 
iv-^,.' i.iLiiin" hat uiificheuere Mittel, über einen W'ohlÜiätlgkeitfirund von 
&>,ili»(J.<M*(», die nutzlos Im Sau'le verriimen müssen. 

Diese Leute haben erst unlänpät in einer i*etiüon »n Europa 
ivbet^n. dns.s man ihrer traurigen Lage ein Ende bei-eite und sie hinaus- 
ftUre n&eh l"*a!ii-,lina. Wir kimnen t?inen Versuch machen und der 
LWdt zcigpu. dass wir leistungsfähig sind. Wir können zeigen, da.s.s wir 
Vor einer otTenen ThUre stehen, und gegen diese l^iür Laufgräben auf- 
richt«n. Das Einwanderungsverbot der türkischen Regierung ist ein 
V.,ii,..t ni...)- welches die Juden sich immer hinwegzusetzen wiß^en. V\'enn 
verschlossen sind und eine zehnte e.xistiert, durch die er 
, i.-.^...^ 1, k&ixn, so kommt er Iierein, wenn er auch durch alle anderen 

V 



— 132 — 



Deua hinausgeschmissen wurde. (Lebhafte Heilerkeit.) Wir haben das 
Fiictiim vor uns, Huss vor finigon Woohen erst eine kleine jüdische 
Truppe nus Nemen mit türkisrhfn .Iiid^n aus Constsntinopel einwandern 
wollte und die türkische Behörde dies nicht zulies«. Die Leute wundlen 
sich an den en^?lischen Consul und dieser hat init seinem gesunden 
Menschenverstaude sich aul* die SupremaÜe Knglands gcütütat und hat 
der turkifii^hnn Regierung erklärt, daas sie nicht das Hecht habe, Juden 
auszuweisen, welche nnter dem Schutfie Englands stehen. Das hat 
geholfen. Die Juden sitid zugelassen worden. 

Man konnte nümlich diese Leute, die keine Heimat haben, die 
unbedingt liinaus müssen und unbedingt nach Palastina wollen, die 
nominell schon unter dem Schulze der englischen Itegierung stehen, 
wirklif-'h unter ihren Schutz stelieu und sie soll dann an die Türkei das 
Ansuchen stellen, dass man diesi^ l^eute hereinlässt. 

Vors. Dr. Harzl : Zu meinem grössten Bedauern sind zehn Minuten 
bereits um. Ich für meine Person würde ihnen gerne zuhören, aber es 
ist leider ein Besciüuss gefassi worden. (Rufe: W'eitorrodon ! Zuhören!) 
Wenn sich kein Widerspruch dagegen erhebt, dass Herr Markus weiter- 
epricht, dann bitte fortzusetzen. 

Del. Markus : \V'ir glauben durch diese Taktik stLmnitliche schwe- 
benden Frageo zu losen und der Welt dadurch zu zeigen, was wir 
defacto etwa für die Colonisation leisten können und dass wir die 
türkische Regierung beeinllussen können, das Kinwanderungsverhot zu 
mildern. Wir können gleichzeitig in Verbindung treten mit den jetzigen 
BeKitzeru, die in Palästina bedeutende l^ndereien haben und dann wäre 
zugleich die Frage gelöst^ welche selbstverständlich den Hauptgegen- 
grund gegen diese Infiltration bildet, was man nämlich mit den Leuten 
anfangen aoU, wenn sie wieder den wildezi Beduinen oder sonstigen 
Gerahren ohne völkerrechtlich-gesicherten Schutz ausgesetzt werden. 
Hier läge das Verhältnis andei-H. Wenn die Leute dort dem siolieren 
Tod pi-eisgegehen sind und man nicht imstande ist, die Leute vor 
Mord und Schändung und allen möglichen Unbilden zu schützen, so 
köruilG es nicht in RetiHchl komineu, ob die Leute dort Unbilden zu 
erdulden haben und in die Hände der Beduinen fallen. Das ist kein 
grosser Unterschied. Dort werden sie den Boden Üires Vaterlandes mit 
eigenem Blute düngen, während sie dort in fremdem Lande ver- 
kümmern müssen. Ich glaube, das wäre die kleinsti? Sorge. Aber gleich- 
zeitig brauchen wir nicht an die romantischen Motive zu appelliereu, 
denn wenn die Leute unter den Schulz der engtischen Regierung gestellt 
sein werden, wird Urnen kein Haar gekrümmt. Auf diese W^eise Messe 
»ich die unglückliche Lage der Juden verbessern und wir könnten der 
Welt zeigen, dass wir den Namen einer politi-schi-n Vertretung des 
jüdischen Volkes vordienen; dass wir imstande sind, mit Regierungen 
zu unterhandeln und den Eigensinn diese?» jüdischen Potentaten brechen 
könnten, welche in merkwürdiger W'ohlthätigkeit ihren Eigendünkel 
nicht hesehmutzeu lassen wollen und 7(XK) .Seelen dem Klend preisgeben. 

Und damils glaube ich, wäre die giösste Propaganda gemacht ftir 
unseren Congi-ess und die zionisti.schen Bestrebungen, wenn wir dem 
Volke zeigen, dass wir facliscli etwas leisten können. 

Ich bitte den Congress. diese Resohition anzunehmen, damit wir 
mit einem praktischen Erfolge von dannen ziehen. tLobhafler BeifBll 
und Händeklatschen. ) 

\''ora. Pnis. Dr. Herxl : Zur Geschäftsordnung hat Herr Doctor 
Schauer das Wort. 

Schriftführer Or. Schauer: Wir haben eben gehört, dass Herr 
Son. der zuvor nicht zum Worte gekommen ist, uns interessant« Mit- 
theilungen über die Art und Weise der argentinischen ColoDisatiou zu 



_ I3J — 

iddten iti iler Lage ist. Ks wäre mtcressflTit. wenn (Vicse. MittheHun^en 
Uer ton autoritfitivcr S^ite urbi et urbi verkündol uUrden. Du doA 
PQiiflninutRn-Prineip nun bei Herrn Markus durchbrochen wurde, Ul es 
■ohl auch bei Herrn Son, dor eigens aurf Buenos Avtcs hergctcoinmen 
Ui. möulich. loh stelle dalier das Krauchen. Heirn San zu ei'SurheDT 
«eis Reti^mt zu halten, weim es auch länjirer als fiinf Minuten dauert 
(Lebhaner Beifall.! 

l)H. Son : i^pr-icht französisch.) 

Del. Dr. Schauer: Herr Son Drsu<^ht mich einen Vertrag zu ver- 
lesen, wie er mit den ColoniMen in Araentinien gemncht wird, und 
zwar insbesondere Artikel X. Derselbe ist dem verstorbenen Baron 
Hirsch. bcziehnnt?sweiKe »einen Rechisnfidi folgern unbekannt. Jedenfalls 
hfitt« er das niciil zu^'eyeben. Artikel X lautet : „In allen DirPereuzen, 
ifpIi*Jie zwischen den Coloni^ten und der Localdirection der Gesellschaft 
in Buenos Ayres in der rechtlichen Auslepung vorstehenden Contrartes 
Streit erwecken können, sitll unwiderrutiich der Ausspruch eines 
Srhieilsrichters unerkannt werden und erkläre ich im voraus, niit einer 
Pereon zufrieden zu sein, welche in Paris jedes Jahr bezeichnet wird 
OBil in Buenos Ayres wohnt." 

Del. Son spricht hierauf in einer für d«n Stenographen unver- 
stäiidhehen Weise. 

Vors. Prüs. Dr. Heril : Das Wort hat Herr Dr. Friedemann. 

D«L Dr. Friedemann : Wir verstehen nichts von dem, was Herr 
Son s;ijit tind ich möchte bittou. dass lins entwetler deutscli oder fran- 
3i')sisrh wiederholt wird. Ich möchte vielleicht bitten, dass das, was 
HtMr Sön uns fta^fon will, von Herni Dr. Schauer mit lauter Stimme 
d-'rn Cont;ross milKetheilt werde. Man vorsteht nämlich yar nichts von 
ivm, was Herr Son spricht. 

Vor*. PrKs. Dr. HerzI ; Da Herr Son einige Mühe hat, sich verständlieh 
tu mnchen, es mir aber doch im Interesse der Sache gelegen erscheint, 
lu h»prcn, was er sagen will, besondei-s da er aus soweiter Ferne zum 
'""nr.fji'esse ^ekoininen ist, so halte ich es für angezeigt, dass wir ihm 
iTiMr^en einen kleinen Saal im eisten Stock filr einen Vortrag zur \'er- 
fiiiung stellen, den er denjenigen Herren halten wird, die sich für die 
■^ii- lie naher interessieren. (Zustimmung.} Wir wei-den also Herrn Son 
fJii l.oiuitL'Zimnier morgen TVüh 10 Lhr zur XerfÜgung stellen, also eine 
Stunde vor Beiziiin des Congresses. 

Dr Friedemann: Ich mochte bitten. daÄS dasjenige, was Herr 
SoD morgen vortrugen wirxl, ins Protokoll uuf^r^nommen werde. 

Vors. Dr. HerzI; Das Jialte icli jiiclit für zulässig; aber wir werden 
'sno Knrm suchen, in dpv wir es dem Protokoll einf^igen können. Ks 
iinn seine Hede nicht als \'orkommnis des Congresse-s angesehen 
terÜCTi- 

Del. Ellmann : W'enn es sich darum handelt, was Herr Son 

m-jrgen zu sagen hat mit Bezug auf eine Action der „Jewtsh Coloni- 

iiii'iii AfiÄOcifltion". würde it'li den Antrag stellen, dass man von ihm 

Iiuibigung verlangt, aus der zu eraeheu ißt, dasa er eine autori- 

';elle ist. 

lin Schnirer: VVas Heir Son zu sagen hat, wird er nicht an 
ileser .Stelle sagen, weil seine Stimme niclit ausreicht; es bildet diäR 
' !iHn integrier<*nden Bestantltheil der Verhandlungen unseres 

■es und ich bestelle daher dai-Ruf, dass seine Aussagen ins 
ii.Mik.'ll nulgenommen werden. Es ist kein Geheimnlfi, was er einigen 
lu erzahleit hat Kr hat es dem Congi'esse zu sagen und nur, weil er 
«Ue Sitmnimilte) nicht besitzt, spricht er in einem besonderen Saale; es 
%ai »bcr, sowie alles andere, was im Congrcsöe gesprochen wird, in 
4itm VerhaiidtungsprotokoUc zu stehen. 



tt'eil nämlich jpnijwiil. (I*t bcsdmMit'l. soitif Daten M:cnau nngeb^o soll- 

DpI. Bambus: ich miiohle einen apderen X'orsohlBg mftoheiij Act' 
die Sn<^)ie vielleicht Iiccndigen künnte. Sie wissc^ti. das.«, wenn es Kick» 
um nrffeuliniiiche AugelesenlieUeu handelt, eine PrülXing sehr schwierigT 
irtt ; icli raochto daher das Actionscomil»^ bUteti. diese Prüfung in die 
Hand zu nehmen. 

Hprr Son mÖR<» sein MHtPiial dem t'oinili^ üherK^hen — mit 
Reden allpin JRt ja nichtf^ geholfen — wird dn.< ActiQiiBCpmit<^ nach dpr 
Priirnn^r sehen, djiss etwa« zu geschehen hat., so wird es etwu.t thiin. 
\'orKcs->en Sie aber nicht, wir sind jetzt bei der VIolontsation Hiüil<5tiQaA 

Vors. Dr. HerzI ; Ich kann mich der Ansicht des Herrn Oo<*tor 
S c h n i re i niclit anscliUesseii. dnss dusjenit^e. was Herr Son In 
i'inem abgesondörlen .Saale saRcn wird, in das 1'rotokoJ.l des Con^psMs 
uehürt. ich habe meinen Voi*sclüa(jr geuiachU weil es mir bitlitf schien. 
diiss man einen Herrn, dar aus so weiter Feme- kommt, nicht wck- 
l'tihren liisst, ohne ihn >rehöii zu haben. 

Kfi zeigt sich aber a\ich. dn.is es niclil möglich ist, diese Mil- 
Ihcilunjzcn in den Rahmen df^r Iieutigen Vorhnndhmp zu bringen, da 
nicht» hineingehörl, was nicht von allen gehi^rt wird. Herr Son wird 
einen Inruniialivetj V'iihrng für jene halten, die sich filr die Suche in- 
teressieren ; OS kann aber itiü Protokoll nichts kommen,, was nicht in 
der Sitzung vorgekoinnion isL 

Pr. Schauer : Ich möchte einen anrloren Vorschlag machen. 
Herr B a tu b u s hat ge.'^agt, wir sind hei der Coloni.'^ation l^ilästinnB. 
Im Princij> mag er Recht bähen, de factu liegt aber ilie Sache anders. 
\Vir wollen beweisen, dass iVitiistina dar* einzige Land ist, das sich ITJr 
die Colunisation eigitel, nicht aber Argentinien. Deslialb inijs.sen wir 
lien Missvrlblg der argentinischen Kolonie nachweisen. Rtchltg i.sl. das«. 
wie Herr Dr. Her/.l nuseinandergpsetxt hat, ein Voilrag. der in einem 
anderen Saale gehalten wird, nicht ins Protokoll autgenommen wenlen 
kann, leh moohle daher den Vorschlag machen, dass Herr Son hiü 
morgen tite (idtc habe, seinen Vortrag schriUlich v.u fixieren und einer 
der Sehriftrfibrcr kjinn ihn d(»ni Congres.«o mitthoilen. 

Or. Friedemann: Ich bin nrincipiell mit dem Antrag* d«H Herrn 
l^äHJdenten einver^randon. möchte abni- billen, Herni Son KU ftagen, 
ob er so viel mitxiit)teili>n lial, da-^s er für einen N'ortrtig ausreicht. 
\\'enn ei' nur A Miimton zu spfcejipn liat. so ditrttc ein eigener Vortrag 
uniuuktUc)) /f\r\. 

Voiii, Dr. HerzI: Das iät .Sache des Herrn Son. rJariib^r wird 
er »leb mit seinun Xuhorern a n sein an derzu setzen haben. HoATontlich 
wird alle Herren da« intere-ssieren. was er vortragen wiril. Ich glaube 
hietnit diesen Zwisr-henfall schlicssen zu können. (/Zustimmung.) 

Dr. Marmorek : Im HerzKscheii JudenKtante ist der 7-Stundenlftg 
rm*tge*tclzt : wir haben aber schon zweimal den T-Stnndenlag 
durchguuiacht und loh glaube, dass wir nach einer rierzehiistiindigen 
Sllzung weggehen können, da wir genug gearbeitet haben. Wir haben 
niH'h eine IMlbln zu crlMIlen. Judg Zion gibt uns einen Commers. Ich 
gbitibe, i'fi iMt nkht gut möglieh, dnss wir Cinstfreunde. die uns so warm 
nnrgi'iKimmen haben, mit ihren Damen zwei Stiuiüeu auf lins warten 
InMuen. (Wblei'Kiiruch.) leh bitte, diese Debatte kann ja morgen um 
flifbr frlJb lor1ge«etzl werden. 

Thd, Weltmann : Wir sind nicht hiehergekommen, iim uns zu 
Ulilarliallen, -"Uideni urn zu arbeiten. Der Commers geht uns nichts nn. 

ViM>. in: rtenl: Ich glaube, die Frage ist nicht gut gestellt 
wordtui. I')h bandelt hieb niehi um den Commers, sondern darum, ob 



- 135 - 

«ir nofili so riel AurtHi;»iingski*an hnben, um den Rf!clnn*n ji^nügend 
(Alna zu köimpti. 

Es lic^i ein Antifiju: vor uuf Schluss der Dehatte ohne Anhöning 
von u'fiUTen Hedneni. iRuf: Der ist jü Rchon abgelehnt worden !) 
Diwpf AntrH>r kfinn du*-!i iinni<>r wiedur iiur^enommen wcriien. naclidem 
liie Vti-samnilunp von 14 Kcilnern ö ^eiiörl hat. kann sie j« finden, daas 
die I^Miattc t*i->-''hüj,<n i^t. 

Kä htinilclt sich dfiruin. die Colonisationsdebatte bis zu Ende 
ilurclizufiihren. und auch di« Himkdiscussion, dieSieebenAills wlinRchen. 
ziir (ieltunu /u bringen. 

Wenn Sit» lit-Mdos wünscli*»n, und ^iHuben, dnss Sie jetzt schon 
Kcniif! Uoilnor ^ehnrl haben. knnnTn niHii das ao einrichten, ilass itmn 
morf/en di<' Sitzung mit ilcr Bunkfritjrf bojiinnt, dann dio ColöiiiKütions- 
fra^en b^handolt und dann die xveilPiv Tatfe.*ür'lnunK'- (VVidorspruch.'t 
Schriftführer Dr. Schauer: Dann ist es viel zu spiU. wenn wir 
Qiorgpn um ll L'hr bcfrinncu. lob beantrage den Beginn der Sitzung 
föf i» l.Tir. 

DeL W. Bambus : Ich möchte den X'orschlag machen, dass wir 
dld Debatte über die Culunialbaiik und die Coloni^atioa coinbinieren. 
[ll vielen Pnnklen fiillen dii^se Hinge ohnehin /.u^innien. Das dürRe 
die Debatte ahkUrzen. 

Prts. Dr. HerzI : Das ißt niclit möglich. Hier liegt ein Antrag 
il«t: CoIdiüsMtionsuusscliusso«, dort einer des Hankec>niitü.< vor. über die 
tfetTpnnt ubticf^tiiiiint werden [Uusä. Dum liisst sich nicht eunibinieren. 
leh friige fzan/. eiidiich : V\"ün:srht der Congress die Utdialte jetzt forl- 
zustft/.cn oder auf tnorgen r.u VKitagenV Wer dalur ist, die Debatte jetzt 
fort2usftKen. ilen bitte ich, dl<i Haml zu eriiebeu. (Cieöchieht.l Ich hilf* 
Wu dii" Gcp»->njir<d>p. 

(Nach piner Pause.) Die Mehrheit ist dafitr, jetzt nicht weiter 
lu berathen. (LcbbiilU-r Hüil'üll.) 

Jetzt frage icli Sic. wollen Sie nioi*gen mit der Debatte beginnen 
»der mit dor Debnllt» id>er die (olonialbaiik ? Wer dat'iii" is\. nu>rgen 
mit der Deliatlt> übfr die (Vdonialhank /u beginnen, d<*Ji bitte ich, die 
Mnnil KU crhvbeii. (fiosohicht.) Ich bitte um die (»enenprobe. AIäo 
'Iiejenigen, die morgen mit der Debatte über die ("olnnirtatinn beginnen 
wollen! (Nach einer Pausc.i Die Mehrheit ist dafilr, die morgtgo 
Tagesordnung mit der ßeäprechung der CnlnnJalbank /,« beginnen. 

Ich riiar^he Sie darauf aurmerksain. dass nuch eine ubschliesseude 
Coitferßnz des gru^Kcti Hnnkcoinit^-rf Ktatthndeti niunfl, und da iliese 
heute abendn nicht stiittHnden kann, nuissen wir sie für morgen früh 
Kiubej-uren Infolgedessen werden wir morgen den CungresB um ',11 Uhr 
romultiigK herinnen. Zur Bnnkconfercuz wollen sich die Herren des 
grossen ß unke und lös um H l'hr IVUb versaniuieln im ^.■om^nis;^ionösaale. 
Der \ enHcatiuiiKauäschusä ven^ammell sicli um U L'lu* früh iu 
demäelben Zinmier wie heute. 

Der iVnnanenzauMchuflS versammelt »ich morgen um 9 Ultr fVüh 
Im Prasidial/iinmer. 

In .Anbetracht des rnißtandes, dass uns nur noch ein einziger 
Arbeitstag zm* \'erfiigimg steht, bitte ich, morgen punktlich um 'i',II Cfhr 
HJ erscheinen. 

Dio Sitzung ist geschlossen. 

(SchluRii der- Abendsilzung t) l'hr Ari Minuten.) 



III. Tag 



am 30—31. August 1898. 



B e g- 1 n n : '/j U Uhr VormittagTS. 
Vorsitzender: Dr. Theodor Herzl. 



Prüs. Dr. Hörxl : „Zunäch«t muf» ich auf einen Zwischenfall in der 
ftestrif^f'n Sitzuiip zurilokkommen. Die Bemt^rkungen, welche über d&s 
W'püeri'^ipnis der Friedensoonforonz hier pemafhl worden sind, wurden 
offenbar von cLniRen Herren der Presse missvei-stfinden. Gewiss nicht 
aus mangelndem Wohlwollen. Es knnn uns aber nicht gleichgiltig sein, 
wenn eine Depesche von hier hinausgeht des Inhnltos, da.ss der Änti'tig 
eines Delegierten, die EntwafTnungsproposition mit einer Zustimniungs- 
kundgHhung zu beantworten, den Widerspruch der Delegierten hervor- 
gerufen hätte. Ohr üegentheil \At richtig. Ks wurde, wie .Sie sieh 
erinnern, nach der erkliireriden Hede des Hemi Dr. Bodenheimer mit 
Ancliimation [lic Zustimmung zu diesem gi'ossnrtigen JCreignis hesch]oR.sen. 
Es hitt sieh keine Stimme dagegen erhoben iLebhnner UeifuU und Hünde- 
klu(!>ehen). E,s hat sich in diesem Siialc niemand dagegen auägesprocheo. 
Es konnte vielleicht einen persönlichen Zwlsclienfall geben, der auf die 
nop'h nicht erfasste Absicht des Antragstellers zui-ückzufühien ist Der 
t'ongress aU solcher aber hat einstinnnig. darf ich sagen, seine Be- 
geisttining fiir diese grossailige That ausgesproclien. (Lebhafter ßeifnll 
imd Händeklatschen. I Ich möchte meine CoUegen von der Presse bitten, 
kanieradschaftlich bitten, unseren Herathungen mit einiger Aufmerksaui- 
kei! zu folgen ; ich bin 'lann überzeugt, dass Miss Verständnisse nicht 
hinausgehen werden. W'ir können niclit immer die Irrthiimer berichti«eD, 
aber os liegt uns sehr viel dai"an, dass man genau weiss ^'^^ bier gothau 
worden ist. und dass man sich schliesslich auf die stenogrnphischftn 
Protokolle stützen könne. Der Kinlauf konnte noch nicht geordnet 
werden und wird in einer der nächsten Sitzungen verlesen werden. 

Wir gehen jetzt zur Besprechung der Colonialbank über, da os 
der Wunsch des Congressos war. dass wir diesen Punkt mit möglichster 
Beschleunigung behandeln. Das Wort hat Herr WolfTsohn. 



- IH7 - 

Del. D. Wolffsohn (mit lebhaftem lieitull begrübst): 

Hochgeehrte Versa m in lun^! 

Bei jedem neuen Unternehmen muss zuerst eeprüft werden, 

I o!i lias ruiemehraeu eine Notlnveiuligkeit hl, und zweitens, ob die 

> M<Jg]Jc)ikeit vorhanden ist. das Unternehmen ins Leben zu mfen. 

K>t dann, wenn diese beiden Kragen geprüft Und gelöst sind, erst 

[«iaiiii darf zur praktischen That geschritten werden. 

Auch der Congress wird diese beiden Fragen prüfen müssen. 

jirenu bie dem Ihnen vorhegenden ßankprospect Ihre Zustimmung 

l^pben wollen. Die erste Frage, ob die Bank für uns nothwendig 

pt, ist sehr leicht zn beantworten. Es ist selbstrerständhch. dass, 

liwtim wir unser Ziel errfMchen wollen, wir zu unserer grossen 

Bnisntinn eine gesch^itllicli rein kautmünui.sche Verwaltung haben 

en, und die beste Fuiin für dieae Verwuitung dürfte zweifellos 

die einer Hank sein. 

Soll das. was wir hier theoretisch vorbereiten, all' unsere 
Hofl^ung realisiert, soll unser Ziel erreicht werden, dann müssen 
wr auch darnach trachten, uns die nöthigen tinanzieüen Instrumenta 
herzastetlen. und das einzige geeignete Instrument ist die Jüdische 
loloniallfank. Das Arlionsroniite, das erst voriges Jahr nadi dem 
|fi>ten Tongress seine Thätigkeit begonnen, war sich wohl Uewusst, 
dw* auch Sie davon überzeugt sein werden. Schwieriger aber 
tf>cbien es. den Beweis ffir die Möglichkeit zu lieiern. Das Comitc 
konnte tmd durfte dem Congress keine Vorlage machen, für deren 
.AiiKtührbarkoit es keinen Beweis hatte, tlin altes Sprichwort sagt: 
,iIVobiere« geht über Studi*'reii.'' — Das Aclionsconiite ist n:ich 
■iwem Recept voigegangen und bat eine Probesubscription 
ppschloKsen, die uns zeigen sollte, ob die Kralt, die wir dem Zionis- 
iius Kugerauthet, ül^ei-schätzt wurde oder nicht. 

Die Vorconferenz in Wien, von der Ihnen schon berichtet 
rmlen ist, hat dalier den Beschhiss gefasst, ohne jede weitere 
Forbereitung in eine Subscription einzutreten, und zwar mit dem 
laen bekannten Älodus, dass jeder Subscribent sogleich zehn Per- 
leut des gi^zeichneten Betrages anzahlen muss. Diese merkwürdige 
uliticription wurde gegen jede bisherige Praxis ohne Banquiei-s 
bi(i Financierr-, ja sogar ohne Programm und Statuten eingeleitet. 
|io haltt* ju nur den Zweck, als Krattprol)e zu dienen, und als 
Diche liat sie sich aucii glänzend bewahrt. (Lebhafter Beilall und 
BAndeklatschen.) 

In der kiu-zeu Zeil der wenigen Wochen sind von unseren 
UnliängHvn fast vier Milliouen Kranes gezeichnet worden. 

Merkwürdig nannte ich diese Subscription. merkwürdig und 
biozig in ihrer Art, denn es dtlrfte wohl noch nie vorgekommen 
pHa. dass tfir eine Bank, die weder Prospect noch Statuten bekannl- 
»lüfben, ohne weiteres vier Millionen Francs gezeichnet sind. (Sehr 



- »38 — 

richtig 1) Merkwürdig ist die Subscri|tlion aiicji dadnrcli, dass si 
eine Volkssubscriplion ist, deren Einheit iu allen Welttheilen aof- 
gebracht wurde. Aus allen Weltlheiien, überall, wo Juden wohnen 
und lebim. sind Zeichnungen eiupelauten. Weit über 1000 Zu- 
schriften hat das Bankconiite in der kurzen Zeit erhallen, die altd 
durchwegs von einer ßegeislerung getragen sind, wie sie wohl ein 
geschäftliches Unternehmen noch nie erlebt haben dürfte. (I^ob- 
hatter Beifall und Händeklatschen.) Ans allen Ländern dei- Welt 
winde dem Bankproject bejjeisteite Zustimmung. Hunderte Berichla 
von Vereinen und Corporalionen, denen man vollständig glauben 
kann, besagen, dass Shuisenzeicliiiungen erfolgen weiden, sobald 
erst eine regelrechte Subscription emgelcitet wird. Viele von Ihnen, 
meine Herren, die sich mit der Subscription bemüht haben, werden 
dasselbe bezeugen können und werden auch wissen, dass die Sub^ 
scription, die erst Mitte Juli in Fluss gekonmien ist. noch lange 
nicht beendet isL Täglich laufen noch Zeicbetilisteu ein. In den 
letzten Tagen sind hiev in Basel 250.01 MJ Kranes Zeichnungen an- 
gemeldet worden. I'er beste Beweis lür das Gelingen eines Unt^r 
nehmens düHte wohl die Popularität sein. Eine grössere Populurität, 
wie unser ßankproject tiberall gefunden, ist kaum denkbar. 

Im Verhältnis zu der Bevölkerungszahl der Juden in den 
vei*schiedenen Ländern haben bis jetzt insgesammt 23.000 gezeichnet, 
(Lebhaiter Beifall und Händeklatschen.) Von dem Ge.<ainmtbetr;igi 
sind 95 IVrcent in einzelnen Shares gezeichnet. (Lcbhatter Beifal 
und HÄndeklaischen.) Diese BetheiJigung der Kleinen aber leiatet 
auch zugleich die beste Garantie für die Sicherheit der Bank, den 
sie legt uns die höchste Verantwortung auf. mit der prösstcn 
Vorsicht und Umsicht zu Werke zu gehen. In der ganzen Natu 
unserer Bewegung liegt es, dass wir mit SturnischritL vorgehen, 
und das ist gut. Hier aber, bei diesem Punkte, bei der Bank, d 
müssen wir uns die grössle BesiTve auterlegen. Es wü*d als» 
unbedinpt nötliip sein, dass Sie zuerst ein Comitt^ einsetzen» welches 
die Schritte, die uns noch von der Gt Qndnng trennen, in Ruhe und 
mit Ueberlepung machen kann odei- vorbereitet. Die Bankconferenz, 
die hier seit dem 25. getagt und erst soeben ihre Arbeiten beendet 
schlägt Ihnen dieses vor, und wird Ihnen Herr Dr. Bodenheimer 
über diti Beschlüsse der Bankconferenz Beiiclit erstatten. 

Zwecklos wäre es. schon hier über die Einrichtung der Bauk 
zu discutiereu oder gar Beschlüsse zu fassen. Die Bank soll zwar 
ein Hauptfactor unserer Bewegung werden. Sie soll nicht ein Geld- 
instilut im gewnlitdichen Siuue werden, sondern vielmehr die Ge- 
samnitint«rcsscn des jüdischen Volkes wahrnehmen. tLebbaflei 
Beifall und Händeklatschen.) Um das zu können, muss sie daher 
Geschäfte machen und zwar gute Geschäfte. Dazu aber gehörea 
Fachleute. 



- m- 

Wfts Sie hier bescliüessen könwen. ist die definitive GrQn- 
Juüg, alles übrige niuss dfts Comilf. welches Sie liier wählen werdeu» 
besoigea. 

Was ist übeilmupt gegen urwei-e Bank eingewemlet worden ? 

1. Dass der Antiseniitisnius sich der yacbe Ijemüclilißcn und 
von uns sagen Icüiuite, dass wir eine iuteniationale Gtüdmaclit 
ItTöndeii wiillen. 

i. D:iss ähnliche conlesäionelle UnteriielimmiKen zugrunde 
gegangen sind. 

Beide Kinwände sind leicht zu widt-rlegeu. 

Wenn e» eine ßetAbrliclie, internationale Geldmacht ßibt, so 
luuin und wird e^ nichl die unsern sein. (I.ebliAfler Beifall und 
lländeklalsolMii,) Denn ^vir wollen das- Gejicnlheil, nAnilieh eine 
oationale hi'den. Das hat schon die Komi unserer Subsoriptiuii 
bcwinj-eii. die sich zuerst dnrch unsere Parleipress« hu unsere Ge* 
sinnutipsfft'nossen wandte. Und gerado die Gegnerschaften, mit 
(tenen wir lieehrt werden, beweisen, dass hier etwas ganz anderes 
im AV'erk ist, als was bisher war, und was dem .Tndcnthum njrht 
I immer zum Ruhme jrereirlite. Unsere Hank wird nieiil zu Kauh- 
niiren g:egen die Völker e:eprfinder, sondern einxJK znni Wohle 
(fflserew Volkes (Lftbii;ifier lieifall und Härideklalscheu), zum Ge- 
brauch unseres Volkes, und darum >chreiben wir offen den jiidisciien 
Namen in unser« Firma (Lcbliatler HeitHll und Händeklalschen), 
wolil bewiissl der Verantwortunp. die wir daniil gepen alle nnscre 
Vulk>fienossen übernehmen. Von diei^er Bank wird iiiehl der Pest- 
haudi ^'ewisser Unternehmung'en au^gehen, die man dem Judeji- 
Uiuni aat's Kerbiiolz geschrieben hat, und an denen es in seiner 
'>cjian)nitheit sicherlich unschuldig war. (Slürniischer Beitall und 
H.-'mdtklatschen.) 

Und licr zweite EiiiwandV Di© Beispiele, die nngefüln t werden, 
5ind nicht auf unsere Idee anwenilbai, wkÜ dort die Nothwendig- 
kuit und die günstige Bedingung tehlien. Wir können andere Bei- 
spiele aatühren, die aut uns eher passen, nämlich England, das 
überall, wo es in der Welt festen Fuss fassen wollte, stets mit 
Uankgrönviungcn angelancen. und diese Banken haben Enghind 
Mir Kolonien pe.-^icherl, als es die schwersten Kanonen, die grösste 
FloUe vermocht liällHU. (Leblniftei Beifall,) 

Aber auch ohne gtin^(ige Beispiele können wir ruhig die Baikk 
«gründen; denn beispiellos ist auch miseie ganze Bewegung, bei- 
'*pieIIos ist es, dass hier ein jüdischer Congress tagt, beispiellos 
»ar der Erfidg der Vorsubscription für unsere Bank und beispiellos 
»erden auch die Krlolge der jüdischen Oilonialbank sein." (Siür- 
miäcber, lang anhaltender ßeilall und Händeklatschen. — Redner 
wird beglückwünscht.) 

Dr. Bodenheimar : Geehrte Versammlung! Meine Damen und 
Herren l Jni Aullrage der Bankconferenz, werde ich Ihnen in kurzen 



— 140 - 

Leitsätzen lUe Ideen vortragen, welche uns bei der Gründung der 
Colonialbnnk geleitel haben. Ich werde nicht viel Worte machen^ 
denn es handelt sich um eine streng geschäftliche Angelegenheit^ 
die allerdings weit grössere Ideen im Hinlergnmde hat, die von 
Herrn \VoUt>ohn bereits in genügender Weise beleuchtet worden 
sind. Dipso lolfpiiden Idnon sind in dem Schriftrhen, w^elrhes 
Ihnen gleich vertheilt werden wird, als Prospect bezeichnet; ich 
bitte aber diese kleine Sclirift nicht als einen Geschäflsprospect 
zu betrachten, sondern als eine kleine Denkschrift zur Aufklflrung 
der breiten Voiksniassen unter den Zionislen, zur AufkUlrung über 
dasjenige, was wir bei der (Jrfindnng dsr Hank intendieren. 

Als eines der Mittel zur SchalTung einer öfTentli<:h rechtlich 
gesiclierten Helmstülle für das jüdische Volk in Palästina und 
Syrien soll eine Bank mit einem noch näher auszuarbeitenden 
Statut begründet werden. 

Diese Hank soll nichl etwa, wie es den Anschein hoben 
kannte, eine philanthropische Gründung sein, vielmehr ein rein 
comtnerciclles Unternehmen auf solidester, streng geschäfllichep 
Grundlage. 

Dem zionistischen Ziele dient die Bank durch die Concen* 
trierung und wirtschaflÜuhe Vereinigung jüdischen Capitals und 
jüdischer Arbeitskrilllf In i'inem bestimmten Lande, n.lmlich durch 
die Hinlenkung ihrer Thäligkeit auf den in Aussicht genommenen 
Colonisationsbereich von Syrien und Palästina als Mittelpunkt 
Innerhalb dieser durch den Zweck der Bank gezogenen Grenzen 
ist dieselbe in ilirer Geschäfts thäligkeit und Verwaltung vollständig 
frei und ungehiri<lcrt. Obwohl sie liemnach einem idealen Zwwke 
dient, ist dieselbe in ihrer V^erwaltung lediglich vom geschäflUchen 
Oesichlspunkle zu leiten» wie z. B. die l.andbank in Berlin zur 
Ausdehnung deutsch-nationalen Einflusses in den polnischen Pro 
vinzen Preussens beiträgt, indem sie grosse (iuter dem polnischen 
Adel abkaulT und behufs -Schaffung deutscher Bauernhöfe par- 
celliert. Die Bank soll ein Unlernehmen sein nach Art der deut- 
schen CoIonial-GeseUschaften, welche zur Ausdehnung des deutschen 
Colonialbesitzes thätig sind, indem sie in überseeischen Ländern 
und Wolttheilen Concessionen. Privilegien, Fiiesilzlitel und Hoheits* 
rechte erwerben, Plantagen anlegen und Kisenbahnen bauen. Dass 
die Thatigkeit der Bank innerhalb der gezogenen (Jrenzeu eino 
rentid>le sein kann, ergibt sich nur aus der Thatsache, dass deutsclie, 
englische und französische Unternehmungen iimerhalb desselben 
Thiitigkeitsbereiches mit Krfolg arbeiten, wobei nur auf die von 
der deutschen Bank geförderten Eisenbahnen in Anatolien hing*> 
wiesen werden mag, sondern folgt auch aus dem natnriichen Reich- 
thum der Lünder, in denen die Bank zu wirken bestimmt ist. Da 
in dieser Hinsicht vielerlei Irrthflmer bestehen, so mögen z\ir Auf- 
klärung hier einige Citate zuverlässiger Beobachter plalzgreifen. 



- I4i - 

Major Claude Reipnier Conder, der Ihnen ja allen bekannt 

ist and welcher im Auftrage der Englischen Palft5tina-(»esell5chaft 

Sjricn ein Jahrzenl bereiste und geographische Untersuchungen 

jder Art anFtellte, so viel ich weiss, ist die Karle, die im Saale 

liiii^rL hauptsächlich durch seine Arbeit zusammengestellt — schreibt: 

.Die Kritik, welche sich gegen die Colonisalion Palästinas wendet^ 

beweist nur, dass diejenigen, welehe dieselbe zu Papier brachten, 

niemals im Lande selbst waren, dass sie nicht einmal die Bedin- 

/(iiigen des Hodenhaucs in anderen Ländern kennen unil völlig 

vefgesseo, dass ihre Einwilnde, falls sie auf die Gebiete von 

i KöM- und Südamerika, denen sie doch mit der Sympattüe gegen- 

abffslehen, angewandt würden, dort in noch stärkerem Masse 

gellen würden." 

Kr ziihlt sodann die Vorzüge PaUlstinas für die Kolonisation 
I tuf und fälirt fort: „Der vierte Vorzug Palästinas ist der der 
! Fruchtbarkeit. Die in dieser Hinsicht von altershcr Iierrschenden 
n'orurlheiJe sind immer noch lebendig, sind aber niu* auf das 
l ^che Verstündni^ von lleisenden zunickzuführen, die in der 
^ Regel niemals den i)i*sten Theil d